SPAM – EINE FRAGE VON SEKUNDEN
Das Amtsgericht Dresden hält unverlangte E-Mail-Werbung unter bestimmten Umständen für zulässig. Da der Aufwand für das Löschen der Mail nur ca. zehn Sekunden betrage, überwiege das Interesse des Versenders an einem schnellen und günstigen Werbeweg. Das Amtsgericht lehnte deshalb eine einstweilige Verfügung ab. Auch, weil der Absender die Empfänger nach Protesten freiwillig aus dem Verteiler gelöscht hat.
Das 10-Sekunden-Argument kann wirklich nur von jemandem kommen, der sein Geld vom Steuerzahler erhält und sich um die Kostenseite seines Ladens nicht zu kümmern braucht.
Mehr zu dieser – merkwürdigen – Entscheidung bei heise online.
(Danke an Andrea Altefrone, Thomas Wallner, Andre Seidelt, Matthias Lorz, Thorsten Fogelberg, Thomas Bliesener und Martin Pilo für den Link)
.. und wenn hundert Firmen jeden Tag auf diese Idee kommen, wird der Geschaeftsablauf eben hundertmal am Tag wegen Spam gestoert. Dass sich das aufsummiert und auf Dauer einiges an Arbeitszeit/-kraft bindet, ist dem AG Dresden wohl unbekannt. Vielleicht sollte man die Bueromailadresse des zustaendigen Richters mal auf die eine oder andere Werbemailingliste bringen..
Hmm. Wenn ich daran denke, dass ich gelegentlich an Montagen schon mal über 300 Spams in meiner Mailbox finde, dann wären das also über 3.000 Sekunden Zeitaufwand. Inklusive der anschließenden Erholungsphase für den Zeigefinger locker eine Stunde. Was verdient eigentlich so ein Richter die Stunde…?
Auf meiner privaten Email-Adresse (gibt es seit 1995) kommen pro Tag knapp 2000 Spam-Mails rein. Sind also etwas über fünf Stunden zum manuellen aussortieren. :-)
Ohne das – übrigens kostenlose – SpamBayes (spambayes.sourceforge.net) würde ich total durchdrehen.
ca. 10 sekunden durchschnittliche löschungszeit für eine spam-mail?! wenn da das gericht aus eigener erfahrung (gerichtsbekannt) urteilt, dann haben die entweder ziemlich langsame rechner oder ziemlich langsames personal!
(oder auch beides ….)
Auch Richter haben ein Recht auf Rausch.
Zwei Dinge gilt es hinsichtlich des Urteils festzuhalten:
1. Das Gericht bezog die 10 Sekunden mE nicht auf eine einzige Spammail, sondern auf das grundsätzliche Aussortieren von Spammails.
2. Die "Abwägung" musste hier zwischen Unternehmern getroffen werden. Dies ist also nicht mit Werbemails, die einem Verbraucher zugesendet werden, zu vergleichen.
Das könnte es erklären:
daufaq.de/index.php4?aktuellerubrik=Grundlagen
Vielleicht projiziert der Richter auch nur seinen Computerhass und die damit verbundene Ignoranz in seine Urteile.
Ein solches Urteil entzieht sich jedenfalls komplett der Lebenswirklichkeit und ist IMO nur mit ideologisch bedingter Befangenheit oder brachialer Dummheit zu erklären.
Vermutlich arbeitet der gute Mann mit einer Büroausstattung, für die ihm das deutsche Museum eine Sonderausstellung widmen würde.
Gruß A. John
Was mich vor allem verblüfft:
Die Richter sehen das Medium 'Mail' als "schnellen und günstigen Werbeweg".
Ist das jetzt die traditionelle richterliche 'Unkenntnis infolge Überheblichkeit' ?
Oder denkt man im Osten nach wie vor na nix anderes als Konsum ?
Wer zehn Sekunden braucht, um ein Spam zu löschen, dem ist nicht zu helfen …. mein Mozilla macht das automatisch, und "per Hand" dauert das wohl höchstens 3 Sekunden.
Viel Lärm um nichts, die Spam-Klagen …
Wer darüber jammert, dass Spamempfänger über den Spam jammern, hat das Problem nicht verstanden.
Natürlich kann man Maßnahmen gegen Spam ergreifen. Das Problem ist nur, dass alle Filtermaßnahmen im Grundsatz immer auch legitime Mails betreffen können.
Filtert man textbasiert (Keywords, Bayes, etc.), trifft man alle, die die falschen Worte benutzen.
Filtert man domainbasiert, trifft man alle, die die falsche Domain benutzen.
Filtert man IP-basiert, trifft man alle, die die falsche IP benutzen.
Filtert man mit extern gepflegten Blacklisten, trifft man alle, die der Blacklistenpfleger nicht mag.
In jedem dieser Fälle gibt es aber legitime Gründe für die jeweilige Verhaltensweise des Senders.
Deshalb geht das Argument, die Spamempfänger sollten sich nicht so aufregen, sondern einfach einen passenden Filter benutzen, absolut ins Leere.
Für dich persönlich mag der Mozilla-Mailfilter bislang prima funktioniert haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass andere Mailteilnehmer erstens Mozilla überhaupt benutzen _können_, und es bedeutet zweitens nicht, dass der Mailfilter bei ihnen ähnlich gute Ergebnisse produzieren wird.
Ich betreibe selbst zwei Mailserver für jeweils relativ kleine Teilnehmergruppen. Deshalb kann ich es mir leisten, schon auf dem Server viele Mailversuche direkt abzulehnen. Zusätzlich filtert mein Mailprogramm angeblichen Spam in einen gesonderten Ordner. Aber zwei Dinge zeigen mir, dass diese Maßnahmen keine Superlösung sind: Erstens erhalte ich trotzdem weiterhin Spam (natürlich um Größenordnungen weniger, kriegt der Server 200 Versuche, kommen davon vielleicht 10 Stück durch). Und zweitens wandern auch legitime Mails in meinen Spam-Ordner. Ich bin also gezwungen, den Spam-Ordner regelmäßig durchzugucken.
Natürlich dauert das Löschen einer von mir endgültig als Spam klassifizierten Mail weniger als 10 Sekunden. Aber ich muß grundsätzlich Extra-Zeit aufwenden, die mir keiner bezahlt, sowohl für die Überwachung und Pflege der Serverfilter, als auch der durchgekommenen Spam-Mails.
Insofern kann ich das Jammer-Gejammer wirklich nicht nachvollziehen. Nicht die Spam-Empfänger sind das Problem, sondern die Spammer.
Normale Spammails werden bei mir auch schneller als in 10 Sekunden gelöscht. Dabei ist es mir aber leider schon mehrfach passiert, dass wichtige Mails im Junk landen. Spam, den ich nicht sofort als Spam identifizieren kann, so wie ich mir die Mail laut dem Heise-Artikel vorstelle, dauert länger.
Was mich wundert ist, dass bei knapp 15 Beschäftigeten zwei eMail-Adressen besonders viel Spam erhalten. Bei mir wundert es mich nicht. Meine eMail-Adresse taucht überall auf. Aber die eMail-Adresse unserer Sekretärin taucht wahrscheinlich nur auf unserer Website auf, wo auch alle anderen eMail-Adressen gelistet sind.
@Ulf: geht eine info@ oder ähnliche Adresse an eure Sekretärin?
@ulf: Dann solltest du erst mal die Sekretärin fragen, wo sie während ihrer Arbeitszeit überall rumsurft ;-)
Der Richter hat offensichtlich keine Web-Site bzw. keine veröffentlichte Mail-Adresse – mit anderen Worten: er hat "Recht" gesprochen über eine Problematik, die ihm absolut fremd ist.
Es gibt Anwälte, die sich auf bestimmte Sachgebiete spezialisiert haben. Warum gibt es keine entsprechenden Richter bzw. warum muss sich ein Richter nicht erst einmal "schlau" machen über dass, was er "beurteilen" soll?
@ Alix:
[warum muss sich ein Richter nicht erst einmal “schlau” machen über dass, was er “beurteilen” soll?]
Das Problem ist, Richter sind (zumindest nach dem Gesetz) unabhängig. Das geht so weit, das Richter praktisch Narrenfreiheit haben und weitestgehend tun- oder lassen können, was sie wollen.
Selbst wenn einer Schwachsinnsurteile im Akkord fällt, werden die, falls die Betroffenen in Berufung gehen, wieder kassiert und das war's dann. Gehen sie nicht, haben sie halt Pech gehabt.
Einen unfähigen Richter stoppen zu wollen, ist nahezu aussichtslos. Wahrscheinlich müste der erst einen (vermeintlichen) Taschendieb zum Tode durch erschießen verurteilen und auf der Stelle eigenhändig vollstrecken….
Gruß A. John