ZEITREISE
Es wird so 1975 gewesen sein. Vielleicht auch 1976. In Buchbach / Oberfranken, meinem ziemlich katholischen Geburtsort, gab es kein Kino. Aber im benachbarten Windheim. Immerhin warb das Windheimer Kino auch bei den Leuten aus dem Nachbardorf für seine Filme. Der Plakatkasten hing rechts neben Paula, dem kleinen Lebensmittelladen.
Wenn ich, der Elfjährige, bei meiner Großmutter zu Besuch in Buchbach war, habe ich immer freiwillig den Einkauf übernommen. Ich lief 15 oder 20 Mal am Plakatkasten vorbei, um einen Blick auf die Bilder zu erhaschen. Wenn mir jemand entgegenkam, ging ich schnell weiter.
Wenn ich mich dann nach hundert Metern auf der Straße umdrehte oder kurz vor Paulas Eingangstür kehrt machte, kam mir meistens wieder der Fußgänger entgegen, wegen dem ich gekniffen hatte. Der guckte natürlich böse, denn damals zog so ein Plakatkasten sogar noch erwachsene katholische Menschen an. Meistens tat der Betreffende dann so, als hätte er sich nur umgedreht, um seiner Verantwortung gegenüber der Jugend gerecht zu werden. “So was ist nichts für kleine Jungs. Schleich’ dich.”
Die Filme, die dort liefen, habe ich aus Altersgründen natürlich nie gesehen. Ich weiß nur noch, wie die mit den schönsten und verheißungsvollsten Plakaten hießen: Schulmädchenreport. Aber heute, mehr als 30 Jahre später, gönne ich mir eine Portion Nostalgie. Amango hat mir Teil 1 geschickt.
Ich nehme dafür immer eine nicht zu kalte Flasche Bier.
Neulich Mai-Ur-Bock.
Dumm nur, dass ich dann um kurz nach vier einmal raus muss.
Pfui Du Pferkel!
versteckte Polemik gegen christliche Moralauffassungen – Wir raten ab
Ich bin in einem kleinen Ort in Niederösterreich aufgewachsen. Inzwischen wohne ich mit meiner Familie auch wieder dort. Kino gibt's keines dafür immerhin 350 Einwohner. Der Ort heisst übrigens BUCHBACH.
Hab' heute morgen sehr schmunzeln müssen als ich Deinen Beitrag über unsere Heimatgemeinden gelesen hab !
Ja,
ich kann da nur aus der Sicht eines Mädchens sagen:
"man hat uns sehr für dumm verkauft!"
Ich erinnere mich, dass ich des öfteren, als heranwachsendes Mädchen in den Spiegel schaute und dann hören musste:
"Da schaut dich der Teufel an!"
Was waren das denn für Zeiten? Soll keiner sagen, die waren gut!
Liebe Grüße
Laura
Jetzt wissen wir sein Alter *gg*
@6:
Das wußten wir doch schon vorher…..
http://www.seelenfarben.de/derwocheinterview2004/20040711.htm
Grüße!
@Hootch: danke für das aufschlußreiche Interview.
Ich musste auch grinsen beim Lesen. Und ich bin mit meinem ersten Freund auch in irgend so nem ähnlichen Filmchen gewesen (allerdings nicht mit 11, sondern später *gg*). Ich dachte eigentlich, Franken wäre überwiegend evangelisch. So kann man sich selbst als Bayerin täuschen ;). Ich bin übrigens nicht der Meinung von Kommentator Nr. 3 – ich bin auch katholisch aufgewachsen und weiß, wie verlogen da manches war und immer noch ist, obwohl ich auch die positiven Seiten des christlichen Glaubens an sich sehen kann.
Boah, ist der Verleih aber teuer! Das sind bei 3 Filmen im Monat schon rund 12,- EUR.
Da ist Amazon aber um längen preiswerter….
Nachdem ich auf den Wikilink geklickt habe, ist mir ganz anders geworden.
"[...] hauptsächlich Kaufhaus-Verkäuferinnen im Alter von 16 bis 19 Jahren, denen eine Tagesgage von 500 DM geboten wurde."
Soweit ich mich daran erinnern kann, waren die Männer in den Filmen wohl doppelt so alt. Widerlich. Da ging es wohl eher darum, dass alternde Herren mal wieder zum Zug kommen und Schülerinnen unterstellt wird, sie hätten ihre ersten sexuellen Erfahrungen nicht mit Gleichaltrigen sondern mit Kumpels vom Vater oder dem schnauzbärtigen Bademeister – schließlich schreibt sich die Sendung ja auch die Fahne quasi-dokumentarisch und aufklärerisch sein und kein "Softporno".
@ Yetused: Genau so ist der Film auch gestrickt.
habe mir gerade bilder davon angeschaut.
irgendwie sahen die frauen damals noch anders aus:)
ich war das.
ja, das war wirklich ganz großes Kino, obwohl ich die Filme natürlich nicht kenne und nie gesehen habe. Die Handlung ist aber etwas seicht und auch die Kameraführung…
Ein Bekannter von mir hatte seine karge Studentenkasse dadurch aufgebessert, dass er die Filmprojektoren in einem Kino bediente. Ich wollte mir mal die Technik anschauen – und landete bei einem Porno-Film. Fazit: die Handlung ist immer die Gleiche, die Standorte der Akteure und die der Kameras wechseln.
Die Kinotechnik ist faszinierend gewesen, der Film ('Grüße aus der Lederhose' oder ähnliches) absolut nicht.
Ein Schmankel zwischendurch:
http://www.fettisch.de/wp/?p=1789
Heute hängt leider kein Filmplakat mehr bei Paula.
(Bei den Jüngeren heißt dieser Laden jetzt übrigens "Gundel")
Grüße aus Buchbach/Ofr.
[img]http://mitglied.lycos.de/schneder/emblem1.gif[/img]
Pech für Dich, den hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften sie gerade indiziert:)
http://zensurblog.de/2006/09/indizierte-medien-september-2006.html
Jaja, aber mitlerweile hängen in buchbach neben der paula nur noch handgeschriebene Plakate auf denen die Getränkepreise angepriesen werden. weiter unten hängt ein schild mit der aufschrift "Plakatieren verboten".
Grüße,
Einer aus Buchbach / Oberfranken
@16: "Ein Bekannter von mir hatte seine karge Studentenkasse dadurch aufgebessert, dass er die Filmprojektoren in einem Kino bediente. Ich wollte mir mal die Technik anschauen – und landete bei einem Porno-Film."
Zur Strafe hast Du hoffentlich danach alle Interviews im Playboy gelesen