Andere Länder, andere Strafen
Drei Jahre Gefängnis auf Bewährung. kassiert Mel Gibson für seine flotte Trunkenheitsfahrt. Bei uns gibt es für so etwas allenfalls Geldstrafe, vielleicht 60 Tagessätze.
Drei Jahre Gefängnis auf Bewährung. kassiert Mel Gibson für seine flotte Trunkenheitsfahrt. Bei uns gibt es für so etwas allenfalls Geldstrafe, vielleicht 60 Tagessätze.
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Server und Florian
Holzhauer
Ich finde das richtig. Wer betrunken fährt, verhält sich lebensgefährlich – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere.
Ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum die Strafen im Bereich Körperverletzung, gefährlichem Verhalten im Straßenverkehr usw. so lächerlich gering sind, während Eigentumsdelikte teilweise überproportional hart bestraft werden.
Naja, da drüben bekommt man aber auch für Spamming 25 Jahre …
Naja, die USA als Rechtsstaat zu bezeichnen wäre auch arg geschönt.
3 Jahre sind schon ein wenig happig. Ich hätte ihm halt für 5 Jahre den Führerschein entzogen und irgendwie eine Geldstrafe von 10.000 Dollar. Das passt doch.
Ansonsten sind manche Strafen in den USA irgendwie durchdachter als in Deutschland. Wenn ich nur an die ganzen Gauner denke, die auf Bewährung rauskommen, obwohl sie tätliche Übergriffe begangen haben oder andere Menschen im Drogenrausch mit dem Auto tot gefahren haben. Aber wenn man ein wenig seine Steuererklärung modifiziert, da dreht das Rechtssystem bei uns gleich durch.
"Naja, da drüben bekommt man aber auch für Spamming 25 Jahre" oder man muss 10.000.000 $ zahlen. mfg Xe54
Nunja, bei uns wäre bei drei Jahren keine Bewährung mehr drin – das sollte man auch bedenken bevor man die USA als Unrechtsstaat bezeichnet.
Naja, er ist Wiederholungstäter. (Keine Ahnung, wie oft, aber es ist mind. seine zweite Trunkenheitsfahrt, die vor Gericht kommt.)
Sicher übertreiben die BushMänner und -Frauen hin und wieder. Insgesamt schaffen Sie es jedoch, die Leute dazu zu bringen, weniger Verkehrsunfälle zu verursachen. Die nehmen wenigstens Stellung dazu, dass Gesetze von Lobbys beeinflusst werden.
Hier tut man scheinheilig so, als gäbe es keine Automobil-, keine Tabak- und keine Pharma-Lobby und versucht, den Leuten einzureden, dass Verkehrstote, Krebs und hohe Gesundheitskosten ein Naturgesetz wären.
Er ist Wiederholungstäter, hat sich der Verhaftung wiedersetzt und die Beamten beleidigt.
Was gibt so etwas in Deutschland, Hr. Vetter ?
Das kommt natürlich auf die Einzelheiten an. Sechs bis zwölf Monate auf Bewährung, schätze ich mal.
"Naja, die USA als Rechtsstaat zu bezeichnen wäre auch arg geschönt."
Kopfschüttel.
@ 7
Bevor er wirklich in den "Bau" muß, hat er noch einen weiteren "Versuch" frei!
@11: Erklär mir das:
"Nach Angaben des Todesstrafeninformationszentrums waren seit 1976 insgesamt 58 Prozent der Hingerichteten Weiße, 34 Prozent Schwarze. Das Verhältnis in der Bevölkerung liegt bei 75 Prozent Weißen und gut 12 Prozent Schwarzen. Und nach Zahlen der Bundespolizei FBI waren in 80 Prozent der Fälle, die mit einer Verurteilung zum Tod endeten, Weiße die Opfer, Schwarze in 14 Prozent der Fälle – obwohl Schwarze ein sechs Mal höheres Risiko haben, Opfer eines Mordes zu werden."
und dies hier:
"Wie eng Drogenprohibition und Minderheitenpolitik in den USA immer noch zusammenhängen, zeigt die Tatsache, dass mittlerweile mehr als 10% aller männlichen Schwarzen im Alter von 25-29 Jahren im Gefängnis sitzen, die vierfache Rate wie unter Spanischsprachigen und achtmal mehr als unter Weissen der selben Altersgruppe, obwohl sich diese Bevölkerungsgruppen, was den Konsum illegaler Drogen angeht, kaum unterscheiden."
Nennst Du das Rechtsstaat oder Rassendiskriminierung? Was ist mit Guantanamo, dem unbefugten Abhören von Millionen Amerikanern durch den US-Präsidenten etc etc.? Alles "rechtens"?
@8: wie kommst du darauf, dass es in den usa weniger verkehrsunfälle gibt? alle statistiken, die ich gesehen habe (auf straßennetz/gefahrene km/fahrzeuge normalisiert) hatten gerade die umgekehrte aussage. und das trotz der lächerlichen geschwindigkeitsbeschränkung "drüben"
ausserdem sind statistiken über trunkenheitsfahrten in den usa problematisch zu vergleichen: dort haben streifenwagen standardmäßig nicht einmal ein pusteröhrchen an bord. dort entscheidet der cop oftmals noch über unwissenschaftliche tests (zählen sie mal rückwärts…) und nach gutdünken.
@6 / @11
Ein Land, in dem es die Todesstrafe gibt, ist kein Rechtsstaat!
@16: Eine schöne Definition. So einfach. So simpel! Wie geschaffen für den Stammtisch und jedwedes populistisches Geschwafel ;)
> @6 / @11
> Ein Land, in dem es die Todesstrafe
> gibt, ist kein Rechtsstaat!
Doch. Auch wenn man es nicht gutheißt, sagt die Existenz der Todesstrafe nicht genug darüber aus, ob man das Land als Rechtsstaat bezeichnen kann oder nicht.
@13: Hier die Erklärung: Es ist der Beweis dafür, dass Schwarze halt einfach krimineller sind. Das ist nicht rassistisch, da du es selbst statistisch belegt hast. Und Statistiken lügen ja bekanntlich niemals…
Andere Statistiken belegen auch, dass mindestens 90% aller Statistiken frei erfunden sind!
Zum Mel: In D hätte er so eine Strafe doch allein wegen den antisemitischen Äußerungen bekommen…
Habe mir gerade interessehalber mal den CALIFORNIA STREETS AND HIGHWAYS CODE und den CALIFORNIA PENAL CODE angeschaut.
Ersterer protzt mit gut 15.000 SECTIONS (Paragraphen) letzterer mit über 36.000!
Sind die noch ganz knusper, diese Calis?
Ich dachte, dort regiert jetzt Arrnooold. Und der hatte doch versprochen: "I will clean the house"!
Nix draus geworden, oder wie?
@ 13:
Nach der gleichen Logik:
Wenn in deutschen Gefängnissen mehr Albaner einsitzen sollten, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht, wäre Deutschland kein Rechsstaat mehr?
Was das "dem unbefugten Abhören von Millionen Amerikanern durch den US-Präsidenten" betrifft, da hat der Supreme Court ja gerade festgestellt, dass es eben genau dies ist: unbefugt.
M.a.W.: Die Judikative hat den Handlungsspielraum der Exekutive begrenzt. Genau so läuft das nunmal in einem Rechtsstaat.
Tut mir leid, aber den USA ernsthaft die Rechtsstaatlichkeit abzusprechen ist einfach nur unqualifizierte antiamerikanische Polemik.
Man wird wohl schwerlich ein Land finden, in dem rechtsstaatliche Prinzipien fester verankert sind als in den USA.
Wenn man meint, aus dem Gibson-Fall eine andere Schlussfolgerung ziehen zu können, ist das lächerlich.
Gerade dieser Fall zeigt doch sehr schön, dass auch ein Mann wie Gibson, der sich sicher die besten Anwälte leisten kann, vor Gericht keine Vorzugsbehandlung bekommt.
@Rangar: Die USA sind sehr wohl ein Rechtsstaat, nix für ungut. Nur weil das eine oder andere Urteil für, in unserer europäischen Kultur, etwas komisch erscheint, heißt das nicht dass die Vereinigten Staaten die Rechtsstaatlichkeit verloren hätten.
Und im übrigen ging es beim "Abhörskandal" nicht um das tatsächliche abhören von inländischen Telefongesprächen, sondern um das Speichern und Auswerten der Verbindungsdaten…
Sicherlich sind die USA ein Rechtstaat. Im großen und Ganzen (Wie z. B. auch Deutschland, Großbritanien, Belgien etc. pp.). Auch wenn sich die Regierung der USA manchmal mit nicht rechtstaatlichen Mitteln zu helfen versucht (Guantanamo Bay) – Ich habe aber noch die Hoffnung, dass die Gericht in den USA ein Einsehen haben und diesem Treiben möglichst schnell einen Riegel vorschieben.
Grüße!
Ein Mel Gibson aus Deutschland würde hier überhaupt keinen Strafzettel bekommen. Zur Not wärs ne Dienstfahrt der Polizei.
@25: Ein Polizist, der "Lichtgestalt" Beckenbauer nicht wegen überhöhter Geschwindigkeit angezeigt hatte, wurde vom Dienst suspendiert.
Ein Promi, der hier besoffen durch die Gegend fährt, Polizisten anpöbelt und anti-semitische Sprüche abließe, würde hier ebenso vor den Kadi kommen, wie jeder andere Bundesbürger auch.
Doch bitte sachlich bleiben und den Stammtisch zu Hause lassen, ja? Danke!
Naja, stellt sich die Frage wieviele Promis nen Freifahrtschein bekommen haben, ohne, dass es an die Öffentlichkeit gedrungen ist.
Aber wie dem auch sei. Wenn Mel Gibson sich hier so verhalten hätte wie in den USA, wäre auch er vor Gericht gekommen. Die Beckenbauer-Sache dürfte eher zu den Ausnahmen gehören und die USA ist natürlich ein Rechtsstaat, auch wenn es dort in manchen Staaten die Todesstrafe gibt, auch wenn ich diese scharf verurteile. Hierzu passend noch ein Zitat von Britney Spears (sinngemäß): " Ich bin für die Todesstrafe, damit diese Leute ihre Lekton fürs nächste Mal lernen."
Dass in den USA viele Schwarze im Gefängnis sitzen, resultiert aus den gleichen Gründen warum hier in Deutschland mehr Ausländer im Gefängnis sitzen. Sie sind sozial schwach und verüben daher eher Verbrechen als Menschen von den oberen 10000. Keine schöne Sache, aber ist nunmal so. Deshalb sind weder die USA noch die BRD rassistisch, von gewissen Regionen und der Meinung der Bevölkerung mal abgesehen.
"sozial schwach"?
Im Übrigen gibt es die Todesstrafe zumindest in Hessen formell noch: hessenrecht.hessen.de/ges...ss/paragraphen/para21.htm
Da bin ich froh, dass wir dass Grundgesetz haben (in diesem Zusammenhang insbesondere die Artikel 31 und 102).
Grüße!
weil das Abhörprogramm und das Verbindungsdatenspeicherprogramm angesprochen wurden: <a href="http://usaerklaert.wordpress.com/2006/08/18/zu-bushs-illegalem-abhorprogramm-was-ist-eigentlich-die-nsa/" rel="nofollow">USA erklärt</a>
@Florian (21)
> Man wird wohl schwerlich ein Land
> finden, in dem rechtsstaatliche
> Prinzipien fester verankert sind
> als in den USA.
Außer vielleicht in Kanada, Deutschland, Frankreich, Schweden, der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Norwegen, Österreich, Finnland und noch etliche anderen.
Also nur zur Info, ich habe in Kommentar 18 selber Stellung gegen die plumpe Polemik genommen, und zwar als Verteidiger der USA. Klar ist aber auch, dass in den USA in der letzten Zeit verdammt viele Dinge passiert sind, die teilweise elementarste Rechtsgrundsätze vernichten (ich sage absichtlich nicht "verletzen").
Guantanamo und die regelmäßig angewandten Folterpraktiken gegenüber Gefangenen nur als prominenteste Beispiele. Sorry, aber bei DEN Standards können sich etliche mit spielerischer Leichtigkeit im positiven Sinne von den USA absetzen. Das sollte man bedenken, bevor man große Töne spuckt, es gäbe kaum was rechtsstaatlicheres. Weil das heißt nämlich andererseits, Folter, Straflager-Praktiken und vieles mehr als im Prinzip ganz ok zu deklarieren. Und das sollte bei vernünftigen Menschen eher nicht die Standardlinie sein.
Bei uns gibt es doch auch mehr als Geldstrafe, kommt doch immer auf die Vortaten, insbesondere die einschlägigen an.
@ 31:
Es liegt in der Natur der Dinge, dass in einem europäischen Kleinstaat weniger problematische Einzelfälle auftauchen wie in den USA (und dann insbesondere auch weniger intensiv in deutschen Medien diskutiert werden…).
Die USA haben ihre Probleme. Die von Dir genannten Staaten aber auch. Nur mal als Beispiel Frankreich:
telegraph.co.uk/news/main...s/2005/10/10/ixworld.html
Und nur zur Klarstellung: Es handelt sich hierbei lediglich um Untersuchungshäftlinge!
Untersuchungshäftlinge unterliegen übrigens der regulären Gerichtsbarkeit.
Kriegsgefangene hingegen nicht.
@33:
Tut mir leid, mir ist dieser Bericht über die französischen Gefängnisse durchaus bekannt. Weißt du auch wieso? Weil er von diversen Neocon-Jublern immer gerne angeführt wird, die dann in Wilhelminischer Untertan-Manier aufzutrumpfen mit mehr oder minder gelungen "Verteidigungen" von Guantanamo, gepaart mit Angriffen auf die angeblich ach so verlogene "Linke", die da ja nichts gegen sagen würde. (Und überhaupt, die Haftbedingungen in Nigeria seien ja noch viel schlimmer usw.)
Das Argument sticht aber nicht! Und zwar aus dem ganz einfachen Gründen:
- Mag sein, dass es auch in anderen Ländern Dreckslöcher mit stattfindenden Menschenrechtsverletzungen gibt (wie im normalen Gefängnissystem der USA übrigens auch, haufenweise. Ich bezweifele, dass die Ernährung von Gefangenen mit verschimmelten Brot von irgendeiner Konvention gedeckt wird.) Diese Gefängnisse werden aber nicht systematisch benutzt, um Gefangene absichtlich zu foltern und zu Aussagen zu bewegen.
- Das selbstverständliche Recht eines Gefangenen auf einen Prozess wird nicht verletzt, ganz im Gegensatz zu Guantanamo und den vielen anderen Geheimgefängnissen der USA.
- Es wird nicht systematisch gefoltert, wie in diversen der US-Gefängnissen, Abu Graib ist nur die Spitze eines Eisbergs. Berichte über Folter gibt es auch von anderen Gefangenen, nur dass da das Personal nicht so strunzdumm war, diese auch noch selbst zu dokumentieren.
Übrigens, das hier
> Es liegt in der Natur der Dinge, dass
> in einem europäischen Kleinstaat weniger
> problematische Einzelfälle auftauchen
> wie in den USA
ist mal eine ganz, ganz schwache Verteidigung. Du hattest nämlich vorher behauptet, die USA seien das ganz große Vorbild in solchen Sachen (erinnert mich übrigens stark an Putin, den "lupenreinen Demokraten"), dann musst du dich daran auch mmessen lassen. Und Fakt ist, Kanada, Deutschland, Frankreich, Schweden, die Schweiz, Dänemark, die Niederlande, Belgien, Norwegen, Österreich, Finnland und noch etliche andere sind deutlich bessere Vorbilder.
Das bleibt -bei allen Problemen dieser Länder!- auch noch so, wenn wir mal Kanada, Frankreich, Spanien, Deutschland, Großbritannien, die Schweiz, Österreich, die Niederlande, Belgien und Schweden zusammenfassen. Dann haben wir nämlich mehr Einwohner beisammen, als die USA, und allesamt aus Ländern, deren gemeinsames Pro-Kopf-Einkommen deutlich geringer ist, als das in den USA. Und trotzdem schneiden die USA immer noch locker schlechter ab, als diese "Kleinstaaten" (von denen einige gar nicht so "klein" sind, nebenbei) zusammen. Also, wer da von "Vorbildfunktionen der USA" redet, begibt sich auf ein erheblich dünneres Eis, als diejenigen, die den USA die Rechtsstaatlichkeit per se absprechen wollen. Zu behaupten, dass es schwer wäre, auch nur "ein Land zu finden, in dem rechtsstaatliche Prinzipien fester verankert sind, als in den USA" ist auf einer Stufe mit dem "lupenreinen Demokraten" Putin anzusiedeln. Ich habe dir aus dem Stand zehn Länder nennen können, wo diese Prinzipien besser verankert sind, als in den USA, da ändert auch ein mehr oder weniger abfälliges "alles nicht vergleichbar, sind eh nur Kleinstaaten" nichts dran.
Noch was: man kann natürlich die beliebte Standardargumentation der "nicht vergleichbaren" Länder fahren – nach dem Motto, wäre Schweden so Einwohnerstark, wie die USA, gäbe es mehr Probleme in deren Rechtssystem.
Wenn man das allerdings tut, sollte man auch so ehrlich sein, und nicht genau diesen Vergleich vorher selber ziehen!
(Zitat: "Man wird wohl schwerlich ein Land finden, in dem rechtsstaatliche Prinzipien fester verankert sind als in den USA." – Für mich war das gar nicht schwer, ich musste einfach nur ein paar westeuropäische Staaten aufzählen, aber die gelten ja alle nicht, sind ja "Kleinstaaten".)
Ein Rückzug auf "Die haben alle weniger Einwohner als die USA, und sind somit unvergleichbar" lässt uns nämlich mit lächerlich wenig Optionen zurück. Wenn man es so handhabt bleiben nämlich als "Vergleichskandidaten" nur noch China und Indien, und da würden mir noch ganz andere Vergleiche einfallen, die die USA auf diesen Weg gewinnen könnten.
@18
Das Töten eines Menschen ist immer Unrecht! Daher ist ein Land, in dem die Todesstrafe existiert, kein Rechtsstaat.
(Jetzt mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass in den USA Schuld oder Unschuld vor Gericht ganz extrem von der Dicke der Brieftasche abhängt, daher genügend Unschuldige in der Todeszelle sitzen und nach der Exekution ein Justizirrtum nicht mehr rückgängig gemacht werden kann)
@36
> Das Töten eines Menschen ist immer
> Unrecht! Daher ist ein Land, in dem
> die Todesstrafe existiert, kein
> Rechtsstaat.
Nun, das mag man so sehen. Für mich entsteht bei so einer Definition aber ein Problem, nämlich dass nach dem Kriterium so gut wie kein Staat ein Rechtsstaat sein könnte. Beispiel "Finaler Rettungsschuss": Da werden Leute von Staatsbediensteten getötet, ohne auch nur eine Sekunde lang eine Chance auf einen Prozess zu haben. Demzufolge wäre Deutschland also erst recht kein Rechtsstaat.
Zur Überschrift möchte ich auf folgenden SPIEGEL-Artikel verweisen:
VIER JAHRE HAFT
Richter onaniert bei Mordprozess
Alles Weitere gibt's unter spiegel.de/panorama/0,1518,432489,00.html
Eintrag 38 war ja mal völlig überflüssig, war doch UV schneller als das Licht, naja, zumindest als ich: lawblog.de/index.php/arch...us-richter-ins-gefangnis/
@30: Ben, danke für den Link auf USA Erklärt. Ich habe dann, weil das hier ja Thema wurde, etwas zur Todesstrafe in den USA geschrieben:
https://usaerklaert.wordp...r-todesstrafe-in-den-usa/
Man verzeihe mir, wenn ich darin nicht weiter auf die Bemerkungen hier eingehe, die auf Rangars Ebene waren.
T, Euer Scot
@40
Naja, wenn man Dinge (Schuld oder Unschuld vor einem US-amerikanischen Gericht hängt stark von der Dicke der Brieftasche ab) nicht widerlegen kann, lässt man sie in seiner Argumentation halt einfach weg. Ich finde den Artikel von Scot durchaus gut geschrieben und es hört sich auch alles toll an ("Volkswille" usw.), aber es ändert letztendlich nichts daran, dass die Todesstrafe ein ekelhaftes, entwürdigendes (nicht nur für das Opfer) Relikt aus vergangenen Zeiten ist, welches in einer modernen demokratischen Gesellschaft längst überwunden sein müsste. Ob diese Gesellschaft ein Staatenbund oder ein Bundesstaat ist, ob Präsidenten oder Gouverneure zuständig sind, ist dabei doch völlig irrelevant. Es ist auch völlig uninteressant, was in der hessisschen Verfassung steht. Es kommt einfach nur darauf an, ob die Todesstrafe [b]angewendet[/b] wird oder nicht.
@37
Der "finale Rettungsschuss" ist nur bei einer gegenwärtigen Gefahrenlage im Rahmen erforderlicher Nothilfe durch die Polizei als Träger des Gewaltmonopols als ultima ratio gerechtfertigt.
@42
> Der “finale Rettungsschuss” ist nur bei
> einer gegenwärtigen Gefahrenlage im Rahmen
> erforderlicher Nothilfe durch die Polizei
> als Träger des Gewaltmonopols als ultima
> ratio gerechtfertigt.
Jo, das siehst du so, das sieht gdas Gesetz so, dass seh ich so. Der Originalposter sagte aber klipp und klar:
"Das Töten eines Menschen ist immer Unrecht! Daher ist ein Land, in dem die Todesstrafe existiert, kein Rechtsstaat."
Dieser Argumentation folgend, kann man "Todesstrafe" auch "finalen Rettungsschuss" ersetzen, und schon wäre (nach o.g. Definition) Deutschalnd kein Rechtsstaat mehr.
Sorry, 43 war ich.
@41 – Rangar, der Grund, warum niemand sich die Mühe macht, das mit der Brieftasche zu widerlegen, ist weil es trivial ist.
Aber gut, ein paar Beispiele: Enron. Diese Leute hatten so viel Geld, dass man fast zur Exponentialschreibweise übergehen möchte, und trotzdem landen sie im Bau. Nicht irgendeine Geldstrafe, sondern Bau. Martha Stewart war reich _und_ berühmt und landete im Bau. Leona Helmsley ("taxes are for poor people"): Bau. John Eleuthere du Pont (ja, von der gleichnamigen Familie, also Forbes 400): Bau. Alfred Taubman (auch Forbes 400): Bau.
Geld und Verbindungen schaden in keinem Land, und das US-System ist genauso wenig perfekt wie das Deutsche. Aber die Behauptung, dass Geld der ausschlaggebende Faktor im amerikanischen Justizsystem sei, ist reine Polemik und verdient daher schlicht keine ausführlich Antwort.
Bestenfalls kann man sich nun vorstellen, dass Du Probleme (außer mit Google) mit dem Selektionseffekt der Medien hast: Es wird in Deutschland nur über Dinge im US-Justizsystem berichtet, die schief gehen (umgekehrt gilt das natürlich auch – Kanibalenprozess, jemand?). Keine Zeitung und kein Magazin in einem Land berichtet darüber, dass in einem anderen Land heute wieder abertausende Prozesse völlig unkontrovers entschieden wurden.
Kein Justizsystem würde 220 Jahre überstehen (länger, wenn man die britischen Wurzeln hinzuzieht) wenn es so unglaublich ungerecht wäre, insbesondere dann nicht, wenn man zum Beispiel Richter wählen kann und das Volk durch direkte Demokratie selbst Dinge auf den Weg bringen kann.
@45
Nunja, wir hatten hier eigentlich das Thema "Todesstrafe", also sollte es bei der Betrachtung um Mordprozesse und nicht um Wirtschaftsstrafsachen gehen. Und bei den Mordprozessen in den USA gibt es genügend Fälle, wo ein reicher Angeklagter mit den entsprechenden Star-Anwälten der Strafe entgeht, während finanziell schlecht Gestellte mit Pflichtverteidiger in der Todeszelle landen. Und wie schon gesagt: Nach der Vollstreckung nützt es dem Opfer gar nichts mehr, wenn Jahre später anhand von DNS-Spuren seine Unschuld bewiesen wird.
@46: Ah, es ist doch immer schön, wenn eine Falle zuschnappt. Danke, das hat gut getan.
Wie man mit etwas Allgemeinbildung (oder mit Google) wissen kann, ist der Fall du Pont Mord (Endurteil: Totschlag wg. Geisteskrankheit) und nicht Wirtschaft. Die Wikipedia fasst das so zusammen:
"On 26 January 1996 he shot dead Olympic wrestler David Schultz at the wrestling facility for du Pont's Team Foxcatcher on du Pont's estate in Newtown Square, Pennsylvania, outside Philadelphia, without apparent provocation and with Schultz's wife among several witnesses."
War ein ziemlicher Aufreger. Schultz hinterließ eine Tochter. Und wer Erbe des Du Pont Vermögens ist, kann sich jeden Anwalt der Welt leisten. Half nicht.
Nochmal: Natürlich gibt es Einzelfälle, wo jemand mit Verbindungen und Geld sich herauswieselt. Gibt es aber auch in Deutschland (schnell, kannst Du mir drei deutsche Millionäre nennen, die in den Bau gegangen sind?), denn kein Rechtssystem ist perfekt. Aber die Vorstellung, dass es die Regel ist – hier wie drüben – ist schlicht Blödsinn.
Bei Deinen Behauptungen handelt es sich bestenfalls um ein Vorurteil, schlechtestenfalls um blanken Antiamerikanismus, und das, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren, ist der Grund, warum außer mir hier keiner die Zeit nimmt, Dir darauf zu antworten. Wenn wir so etwas haben wollen, gehen wir zum Stammtisch.
@ Scot W. Stevenson
Ich finde Ihre Seite USA erklaert sehr lesenswert. Dies gilt auch fuer Ihren Artikel ueber die Todesstrafe. Allerdings habe ich hier auch einen Kritikpunkt. Natuerlich zeigt die Forderung, dass die USA die Todesstrafe abschaffen soll, dass man das System nicht verstanden hat. Wie Sie jedoch selbst schreiben, gilt beim US Militaer und vor Bundesgerichten sehr wohl die Todesstrafe. Und diese koennte man natuerlich abschaffen.
Was mir bei den USA jedoch auffaellt ist, dass es wohl der einzige Rechtsstaat dieser Erde war, der zwar den Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung stehen hatte, jedoch weiterhin Sklaverei betrieben hat. Und ein Teil dieses Geistes lebt in den USA bis zum heutigen Tag fort.
@ 48
Die Tatsache, dass die USA noch rund 70 Jahre lang diee Sklaverei hatten, ist weniger auf mangelnde Rechtsstaatlichkeit zurückzuführen, sondern lediglich auf einen langen politischen Kampf der Sektionen, sei es nun aus wirtschaftlichen Gründen oder anderen. Die Sklaverei war bereits Ende des 18. Jahrhunderts sehr umstritten und befand sich seit ca. 1808 im Siechtum. Man beachte nur die politischen Entwicklungen bis zum Bürgerkrieg.
Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass wir hier von einer Zeit reden, in der es in weiten Teilen Europas nicht mal freie Wahlen gab. In Deutschland wurden Demokraten von Metternich verfolgt, weswegen diese zuhauf in die USA auswanderten. Das mit heutigen Maßstäben zu beurteilen, halte ich für vermessen.
Aber ich wüsste wirklich gerne, wo dieser Geist heute "weiterlebt". Ich habe selber in Mississippi gelebt und da habe ich weniger Rassismus erlebt als in Deutschland.
Übrigens wird die Todesstrafe de facto weder vom Bund, noch vom Militär angewandt.