19.8.2006

Schulverweigerer geht ins Gefängnis

In Hamburg muss ein Vater zunächst für eine Woche ins Gefängnis, weil er seine drei schulpflichtigen Kinder nicht in den Unterricht lässt. Das Oberverwaltungsgericht Hamburg verhängte die Erzwingungshaft, berichtet das Hamburger Abendblatt. Nach dem Bericht ist es das erste Mal, dass störrische Eltern mit Erzwingungshaft zur Räson gebracht werden sollen. Es soll in Deutschland mehrere hundert Familien geben, in denen die Schulpflicht missachtet wird.

(Link gefunden bei ElbeLaw)

34 Kommentare zu “Schulverweigerer geht ins Gefängnis”

  1. AK meint: (19.8.2006 um 18:14) AntwortenReply to this comment

    Dazu fallen mir meine eigenen Erlebnisse mit dem Schulverwaltungsamt ein. Ich wollte Anfang der Neunziger – damals war ich gerade noch 17 – wie schon in all den Jahren vorher nicht mit auf Klassenfahrt und bot also an, am Ersatzunterricht teilzunehmen. Das war nie ein Problem gewesen, aber diesmal war alles anders; der Tutor meinte, er müsse eine richtig große Welle machen. Es ergab sich ein zähes Hin und Her zwischen meinem Anwalt und dem Schulverwaltungsamt, das einen Psychologen bemühte, der, ganz ohne mit mir zu reden, wusste, was denn am besten für mich sei.

    Die Sache wanderte durch die Amtshierarchie nach oben und landete wohl irgendwann ganz unten in einem Stapel wichtiger Vorgänge, jedenfalls habe ich nie wieder davon gehört.

    Der Tutor hat noch ein, zwei Mal gebrüllt, der Ersatzunterricht war langweilig wie immer, aber dank dem Schulpsychologen habe ich immerhin gelernt, nicht zu früh aufzugeben. Danke Herr Psychologe!

    Ob derlei strukturelle Gewalttätigkeiten an einem Siebzehnjährigen allerdings der Sinn der Sache waren, darüber hat wohl keiner der Beteiligten mal nachgedacht.

  2. genevainformation meint: (19.8.2006 um 18:23) AntwortenReply to this comment

    Ich habe letztens jemanden kennengelernt, der (in den USA) "Homeschooling" macht. Und der meinte: Auch da würden ihn die Leute schon komisch angucken. Dabei habe ich gar nicht komisch geguckt, schließlich darf man das da ja.

    Seine Begründung war: Er will seine Kinder nicht dem Staat aussetzen, kurz auf den Punkt gebracht. Auch 'ne Sicht der Dinge. Angesichts der "Integrationsdiskussion" sollte man aber vielleicht die Kinder lieber in die Schule zwingen.

    So wie zum Wehrdienst, denke ich übrigens.

  3. Claudius meint: (19.8.2006 um 18:25) AntwortenReply to this comment

    so ich mich recht erinnere, gab es in bayern mal einen ähnlcihen fall. bzw. noch einiges größer. war eine religiöse sekte, die auf einem bauernhof kommunen ähnlich lebte und die ihre kinder nicht in die schule schickte sondern privat unterrichtete. da mussten dann die ganzen väter (sieben an der zahl, so ich mich recht erinnere) in erzingungshaft. bei dem konflikt gings natürlich noch um mehr: religionsfreiheit schriehen die sekteneltern und die schulbehörde: eben deshalb!
    werd das gleich nochmal nachrecherchieren…

  4. Christoph meint: (19.8.2006 um 18:46) AntwortenReply to this comment

    Und so sollen wir die foranschreitende Ghettoisierung Deutschlands aufhalten? ich glaube eher weniger… In South park gabs mal ne Firma, die den Kindern ihr "Zukunfts-Ich" nach Hause schickte – das wirkte ;)

  5. AK meint: (19.8.2006 um 19:09) AntwortenReply to this comment

    P.s. zu 1.: Hätte ich mich damals auf irgendeine religiöse Begründung zurückgezogen, hätte ich selbstredend zu Hause bleiben können, insofern war ich als selbstdenkender Atheist klar im Nachteil.

  6. Flo meint: (19.8.2006 um 19:25) AntwortenReply to this comment

    @AK: Rein interessehalber: Wieso die Weigerung, an Klassenfahrten teilzunehmen?

  7. asd meint: (19.8.2006 um 19:48) AntwortenReply to this comment

    naja es gibt nur ein paar hundert familien, in denen die schulfplicht aus solchen od. ähnlichen gründen missachtet wird.. der weit größere teil machen sicherlich die schulwänzer aus, deren eltern aus desinteresse od. unvermögen es nicht hinbekommen ihre sprösslinge regelmäßig in die schule zu schicken.
    ich finde viele deutsche staatliche schulen auch sehr schlecht. nur hat dieser vater eher eine therapie, als die erzwingungshaft nötig!

  8. n.n. meint: (19.8.2006 um 19:49) AntwortenReply to this comment

    gut, dass die hamburger da mal durchgreifen. was manche eltern da unter dem deckmäntelchen von elternrecht und religionsfreiheit durchziehen kann man nur als mittelschwere kindesmisshandlung bezeichnen.

  9. salcin meint: (19.8.2006 um 19:57) AntwortenReply to this comment

    @genevainformation: in den USA würde ich das aber auch befürworten. Warnhinweise auf Schulbüchern, dass die Evolutionstheorie nach Darwin fehlerhaft sein könnte und die Lehre des Kreationismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Kreationismus)… oh my god…

    Ich habe mehrere US Kids aller sozialer Schichten kennen gelernt. Die konnten alle US Bundesstaaten inkl. Hauptstädte aufzählen, finden auf dem Globus weder Europa, Afrika noch Asien…

  10. scheunenmann meint: (19.8.2006 um 21:02) AntwortenReply to this comment

    Es kostet in Stuttgart neuerdings 700 EUR Strafe, wenn die Eltern mit schulpflichtigen Kids vor Ferienbeginn in den Urlaub fahren.
    Kultusminister Mayer-Vorfelder fuhr seinerzeit auch mit Kindern vorzeitig in den Urlaub. Die investigativen Medien kritisierten u. MV redete sich raus mit angeblicher Rücksprache u. Genehmigung durch die Lehrerin.

  11. AK meint: (19.8.2006 um 21:09) AntwortenReply to this comment

    @Flo: Na ja, es war wohl damals der gleiche Effekt, wie heute, wenn ich auf Wochenendtagungen bin: Die ständige Interaktion mit vielen anderen Leuten strengt mich einfach sehr an, auch große Parties und dergleichen. Je mehr Leute, desto stressiger ist es für mich.

    Zumal meine Interessen auch völlig orthogonal zu Klassenfahrten waren. Statt im Wald herumzutoben, habe ich lieber Computer- Astronomie- und Physikbücher verschlungen.

    Also, es lag nicht an Problemen mit den Mitschülern, wenn das der Kern der Frage gewesen sein sollte.

  12. SoWhy meint: (19.8.2006 um 22:17) AntwortenReply to this comment

    Das erste Mal? Haben die Bayern dass nicht auch bei der "12 Stämme"-Geschichte versucht und haben's dann aufgegeben? Ich war mir sicher, dass Erzwingungshaft wenigstens ein paar Tage angewandt wurde…

  13. Tim meint: (19.8.2006 um 23:01) AntwortenReply to this comment

    Warum soll es denn kein home-schooling geben? Soziale Krüppel produziert auch die Schule. Und den Lernerfolg kann man prüfen und davon die weitere Genehmigung des home-schoolings abhängig machen.

    Übrigens, dass gerade Hamburg mit Härte kommt. Wo doch die Jungs von Hotel Tokyo nach Hamburg geflüchtet sind, weil dort ihnen die Schulpflicht erspart wird. Vielleicht sollte sich Hamburg auch erstmal um die 15% Schüler kümmern, die ohne Schulabschluss die Schule verlassen (Zahlen 2001). Oder um die 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die im Schnitt mehrere Stunden in der Woche fehlen (Zahlen 2003).

    Aber nun ein Exempel statuieren. Hat was von Schauprozess (sorry für die drastische Wortwahl).

  14. Claudius meint: (20.8.2006 um 04:38) AntwortenReply to this comment

    @ 12 (SoWhy): genau die Geschichte meine ich auch mit meinem Post Nr. 3

  15. asd meint: (20.8.2006 um 09:36) AntwortenReply to this comment

    *home schooling* gibt es ja… man muss nur die entsprechende befähigung und genehmigung dazu haben.

  16. Julius meint: (20.8.2006 um 09:51) AntwortenReply to this comment

    Eigentlich bin ich gegen Homeschooling… die Schulpflicht hilft, dass nicht nur soziale Krüppel heranwachsen. Ne Auseinandersetzung mit anderen Schülern find ich wichtig fürs weitere Leben.

  17. Tim meint: (20.8.2006 um 10:27) AntwortenReply to this comment

    @15
    De facto gibt es kein home-schooling in Deutschland. Ausnhahmen sind junge Spitzensportler oder Teenie-Stars.

    Soll es auch gar nicht, da dann eine Konkurrenz zu den staatlichen Schulen heranwachsen würde. In den USA existiert ein home-schooling-Markt. Es gibt Anbieter für Beratung, Konzepte, Seminare, Arbeitsbücher, die Eltern tauschen sich im Internet aus, usw. Home-schooling wird immer mit "Einzelkämpfer" gleichgesetzt. Was aber Blödsinn ist. Genau wie das Argument es fände keine Auseinandersetzung mit anderen Gleichaltrigen statt. Werden diese Kinder eingesperrt? Dann ist es ein Fall für die Gerichte.

    Wie sieht es in Deutschland aus? Eltern sind nicht frei in der Wahl der Schulausbildung für ihre Kinder.
    - Privatschulen sind rar und teuer. Die Gründung von Privatschulen wird möglichst schwer gemacht.
    - Die Schulbehörden achten peinlich genau, dass das Kind nicht eine Schule ausserhalb des Schulbezirks besucht. Konkurrenz unter den Schulen wird vermieden.
    - Die Beteiligung der Eltern in den Schulen beschränkt sich aufs Kuchenbacken fürs Schulfest. Kritik an den Lehrern und Didaktik ist unerwünscht.
    - Das Schulsystem ist für "Normalkinder" gemacht. Kindern, die dem nicht entsprechen (bsp. Hochbegabte, mit Lern-Defiziten, und viele andere) wird die Lust am Lernen und Selbstentwicklung systemantisch genommen.
    - Das soziale Klima an vielen Schulen ist grauenvoll schlecht. Körperliche und psychische Gewalt ist an der Tagesordnung.

    Ich könnte kotzen, wenn Politiker über Schulen und Bildung entscheiden, die entweder keine Kinder haben (Bildungspolitik ist ein beliebtes Feld für junge Politit-Einsteiger, die sich ihre Sporen verdienen müssen), deren Kinder schon lange aus der Schule sind oder die ihre Kinder praktisch nicht sehen, da sie 7 Tage die Woche 16 Stunden am Tag für ihre politische Karriere unterwegs sind.

    Aber was mich besonders ärgert ist, dass die Beschulung in Deutschland vom Geld für Privatschulen abhängt oder von den guten Kontakten als Teenie-Band.

  18. Arno Y meint: (20.8.2006 um 11:10) AntwortenReply to this comment

    @16:
    1. Was ist mit den zahlreichen Krüppeln, die das deutsche Schulsystem produziert? Gerade Haupt- und Berufsschulen dürften reihenweise geistige Krüppel produzieren. Nicht nur wegen des mangelnden Lernerfolgs, sondern auch wegen der weit verbreiteten Gewalt, der der Staat tatenlos gegenübersteht.

    2. Homeschooling heisst keineswegs, dass das Kind den ganzen Tag mit den Eltern alleine sein muss. Es ist in den USA durchaus üblich, dass Eltern sich zusammenschliessen und die Kinder gemeinsam unterrichten.

  19. Anonymous meint: (20.8.2006 um 11:21) AntwortenReply to this comment

    @13: Ein Schauprozess? Ich darf daran erinnern, dass in diesem Staat Schulplicht besteht und Kinder Rechte haben. Zu diesen gehört u. a. das Recht auf eine angemessene Schulbildung, die sie befähigt das eigene Leben zu gestalten. Und ggf. muss man die Kinder auch vor den Eltern schützen. Z. B. dann, wenn diese das Recht der Kinder auf Bildung missachten, was hier m. E. eindeutig der Fall ist.

    Solange sie das Sorgerecht haben, steht es den Eltern selbstverständlich frei mit ihren Kindern in ein Land zu ziehen, das keine Schulplicht kennt. Ob das dann aber den Unterhalt der Familie mit Kindergeld bezuschusst? Solange die Familie hier lebt, gelten die Gesetze dieses Landes auch für sie.

  20. Tim meint: (20.8.2006 um 11:34) AntwortenReply to this comment

    @19
    Gesetze sind nicht gottgegeben. Wenn sich eine Mehrheit findet, kann man die Fesseln des staatlichen Schulsystems lockern. Dazu ist in einer Demokratie ein Meinungsstreit notwendig. Das oben Geschriebene war meine Meinung.

    Wenn man keine Argumente hat ausser "Geh doch wonanders hin", oder ein abgewandeltes "Solange du deine Füsse unter meinen Tisch hast…" scheint das staatliche Schulsystem doch nicht immer den sozialen Umgang in einer demokratischen Gesellschaft zu fördern.

  21. n.n. meint: (20.8.2006 um 14:00) AntwortenReply to this comment

    @17, 19 tim

    du übersiehst, dass gerade die eltern, die ihre kinder aus der öffentlichen schule nehmen, in der regel schwer sozial gestört sind. was solche menschen ihren kindern antun, ist deutlich schlimmer als das öffentliche schulsystem, das du gerade grotesk überzeichnet hast.
    da kann ich nur hoffen, dass sich die gesellschaft nicht im rahmen falsch verstandener toleranz das homeschooling erlaubt.

  22. Arno Y meint: (20.8.2006 um 15:39) AntwortenReply to this comment

    @21: Wie kannst du so etwas sagen, ohne den Einzelfall zu kennen? Hätte ich Kinder, das Geld bzw die Zeit zum Homeschooling und eine den USA vergleichbare Infrastruktur dafür, dann würde ich es machen.

  23. Sag ich lieber nicht! meint: (20.8.2006 um 16:16) AntwortenReply to this comment

    Ihr lieben,

    die Familie von Adre R. ist mir persönlich bekannt! Mittlerweile ist Frauke R. erneut schwanger!

    Die drei Töchter, um die es hier geht, sehen nicht glücklich aus! Im gegenteil man hat den Eindruck sie würden gerne mit anderen Kindern spielen, lachen und Spaß haben. Glückliches Familienleben sieht meiner Meinung nach anderes aus!

    Religiöse überzeugung hin oder her, selbst Jesus sagt: "was des Kaisers ist soll des Kaisers bleiben."

    Wer staatliche Unterstützung erhält (bei 7 Kindern nicht unerheblich) und sich auch sonst auf die Rechte und Pflichten eines Staates beruft der kann seine Kinder auch in die Schule schicken.

    Hier ist es vorallem aber auch so das auf dem Rücken der unschuldigen und schützenswerten Kindern die kranke Idee des Vaters ausgetragen wird.

    Die Hamburger Behörden hätten schon viel früher einmal reagieren und hart durchgreifen sollen.

  24. Engywuck meint: (20.8.2006 um 16:21) AntwortenReply to this comment

    @Tim:

    Du kritisierst, dass Eltern an staatlichen Schulen sich nur durch "Kuchenbacken" beteiligen können. Das ist eine verbreitete Falschmeinung.

    Ich kenne mich zumindest im Schulrecht der staatlichen Schulen in BW einigermaßen aus (andernorts wird es nicht so arg anders sein) und hier haben die Eltern auf allen Stufen Mitsprache- und -entscheidungsrechte(*). Angefangen von der Klassenpflegschaft bis hin zur Schulkonferenz können keine wichtigen Entscheidungen der Schule ohne zumindest Anhörung der Eltern gefällt werden – auf der Ebene der Klassenpflegschaft ist der Klassenlehrer sogar nur zweiter Vorsitzender!

    Dabei gibt es allerdings ein Problem: in den meisten Klassen ist es schwer, überhaupt Eltern zu finden, die sich zur Wahl als Elternvertreter stellen – und damit sind dann automatisch die "oberen" Gremien auch nicht unbedingt durch engagierte Eltern besetzt… – was dann den Eindruck der Unmöglichkeit an Entscheidungen mitzuwirken wohl begünstigt.

    (*)SchG §55(1): Die Eltern haben das Recht und die Pflicht,
    an der schulischen Erziehung mitzuwirken.[...] Schule und Elternhaus unterstützen sich bei der Erziehung und Bildung der
    Jugend und pflegen ihre Erziehungsgemeinschaft.

  25. Anonymous meint: (20.8.2006 um 18:24) AntwortenReply to this comment

    @20: Deine "Meinung" war/ist eine Wertung der Rechtsdurchsetzung als Schauprozess. Eben den kann ich nicht erkennen. Natürlich sind Gesetze änderbar. Anders verhalten kann man sich aber erst nach der Änderung.

    Was den Vorwurf angeht, der Vorschlag das Land zu verlassen wäre kein Argument: der inhaftierte Vater selbst hat erklärt, er bzw. die Familie warte nur noch auf göttliche Eingebung, wann der richtige Zeitpunkt sei das Land zu verlassen. Und das bleibt ihm unbenommen, wenn m. E. auch anzunehmen ist, dass das ganz und gar nicht gut für die Kinder wäre.

  26. asd meint: (20.8.2006 um 18:33) AntwortenReply to this comment

    naja.. mitwirkungsmöglichkeit hin oder her.. unser bildungssystem ist ziemlich heruntergekommen. es muss einfach dringend überholt werden.
    obwohl mir einige sachen dort nicht zusagen würd ich meine kinder eher auf ne waldorfschule schicken, als in eine staatliche..

  27. Tim meint: (20.8.2006 um 18:39) AntwortenReply to this comment

    @25 & @23
    Ich weiss nicht, ob ein Aussenstehener beurteilen kann, ob die Kinder unter darunter leiden oder nicht. Wenn die Behörde aktiv wird, ist es o.k. und auch gesetzlich vorgesehen. Nur müsste da auch in den hunderten anderen Fällen aktiv vorgegangen werden, die als "soziale Deprivation" hingenommen werden.

  28. Mirko meint: (20.8.2006 um 19:45) AntwortenReply to this comment

    @22 Und was meinst Du qualifiziert Dich dafür?

  29. Anonymous meint: (20.8.2006 um 19:49) AntwortenReply to this comment

    @27: Ich bin weit davon entfernt Behörden, Nachbarn, mich usw. als allwissend oder behördliche Eingriffe als immer und überall geboten zu betrachten. Es geht auch nicht darum in anderen die eigenen, ggf. ziemlich konventionellen Vorstellungen bürgerlichen Lebens zu realisieren und "Abweichler" zu ächten. Der "richtige Weg" ist nicht für alle gleich, ohne Frage. Aber die Kinder brauchen eine Chance zu lernen, zu spielen und auf ihre persönliche, geistige Entwicklung. Etwas, was ihnen die Eltern derzeit m. E. verwehren.

  30. Katrin meint: (21.8.2006 um 15:09) AntwortenReply to this comment

    Es gibt nicht nur in Amerika, sondern europaweit das Recht auf Heimunterricht. Es ist nichts außergewöhnliches dabei, seine Kinder privat zu unterrichten. Die Schulpflicht ist sogar in Deutschland nicht im Grundgesetz verankert, sondern eine Sache des Länderrechts. Was allerdings im Grundgesetz ausdrücklich festgeschrieben ist, ist das Recht der Eltern, die Art der Bildung für ihre Kinder zu wählen. Wenn die Lernfortschritte der Kinder regelmäßig überprüft werden, wie in Österreich, Frankreich und anderen (demokratischen) Ländern, dann dürfte Homeschooling nichts im Wege stehen. Es ist unsere deutsche Mentalität, die nicht nach dem Sinn einer Sache und ihren Erfolgsaussuchten fragt, sondern nur nach dem "darf man das denn?" Eigentlich ein jämmerliches Bild, genau so wie die Aufforderung an Homeschool-Familien, dieses Land zu verlassen und die diskrete Hinweise auf "psychische Probleme" der Eltern oder die "Totschlagkeule" mit dem Kindergeld…traurig.
    Übrigens war es ein allen Deutschen gut bekannter unheilvoller Politiker (ja, ja, der mit dem schwarzen Oberlippenbärtchen), der Schulzwang erst einführte. Davor gab es zwar die Schulpflicht, wenn Eltern jedoch nachweisen konnten, dass sie für die Bildung ihrer Kinder sorgten, durften die Kinder Privatunterricht genießen.
    Was die soziale Entwicklung angeht, so ist es absolut unnatürlich, wenn Kinder den Großteil ihrer Zeit mit Gleichaltrigen verbringen. Außerhalb der Schule gibt es diesen Zustand weder im beruflichen noch im gesellschaftlichen Leben.

  31. Alex meint: (21.8.2006 um 21:51) AntwortenReply to this comment

    Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Im Zweifelsfalle wird sich der Deutsche immer auf Seiten des Gesetzes bewegen anstatt ernsthaft eine Alternative in Erwägung zu ziehen. Auch wenn selbiges Gesetz nicht sinnvoll ist oder Willkür entspringt. Aber kann's denn Willkür sein, wenn es alle für gut finde? "Ich kenn' niemanden, der anderer Meinung ist!" Und jeder kann gehen, wenn's ihm hier nicht gefällt oder er seine Möglichkeit eingeschränkt sieht. Hat ja auch niemand behauptet, dies sei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nur der begrenzten Unmöglichkeiten.

    "Mir hat's ja auch nicht geschadet!" Sprach er's und leerte die Flasche Bier. Oder war das der Barras? Na egal, so groß ist der Unterschied ja auch nicht mehr.

    Schön auch immer wieder der Einwand mit der Qualifikation. So weit ist es in Deutschland auch nicht mehr mit der Lehrerbildung, die LPOs hinken der Realität auch schon mal hinterher, von den deutschen Unis mal ganz zu schweigen.* Wer qualifiziert eigentlich Eltern, dass sie ihre Kinder erziehen können? Sind ja auch meistens Laien? Außer die Hauswirtschaftler(innen), die jetzt aber Ökothropholg(innen) sind. Und natürlich die Erzieher(innen). Aber sind ja auch nicht so viele. Sollte man auch mal staatlich regeln, so like "Lebensborn V2.0". Ist eh soviel ungeregelt, das mit den Kindern. Eisprung auf Antrag oder so.

    [*] Hat sich eigentlich schon mal wer Gedanken darüber gemacht, dass Lehrer nicht unbedingt an Forschungseinrichtungen (so sehen sich schließlich die Unis) ausgebildet werden sollten? Und nur mal so am Rande: Ein Lehrer ist ein Mensch, der in den allermeisten Fällen in seinem ganzen Leben nie die Schule verlassen hat. Das deutet auf viel Realitätssinn hin und tiefe Erfahrungen wie's "im echten Leben" zugeht.

  32. Stefan meint: (27.8.2006 um 20:41) AntwortenReply to this comment

    Verweigerer" trifft den Fall meiner Ansicht nach ganz gut: Hier wird aber den Kindern eine ganze Menge verweigert (in diesem Fall ja wohl sogar jeglicher sozialer Kontakt außer dem Kirchbesuch – entwicklungs- und sozialpsychologisch ein echtes Verbrechen!!).

    Zugegeben, das Bildungssystem hat seine Schwächen – wie Gesellschaften grundsätzlich auch nie perfekt sind- Kinder sind Teil dieser nicht perfekten Gesellschaft, und zwar *alle* Kinder, ganz egal welcher Religion ihre Eltern angehören.

    Jedes Kind hat das Recht auf Bildung – auch dann wenn Bildung und sozialer Umgang nicht in das entrückte und meiner Meinung nach von vermutlich krankhafter sozialer Phobie geprägte Weltbild der Eltern passen:
    Es soll ja schon vorgekommen sein, das Kinder andere religiöse Gefühle entwickelt haben, als von ihren Eltern erwünscht ist ( das zu verhindern, ist ja wohl das Motiv dieser Leute) – denoch ist das ein fundamentales Grundrecht von Kindern an einen anderen Gott zu glauben als ihre Eltern, was meiner Meinung nach höher zu bewerten ist als die Religonsfreiheit der Eltern, ihren Fanatismus zu vermitteln.

    Zuzulassen, das Kinder aus der Gessellschaft ausgesperrt und in einer Scheinwelt daheim interniert werden, kann nicht im Interesse des Staates liegen – so wird man sicher kein mündiger Staatsbürger in einem säkularen und sozial vielfältigem Land das vorallem von Hochtechnologie lebt.

    Sollen man wirklich zulassen, das Kinder (die älteste ist wohl 17)

    -keine Schule besuchen dürfen
    -keinen freien Zugang zu Medien haben dürfen
    -das Haus nicht verlassen dürfen
    -keinen sozialen Umgang haben dürfen?

    oder kurz ISOLIERT werden??? –

    Die Entziehung des Sorgerechts als letztes Mittel scheint mir da nicht nur angemessen, sondern längst überfällig zu sein!!

    @AK: Glaubst du etwa im ernst, das dir der Umgang mit anderen Menschen heute einfacher fallen würde, wenn man dir in deiner Jugend noch weniger Kontakt "zugemutet" hätte?

  33. Martin F. K. meint: (14.2.2007 um 07:21) AntwortenReply to this comment

    Die Kernfrage lautet: Haben die Eltern das Recht, die Erziehung ihrer Kinder und was ihrem Wohle dient zu bestimmen, soweit ihre Kinder noch nicht selbst dazu fähig sind, oder hat der Staat dieses Recht. Das Grundgesetz ist diesbezüglich eindeutig in seinem Art. 6: die Eltern "zuvörderst". Und es gestattet im Sinne von Art. 4 auch den Eltern ihre Kinder gemäß ihrer Religion, Glauben, Weltanschauung, Gewissen zu erziehen. Das sollten die staatlichen Machthaber respektieren und dazu sind sie gemäß Art. 1 Abs. 3 GG auch verpflichtet.
    Tatsächlich haben die Kinder infolge der bundesrepublikanischen Schuldiktatur keinerlei Rechte. Sie sind total der Herrschaft der Schule und der Jugendämter ausgesetzt. Rebellieren sie, dann werden sie als psychisch krank begutachtet und in geschlossenen Heimen zwangstherapiert und indoktriniert in der Einheitsideologie der staatlichen Pädagogen und Sozialpädagogen. Das ist Sozialismus pur und Diktatur.

  34. jamoin meint: (19.6.2007 um 14:00) AntwortenReply to this comment

    Hier wird von vielen Nutzern auf das Schulsystem gedroschen und die verstaatlichten Regelungen, die Unis, die nicht befähigt sind Lehrer auszubilden oder die Lehramtskandidaten selbst, die so dusselig sind und direkt nach dem Abi ins Studium gehen…
    Ein Beitrag befasste sich mit der Elternregelung. Es ist halt so, um ein Auto zu fahren braucht man nen Führerschein, um eine Waffe besitzen benötigt man einen Waffenschein, um eine Hochschule zu besuchen benötigt man einen gewissen Abschluss, aber wie auch in diesem speziellen Fall: Jedes A… darf Vater oder Mutter werden. Sollte man vielleicht dort ansetzen?

    Natürlich ist dieses eine überspitze darlegung aber ich kann das Vorhaben der Ämter nur begrüßen, das Sorgerecht zu entziehen. Wie vorbildlich es sein mag den Kindern Religiösität vorzuleben, an sollte dennoch nicht Weltfremd werden.
    Wenn hier von den vorbildlichen USA gesprochen wird, die zwar homeschooling vorantreiben aber ansonsten mit Bildung so vertraut sind wie ein Fisch mit dem fliegen, dann Frage ich ich ob wir uns wirklich mit dieser Nation messen wollen.

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