11.10.2006

Grass zensiert seine Vergangenheit

Günter Grass hat gegen die FAZ tatsächlich eine einstweilige Verfügung erwirkt, berichtet Spiegel online. Der Zeitung wird es untersagt, aus zwei Briefen des Schriftstellers an den früheren Minster Karl Schiller zu zitieren. In den Schreiben hatte Grass Schiller gedrängt, sich zu seiner NS-Vergangenheit zu bekennen:

Die Diskussion um Grass’ Mitgliedschaft bei der Waffen-SS rechtfertige kein “dringendes Bedürfnis an der wörtlichen Wiedergabe großer Teile der Briefe”, entschied der Richter, daher bestehe kein öffentliches Interesse an großen Auszügen aus den Briefen.

Wenn die Aufklärung der Lebenslüge eines Literaturnobelpreisträgers kein öffentliches Interesse begründet, was dann? Im Gesetzestext ist übrigens nicht von einem dringenden Bedürfnis die Rede, sondern nur von einem “Tagesinteresse”. Dieses rechtfertigt dann die Wiedergabe “in einem durch den Zweck gebotenen Umfang”.

26 Kommentare zu “Grass zensiert seine Vergangenheit”

  1. Torsten meint: (11.10.2006 um 16:58) AntwortenReply to this comment

    Widerspruch: zitiert werden darf, aber eben nur im Rahmen eines Zitats und nicht weite Auszüge der Briefe.

  2. Der Idiot meint: (11.10.2006 um 17:54) AntwortenReply to this comment

    Unabhängig von der rechtlichen Bewertung dürfte Günter Grass mit der einstweiligen Verfügung erreicht haben, dass die Sache noch bekannter wird als ohnehin schon und nicht zwei Wochen, sondern vier Wochen durch die Medien geht.
    Aber vielleicht ist ja am Ende sogar das gewollt, wenn es nur verkaufsfördernd ist? Eine solche Motivation wurde ihm ja sogar wegen seines Waffen-SS-Geständnisses unterstellt (hier?).

  3. Referendar meint: (11.10.2006 um 17:57) AntwortenReply to this comment

    Warum überschlagen sich alle nur, Grass zu verurteilen. Ich finde, der Begriff "Lebenslüge" ist hier völlig unangebracht. Wer sind wir, der wir mit der Gnade der späten Geburt gesegnet die Unglücklichen Kinder und Jugendlichen verurteilen, die in den letzten Kriegstagen noch ein Gewehr in die Hand genommen haben?
    Und wer mag es Grass verdenken, dass er bisher geschwiegen bzw. "beschönigt" hat, was ihm bei seiner Arbeit (ausweislich seiner unstreitigen Verdienste) um die deutsch-polnische Aussöhnung denkbar im Weg gewesen wäre?

  4. Referendar meint: (11.10.2006 um 17:58) AntwortenReply to this comment

    @ der Idiot:
    Grass ist wohl der letzte, der verkaufsfördernde Maßnahmen nötig hat. Seine Bücher verkaufen sich von selbst…

  5. Thomas (Link) meint: (11.10.2006 um 18:05) AntwortenReply to this comment

    Selten, aber hier bin ich anderer Meinung. Laut seiner Aussage in einem aspekte-Interview, was ich letzte Nacht gesehen habe, ist auch der Abdruck in der früher mal erwähnten Dissertation nicht genehmigt oder abgesprochen gewesen, weshalb man auch nicht anführen könnte, dass die Briefe schonmal veröffentlicht worden wären.

    Desweiteren ist es sein gutes Recht, dass unterbinden zu lassen. Ob das sinnvoll ist, oder ihn wie ein kleines Kind im Sandkasten erscheinen lässt, was mit der Schaufel wütend um sich schlägt (meine Meinung), das sei mal dahin gestellt.

    Im Übrigen hat er im gleichen Interview die Sache auch relativiert: er hat den damaligen Minister nach seiner Aussage nur dazu aufgefordert, sprichwörtlich Farbe zu bekennen, weil dieser den damaligen Kanzler aufgrund seiner Nazi-Vergangenheit attackiert hat. Und das ist unabhängig von seiner eigenen Vergangenheit nicht verwerflich und steht zu dieser meiner Meinung nach auch nicht im Widerspruch.

    Albern und hilflos wirkend bleibt es selbstverständlich trotzdem.

  6. Sven meint: (11.10.2006 um 18:06) AntwortenReply to this comment

    @ Referendar
    Ich verurteile niemanden, der in den letzten Kriegstagen ein Gewehr in die Hand genommen hat, auch das Verschweigen ist nur allzu menschlich – aber ich verurteile sehr wohl jemanden, der anderen vorhält sie müssten sich zu ihrer Vergangenheit bekennen und seine Vergangenheit verschweigt.

  7. Martin Eisenhardt (Link) meint: (11.10.2006 um 18:15) AntwortenReply to this comment

    @4: Es ist schon eine Lebenslüge, wenn ich in meiner Jugendzeit eine enorme Dummheit begehe (die vielleicht nicht entschuldbar, aber angesichts der damaligen Zustände durchaus verständlich ist), diese dann aber 6 Jahrzehnte lang verheimliche, obwohl ich mit der moralischen Keule auf alle in der bundesdeutschen Öffentlichkeit losgehe, die hell- bis dunkelbraune Flecken auf ihrem Lebenslauf haben.

    Das geht nicht. Wenn ich auf andere zeige, muss ich vielleicht nicht unbedingt selbst ohne jeden Fehl sein. Wenn ich aber immer wieder mahnend auf die mögliche national(sozial)istische Gefahr bei anderen Hinweise, muss ich zumindest meine eigene Vergangenheit unter diesem Aspekt mal kritisch beleuchten.

    Und das sowohl die Waffen-SS-Beichte (kurz vor Erscheinen seiner Biographie) als auch der Streit mit der FAZ pünktlich zur Frankfurter Buchmesse (auf der seine Biographie eines der wichtigen Bücher war) zeitlich wirkliche Zufälle waren, das mag glauben, wer will. Ich nicht.

    Man kann Jugendlichen viel verzeihen, man selbst hat ja auch so manche Dummheit gemacht. Die sind mir heute auch unbequem – aber dazu muss man dann eben stehen und sich nicht immer über andere erheben.

    Die Briefe an Karl Schiller tragen auch nicht zu einem ausgewogenen Gesamtbild bei: Die hören sich ein bisschen nach "Oute Dich, sonst mach ich das!" an – jedenfalls in meinem Verständnis.

    Ich habe meine Gedanken dazu in ein paar Artikeln zusammengeschrieben und würde – Udo Vetters Einverständnis vorausgesetzt – die URLs hier gerne auflisten (und hoffe, dass hier HTML funktioniert, sonst wird es jetzt hässlich :-D):

    - <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/08/14/voll-grass/" rel="nofollow">Voll Grass …</a>

    - <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/08/16/kauf-mich/" rel="nofollow">Kauf mich!</a>

    - <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/08/16/die-apologeten-des-gunter-grass/" rel="nofollow">Die Apologeten des Günter Grass</a>

    - <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/10/09/grass-und-das-urheberrecht/" rel="nofollow">Grass und das Urheberrecht</a>

    - <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/09/29/grass-schreibt-an-karl-schiller/" rel="nofollow">Grass schreibt an Karl Schiller</a>

  8. Referendar meint: (11.10.2006 um 18:30) AntwortenReply to this comment

    @8: Du schreibst: "Und das sowohl die Waffen-SS-Beichte (kurz vor Erscheinen seiner Biographie) als auch der Streit mit der FAZ pünktlich zur Frankfurter Buchmesse (auf der seine Biographie eines der wichtigen Bücher war) zeitlich wirkliche Zufälle waren, das mag glauben, wer will. Ich nicht."
    Dazu meine ich, dass sein Buch pünktlich zur Buchmesse vorgestellt wird ist doch eine Selbstverständlichkeit… Natürlich kommt da auch der Inhalt zur Sprache.
    Und dass jemand die Moralkeule auspackt und andere an ihre Vergangenheitsbewältigung mahnt mag auch nachvollziehbar sein und ist sogar bei einem, der selbst Probleme mit seiner eigenen Vergangenheitsbewältigung hat um so glaubhafter.

  9. Martin Eisenhardt (Link) meint: (11.10.2006 um 18:48) AntwortenReply to this comment

    @Referendar: Nachvollziehbar ist das alles, besser wird es dadurch allerdings noch lange nicht.

    Es wäre in der Tat Grass' Kampf gegen den hellbraunen (wenn überhaupt) Sündern zuträglich, wenn er mit seiner eigenen Vergangenheit argumentieren würde, so etwa: "Macht das nicht, ich weiß, wie es damals war."

    So ähnlich habe ich auch argumentiert, als es um GGs Feldzug gegen Altkanzler Kohl ging, als der mit Ronald Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besucht. Da sollte einfach dokumentiert werden, dass Amerika und (West-) Deutschland Frieden geschlossen haben und inzwischen gemeinsam um ihre dort liegenden Gefallenen trauern können.

    Allerdings liegt dort auch eine Handvoll (~ 30-50) Gefallener der Waffen-SS – und zwar aus genau der Division, zu der Günter Grass gehörte. Warum hat er damals nicht gesagt: "Geht nicht dorthin, da liegen Gefallene der Mörderbande Waffen-SS. Ich weiß, wovon ich rede, ich war selbst dabei."? Warum hat er auch da hinter dem Berg gehalten?

    Ich kann da beim besten Willen nichts Positives reinlesen und halte GG nach wie vor für einen opportunistischen Querulanten.

  10. Andreas meint: (11.10.2006 um 20:41) AntwortenReply to this comment

    Zitate, denen ich mich anschließen möchte:

    "Albern und hilflos wirkend bleibt es selbstverständlich trotzdem." "… und halte GG nach wie vor für einen opportunistischen Querulanten."

    Hat er keine wirklichen Freunde mehr? Sagt ihm niemand, hör auf? Ich verstehe es nicht.

  11. Harald meint: (11.10.2006 um 22:50) AntwortenReply to this comment

    Das Interesse an Grass´ Vergangenheit in der SS tendiert in der Öffentlichkeit gegen Null. Das mag dem Herrn Vetter schmecken oder auch nicht, ändert aber nichts. Die Öffentlichkeit sieht das Thema wohl mit der berechtigten Gelassenheit die ihm angemessen ist. Denn im Gegensatz zu anderen war Grass nach bisherigem Kenntnisstand eben nicht an jenen Taten beteiligt, für die man Teile der SS zu Recht verurteilen muß. Nicht jeder, der in der SS war, ist damit automatisch zum Mörder geworden. Selbst wenn das nun jene gerne so sehen wollen, die Grass schon immer mal ans Bein pinkeln wollten.

    Daß er seine SS-Vergangenheit (wie weit reichte die überhaupt?) nicht früher offenbahrte, kann man Grass vorwerfen. Aber im Gegensatz zu anderen hat er durch seine Arbeit und sein Engagement bewiesen, daß er diese Zeit aufgearbeitet hat und über jeden Zweifel erhaben ist. Das sieht man auch im Ausland so.

  12. usw. meint: (12.10.2006 um 00:22) AntwortenReply to this comment

    @1, Torsten:

    Widerspruch: zitiert werden darf, aber eben nur im Rahmen eines Zitats und nicht weite Auszüge der Briefe.

    Da verlinkt Udo ungewöhnlicherweise mal den einschlägigen Paragraphen (§ 50 UrhG) und zitiert auch noch die Passage "in einem durch den Zweck gebotenen Umfang". Nützt alles nix: Wir wissen's besser als das Gesetz!

    Woher nimmst Du denn die Grenzsetzung "im Rahmen eines Zitats", und was soll das überhaupt bedeuten? Wieso dürfen weite Auszüge der Briefe nicht wiedergegeben werden, wenn das zur Illustration von Grass' damaligem Standpunkt notwendig ist?

  13. Peter meint: (12.10.2006 um 05:41) AntwortenReply to this comment

    @13
    Torsten meint mit "im Rahmen eines Zitats" sicherlich den letzten Halbsatz der Vorschrift, der wörtlich "in einem durch den Zweck gebotenen Umfang" lautet.

    Da ich nicht weiß, was die FAZ alles aus den Briefen abgedruckt hat, fällt mir eine weitere Beurteilung des Sachverhaltes schwer.

    Da GGrass den Brief aber nach meinen Informationen an Karl Schiller als Wirtschaftsminister geschrieben hat, d.h. nicht an dessen Privatadresse oder so, dürfte es meines Erachtens auch u.U. möglich sein, die Veröffentlichung der Briefe mithilfe des Informationsfreiheitsgesetzes (bundesrecht.juris.de/bundesrecht/ifg/gesamt.pdf) durchzusetzen… Aber die genaue Prüfung dieser Frage überlass ich jetzt mal anderen…

  14. Gerhard meint: (12.10.2006 um 08:40) AntwortenReply to this comment

    Günter Grass war also ein Soldat. Na und?

  15. Martin Eisenhardt (Link) meint: (12.10.2006 um 08:43) AntwortenReply to this comment

    @12:

    Das Interesse an Grass´ Vergangenheit in der SS tendiert in der Öffentlichkeit gegen Null.

    Daran liegt es also, dass alle Medien darüber berichten und es auch im Blogwald so rauscht … Danke für den Hinweis!

    Denn im Gegensatz zu anderen war Grass nach bisherigem Kenntnisstand eben nicht an jenen Taten beteiligt, für die man Teile der SS zu Recht verurteilen muß.

    Prinzipiell stimme ich Dir da zu – die bloße Mitgliedschaft ist (unter den damaligen Umständen) nachzuvollziehen, wobei Grass auch da wieder einen wahren Eiertanz aufführt. Er will sich zur Marine oder Heer gemeldet haben und hat erst in der Kaserne gemerkt, dass er ja zu SS gekommen ist – so was aber auch.

    Auf meinem Einberufungsbefehl war der genaue Truppenteil ganz klar angegeben. Bei dem von Günter Grass vermutlich auch – bei so etwas sind die Deutschen doch immer sehr ordentlich.

    Nicht jeder, der in der SS war, ist damit automatisch zum Mörder geworden.

    Geschenkt.

    Aber jeder, der bei der Waffen(!)-SS war und nachher immer auf die bösen Anderen zeigt, sollte auch klar zur eigenen Vergangenheit stehen, und zwar nicht erst mit sechs Jahrzehnten Verspätung.

    Selbst wenn das nun jene gerne so sehen wollen, die Grass schon immer mal ans Bein pinkeln wollten.

    Das sehen auch andere so, nur die <a href="http://node-0.mneisen.org/2006/08/16/die-apologeten-des-gunter-grass/" rel="nofollow">Apologeten des Günter Grass</a> können das anders sehen.

    Die Diskussion verläuft auch immer gleich:

    A: Warum hat GG so lange nicht gesagt, dass er bei der Waffen-SS gewesen ist, obwohl er dazu genügend Zeit und auch mehr als einmal Gelegenheit hatte, und das alles, obwohl er zur gleichen Zeit immer auf Andere zeigt?

    B: Nicht alle in der Waffen-SS waren Mörder.

    A: Ja, stimmt schon, aber darum geht es nicht. Warum hat Grass es nicht schon viel früher zugegeben, z.B., um Karl Schiller zur Offenbarung zu bewegen oder um Helmut Kohl vom Besuch in Bitburg abzubringen, wo gefallene Waffen-SSler aus Grass' Division liegen?

    B: Die Revisionisten wollen Günter Grass' Rolle in der Geschichte schmälern und ihn um seinen Ruhm bringen.

    A: Das ist ja genau der Punkt: Offenbar hat Grass jahrelang wichtige Details seiner eigenen Vita verschwiegen, obwohl das im Zusammenhang mit seiner Rolle als Gewissen der Nation doch sicherlich wichtig und richtig gewesen wäre.

    B: Nicht alle in der Waffen-SS waren Mörder.

    Ich denke, wir wissen, wie sich das jetzt weiter entwickelt.

    Daß er seine SS-Vergangenheit (wie weit reichte die überhaupt?) nicht früher offenbahrte, kann man Grass vorwerfen.

    Schon geschehen. :-D

    Und wie weit diese Vergangenheit reichte? Nun: Grass war nach eingenem Bekenntnis ein fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus und hat sich (zwar nicht nach eigenen Angaben, aber nach einhelliger Meinung von Zeitzeugen) freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Dass der Krieg kurze Zeit später zu Ende war, ist nicht Grass' Verdienst; Grass hat sich damals übrigens nicht in seiner Waffen-SS-Uniform den Alliierten ergeben, sondern in einer Wehrmachtsuniform. Es wird ihm also schon damals klar gewesen sein, dass die Waffen-SS eine Mörderbande ist – und es zeigt wiederum Grass' Hang zum Opportunismus.

    Aber im Gegensatz zu anderen hat er durch seine Arbeit und sein Engagement bewiesen, daß er diese Zeit aufgearbeitet hat und über jeden Zweifel erhaben ist.

    Engagement und so ist toll, aber eben nicht ausreichend. Wenn ich auf einem bestimmten Gebiet "mahnend tätig bin" (um nicht schon wieder querulante Moral-Nervensäge der Nation sagen zu müssen), dann muss ich auf eben diesem Gebiet vielleicht selbst nicht ohne Schuld sein (das wäre der Idealfall), eine gewisse Vorbelastung kann u.U. der eigenen Glaubwürdigkeit und Argumentationsfähigkeit sogar zuträglich sein – wie Du selbst ganz richtig angemerkt hast.

    Ich muss meine eigenen Verstrickungen aber offenbaren, bevor ich den Stock über andere breche.

    Das sieht man auch im Ausland so.

    Dann frag mal die Leute in Polen, Weißrussland oder anderen Gebieten, die besonders unter der Waffen-SS zu leiden hatten.

    Frag mal in Israel nach, ich kann Dir auch ein paar Blogger nennen, die sich da auskennen.

    Das Fazit ist und bleibt, dass – nach meiner Sicht der Dinge – Günter Grass die Deutschen jahrzehntelang getäuscht hat, um sich in seine Lieblingsrolle als Gewissen der Nation reinsteigern zu können.

    Und sobald es unangenehm wird, läuft er zum Gericht und holt sich eine einstweilige Verfügung.

    Das nennt man für gewöhnlich Opportunismus und Dünnhäutigkeit.

  16. SvenR meint: (12.10.2006 um 09:32) AntwortenReply to this comment

    @ Nr. 16 (Martin Eisenhardt):

    Besser kann man es nicht zusammenfassen. Vielen Dank.

    Ich habe es leicht, ich konnte Grass noch nie leiden. Mir tun nur die leid, die an Ihn als moralische Instanz geglaubt haben. Trau', schau wem?

  17. dpms (Link) meint: (12.10.2006 um 11:33) AntwortenReply to this comment

    … und weil Grass ja so ein Lügner ist, kopiere ich gleich mal seine gesammelten Werke und verteile diese unter den Armen…

  18. Martin Eisenhardt (Link) meint: (12.10.2006 um 11:56) AntwortenReply to this comment

    @18: Falls Du auf Grass' vermeintliches Urheberrecht an seinen Briefen an den ehemaligen Bundesminister Karl Schiller anspielst: Wenn ich an einen Funktionsträger schreibe, dann muss ich damit rechnen, dass dieser Brief früher oder später wegen geschichtlichen Interesses öffentlich wird. Da nun auf Grass selbst alles andere als unbekannt ist, stellen diese Briefe wichtige Dokumente der Zeitgeschichte dar – und unterliegen meines Wissens nach nicht dem Urheberrecht.

    Außerdem geht die an einen Bundesminister gerichtete Dienstpost – genauso wie alle an einen Minister oder Kanzler gegebenen Geschenke – in den Besitz der Bundesrepublik über. Letztlich dürfte also die Bundesregierung darüber entscheiden, ob die Veröffentlichung der Briefe rechtens war/ist.

    Weiter oben wurde auch bereits gesagt, dass das Informationsfreiheitsgesetz hier zum Zuge kommen könnte – und das sehe ich auch so. Schließlich gibt es kein überwiegendes Interesse an der Geheimhaltung dieser Briefe – sie bedrohen ja weder die äußere noch die innere Sicherheit der Bundesrepublik.

    Sondern nur die Selbstzufriedenheit eines Günter Grass.

  19. usw. meint: (12.10.2006 um 12:35) AntwortenReply to this comment

    Außerdem geht die an einen Bundesminister gerichtete Dienstpost – genauso wie alle an einen Minister oder Kanzler gegebenen Geschenke – in den Besitz der Bundesrepublik über. Letztlich dürfte also die Bundesregierung darüber entscheiden, ob die Veröffentlichung der Briefe rechtens war/ist.

    § 44 (1) UrhG: "Veräußert der Urheber das Original des Werkes, so räumt er damit im Zweifel dem Erwerber ein Nutzungsrecht nicht ein."

  20. Martin Eisenhardt (Link) meint: (12.10.2006 um 12:53) AntwortenReply to this comment

    Das bedeutet also: Ich gebe z.B. meine Steuererklärung per Brief ab (das dürfte das übliche Vorgehen sein) und habe da ein paar nette, zu meinen Gunsten wirkende Fehlerchen eingebaut.

    Dann darf also allen Ernstes das Finanzamt diesen Brief nicht nutzen (ich rede nicht von den Vordrucken, die ich ausgefüllt habe, sondern von weitergehenden Erklärungen im Rahmen der Ekst-Erklärung)? Glaub ich nicht.

    Zudem: Das Urheberrecht dürfte meiner Ansicht nach hier gar nicht greifen, auch wenn das Landgericht Berlin das in seiner Entscheidung anders gesehen hat – und die FAZ will ja vermutlich auch den Rechtsweg beschreiten.

    Urheberrecht kann ich nur an einem urheberrechtlich schützbaren Werk erwerben – und ob da Briefe wirklich dazugehören, möchte ich mal stark bezweifeln.

    Sonst könnte ich ja in Briefen einfach irgendetwas (z.B. Beleidigendes oder grob Falsches) schreiben und danach dann einfach jedem das Nutzungsrecht verweigern, der mir dafür ans Leder will.

    Ich denke, auch bei einem Absender Günter Grass werden die üblichen Regeln gelten. Ich wüsste sonst auch nicht, warum denn in so vielen Publikationen dutzende Briefe von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte erscheinen, die diese Persönlichkeiten nicht immer nur im besten Licht dastehen lassen. Da würden sich doch vermutlich mehr Leute wehren, wenn das so einfach über das Urheberrecht ginge.

    Es ist im Falle einer Urheberrechtsverletzung nur besonders leicht und einfach, eine einstweilige Verfügung zu erreichen – und da dürfte die wahre Motivation für diese Ausprägung des rechtlichen Vorgehens von GG gegen die FAZ liegen.

    Und wenn dieser Weg ausgeschöpft ist, gibt es ja immer noch Richter Buske in Hamburg.

    Der wird das dann schon richten.

    Hat er bei vielen Grass-Freunden (ich sach ma Ex-Kanzler Schröder) ja auch getan … :-D

  21. immo (Link) meint: (12.10.2006 um 14:30) AntwortenReply to this comment

    Anlass für die vermeintliche Beichte ist das geschriebene Buch. Es lag bereits in den Redaktionen vor für Rezensionen zur Buchmesse. Das FAZ-Interview war das Vehikel in journalistischer Form, auf das Buch aufmerksam zu machen.

    Siehe http://immoblogg.blogg.de/eintrag.php?id=544 und http://immoblogg.blogg.de/eintrag.php?id=533

  22. Gerrit meint: (12.10.2006 um 16:53) AntwortenReply to this comment

    Ist ja mal voll krass, dieser Grass. ;-)

  23. /DSSM1 meint: (12.10.2006 um 21:58) AntwortenReply to this comment

    Der Verweis auf § 50 UrhG ist ganz nett, hier aber nicht ganz zutreffend. Schon in BGHZ 13, 334 ist vom APR die Rede und nicht vom UrhG (vgl. auch LG Berlin AfP 1999, 381).

  24. Felix Schwarz (Link) meint: (21.10.2007 um 13:30) AntwortenReply to this comment

    So ging es damals zur Sache:

    Da lag auch schon die Aufforderung vor mich am Stettiner Bahnhof einzufinden um in ein Wehrertüchtigungslager einzurücken.Hunderte von anderen jungen Leuten waren dort versammelt als ich mit Sack und Pack da anmarschierte.SS Männer gingen umher die alle großen und gutgewachsenen Männer aussortierten,ich war auch dabei.Wir kamen in ein SS Lager in Piepstock an der Knatter,welch lustiger Name für dieses Schleiflager.3 Wochen hatten die SS Mannschaften Zeit uns dazu zu bringen "freiwillig" in die SS einzutreten und das funktionierte so:Beim Morgenapell hieß es,alle diejenigen die schon den SS Vertrag unterschrieben haben… rechts heraus.Der Rest ab ins Gelände.Wir wurden gehetzt,geschliffen in den Dreck befohlen und um das Lager gescheucht,alles im Laufschritt.Am Abend gab es eine dürftige Graupensuppe und anschließend durften wir die verdreckte Uniform auf Hochglanz bringen.Danach ging’s zum Rottenführer und der versuchte mich mit allem Nachdruck davon zu überzeugen,dass die SS DIE Elitetruppe der Welt ist,zu der jeder vernünftige deutsche Mann sich geradezu zu drängen hätte.2 Wochen leistete ich Wiederstand,es war nur noch ein kleiner verlorener Haufen der sich da am Tage durch die Dreckpfützen wühlte und jeden Tag wurden es weniger.Dann hatten sie auch mich soweit.Ich trat also "freiwillig" der Waffen SS bei.Der verbleibende Rest der Zeit war das reinste Vergnügen.
    Als ich wieder zu Hause war und meinem Vater,der als Kurier jede Woche einmal in Berlin war,von meinem Desaster erzählte,war dieser mit einem Male wie verdreht.“Ja sag mal haben dich alle guten Geister verlassen.Der Krieg geht zu Ende,wenn Dich die Russen als SS Mann schnappen,bringen sie dich um“.Er hatte so seine Verbindungen bis nach ganz oben.Ungezählte Pakete hatte er für die Offiziere aus Belgien zu deren Angehörigen nach Berlin geschafft,allerhöchste Stellen hatten davon profitiert,jetzt war die Zeit gekommen ihm zu helfen.Am nächsten Tag war ich mit ihm auf dem Wehrbezirkskomando,ich unterschrieb eine Verpflichtung als Reserveoffizier-wie gut das ich mein ABI hatte-drei Tage später war ich schon unterwegs in den Warthegau zum Arbeitsdienst,die SS hatte das Nachsehen. ng das "damals" zu.Wer wirft einen Stein auf G.G.?

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