Nichts in der Post
Manchmal ist nichts zu machen. Wir erklärten also vor einigen Wochen für den Mandanten, dass er die Forderung anerkennt. Das Gericht konnte ein Anerkenntnisurteil erlassen. Und zwar im schriftlichen Verfahren.
Jetzt die gegnerische Anwältin in der Leitung. Sie warte immer noch auf das Anerkenntnisurteil. Das Gericht habe ihr gesagt, es könne ihr nicht zugestellt werden, denn wir hätten auf die (vorherige) Zustellung an uns nicht reagiert und das Empfangsbekenntnis nicht zurückgesandt.
Dazu kann ich nur sagen: Wir haben bislang kein Urteil erhalten. Würde mich schon interessieren, ob das die Post verbockt hat. Oder ob wir armen Anwälte jetzt tatsächlich schon als Sündenböcke für überlastete Gerichte herhalten müssen.
Keine Unschuldsvermutung für die deutsch Justiz?
Dass "wir armen Anwälte … als Sündenböcke für … Gerichte herhalten müssen" wäre nach meiner Erfahrung nicht das erste Mal, wenn nicht für Überlastung, dann ggf. auch für
SchlampereiNachlässigkeit (… ach, das Urteil liegt ja noch hinten in der Akte / Ihr Schriftsatz wurde doch noch in der Geschäftsstelle aufgefunden) u.ä.Muss am Postzustellungsunternehmen liegen, ich warte auch noch auf die Lieferung eines bei einem privaten Online-Auktionshaus erworbenen Gegenstandes. :)
Mir hat ein Kunde kürzlich einen USB-Stick mit Daten geschickt (die gelbe Post hat eine hohe Latenz, aber auch eine große Bandbreite).
Der Umschlag der ankam enthielt keinen USB-Stick mehr und war mit Tesa verklebt. In den letzten Jahren habe ich noch viel wüstere Sachen erlebt.
Ja, es ist schon komisch, wie oft Post verschwindet, die nicht im Wege der förmlichen Zustellung versendet wird (obwohl letztere doch mindestens genauso oft im automatisierten Transportverfahren der Post verloren gehen müsste).
Ich habe es übrigens in meiner langjährigen beruflichen Praxis noch nie erlebt, dass ein mit normaler Post versandtes Schriftstück, dessen Erhalt für den Empfänger vorteilhaft war, verlorengegangen ist. Kündigungen, Mahnungen, Musterungsbescheide, Zahlungsaufforderungen usw. bleiben dagegen wohl fast alle in Postsäcken kleben…
Der erste Satz, den ein Rechtsanwalt übrigens vor vielen Jahren zu meinem Onkel sagte, während er lächelnd das Kündigungsschreiben des Vermieters in die Hand nahm, lautete:
"Und sie sind sicher, das den nicht ihre Katze gefressen hat?"
Mein Onkel hatte zwar keine Katze. Der Rechtsstreit endete mit einem Vergleich, mit dem er ganz zufrieden war. Was er aber letztlich im Verfahren vortragen ließ, wollte er mir nicht verraten.
Ich würde aus eigener Erfahrung den Fehler bei der Post vermuten, da ich selber erlebe, dass immer mehr Post auf dem Weg zum Empfänger verschwindet.
Ich schätze den Schwund meiner Post inzwischen auf ca. 5% aller Briefe, die ich verschicke.
@5 – Diese Vermutung kann ich nicht teilen. Bei meinen Empfängern kommt auch "positive" Post immer öfter nicht an.
Also grundsätzlich fressen Katzen ja kein Papier… aber es ist inzwischen wirklich auffällig das immer häufiger Sendungen aller Art verschwinden.
Und das liegt auch daran, das im Kostendruck der immer billigere Versand gewählt wird – der dann auch nicht mehr die tollsten Boten beschäftigen kann.
Wenn auch die gute alte Zeit nicht für alles herhalten kann – aber ein Postbote der sein Verteilgebiet wirklich kannte und über Jahre betreute hatte irgendwie weniger Schwund als ein unterbezahlter Teilzeit Kurierbote.
Und nicht umsonst häufen sich die streitigen Fälle zwischen Post und privaten Kurierdiensten, es ist ja schließlich alles freier Markt.
Und da guckt der Bote auch schon mal ob im Briefkasten schon was drin ist was die eigene Sendung behindert —- und dann fliegt da schon mal wieder war raus.
Dazu kommen noch die Fälle wo unterbezahlte Boten mit dem ganzen Streß nicht mehr klarkommen und die Sendungen einfach bunkern wie dies in dem Fall in Rostock passiert ist – und da waren dann z.B. Ladungen zu Gerichtsterminen verschwunden.
Liberalisierung ist ja schön und gut – aber eine gewisse Qualität und Zuverlässigkeit ist einfach nicht umsonst zu haben.
@ 6:
Ich schätze die Quote liesse sich ungefähr halbieren, wenn Sie ab sofort für jeden Brief auch eine individuelle Weihnachtsgrusskarte (möglichst hübsch, aber belanglos) versenden würden ;-)
@8: Meine Katze frisst alles, wenn ich es klein schneide und mit Thunfisch verrühre :-)
Hier in Hamburg verschicken diverse Behoerden ihren Kram per privatem Postverteiler (Jurex). Die machen sich das einfach und schmeissen die Post hier in unserem Haus einfach in irgendeinen Briefschlitz ein, meistens in den rechts unten. Egal, wer der Empfaenger ist, er muss nur im selben Haus wohnen! Kein Spruch, das ist kein Einzelfall.
Gott sei Dank – ich dachte schon, dass die Briefzusteller nur in Köln Klebstoff an den Fingern hätten! Als IT-Fachjournalist bekomme ich jede Menge Fachzeitschriften als kostenloses Abo … aber seit geraumer Zeit immer erst eine Woche, nachdem die Zeitung am Kiosk erhältlich ist (und auch schon mal als "Sonntagszustellung" – morgens beim "Brötchen holen" nix im Briefkasten, nachmittags lugt dann die Zeitung heraus)!
Der Clou war aber die letzte Ausgabe der "Funkschau": Da war das Gewinnspiel in einer Anzeige schon gelöst und der Coupon herausgeschnitten! :o
Na ja, was solls: Ein Arbeitsloser mehr in Deutschland (nein, keiner von der gelben Post …) – und die Zeitungen kommen jetzt auch wieder pünktlich! ;)
@5: Es stimmt nicht, dass nur unvorteilhafte Post verloren geht:
Bei uns kam seit ca 1 Woche erwartete Post nicht an. Irgendwann klingelte eine Anwohnerin zwei Straßen weiter. Diese hatte Post von uns in einer Pfütze vor ihrem Haus gefunden. Der Versicherungsschein war noch nicht einmal mehr im Briefumschlag und total durchnässt. Mein Arbeitsvertrag wurde nicht mehr gefunden.
Als wir uns bei der Post beschwerten wurde nur gesagt: "Tja dann hätten sie es doch als Einschreiben geschickt!"
bei mir flatterte mal eine ZU durch den hausflur des 10-parteien-hauses in dem ich damals wohnte.
war ja auch nur ein examenszeugnis nebst widerspruchsbelehrung drin.
nach beschwerde kam ein paar wochen später ein sehr schönes geburtstagsgeschenk nicht bei mir an.
:-(
Selbst förmliche Zustellung ist nicht zu 100% sicher. Ich hatte vor ca. einem Jahr eine förmliche Zustellung im Briefkasten, deren richtiger Empfänger 3 Ecken weiter wohnte.
Nachname und Hausnummer stimmten überein, Vorname und Straße nicht.
Ich habe mal ein Einschreiben mit Rückschein versendet. Nachdem ich den Rückschein nicht bekommen habe, habe ich bei der Post nachgefragt. Die haben dann eine Nachforschung angestrengt mit dem Ergebnis, dass keiner weiß was mit der Sendung passiert ist.
Ich habe ca. 50 Euro Schadensersatz bekommen (Versicherungsbetrag + Port). Zum Glück entsprach dies in etwa dem Wert der Sendung, so dass dies kein weiteres Problem für mich war.