Musik ohne DRM
EMI verzichtet künftig auf Digital Rights Management. Apple zieht mit und bietet das Repertoire im iTunes-Store an (Pressemitteilung).
Auch wenn das kein Freibrief für “Raubkopierer” ist, wird durch den Wegfall des Kopierschutzes die Privatkopie wieder eine größere Rolle spielen.
In einigen deutschen Anwaltskanzleien dürften heute nicht unbedingt die Sektkorken knallen.
Wow, bei (Teilen) der Musikindustrie scheint der Verstand wieder eingetroffen zu sein :)
…ist das nicht auf heise.de als Aprilscherz geoutet?
Ohne Genaueres zu wissen: Evtl knallen die Sektkorken doch. Denn die Dateien können per Wasserzeichen gekennzeichnet werden – und zwar individuell zum Käufer und (nahezu) unvernichtbar.
Damit kann man zwar frei kopieren, aber es lässt sich problemlos herausfinden, von wem kopiert wurde. Sogar nachdem der Track auf CD kopiert und zu MP3 gemacht ist.
Nein.
Nun ja, unabhägig davon, dass noch gar nicht klar ist, ob Apple Wasserzeichen einsetzt, würde es aber sehr schwierig werden, nachzuweisen, dass derjenige, der einen Track bei iTunes gekauft hat, auch derjenige ist, der ihn bei eMule verbreitet hat.
@3: Das musst du mir erklären, wie das funktionieren soll, nachdem die Musik als Audio-CD gebrannt wurde. Das will ich nämlich mal anzweifeln, dass das funktioniert. Der Audio-CD-Standard kennt m.W. keine Wasserzeichen und nicht ohne Grund konnte man auf diese Art auch jedes DRM ausschalten.
Was soll das eventuelle Wasserzeichen denn helfen? Wenn A einen Song kauft und für den zulässigen, gar nicht so kleinen Personenkreis Privatkopien macht, ist er nicht verantwortlich, wenn einer der Empfänger die Datei illegal weitergibt, zum Beispiel über Filesharing.
Wenn man bedenkt, daß es mehr Menschen gibt, die sich bisher über DRM geärgert haben, als es Anwälte gibt, die in diesem Bereich Prozesse geführt haben, dürfte die absolute Anzahl der Sektkorken, die angesichts dieser Entscheidung knallen, doch eher steigen denn sinken.
@6: Das Wasserzeichen wird durch Frequenz- und Amplitudenmodulation unhörbar ins Lied eingebracht. Geht ähnlich wie bei Bildern.
@7: Wenn die Privatkopie zulässig bleibt, dann gibt's natürlich kein Problem. Stimmt.
Tja, dann stehen ja ein paar Leute, die auf das falsche Pferd gesetzt haben, ziemlich dumm da:
- die Justizministerin mir ihrem Lex "Kopierschutz umgehen ist böse"
- Microsoft, die haben sich 4 Jahre lang die Finger blutig programmiert haben um DRM tief in ihr Betriebssystem zu pflanzen (und dafür so unwichtiges Zeug wie WinFS weglassen mussten :) )
Denn eins ist klar, wenn ein Stein aus der Mauer ausbricht fällt der Rest bald hinterher.
Das könnte mich glatt verlocken Musik online zu kaufen.
@9: Also das mit der unhörbaren Frequenz- und Amplitudenmodulation musst du mir mal erklären. Das würde mich und meine Kollegen sehr interessieren. Bisher dachten wir nämlich, weil wir den ganzen Tag am Thema Akustik forschen und entwickeln, haben wir einigermaßen einen Überblick über das Thema. Aber so kann man sich täuschen…
Ein digitales Wasserzeichen wird man künftig mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenso leicht entfernen können, wie dies bei den diversen Kopierschutz-Methoden geschehen ist.
Technische Maßnahmen, die auf Methoden basieren, die weltweit ALLEN Menschen zur Verfügung stehen, sind kein Schutz, sondern maximal nur eine Belästigung für den Käufer.
@13:
Nein!
Das ist was fundamental anderes. DRM _kann_ kryptographisch gesehen gar nicht funktionieren, weil der Angreifer gleich der Empfänger ist (Bob = Trudy).
Wasserzeichen lassen sicht theoretisch so gestalten, dass ihre Entfernung das Musikstück unbrauchbar macht.
Ups…
Da sollte natürlich @12 stehen.
"In einigen deutschen Anwaltskanzleien dürften heute nicht unbedingt die Sektkorken knallen."
Diese Kanzleien zaehlen zum Abschaum der Menschheit.
@ 15 (chancho): Auch die Anwälte, die bisher die Opfer der Musikindustrie verteidigt haben?
@13: ;)
Ja, in der Theorie. In der Praxis gibt es aber KEINEN hundertprozentigen Schutz. Und jeder, der vollmundig verkündet, dass Methode XYZ ja sooooo sicher sei, ist bisher immer eines Besseren belehrt worden.
Ganz einfache Methode: Was nützt mir ein Wasserzeichen, wenn ich den Audioausgang abgreife?
Einfache Gegenmethode: Ich verkaufe TPM-Hardware.
Einfache Gegengegenmaßnahme der Kunden: TPM-Hardware wird nicht gekauft, wie auch DRM-Produkte nicht gekauft werden.
Ein vollkommen unsinniges, schwachsinniges Hase/Igel-Spielchen, das ausser den Abietern entsprechender Sicherheitslösungen niemandem nützt.
Wer im Digital-Zeitalter mit Inhalten Geld verdienen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass er nicht mehr die alleinige Kontrolle über die Inhalte haben kann. Er kann dann nur darauf verzichten die Inhalte zur Verfügung zu stellen. Geld verdient er dann damit nicht mehr, aber zumindest kopiert es niemand. Auch ein Erfolg! :)
@17:
Das ist der entscheidende Punkt: Das Wasserzeichen bleibt auch erhalten, wenn man die Musik analog kopiert.
Ein digitales Wasserzeichen bleibt bei der analogen Aufnahme erhalten? Hängt mir das dann auch irgendwo im Ohr oder Gehirn herum, wenn ich ein mit Wasserzeichen versehenes Musikstück anhöre? Coool …
Ich kann sogar schon mit einem Kompressions-Tool schwächere Wasserzeichen entfernen, da diese redundante Information bei der Kompression verschwindet.
Das Fraunhofer IPSI hat viel an digitalen Wasserzeichen geforscht. Finde leider jetzt keine schönen Infos, aber <a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/96685/" rel="nofollow">dieser Pressetext</a> beschreibt, was die Wasserzeichen können (sollen).
@Reinhard:
Ja, das Wasserzeichen hängt in deinem Ohr, und Kompression ist ein Problem; deswegen sind Wasserzeichen ein interessanter Forschungsgegenstand. Aber es gibt schon ziemlich robuste Lösungen, die man trotzdem "nicht hört". Wobei ich das gerne mal testen würde. Den Fraunhofer-Fuzzis haben wir ja auch die Legende zu verdanken, dass die MP3-Kompression die Qualität nicht/"kaum" hörbar vermindert.
Ich weiß, ein Bekannter hat letztes Jahr seine Doktorarbeit im Themenbereich "Digitale Steganographie" gemacht. Hochinteressantes Thema. Aber er ist auch (im Gegensatz zu mir) ein schlauer Kopf :)
Nach seinen Aussagen allerdings ist ein Wasserzeichen nur dann sinnvoll, wenn zB. man die Unversehrtheit, den Originalzustand einer Datei nachprüfen möchte. Als Schutz vor der Verbreitung in Tauschbörsen hält er auch das Wasserzeichen für so "effektiv" wie jedes andere bislang übliche DRM-System. Nämlich gar nicht.
@Wasserzeichen-Skeptiker
Wie schon erklärt wird das WZ direkt in die Wellen gelegt. Es ist also Bestandteil der Musik, und wird daher (Kompression jetzt mal außen vor gelassen) unverändert bei jeder Kopie, auch bei jeder analogen Kopie, sogar wenn du ein Mikrofon vor den Lautsprecher hälst, weitergegeben. Es sind einfach winzige Änderungen in der Lautstärke und/oder der Frequenz, die einem Menschen aber nicht auffallen. Kennt man den Schlüssel, mit dem diese Änderungen in der Datei verstreut wurden, kann man daraus wieder die gewünschte Information (z.B. eine Käufernummer) reproduzieren.
Anderes Beispiel für Wasserzeichen sind Bilder. Man darf sich nun nicht ein durchschimmerndes Gesicht wie auf Geldscheinen vorstellen. Nein, es wird nur die Helligkeit oder der Farbton einiger weniger ausgewählter Pixel verändert. Welche genau, dass weiß nur der, der das Wasserzeichen einkodiert. Dem Betrachter fällt das niemals auf (außer vllt wenn das Bild aus einer einzigen farbigen Fläche besteht).
MP3 und co. zeichnen sich dadurch aus, dass sie für den Menschen nicht wahrnehmbare Informationen aus der Quelle entfernen und dadurch ernormen Platz sparen. Doch was genau diese "nicht wahrnehmbaren" Informationen sind, dass legt der Algorithmus fest. Der ist bekannt. Und deshalb kann man sein Wasserzeichen so verstecken, dass es zwar tatsächlich immer noch nicht wahrnehmbar ist, aber vom Codec für wahrnehmbar gehalten und deshalb erhalten bleiben wird.
Das Hauptproblem bei der Entfernung von Wasserzeichen ist, dass man nicht weiß, wo diese versteckt sind. Das weiß nur der Verkäufer, der eine "Schablone" über die Wellen legt und dann die Informationen sehen kann. Sie können (und werden vermutlich auch) redundant abgelegt werden, so dass selbst die Beschädigung einzelner Bits nichts ausmacht. Tatsächlich entfernen wird man die Daten nur können, wenn man entweder die Qualität radikal(!) reduziert, oder mehrere mit unterschiedlichen Wasserzeichen versehene Dateien hat. Dann kann man diese miteinander vergleichen und die Unterschiede entfernen. Obwohl die Frage offenbleibt, welches denn das Original ist. Und mit einer geschickten Kodierung, zum Beispiel der Änderung der Lautstärke des gesamten Stücks um einen winzigen Faktor oder eine minimal geänderte Abspielgeschwindigkeit bei jeder einzelnen Datei erschweren dann auch dieses Verfahren.
@Reinhard:
Was du beschreibst klingt eher nach einer Prüfsumme.
Selbst kleine Änderungen, die man mit Hilfe diverser, handelüblicher Abspielsoftware über die Funktion "Replay-Gain" in die Musikdaten einbringen kann, machen die Wiedererkennug eines Wasserzeichens unmöglich. Man kann nur noch sagen, dass die Datei verändert wurde. Aber das ist ja im Endeffekt für den Zuhörer egal.
Digitale Wasserzeichen darf man NICHT als DRM-Ersatz mißverstehen. Wer das tut (und die Content-Branche tut das gerade), wird erneut ein endloses Katz- und Mausspiel mit findigen Leuten auslösen, für die gerade solche Behauptungen ein Ansporn sind, das Gegenteil zu beweisen.
Und dann darf man auch nicht vergessen … wie beweist man, dass der "Besitzer" einer ganz bestimmten Signatur diese Datei widerrechtlich auch in Umlauf gebracht hat?
Ein digitales Wasserzeichen ist nur eine weitere, vergebliche technische (!) Lösung für ein gesellschaftliches Phänomen.
Ich denke nicht, dass Replay-Gain ein Problem sein muss. Ein Wasserzeichen wird vermutlich eher durch veränderte Verhältnisse (z.B. zwischen zwei Peaks) als durch einen absoluten Wert kodiert werden. Oder durch leichte Veränderung der Frequenz. Und natürlich auch durch wilde Kombination der verschiedenen Verfahren. Wenn du ganz sicher gehen willst, dann musst du deine Musik durch so viele Filter jagen, dass du sie am Ende nicht mehr hören willst.
Das rechtliche Problem und die Anwendung gegen Raubkopien ist ein ganz anderes Thema, zumindest in D-Land. In USA mag das übrigens anders aussehen. Will ja auch nur sagen, das Wasserzeichen prinzipiell funktionieren.
Ein anderes Beispiel, wenn auch etwas Off Topic: Auch Wasserzeichen in Kinofilmen können funktionieren. Die müssen nämlich garnicht besonders gut versteckt sein. Es ist heute noch so, dass alle 15 bis 20 Minuten ein kurzes Überblendzeichen, in der Regel ein weißer Punkt oben rechts, durch das Bild geht. Nun mal scharf nachdenken: Wann ist einem dies das letzte mal aufgefallen? Die meisten wissen wohl nichtmal wovon ich rede ;). Selbst als Vorführer nehm ich die Punkte oft nicht mehr wahr. Auf die gleiche Weise könnte man mit einigen einkodierten Signalen, die hin und wieder mal auftauchen, die Nummer des Films integrieren. Sicher, das kann man entfernen. Bedeutet aber Arbeit, so ein Film hat ne ganze Menge Frames, die auf evtl. Wasserzeichen geprüft werden wollen, und wenn man nicht weiß wonach man sucht, dann kann einem dies auch keine Software abnehmen. Sicherlich bringt es rechtlich überhaupt nichts, denn ersten geht so eine Filmrolle durch ziemlich viele Kinos, und zweitens bezweifel ich, dass man das Kino dafür belangen kann, wenn ein Besucher heimlich eine Aufnahme des Films gemacht hat.
Allerdings kann der Filmverleih dem Kino dann natürlich in Zukunft Startkopien verweigern… was für den Betrieb auch keine schöne Sache wäre!
@25 and others: Technisch hast Du völlig recht. In der Praxis soll das Wasserzeichen wohl eine psychologische Barriere darstellen: Gelangen mehrere MP3s mit Wasserzeichen, die sich einem bestimmten Käufer zuordnen lassen, in Tauschbörsen, erhält derjenige einen bösen Brief, in dem ihm die Illegalität vieler Formen des Musiktauschens erklärt wird. Denkbar ist auch, dass Kunden, deren Wasserzeichen-MP3s ab und an die Runde machen in Online-Musikshops künftig mit vermeintlichen Serverfehlern vom Kauf abgehalten werden.
Wer nicht oder nur im engen Freundeskreis tauscht, muss sich keine blöden Fragen gefallen lassen.
Diejenigen, die das Wasserzeichen entfernen können ohne die Qualität zu beeinträchtigen, konnten auch bisher mit etwas Geschick kopieren. Die soll es nicht treffen.
Ich finde den Kompromiss (auch mit Wasserzeichen akzeptabel). Fehlt nur noch, dass der lächerliche DECSS gleich mit begraben wird. Mit den DVD-Playern unter Linux/Unix war ich bislang eher unzufrieden, also musste ich mich in die Illegalität begeben, libdvcss herunterladen und die DVDs rippen. So ein paar DVDs auf Festplatte sind dann eine ganz nette Unterhaltung auf Flügen oder Bahnreisen. Dass dieses Tun schon deshalb illegal ist, weil ich die Werkzeuge, die mir einen komfortablen Filmgenuss ermöglichen, benutzen könnte, um der Medienindustrie Schaden zuzufügen ist eine der Perversitäten des aktuellen Urheberrechts. Zumindest die Kopie auch kopiergeschützter Medien für den Gebrauch im eigenen Haushalt sollte erlaubt sein.
Ich plapper hier übrigens nur das an techischen Details nach, was ich selber vor einigen Wochen auf einer Party gehört habe. Sollte ich Müll erzählen, bitte keine Hemmungen mich zu korrigieren.
Zu den Wasserzeichen in Kinofilmen. Es wurde ein Kino hier in D-Land dafür zur Rechenschaft gezogen (oder sollte?), weil man in der Kopie das kinospezifische Wasserzeichen sehen konnte. Wie die Sache aber letztlich ausgegangen ist, ist mir leider nicht bekannt.
Das mit den Wasserzeichen ist auch so eine Sache. Die sind wohl als "Beweis" eigentlich wertlos.
Fiktives Szenario: Der MP3-Player einer Person wird gestohlen, auf diesem sind Dateien mit Wasserzeichen drauf. Diese gelangen über verschlungene Wege ins Internet. Der Bestohlene, den man schnell findet, darf dann zahlen.
Könnte ja mal passieren. Wie dann geurteilt wird, steht wohl leider in den Sternen.
@Roland: Ich weiß nicht, woher du das mit den "digitalen Wasserzeichen, die direkt in die Wellen gelegt werden", her hast. Dass so etwas aber vom Menschen nicht bemerkt werden soll und sogar die Übertragung via Mikrofon-Lautsprecher-System übersteht, halte ich allerdings für absoluten Unsinn.
Till
(Akustiker bei Fraunhofer)
Sektkorken knallen möglicherweise nicht, aber eine solche Entscheidung dürfte Anwälten relativ egal sein. Denn soweit ich weiß, ist die Verbreitung über Tauschbörsen von dem Recht auf Privatkopie unabhängig vom DRM sowieso nicht gedeckt. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren…
Sehr gute Entwicklung. Bei EMI scheint man als erstes gemerkt zu haben, dass man jedes Jahr viel mehr Geld verballert für die Entwicklung von Kopierschutzsystemen als die Kopierer anrichten würden… Außerdem ist es ein viel größerer Anreiz eine geschützte CD zu kopieren, der "Reiz des Verbotenen" sag ich nur… Technisch machbar ist es sowieso, kein Kopierschutz schützt irgendwie.
Wer sich eingehender mit dem Wasserzeichen beschäftigen möchte, und dabei nicht nur spekulieren will, sollte sich einmal die Veröffentlichen zu `watermarking' vom Fraunhofer IIS durchlesen: iis.fraunhofer.de/fhg/iis/bf/amm/download/aes.jsp
Es ist durchaus so, dass das Wasserzeichen eine analoge Übertragungsstrecke und mehrmalige Encodierung in andere Formate (wav, mp3, mp4, etc.) überlebt, ich habe als Schüler in der entsprechenden Abteilung als HiWi gearbeitet und das selber miterlebt.
Das Digital Rights Management (DRM) steht vor dem aus – Musik wird wieder frei
Lest hier:
netzwerk-des-wissens.de/N...en_DB.php?nachricht_id=64