Verspannt
Spar-Markt. nah & gut. Ich bin dritter in der Schlange an der Kasse. Eine junge Frau steht plötzlich neben dem vorderen Kunden, eine Cola-Flasche in der Hand. “Kann ich die auch beim Bäcker zahlen?” “Neeeeein.” Das Mädchen inszeniert einen herrlich ratlosen Blick. Dann gibt sie sich einen Ruck. “Darf ich schnell zwischendurch bezahlen?”
Die Kassiererin zuckt mit den Schultern. Die Leute vor mir verspannen zwar, sagen aber nichts. Die junge Frau kriegt ihre Cola und stapft gut gelaunt davon. “Die soll sich lieber beim Friseur vordrängeln”, tobt der Mann ganz vorne in der Schlange. “Unverschämtheit”, zischelt die Frau hinter ihm. “Wir warten doch auch.” Die Kundin vor mir dreht sich zu mir um. Ich kenne sie, weiß aber nicht von wo. Ihre Gesichtsmuskeln zucken. “So eine Gör, als wenn wir unsere Zeit gestohlen haben.”
“Also, ich hätte sie vorgelassen.” Sage ich in die neue Stille und die fragende Miene der Vorderfrau hinein. “Und wenn Sie was dagegen haben, dann müssen Sie es der Kundin sagen. Und nicht später schimpfen.” Mist, denke ich, jetzt gibt’s überflüssiges Theater.
Doch eigentlich sollte ich es schon besser wissen. Die Leute vor mir gucken kurz, als wäre ich vom Mond. Doch keiner sagt was. Ich nehme an, das heben sie sich auf, bis ich um die Ecke verschwunden bin.
Ja, typisch D. Ich habe mal einer sich vordrängelnden Dame zugerufen "Nur erfassen lassen, ich übernehme das!" (es war eine Kleinigkeit ;), daraufhin wurde die frech und spiessig, dachte ich wollte was von der, LOL.
Eigentlich müsste man auswandern.
Das ist Deutschland.
Jaja, die alte Moralfrage des In-der-Schlange-vorlassens. Mir gefällt die Variante aus einer Simpsons-Folge am besten (leider weiß ich aus dem Kopf gerade nicht, in welcher das war…): Homer schnappt sich Flanders, der in der Schlange weiter vorne steht und nötigt ihm ein Einverständnis ab, ihn samt Familie vorzulassen. Die Reaktion der Leute zwischen Flanders und Homer: "Los Leute, hier wird vorgelassen". Und dann stehen alle vor Flanders. Und die Moral der Geschichte: Man kann vielleicht noch mit einiger Berechtigung mit jemandem den Platz tauschen, aber anzunehmen, dass es allen genehm ist, die noch hinter einem stehen, das kann man beim "Vorlassen" wirklich nicht.
Aber heute ist Samstag. Da lasse ich auch die Krimskramskunden an der Kasse vor, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ich kann ja aber auch nicht Nein sagen.
Vor zwei Wochen an einer Tankstelle: Ein junges Ding drängt sich wortlos aus einer Seitengasse vor. Da ich auch keine Lust auf wortlastige Diskussionen hatte, übernahm ich den gebotenen Erziehungsauftrag in gewohnt unsubtiler Weise: Ich habe dümmlich grinsend und denkbar auffällig ihre weiblichen Formen optisch studiert, was sichtlich zu Unbehagen führte. So hatten wir beide was davon – sie die Erziehungsmaßnahme, ich den Anblick.
Mund? Freud´scher Verschreiber?
Wenn jemand freundlich fragt ob er vor kann habe ich damit kein Problem, aber einfach vordrängeln ist schon dreist. Aber hey, das Leben ist zu kurz um sich über alles aufzuregen…
Kleiner Tipp:
"Die Leute vor mir gucken kurz, als wäre ich vom Mund"
Mich gucken immer alle an, als käme ich vom Mond ;)
Ich hatte so einen ähnlichen Fall erlebt – und wurde Zeuge eines selten dämlichen Ladendiebstahles. Die Kunden drängelt sich vor – in dem sie so tut, als würde sie die Sonderangebote neben der Kasse begutachten. "Naja, wenn ich schon mal hier bin, kann ich ja auch gleich bezahlen". Es gab Wiederspruch bei den anderen Kunden, aber die sind ja alle nur "Spießer".
Naja, und dann klapperte es in ihrem Beutelchen, während sie ihren Früchtejoghurt bezahlte. Die Kassiererin spricht sie an – ach, die fünf Bierflaschen seien aus einem anderen Laden. Kassenbon hatte sie auch nicht dabei, sie konnte ja noch nicht einmal treffsicher einen möglichen Markt nennen und stammelte die Märte im halben Umfeld zusammen. Dann verließ sie voller Wut den Markt … die Kassiererin hinterher. Und die restliche Kundschaft noch mehr verärgert.
*gg* Bist Du sicher, dass die dachten, Du kommst von Mund? Ich hätt ja an den Mond gedacht. *lol* Aber es ist typisch. Ins Gesicht kann einem selten einer was sagen, lieber wenn derjenige nicht anwesend ist hinterm rücken….
Hallo!
Richtig so!
In unserer Gesellschaft wird viel zu viel hinter dem Rücken der Leute geredet und nicht mit Ihnen.
Wenn man nichts dagegen sagt das es einem nicht gefällt, wenn jemand – aus welchem Grund auch immer – in der Schlange vor einem einreiht, dann kann man es dieser Person nicht vorwerfen, sondern sich selbst.
Ganz davon ab – bevor man nörgelt immer mal bedenken ob man nicht selber mal in einer dringlichen Situation vorgelassen werden möchte.
Auf dieser Erde herrscht immer noch ein Geben und ein Nehmen. :)
Danke an den Lawblog.de für diesen Blogpost !
Es gibt doch noch Menchen auf dieser Erde :)
Es fehlt noch das PS: "Eine typisch deutsche Geschichte."
Wobei ich nicht weiß wie das in anderen Ländern ist. Da kaufe ich nicht so oft ein um das beurteilen zu können.
Ich hättte sie auch vorgelassen. wenn jemand hinter mir steht mit nur einem teil biete ich es an das er auch vor mich darf, ich habe damit kein problem.
Bin ein leidenschaftlicher "Vordrängler", bei langen Schlangen stell ich mich oft einfach weit vorne dazu. Wenn man sich dann umschaut sieht man die Blicke und hört auch das Getuschel, aber nie sagt einem das auch jemand ins Gesicht. Und solange die Leute da den Mund nicht aufbekommen, hab ich kein Problem damit.
@13: Dito, habe ich jahrelang auch immer gerne gemacht. Besonders abends bei der 1/2stündigen Schlange vor diversen Diskotheken – gesagt hat nie jmand was, Dreistigkeit hat gesiegt. Ne feine Art ist das sicher nicht, mittlerweile bin ich aus dem Alter auch raus.
@13 (Rob),
na dann hoffen Sie mal das ich nicht mit in der Schlange stehe. =)
@16:Da bin ich ja gespannt, ob Udo drauf eingeht :-)
Etwas "typisch deutsch" zu finden, ist typisch deutsch. Und spießig. Finde ich.
Solche Leute bewerfe ich immer mit dem unnötigen und meistens Konserven-lastigen Teil meines Einkaufs. Die zur Vorlassung genötigte Schlange schweigt später dann eh..
Sehr schöne Variante auch: "Legales Vordrängeln" an der Schnellkasse. Mit einer Handvoll Teile, und immer ohne Wagen: "Oh, Sie haben ja mehr als 5 (oder 10, je nach Laden) Teile, da sind sie doch sicher einverstanden, wenn ich mal eben schnell vorgehe". Da ist sich manch eine/r nicht zu blöd, auch mit vollem Einkaufswagen loszumotzen. Ich fühl' mich gut.
Jaja, die Leute heutzutage. Bei jeder Gelegenheit meckern zetern und der liebe Neid. Gelassenheit ist angesagt. Was solls? Soll dch mal jemand vorgehen. Man selbst bekommt irgendwann vielleicht selbst so eine Gelegenheit. Diese stieseligen Leute kann man nur bedauern – immer so miesepetrig durchs Leben zu gehen. Mensch, da muss man drüberstehen. Alles locker … hee – wir leben nur zum Spaß auf diesem Planeten ….
Und wieder weis man warum man u.a diesem Kehrrichthaufen den Ruecken gekehrt hat. Keinen Arsch in der Hose die Leute, aber hinter dem Ruecken anderer dann die grosse Klappe. Anstand und einfach mal locker sein , gott bewahre. 30 sekunden Zeitverlust und der Tag ist i.A. oder was ….
Otaku
Wir Menschen sind halt konflikscheu. Mich hatte mal einer einfach an der Kasse überholt. Und grinst dann freundlich. Blöd nur, dass er ostasiatisch aussah. Jetzt habe ich das Vorurteil, dass diese Typen immer vordrängeln wollen. ;-)
Aber so eine Diskussion wegen vordrängeln kann auch ausarten. Wie vergangenes Jahr in Rüsselshein. <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&key=standard_document_25027604" rel="nofollow">Eine Frau hatte versucht sich vorzudrängeln, das ließen sich die anderen nicht gefallen …</a> :-O
Ich kann mir nicht helfen: solche Leute spekulieren auf die Toleranz der anderen, darin liegt das Unverschämte. In besseren Zeiten wurde so etwas gleich durch ein Duell geklärt.
@24 Aber dann dauert das Warten ja noch länger…
Ach, bei uns im Ort geht sowas viel entspannter ab. Zickenmentalität ist überbewertet (W-tal vs. D-dorf) ;)
Dessenungeachtet sind die ungeschriebenen Suparmarkt-Kassen-Schlangen-Gesezte in D-Land eine Sache für sich. – Soziologie-Forschung anyone?
ich bin immer ganz begeistert, wie all die tattrigen greise und omis sprinten können, wenn plötzlich ne neue kasse aufgemacht wird – 100m-läufer bei den weltmeisterschaften sind nichts dagegen.
Bei mir kommt keiner mehr durch. Egal ob Frau, Kind oder Mann.
Mittlerweile wollen Leute auch von der and. Seite in die Kaufhalle. Finde ich noch bekloppter. Warum soll ich Platz machen mit meinem Wagen, wenn die Leute doch mal 10 m weiter laufen könnten?
Es ist zu einer Unart geworden vorzudrängeln. "Der Andere hat ja Zeit, der kann ja warten". Nö, kann ich nicht, will ich nicht und das mache ich den Leuten klar.
Am schönsten sind ja immer die "Jung-Muttis" die sich mit dem breiten Kinderwagen vorbeidrängeln wollen und die ein dann noch dumm anpflaumen, wenn man n Ton sagt, dass sie doch mal aufpassen sollen, wen sie da gerade anfahren!
Gerade DIE kommen meist ungeschoren davon. Und da mache ich nicht mit.
ja, sie hätten sie vorgelassen und haben das auch noch allen gesagt, sie sind ja so ein toller rebell, meine gott , dieser blog ist echt besser als die titanic. mittelalte männchen beweihräuchern sich selbst.
@27, Finja:
Klar, und beim Bezahlen muss die Geldbörse immer gaaanz langsam von gaaanz unten aus der (Herren-)Handtasche geklaubt werden. Dann: "Ich glaube, ich hab's passend…". Und der Bezahlversuch beginnt dann mit grünspanigen Reichspfennigen und endet in der Kartenzahlung, bei der die PIN mindestens einmal falsch eingegeben wird oder -wahlweise- auf dem falschen Beleg unterschrieben wird. :-)
@ Topic:
Wenn hinter mir so ein armer Dödel steht, der nur seinen Erdbeerjoghurt und sein Toastbrot in der Hand hält, lasse ich ihn vor. Keine Frage.
Wenn allerdings jemand (mit Tüten (eines anderen Ladens) bepackt) und einem Erdbeerjoghurt und einem Toastbrot in der Hand mit den Worten "Da drängle ich mich mal vor!" an mir vorbeigeht, den Joghurt und das Brot aufs Band legt, und dann auch noch den Inhalt seiner Tüten auf das Band entleert, sage ich schon was. Und zwar zur (sehr netten) Kassiererin. Diese bat daraufin den anderen Kunden, sich _hinten_ anzustellen. Der Typ hat es noch bei den zwei Kunden nach mir versucht, ist aber gescheitert. :-D
Grüße!
@29
ja, sie habens erkannt und haben das auch noch allen gesagt, sie sind ja so ein toller rebell, meine gott , dieser kommentar ist echt besser als die titanic. mittelalte männchen beweihräuchern sich selbst.
Was ist denn daran so schwer?
Wer sich vordrängelt ohne zu fragen ist unhöflich.
Wer wortlos den Drängler passieren läßt, muß für immer schweigen.
Finja (27) spricht da was an. Wie kommen die Leute drauf, dass die Hintersten an Kasse A die ersten an der neuen Kasse B sein dürfen? Das gleiche Phänomen gibt's bei sich teilenden Schlangen. Furchtbar.
Da die Deutschen zu blöd sind sich anzustellen (z.B. wie am Flughafen, eine Schlange mit Absperrband. In USA selbstverständlich in jedem McDonalds), freue ich mich auf RFID-Chips, wo ich einfach aus dem Laden spaziere.
Kleine Anekdote aus einem Computerfachgeschäft (nein, keine Handelskette, lokaler Händler, der aber dennoch täglich volles Haus hat)
Der Laden hat 3 Beratungsstände/Kassen, die Kunden werden durch die Anordnung der Regale in einer gemeinsamen Reihe aufgefädelt, wer "vorne" ist, geht zum nächsten freien Schalter.
Die Schlange ist ca. 10 Leute lang, Wartezeit ca. 10…15 Minuten.
Ein Herr mittleren Alters in Geschäftsklamotten betritt das Geschäft, sieht die Schlange, verzieht die Mundwinkel leicht abfällig (was bereits die meisten Kunden bemerken), öffnet sein Köfferchen, und zückt ein A4-Blatt.
Siegessicher trabt er zum ersten besten Schalter, fällt dem Kunden ins Wort ("Se entschuldgen kurz…") und quatscht den Berater an:
"Ich hab eine Festplatte, zwei Drucker und eine Tastatur reserviert!"
Berater: "Schön für Sie. Eine fast fertige Bestellung haben die meisten in der Schlange auch."
"Aber ich habe es eilig!"
Berater: "Wie fast alle unsere Kunden."
"Können Sie mich nicht vorlassen?"
Berater: "Nein, ich bin ja nicht vorne. Ich bin nur Berater und Verkäufer. Warum fragen Sie nicht alle wartenden Kunden, ob Sie gerne etwas länger warten wollen? Vielleicht lassen Sie die Kunden ja vor…"
Der Kerl schaut den Berater ungläubig an, der sich wieder "seinem" Kunden widmet.
"Aber hier, ich habs doch ausgedruckt!" Schulterzucken vom Berater, und eine raumgreifende Handbewegung, welche auf die wartenden Kunden deutet.
Ich war übrigens der übernächste in der Schlange. Unser Herr schaut den Typen vor mir an (also der Kunde, der als nächstes dran wäre), welcher wortlos die geballte rechte Hand mit emporgerecktem Daumen über seine rechte Schulter hebt, und hinter sich auf mich deutet.
Ich wiederhole die Geste, und weise auf meinen Hintermann.
Die Geste wiederholt sich domino-artig bis zum Ende der Schlange.
Unser Drängler holte tief Luft, und trottete ans Ende der Schlange, an 10 grinsenden Kunden vorbei. Glucksen und kichern lag im Raum.
Viele Kunden hatten noch ein kleines freundliches Wort (und auch etwas Trinkgeld) für den Berater übrig.
Ich finde, das hat zwei Seiten. Wenn ich sehe, dass der Kunde hinter mir nur ein paar Sachen hat, während ich selbst deutlich mehr hab, dann frage ich oft, ob er gerne vor will. Oftmals kriege ich dann ebenso freundlich zurück, dass das gar nicht nötig sein, und in den anderen Fällen freuen sich die Leute, wenn sie ein bisschen schneller fertig sind.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass ich Vordrängelei gut finde. Da werde ich dann auch ganz schnell sickig und mache mich im Zweifelsfall auch bemerkbar. Und wer es eilig hat, kann gerne die Kunden vor ihm fragen, ob er vor darf. Wenn man da nicht an die falschen gerät, würde ich sogar vermuten, dass man, wenn man nett und höflich fragt, auch vorbeigelassen wird.
Besonders beliebt sind solche Vordrängel-Aktionen ja immer bei Bäckern und ähnlichen Geschäften, wo es keine "richtige" Schlange gibt. Mag vielleicht auch etwas spießig sein, aber da achte ich immer genau drauf, wer vor mir da war, weil ich mich a) nicht vordrängeln will und b) aber auch keine Lust darauf hab, dass sich jemand anders einfach dazwischen schiebt. Denn leider ist diese Form der Höflichkeit ja auch nicht selbstverständlich. (Ist nach meiner Erfahrung übrigens sehr altersunabhängig, man erkennt die Verdächtigen meist daran, dass sie sich ohne nach links oder rechts zu gucken an die Theke stellen und die Verkäuferin quasi schon mit ihren Blicken fixieren.)
Haha – mein Thread!
Als alter Pedant konnte ich es nicht lassen dieses hochwichtige Problem zu analysieren.
Schön – die Feststellung, daß man die ganze Schlange um Erlaubnis vorzuhuschen bitten muß hat glücklicherweise ohne mein Zutun bereits Raum gegriffen.
Was aber fehlt, und mich glücklich macht, es als Neuigkeit unter's Volk zu bringen, ist eine akkurate Kalkulation der Kassiervorgangszeiten.
Das variiert zwar von Kassiererin zu Kassierer, und von Einkaufswagenbefüllungsmenge und -Gut zu Gut und Menge.
Grob über den Daumen: Scannen eines ganzen Wagens: 30 s, Kassieren: 30 s (Kartenzahlung: 90 s).
2, 3 Artikel: 5s + 30s (90s).
Die Menge der gekauften Artikel spielt also kaum eine Rolle für die Gesamtzeit, die bei 35-95s oder 65-135s liegt.
Daß kann man natürlich nicht kurz und knapp vermitteln, drum empfehle ich immer weltläufig, wenn jmd. entschuldigungheischend "Ich hab' nur 2 Joghurt" sagt, mich dem Laden zuwendend: "Der ganze Laden steht Ihnen zur Verfügung. Jungschweinrücken ist im Angebot, Mehl und Salz kann man immer brauchen, und Obst soll gesund sein."
Zu "ich hab's eilig" fällt mir lediglich "Früher losgehen" ein, und ich bin auch niemandem eine originelle Antwort schuldig.
Manchmal habe ich aber auch einen freundlichen Tag, und winke freundlich vor, bevor ich nachdenke – das ist auch mal ganz nett. ;)
Ohje, wie ich diese Mentalität hasse, immer einfach nur zu Nicken und dann hinterrücks zu lästern und Bestätigung zu suchen.
Wenn mich jemand mit 2 Artikeln fragt, ob er denn vor könne – hab ich nichts dagegen, ob er es nun wirklich eilig hat oder nur ein notorischer Drängler ist, ist mir dann schnuppe da ich es nie herausfinden werde.
Dass es jemand wirklich gewagt hat, sich wort- und kommentarlos irgendwo vor mir einzureihen ist bisher nur einmal vorgekommen, fand ich aber nicht schlimm. Viel witziger war die Möglichkeit die Kassiererin darauf hinzuweisen, dass der junge Kunde wohl aus Versehen vergessen haben muss, die Packung Schokoriegel auf das Band zu legen ;-)
Recht interessant in diesem Zusammenhang ist das Ergebnis eines Feldexperiments:
http://ideas.repec.org/p/cra/wpaper/2003-04.html
Ich zitier mal (man beachte den letzten Satz):
"In this paper, I report the results of a field experiment which allows randomly selected customers to earn up to $10 for letting a stranger cut in line. The higher the offer, the more likely it is that individuals let someone cut in. But while a majority agrees to wait longer, only a small minority accepts the monetary reward."
"Die Menge der gekauften Artikel spielt also kaum eine Rolle für die Gesamtzeit, die bei 35-95s oder 65-135s liegt."
Falsch: Je nachdem wo man steht und wie viel man selbst hat (während der Hintermann/Frau nur 1-3 Teile ind erhnd hält), kann die Person hinter einem locker bezahlen, während man selbst noch dabei ist seine Sachen auf das Förderband zu legen. Exakt dieses "Auflegen" fehlt in deiner Rechnung, so wie in der Beobachtung vieler Leute.
Was mich nervt sind zwei Dinge: Zum einen Vordrängeln, da es mir gegenüber als wartendem schlicht Ausdruck von mangelndem Respekt ist ("Sieh an, ich bin wichtiger, du aber bist so wenig, dass ich nicht fragen muss"). Auch ein "Stell dich nicht so an" ist respektlos, da es alle meine Motive pauschal in Frage stellt.
Ebenso ist es aber auch der Anspruch vorgelassen werden zu müssen: "Ich habe doch weniger, nun lassen sie mich gefälligst vor". Es gibt keinen solchen moralischen Anspruch, wenn ich jemanden vorlasse (was regelmässig geschieht), so ist das eine Gefälligkeit. Etwas, dass ich gerne und aus freien Stücken tue, dass aber auch positiv zur Kenntis genommen werden soll.
Aha, Anonymous unter sich. Nr 31. lobt Nr. 29. Und auch gut erkannt: Bloggen ist Selbstbeweihräucherung. Was denn sonst?
@Anne (#35): Dito. Da habe ich nichts hinzuzufügen.
Guten Morgen an alle! Handelt es sich hierbei offensichtlich um ein Allerweltsproblem? In anderen Ländern habe ich dieses durchaus auch schon erlebt, aber hier erhält man unter Umständen bei der Vorlass-Bitte ein klares Ja oder Nein. Damit ist die Sache dann auch erledigt. Warum sagen die Deutschen Ja wenn Sie nein meinen. Warum gilt es als diplomatisch erst zu schweigen und dann zu lästern. Ich bin Vollzeit-Berufstätige und Mutter zweier Kinder. Wenn ich Einkaufen gehe, dann muss ich Zeit einkalkulieren. Ob ich andere Vorlasse liegt an meiner Laune und an der Menge meines Wageninhaltes. Fragt mich einer, sage ich klar ja oder nein. Beim Bäcker achte ich darauf, dass auch eventuell der kleine Junge neben mir zu seinem Recht kommt.
Allerdings sage auch ich etwas, wenn alle anderen erst das Drängeln hinnehmen und dann meckern, weil es in meinen Augen ein kleiner Beitrag zur Zivilcourage ist. Hier zeigt sich, dass im Kleinen der Beginn ist und im Großen dann weitergehen kann. Ich finde auch für meine Kinder ist das eine tolle Übung! Wenn ich "Unrechtes" oder Unpassendes bemägel und mich traue etwas dazu zu sagen, dann kann ich bei wirklichem Unrecht mir schneller einen Ruck geben und den Mund aufmachen. Denn das der junge, sportliche Typ (Marke Platzhirsch) der schon an der Kasse nicht aufbegehrt dann in eine z.B. Schlägerei eingreifen wird ist doch eher eine Illusion. Ich hoffe, dass ich mich irre und man da psychologisch keinen Vergleich ziehen darf…
Schönen Sonntag! Grüße!
@42
Kein Rückgrat haben? Keine eigene Meinung mehr haben und vertreten? Dem Trott hinterherlaufen?
Selbst an so ner doofen Kasse kann man das Sozialverhalten beobachten. Die Ignoranz, die Dummheit…
Ich denke, gerade in Kaufhallen, beim Bäcker kann man wunderbar beobachten.
Wunderbar beobachten wie junge Mütter mit Kinderwagen mittem im Weg stehen bleiben beim kleinen Bäcker und keiner mehr rein oder raus kommt. Junge Mütter mit Kinderwagen mitten vor den Einkaufswagen stehen bleiben, so dass man 0 mehr rankommt. Und und und.
Diese vollkommene Ignoranz, das Egoismusdenken greift dermaßen um sich. Genau DAS kann man tagtäglich beobachten.
Im Grunde ist der Zeitverlust von 30-90'' Wurscht. Ich steh mit 4 Teilen unterm Arm mitten in der Schlange und bin genervt. Wenn die Frau mit knallvollem Wagen vor mir mich ungefragt vor lässt, freu ich mich … und wenn nicht — die ist genau so genervt wie ich. Was solls.
Einmal hat sich ein Mädel vor kackfrech mich gestellt. Ich hab ihr neutral angedeutet, wo die Schlange losgeht. Aber das war die Ausnahme.
Das ist doch alles kein Grund zum Aufregen.
Stellt euch mal an ne Kasse und werdet _mitgeschoben_ wie die Einkaufswägen und sagt klipp und klar (ohne überflüssige Emotion), dass ihr _darauf_ nun so überhaupt keinen Bock habt.
DA könnt Ihr die Meute erstmal schimpfen hören – über die undankbaaaaare "Behinderte", mit der man es ja nur liehiehieb gemeint hat.
DA können sie dann direkt ins Gesicht … ist ja sowieso nix wert …
vordrängeln ist cool :)
ich machs zwar nicht aber freue mich immer übers theater falls sich mal jemand traut.
http://www.german-bash.org/?searchtext=dr%C3%A4ngel&search_in=inhalt&action=search_
Das Vordrängeln ist ärgerlich, weil es in der Nacharschlange schneller vorwärts geht.
@28, 43 SvenC: Da scheint ja jemand ein Trauma bezüglich Müttern mit Kinderwagen zu haben. Warum die so anders sind als Menschen aller Altersklassen, die ihre Einkaufswagen auch überall rumstehen lassen, weiß ich nicht ganz….
Die verbreitete Mär, das Egoismusdenken um sich greifen würde (früher war alles besser oder einfach nur anders???) ist für mich Schwachsinn. Dass Leute versucht haben, sich u.a. im Supermarkt an der Schlange vorzudrängeln, habe ich schon vor zwanzig Jahren nicht seltener erlebt als heutzutage.
@allgemein
Und dass gleich mal wieder dies Geleiere vom typisch deutschen Problem anfängt, verwundert mich auch nicht mehr. Das das vollkommen abwegig ist, interessiert nicht.
Wie sollte man das auch vergleichen können, wenn man vielleicht ein paar Mal im Ausland während des Urlaubs auch im Supermarkt war und da dann sowas nicht erlebt hat. Aber sofort darauf schließt, dass es so etwas also im gesitteten Ausland nicht gibt. Ich erlebe Vordrängeln aber in Deutschland auch nur ein paar Mal im Jahr. Wäre also ein Wunder, wenn ich so etwas zufällig mal im Ausland im Urlaub mitbekommen würde. Bei längeren Auslandsaufenthalten hab ich jedenfalls keinen Unterschied feststellen können. Da wird genauso vorgedrängt, hinter dem Rücken aufgeregt und vorgelassen wie hier.
Interessant ist ja aber allgemein, daß so ein Thema so hohe Emotionen auslöst. Wenn sich Menschen so intensiv über Vordrängler und solcherlei Ungerechtigkeiten aufregen können und dann sich selbst und ihre überspannten Reaktionen so clever finden, dann finde ich das auch anstrengend.
Die 1,5 Minuten, die ich an der Kasse spare, weil ich den Drängler nicht vorgelassen habe, sind die 1,5 Minuten, die ich danach an der Ampel warte, weil ich zu früh da war… :-)
@46
Ich habe kein Trauma ;)
Aber ich habe es gerade bei der Gruppe feststellen können. ich nehme an ,Tunnelblick seitens der Mütter könnte das sein.
Aber auch alte Leute sind nicht ohne. ;)
Mir ging es mal bei IKEA so. Zwei Reklamationstresen, aber nur eine Schlange. Eigentlich perfekt, so steht man garantiert nicht in der falschen und so sollte man es auch überall einführen.
Jedenfalls ging ein Mann an der ganzen Schlange vorbei an einen der Tresen. Da kein anderer was sagte, fragte ich ihn, ob er sich denn nicht anstellen will. Seine Antwort war: "So eine Schlange ist doch keine Verpflichtung, eher ein Angebot." Daraufhin muss ich allerdings so böse geschaut haben, dass er ohne ein weiteres Wort nach hinten gegangen ist :)
Im Supermarkt hilft ansonsten auch die Anregung von Jürgen von der Lippe: "Wenn Sie mal wieder mit ihrem vollbepackten Wagen an der Kasse stehen und hinter Ihnen so ein armseliges Würstchen mit einem Magermilchjoghurt, dann fragen Sie 'Haben Sie nur den Joghurt?' 'Ja…' 'Na dann haben Sie ja jetzt lange genug Zeit zu überlegen, ob Sie nicht doch noch was vergessen haben.'"
Und zum Schluss noch eine wahre Geschichte aus einem Supermarkt. Die Kassiererin gibt mir zuviel(!) raus, was ich aber erst bemerke, nachdem ich schon aus dem Geschäft draußen war. Als ehrliche Haut (vielleicht hatte ich auch einfach nur einen guten Tag) bin ich zurück und habe gesagt: "Entschuldigung, Sie haben mir vorhin falsch rausgegeben." Ihre Antwort war: "Nein, also das hätten Sie gleich sagen müssen, Sie hatten den Laden ja schon verlassen." Mit einem Lächeln ging es mir über die Lippen: "Na schön, dann behalte ich das Geld." Ihr Gesicht war es wert :)
Gruß
CM
Ich stand mal als Kunde an der Kasse und wäre der nächste gewesen. Da kommt plötzlich von Kassenseite eine Supermarktangestellte mit ihren paar Artikeln und wird vor mir bedient. Nach meinem Einwand, das diese genau so hinten anstellen kann wurde mit einem blöden Kommentar erwidert. Die Leute die hinter mir standen waren auch beleidigt. Beleidigt, weil ich etwas gesagt habe… wie unverschämt das von mir sei usw.
wer mal im norden urlaub macht, sollte einfach mal unter diesem aspekt die leute beobachten. hier ist gelassenheit angesagt. "sie haben nur die paar sachen? dann kommen sie doch vor." "ach, ich kann auch warten." manchmal auch: "danke, sehr freundlich von ihnen." … bilden sich schlangen hinter einem, weil man vergaß, das gemüse zu wiegen, oder die ec-karte funktioniert nicht, erfährt man häufig ein entspanntes, freundliches, geduldiges warten der länger werdenden schlange. man hat das gefühl, die norddeutschen lieben solche situationen regelrecht, um sich in ihrer eigenart zu üben. seeehr angenehm. versucht´s doch mal sorum.
Herrlich! Besonders das Ende hat's mir angetan.
@37, Jens:
Das ist nicht falsch – ich habe auch das oft genug geprüft.
Meist reicht es, die eigenen Waren aufs Band zu legen, wenn die Vorperson zu zahlen beginnt.
Wenn man dabei nicht träumt hat man schon zig Artikel auf dem Band, bevor die Kassiererin mit kassieren fertig ist, und wenn man so schnell auflegt, wie sie über den Scanner zieht, bleibt der Vorsprung konstant.
Legt man wirklich erst auf, wenn der Vorkunde zahlt, wird man aber vom Einkaufswagen der folgenden Person, der in die Fersen stößt, zur Eile gemahnt, denn die hat (völlig unbegründet) Angst, ihre Ware nicht zeitig (und eng) genug anschließen zu können.
Alles irrationale Angstkäufer, das.
Denen verdankt wir die unhygienischen Warentrenner, die täglich tausendfach angefaßt werden.
@43
die Erwähnung einer Behinderung ist hier ziemlich zusammenhanglos. Zumindest ich hab den Beitrag nicht verstanden.
Das einzig typisch deutsche an dieser Geschichte ist, dass man "so etwas" als typisch deutsch empfindet. Auch wenn es nicht "in" ist, so etwas zu sagen: Die meisten Menschen, mit denen ich beim Einkaufen zusammentreffe, darunter auch viele Deutsche, sind sehr freundlich. Und vor allem: Nicht unfreundlicher, nicht weniger hilfsbereit als die anderen, nicht deutschen Einkaufenden.
Und "Die soll sich lieber beim Friseur vordrängeln" finde ich richtig gut, das hätte ich auch gesagt, wenn es mir so schnell eingefallen wäre.
Und eins frag ich mich dabei jetzt noch. Waren die Menschen, die mit dir in der Reihe standen zufällig im Rentner-Alter?
Sorry für die Klischees, aber ich stelle zunehmend fest, dass es gerade die Rentner sind, die sich immer aufregen. Genauso wie letztens ein etwas jüngerer Mann mal an der Kasse sein Kleingeld loswerden wollte. Also Kleingeld zusammengezählt, wie das sonst die Rentner tun. Und? Gesagt hat niemand was, aber die Blicke sprachen Bände. Und die Menschen, die hinter ihm standen, waren definitiv im Rentner-Alter. Schon witzig, dass sich immer die aufregen, die am meisten Zeit haben.
Gruß
Patrick
Monatsanfang, Sparkasse, es gibt wieder Stütze, mir klopft jemand von hinten auf die Schulter:
Er: "Entschuldigung, aber kennen wir uns nicht?"
Ich: *überlege kurz* "Nein, nicht, dass ich wüsste."
Er: "Darf ich mich dann eben vorstellen?"
Ich: *???* "Meinetwegen…"
Er: "Danke!" – Und drängelt sich vor mir in die Warteschlange.