17.9.2007

Wir machen es uns leicht

Immerhin hat der Polizeibeamte nicht nur das Foto meines Mandanten in die Akte geheftet. Sondern auch die sieben weiteren Bilder von ähnlich aussehenden Männern, die er dem Zeugen ebenfalls gezeigt hat.

Das wird schon mal gern vergessen. So dass später keiner weiß, wie ähnlich die Vergleichspersonen wirklich waren. Ich könnte jetzt meinen Glöckner-von-Notre-Dame-Fall erzählen, bei dem sechs kernige, junge Polizisten und mein damaliger Auftraggeber miteinander verglichen wurden. Den Spitznamen hat er übrigens für sich selbst gern verwandt.

Im aktuellen Fall hat der Beamte aber leider nur dokumentiert, der Zeuge erkenne Person Nr. 3 (meinen Mandanten) zu 100 % wieder. Dabei sollen doch keine Prozente angegeben werden, auch wenn das so bequem ist. Vielmehr interessiert später das Gericht, anhand welcher körperlichen Merkmale der Abgebildete erkannt worden ist.

Habe ich leider gesagt? Ich meine natürlich zum Glück…

6 Kommentare zu “Wir machen es uns leicht”

  1. n.n. meint: (17.9.2007 um 14:15) AntwortenReply to this comment

    die wahl-libi ist doch ohnehin grundfalsch. sequenziell muss es sein …

  2. 4thmarch meint: (17.9.2007 um 14:27) AntwortenReply to this comment

    Haben solche Fotos wirklich noch relevante Beweiskraft vor Gericht? Oder gar die 5 Vergleichsdressman und der verängstigte Verdächtige aus den US-Krimis.

  3. 6d197f25f5a4b347dfef3a3d24c854d7 meint: (17.9.2007 um 14:47) AntwortenReply to this comment

    http://www.heise.de/netze/news/meldung/96100
    Arcor hat nachgegeben, meiner Meinung nach ein klarer Sieg der Web-Gemeinde gegen Zensur.
    Danke auch an Udo Vetter, der hier in seinem Blog ebenfalls durch einen Post auf die Problematik mit Arcor aufmerksam gemacht hat.

  4. xx meint: (17.9.2007 um 14:50) AntwortenReply to this comment

    Er hätte statt 100% auch zweifelsfrei schreiben können. Jeder weiß doch was gemeint ist. Hier bietet sich halt kein Ansatzpunkt zur Verteidigung. Nicht mal über das Herumreiten auf körperlichen Merkmalen.

  5. Der Mann vom Gericht meint: (17.9.2007 um 15:11) AntwortenReply to this comment

    @ 1 (n.n.):

    Wo steht denn in Herrn Vetters Kommentar, dass es eine Wahllichtbildvorlage war und keine sequentielle?

  6. Schloon meint: (17.9.2007 um 17:16) AntwortenReply to this comment

    Vor kurzem habe ich eine Sendung von Quarks und Co (WDR) gesehen. Danach würde ich mir nicht mehr zutrauen jemanden zu identifizieren. In der Sendung (online abrufbar) haben sie auch einen Versuch mit Studenten gemacht, die eine Handlung die vor einer halben Stunde passiert ist wiederzugeben. Das haben sie alle noch ziemlich gut hinbekommen. Als es dann ans beschreiben bzw. identifizieren von Personen ging wurde es aber abenteuerlich. Der Mann der aus 6 Bildern identifiziert werden sollte wurde von gut der Hälfte als "ganz sicher dieser hier" identifiziert obwohl er gar nicht bei den Bildern dabei war.

    Und während eines Interviews auf der Strasse haben sie den Moderator einfach mal ausgetauscht (ne kleine Ablenkung und dann war der Moderator plötzlich ein anderer) die meisten haben das gar nicht mitbekommen. Nur als sie dann mutiger wurden und den Moderator durch eine Moderatorin ausgetauscht haben waren dann doch einige der Meinung, dass sie eben noch mit jemand anderem geredet haben.

    Hier mal der Link zur Infoseite der Sendung:
    http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2007/0828/000_taeuschen.jsp

    Viele Grüße

    Matthias

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