8.2.2008

Die Träume der Justiz

Wovon träumt eigentlich unsere Justiz? An ein hochmodernes Verhandlungsgebäude am Kapellweg im Düsseldorfer Stadtteil Hamm hat sie geglaubt. Das auch dort zum Preis von 32 Millionen Euro enstanden ist und vor genau 1.486 Tagen eingeweiht wurde. Seitdem aber ist ein wesentlicher Teil der wunderbaren Technik überflüssig geworden.

Gestern wurde im Prozess um den mutmaßlichen Kofferbomber dessen Geständnis erwartet. Entsprechend groß war der Andrang. Die Menschen standen eine Stunde vor Verhandlungsbeginn in einer langen Schlange. Kein Problem, sollte man meinen. Hatte die Justiz zur Einweihung doch stolz berichtet, in fünf Eingangsschleusen könnten Besucher kontrolliert werden.

Nur eine wurde genutzt. Warum, so wurde der Sprecher des Oberlandesgerichs folgerichtig gefragt. „Wir haben zu wenig Personal“, antwortete Ulrich Thole trocken. Dieses Geständnis offenbart den fortschreitenden Verlust der Justiz an Realität: An die vierzig Besucher mussten in der Kälte warten. Mit 45 Minuten Verspätung begann der Prozess.

Anne-José Paulsen, die Präsidentin des Oberlandesgerichts, wünscht sich in ihrem Internetauftritt, dass „Informationsbedürfnis“ der Besucher „effektiv und schnell“ zu befriedigen. Wie gesagt: Ein Traum. Das gestrige Erlebnis ist die Wirklichkeit. (pbd)

7 Kommentare zu “Die Träume der Justiz”

  1. TheDoctor meint: (8.2.2008 um 13:28) AntwortenReply to this comment

    Hey, passt doch wie die Faust aufs Auge.
    Ist wie bei dr Polizei, wir geben (oder lassen geben) ein Schweinegeld für technischen Hokuspokus aus, aber wir haben keine Geld um die Leute zu bezahlen, die es dann nutzen sollen.

    Merke, der Nutzen des Hokuspokus ist erbracht, sobald beim Lieferanten der Geschäftsvorgang mit der Bezahlung abgeschlossen ist.

  2. KarlAuer meint: (8.2.2008 um 13:59) AntwortenReply to this comment

    Also höchste Zeit mal wieder "Der Traum ist aus" zu höhren, wobei mich nur erstaunt, dass der Traum erst seit gestern aus sein soll. Hat da irgendwer seit Jahren den Schuß nicht gehört? Aber wo ist das Problem? Sozial ist was Arbeit schafft.

  3. J.J. Tucker meint: (8.2.2008 um 14:17) AntwortenReply to this comment

    Oh, oh, höre ich da den ersten Revisionsgrund schon vor der Türe stehen …. Öffentlichkeitsgrundsatz ….

  4. Paul meint: (8.2.2008 um 15:05) AntwortenReply to this comment

    @3:
    Der kommt aber nicht durch die Einlaßkontrolle, der Revisionsgrund. Kann sich ja jeder drauf einrichten, daß es gerade bei solchen Prozessen an der Tür mal etwas länger dauert.

  5. RA Lothar Müller-Güldemeister meint: (8.2.2008 um 15:32) AntwortenReply to this comment

    Rüttgers' Polemik gegen Nokia wegen der Schließung des Bochumer Werks erweist sich als erbärmliche Heuchelei: dort, wo er selbst Herr über Arbeitsplätze ist (bei der West LB und in der Verwaltung) werden Stellen abgebaut, eingespart, wegrationalisiert.

  6. Hugi meint: (8.2.2008 um 16:02) AntwortenReply to this comment

    Hey, aber wir haben die Technik. Wenn wir wollte könnten wir alles… aber wir wollen nicht.
    Vielleicht hätte man den Entscheidern vorher klar machen sollen, das die Geräte auch Personal benötigen die diese bedienen. Eigentlich sollte das klar sein, aber bei so manchen Entscheider vermisse ich diese Klarheit…

  7. Hans meint: (8.2.2008 um 17:18) AntwortenReply to this comment

    Wieder einmal der falsche Adressat der Kritik: Träume der Justiz? Was kann die Justiz für die Einsparmaßnahmen und den Widersinn politischer Entscheider. Daß Geld in Technik gesteckt wird, aber dann das erforderliche und qaulifizierte Personal für deren Bedienung gestrichen wird, kann man häufig beobachten. Daß die Justiz überhaupt noch gut funktioniert, liegt sicher wesentlich daran, daß daß Personal trotz widriger Arbeitsumstände im Interesse der SAche erheblichen Einsatz zeigt.

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