Laaaaaaaaaaaadung
Der Anwaltsverhinderer hat am 27. Februar 2008 Haftprüfungstermin anberaumt. Jedenfalls datiert von diesem Tag die Ladung, die heute (6. März), also schon acht Tage später, bei uns in der Post ist.
Der Haftprüfungstermin ist am Montag, 10. März 2008. Da kann ich ja von Glück reden, dass ich noch vor dem Termin vom Termin erfahre…
Ernsthaft: Normalerweise werden Ladungen in Haftsachen gefaxt. Immerhin ist ja auch bei Gericht bekannt, wie lahm die normale Post versendet wird. Oft ruft auch jemand an und gibt den Termin vorab durch. Sehr häufig ruft sogar jemand an und stimmt den Termin ab. Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht, wie man sieht.
Ich hatte so einen Gang der Dinge schon geahnt und mich wohlweislich selbst erkundigt, wann die Haftprüfung sein wird. Die bemerkenswert langsame Schneckenpost wirft mich terminlich deshalb nicht aus der Bahn.
Ich habe am Montag reichlich Zeit, falls es was zu besprechen gibt. Aus meiner Sicht ist das der Fall.
[quote]Ich habe am Montag reichlich Zeit, falls es was zu besprechen gibt. Aus meiner Sicht ist das der Fall.[/quote]
Das klingt ein bisschen nach "Mal schauen ob die Sache eingestellt wird, wenn der Richter merkt, dass der RA vieeeeeeeeeeeeel Zeit hat." :)
Nach meiner Erfahrung mit Behörden ist der Verursacher nicht die gelbe oder sonstwiefarbene Post, sondern der elend lange Weg innerhalb derselben.
@2 (Eleonore): Ich glaube, das war auch gemeint mit: "wie lahm die normale Post versendet wird."
Aber verstehen kann ich dass auch wirklich nicht: Wenn der Richter den Termin festgelegt hat, sollte das doch höchstens eine Minute dauern, bis die Ladung erstellt ist. Anscheinend dauert es auch nicht sehr lange, denn ein Fax kann ja sofort geschickt werden. Wieso es dann mehrere Tage dauert, einen Brief in einen Umschlag zu stecken und zur Post zu bringen (falls das überhaupt nötig ist, und die Briefe nicht abgehohlt werden), ist ja wohl ziemlich unerklärlich…
Viele Dinge erscheinen weit weniger Unverständlich, wenn man Böswillen nicht gleich ausschließt.
Böswille ist erstaunlich weit verbreitet, nicht nur in der Justiz, aber eben auch da.
@ 3
Ich stelle mir das so vor (mag mich auch irren): Der Richter diktiert das aufs Band, die Cassette geht dann mit der Hauspost zu irgendeiner Schreibstelle oder ins Sekretariat, dort wird das Papier ausgedruckt, kommt zum Unterzeichnen zurück zum Richter, danach dann wieder retour zum Eintüten und Versenden, und wenn’s dumm läuft, war der Bote, der den ganzen Kram zur richtigen Post bringt, gerade schon da, so dass der Umschlag für einen Tag liegenbleibt. Kann mich auch irren, aber ich habe es schon lange nicht mehr erlebt, dass die POST-Laufzeit für normale Briefe länger als ein, zwei Tage ist.
Zwar etwas neben dem Thema, aber: erfahrungsgemäß werden Briefsendungen durch die deutsche Post ziemlich zuverlässig zugestellt. Durch die private Konkurrenz eher nicht. So versuchte neulich das AG mittels eines Privatzustellers uns privat vergeblich eine Ladung zuzustellen, weil wir an der Anschrift unbekannt sind. Es handelt sich um ein von uns seit 20 Jahren allein bewohntes Einfamilienhaus. Und vor dem Haupteingang der AOK in einer deutschen Großstadt konnte ich neulich beobachten, wie ein Postbote in orange einen anderen in grün fragte, wo denn die AOK wohl sei. Antwort: das weiss ich auch nicht.
Kann ich toppen. Als ich das erste Mal zum Landtag in Düsseldorf musste habe ich einen der das Gelände sichernden Beamten in Grün gefragt, wo es zum Haupteingang lang gehen würde. Er hatte keine Ahnung, das gehöre nicht zu seinem Sicherungsbereich.
@3 unerklärlich ist daran nix, wenn man die Personalsituation der Gerichte kennt. Da wird halt momentan alles auf Kante genäht.
Als ich vor kurzem noch Zivilrichter war, ist die (sehr fähige) Hauptkraft meiner Geschäftsstelle längerfristig ausgefallen. Ersatz gibts natürlich keinen, so dass die anderen Geschäftsstellen, die Arbeit meiner Geschäftsstelle mitmachen mussten und müssen. Da es ein kleines Gericht ist, führt das natürlich zur Arbeitsüberlastung. Wenn's nur drei-vier volle Stellen gibt, fällts auf, wenn eine nicht besetzt ist.
So hat's teilweise einen Monat gedauert bis weniger wichtige Schreiben von mir rausgegangen sind und die waren noch nicht mal diktiert.
Also nicht immer Böswilligkeit oder Faulheit unterstellen, wenn's mal nicht klappt. Auch das Eintüten und abschicken muss jemand machen und im Moment scheint es den politischen Willen nicht zu geben, dafür Leute einzustellen.
@5: Wohl eher so: Die Richterin oder der Richter macht den Termin in seiner Software und signiert das Formular. Dann bringt er die Akte mit einer Eilt-Markierung zur Geschäftsstelle, die das dann fertig macht, wenn nicht die Komplikationen auftreten, die der Kollege unter 8. schildert.
Es scheint doch wohl eher so, dass eine schnelle Zustellung möglicherweise gar nicht im Sinne des Absenders gewesen wäre.
@5 (Xpress): Das erklärt aber nicht, wieso das Fax dann viel schneller geht.
@8 (Dante): Okay, auch wenn ich mir allerdings nicht vorstellen kann, dass man eine vergleichsweise simple Tätigkeit wie das Eintüten von Briefen nicht so regeln kann, dass dies einfach sofort geschieht, so dass die Briefe möglichst am selben Tag rausgehen. Dass es ein Dauerzustand ist, dass dies mehrere Tage dauert, ist für mich einfach unvorstellbar, falls wirklich ein "Stau" von Briefen für ein paar Tage vorhanden ist, dann müsste man den doch einfach durch Überstunden, oder notfalls kurzfristig durch ein paar Aushilfen abbauen können, und das Problem hat sich erledigt.
Falls das nicht passiert, oder tatsächlich so wenig Personal da ist, dass der "Stau" an zu verschickenden Briefen immer länger wird, dann ist das m.E. erst recht "böswillig", und zwar von denen, die für die Organisation, bzw. für die Bereitstellung der Mittel verantwortlich sind.