28.11.2008

Wie man andere verdächtig macht

Nächste Woche muss ich einem Ermittlungsrichter mal erklären, dass die “Anmeldung” einer Prepaid-Telefonkarte keine besondere Aussagekraft hat. Immerhin lässt sich bei diversen Anbietern gerade online so ziemlich jeder registrieren.

Von daher ist es eher mutig, einen Durchsuchungsbeschluss mit folgendem Satz zu rechtfertigen:

Zwei der telefonischen Erreichbarkeiten der Täter sind auf den Beschuldigten gemeldet, nämlich die Mobilfunknummern 0170-…. und 0174-…

Da darf man sich nicht wundern, wenn bei der Durchsuchung rein gar nichts gefunden wird. Ich frage mich, ob man zu einer A. Merkel oder einem T. Gottschalk ebenso unbedarft hinmarschiert wäre, wenn die Prepaid-Karten auf sie registriert gewesen wären.

35 Kommentare zu “Wie man andere verdächtig macht”

  1. Jens meint: (28.11.2008 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Solange es für den Richter keinerlei persönliche Konsequenzen hat, sowas zu unterschreiben …

  2. mrg’ meint: (28.11.2008 um 14:39) AntwortenReply to this comment

    eben…

  3. Jan meint: (28.11.2008 um 14:42) AntwortenReply to this comment

    Naja, durch bundesweite Regelungen lässt sich das Verfallsdatum recht gut heranziehen. Nummern bleiben hierzulande recht lange gesperrt, bis sie neu vergeben werden dürfen. Anders als in den USA, als eine Frau nach nur einem Monat die alte Handynummer von Paris Hilton bekam.

    Ich weiß nicht genau, wie lange die Nummern vorgehalten werden müssen, aber es würde mich nicht wundern, wenn das ein Jahr lang der Fall ist. Dann lässt sich eine Nummer nämlich recht gut einer Person zuordnen. Kommt halt stark auf die Zeiträume an.

    Nichtsdestotrotz ist uns allen bewusst, dass die Justiz durchaus mehr Hemmungen hat, bei einem 'Promi' einzumarschieren, als bei Ottonormalsteuerzahlern.

  4. PK meint: (28.11.2008 um 14:46) AntwortenReply to this comment

    Auch in Deutschland werden Nummern sehr schnell neu vergeben. Ein Familienmitglied meldete seine 0172-911…. Nummer ab und weniger als 3 Wochen später war darunter bereits ein neuer Teilnehmer zu erreichen, wie ich durch Verwählen feststellen konnte.

  5. Andreas meint: (28.11.2008 um 14:48) AntwortenReply to this comment

    @Jan (3): Es geht nicht darum, die alte Tel.-Nr. eines Promis zu bekommen, sondern darum, die eigene PrePaid-Tel-Nr. auf den Namen eines solchen anzumelden, was offensichtlich online ohne irgendwelche Nachweise funktioniert.

  6. Kai meint: (28.11.2008 um 14:51) AntwortenReply to this comment

    @3
    Ich glaube du hast da etwas missverstanden. Hier geht es darum, dass jemand online unter der Verwendung fremder Personendaten eine Nummer registriert haben kann.
    Ich bestell mir einfach mit den Daten meines Nachbarn/Kollegen ein Handy und zack wird dessen Haus durchsucht, sobald ich damit böse Sachen anstelle.

    Dass man aber so einfach online ohne Perso o.ä. eine Prepaidkarte bestellen kann, ist mir auch neu.

  7. Udo Vetter meint: (28.11.2008 um 14:55) AntwortenReply to this comment

    Man kann zum Beispiel beim Discounter eine Prepaid-Karte gegen Barzahlung und ohne jede Kontrolle kaufen. Diese Prepaid-Karte lässt sich online registrieren. Hierfür genügen "plausible" Daten (siehe Telefonbuch).

  8. Scharnold Warzenegger meint: (28.11.2008 um 14:57) AntwortenReply to this comment

    @6
    Prepaidkarten kann man doch für 9 Euro beim Discounter kaufen.

    Braucht man online nur noch einen (beliebigen) Namen und Kontoverbindung (nur die BLZ muß gültig sein) angeben und schon geht die Karte wunderbar. Ich melde soclhe Karten immer auf Herrn Scharnold Warzenegger an. :-)

  9. Jens meint: (28.11.2008 um 15:17) AntwortenReply to this comment

    Bin ich der einzige, dem schlecht wird, wenn er von "telefonischen Erreichbarkeiten" lesen muss? Wenn schon so ein verschwurbeltes Amtsdeutsch, dann richtig:"fernmündliche Erreichbarkeiten"!

  10. Stefan B. meint: (28.11.2008 um 15:22) AntwortenReply to this comment

    Um so etwas zu verhindern gibt es jetzt zwei Moeglichkeiten:

    a) Solche "Beweise" werden von Gerichten abgelehnt, da eben keine Beweiskraft.

    b) Mobiltelefon-Dienstleister werden gesetzlich verpflichtet, die Identitaet ihrer Kunden zu ueberpruefen.

    Kann mir einer sagen welche Option die wahrscheinlichere ist?

  11. studiosus juris meint: (28.11.2008 um 15:22) AntwortenReply to this comment

    @8:
    um welchen discounter/mobilfunkanbieter handelt es sich denn?

    @9: "verschwurbelt" avanciert mittlerweile auch zu dem lieblingswort in blog und kommentaren!?

  12. fernetpunker meint: (28.11.2008 um 15:27) AntwortenReply to this comment

    @8 Scharnold Warzenegger ist schließlich Ihr korrekter Klarname.

  13. Anonym meint: (28.11.2008 um 15:32) AntwortenReply to this comment

    @U.V
    Immerhin lässt sich bei diversen Anbietern gerade online so ziemlich jeder registrieren.

    Prepaidkarte besorgen und auf Namen und Adresse des Ermittlungsrichters registrieren.
    Jetzt nur noch eine schriftliche Registrierungs-Bestätigung anfordern.
    Sollte überzeugend genug sein.^^

  14. 4thmarch meint: (28.11.2008 um 15:36) AntwortenReply to this comment

    @11
    Plus

  15. anonym meint: (28.11.2008 um 15:51) AntwortenReply to this comment
  16. bernd meint: (28.11.2008 um 15:58) AntwortenReply to this comment

    @ Jens:

    Sollten die Beiträge unter Nr. 1 und Nr. 9 von ein und derselben Person stammen, dann hat diese Person etwas ganz Besonderes erreicht. Sie hat es doch tatsächlich geschafft, in der Rangliste der dämlichsten Kommentare Platz 1 und 2 zu belegen! Herzlichen Glückwunsch.

  17. der echte n.n. meint: (28.11.2008 um 16:05) AntwortenReply to this comment

    @ 13

    nein, auf den namen eines örtlichen ermittlungsrichters registrieren, damit mist bauen und dann schauen, ob er auch einen durchsuchungsbefehl für seine eigene hütte unterschreibt …
    ;-)

  18. Lord meint: (28.11.2008 um 16:10) AntwortenReply to this comment

    Aldi-Talk: Man ruft eine Hotline an und gibt die Daten vor allem eine Kontaktfestnetznummer durch. Die schauen dann in eine Datenbadnk, wenn die Angaben stimmen hat man ne gültige Karte….

    Ich registriere demnächst eine auf Wolfgang…. In so nem Ministerium gibt es sicher genug einzupacken bei ner HD

  19. Detlev T. meint: (28.11.2008 um 16:40) AntwortenReply to this comment

    Für einen Durchsuchungsbeschluss braucht man keine endgültigen, unwiderlegbaren Beweis der Tatbeteiligung, sondern "nur" einen begründeten und hinreichenden Verdacht. Natürlich kann es sein, dass Straftäter einfach einen existierenden Namen aus dem Telefonbuch nehmen und die Handys darauf registrieren. Es muss aber nicht so sein. Als vollkommen irrelevant für einen Durchsuchungsbeschluss würde ich diese Tatsache daher nicht ansehen.

    Für eine weitere Bewertung fehlen mir die Fakten.

  20. forty meint: (28.11.2008 um 17:07) AntwortenReply to this comment

    @Herr Warzenegger

    Wieso muß man den bei einer *Prepaid*karte bei der Onlineregistrierung noch eine Kontoverbindung angeben? Ziemlich sinnfrei das alles. Aber danke für den Tip,;-)

  21. Meh meint: (28.11.2008 um 17:24) AntwortenReply to this comment

    Hmm ich weiss nicht.
    Immerhin gleich zwei Numemrn die auf den Beschuldigten verweisen.
    Entweder handelt es sich hier um ein Komplott (sowas behaupten ja viele) oder es sind (*Trommelwirbel*) tatsächlich seine Nummern.

  22. Icke meint: (28.11.2008 um 18:28) AntwortenReply to this comment

    @21: Oder jemand ist zu faul, sich neue Identitäten auszusuchen. Muss man sich ja auch alles merken und dabei den Überblick behalten. ;)

  23. Alex meint: (28.11.2008 um 21:16) AntwortenReply to this comment

    Ich sach' ja. Wir brauchen eine strafbewehrte fahrlässige Rechtsbeugung.

  24. Noch ein Alex meint: (28.11.2008 um 21:50) AntwortenReply to this comment

    @23 Alex: Dafür!

    Ansonsten: Gibts eigentlich noch irgend einen Grund aus dem ein Richter die Erlaubnis für eine Durchsuchung NICHT erteilt?
    Wenn das so weiter geht geb ich meinen Zweitschlüssel demnächst direkt beim nächsten PP ab, dann brauch ich wenigstens keine neue Tür wenn irgendwann so ein kleiner Schimansky vor selbiger steht…hm…und wenn ich schon dabei bin kann ich mich auch gleich noch für DE-Mail registrieren…

  25. Karl meint: (28.11.2008 um 23:19) AntwortenReply to this comment

    @19 Detlev T.:

    Genauso sehe ich das auch. Auf den Beschuldigten waren eben zwei Prepaidkarten angemeldet. Das macht ihn verdächtig und deshalb wird die Durchsuchung durchgeführt, um evtl. Beweise zu sichern. Wie sonst sollen denn Ermittlungen durchgeführt werden? Soll man davon absehen, weil die Wahrscheinlichkeit besteht, daß es ja auch jemand Anderes gewesen sein könnte?

  26. Ein Mensch meint: (29.11.2008 um 01:11) AntwortenReply to this comment

    @25: Es ist aber eben ein sehr schwaches Indiz, das allein nicht hinreichend sein sollte, einen schwerwiegenden Eingriff – wie eine Hausdurchsuchung – zu legitimieren.

  27. Lawlita meint: (29.11.2008 um 10:38) AntwortenReply to this comment

    PLUSKOM. Im Laden kaufen, PLUSKOM-Website per TOR aufrufen, die Adresse von Wolfgang S. eingeben (Google hilft) und die Karte ist innerhalb von 10 Minuten freigeschaltet.

  28. Scharnold Warzenegger meint: (29.11.2008 um 12:23) AntwortenReply to this comment

    @11 studiosus juris
    Das geht z.B. mit "fonic" für neun Euro. Gab es mal bei Lidl, bekommt man bestimmt noch irgendwo.

    @ 20 forty
    Man kann die Karte auch ohne Kontonummer freischalten. Beim Erwerb ist ja schon ein (kleines) Guthaben drauf.

  29. dutchy meint: (30.11.2008 um 14:16) AntwortenReply to this comment

    Mein Prepaid-Handy läuft auf den Teilnehmer:

    Donald Duck
    R.-Allee 666 (Text editiert. U.V.)
    16661 Entenhausen

    ;-)

    Ging problemlos und funzt immer noch *gg*

    Mir ging es nicht darum, etwas zu verbergen, sondern die VDS nach Absurdistan zu führen. Selbstverständlich ist die Nummer nicht mehr "geheim"; meine Bekannten haben sie ja.

    Wenn ein Richter (Henker?) so etwas unterschreibt, ist es einfach nur dreist.

    ciao

  30. Badratgeber meint: (1.12.2008 um 09:47) AntwortenReply to this comment

    Ich denke bei Promis würden sie nicht einmal darüber nachdenken, niemand würde es sich trauen in die Privatsphäre einzudringen (abgesehen von Journalisten) aber bei den normal Bürgern ist es ja so ziemlich egal da macht es ja kein Umlauf in den Medien.

  31. peter meint: (2.12.2008 um 18:17) AntwortenReply to this comment

    Also die Registierung auf einen beliebigen Namen und beliebige Adresse geht bei Aldi, Plus, Norma und Lidl.(selber ausprobiert)
    Auch eine Bankverbindung ist nicht notwendig.
    Man kann also problemlos die VDS damit unterlaufen, was wieder einmal belegt daß es bei der VDS um alles Mögliche geht, aber ganz gewiss nicht um die Verhinderung von Terrorismus.

  32. corax meint: (3.12.2008 um 00:36) AntwortenReply to this comment

    @ peter | #31
    und andere

    Man sollte aber dabei nicht die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/International_Mobile_Equipment_Identity&quot; rel="nofollow">IMEI</a> vergessen, die immer mitgesendet wird. Also nicht sein altes Vertragshandy benutzen oder eines auf Rechnung gekauftes, sondern am Besten eines vom Flohmarkt.

  33. Steve meint: (19.12.2008 um 16:32) AntwortenReply to this comment

    @Corax #31: Zumindest für Nokia-Handys hab ich ein Tool gesehen um die IMEI abzuändern, weiß aber nicht ob das funnzt.
    Damit kann man auch den Sperrcode aufheben…..

  34. Tom meint: (25.12.2008 um 12:27) AntwortenReply to this comment

    @Steve #31: Hab ich selber ausprobiert, die IMEI von einem Nokia 3210 und 3310 war problemlos zu ändern. Und mal ehrlich, wenn von denen die irgendwas verbotenes machen wollen, wird ein nicht geringer Prozentsatz sich auch über sowas Gedanken machen. Auch SMS zu verschlüsseln ist mittlerweile nicht mehr kompliziert…

  35. Wolf meint: (5.5.2009 um 11:35) AntwortenReply to this comment

    Prepaid Telefonkarten darf man nun wirklich nicht schlecht machen. Sie sind sehr praktisch und ermöglichen weltweit gute Gespräche, siehe z.B. hier: http://www.calling-cards-prepaid-telefonkarten-online.de . Natürlich ist Anonymität dabei schon ein gewisses Problem, was die Bundesregierung ja auch unter Umständen ändern will.

    Wolf
    http://www.calling-cards-prepaid-telefonkarten-online.de

Kommentar schreiben

Zulässige HTML-Tags:
Fett: <b> - Kursiv: <i> - Zitat: <blockquote>

Powered by WordPress - Impressum