3.12.2009

Ansehen und Glaubwürdigkeit

Der Presserat informiert über seine aktuellen Rügen. Beispiel:

Der Beschwerdeausschuss rügte die THÜRINGER ALLGEMEINE für einen Beitrag, in dem die Zeitung die Amtsbilanz eines scheidenden Bundestagsabgeordneten und Bürgermeisters kritisch beleuchtet hatte. Der Autor des Beitrages war bis kurz vor Erscheinen des Artikels Pressesprecher dieses Politikers. Ziffer 6 des Pressekodex hätte erfordert, dass die Redaktion diesen Umstand transparent macht. Weil die Zeitung das unterließ, fehlte den Lesern eine wichtige Information zur Einordnung des Beitrages. Die Zeitung gefährdete so zudem Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien (Ziffer 1 Pressekodex).

Neulich erzählte mir ein Lokaljournalist, seine Redaktion auf dem platten Land sei mittlerweile so ausgedünnt, dass er selbst gar nicht mehr recherchieren oder großartig zu Terminen fahren kann. Deshalb bitte er umgängliche Kommunalpolitiker vertraulich, ihm doch gleich einen Artikel über ihre öffentlichen Sitzungen zu liefern.

Manche seiner “freien Mitarbeiter” seien so schreibfertig, dass er den Text unverändert in den Satz geben kann. Er hat auch eine launige Antwort auf die Nachfrage anderer Politiker, woher er denn immer alles wisse, obwohl er gar nicht da gewesen sei. Die Antwort zitiere ich jetzt aber besser nicht, sonst habe ich einen Feind mehr.

18 Kommentare zu “Ansehen und Glaubwürdigkeit”

  1. Thomas meint: (3.12.2009 um 13:43) AntwortenReply to this comment

    Kommen in der Antwort etwa die Wörter inoffizieller und Mitarbeiter vor?

  2. Caro Extra meint: (3.12.2009 um 13:44) AntwortenReply to this comment

    Am besten, man informiert sich gar nicht mehr. Dann wird einem auch der Geist nicht weiter vernebelt.

  3. Tuschnelda@web.de meint: (3.12.2009 um 13:50) AntwortenReply to this comment

    Na ob es da besser ist, stattdessen seine Artikel aus der Konserve z. B. bei dpa zu kaufen?
    Man muss doch bloß morgens im Kiosk die Fotos auf den Titelseiten vergleichen und man weiss, wie der Hase läuft.

  4. Joe meint: (3.12.2009 um 13:59) AntwortenReply to this comment

    Über den Zustand der deutschen Presse ist alles gesagt, wenn man mal nach Climategate googelt.

    ARD = Außer Raum Deutschland

  5. Julian meint: (3.12.2009 um 14:02) AntwortenReply to this comment

    Und wer trägt Schuld am Ganzen? Richtig: Google.

  6. Mithos meint: (3.12.2009 um 14:02) AntwortenReply to this comment

    Ich beantrage hiermit Umbenennung des Presserates in PR-Rat oder Presse-Mitteilungs-Rat. Somit wird deutlicher, um welche Institutionen es sich zum großen Teil inzwischen handelt, bei denen er über die Einhaltung des Pressekodex zu wachen versucht.

  7. james meint: (3.12.2009 um 14:07) AntwortenReply to this comment

    "Schäuble weiss alles" ?

  8. jan meint: (3.12.2009 um 14:07) AntwortenReply to this comment

    Viel Feind, viel Ehr, also raus damit!

  9. anonym meint: (3.12.2009 um 14:31) AntwortenReply to this comment

    Was in diesem Beitrag hier geschildert wird – über die wenigen verbleibenden Redakteure mancher Blätter -, ließ sich auch so ähnlich im "Dossier" der "Zeit" der letzten Woche nachlesen.

  10. gant meint: (3.12.2009 um 14:36) AntwortenReply to this comment

    Alles Einzelfälle. Der echte und wertvolle Journalismus passiert ausschlißelich bei den Holzmedien.
    Diese alledamt schmierigen Internet-Blogs bringen die sorgfältige Journalistenarbeit in Verruf!

  11. dot tilde dot meint: (3.12.2009 um 14:54) AntwortenReply to this comment

    das erinnert mich an den hervorragenden artikel zum zeitungssterben in der letzten zeit:

    http://www.zeit.de/2009/49/DOS-Medien?page=all

    .~.

  12. Tom meint: (3.12.2009 um 15:59) AntwortenReply to this comment

    Ja, das ist der "Journalismus" in Deutschland. Wer braucht schon Zeitungen?

  13. thebig1 meint: (3.12.2009 um 18:23) AntwortenReply to this comment

    passend dazu:
    http://www.zeit.de/2009/49/DOS-Medien?page=all

    es scheint den toten bäumen wesentlich schlechter zu gehen als gedacht…

    edith meint: man soll tabs nicht 4h offen lassen und dann n kommentar posten ohne die in der zwischenzeit eingegangenen posts zu lesen, erspart redundanz :X

  14. Duddley meint: (3.12.2009 um 18:33) AntwortenReply to this comment

    Nicht nur die Zeit schreibt interessante Dossiers. Hier ist ein lesenswerter Artikel von Heribert Prantl in den "Blaetter fuer deutsche und internationale Politik"

    http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3148

    wirklich zu empfehlen.

    Gruß Duddley

  15. Jurist meint: (3.12.2009 um 20:26) AntwortenReply to this comment

    Dass der größte Teil unserer Journaille nicht mehr hinkriegt als Presseerklärungen abzuschreiben, davon kann man sich ja alltäglich überzeugen.
    Besonders deutlich wurde das im Mannichl-Stadl, wo gerade mal 1,5 (von 135) Zeitungen sich wagten, von der vom Reichspropagandaministerium vorgegebenen Linie abzuweichen.
    Und wenn man den Verfall konkret machen will, dann eignen sich die hier verlinkten ZEIT und Prantl dafür hervorragen. Der größte Witz ist, wenn Prantl über Meinungsvielfalt schwadroniert.
    Vielfalt?
    Unsinn, kennst´de eine kennst´de alle.

    Man klicke die Internetausgaben von ZEIT, SZ und taz an.
    Am layout erkennt man die Unterschiede.
    Man kopiere die Texte ins Word und gebe sie irgendjemand zu lesen. Er wird (darauf könnt Ihr wetten) nicht ahnen, aus welchem Wurstblatt der Text entnommen wurde.

    Ratet mal, was die überhauptnichtgleichgeschalteten Medien am 8. März bringen werden! Klar, die totale Vielfalt. Was denn sonst?!

  16. Hb meint: (4.12.2009 um 12:00) AntwortenReply to this comment

    8. März? Internationaler Frauentag?

  17. Kand.in.Sky meint: (4.12.2009 um 13:09) AntwortenReply to this comment

    Presserat? So wichtig wie Lottozahlen, so unverzichtbar wie Werbespots, so nachhaltig wie die Wettervorhersage.

    #k.

  18. krassdaniel meint: (7.12.2009 um 18:39) AntwortenReply to this comment

    Das ist bei unserer Zeitung in der Lokalredaktion genauso. Wichtige Leitartikel werden vllt noch selbst geschrieben und recherchiert, kleinere Artikel sind aber oft 1:1 oder um grammatikalische oder stilistische Fehler korrigierte Pressemittelung o. ä. von Vereinen, Verbänden o.ä.

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