Ende eines Kriminalfalls
Ich weiß nicht, was und wie die Polizeibeamten an einem Unfallort ermittelt haben. Jedenfalls mündeten ihre Erkenntnisse in folgenden Vorwurf gegen meinen Mandanten:
Laut Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde gegen Sie ein Ermittlungsverfahren wegen Unfallflucht eingeleitet. Sie haben versucht, durch die Veränderung der Parkstellung Ihres Fahrzeuges eine Unfallrekonstruktion unmöglich zu machen.
Das macht juristisch keinen Sinn. Man kann sich nicht von einer Unfallstelle entfernen, wenn man noch an der Unfallstelle ist. Tarnkappenbesitzer ausgenommen. Darauf hatte ich hier bereits hingewiesen.
Zu allem Überfluss war alles sowieso ganz anders, wie sich eigentlich auch aus der Ermittlungsakte ergibt. Auf dem Parkplatz eines Geschäftskomplexes hatte eine Ladeninhaberin blaue Farbreste an der Fahrertür ihres Pkw bemerkt. Sie war zwar vier Stunden im Geschäft gewesen. Aber dennoch stand für die Frau fest, dass die Farbe nur von dem Auto stammen konnte, welches gerade neben ihrem Fahrzeug parkte. Das war das, zugegebenermaßen blaue, Auto meines Mandanten.
Mein Mandant war gerade im Fitnessstudio, das ebenfalls in dem Areal liegt. Dort ließ die Ladeninhaberin auch sein Nummernschild ausrufen. Dummerweise war mein Mandant gerade unter der Dusche oder in den Umkleiden. Dort sind die Durchsagen der Rezeption nicht zu hören.
Mein Mandant ging also arglos zu seinem Wagen, setzte sich rein, fuhr wenige Zentimeter los. Die Ladeninhaberin kam angerannt, klopfte an sein Fahrerfenster und konfrontierte ihn mit dem Vorwurf, ihr Auto beschädigt zu haben. Mein Mandant stieg aus und rief die Polizei.
Zum Glück hat sich nun wenigstens der Staatsanwalt bereit gefunden, die mittlerweile 35-seitige Akte zu schließen und den Kriminalfall zu beenden. Er hat das Verfahren eingestellt. Das fiel ihm sicher auch deswegen leicht, weil der Kostenvoranschlag für die “Reparatur” auf stolze 73 Euro lautete. Die Kosten bestanden aus einer gründlichen Wagenpolitur (nicht nur der angeblichen Schadensstelle) und einer “vorgeschalteten Komplettwäsche” des Fahrzeugs.
Wow!
Welche Kosten (Anwälte etc.) kommen denn sonst so auf den mandaten zu?
Bei dem Fall bin ich hauptsächlich über die Ehrlichkeit und Naivität der Werkstatt erstaunt. Normalerweise kommt in solchen Fällen ein vierstelliger Betrag raus, weil unter Neulackierung der gesamten Tür/Fahrzeugseite natürlich gar nichts geht.
Eine Frage verbleibt: Hat die Haftpflicht des Mandanten den Schaden reguliert oder wird da fleißig weiter gestritten?
Ich nehme an, die vermeintlich Geschädigte denkt, sie erhält ihr Geld von der Polizei überwiesen…
@Dante :
Wie, Neulackierung? Sowas macht man doch gar nicht mehr, man tauscht doch heute gleich die ganze Tür aus…
Und bestellt die natürlich in einer anderen Farbe und lackiert DIESE dann neu :D
@RA Müller:
Wer diesen Schaden an die Haftpflichtversicherung weitergibt, der hat zuviel Geld!
Aha, er hat also seine Flucht sogar noch zu Fuß fortgesetzt.
@FRak Taeger:
In der Tat werden auch bei harmlos aussehenden Parkrempeleien oft die Türen ausgetauscht, da sich in ihnen einiges an passiver Sicherheitstechnik befindet (z.B. Seitenaufprallschutz). Diese Türen kann man nur als Rohling bekommen, und selbstverständlich müssen diese dann auch in der aktuellen Wagenfarbe individuell lackiert werden. Die unbeschädigten Teile der alten Tür (z.B. Fenster, Innenverkleidung, usw.) werden übernommen, was natürlich zusätzliche Arbeitszeit bedeutet.
Ich war letztens Geschädigter einer solchen Parkrempelei, und obwohl es zuerst recht harmlos aussah, kamen am Ende so ungefähr 6.000 Euro an Reparaturkosten zusammen.
Bevor hier jemand auf flasche Gedanken kommt: Der Schaden wurde von zwei Gutachtern bewertet, und die Reparatur wurde natürlich in einer Vertragswerkstatt durchgeführt.
Es kann also ganz schön teuer werden.
Ich hoffe doch der Beschuldigte wurde wegen offensichtlicher Fluchtgefahr verhaftet und bis zum Prozess in U-Haft genommen ;-).
Meine Herren, mit was für Pillerkram man sich beschäftigen muss. Sollen sich die Leute vernünftige Autos mit echten Stoßstangen und nicht diesem lackierten Mist kaufen. Nen kleines Kratzerchen gibts halt immer mal. Und da wird dann ein Aufriß gemacht, wenn man die Schramme noch mit der Lupe suchen muss. Ein Auto ist schließlich ein Gebrauchtsgegenstand. Aber gut, die Autoindustrie machts ja vor und bietet kaum noch vernünftige Wagen die auch mal nen kleinen "Bums" vertragen.
Erst neulich auf nem Parkplatz eines Blumenhändlers war ich Zeuge, wie ein alter Herr in einem Golf II und zeitgleich eine Frau in einem alten Benz 200nochwas rückwärts rausfuhren. Der Zusammenprall war so heftig, dass der Mercedes ordentlich ins Schwanken kam. Und? Kurz haben beide über die Stoßfänger gewischt… alles ok.. "schönen Gruß" und beide gingen ihrer Wege.
@Frank Taeger> Wenn man etwas macht, dann richtig! Der Wagen wird natürlich in der neuen Farbe der Tür lackiert …
Weiter so! Ich freu mich immer mehr, dass ich seit nunmehr 12 Jahren bewusst auf ein eigenes Auto verzichte.
@8
bester Komentar, ymmd
Danke
@Princo:
Stimmt.Da war vor ca.drei monaten ein klitzekleines bümsken.Der Opel Kadett musste nicht einmal gewaschen werden.Bei meiner karre gab´s einen kleinen schaden an tür und stossstange.Beides wurde ausgetauscht.9100 euro!
Ich erinner mich noch dran, dass ich mal meinen Firmenwagen an einer Seitenstraße abgestellt hatte, die auf dem Weg zum örtlichen Schwimmbad führte. Eine Bande junger Rabauken hatte sich den Spass gemacht und bei jedem Wagen an der Straße mit einem Schraubendreher das Herstelleremblem hinten abgehebelt.
Die Polizei hat uns dann später das Emblem ausgehändigt. Die Werkstatt hat dann nur abgewunken: "Wissen Sie, das Emblem bekommen wir von Mazda fertig mit Klebestreifen versehen für 35 Euro. Da müssen wir nur die Stelle reinigen, die Folie abziehen und das Ding drauf pappen, das kriegen sie für 50 Euro hier. Wenn ich einen hin setze, der auf das alte Ding Kleber aufträgt, ist der gut und gerne 2 Stunden beschäftigt. Das kostet sie dann mindestens das Doppelte. Werfen Sie's einfach weg…" Kosten sind manchmal auch eine Konzeptfrage.
Ach ja die Jungs wurden vom Bademeister erwischt, wie sie mit den Emblemen gespielt haben. Die Polizei war dann auch schnell vor Ort. Die Eltern haben erst gross getönt, dass wir die Rechnung einreichen sollen und sie teilen den Schaden dann auf. Aber auf einmal haben die Jungs alle die Aussage verweigert und das Verfahren wurde eingestellt, weil nicht geklärt werden konnte, wer welches Emblem abgebrochen hat. Rechtsstaatlich okay, über solche Mechanismen stellen wir normalerweise sicher, dass auch nur wirklich schuldige Leute verurteilt und bestraft werden. Auf der anderen Seite fand ich es zwischenmenschlich scheiße von den Eltern, weil wir alle auf unserem Schaden sitzen geblieben sind.
Und aus pädagogischer Sicht war das ganz was Schlimmes, denn die Plagen haben dadurch gelernt: "Baut den Scheiss in der Gruppe, lasst euch dabei nicht erwischen und wenn nachher einer kommt, haltet die Klappe. Dann passiert euch nix." So erzieht man sich die Asos von morgen…
Frage:
Worin lag eigentlich der Unfall bzw. der Schaden am Fahrzeug ?
Eine Sachbeschädigung ist meiner Kenntnis nach wegen der Wagenpolitur und der Wagenwäsche ausgeschlossen.
Parkrempler… da war was. Vor einiger Zeit auf einem Supermarktparkplatz. Beim Aussteigen ist wohl meine Autotür leicht an den links neben mir stehenden Wagen gekommen. Die im Wagen sitzende Fahrerin hat daraufhin sich selbst an den Rand eines Herzinfarktes gebracht. Sie schimpfte, sie schrie, sie wollte die Polizei rufen. Währenddessen schaute ich mir die Tür ihres Wagens an. Da war ein Kratzer… aber in einer anderen Farbe als die meines Autos. Daraufhin habe ich, während sie ihren Blutdruck weiter steigerte, meine Tür erneut sanft gegen die Tür ihres Wagens gedrückt. Und siehe da: Die Stelle, an der meine Tür auf ihre Tür traf, war eine andere als die Stelle, an der sich der Kratzer mit der anderen Farbe befand.
Sie fand das mehr als unverschämt von mir, daß ich durch erneutes Aneinanderbringen meiner Tür mit ihrer Tür den Nachweis erbracht habe, daß der Kratzer an ihrer Tür nicht von mir stammen kann. Ebenso echauffierte sie sich darüber, daß ich mir ohne auf ihre Erregung eingehend still und nachdenklich die Sache begutachtete.
Vom Rufen der Polizei hat sie dann aber ob der ihr vorgeführten offensichtlichen Tatsachen abgelassen. Sonst hätte ich vielleicht auch ein Strafverfahren wegen unerlaubter Herbeiführung krankhafter Erregungszustände aufgebrummt bekommen… :-))))
Fremdverursachter Kosmetikschaden in niederen 4stelligen Bereich, traueme ich von. Waere ein "Totalschaden" und gaebe Geld.
Aber fuer manche haben Lack und Ledersitze eben eine sexuelle Dimension. :P
Wenn Frauen an irgendwelchen Verkehrsunfällen beteiligt sind, wird es immer ungemütlich…
Warum spendiert der Staatsanwalt der Frau eigentlich nicht ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat?
Solche Leute hab ich nämlich gefressen, die jemanden was anhängen, nur weil sie selbst zu dämlich sind, mal zu Politur und Lappen zu greifen!
Hatte mit einer Bekannten selbst mal so einen Fall, wo sie mit dem Motorradvorderreifen einen schwarzen Strich an der Stossstange eines Benz gemalt hatte. Der Typ (übrigens Ost-Europäer, aber das tut ja nix zur Sache ;-) ), sich aufgeführt wie der Papst beim Kickboxen. Natürlich die Polizei gerufen. Der Beamte schaut sich das an, holt sein Taschentuch raus, rotzt drauf, rubbelt kurz den Reifenabrieb weg
und meint "ist doch überhaupt kein Schaden entstanden und jetzt schleich di!". Ich hätt ihn knutschen können. :-)))
@11: Golf II Stoßstange und nix zu sehen? Zu dumm. Bei dem Modell brechen nämlich bei sowas die Stoßstangenhalter. Von außen nix zu sehen, unter der Stoßstange ein paar hundert Euro hinüber…hat sich was mit stabil.
§142 ist sowieso der übelste Naziparagraph im ganzen StGB. Der Schaden geht meist in die Fantastilliarden.
Parkrempler kommen vor, keine Frage. Ich krieg allerdings regelmässig die Krise, mit welcher Selbstverständlichkeit auf Supermarktparkplätzen die Türen aufgerissen werden und *PATSCH* hat der nebenan parkende ne ordentliche Schramme am Auto. Da wird nicht mal geguckt, da wird in Seelenruhe eingekauft und danach einfach weg gefahren. Diese "ist doch nicht so schlimm" Mentalität kotzt mich an. Einigen Menschen ist ihr Auto eben egal, aber diese müssen akzeptieren das es anderen Menschen eben nicht egal ist. Wer einen Schaden verursacht und sei er noch zu klein, hat das gefälligst zu regulieren. Der Laie kann den wahren Schaden doch gar nicht beurteilen !
Hier gab es kürzlich einen ganz ähnlichen Fall: Eine Dame fuhr wegen eines Kratzers an ihrer Rostlaube zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Fahrerflucht gegen Unbekannt. Sie gab dabei das Kennzeichen einer Person aus meiner Verwandtschaft an.
Glücklicherweise gab der Polizist, der die Anzeige aufnahm, die Sache nicht einfach ungeprüft an die Ermittler weiter, sondern rief bei meinem Verwandten an und bat ihn, zur Gegenüberstellung auf die Wache zu kommen. Die Dame war zunächst ziemlich unverschämt und verlangte eine großzügige und schnellstmögliche Regelung der Angelegenheit.
Der Polizist jedoch bestand darauf, auf den Parkplatz zu gehen und den anderen Wagen in Augenschein zu nehmen. Dort stellte sich dann heraus, dass der Wagen des angeblich Fahrerflüchtigen rundherum keinerlei Beschädigung aufwies, die zu dem Kratzer an der Rostlaube gepasst hätte. Außerdem fiel dann auch auf, dass sich in dem Kratzer der Rostlaube schon Rost gebildet hatte, was gegen eine neue Beschädigung sprach.
Nun wurde die Dame auf einmal sehr gesprächig und entschuldigte sich vieltausendmal und wollte sofort ihre Anzeige zurücknehmen. Mein Verwandter ließ sich darauf ein und verbuchte den versauten Nachmittag einschließlich der Aufregung auf das eigene Verlustkonto. Ich an seiner Stelle wäre wohl nicht so duldsam gewesen.
Mein Respekt übrigens für den Polizisten. So saubere und sorgfältige Arbeit ist in solchen Fällen durchaus nicht selbstverständlich. Dieser Mann hat nicht nur dem Steuerzahler ein kostspieliges Ermittlungsverfahren erspart, sondern auch meinem Verwandten einen Haufen Ärger.
@25/Recht§§taat:
"So saubere und sorgfältige Arbeit ist in solchen Fällen durchaus nicht selbstverständlich."
Und selbst wenn sie vorkommt, so wie es mir vor Jahren in Trier erging, heißt das noch lange nicht, daß dann das weitere Procedere sauber abläuft.
Mir fuhr die 1,45 m kurze, geschätzt 75-jährige Frau Professor (also sie ohne Titel, aber der Herr Gemahl), blind wie sie war, vor Zeugen rückwärts beim Einparken ihrer ca. 5 m langen, silberfarbenen Limousine in mein rotes Auto. Und fuhr weiter, und fuhr weiter. Und hob selbiges aus den Federn (Handbremse bei mir angezogen) und reagierte auf nichts, bis mein Auto 50 cm weiter hinten stand. Schön langsam, aber stetig. Ich war völlig sprachlos.
Silberner Lack auf meiner roten Fronstoßstange, roter Lack auf ihrer silbernen Heckstoßstange, höhenmäßig und längenmäßig passende Abriebe, Zeugen vorhanden, wie gesagt. Was will man als Geschädigter mehr?
Frau Professor Möchtegern-Hochnas erwiderte, sichtlich entnervt ob der Ansprache durch mich "Bürgerlichen":
"Ist doch nix dran, was stellen Sie sich so an ???"
Schnappte sich ihren Königspudel und pudelte (dackelte) zum Tierarzt rein.
Die herbeigerufene Polizei kam leider wenige Minuten zu spät, Her Majesty war bereits weg, also wurde flugs bei mir vermessen und fotografiert, anschließend fuhren die Beamten sofort die Wohnanschrift an, fertigten Lichtbilder und stellten klare Übereinstimmung der Schadensbilder fest.
Und was macht die StA aus diesem klaren Sachverhalt mit Zeugen? Einstellung des Verfahrens, keine Beteiligung der angeblichen Schädigerin feststellbar.
Auf eine Regulierung mit der HPV der Holden habe ich es dann gar nicht mehr ankommen lassen, das Auto hatte tatsächlich max. 1.000 € Wert. Zu gerne hätte ich allerdings mal gewusst, was passiert wäre, wenn es der Benz eines Richters gewesen wäre, der so unsanft touchiert worden wäre.
Ob Frau Möchtegern-Hochnas dann immer noch ohne Konsequenzen weggekommen wäre?
@Geschädigter: Das ist sie, die gute alte deutsche Justizia, die mich oft an den Feudalismus erinnert. Sobald Angehörige der besseren Gesellschaft als Täter von "Ermittlungen" betroffen sind, ist die Geltung der Gesetze auf einmal stark eingeschränkt. Ich hätte in diesem Fall vermutlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Generalstaatsanwalt gemacht. Immerhin wurde da eine Straftat unter den Tisch gekehrt. Das ist keine Bagatelle.