Kein Anspruch auf “Eiche braun”

Der Mieter einer Wohnung muss den Austausch undichter Fenster dulden, auch wenn die neuen Fenster eine andere Farbe haben als bisher. Das Amtsgericht München verurteilte nun eine Frau, künftig mit weißen Fenstern zu leben. Die Betroffene hatte sich gegen die Renovierung gewehrt, weil sie bei der Fensterfarbe “Eiche braun” bleiben wollte.

Ursprünglich hatte die Frau selbst verlangt, dass die bisherigen Fenster ausgetauscht werden. Selbst der Vermieter räumte ein, dass die Fenster alt und undicht waren. Dass der Vermieter allerdings weiße Fenster für die Wohnung bestellte, wollte die Mieterin nicht akzeptieren. Sie betrachtete die Farbe weiß als “massive Umgestaltung der Mietsache” durch den Vermieter und sprach von Rücksichtslosigkeit.

Das Amtsgericht München sah das anders. Zwar könne es sein, dass weiße Fenster das ästhetische Empfinden beeinträchtigen. Allerdings stehe dem Vermieter auch ein Ermessen zu, wie er die Wohnung ausstattet. Weiße Fenster seien von diesem Ermessen unzweifelhaft umfasst, zumal der Vermieter angeboten hatte, auch die anderen Rahmen in der Wohnung weiß zu streichen.

Die Mieterin muss den Austausch der Fenster nun dulden (Aktenzeichen 473 C 25342/12).

  • Wetter

    Sturköpfigkeit kann teuer werden ;)

  • nux

    Patchwork wohnen kann aber auch nervig sein. ;)

  • hiro

    “Die Fenster sind undicht!”
    “OK, ich baue neue ein, und damit alles zusammenpaßt, lackiere ich auch die Türen neu, kostet Sie alles keinen Cent.”
    “Sie Arsch!!!”

  • TKEDM

    Hätte die Frau die eichenbraunen Fenster selber bezahlt, wär es für sie jetzt bestimmt günstiger gewesen. Tja, dumm gelaufen :)

  • Thomas’

    Ich wäre meinem Vermieter sehr dankbar, wenn die Holzfenster aus den 80ern durch weißen Kunststoff ersetzt würden.

  • Judas

    @Thomas’: Weil?

  • Thomas’

    Weil es in meiner Wohnung zieht wie Hechtsuppe, wenn es draussen in die Minusgrade geht.

    Aber naja, den nächsten Winter bin ich hier eh nicht mehr, soll sich der nächste Mieter dagegen beschweren.

  • Densor

    @TKEDM: Hätte ja nicht einmal alles selber zahlen müssen. Was hätte denn dagegen gesprochen wenn die Frau die Preisdifferenz zwischen den (wohl günstigeren) Weißen und den “Eiche braunen” bezahlt hätte? Wohl nichts außer dem Ego der Dame.

    Aber man rennt ja lieber vor Gericht, ob die Dame wohl eine Rechtsschutzversicherung hat? Anders kann ich mir das Vorgehen nicht erklären..

  • Hustenstorch

    Der Vermieter wäre m.E. schön blöd gewesen, wenn er braune Fensterrahmen hätte einbauen lassen. Den meisten Menschen gefällt kackbraun nicht unbedingt.

  • Sonstwer

    Für Geschmacksverweigerer gibt’s doch Abhilfe: http://www.amazon.de/d-c-fix-Selbstklebefolie-Eiche-Wildwuchs-Ma%C3%9Fe/dp/B008MVT3P2/ref=sr_1_cc_2?s=aps&ie=UTF8&qid=1369149051&sr=1-2-catcorr&keywords=d-c-fix+eiche

    Streifen schneiden, Fensterrahmen und -flügel innen bekleben.
    Hält mindestens zehn Jahre und dem Vermieter bleibt die weiße Außenseite für die Einheitlichkeit der Hütte.

    Ob das nach zehn Jahren wieder abgeht … keine Ahnung.

  • Frank Sommer

    @nux:
    Wieso ? Der Vermieter hätte doch alle Fenster weiß gestrichen?

    Im übrigen ist weiß die universellste Farbe. Mit braunen Fenstern gibts mit weit mehr Mietern Probleme (Beschwerden) als mit weißen Fenstern.

  • TKEDM

    @Sonstwer:

    Sowas ist aber auch wirklich NUR für Geschmacksverweigerer :D
    Die Wohnung will ich sehen, wo so etwas gut aussieht.

    Zuzutrauen wär es der Dame aber, dass sie den Vermieter noch auf das Anbringen so einer Folie verklagt.

  • Kaboom

    Die griechische Form der Dankbarkeit nennt man so was heutzutage wohl. Gib uns was für umsonst und wir beschimpfen dich dafür. Und verlangen dann Nachschlag.

  • drui

    Auf Ideen kommen die Leute…
    Wenn sie damit durchgekommen wäre, würde die Nächste Fenster mit Gold- oder Platinrahmen einklagen. Kurios, dass nun aber Vermieter sogar selbst entscheiden dürfen, welche Farbe ihre Häuser und Fenster haben dürfen. Sicher gibts auch Klebefolien in “Eiche braun”.

  • ui-ui-ui

    Der Vermieter wäre nicht verpflichtet gewesen zu modernisieren. Jetzt könnte er zusätzlich noch die Miete anteilig erhöhen.

  • Schwabenfenster

    Farbig innen und außen kostet ca. 35% Aufpreis und hab ich in Eiche noch nie verkauft. U-Wert Glas in den 80ern ca. 2,5 -3.0. Ug heute: ca. 0,6. Genügend Fenster in der Wohnung vorausgesetzt spart die gute Frau jetzt jedes Jahr 300 – 400 € Heizkosten. Ich wide mich nicht beschweren.

  • abc

    Bei mir wurden auch vor kurzem die Fenster aus den 60er Jahren durch moderne ersetzt, allerdings waren sowohl die alten als auch die neuen weiß. Plötzlich konnte ich die Heizung zwei Stufen runterdrehen. Ich würde mich da bedanken und nicht wegen der Farbe klagen. Noch dazu wegen weißen Fenstern. Wenn es jetzt Neongelb gewesen wäre hätte man vielleicht drüber reden können. So kann man auch ohne Not das Verhältnis zum Vermieter nachhaltig beschädigen.

  • Name

    @abc: Eine komische Heizung haben Sie da. Bei allen, die ich kenne, stellt man nicht die Heizmenge, sondern die Zieltemperatur (gemessen in nichtstandardisierten “Stufen”) ein.

  • HzBauer

    @ 18

    Genau. Und bei ziehenden Fenstern musst Du die Ziel-Soll-Temperatur am Heizkörper höher einstellen um die gewünsche Ziel-Ist-Temperatur auf dem Sofa zu erreichen .-)

  • Markus

    Ich wäre auch gegen weiße Fensterrahmen, die muss man viel öfter putzen, da sieht man jeden Feinstaub :)

  • SBarche

    @drui:

    Eine reichlich verquere Einstellung haben Sie da. Ich kann das Problem der Dame durchaus nachvollziehen! Sie wünscht nichts anderes als die Beibehaltung des optischen Originalzustandes bei Beseitigung eines Mangels. Ob das rechtlich haltbar ist oder nicht, wurde offensichtlich richterlich entschieden. Warum hier bei einer anderslautenden Entscheidung nun auf Gold oder Platin “gewechselt” werden sollte, erschließt sich mir nicht. Außer es war vorher schon Gold / Platin verbaut … und gerade dann käme mir eine entsprechende Forderung ausgesprochen nachvollziehbar vor.

  • Sargnagel

    “Eiche braun” läßt vermuten, um was für einen Jahrgang es sich bei der Klägerin handelt. Fenster müssen ja passend zum Wohnzimmerschrank sein…

    Gott sei Dank hat sie bei der Farbwahl ihres Sarges den gewünschten Spielraum.

  • Klaus

    @drui: Ja und? Wenn da vorher Gold- oder Platin-Rahmen drin waren, dann will ich als Mieter doch nicht plötzlich welche aus billiger Plaste eingesetzt bekommen! Ich habe die dann ja schließlich so gemietet.

    Darum ging es ja. Die Frau hat die Wohnung halt mit braunen Rahmen gemietet und nun werden einfach weiße eingesetzt, was den Charakter der Wohnung ändert. Ob zum Besseren oder Schlechteren sei dahingestellt. Es ändert einfach die Mietsache.

  • Sargnagel

    @Klaus: Die Klägerin wird die Woihnung sicher nicht wegen der braunen Fensterrahmen gemietet haben. Um ein besonderes Merkmal dieser Wohnung kann es sich auch nicht handeln.

    Es ändert also nichts Wesentliches; außer dem Wohlbefinden einer leicht beschränkten Mietern, die auf Eiche rustikal steht.

  • wonko

    @Sargnagel:

    Um ein besonderes Merkmal dieser Wohnung kann es sich auch nicht handeln.

    Ah ja. Das können Sie natürlich unbesehen beurteilen.
    Ich habe eine Zeitlang in einer Wohnung mit Holzfenstern gewohnt (die moderne, dichte Variante), die dunkelgrün lasiert waren. Wären die durch weiße Plastikfenster ersetzt worden hätte das durchaus eine signifikante Veränderung der Wohnung bedeutet.
    Die Mieterin als leicht beschränkt zu bezeichnen, weil Ihr Geschmack ein anderer ist – das ist schon verdammt unverschämt.

  • SBarche

    “verdammt unverschämt” ist sehr zurückhaltend gespro …. geschrieben

  • Sargnagel

    @wonko:

    Plastik? Habe ich das im Text überlesen. Da steht immer nur was von Fenster und Farbe. Aber das wissen Sie ja dann bestimmt.

    Aber vermutlich sind es sogar Kunststoffrahmen. Holz wird nur noch ungerne genommen und angeboten; pflegeintensiver und auf Dauer nicht so maßhaltig. In der Regel peift schon nach ein paar Jahren der Wind rein und dann steht der Mieter auf der Matte.

    Eine Unverschämtheit ist es, einen gutmütigen und entgegenkommenden Vermieter wegen solch einem Dreck vor Gericht zu zitieren.

  • Rudi

    Eine Unverschämtheit ist das, was man mit der Frau gemacht hat!
    Das die Fenster erneuert werden, ist die gottverdammte Pflicht des Vermieter, dafür streicht er ja auch jeden Monat kräfit Miete ein, ohne sonst einen Finger zu rühren.
    Und das die Wohnung nicht ohne Einverständnis des Bewohners verändert werden darf, indem einfach so andersfarbige Fenster einbaut, ist wohl absolut selbstverständlich.
    Mir wird ganz anders bei dieser Rechtsprechung und den Kommentaren hier.

  • PA

    @Rudi: Wer mit den Gesetzen nicht einverstanden ist, muss sie ändern oder die Gegend verlassen, in denen sie gelten – suchen Sie sich’s aus…

    Oder aber Sie kaufen sich ein Haus, da können Sie dann die Fensterfarbe frei bestimmen. Als Mieter ist man eben nicht Eigentümer und muss damit leben, wenn kleine Änderungen vorgenommen werden. Dafür hat man andere Vorteile.

  • TKEDM

    @Rudi:

    Und was wäre Ihr Vorschlag? Soll jetzt bei einer Renovierung der aktuelle Mieter bestimmen, welche Farbe die Fenster bekommen sollen, nur weil sein Fußboden oder ihre Schränke diese Farbe haben?

    Und beim nächsten Mieter geht das Theater von vorne los…

    Und in diesem Fall kommt mir der Vermieter nicht so vor, als würde er sonst keinen Finger rühren, wenn er sogar ohne Pflicht schon vorschlägt, den anderen Kram auch in weiß zu streichen.

  • Hans

    @Rudi:

    Wer hat was mit der Klägerin gemacht? Ich dachte, es geht um die Farbwahl der Fensterrahmen einer Mietwohnung?

    Der Vermieter ist seiner Pflicht zur Instandhaltung nachgekommen. Ob diese von Gott verdammt wird, kann ich nicht beurteilen. Vom Richter zumindestens ist dahingehend nichts bekannt. Noch werden Urteile im Namen das Volkes gesprochen und nicht im Namen Gottes.
    Ob Ihr Vermieter kräftig bei der Miete zulangt weiß ich nicht. Aber es klingt so. Muß aber hier nicht der Fall sein.

    Leider wußte der hier noch nichts vom neuem Mitspracherecht von Mietern bei der Farbgestaltung von Fensterrahmen. Hoffentlich hat der nächste Kanditat keine pinkfarbene Couch!

    Und, er hat Glück gehabt! Er kann und darf natürlich als Eigentümer ganz ungefragt andersfarbige Fensterrahmen einbauen lassen. Mit Augenmaß halt. Aber wenn ich mich so in meiner Nachbarschaft umschaue, lag er mit Weiß ganz gut.

    Wenn Ihnen bei den Kommentaren und der Rechtssprechung blümerant wird, hilft vielleicht die Gründung einer Initiative mit dem Ziel der Verankerung von mehr Mitspracherecht für Mieter bei der Farbwahl von Fensterrahmen. Eine differenzierte schlüssige Argumentation, warum Sie diese Befürworten braucht es dann aber schon.

    Verweise auf von Gott verdammte Pflichten, gierige Vermieter und absolute Selbstverständlichkeiten werden wohl nicht ausreichen. Bin gespannt!