GOTT = EIN NERD
Seit langem mal wieder einen Gottesdienst besucht. Weil Sophie im Bambini-Chor singt. Ein Satz, den die resolute Pastorin aus der Bibel vorlas, hallte in meinem Hinterkopf. Daran konnte selbst eine Edelstahlmikrowelle mit Heißluft und Grill, die ich zu meiner völligen Überraschung wenig später unterm Weihnachtsbaum vorfand, nichts ändern:
“Gott schuf Himmel und Erde.”
Schon seltsam, wie diese Aussage mit neueren Ansichten (lesen! wozu ist Weihnachten da?) über die Entstehung der Welt und des Universums korreliert. Nur den Rauschebart muss man sich bei Herrn Gott vielleicht wegdenken. Aber den trägt ja jetzt ohnehin Harald Schmidt.
Harald Schmidt's Bart also nur ein Fehler in der Matrix? Der Himmel ein gigantischer "Bluescreen" und der Vatikan das Panel für die Systemeinstellungen? Das Weihnachtsfest als Zähler für unsere eigene "Uptime"? Angenommen die Theorie der drei Thesen sei wahr und die dritte These wäre als einzige zutreffend, so müssten die (wir) simulierten Zivilisationen doch ihrerseits wiederum Simulationen entwickeln, wenn sie (wir) tatsächlich selbst als Simulation dem natürlichen Vorbild gleichen und somit die ersten beiden Thesen auch auf die Simulationen nicht zutreffen. Es stellt sich also nicht die Frage, ob wir selbst nur simuliert sind oder nicht, vielmehr müssen wir uns fragen, in welcher Tiefe sich unsere Rekursionsebene befindet. Dies beweist wohl nur zwei Dinge:
1.) Das Universum ist tatsächlich unendlich, wir wissen nur noch nicht, auf welche Weise.
2.) Es gibt auch in anderen Universen offensichtlich keinen wirklich sinnvollen Nutzen der sich aus der Computertechnologie ergibt. Widrigenfalls wäre schließlich die zweite These wahr.
Um nun also die Frage zu beantworten: Weihnachten wäre der zu Grunde zu legenden Theorie nach eine Art Kontrollschleife im Programmcode der Simulation, die von der uns kontrollierenden übergeordneten Intelligenz (also Springer, Bertelsmann, Murdoch und, je nachdem wie weit man Intelligenz definieren möchte, auch Parteien und Kirchen) eingebaut wurde, um uns, der Simulation, selbst etwas zu simulieren, was wir eine 'heile Welt' nennen, also eine Methode, um Fehler in der Matrix zu verdecken und das Experiment so am Laufen zu halten. Insofern kann es wohl kein Zufall sein, daß Harald Schmidt als die Mutter aller Matrixfehler gerade zu Weihnachten wieder eine große Zahl an simulationsgeschädigten Hirnen erreicht und uns so wieder all die Fehler in der Matrix die wir 'Welt' nennen ins multimediale Bewußtsein zurückruft ohne der Matrix selbst dadurch Schaden zuzufügen, denn diesem Bewußtsein folgt nur äußerst selten auch ein Handeln, so daß die Fehlerhaftigkeit unserer eigenen Existenz wohl die besten Chancen hat, in noch tiefere Rekursionsebenen durchgereicht zu werden.
Herr Fuchs, gibt es eigentlich auch weiterführende Literatur zu dem Thema, die auch für Juristen verständlich ist?
Hmm, das (unser) Universum ist nicht unendlich, gleichwohl ist es aber endlos – am besten verständlich mit dem Vergleich mit der in sich geschlossenen Krümmung. Im Rahmen der von uns überschaubaren Dimesionen ist das Universum in etwa so "unendlich" wie die Oberfläche einer Kugel es für ein Lebewesen ist, dass nur zwei Dimensionen versteht. Die Oberfläche ist sehr wohl endlich, aber zugleich endlos.
Matrix (und dieser Gedanke) ist ein Phänomen des Solipsismus. Das ist die strikte, quasi schulbuchmäßige Interpretation von Descartes' "cogito ergo sum". Weil ich denke kann ich beweisen, dass ich existiere. In welcher Art ich existiere – bin ich ein Mensch? Gibt es andere Menschen? Oder bin ich in einer Art Matrix oder gar nur eine Simulation in einem fremden Computergehirn? – all das kann ich nur annehmen und muss alles, was ich beobachte, unter dem Vorbehalt sehen, dass ich nicht objektiv beweisen kann, dass es überhaupt existiert.
Insofern ist "Der Löffel ist gar nicht da" einer der größten philosophischen Sätze, die ich je in einem Film gehört habe.
So, ich wede mich mal wieder in mein Kämmerchen begeben und mir vorstellen, dass das angebeulte Auto, die mangelhafte Arbeit des Dachdeckers, die defekte Spülmaschine und das, was noch alles in den letzten zweieinhalb Wochen passiert ist, gar nicht existiert.
Ich fürchte allerdings, dass ich die Sachverhalte nicht wirklich werde ändern können ;-)