ÜBERSCHULDET
Jürgen Schneider, Fachanwalt für Steuerrecht, im “Anwaltsreport 01/2005″.
Viele Anwaltskanzleien sind über Dispositionskredite ohne ernsthafte Absprachen mit der Bank geradezu kühn finanziert. … So ist es kein Wunder, dass in der Tat zunehmend insbesondere Dispositionskredite gekündigt werden. Viele Sachbearbeiter sind schon dazu übergegangen, die Rückzahlung des noch offenen Darlehens mit dem Hinweis auf die sonst nötige Information an die Anwaltskammer zu erzwingen.
Betroffen sind nach seiner Erfahrung “traditionell in der Vergangenheit gut beschäftigte Sozietäten mit drei bis etwa neun Anwälten und Büros in nicht allzu zentraler Lage, … die überwiegend forensisch im Massengeschäft beschäftigt sind, also gerichtliche Verkehrsunfallschadenregulierung, streitige Forderungsmandate mit ungünstigen Streitwerten etc. betreiben”.
Da erklärt vielleicht auch, warum unsere Bank in schöner Regelmäßigkeit die Bilanz anfordert. Auf das Formschreiben hilft nur der freundliche Hinweis, dass wir keinen Kredit in Anspruch nehmen und unsere Zahlen deshalb für uns behalten. So richtig aus dem Verteiler gelöscht zu werden, das scheint bei Geschäftskonten aber schon gar nicht mehr machbar zu sein.
Bald wird die Vorlage der Geschäftszahlen auch notwendig sein, wenn man überhaupt nur ein geschäftliches Konto führen möchte :-)
Ein wenig OT:
Allerdings sind Banken generell sehr, sehr neugierig… ich erinnere mich nur an meine letzte Konteneröffnung. Eigentlich ging es nur darum, nach einem Umzug vor Ort ein Girokonto zu haben – weitere Geschäftskontakte mit der Bank waren weder geplant noch erwünscht.
"Bitte unterschreiben sie hier…"
Nun ja, vielleicht erstmal lesen – warum sollte ich ihnen eine SCHUFA-Auskunft ermöglichen?
Naja, wegen der Kreditlinie…
Habe ich eine Kreditlinie? Will ich eine? Habe ich eine verlangt?
Sie können gerne eine haben…
Danke, will ich nicht. Damit brauchen sie dann auch sicher keine Auskunft..
Naja, eigentlich nicht, nein…
Wenn man überhaupt noch eins bekommt. Mir wurde, als ich ein Geschäftskonto bei meiner Hausbank eröffnen wollte, gesagt, man tätige leider keinerlei Geschäfte mehr mit neu gegründeten Unternehmen, auch keine Girokonten ohne Kontokorrent. Auf meine Rückfrage, wo ich denn sonst ein Geschäftskonto eröffnen solle, wenn nicht bei meiner Hausbank, kam folgendes:
- "Oh, Sie haben Ihr privates Girokonto schon bei uns? Geben Sie mir doch bitte mal kurz Ihre Kontonummer" … "Ja, also, das war dann ein Mißverständnis, natürlich können wir ein Geschäftskonto eröffnen…"
Mein schönstes Gespräch mit Bankpersonal war dieses:
- Guten Tag, was kann ich für Sie tun?
- Ich hab nur das hier.
- Ach so, du kommst privat.
@Sebast.
Wäre für mich ein Grund gewesen, zu gehen. Wortlos.
Schöner aber noch:
Mitten in Verhandlungen mit einer Bank, die mich als Neukunden gewinnen wollte:
"Erlauben sie mir die Frage – aber sie arbeiten nicht zufällig für die Konkurrenz?"
"Bitte? Nein… ich will eigentlich nur ein paar Konditionen abchecken"
"Wir würden sie trotzdem beraten – aber sagen sie es mir doch bitte"
"Nein, ich arbeite nicht für die Konkurrenz. Ich will einfach nur…"
"O.K. – ich hatte nur diesen Verdacht. Wissen sie, die schicken gelegentlich mal Leute, um uns auszuspionieren"
"???"
@Lurker: das muss ein AZUBI gewesen sein, der noch nicht weiß, dass die üblichen Konditionen irgendwo im Schalterraum an gut versteckten, aber erreichbaren Stellen nebst den AGB öffentlich aushängen. Spione inner Bank … <vogelzeig> … welche Bank? Oder doch ne Sparkasse? O.k., wahrscheinlich eine Direkt-Bank mit ausschließlichem Online-Portal. Ich hab´s: Lurker ist berühmt-berüchtigt-anmutiger Hacker. Auch nicht? … hm…</vogelzeig>
@Der Schulz:
Ausweislich des Mitarbeiterverzeichnisses handelte es sich um einen Kundenberater der oberen Alters- und Hierarchieregionen (innerhalb der Bank – was das im Zweifel wert ist entzieht sich meiner Kenntnis). Nur: Ich war nicht wirklich an "üblichen Konditionen" interessiert… über den Tisch ziehen kann ich mich auch alleine.
Über meine Anmut müssen andere entscheiden – jedenfalls handelte es sich um eine etablierte deutsche Bank. Der Auskunft genug?
Um die Banken mal in Schutz zu nehmen: Die meisten würden sicher gerne Konten eröffnen und Kredite vergeben, schliesslich verdienen die ja auch ganz gut daran. Leider machen viele Vorschriften und Regeln dieses fast unmöglich (Basel II etc). Zahlreiche Insolvenzen haben den Banken gerade in den letzten Jahren mächtig Geld gekostet und so manche ist dadurch in eine "Schieflage" geraten.
Und wenn dann der Kundenberater auch noch schlecht geschult ist, wie in Euren Beispielen, tja dann ist es für den potenziellen Kunden erst recht nicht leicht seine Wünsche zu verwirklichen. Aber schwarze Schafe gibt es ebenfalls auf jedem Amt und sicher auch unter den Anwälten, gell? :-)
Da bin ich aber doch neugierig, was Basel II (von dem ich zugegebenermassen nichts weiss) an Vorschriften für Banken bereithält, die diese Banken daran hindern, Konten ohne Dispositionskredit auf Guthabenbasis zu führen? Auch die Banken KÖNNEN damit doch keinen Verlust machen, aber interessiert sind sie, wie ich immer wieder höre, daran tatsächlich nicht. Es gibt eine deutliche Tendenz, dass Banken, wenn sie ein einfaches Konto, einfacvh nur führen sollen, gegen Gebühren, daran gar kein Interesse haben. Es reicht Ihnen schlichtweg nicht, mit dem Geld, das auf dem Konto liegt, auf eigenes Risiko Geschäfte zu machen und daran zu verdienen, nein, sie sind nur noch an Kunden interessiert, die Konten mit hohem Guthaben eröffnen, und der Bank erlauben, Auf Risikio des Kunden mit dem Geld zu sepkulieren, und im Gewinnfall entsprechende Prozente zu kassieren – im Verlustfall eben nur die auch noch ausreichenden Gebühren, aber selbst nicht das geringste Risiko tragen müssen…
Da frage ich mich doch, ob's noch geht. Banken müssten verpflichtet sein, für JEDEN ein Konto zu eröffnen, das sollte Bedingung für die Zulasung sein…