MIKROFASER
Mikrofaser besteht zu 100 % aus Polyester. Um das zu realisieren, musste ich die Verpackung der neuen Bettwäsche studieren. Polyester war doch immer bäh. Mikrofaser dagegen ist okay, wenn nicht sogar angesagt. Wie es scheint, spielen sich die wahren Marketingerfolge nicht immer im Licht der Öffentlichkeit ab.
Micro und Nano sind 'in'. Resultat einer ausgefeilten Marketing-Technik. Bettwäsche aus Polyester kann nix gutes sein :)
Aber wird das Ihh-ba Polyester nicht im Volksmund eher Polijester ausgesprochen?
DEr Punkt ist ja dass das ein Sammelbegriff ist. Polyester ist nunmal jede Chemische Verbindung, die mehrfach verestert ist. In der Regel halt Polymere, diese unheimlich langen komplizierten Verbindungen. Und so beinhalten die Polyester von heute, die als Mikrofaster propagiert werden ganz andere Polyester, als damals in den 70ern(Nicht das ich dabei gewesen wäre).
Somit können sie wiederum andere Eigenschaften haben. Nur das sie halt chemischen Ursprungs sind bleibt. Aber war das den wirklich unklar?
"realisieren" bedeutet "umsetzen" und nicht "merken" oder "erkennen". Vielleicht mal ein Fall für den Zwiebelfisch.
@Johannes
rea·li'sie·ren
1. verwirklichen, in die Tat umsetzen
2. begreifen, sich vergegenwärtigen, sich bewusst machen
3. WIRTSCHAFT verkaufen, in Geld umwandeln
Vielleicht mal ein Fall für das Teekesselchen?
Ohne Kunstfasern würde es z.B. von Messner und Fuchs heißen "als Jefrierfleisch ham wer se jefunden" und etliche Polizisten hätten äußerst unschöne Löcher in der Brust.
Es ist also vielleicht an der Zeit, ein eventuell vorhandenes Trauma bzgl. irgendwelcher PVC-T-Shirts, in die Dich Deine Mama gesteckt hat, hinter Dir zu lassen und nicht an der sehr innovativen Textilindustrie auszulassen ;-))
"realisieren" – ein Fall für den Zwiebelfisch?
Nun, Kapitel 10 – "Stop making sense", Seite 50, "Der Dativ ist dem Genitif sein Tod" in der Kiepenheuer&Witsch :-D
Oder hier für 50 Cent:
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,261738,00.html
Zum Thema: Die bei Wanderern und Sportlern so beliebte und in Trekking/Outdoor-Shops (na sowas, Denglisch ;-) so "preiswert" erhältliche "Funktionswäsche" ist auch aus Kunstfaser – und tragbar.
@ARJSG: Wo hast du die Definition her? Duden lasse ich nicht gelte, da steht jede neumodische Sprachverhunzung drin, sobald sie sich nur weit genug verbreitet hat.
Kartoffel ist auch bäh. Pommes is ok.
Frikadelle ist pfui. Hamburger ist toll.
Kinderlogik ;-)
okok, "Genitif" *rotwerd*
@Zwiebelfischer Marc:
Wenn hier schon so tief im Zwiebelfisch geangelt wird:
"Bahn Ticket" ist Denglish ( Bahn -> Deutsch; Ticket->English = Denglish).
"Trekking/Outdoor-Shops" ist doch recht reines Englisch.
;-)
@Johannes: Das ist nicht Verhunzung, sondern lebendige Sprache. Selbst die profanesten Wörter unserer Sprache haben mitunter über die Jahrhunderte so manche Sinnverschiebung oder gar Wandlung erfahren. Fragen sie doch einfach mal eine Sprachwisenschaftler.
Mir fehlt auch das Verständnis für die Beigeisterung angesichts dieses Fisches mit Zwiebeln. Nagut man kann hervorragend mit dem Finger auf andere zeigen und sich einreden, dass ja früher alles besser war. Aber sonst?
Ich würde mir erst dan SOrgen machen, wenn sich unsere Sprache nicht mehr mittels Sinnverschiebgungen oder auch anleihen aus anderen Sprachen verändern würde. Dann läge sie nämlich im Sterben. Regelmentiert ist die Sprache durch den Duden ohnehin schon genug. Lasst Sprache blühen!
Nach einer, öhm, ersten Erfahrung mit Mikrofaser-Bettwäsche leiste ich Abbitte: Leute, kauft Mikrofaser!
Sprache entwickelt sich natürlich weiter, keine Frage. Sonst würden uns jetzt jede Menge Wörter für alle möglichen alltäglichen Dinge fehlen.
Ich wehre mich nur dagegen, daß Dinge, die ganz eindeutig falsch sind, mit zunehmender Verbreitung irgendwann als richtig akzeptiert werden. Das gibt es nirgendwo sonst. Nur weil genug Menschen glauben, daß 2 : 0,5 = 1 werden trotzdem keine grundlegenden Axiome der Mathematik so verändert, daß sie mit der Volksmeinung übereinstimmen.
Und gerade bei so blödsinnigen Fehlern, wie sie der Zwiebelfisch präsentiert, fehlt mir jedes Verständnis, wieso ich mich der schludrigen Mehrheit beugen und diese Fehler übernehmen sollte.
Tja, wenn das mit dem "eindeutig falsch" doch so eindeutig wäre… "Ich versichere Ihnen, dass das stimmt" klingt doch absolut richtig, oder? Dagegen findet sich aber zum Beispiel in den Werken Thomas Manns stets die zu seiner Zeit gebräuchliche Formulierung "Ich versichere Sie, dass…".
Gut vorstellbar, dass es von Zeitgenossen als schreckliche Sprachverhunzung angesehen wurde, als im allgemeinen Gebrauch allmählich das "ich versichere sie" im Sinne von "ich bekräftige/sie können sich sicher sein" durch die von anderen Bedeutungen von "versichern" bereits bekannte Konstruktionsweise verdrängt wurde – einfach, weil es nunmal praktischer und damit ökonomischer ist, ähnlich klingende Formulierungen auch ähnlich bzw. gleich zu konstruieren. Für uns heute ist das ein klarer Fall von Sprachwandel, und kaum jemand dürfte bei "ich versichere ihnen" das Gefühl haben, etwas "Falsches" zu sagen – obwohl es sicherlich auch Zeiten gab, wo es "eindeutig falsch" klang. Genau das ist nunmal der entscheidende Unterschied: Anders als bei der Mathematik handelt es sich bei dem, was Grammatik und Wörterbücher beschreiben, nicht um ein statisches, sondern um ein dynamisches System.
Und Sprachwandel sowie die (Weiter)Entwicklung von Sprache war immer schon mehr als das bloße Hinzufügen von neuen Begriffen für neue Sachverhalte – auch wenn übereifrige Sprachschützer (übrigens eine Leidenschaft, die sich interessanterweise vor allem bei Fachfremden großer Beliebtheit erfreut) diesen Umstand allzu gerne übersehen.
Ach ja, und was den Zwiebelfisch angeht: In dieser Rubrik wurden schon etliche aktuelle Sprachthemen aufgegriffen und sehr kundig kommentiert, keine Frage. Jedoch neigt Herr Sick, so habe ich den Eindruck, zunehmend zur oberlehrerhaften Besserwisserei. Leider sind die meisten Verfasser solcher scharfsinn-humorigen Betrachtungen reichlich eitle Menschen, was sie ihre Reihen immer weiter fortsetzen lässt, wobei sie leicht den Moment übersehen, wo es eigentlich an der Zeit gewesen wäre aufzuhören, weil man sich bei ehrlicher Betrachtung hätte eingestehen müssen, dass die wirklich guten Themen inzwischen verbraucht sind und man – nur, um nicht aufhören und die Lesererwartung (und/oder auch die eigene) nicht enttäuschen zu müssen – fortan eigentlich nur noch allenfalls lauwarmen Abklatsch des zuvor bereits Publizierten produziert.
@Johannes: Den Duden lässt Du also nicht gelten… *totlach*. Dann schreib am besten dein eigenes Wörterbuch; schon der Brockhaus von 1998 definierte es nämlich ebenfalls wie oben zitiert und wie es das Englische auch tut.
Wieso muss man hier so auf eine Einschränkung pochen? Scheint wohl die Folgeerscheinung eines gewissen Charaktertyps zu sein.
Nix für Ungut.
Schönes Beispiel für "Wie mache ich mich sprachlich korrekt zum Affen?": "Kennte ich ihn, sagte ich…" – Wende den Konjunktiv richtig an, lasse Hilfsverben aus dem Spiel, und Deine Mitmenschen werden Dir bescheinigen, daß Du noch nicht mal richtig Deutsch kannst… :o)
Herr Jan hat recht.
Nun würde mich noch interessieren, wo denn der Unterschied zum Polyester aus dem 70ern liegt; ferner ob es bei Microfaser eigentlich weitere Differenzierungen gibt und woran man die wiederum erkennt?