BARBARA AND ME
Die Salzburger Nachrichten putzen mich heute runter:
Skeptiker sehen nach den TV-Gerichtsshows einen neuen Tiefpunkt für Justitias Ansehen erreicht. Das Web-Publikum hingegen beklatscht ungewohnte Einblicke in die Paragrafen-Welt: Über den “Weblog” des Düsseldorfer Strafverteidigers Udo Vetter gehen die Meinungen in jedem Fall weit auseinander. …
Vetters Netz-Aktivitäten wecken nicht nur Begeisterung. Manche Kollegen wittern eine für Anwälte verbotene Werbemaßnahme. Ein anderer Besucher des Lawblog wandte sich entsetzt ab: “Jeder unbedarfte Leser begibt sich auf diesen Seiten in die Gefahr, das Undenkbare für normal präsentiert zu bekommen.”
Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Homestory für eins der Blätter, die meine Oma liest. So käme ich wenigstens mal zu einem Kleiderschrank – bevor ich 41 werde.
(Link gefunden bei Juristisches und Sonstiges)
Auf mich wirkt der Bericht eher positiv. Weiter so!
Es gibt ja bekanntlich nur eine schlechte Presse. Keine.
AAAAAAAAAAAAAAARGH.
Der hat meine <a href="http://www.presroi.de/daily/2003/07/20030719.html" rel="nofollow">Satire</a> von damals zitiert und für bahre Münze genommen. Ich glaubs nicht.
"Das Undenkbare für normal präsentiert zu bekommen" – kann mir (oder sich) einer erklären, was damit gemeint ist? Erklärt uns Herr Vetter das Undenkbare? Und wenn ja: Was ist daran gefährlich?
Ach, ich finde, im Gegensatz zu den RTL-und-Konsorten-Gerichtsshows, bekommt man durch SO ein Blog einen Einblick in die Welt der Paragrafenmenschen. Einen netten.
Herr Vetter ist sozusagen das UV-Licht der scheinbar Untouchables.
Den zweiten Absatz “Jeder unbedarfte Leser.. versteh ich nicht.
"Der hat meine Satire von damals zitiert"
Au Backe, jetzt versteh ich. Wie peinlich.
Herr Vetter ist sozusagen das UV-Licht der Welt der scheinbar Untouchables.
… Ein anderer Besucher des Lawblog wandte sich entsetzt ab: "Jeder unbedarfte Leser begibt sich auf diesen Seiten in die Gefahr, das Undenkbare für normal präsentiert zu bekommen."
Das muss ein BILD-Leser gewesen sein, der absolut unbedarft ist und nicht gemerkt hat, in welche Gefahr er sich bei der Lektüre seines Lieblingsblättchens begibt: der totalen Verblödung.
@8: Schlimmer noch, ein Bildblog-Leser :)
Die Salzburger Nachrichten haben, vielleicht zu seinem Glück, ihren Leser bei <a href="http://kadlicz.twoday.net/" rel="nofollow">Juristisches und Sonstiges</a> nicht entdeckt.
@9: lieber bildblog als bild-online :)
Ich weiß aus den Gerichtskreisen, also StA und einige Richter, daß das Blog sehr skeptisch betrachtet wird. Man unterhält sich da auf diversen Tagungen ja schon mal. Bei einigen Richtern hätte Herr Vetter wohl sehr schlechte Karten. Ich habe so lange kein ernsthaftes Problem, wie keine Namen genannt werden, störend empfinde ich manchmal die sehr einseitige Schilderung – der Nichtjurist bekommt von unserer Seite oftmals ein sehr negatives Bild vermittelt, was sonst eher aus der Boulevardpresse bekannt ist.
@ Auch ein junger Richter:
"Bei einigen Richtern hätte Herr Vetter wohl schlechte Karten."
Der Satz aus Ihrem berufenem Munde ist die schärfste Kritik an Richtern, die seit langem im law blog stand.
Das Lawblog ist natürlich nur ein ganz klein wenig besser als die "Andere Ansicht", aber ich lese es ständig und gerne.
Nein, Stop! Ich gebe nur das wieder, was ich durchaus gehört habe. Mir ist das ziemlich egal, was ein RA außerhalb eines Gerichtssaals macht. Aber ich weiß auch, daß es genug Kollegen gibt, die das anders sehen und durchaus Unterschiede machen. Man denke nur daran, wie oftmals die Vergabe von Pflichtverteidigungen abläuft. Ich bin nur der Meinung, daß es manchmal etwas einseitig verläuft. Ich könnte in meiner kurzen Zeit ein eigenes Blog (vielleicht das Richterblog?) über das Verhalten von RA aufmachen.
@17: Gerne!
Gut gelaufen, oder? Vielleicht auch eine öffentlichkeitswirksame, gegenseitige Abmahnkampagne?
@17: Das fände ich äußerst interessant!
"Ich bin nur der Meinung, daß es manchmal etwas einseitig verläuft."
Das scheint mir in der Natur der Sache zu liegen, weil Kollege Vetter Anwalt ist. Warum sollte er sich zur Schilderung seiner Eindrücke in die Position eines Richters versetzen? Ein Anwalt ist Parteivertreter.
Wenn es ein Richterblog gäbe, dann würde dort ja auch nicht aus Anwaltssicht geschrieben werden… :)
@ Auch ein junger Richter:
Das meine ich ja gerade. Sie haben also Kollegen, die eine Prozesspartei oder einen Angeklagten "unterschiedlich" behandeln, bloß weil sie die öffentlichen Äußerungen von deren Anwalt kritisch betrachten?
Ich find's gut, dass mal einer sagt, welche sachfremden Erwägungen bei der Prozessführung (und Urteilsfindung?) eine Rolle spielen können (und unter Richtern offen angesprochen werden).
Meine Erfahrung ist übrigens eine andere. Schlecht weg kommen die Prozessparteien, deren Anwälte sachliche Auseinandersetzungen fürchten und den Richtern lieber in den Allerwertesten kriechen. Das Problem dabei ist, dass es die Anwälte oft selbst noch nicht einmal merken, wie ihre Partei dann abschmiert.
Ein Richterblog wäre grandios.
@ 15 und 17:
Ebenso wie Rechtsanwälte oft über Richter lästern, wettern Richter und Staatsanwälte gerne gegen Rechtsanwälte.
Ist das überraschend?
Neu ist doch nur, dass Herr Vetter seine Gedanken veröffentlicht. Seine Kritik an der Justiz ist recht einseitig (was sie wohl aus seiner Sicht auch sein soll), aber unterhaltsam. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sich ernsthaft über die Beiträge ärgert. Wenn man allerdings allein die Anekdoten des Herrn Vetter betrachtet, könnte der Eindruck vermittelt werden, bei der Justiz arbeiteten hauptsächlich tumbe Gesellen mit schlichtem Gemüt. Dem ist nicht so (was wiederum Herr Vetter auch genau weiß).
Hach, die werte Presse "meiner" Stadt läuft mal wieder zur Hochform auf…
Dass der Atikel offensichtlich auf Herrn Schindler's Satire beruht, dass zeigt erneut die Stärke der SN.
Zuerst: Sachfremde Erwägungen bei der Urteilfindung halte ich für ausgeschlossen. Sachfremde Erwägungen bei der Prozeßführung, also wie man eine Partei behandelt, das denke ich schon. Auch ich kenne Anwälte, die mir im Gerichtsaal ziemlich auf die Nerven gehen. Und auch Sie, Herr Vetter, haben was Richter und StA angeht bestimmt gewisse Präferenzen. Die Kunst ist, sich dann mal zurückzunehmen und durchzuatmen. Das mitd em Allerwertesten kann ich bestätigen. Mir ist ein Anwalt, der sachlich argumentiert allemal lieber. Und ich erlebe in jeder Verhandlung auf Neue, daß ein Anwalt mit guten rechtlichen Argumenten meinen Blickwinkel verändert. Sowas tut gut, da leider genauso oft der Anwalt mit dürftigen Argumenten dasteht.
Das mit dem Richterblog wird nachher mit Kollegen am Kaffeeautomaten besprochen.
Ich wünsche noch eine angenehmen Tag.
"Das mit dem Richterblog wird nachher mit Kollegen am Kaffeeautomaten besprochen."
Ich hoffe auf positive Entscheidung!
Verglichen mit anderen Veröffentlichungen (Gerichts-Shows)über den Justizalltag, ist das lawblog tatsächlich sehr realitätsnah. Und es ist auch sinnvoll, dass Außenstehende dadurch einen Einblick in unseren Beruf bekommen. Allerdings zieht sich durch nahezu alle Einträge eine berufsgeprägte Einseitigkeit. Bei Staatsanwälten und Richtern findet sich sicherlich oft genug auch eine solche Vorprägung. Aber die Verteidigerprägung sollte man beim (sehr unterhaltsamen) Schmökern im lawblog im Hinterkopf behalten.
Die Frage über die verbotene Werbemaßnahme von Anwälten mit Weblogs habe ich mir allerdings auch bereits gestellt. Dass Weblogs Werbefunktion haben können, kann man sicherlich nicht bestreiten. Aber ob sie in der Form wie hier verboten ist? Vielleicht grenzwertig.
Ich finde das Weblog jedenfalls gut. Bin mir selbst aber nicht sicher, ob ich noch nach dem Studium über das Berufsleben als Jurist weiterbloggen würde. Ist ja auch die Frage, ob man nicht manchen Mandanten damit verschreckt. Andererseits glaube ich, dass man mehr Mandanten über den Bekanntheitsgrad eines Blogs gewinnen als verlieren kann.
Das wäre echt super, wenn es ein Richterblog entstehen würde, der uns wahrscheinlich besser in die für uns andere Welt der Rechtsprechung einführen würde. Bittebitte, erstellen Sie einen Richterblog, dann geht die nächste Runde mit ihren Kollegen am Kaffeeautomaten auf mich!
Nachtrag: Wie wäre es eine Gegendarstellung zu fordern – wegen dem letzten Satz, welcher ja aus einer Satire stammt. Das wäre dann ein zweites Mal Presse ;-)
Wenn aber ein Richterblog entsteht, dann bitte "das" Blog schreiben, nicht "der". Mir wird's immer speiübel, wenn ich die sprachlich inkorrekte "der"-Version sehe. Aber wem soll man es verübeln, wenn sogar große Bloganbieter es falsch schreiben? :-/
@29: Eine email an die Redaktion ist bereits heute morgen herausgegangen. Sie war, hystel, grenzwertig emotional.
Also, wenn wir heute Geburtshilfe für das erste Richterblog geleistet haben sollten, ist das schon was.
Ich freue mich dann schon mal auf das erste Bloggertreffen auf neutralem Terrain, notfalls aber auch am Kaffeeautomaten.
Also ich stimme Udo vollinhaltlich zu. Es kommen die Prozessparteien, deren Anwälte sachliche Auseinandersetzungen fürchten und den Richtern lieber in den Allerwertesten kriechen schlecht weg.
Darüber hinaus bekommen Richter auf den Richterakademien sogar beigebracht, wie sie Anwälte zum „Arschkriechen bekommen“. So wird gelehrt, immer den Advocaten auf der Siegerlinie erst einmal Honig um den Bart zu schmieren. Er ist dann freundlich gestimmt und wird daher einem ungünstigen Vergleich bereitwilliger zustimmen. Wer positiv etwas bekommen hat lehnt das nicht mit einer negativen Handlung (Vergleichsablehnung) ab.
Und gerade junge oder unerfahrene Anwälte merken es in der Tat oft selbst nicht, wie ihre Partei dann abschmiert.
Ein Richterblog wäre zweifelsohne ausgezeichnet, um in diese Welt Einblicke zu gewinnen.
Was die Salzburger Nachrichten vielleicht gemeint haben, ist die irritierende Banalität dieses und anderer Anwalts-Blogs. Vermutlich sind sie mit dem Vorurteil an die Sache herangegangen, Anwälte seien immerhin Akademiker und hätten überdies von Berufs wegen tiefere Einsichten in das Wesen der Justiz, über die sie dann Nachdenkliches und Nachdenkenswertes publizierten. Statt dessen findet man banalen Alltagskram,einschließlich banaler Ressentiments gegenüber allen und allem, womit der Anwalt eben beruflich zu tun hat. Nichts Schlimmes also, aber halt auch nicht mit mehr Niveau als Barbara Salesch & Co.
@ 35:
Diese Erwartungshaltung, so sie hinter dem Beitrag der Salzburger Nachrichten gestanden haben sollte, ist aber verfehlt. Das richtige Leben besteht auch in der Justiz, auch für einen Anwalt eben aus genau dem: Banalem Alltagskram. Und es ist auch nicht so, daß es für Außenstehende keinerlei Informationswert hätte. Siehe etwa die beliebten Beiträge zum Thema "wie man sich bei einer Vernehmung nicht verhalten sollte".
Auf jeden Fall: Wenn jemand unverständlichen Wörterkram mit vielen Fußnoten sucht, dann hat er oder sie dafür Fachzeitschriften en masse zur Verfügung.
Zumindest ich vermisse das hier nicht im geringsten.
@21Udo: Herrlich! Dem ist nichts hinzuzufügen!!
Zum Glück lesen Omas (noch) keine Blogs.
Superidee mit dem Richt(er)block(g). Dann fehlen nur noch
- Wir-sind-unterbezahlt-und-keiner-dankt-es-uns-Police-Blog
- Schuldig-sind-sie-alle-StA-Blog
- Ich-bin-ein-Justizirrtum-Jailhouse-Rock-Blog
und alle Seiten sind vertreten.
@ Mathias Schindler:
Grenzwertig emotional ist sicher angemessen. Wurde in dem Schreiben um Antwort und gleichzeitige Einwilligung in die Veröffentlichung derselben gebeten? Wäre interessant wie diese Peinlichkeit gerechtfertigt wird.
@ Auch ein junger Richter:
Da haben Sie nun davon: Jetzt müssen Sie bloggen. Wenn nicht … schaden Sie dem Ansehen Ihres Berufsstandes ;o)
Blogs sind halt nunmal eine Art Tagebücher, in denen der Autor seine Gedanken niederschreibt. Ist das denn so schlimm? Ich denke, in Deutschland hat man zumindest ansatzweise freie Meinungsäußerung?
Was die Homestory angeht, empfehle ich Paul Sahner!
@40: Es kam mittlerweile eine Antwort der SN. Ich habe jetzt darum gebeten, die SN-Antwort veröffentlichen zu dürfen und hoffe, daß man dem zustimmt.
In meiner Zuschrift war Name und Adresse enthalten, eine Bitte um Antwort aber keine explizite Erlaubnis, diese Zuschrift abdrucken zu dürfen. Ich habe dies nachgeholt.
Tja, das kommt davon, wenn man bei google bei "Udo Vetter" noch erstaunlich weit oben steht.
Wie hoch ist denn die Rechnung für die unerlaubte Verwendung dieses Textes ?
So, wie ich das sehe, hat hier niemand unerlaubt Texte verwendet.
Ich hatte während meines Studiums in Wien häufiger Gelegenheit, in die Salzburger Nachrichten zu schauen. Dieses Organ spielt ungefähr in der Liga von Zeitungen, die ich in Deutschland unter Namen wie Werra-Rundschau, Osterholzer Anzeiger oder Delmenhorster Kreisblatt kenne. Negative Bemerkungen in diesem Blättchen bedeuten nichts.
Ein Blog von RA Günter Freiherr von Gravenreuth wäre wahrscheinlich noch interessanter, als eine Gerichtsshow oder das Heise Forum.
Wollen Sie Ihren Kollegen aus München nicht mal anstiften ?
@48: Nun ja, nix gegen GvG – er ist privat ganz umgänglich.
Günni ist schon Wikipedianer :)
GvG ist auch im Gespräch unter Kollegen umgänglich. Ich erinnere mich noch, als ich ihn irgendwann in meiner Referendariatszeit fast umgerannt habe, als er aus unserem Besprechungsraum kam…