30.11.2005

ZWIEBEL

Angloamerikanisch geprägte Unternehmen haben mitunter wenig Verständnis für das deutsche Arbeitsrecht. Das kann man dann auch mal schön instrumentalisieren. Zum Beispiel, wenn die Unternehmensleitung hochoffiziell beklagt, die Personalstruktur entspreche nicht der gewünschten Pyramide, sondern einer Zwiebel.

Die Lösung wird auch gleich vorgestellt. Der Bauch wird weggeschnitten und am Fuß ordentlich aufgestockt. Mit anderen Worten: Die gut bezahlten Mittelalter fliegen raus. Ihre Arbeit machen künftig schlechter bezahlte, unverbrauchte Jungkräfte.

Als Arbeitnehmervertreter kann man sich über solche Statements nur freuen. Da werden die Anwälte der Firma später viel über die korrekte Sozialauswahl schwurbeln können. Glauben wird man es ihnen nicht.

Außerdem ist es strategisch nicht günstig, schon Stellenanzeigen für die jungen Leute zu schalten, wenn die älteren Arbeitnehmer noch gar nicht gekündigt sind.

13 Kommentare zu “ZWIEBEL”

  1. KleinesF meint: (30.11.2005 um 14:15) AntwortenReply to this comment

    Viel Feind, viel Ehr auf der Arbeitnehmerseite. Noch.

  2. Holgi meint: (30.11.2005 um 14:23) AntwortenReply to this comment

    Was die teilweise brachialen Versuche US-amerikanische Unternehmens(un)ethik auf Bundesdeutsches Arbeitsrecht überzustülpen angeht sei nur auf den netten Versuch der Walmartkette ihren deutschen Mitarbeitern Verhaltensvorschriften zu machen, welche in ihrem Herkunftsland möglicherweise notwendig sind, Hier jedoch als Eingriff in die Menschenwürde verstanden werden.
    Der arme Anwalt, der jetzt der US-Konzernleitung erklären muß warum das Arbeitsgericht Wuppertal (AZ: 5 BV 20/05) gegen sie und für den Verfall von Sitte und Moral entschieden hat.

  3. Arnd meint: (30.11.2005 um 14:25) AntwortenReply to this comment

    Der Neoliberalmus schreitet fort und unsere Alibi-Kanzlerin tut so, als würde sie ältere Arbeitnehmer begünstigen und schützen wollen. Beispielhaft ist die Ausweitung der Probezeit auf 2 Jahre. Absoluter Unfug und auch nicht sinnvoll, wenn man wieder mehr Menschen in Arbeit bringen möchte. Dadurch hat der Arbeitgeber den Vorteil die Fluktuation seiner Arbeitnehmer gewaltig in die Höhe zu schiessen.

    In Europa und insbesondere in Deutschland hat die amerikanische Personalpolitik und Gewinnmaximierung Einzug erhalten. Auf gut ausgebildete Mitarbeiter, die sogar noch motiviert langjährige in Unternehmen arbeiten wird kein Wert mehr gelegt. Es ist eher die Ausnahme, dass ein Arbeitgeber/Vorstand darauf Wert legt in Deutschland.

    So ist Deutschland! Und mit dieser neuen Regierung wird es auch nicht besser.

  4. Martin W. Hiegl meint: (30.11.2005 um 15:13) AntwortenReply to this comment

    Mit Runzeln zum Erfolg
    http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/27.11.2005/2196368.asp

    Also soo schlimm ist das mit den amerikanisch geprägten Unternehmen auch wiedre nicht.

  5. Mone meint: (30.11.2005 um 15:22) AntwortenReply to this comment

    Oder wie Günther Oettinger meinte, weniger Kohle ab vierzig ist auch eine Alternative…

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,387544,00.html

  6. Andreas meint: (30.11.2005 um 15:34) AntwortenReply to this comment

    Solange man von der ersten Bewerbung bis zur Einstellung in einem Unternehmen mehrere Monate braucht, ist eine Verringerung des Kündigungsschutzes eigentlich nicht einzusehen. Das läuft dann nämlich auf ein "hire&fire", nur ohne "hire" hinaus. Aktuelles Beispiel mehrerer Kommilitonen:
    - erste Bewerbung an ein Unternehmen geschrieben
    - nach etwa zwei Wochen Einladung zu einem ersten Bewerbungsgespräch. Zeitpunkt: etwa vier Wochen später
    - nach dem ersten Bewerbungsgespräch: zwei Wochen später die Rückmeldung, Einladung zum zweiten Bewerbungsgespräch, Zeitpunkt wiederum drei bis vier Wochen später
    - (das ganze unter Umständen noch ein drittes Mal)
    - anschließend mehrere Wochen für die Ausarbeitung des Arbeitsvertrages, das Durchlaufen der Instanzen (Chefs, Betriebsrat etc.), die gegenseitigen Unterschriften

    Alles in allem um die 15 Wochen, teilweise mehr, also fast 4 Monate. Bis man dann das erste Mal wieder Lohn gezahlt bekommt, vergehen nochmal ein-zwei Monate.
    Mal ehrlich, wer spricht da von Flexibilität?

  7. genevainformation meint: (30.11.2005 um 15:35) AntwortenReply to this comment

    Herr Oettinger geht voran und verzichtet auf 30% seiner Bezüge.
    Oder hatte ich da was falsch verstanden?

  8. Arnd meint: (30.11.2005 um 16:16) AntwortenReply to this comment

    Herr Oettinger sollte am besten für 1 EURO in einer Landesklinik Tüten kleben. Das nenne ich dann im Sinne von Hartz 4 "Fordern und Fördern".

  9. Daniel meint: (30.11.2005 um 16:17) AntwortenReply to this comment

    Ich komme zwar aus Baden-Würrtemberg und sollte deshalb ja meinen "Landesvater" nicht schlecht machen …

    … doch irgendetwas läuft im Musterländle nicht rund:

    Gestern kam im Radio, dass Porsche-chef Wedeking bei einer Preisverleihuhhng für junge Köche an der türe abgeweisen wurde, er würde nicht auf der Gästeliste stehen.
    Er zog wieder ab …
    Die Staatskanzlei hatte wohl eine Terminabsage für eine andere Veranstaltung falsch zugeordne, so dass der Porsche-Chef sich an diesem Abend umsonst in den Smoking war.

    Und jetzt die Aussage über den Gehaltsverzicht der "Alten".

    Unter diesen Umständen schließe ich mich der Forderung von geneva (#7) an.
    Und da ein Großteil der Politiker die 40 und sogar die 50 überschritten hat, wäre diese Diäten-/Einkommensreduzierung ein saftiger Beitrag zur Haushaltssanierung in Bund und Ländern!

  10. Tilman meint: (30.11.2005 um 17:07) AntwortenReply to this comment

    Altersdiskriminierung ist in den USA ein Thema.
    http://dictionary.law.com :
    age discrimination
    n. an employer's unfair treatment of a current or potential employee up to age 70, which is made illegal by the Age Discrimination Unemployment Act, first adopted in 1967. The claimant's problem is proof of age discrimination, but employers should beware. Even flight attendants in their late 30s have proved that there was age discrimination in replacing them with younger, "more attractive" women.
    See also: wrongful termination

  11. Nur mal so meint: (30.11.2005 um 19:09) AntwortenReply to this comment

    Ältere Mitarbeiter generell auszutauschen gegen Jüngere ist kurzsichtig, da wohl jeder im Grunde weiß, dass man nicht ausschließlich und zwangsläufig langsamer wird mit zunehmendem Alter, sondern man über einen größeren Erfahrungsschatz verfügt und daher manches/vieles viel schneller und effektiver erledigen kann. (Da sollte eine Arbeitnehmervertretungen aber ganz schnell das Wort Sozialauswahl in den Mund nehmen !)

    Ebenso kurzsichtig finde ich allerdings, wenn Unternehmen mit hohen Gewinnen Arbeitnehmer "freisetzen"(auch ein Unwort für mich), um noch mehr Gewinne zu machen. Volkswirschaftlich auch etwas kontraproduktiv wie ich finde.

  12. Rudi meint: (30.11.2005 um 21:26) AntwortenReply to this comment

    @11:
    so einfach ist es nicht. Es ist eine alte Mär, daß Unternehmen die MA entlassen ihre Gewinne und Aktienkurse steigern.
    Als um 2000 der Arbeitsmarkt für Fachkräfte sehr gut war, d.h. die Unternehmen haben eingestellt, da waren die Kurse in schwindelerregenden Höhen und nun…

    Ein Unternehmen, das MA entlassen muß, steigert seinen Gewinn und Kurs nur kurzfristig…

    Darüber hinaus sind die meisten Beschäftigten in mittelständischen Unternehmen beschäftigt, die langfristiger Denken und Planen müssen als manche AG es tut…

  13. Netzdino meint: (1.12.2005 um 00:27) AntwortenReply to this comment

    Als alternative Vorgehensweise zur Strategie des Bauchabschneidens hat sich die Strategie "Kopf-ab" als überlegen erwiesen.

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