HÖLLENSTOFFE
Telepolis berichtet, wie Kunden von Versandhändlern ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Und das nur, weil sie legale Chemikalien bestellt haben, die sich in jedem Chemiebaukasten finden. Staatsanwaltschaften sollen hinter den Bestellungen Bombenbastler vermuten und massenweise Ermittlungsverfahren lostreten. Von bis zu 1.700 Hausdurchsuchungen ist die Rede.
(Danke an Tilman Hausherr für den Link)
mhm, wenn das stimmen sollte, scheint da der begriff des anfangsverdachts ja recht weit ausgelegt zu werden. vielleicht sollte man auch bei käufern von schneidwaren durchsuchen (mord oder verabredung eines verbrechens) oder bei käufern internetfähiger computer (kinderpornografie) ….
Wenn man sich nur mit der gleichen Intensität um die kümmern würde, die Komponenten für Atombomben … äh … Atomkraftwerke in's Ausland liefern …
Den Heise-Artikel habe ich heute morgen gelesen – und war entsetzt. "Chemikalien", die ich per Internet bestellen würde, weil es hier in Osnabrück keine ordentlichen Laden mehr gibt, der den Namen Drogerie verdient, lassen doch keinerlei Rückschlüsse auf deren Verwendung zu. Siehe dazu meinen Beitrag unter
http://tinyurl.com/al25n
Für Nicht-Chemiker: Schwarzpulver verbrennt ziemlich ruhig, wenn es nicht "verdämmt" ist. D.h. die Gase, die während der Verbrennung entstehen, können ungehindert entweichen. Stopfe ich das Pulver in ein Gefäß, dass die Entweichung der Verbrennungsgase erschwert und zünde das Zeug an, knallt es, und zwar ziemlich heftig. Während meiner "Sturm- und Drangzeit" habe ich entsprechende Chemikalien (was war das noch? Kalisalpeter, geriebene Holzkohle und …) in passender Dosierung gemixt und mittels Metallrohren "verdämmt" und gezündet. Ein Eisenrohr mit zwei Millimeter Wandstärke hats zerissen. Mit viel Glück habe ich meine zehn Finger, zwei gesunde Augen und Ohren erhalten können …
Wie dem auch sei, was sich die beteiligten Behörden geleistet haben, ist ein Witz und spottet jeder Beschreibung.
@2 Weia, hatte zuerst Komponenten für Autobomben gelesen.
Vielleicht sollten wir präventiv doch noch den Morgenthau-Plan durchziehen, bevor wir uns alle gegenseitig einsperren müssen, entweder als Terroristen nach § 201ff StGB.
Wie istn das, wenn z.B. jetzt in Bayern Polizisten auf Grund eines verfassungswidrigen Gesetzes das nichtöffentlich gesprochene Wort auf Tonträgern aufzeichnen, einen unvermeidbaren Verbotsirrtum können die dann auch nicht beanspruchen, oder?
Traurig, mit welcher Halbbildung und Panikmache durch "Experten" da hunderte Polizei- und Justizbeamte in Arbeit gehalten und Tausende Leute ohne Grund belaestigt werden. Erschreckend, wenn nicht mal an den hoeheren Instanzen sich Leute finden lassen, die dem Richter/Staatsanwalt glaubhaft vermitteln koennen, dass er da einen absoluten Bloedsinn verfolgt. Schade, dass auch diese grossangelegte oeffentliche Blossstellung unserer Justiz nicht ausreichen wird, dass in angemessener Menge in den Gerichten Koepfe rollen.
Man sollte eine Moeglichkeit schaffen, Richter et al abzuwaehlen. Moeglichst, bevor wir vollends unser Gesicht verlieren. Die anderen EU-Staaten lachen eh nur noch ueber uns..
@ 3:
"was war das noch? Kalisalpeter, geriebene Holzkohle und …"
Was gelbes, das beim Erhitzen streng riecht. ;-)
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9508920&forum_id=89744
@7
und wenn es nach beckstein geht, hätte u.v. sich, wenn er deinen eintrag im lawblog lässt, bereits strafbar gemacht. bombenbauanleitung übers internet …..
:-(
@ 7:
Eben nicht. :-)
Die entscheidende Information, ohne die das nicht funktioniert, fehlt nämlich: In welchem Verhältnis Salpeter, Kohlenstoff und das gelbe Zeugs vermischt werden müssen.
Das findet sich allerdings in jedem besseren Chemiebuch.
Aber ich finde doch NaOH-Plätzchen auch im Abflußreiniger. Weia!
jaja, für einen Einser-Juristen ist die ganze Welt ein unhaltbarer Zustand ;-)
Nachdem ich den Artikel auf Telepolis gelesen habe brennt mir doch eine Frage unter den Nägeln, vielleicht kann ja mal ein hier mitlesender Richter aus dem Nähkästchen plaudern:
Was passiert eigentlich mit einem Richter, der eine Durchsuchung aufgrund falscher Behauptungen absegnet? (Ich denke da besonders an den im Artikel erwähnten Fall der Durchsuchung aufgrund der Behauptung, Kupfersulfat und Natriumhydroxid seien erlaubnispflichtig nach §27 Sprengstoffgesetz, was ja definitiv falsch ist.) Immerhin könnte man ja behaupten, er hat seinen Job nicht richtig gemacht. Zum Vergleich: Ich als Ingenieur kenne nicht wenige Kollegen, die wegen fachlicher Fehler, je nach Schweregrad,
a) sich vom Vorgesetzten einen Mordsanschiss abholen durften
b) auf unbedeutende Posten versetzt wurden
c) nicht mehr befördert wurden
oder bei besonders dicken Böcken
d) sich ihre Papiere holen durften
Gibt es ähnliche Sanktionen auch bei Gericht? Oder gelten da andere "Gesetze" und das Schlimmste ist hämisches Tuscheln der Kollegen in der Kantine?
Irgendwie bezweifle ich, dass man gegen solche ignoranten Richter/Staatsanwaelte irgendwas ausrichten kann. Ich nehme an, dass es da auch eine Art Beschwerdeweg geben wird, der aber wohl genau wie Dienstbeschwerden bei allen anderen Behoerden nach einem kopfnickenden "Wir habens zur Kenntnis genommen und werden die noetigen Massnahmen einleiten." in der Rundablage enden duerfte. Eine Kraehe…
Meines Wissens nach ist es ja schon schwer bis unmoeglich, fuer die mit den unberechtigt durchgefuehrten Hausdurchsuchungen etc eine angemessene Entschaedigung zu bekommen. Justizirrtum, auch wenn er flaechendeckend auftritt, ist vom Volke zu erdulden.
Wäre da nicht mal das Prinzip "Widerstand durch Soll-Überfüllung" angesagt?
Ich schätze, so ca. 20000 Selbstanzeigen wegen des Besitzes von Dihydrogenmonoxid in beträchtlichen, vielfach tödlichen Mengen mit deutlichem Hinweis auf im Telepolis-Artikel genannte Fakten dürften doch den einen oder anderen Verantwortlichen zum Nachdenken bringen.
Ist es wirklich noch nicht angekommen?
Wir werden alle überwacht.
Es gibt nur eine goldene Regel:
Bezahle alles bar, meide Video-Überwachte Zentren und
kaufe niemals im Internet ein.
Benutze immer fremde Kraftfahrzeuge, vermeide bundesdeutsche Autobahnen und kaufe dir elektronische Geräte um Überwachungsmaßnahmen vorzubeugen.