4.1.2006

EIN SATZ

Heroinabhängig. Kokainabhängig. Tablettensüchtig. Als Kind jahrelang missbraucht, seit dem 14. Lebensjahr auf dem Strich. Jetzt noch eine HIV-Infektion.

Sie sagt: “Jetzt weiß ich wenigstens, dass es nicht mehr endlos dauert.”

Das ist schon ein Satz. Mit Anfang 20.

58 Kommentare zu “EIN SATZ”

  1. stoffel meint: (4.1.2006 um 13:44) AntwortenReply to this comment

    Bitter und traurig zugleich.

  2. Sunny meint: (4.1.2006 um 14:20) AntwortenReply to this comment

    Und so Schicksale werden für Ihre Suchtkrankheit auch noch bestraft.. :-(

  3. Sebs meint: (4.1.2006 um 14:27) AntwortenReply to this comment

    Das echte Leben.

  4. Knut Karnapp meint: (4.1.2006 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Und so geht es Tausenden.

  5. Solicitor meint: (4.1.2006 um 14:40) AntwortenReply to this comment

    Durch's soziale Netz gefallen. Traurig.

  6. Nils meint: (4.1.2006 um 14:45) AntwortenReply to this comment

    :-(

  7. Tano meint: (4.1.2006 um 14:51) AntwortenReply to this comment

    Wahl- oder Pflichtverteidigung?

  8. tensidpropagnda meint: (4.1.2006 um 15:13) AntwortenReply to this comment

    Zitat Justus bei
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2005/12/23/kindheit-und-drogen/
    "Man kann (als Jurist) aber nicht alles mit Krankheit entschuldigen; ein Arzt sieht das natürgemäß anders. Es gibt auch so etwas wie Lebensführungsschuld; dies gilt für am Ende Alkoholabhängige ebenso wie für Drogenabhängige. Jeder weiß doch, dass der regelmäßige,langfristige Konsum von beidem abhängig macht."

    Wie ist hier die Lebensführungsschuld zu bewerten (bei Schuld impliziere ich einfach mal eine moralische Bewertung). Einen Anwalt braucht Sie bestimmt nicht weil Sie aufgrund Ihrer "Charakterstärke" (woher? oberflächliche Betrachtung) ein nicht mehr endlose Lebensführung anstrebt.

  9. wolfgang meint: (4.1.2006 um 15:20) AntwortenReply to this comment

    Starker Satz, aber ohne Trauer bitte. Gibt genügend andere Schicksale, die mehr Emotionen bei mir wecken, als jemand der sein Leben selbst versaut hat. Zugegebenermaßen ist es recht einfach, in einer welt voller Psychologen alles auf die Umgebung/Erziehung/Verwandschaft/Umstände zu schieben!

  10. tensidpropagnda meint: (4.1.2006 um 15:26) AntwortenReply to this comment

    @ wolfgang in einer Welt voller Beschreibenden Therorien der Psychologie oder voller Psychologen? .-)

  11. mArTiN meint: (4.1.2006 um 15:35) AntwortenReply to this comment

    Jahrelang missbraucht, noch nicht einmal ansatzweise volljährig, aber gleich Experten da, die von "Lebensführungsschuld" (sic!) und "selbst versautem Leben" schwafeln…
    Haben die Experten da über mir selber Kinder? Nur mal so gefragt.

  12. Ben meint: (4.1.2006 um 15:38) AntwortenReply to this comment

    @Wolfgang

    Wer so tut, als hätte die Kindheit keinerlei Auswirkungen, und wer so tut, als ob *alles* die Schuld der Betroffenen selber wäre, der entschuldigt damit in diesem Fall zum Beispiel kinderfickende und -schlagende Eltern.

    Natürlich kann das gegenteilige Extrem auch nicht richtig sein. Es ist aber Bewiesen, dass das Erziehungsumfeld statistisch einfach eindeutig Auswirkungen auf Drogenkarrieren, straffälligkeit usw. hat. Wenn man dann so tut, als gäbe es das alles nicht, und somit solchen Eltern indirekt die Absolution zu erteilt (denn genau darauf läuft es hinaus!), ist das Prinzip auch widerwärtig.

  13. mArTiN meint: (4.1.2006 um 15:39) AntwortenReply to this comment

    Sorry, streiche "noch nicht einmal ansatzweise", ersetze durch "gerade so eben".

  14. tensidpropagnda meint: (4.1.2006 um 16:03) AntwortenReply to this comment

    @mArTiN
    ich glaube unsere Meinungen gehen in die gleiche Richtung.
    In mir drang sich nur der Gedanke (oder Assoziation für die Fremdwortfreunde) auf, das diese beiden Themen eine Verbindung haben. Was ist Lebensführungsschuld für Juristen?
    Manchmal kommt mir die Juristerei ziemlich abgrenzend (schizoid) gegenüber anderen Wissenschaften vor (bei der Psychologie ebenfalls).
    Ausserdem war das nur eine kleine Anfrage/Ansporn gegenüber Justus den Begriff Lebensführungsschuld mal ein bißchen zu umschreiben.
    Hat du den Link und Justus kommentar gelesen?
    Es ging mir um die Verbindung dieser Texte.
    @HerrVetter
    Sollte die beiden Kommentare zu diesen Text In Ihren Blog nicht erwünscht sein weil eine Diskussion entstehen könnte, so löschen diese Bitte, es ist Ihr Blog.

  15. lemming meint: (4.1.2006 um 16:21) AntwortenReply to this comment

    Christiane Felscherenowski?
    Das Buch war gräßlich zu lesen. All diese Verschwendung von Kindern an Perversen. So ein Schicksal wünsch' ich niemandem.

  16. mArTiN meint: (4.1.2006 um 16:26) AntwortenReply to this comment

    @tensidpropagnda
    Dass Du den Begriff (und die damit verbundene, noch zu klärende Definition) "Lebensführungsschuld" an sich für diskussionswürdig hältst, habe ich Deinem Kommentar so nicht entnommen. Nun sehe ich klarer. ;)

  17. Torsten meint: (4.1.2006 um 16:41) AntwortenReply to this comment

    "Verschwendung von Kindern" klingt aber auch etwas pervers…

    Warum reitet ihr auf den beiden Extremen rum? Nicht alles ist schwarz und weiß. Natürlich sind Süchtige an ihrer "Suchtkassiere" (auch ein tolles Wort) mit beteiligt und verantwortlich. Mehr oder weniger.

  18. tensidpropagnda meint: (4.1.2006 um 17:12) AntwortenReply to this comment

    Wir sind hier doch im Extremen Bereich. oder habe ich eine Wahrnehmungsverzerrung?

  19. Rrabbit meint: (4.1.2006 um 17:28) AntwortenReply to this comment

    Kinder sind Kinder, und nicht einfach nur zu klein geratene Erwachsene.

    Thomas

  20. Björn Harste meint: (4.1.2006 um 19:00) AntwortenReply to this comment

    Da läuft's einem ja schon kalt den Rücken runter. :(

  21. Hans meint: (4.1.2006 um 20:09) AntwortenReply to this comment

    Um durch ein soziales Netz fallen zu können muss erst einmal überall ein Netz gespannt sein.

  22. thorben meint: (4.1.2006 um 20:26) AntwortenReply to this comment

    ja sowas ist ganz schon übel und immer wieder überkommt mir bei solchen leuten immer wieder der totale hass, wie kann man einem kleinen kind blos sowas antun… ich kenne selber 2 soclhe schicksale:eine gute freundin von mir ist davon auch betroffen und immer wieder merkt man ihr dies an -.- die andere freundin hat sich mit 16 jahren das leben genommen…:(

  23. sascha meint: (4.1.2006 um 20:30) AntwortenReply to this comment

    Je länger ich über den Satz nachdenke, um so wütender werde ich. Ich kenne zwar nur ein paar Ex-Junkies, Alkohol und/oder Tablettensüchtige, aber deren Kernaussage ist immer: An der Drogensucht ist man immer selbst Schuld. Keiner zwing einen das Zeug zu nehmen. Je länger ich über den Satz nachdenke, so mehr erscheint er mir als eine weitere Flucht.

  24. Nati meint: (4.1.2006 um 20:52) AntwortenReply to this comment

    @ Sascha Wer sich ernsthaft mit den Themen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung beschäftigt hat, weiß, dass solche Erfahrungen die Persönlichkeitsentwicklung schwer schädigen und sich sogar in Form einer mangelhaften Entwicklung bestimmter Gehirnareale nachweislich niederschlagen können. Wenn sie früh beginnnen, lange anhalten und schwer ausgeprägt sind, können solche Erfahrungen eine erfolgreiche Lebensbewältigung für die Betroffenen nahezu unmöglich machen. Dass diese sich dennoch als für ihr Leben verantwortliche Subjekte begreifen möchten, ist natürlich legitim und verständlich.

  25. Rrabbit meint: (4.1.2006 um 20:59) AntwortenReply to this comment

    @Sascha: typischer Bestandteil des forstgesetzten Kindesmissbrauchs ist gerade eben, dass dem Kind eingetrichtert wurde, es sei nichts wert, sei an allem selbst schuld, habe es verdient bestraft zu werden, usw. Dass eine solche Persoenlichkeit sich dann spaeter als an allem moeglichen schuld empfindet, einschliesslich am Missbrauch selbst, ist nicht ungewoehnlich.

    Thomas

  26. Hartmut Nissen meint: (4.1.2006 um 21:14) AntwortenReply to this comment

    Wie soetwas entsteht, kann man hier nachlesen.
    Eine nachdenklich stimmende Lektüre.
    http://www.pralinsche.de.vu

  27. Der Mann vom Gericht meint: (4.1.2006 um 21:25) AntwortenReply to this comment

    "Lebensführungsschuld"? Was für ein grauenhafter Begriff. Ich bin sehr froh, dass ich als Jurist ihn bisher nicht gebraucht habe und hoffentlich auch in Zukunft nicht gebrauchen muss. Der Begriff allein ist schon wertend und wenn es denn darauf ankommt, bevorzuge ich den Begriff der persönlichen Vorwerfbarkeit. Den kann ich juristisch und menschlich deuten und muss nicht von vorneherein jemanden verurteilen, schon gar nicht für sein Leben.

    Nur mal so als Denkanstoß übrigens: Herr Vetter hat mit keinem Wort erwähnt, dass die Mandantin eine "Schuld" von sich gewiesen hätte. Er hat ihre grobe Lebensgeschichte erwähnt und eben diesen einen erschütternden Satz. Mit moralischen Schuldzuweisungen (an die Eltern, die Gesellschaft als Ganzes etc.) hatte der aber eher nichts zu tun.

  28. Eduard Zimmermann meint: (4.1.2006 um 22:30) AntwortenReply to this comment

    Ach Gott, das ist ja alles wirklich furchtbar traurig. Aber was springt denn jetzt für Dich dabei raus?

  29. Denkstelle meint: (4.1.2006 um 23:21) AntwortenReply to this comment

    Man kann als Kind Glück haben und die schönste Zeit des Lebens als ebensolche erleben. Oder man hat Pech. Beides hängt einem ewig an …

  30. tensidpropagnda meint: (5.1.2006 um 00:08) AntwortenReply to this comment

    @Der Mann vom Gericht
    In diesen Beitrag ging es auch nicht um Schuld sondern um die Drogen (siehe Kommentar von Justus bei diesem Text –>
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2005/12/23/kindheit-und-drogen/
    Ich konnte es mir nicht verkneifen darauf zu verweisen, es passte wie die Faust aufs Auge.
    Ich weiss nicht was dieser Begriff bedeutet und bin auch nicht durch googeln schlauer geworden (das kann aber auch eigene Blödheit sein).

  31. padeluun meint: (5.1.2006 um 00:28) AntwortenReply to this comment

    Es wird Zeit, das BTM reformieren oder abzuschaffen und eine *kontrollierte* Freigabe von Heroin anzugehen, damit Süchtigen geholfen werden kann (ohne dass sich Helfer in Gefahr begeben, kriminalisiert zu werden).

  32. Fangabar meint: (5.1.2006 um 01:34) AntwortenReply to this comment

    Wenn ich das so lese, abgesehen von kalten Schauer, der mit den Rücken runterfährt. Bin ich schon froh, nur mit Computer zu arbeiten. In solchen Fällen beneide ich keinen.

    :-(

    Fangabar

  33. Jörg meint: (5.1.2006 um 05:19) AntwortenReply to this comment

    Ich bin im medizinischen Umfeld tätig und wenn ich ein so einfach hingeworfenes "Lebensführungsschuld" lese, dann bin ich froh, dass Ärzte keine Juristen sind.

  34. Johanna meint: (5.1.2006 um 08:49) AntwortenReply to this comment

    @sascha

    … deren Kernaussage ist immer: An der Drogensucht ist man immer selbst Schuld. Keiner zwing einen das Zeug zu nehmen. …

    @all

    Lebensführungsschuld

    In der Jugend hat man kaum eine Chance, so einem Problem auszuweichen (vor allem psychisch). Was man im Alter weiss ist einfach nicht da – und es ist nicht ok, wenn man andere für das verurteilt, was einem selbst passiert ist oder hätte ganz leicht passieren können.

    Viele Erwachsene verdrängen, was sie selbst in der Jugend getan haben und verleugnen das hohe Risiko, das sie eingingen.

    Doch wer dann eigennützig (dem kritisierten "Leidenden" nützt das gar nichts) Moral predigt, hat meist seine eigenen Jugenprobleme noch nicht ganz verarbeitet.

    Werde ich aber mit meinen Problemen nicht fertig und quasi "rückfällig", bin ich selbst schuld, obwohl ich es nicht besser weiss?

    In unserer Gesellschaft, in der die Zahl der Süchtigen und Depressiven ständig steigt, ist es wohl eher so, dass mit dem Begriff "Lebensführungsschuld" die moralische Verplichtung aller auf den Einzelnen abgewälzt wird, um das Gewissen zu erleichtern.

    Johanna

    PS: Gerade Ex-Junkies, Alkohol und/oder Tablettensüchtige reden sich selbst in ihrer Abstinenzphase ein, dass die Gesellschaft es ihnen schwer macht und sie selbst ein "sehr dünnes Fell haben", jedoch sind sie selbst ein Teil dieser Gesellschaft und sollten es nicht anderen, noch schwächeren Mitgliedern, ihrerseits unnötig schwer machen.

  35. Axel Eble meint: (5.1.2006 um 09:58) AntwortenReply to this comment

    @22: daß das nie so war, ist ja nun nichts neues. Daß aus der Existenz eines löchrigen Netzes aber manchmal geschlossen wird, daß man keine Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen braucht ist genauso falsch. Eine Rundumversorgung durch den Staat gab es nie und wird es auch nie geben. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortung kann man von jedem Menschen erwarten.

    Nur zur Klarstellung: mein Kommentar ist nicht auf den hiesigen Fall bezogen.

  36. Torsten meint: (5.1.2006 um 10:12) AntwortenReply to this comment

    Ein Missverständnis: In solchen Fällen hilft kaum ein abstraktes "soziales Netz", höchstens ein ganz konkretes soziales Umfeld.

  37. Der Mann vom Gericht meint: (5.1.2006 um 11:15) AntwortenReply to this comment

    @tensidpropaganda

    Ich hatte schon richtig verstanden, wie Sie das gemeint haben. Ich habe es jedenfalls nicht so verstanden, als hätten Sie der Mandantin von Herrn Vetter eine "Lebensführungsschuld" zuweisen sollen. Ich war nur überrascht, welchen Raum die Diskussion darüber auf einmal hier einnahm.

    Es ist natürlich sehr leicht, hier mit einem "selbst schuld" mit den Achseln zu zucken (ich habe Ihren Beitrag zu 8. allerdings ausdrücklich nicht so empfunden!). Das empfand ich hier teilweise als etwas selbstgerecht. Natürlich ist jeder Mensch auch selbst für sein Leben verantwortlich. Aber niemand wächst eben ohne Einflüsse auf; man nimmt aich immer etwas aus einen Erfahrungen mit, seien sie positiver oder negativer Natur.

    In meiner beruflichen Tätigkeit (ja, ich bin einer der ier vielgescholtenen Richter) habe ich viel mit Drogenabhängigen zu tun – kaum einer davon ist aus dekadenter Langeweile drogenabhängig geworden. Bei dem meisten steckt eine Geschichte dahinter, die zwar nicht so heftig ist die wie der Mandantin von Herrn Vetter, aber in der häufig verpasste und nie gehabte Chancen eine erhebliche Rolle spielen. Wenn man aber immer wieder auf ähnliche Werdegänge bei Drogenabhängigen stößt, neigt man schon zu dem Schluss, dass die Lebensumstände einen erheblichen Einfluss auf Abhängigkeiten haben.

  38. marcc meint: (5.1.2006 um 12:06) AntwortenReply to this comment

    Wer meint es wäre mitDorogen doch so einfach es mal zu lassen, der soll an die "Schluss mit Rauchen"-Versuche am eigenen Leib oder im Freundes- und Verwandtenkreis denken. Oder an die ein- oder anderen Magersüchtigen in seinem Umfeld.

    Und wenn es bei Drogensucht so einfach wäre. Die Krux zeigt sich doch schon im Wort: SUCHT. Wenn man so leicht davon wegkäme wie manche glauben, dann hieße es doch anders, oder?

    Disclaimer, damit mir nicht gleich linkes Gutmenschentum unterstellt wird: Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich und sollte Konsequenzen aus seinem Handeln tragen. Ist halt nur nicht immer so einfach.

  39. Marty meint: (5.1.2006 um 18:08) AntwortenReply to this comment

    Sorry Leute, aber eure argumentation über Schuld an diesem Leben des Mädels ist aber sowas von Falsch. Richtig wäre sie, wenn die vielleicht 30 und älter wäre. Aber die war mit 14 schon auf dem Strich (bedenkt das die spießigen ü40 die Hauptkunden sind), woher sollte die denn wissen was ihr Leben ist. Heisst doch das bestimmt paar Jahre früher mit Drogen angefangen incl. den Legalen. Habt ihr da schon immer gewusst was richtig und falsch ist. Das Mädchen ist geprägt von einer bestimmten Gesellschaft in unserem Sozialsystem. Das ist nicht vom Himmel gefallen. Oder gibs dafür ein Gendefekt? Das wäre doch alles dann schön einfach. Der Bürger kann schön die Hände falten und sagen das er nichts damit zutun hat. Aber Falsch, auch das Mädel ist ein Ergebnis unserer Gesellschaft. Bei Kinder/Jugendlichen ist, wenn keine psychische Behinderung von Geburt vorliegt, das Elternhaus, Schule und soziale Umfeld *Schuld* denn deren Aufgabe ist nunmal das Kind zu erziehen, die Grenzen aufzuzeigen, in die richtigen Bahnen zu lenken, usw.

  40. Andrea meint: (5.1.2006 um 18:55) AntwortenReply to this comment

    Ich bin 21 und wenn ich mir überlege, dass andere in meinem Alter so ein Schicksal habe…das macht mich sehr betroffen.
    Ich habe Glück mit meienr Familie. Eine bessere könnte ich mir nicht wünschen. Ich lebe Gewaltfrei in meiner Familie und wurde immer unterstützt.
    Dieses Mädchen hatte nicht das Glück und ich darf mal sagen, dass die Drogenabhängigkeit nicht ihre Schuld ist. Wenn sie missbraucht wurde…was will man dann erwarte? Da ist der Einstig zu Drogen leichter, als Verdrängungsmittel. Und wenn sich dann niemand drumgekümmert hat (Amt, Verwandte), dann ist es kein Wunder, dass sie so "endet".
    Es klingt vielleicht gemein, aber da ist ihr Satz vielleicht wirklich nicht schlecht. Dann muß sie sich nicht mehr quälen.

  41. MFL meint: (5.1.2006 um 19:59) AntwortenReply to this comment

    wie geht es mit dieser Welt weiter? zuende?

  42. Ansichtssache meint: (5.1.2006 um 20:36) AntwortenReply to this comment

    Mit ihrem Hintergrund ist die Lebensführung normal und das Ausbrechen aus dieser ein Sonderverhalten. Man kann ihre Normalität dann leicht als Fehlverhalten deuten, wenn man anders aufgewachsen ist, wenn ihr Weg ein Sonderverhalten darstellt und ihr Sonderverhalten Normalität. Im Grunde lassen sich diese Beispiele doch fortführen. Etwa unsere als normal und rechtens empfundene Ausbeutung in diesem kapitalistischen System. Ja, das die Menschen künstlich in Armut gehalten werden. Schon sehr krank, sehr bedauernswert.

  43. Andreas Dittes meint: (6.1.2006 um 00:24) AntwortenReply to this comment

    @MFL: früher oder später.
    @ansichtssache: im prinzip stimme ich zu, jedoch darf man ein kumulatives 'schicksal' nicht mit einem privaten vergleichen. andererseits berühren uns einzelschicksale wiederum mehr, als ein 'ständiges elend': welche zeitung berichtet täglich darüber, dass zig kinder in afrika an unterernährung sterben? da ist der blechschaden, der irgendwo auf deutschen autobahnen entstand doch viel wichtiger…

    @MFL: …eher früher als später! ^^

  44. Justus meint: (6.1.2006 um 14:22) AntwortenReply to this comment

    @ 8 tensidpropagnda

    Deine Belehrungen (be)treffen mich nicht:

    Ich bin – während des 2. Weltkriegs auf der Flucht vor den Russen geboren – als Kind nach eigener Wahrnehmung zumindest zwischen 8-10 Jahre von meiner Mutter schwerst mißhandelt worden und habe mir immer geschworen, meine Kinder niemals anzufassen; meine Zwillinge (aus 2. Ehe) sind jetzt 12 Jahre alt und wurden von mir gleichwohl niemals geschlagen, haben nicht einmal ein Ohrfeige jemals bekommen. Die Lehrer bestätigen meinen Kindern gleichwohl regelmäßig große soziale Kompetenz, wie das neuerdings heißt.Selbst habe ich niemals Alkohol- noch Drogenprobleme gehabt, bin auch nicht straffällig geworden, habe vielmehr meine jur. Staatsexamina in kürzester Zeit mit Prädikat bestanden. Man kann also trotz schwerer Kindheit sein Leben und das anderer positiv gestalten; es ist nicht alles schicksalhaft!

    @ 11 mArTiN

    Meine bei @ 8 tensidpropagnda zitierte Äußerung betraf einen anderen Sachverhalt; dies hat @ 8 vergessen zu erwähnen!Im übrigen empfinde ich die Äußerungen von "tensidpropagnda" als ziemlich selbstgerecht.

  45. andrea meint: (6.1.2006 um 18:59) AntwortenReply to this comment

    bei einem solchem fall von etwas wir "lebensführungschuld" zu schreiben oder auch nur dran zu denken, empfinde ich nur als sehr zynisch und muss für das mädchen als extrem abwertend empfunden werden. ich kann verstehen, dass an ihrer stelle der tod als erlösung empfunden wird und das sie (ich denke mal) keine lust und kraft mehr hat um ein leben zu kämpfen in dem sie bislang kaum gutes erfahren hat.
    ich will jetzt keine weitere diskussion anstiften, aber in unserer gesellschaft wird der tod als eines der schlimmsten dinge empfunden die einem passieren können. aber "für den gut vorbereiteten geist ist der tod nur der nächste schritt" (oder so ähnlich; zitat aus Harry potter ;)). vielleicht habe ich aber auch zu viel abstand zum thema um gut darüber urteilen zu können. für angehörige ist der tod eines geliebten menschen sicherlich nicht nur "ein nächster schritt". Ich hatte zum glück auch noch keine todesfälle direkt mitzuerleben und bin (da selber noch "jugendlich") auch noch weit unter der durchschnittlichen lebenserwartung.

  46. kelef meint: (6.1.2006 um 22:31) AntwortenReply to this comment

    geht ja wieder heiss her hier.

    einigen der kommentierenden personen möchte ich daher gerne noch ein paar weitere denkanstösse geben:

    eine aus welchen gründen auch immer grausame kindheit zerstört und verändert sehr viel von der psyche des betroffenen kindes.

    sucht ist eine krankheit. welche sucht auch immer. viel davon geschieht über chemische rezeptoren im gehirn, auf die wir keinen einfluss haben. manche personen sind suchtgefährdet, manche nicht. das kann sich keiner aussuchen. viele von uns haben nur das glück, mit dem, worauf sie süchtig würden, nicht in berührung zu kommen.

    keiner kommt zum dealer und sagt: "ich will bitte heroinabhängig werden", sondern es kommt der dealer zum kunden und sagt: "da hast du was umsonst, versuch mal, ein paar mal macht sicher nicht süchtig".

    besonders klugen, denen, die meinen man könne durch blossen willen aufhören mit drogen, kann ich folgendes empfehlen: nehmen sie sich doch bitte ein paar wochen urlaub, dann holen sie sich so ein strassenkind nach hause, und dann machen sie mal so einen kalten entzug mit. anschliessend holen sie im eilverfahren mit dem kind die schule, die sozialisierung, die erziehung, die gewinnung eines freundeskreises, sport, kultur, etc., nach, im eilverfahren. vergessen sie nicht, das kind braucht regelmässige psychiatrische hilfe. vergessen sie auch nicht, dass sie das kind quasi keine sekunde aus den augen lassen dürfen, weil dealer, zuhälter etc. auf der suche nach der gewohnten kundschaft nicht so leicht aufgeben werden. ist alles ganz einfach. sie dürfen dann berichten.

    ach, und übrigens: 14jährige prostituierte gibt es nur, weil es kunden für 14jährige prostituierte gibt.

    viele von uns leben in einer sehr heilen welt, auch wenn sie manchmal nur vermeintlich heil ist. das ist wohl auch der grund, warum offensichtlich so wenige das erschreckende dieses einen, kurzen satzes erkannt haben. es kann aber jeder mal nachsehen gehen, wie die welt dort draussen wirklich ist. "dort draussen" ist übrigens gleich vor der haustür.

  47. Anonymous meint: (7.1.2006 um 02:44) AntwortenReply to this comment

    Nun hab' ich ein Jurastudium hinter mir und lese diese Site gerne. Es ist nun nicht das erste mal, daß hier von "Lebensfühungsschuld" geschrieben wird.

    Liebe Juristen in diesem Blog, in welchem Lehrbuch wird diese "Schuld" unter diesem Begriff verwendet?

    Ich habe dieses Wort noch in keinem Buch gelesen, vielleicht lese ich die falschen Bücher…..

  48. Justus meint: (7.1.2006 um 15:55) AntwortenReply to this comment

    @ 48 Anonymous

    Wenn du das Jurastudium hinter dir hast, solltest du eigentlich wissen, dass es im StGB eine Strafbestimmung gibt, die sachverhaltsmäßig ein konkretes Beispiel für "Lebensführungsschuld" beschreibt:

    Die Rauschtat gemäß § 323 a StGB vergl. :

    http://www.ratgeberrecht.de/worte/rw02688.html

    Du liest offenbar die falschen Bücher.

  49. Justus meint: (7.1.2006 um 16:31) AntwortenReply to this comment

    @ 46 Andrea

    Offenbar hast du meine Beiträge nicht richtig gelesen, sonst würdest du nicht indirekt behaupten, ich hätte in diesem Fall von Lebensführungsschuld gesprochen; in diese Ecke versucht mich "@ 8 tensidpropagnda" seit geraumer Zeit zu stellen. Ich habe mir allerdings erlaubt darauf hinzuweisen, dass man nicht alles mit schwerer Kindheit entschuldigen darf.

    Jeder Fall liegt anders, ist individuell zu prüfen und zu entscheiden.

    Millionen von Menschen in Deutschland (die zum Teil heute noch leben) sind beispielsweise während des 2.Weltkrieges schwer traumatisiert worden (Soldaten, vergewaltigte Frauen,Betroffene des Bombenkrieges, Überlebende des Holocaust, Waisenkinder u.a.) und haben es ganz überwiegen geschafft,danach ein "normales" Leben zu führen, will sagen : ohne Alkoholsucht, Drogensucht, Straftaten etc.

    Umgekehrt ist festzustellen, dass Täter aber auch Opfer vieler schwerer Straftaten, insbesondere im Bereich sexueller Straftaten,Auffälligkeiten wie Alkoholsucht, Drogensucht, Gewaltkriminalität aufweisen. Wie ich zuvor aber anhand der Traumatisierten des 2. Weltkrieges versucht habe deutlich zu machen, gilt aber nicht automatisch der Umkehrschluss wie etwas Schicksalhaftes und Zwangsläufiges.

    Ich kann das Gesülze nicht mehr hören, wenn immer wieder entschuldigend darauf hingewiesen wird, dass einer/eine, der/die eine schwere Straftat begangen hat, aber leider eine schwere Kindheit verlebt habe. Feststellungen hierüber werden vielleicht Auswirkungen auf das Strafmass bzw. zum Ausmass der eigenen Schuld haben, es bleibt aber zunächst beim Grundsatz, dass jeder erst einmal für seine Lebensführung und deren Folgen selbst einzustehen hat, wenn er/sie schuldfähig ist.

    Es wird immer wieder, auch in den obigen Beiträgen übersehen bzw. drüber hinweg argumentiert, dass die Sucht, ob Alkohol oder Drogen, am Ende einer Entwicklung steht. Wenn man süchtig ist, ist man sicher krank geworden. Fragt sich nur in jedem Einzelfall gesondert, wie es dazu gekommen ist.

  50. Anonymous meint: (7.1.2006 um 19:15) AntwortenReply to this comment

    @ 50: Justus

    Hm, § 323a StGB gibt ein Beispiel für "Lebensführungsschuld"?

    Sehe ich anders, denn unter Strafe gestellt ist eine konkrete Berauschung mit anschließender Straftat, wobei hier die "Lebensführung" wohl kaum Anknüpfungspunkt für die Strafandrohung ist.

    Insoweit spricht gegen Deine These auch, daß eben ein durch "Lebensführung" Schuldunfähiger, wie z.B. ein Drogensüchtiger oder ein chronischer Alkoholiker die Tat nicht begehen kann, wenn sich die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit schon auf die Berauschung erstreckt (vgl. T/F, Rn 3b).

    Es bleibe also dabei: "Lebensführungschuld" ist kein juristischer Begriff, jedenfalls kein zeitgemäßer.

  51. Tano meint: (7.1.2006 um 19:48) AntwortenReply to this comment

    @ Anonymus

    Roxin, Strafrecht AT, Band 1, § 6 Rn. 9 ff. (2. Aufl.)

  52. Justus meint: (8.1.2006 um 13:07) AntwortenReply to this comment

    @ 52 Anonymus

    Der Begriff der Lebensführungsschuld wird vom BGHSt in ständiger Rechtsprechung wie folgt gesehen:

    Die Art der Lebensführung darf nachteilig berücksichtigt werden, wenn sie selbst in einem Zusammenhang mit einer Straftat steht, wobei der Zusammenhang Rückschlüsse auf eine höhere Tatschuld zulassen muss.

    http://www.recht.com/heymanns/start.xav?bk=heymanns_bgh_ed_bghrst&startbk=heymanns_bgh_ed_bghrst&start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D'StGB%2F46%2F2%2FVorleben_9'%5D

    Mag sein, dass du das für unzeitgemäss hälst, es ist aber geltendes Recht.

  53. Karsten meint: (27.5.2006 um 16:32) AntwortenReply to this comment

    Hallo,

    ein Alkoholsüchtiger kann nichts für seine Krankheit.
    Auch wenn Menschen, wie eben Richter dieser Meinung sind, ist es nur eine Meinung auf dem Grundgesetz aufgebaut, was bei einer neuen Gesellschaftsordnung schon keinen Bestand mehr hat.

    Eine Krankheit, wie die Suchtkrankheit wird es immer geben. Es geht nicht um Schuld, nur weil ein Richter so sieht, es geht um den Menschen.

    Karsten

  54. Justice for All meint: (24.5.2007 um 19:02) AntwortenReply to this comment

    Der Versuch der Droge zu entsagen wird von 90% der Bevölkerung mit kollektiver Repression, Stigmatisierung, Diskriminierung, Demoralisierung und Igoranz abgestraft. Bei Entzugserscheinungen stehen dem Normalbürger die Haare zu Berge. "Alle gegen Einen" lautet das Motto. Immer feste druff. Der Mopp kann sich ruhigen gewissens hinter der Akzeptanz der breiten Masse verstecken und kräftig draufhauen. Was bleibt dem Süchtigen da noch übirg ? Richtig, er kann sich weiter selbst zerstören um in der uniformisierten Gesellschaft nicht aufzufallen. Bis es irgendwann zu spät ist und der Tod an die Haustür klopft.

    Diskriminiert und Asozialisiert.

    The End of the Game.

    Ein Stück Scheisse hat wohl mehr an Würde als ein Drogenabhängiger.

    Schuld ?!

    Kann ein 16 jähriger schuld an seiner Abhängigkeit haben ? Das will mir hier doch keiner wirklich verkaufen oder ? Glaubt hier jemand wirklich das einer aus "Fun" schwerst abhängig wird ? Seelische Not ist das was in die Abhängigkeit führt. Ein psychischer Druck, der die Realität unerträglich werden lässt. Wenn du einmal in dem Rad drin steckst, ist es unter jetzigen gesellschaftlichen Umständen schon vorbei.

    "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg."

    "Man ist allein in der Welt."

    "Er muß erst am Boden sein."

    Das sind allesamt Vorurteile die asoziales Verhalten gegenüber kranken Menschen rechtfertigen sollen.

    Meiner Meinung nach handelt es sich bei schwerst Abhängigen meist um traumatisierte Kinder, die aufgrund von Überforderung, Gewalt, Mißhandlung in jungen Jahren von dominanten Elternteilen in die Opferrolle gepresst wurden.
    Eine Opferrolle die lebensbestimmend wird.

    Drogenabhängigkeit ist für mich deshalb das Symptom falscher Erziehung, die Folge einer unterdrückten Persönlichkeit, aber auch eine neurologisch bedingte Gehirnerkrankung, die aufgrund gesellschaftlicher Voruteile in vielen Fällen zum Tod führen kann.
    Das sollte mal zum Nachdenken anregen! Menschenleben sind der Preis der Ignoranz. Menschenleben und soziales Elend. Wenn ich sehe mit welcher Arroganz und Überheblichkeit sich so mancher Anzugträger über gestrandete Abhängige lusitg macht, überkommt mich das Kotzen.
    Politik und Masenmedien sind aufgefordert dieses verzerrte Bild von Abhängigen für das sie mitverantwortlich sind geradezurücken. Kein Mensch braucht systemschädigende Opfer die wir selbst produzieren. Dazu muß jeder einzelne die Augen öffnen und begreifen das es kein SCHWARZ WEISS gibt, kein GUT und BÖSE. Es kann jeden treffen. Wir alle tragen deshalb Verantwortung und sind aufgefordert allen Menschen den gleichen Respekt zukommen zu lassen.

  55. Welcome meint: (5.7.2007 um 21:36) AntwortenReply to this comment

    Ich nehme deinen Blog mit zu mir rein! Grüße aus FFM

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