15.2.2006

SCHWARZ – UND BESCHULDIGT

Ich finde es etwas peinlich, wenn einem Vernehmungsbeamten fürs Protokoll und einige Vermerke keine andere Bezeichnung einfällt als “der beschuldigte Schwarzafrikaner”.

Will man uns damit etwas mitteilen? Oder drückt es nur eine gewisse Verblüffung, womöglich auch etwas Unmut über den Umstand aus, dass der Betroffene gleich zu Anfang der Vernehmung einen deutschen Personalausweis vorlegen konnte?

35 Kommentare zu “SCHWARZ – UND BESCHULDIGT”

  1. mark meint: (15.2.2006 um 17:24) AntwortenReply to this comment

    "der beschuldige Weißdeutsche"…das klänge schon komisch…

  2. mark meint: (15.2.2006 um 17:24) AntwortenReply to this comment

    +t

  3. Spongebob meint: (15.2.2006 um 17:32) AntwortenReply to this comment

    Aber der beschuldigte Weißrusse geht.

  4. Björn Harste meint: (15.2.2006 um 17:36) AntwortenReply to this comment

    "der Beschuldigte" hätte es auch getan.

  5. RKS meint: (15.2.2006 um 17:37) AntwortenReply to this comment

    In Vermerken der Polizei ist auch häufig zu lesen: "Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen Angehörigen einer mobilen ethnischen Minderheit".

  6. n.n. meint: (15.2.2006 um 17:43) AntwortenReply to this comment

    hat der mann denn keinen namen, den der herr in grün aus dem bpa hätte entnehmen können!? vor einen solchen namen hätte man dann doch ein "herr" setzen können …

  7. Alix meint: (15.2.2006 um 17:50) AntwortenReply to this comment

    Für diese Sorte Beamte gibt es hier einen Spitznamen: 'Stiesel'
    http://tinyurl.com/d7uo5

  8. Justus meint: (15.2.2006 um 17:55) AntwortenReply to this comment

    Auch unter dem Aspekt, dass Deutschland, für Polizeibeamte erkennbar, nicht in Schwarzafrika liegt, ist die Bezeichnung "Schwarzafrikaner" für einen "Deutschen" denkbar unpassend.

  9. Bernd meint: (15.2.2006 um 18:13) AntwortenReply to this comment

    Der Begriff „Schwarzafrikaner“ bzw. „Schwarzafrikanerin“ wird heute im deutschsprachigen Raum fast ausschliesslich von Medien sowie von Politikerinnen und Politikern verwendet um dunkelhäutige Menschen oft in einem stigmatisierenden Zusammenhang von Drogenkriminalität und Asylmissbrauch …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mohr
    http://de.wikipedia.org/wiki/Neger
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzafrikaner
    http://de.wikipedia.org/wiki/Afrodeutsche

  10. chakamoto meint: (15.2.2006 um 18:51) AntwortenReply to this comment

    Unpassend! Schließe mich dem Shopblogger an. Weniger ist oft mehr!

  11. Herr Meier aus der Buchhaltung meint: (15.2.2006 um 18:51) AntwortenReply to this comment

    Wie wird das denn allgemin mit der ethnischen Herkunft gehandhabt? Gibt es Afrikaner und Schwarzafrikaner, oder auch Weißafrikaner? Wie heißt eine Person mit japanischen Vorfahren, die aber auf dem afrikanischen Kontinent geboren wurde und nur die Staatsbürgerschaft eines afrikanischen Staates hat? Gelbafrikaner? Und gibt es auch den Schwarzspanier?

    *kopfschüttel*

  12. RA F meint: (15.2.2006 um 18:57) AntwortenReply to this comment

    Bei uns werden alle Straftaten auch nicht von Türken, sondern von Männern "südländischer Herkunft" verübt….so jedenfalls immer die Zeugenbeschreibungen laut Polizeibericht. Honi soit…

  13. Q meint: (15.2.2006 um 19:16) AntwortenReply to this comment

    wurde der "beschuldigte Schwarzafrikaner" von einem "deutsch-tümelnden Tintenpisser" vernommen?

  14. Florian meint: (15.2.2006 um 19:22) AntwortenReply to this comment

    also wenn ich mich richtig erinnere, dann wurde mir im Gymnasium im Georgraphieunterricht der Begriff "Schwarzafrika" als korrekte Bezeichnung für das Afrika südlich der Sahara beigebracht – und zwar ohne irgendeinen politisch unkorrekten Zungenschlag.

    Unabhängig davon:
    "Der Beschuldigte" hätte wahrlich genügt.

  15. Andre Heinrichs meint: (15.2.2006 um 19:29) AntwortenReply to this comment

    Mir geistert da gerade ein Bild durch's Hirn. Ein Bulle^W Clown^W Polizeibeamter, der zu Protokoll gibt "Der da *Fingerzeig*" Irgendwie finde ich das gerade mal lustig. Ja, ich bin komisch.

  16. M. meint: (15.2.2006 um 19:34) AntwortenReply to this comment

    @15: Kennst Du den Kurzfilm "Schwarzfahrer"? Daraus: "Der Neger hat meine Fahrkarte gefressen!" Genial!

    Grüße,
    M.

  17. skugga meint: (15.2.2006 um 19:42) AntwortenReply to this comment

    #16: Einer der besten antirassistischen Spots ever!

  18. [idkfa] meint: (15.2.2006 um 19:53) AntwortenReply to this comment

    Ja, der ist lustig :)

  19. Andre Heinrichs meint: (15.2.2006 um 20:05) AntwortenReply to this comment

    @16: Ich kann mich zwar gerade nicht bildlich daran erinnern, aber ich glaube, ich kenne den Spot. Und ich schließe mich einfach mal [idkfa]@18 an. :-)

  20. Solicitor meint: (15.2.2006 um 20:25) AntwortenReply to this comment

    Also, auch wenn 'Schwarzafrikaner' in diesem Fall und auch grundsaetzlich unpassend ist, so tendieren die Deutschen generell bei Beschreibungen der Nationalitaet/Rasse/Abstammung zu schnell auszuticken.

  21. M. meint: (15.2.2006 um 20:31) AntwortenReply to this comment

    @20: wir Deutschen haben halt zuviele schlechte Erfahrungen mit Leuten, die Nationalitaet/Rasse/Abstammung allzuviel Bedeutung beimessen.

    Grüße,
    M.

  22. monochromer meint: (15.2.2006 um 21:00) AntwortenReply to this comment

    Ich bitte um mehr Verständnis für die unteren Bildungsschichten. Von der Hauptschule bis RTL2 wird eben die direkte Aussprache praktiziert.

  23. Hootch meint: (15.2.2006 um 21:24) AntwortenReply to this comment

    Da gibts auch noch ganz andere Wortkreationen, die sich einige Beamte einfallen lassen. In irgend einer Zeitschrift hab ich mal einen Ausschnitt aus einem Protokoll gelesen (es ging um eine Abschiebung): "… Der Schübling ist anwesend…".
    Mannomann, Jeder Mensch hat doch einen Namen! Es wäre doch am einfachsten, wenn….. aber lassen wir das, hier renne ich doch nur offene Türen ein.

    Grüße!!

  24. VolkerK meint: (16.2.2006 um 08:47) AntwortenReply to this comment

    @1: Weissdeutsch klingt komisch, aber hätte der Cop von einem Dunkeldeutschen gesprochen hätte ich gleich an die Gegend um Dresden gedacht. Ist echt witzig, wenn vom "ersten türkischen Bundestagsabgeordneten" gesprochen wird, der Cem Özdemir heisst und – wie alle Abgeordneten – Deutscher ist.

  25. Florian meint: (16.2.2006 um 09:30) AntwortenReply to this comment

    Würd mal eher sagen, daß dieser Ausdruck eher als "schon wieder einer" zu werten ist.
    Immerhin spiegelt das Klientel der Polizeibeamten nicht unbedingt den Ethischen Schnitt der Gesellschaft wieder.
    Bringt nun natürlich wieder das Problem der Verallgemeinerung mit sich; bzw nicht erlaubter Umkehrschlüsse. So kann man sagen, in den Gefängnissen sind ethische Minderheiten keine Minderheiten mehr. Hierraus darf man jedoch nicht konstruieren, jeder der einer ethnischen Minderheit angehört ist ein Verbrecher. Fatal wird es, wenn man die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit als ersten Verdachtsmoment hernimmt.

  26. max meint: (16.2.2006 um 10:49) AntwortenReply to this comment

    In meiner auch als Klopapier sehr hochangesehenen Heimatzeitung muß man die Rubrik "Aus dem Polizeibericht" stets mit Hintergrundwissen lesen:
    Steht etwa geschrieben "Der Verdächtige, ein 26-jähriger Deutscher, konnte nach kurzer Verfolgung gestellt werden.", dann liegt der Geburtsort des 26-jährigen in einer russischen Teilrepublik. Fehlt der Vermerk "Deutscher", dann handelt es sich um einen Einheimischen.

    Diese Sprachregelung, die ganz offensichtlich ist, kam zustande, weil sich Gutmenschen über Diskriminierung russisch-etc-stämmiger Mitbürger in der Presse aufgeregt haben.

    Die Aufregung hat sich daraufhin gelegt ….

    Übrigens: Will man kenntlich machen, daß es sich zwar um einen "eingeborenen Deutschen" aber nicht um einen Einheimischen handelt, dann steht oft "Der Täter stammt aus Bayern." Ach so, aus Bayern, das erklärt/entschuldigt natürlich auch so einiges.

  27. Anonymous meint: (16.2.2006 um 12:43) AntwortenReply to this comment

    es heißt ja auch nicht mehr Negerkuss, sondern "Schaumgebäck mit Migrationshintergrund"….

  28. Mitmensch meint: (16.2.2006 um 14:10) AntwortenReply to this comment

    @6 / @23:

    Ja, jeder Mensch hat einen Namen. Aber auch ICH werde 18 Monate nach meiner Entlassung in Schreiben an meinen Bewährungshelfer durch die Strafvollstreckungskammer noch immer als "der Verurteilte" bezeichnet – nicht als "Herr X".

    Ich wollte mir dann den Spaß erlauben, an die StVollstrK zu schreiben und den werten Herrn Richter mit "Sehr geehrter Verurteilender" anzureden. Angesichts der Tatsache, dass bayerische Richter nicht unbedingt für ihren Humor bekannt sind, ließ ich es dann aber doch sein.

    Ich denke, Menschen, die ihre Mitmenschen mit derart entpersönlichenden Begriffen bezeichnen, zeigen dadurch eine ganz spezielle Geisteshaltung.

    Beste Grüße
    vom Mitmensch

  29. RKS meint: (16.2.2006 um 16:04) AntwortenReply to this comment

    @ 28:
    Die Bezeichnung "der Verurteilte" ist doch ok. Sie als verurteilter Straftäter können doch wohl nicht ernsthaft erwarten, dass der Vorsitzende der Strafvollstreckungskammer Sie mit "Sehr geehrter Herr xy" anschreibt. Womöglich soll er dann auch noch unter "Hochachtungsvoll" unterzeichnen?

  30. Udo Vetter meint: (16.2.2006 um 16:16) AntwortenReply to this comment

    "Hochachtungsvoll" – genau damit werden solche Briefe unterschrieben.

  31. rainer meint: (16.2.2006 um 16:25) AntwortenReply to this comment

    @29, RKS:
    Warum sollte der Vorsitzende der Strafvollstreckungskammer diesen Mitmenschen, wie jeden anderen auch, nicht mit Herr XYZ anreden? Ich denke, er soll wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Ich rede meine Kollegen ja auch mit Namen an und sage nicht "moin Kollege".
    Wird er mit Namen angesprochen, so wird er für voll genommen und bekommt eine Wichtigkeit. Wird er anonym als Verurteilter angesprochen, ist er eine Nummer. Und ich glaube nicht, das das wirklich gut ist. Aber einfacher…

  32. RKS meint: (16.2.2006 um 16:34) AntwortenReply to this comment

    Der Vorsitzende wird ihn mit Sicherheit auch als "Herrn xy" ansprechen. In Schreiben wird daraus "der Angeklagte" und später "der Verurteilte". Der Vorsitzende schreibt auch nicht "ich", sondern üblicherweise "die Kammer" oder "das Gericht".
    Was ich meinte war vielmehr, dass wohl nicht verlangte werden kann, dass der Vorsitzende Floskeln wie "sehr geehrt" oder "hochachtungsvoll" benutzt. Sollte das Gericht etwa "Hochachtung" für den Verurteilten empfinden?

  33. RA Lothar Müller-Güldemeister meint: (16.2.2006 um 16:37) AntwortenReply to this comment

    Vielleicht war er schwarz gefahren (hatte schwarz gesehen, gearbeitet, gebrannt) und es handelte sich nur um einen Schreibfehler…

  34. rainer meint: (16.2.2006 um 16:49) AntwortenReply to this comment

    @32,RKS:
    OK, unter der Betrachtung ist das in Ordnung.
    Und nein, einen Kotau verlange ich nicht.

  35. mickimicki meint: (19.2.2006 um 22:20) AntwortenReply to this comment

    Mein Sohn, dessen Vater aus "Schwarzafrika" kommt, wurde in einer Urteilsbegründung des Berliner Verwaltungsgerichts mal so bezeichnet:

    "Zwar ist der Sohn [...] des Antragstellers (auch) Deutscher, [...]."

    Es gibt offensichtlich Deutsche, die deutscher sind als andere. Und dann gibt es noch "Auch-Deutsche"…

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