21.2.2006

EINE WOCHE POST

Der Unmut im Sekretariat hält sich in Grenzen. Vielleicht liegt es am soeben, zumindest theoretisch, eingetretenen Feierabend. Jedenfalls hätte ich auch für kräftigere Aggressionsentladungen Verständnis. Heute Nachmittag hat nämlich ein privater Postdienst ein paar Pfund Gerichts- und Behördenpost in den Briefkasten gequetscht.

Alles abgestempelt zwischen dem 14. und 20. Februar.

28 Kommentare zu “EINE WOCHE POST”

  1. Alix (Link) meint: (21.2.2006 um 16:53) AntwortenReply to this comment

    Zählen die sich auch dem öffentlichen Dienst verpflichtet und streiken ein wenig?

  2. calcaneus (Link) meint: (21.2.2006 um 17:03) AntwortenReply to this comment

    von mir aus könnten die auch wieder abgeschafft werden. 4 verschiedene postdienste = 4x klingeln um ins haus zu kommen.

  3. Bürozeiten meint: (21.2.2006 um 17:15) AntwortenReply to this comment

    @udo vetter: Von wann bis wann habt ihr denn bürozeiten?

  4. Udo Vetter (Link) meint: (21.2.2006 um 17:18) AntwortenReply to this comment

    Im Sekretariat ist jemand von 8.30 bis 16.30 Uhr. Mindestens. Am Telefon meldet sich aber immer jemand.

  5. L. meint: (21.2.2006 um 17:24) AntwortenReply to this comment

    Zumindest die Deutsche Post AG ist verpflichtet die anfallende Post mindestens einmal Täglich auszuliefern. Wie das mit den privaten ist weiss ich nicht, aber sollte man nicht die Gerichte darauf aufmerksam machen, Fristgerechte Zustellung ist so ja kaum möglich… dabei haben die meisten Gerichte ohnehin schon einen riesigen Wasserkopf in der Poststelle…

  6. Udo Vetter (Link) meint: (21.2.2006 um 17:28) AntwortenReply to this comment

    Wäre nicht das erste Mal, dass wir uns beschweren.

  7. Streitberg meint: (21.2.2006 um 17:37) AntwortenReply to this comment

    Bei mir zu Hause landen die Sendungen der "alternativen" Zusteller mit Glück irgendwo auf den Briefkästen… ich habe aber auch schon Sendungen vor der Aussentür gesehen.

  8. Wissender? meint: (21.2.2006 um 17:51) AntwortenReply to this comment

    Ich habe Post vom Standesamt Berlin in die USA bekommen, die geht ueber Valetta/Malta. Ich weiss nicht was man da sparen kann. Wenigstens ging es schnell.

  9. Sebastian meint: (21.2.2006 um 18:00) AntwortenReply to this comment

    @8
    Das logistischen Zauberwort lautet "Hub and Spoke"!

  10. -thh meint: (21.2.2006 um 18:25) AntwortenReply to this comment

    Nun, Deregulierung und Privatisierung im Telekommunikations- wie im Postdienstleistungssektor war ja so erwünscht. Jetzt haben respektive bekommen wir sie, und es ist wirklich billiger. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Wenig überraschend.

  11. Andre Heinrichs (Link) meint: (21.2.2006 um 18:46) AntwortenReply to this comment

    Na, dann wird es wohl mal wieder Zeit, freundliche Grüße an das Sekretariat zu schicken :-)

  12. Ghettomaster (Link) meint: (21.2.2006 um 19:06) AntwortenReply to this comment

    Mich würd eher mal interessieren wie groß der Kanzleibriefkasten so ist. Ich würd ja einfach ne neue schwarze tonne hernehmen, Schlitz reinschneiden und anketten. Die kann man dann prima einmal täglich mit dem (hoffentlich vorhandenen) Lift ins Büro befördern und einfach auskippen ^^

  13. L. meint: (21.2.2006 um 20:19) AntwortenReply to this comment

    Das Problem ist ja schlichtweg das die privaten Briefzusteller nicht ins Postfach zustellen können / dürfen. Zumindest bei uns nicht. Ansonsten wäre das ja per Hin+Weg erledigt – naja man kann nicht alles haben :)

  14. skugga meint: (21.2.2006 um 21:14) AntwortenReply to this comment

    @ 13: Das Problem ist, daß diese Post auch noch bearbeitet werden muß, was im Sekretariat heiß, daß dieses Konvolut a) einen Eingangsstempel bekommt, b) Fristen und Termine notiert werden müssen und c) alles mit zugehörigen Akten dem RA vorgelegt wird. Das ist schon, nunja, spaßig genug, wenn es sich nur um Post von 2 Tagen handelt…

    Insofern Beileid von Sekretariat zu Sekretariat.

  15. hölsepölse meint: (22.2.2006 um 08:54) AntwortenReply to this comment

    Da die "gelbe Post" die Dienstleistungen bei anderen Unternehmen einkauft, sind die Ergebnisse mindestens genauso desaströs wie bei den Privaten.
    Pakete für jedermann(frau) mitnehmbar vor der Haustür des Nachbarn. Habe ich nur durch Zufall gefunden.
    Briefpost erscheint intervallweise. Drei Tage gähnende Leere im Kasten, dann verstopft eine riesige (Brief-)Flutwelle die Box.

    Irgendwie vermisse ich eine Möglichkeit, die Kundenrechte geltend zu machen. Eben nicht nur per Bescwerde, sondern durch eine Schadensersatzforderung.

    In den AGBs lässt sich aber meistens nur das Recht zum Kauf einer Briefmarke finden. Recht auf Zustellung auch, aber Geschwindigkeit wird offen gelassen. Zustellung also morgen oder in hundert Jahren.

    Wahrscheinlich stützt sich das auf eine alte, im Krieg ausgearbeitete Bestimmung. Ähnlich wie die Verspätungsbestimmungen bei der Bahn.

  16. Sebastian meint: (22.2.2006 um 11:50) AntwortenReply to this comment

    @15
    Typisch Jurist! Man will man wieder Gesetze erlassen. Völlig falscher Ansatz!
    "Wettbewerb ist das einzige Instrument, das wirtschaftliche Macht kontrolliert, ohne dass es an anderer Stelle zu einem Machtzuwachs kommt. Das macht die Arbeit der Wettbewerbsbehörden so wichtig."
    Ulf Böge

  17. max meint: (22.2.2006 um 12:02) AntwortenReply to this comment

    @16: In diesem Falle ist Wettbewerb nicht unbedingt nützlich:
    Billiger Preis für den Absender, erreicht durch mangelhaften Service beim Adressaten ist zwar formal Wettbewerb, aber halt doch im Gesamten betrachtet keine gute Leistung – interessiert den Absender erstmal nicht.
    Pech für den Adressaten, daß er nicht Kunde, d.h. Vertragspartner, des Zustellunternehmens ist.

  18. n.n. meint: (22.2.2006 um 12:05) AntwortenReply to this comment

    @16
    dieser private anbieter und damit auch seine mangelhafte qualität ist doch erst das produkt der privatisierung ….

  19. Sebastian meint: (22.2.2006 um 12:28) AntwortenReply to this comment

    @17 und 18
    Schwaches Argument. In allen Ländern mit liberalisiertem Postmarkt hat sich gezeigt, daß sich Anbieter mit schlechter Qualität nicht lange halten können.
    Wenn ihr euch jedoch weiterhin von der Post ausnehmen lassen wollt, ist das eure Sache. 16,4% Umsatzrendite im Briefgeschäft zeigen, daß da eine Menge Luft nach unten drin ist.

  20. Uwe (der echte) (Link) meint: (22.2.2006 um 12:36) AntwortenReply to this comment

    "16,4% Umsatzrendite im Briefgeschäft zeigen, daß da eine Menge Luft nach unten drin ist."

    Ja, daß eine weitere Verschlechterung der Leistungen gegenüber dem jetzigen Zustand möglich ist, glaube ich gerne. Das zeigen alle Länder mit liberalisiertem Postmarkt.

  21. Sebastian meint: (22.2.2006 um 14:08) AntwortenReply to this comment

    @20
    Ich meine mich ganz gut mit der Materie auszukennen und kann daher nicht nachvollziehen, welche Länder und welche Leistungsverschlechterung du meinst.

  22. max meint: (22.2.2006 um 15:33) AntwortenReply to this comment

    @19: Im Paketbereich -und da glaube ich mich ganz gut auszukennen- ist es allerdings durchaus so, daß sich schlechte Anbieter sehr gut und bereits recht lange halten können. Trotz sogenanntem Wettbewerb ….

    Solange Geiz geil ist und somit die Kostenrechner der Absender das Sagen haben und die Qualität der logistischen Kette nicht das ausschlaggebende Argument ist, ist der Letzte in der Freßkette (das ist dann jeweils der, der sein Paket vor irgendeiner Türe findet oder auch nicht) der Genatzte. Und ausgerechnet dem nutzen die Kundenrechte überhaupt nichts, da er gar nicht Kunde ist -sondern bei Abwesenheit oder langsamer Gangart zur Tür nur ein Erschwernis für den Zustellfahrer, der bekanntlich unter hohem Druck steht.

    Der Kunde, also der Absender, bekommt im Übrigen eine Ablieferstatistik, die sich gewaschen hat: Ein Irgendwovordietürlegen steht da als korrekte Zustellung am nächsten Werktag drin – im Zweifelsfall mit Unterschrift des Empfängers. Seltsam nur, daß der Herr Unleserlich soo viele Pakete bekommt ….

    Im Briefdienst wirds nicht viel anders sein/werden.

  23. Sebastian meint: (22.2.2006 um 15:45) AntwortenReply to this comment

    Ich bestreite nicht, daß es einzelne Qualitätsmängel gibt. Trotzdem ist es 1. kein Argument gegen eine Liberalisierung und 2. aller Erfahrung nach kein dauerhafter Zustand. Der Absender hat schließlich ein Interesse an der zügigen und ordnungsgemäßen Zustellung. Bei Großkunden wie amazon ist das ein wesentliches kaufentscheidendes Merkmal. Da wird man sich Qualitätsmängel nicht lange gefallen lassen. Schön, wenn man dann einfach zum nächsten gehen kann.

  24. max meint: (22.2.2006 um 17:51) AntwortenReply to this comment

    Impliziert Deine Antwort die Annahme, daß ich mit den schlechten Beispiel den Hauptpaketdienstleister von amazon meinte? Honi soit qui mal y pense ….

    Aber amazon ist ein guter Aufhänger, denn der hat sicherlich ein Interesse an zuverlässiger Abwicklung (Bei amazon steht in den AGB m.W. daß die Ware bis zur vollständigen Bezahlung amazon gehört -für die Anwälte: Ist diese Klausel auch gültig?- da hat amazon auch ein Interesse, den Dienstleister zu Leistung zu zwingen), denn bei amazon gibts idR keine Vorkasse. Bei kommerziellen ebay-Versendern z.B. sieht die Sache für den Empfänger schon anders aus!

  25. Sebastian meint: (22.2.2006 um 18:08) AntwortenReply to this comment

    Ich habe kein Problem mit der Deutschen Post. Vielmehr mit den politischen Rahmenbedingungen. Ich sehe nicht ein, warum die Konsumenten die Expansion der DPAG über Monopolrenten finanzieren sollen.
    Du bist offensichtlich der Meinung, daß Liberalisierung nicht im Interesse des Konsumenten ist. Ich glaube, daß das nicht der Fall ist.
    Das Bsp. mit ebay kann ich dir auch widerlegen: Verkäufer werden meines Wissens von den Käufern bewertet. Da ein unzuverlässiger Versand zu einer negativen Bewertung führt, werden Verkäufer über dieses Instrument diszipliniert.
    Selbst wenn das nicht der Fall wäre bleibt immer noch die Universaldienstauflage der EU. Es gibt also keinen Grund, von Marktversagen auszugehen.

  26. Mantla meint: (23.2.2006 um 01:43) AntwortenReply to this comment

    Der Hinweis "Bitte nicht knicken" oder "Wichtige Dokumente" schürt einen leichten Unmut. Unwillkürlich. So werden dann auch ansich unbeschädigte Sendungen unter 3-6 Lagen Klebeband der Marke "Sendung wurde leider beschädigt. Verpackt von Deutsche Post" umwickelt. Wohltuend.

  27. max meint: (23.2.2006 um 08:32) AntwortenReply to this comment

    > Du bist offensichtlich der Meinung, daß Liberalisierung nicht im Interesse des Konsumenten ist. Ich glaube, daß das nicht der Fall ist.

    Da sollte aber aus meinen Postings genau das Gegenteil hervorgehen, oder?
    Das Problem ist, daß der "Konsument" in diesem Falle der Absender ist und nicht der Empfänger. Für den "Konsumenten" hat die Liberalisierung tatsächlich Preisvorteile und neue Dienstleistungen gebracht – aber für die Empfänger hat die Liberalisierung erhebliche Nachteile gebracht!
    Um bei den Paketdiensten zu bleiben: Es gibt durchaus regionale Qualitätsunterschiede in der Zustellqualität (die für den Empfänger relevant ist) – man sieht: Die Anbieter senken ihre Kosten regional weitestmöglich. Argument: "Das ist in dieser Region nicht besser möglich – die Konkurrenz kanns auch nicht besser" – hilft allen Anbietern. Es wird immer der minimal gerade noch tolerierte Service angeboten.

    Diese Erfahrung sollte man bei zukünftigen Liberalisierungsanstrengungen berücksichtigen und nicht einfach blindwütig unter dem Banner des reinen Liberalismus Märkte freigeben.
    Märkte unter Regelungen, zum Beispiel zum Verbraucherschutz, freizugeben führt dazu, daß sich anfangs auch mehr Bewerber auf dem Markt tummeln können, da eine gewisse Sicherheit besteht. Bei der (vorher genau festgelegten – das ist Voraussetzung – und daran scheiterts gerne, weil Lobbyisten da Einfluß nehmen – siehe Briefverkehr) Lockerung der Regulierung werden dann einige aussterben, fusionieren, was auch immer. So zumindest die Theorie, die in Deutschland leider größtenteils nicht funktioniert hat: Zum Beispiel sind auch die Gas- und Strommärkte zumindest dem Worte nach "liberalisiert", was sofort zur Kartell- und daraus folgend regionalen Monopolbildung geführt hat.

    A propos ebay: Dir ist schon klar, daß es für professionelle ebay-Verkäufer die Möglichkeit zu geben scheint, negative Bewertungen ohne die angeblich so hohen Anforderungen ebays in den Orkus zu schicken? Einfach auf Anfrage? Google weiß mehr. ebay lebt nämlich von den Zahlungen der VERKäufer und hat ein Interesse daran, daß es denen bewertungsmäßig gut geht. Dieselbe Konstellation wie bei den Paketdiensten: Nur einer der Handelspartner ist Vertragspartner des Dienstleisters!

  28. Anonymous meint: (23.2.2006 um 11:48) AntwortenReply to this comment

    Man kann nicht erwarten, daß sich ein jahrzentelang regulierter Markt sofort umdreht. Die Anpassungsreaktionen können schon einige Jahre dauern.
    Auch wenn es vordergründig nach einer Umdrehung der Machtverhältnisse in der Wertschöpfungskette aussieht, so wird sich das in der mittleren Frist wieder geben, denn auch die Adressaten der Sendungen haben Marktmacht. Wenn der Versand bei einem Händler unzuverlässig ist, spricht sich das rum und führt früher oder später zum Wechsel des Versenders, der darauf mit dem Wechsel des Dienstleisters reagiert. Ich sehe da keine großen Schwierigkeiten. Selbst die gegenwärtigen Qualitätsdefizite werden doch zumindest teilweise über Preissenkungen infolge Kostenreduktionen kompensiert.
    Ein wesentliches Problem ist auch, daß die meisten Deregulierungen der Vergangenheit durch die (ökonomisch geprägte) EU angestoßen wurden, jedoch in Deutschland politisch umgesetzt wurden. Die Energiemärkte sind ein gutes Bsp. Die gegenwärtige Situation ist ein Problem des Marktdesigns, kein hintergründig ökonomisches. Die Verbändeverprdnungen oder die E.on/Ruhrgas-Fusion sind da beispielhaft. Sicherlich wurde auch vom Kartellamt Fehler gemacht. Daraus hat man aber gelernt. Nur leider ist das Amt kein gleichertiges Gegengewicht, wenn die Regierung nationale Champions etablieren möchte. Das muß dann der Konsument ausbaden.

    Zum anderen muß man berücksichtigen, daß der Postmarkt noch nicht vollständig liberalisiert ist. Solange die DPAG mit dem Briefgeschäft quersubventionieren kann und strukturelle Markteintrittsbarrieren existieren, kann man nicht davon ausgehen, daß (potentielle) Konkurrenten umfassend in alle Postmärkte einsteigen und sofort anfangen zu kämpfen. Hier gibt es offensichtlich noch second mover Vorteile.
    Außerdem, man darf den vorgeschriebenen Universaldienst nicht vergessen. Damit sind schwerwiegende Fehlentwicklungen ausgeschlossen.

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