ÄRGER UM NOTEN FÜR PROFS
Sie wollten ihren Professoren nicht länger hilflos ausgeliefert sein, deshalb haben Berliner Studenten das Internetportal MeinProf.de gegründet. Auf der Website können Studenten ihre Dozenten und deren Vorlesungen bewerten. Schon in den ersten drei Monaten kamen 25.000 Bewertungen zusammen. Den Professoren gefällt das nicht: Sie wollen jetzt gegen das Internetportal klagen, berichtet heute.de.
Dem Prozess sollen die Gründer gelassen entgegensehen. Sie hoffen, dass spendenfreudige Leser die Kriegskasse füllen.
(Link gefunden bei Weblawg.de)
@U.V. Warum wird MeinProf.de nicht verlinkt?
Was ich manchmal an Kommentaren über Professoren höre, geht häufig unter die Gürtellinie. Ich weiß nicht, wie oft so etwas bei MeinProf.de vorkommt, aber sollten derartige Beleidigungen gelegentlich der Fall sein, so kann ich zumindest Verständnis für die Haltung einiger Professoren aufbringen.
Was die sachliche Bewertung angeht, so mögen die Einwände des bei heute.de zitierten Profs durchaus Hand und Fuß haben. Aber auch, wenn ich geneigt bin, Professoren in erster Linie als Wissenschaftler und erst in zweiter Linie als Lehrer zu verstehen, so denke ich doch, daß sich ein Professor in seiner Eigenschaft als _Hochschullehrer_ eine Bewertung gefallen lassen sollte. Zumal so eine Bewertung ja noch nicht einmal berufliche Konsequenzen hat.
('tschuldigung, zu früh abgeschickt)
Nachtrag:
Zumindest für die Professoren, die ich kenne muß ich sagen, daß die Bewertungen unbrauchbar sind. So wie früher in der Schule werden strenge Profs schlecht bewertet und jene, die es den Studenten leicht machen in Prüfungen gelobt. Das mag manchen helfen, fachlich gewinnt man nichts.
Ich würde als Student auf die Bewertungen nichts geben (wozu auch? ich hab ja kaum Auswahl) und als Prof würde ich nur müde lächeln.
Ich bin auch der Meinung, dass sachliche Bewertungen durchaus berechtigt sind.
Schließlich werden die Professoren für ihre Arbeit ja nicht schlecht bezahlt. Und von wem? Vom Steuerzahler, also größtenteils von den Muttis und Vatis der Studenten ;) , von Firmen, die ja auch bezahlen um dann gut ausgebildete Leute von den UNIs holen wollen …
Und sobald Studiengebühren gezahlt werden müssen, wird die Bewertung noch berechtigter.
Tja,
liebe Professoren. Schon mal was von Meinungsfreiheit gehört?
Sofern die Äußerungen unterhalb der Grenze der Schmähkritik liegen, habt ihr keine Chance.
Viel Spaß im Verfahren
Also für die Profs die ich hatte sind die Benotungen realistisch.
Und ich denke man macht es sich zu einfach damit zu behaupten das die Bewertung lediglich anhand der Prüfungsschwere erfolgt. Damit tut man denen unrecht, die wirklich versuchen gute Vorlesungen und Seminare zu machen.
Außerdem wird die Gesamtnote aus mehreren Einzelkategorien gebildet.
Und das die Leute dieses System nur zum Frust abladen benutzen würde ich bezweifeln. Wenn man mal so grob drüber schaut, sind wirklich schlechte Bewertungen eher die Ausnahme.
@Sebastian: Ich denke schon, dass die Bewertungen einen Einfluss auf die Profs haben, denn zumindest bei uns an der Uni – zumindest in unserem Fachbereich – haben die Studenten auch ein Wörtchem mitzureden wenn es um den Ruf neuer Profs geht. Und das wichtigere Kriterium wird dabei wohl eher die Qualität der Lehre als die der Forschung sein. Ich halte das ganze für zu gewagt, denn nicht jeder, der eine Klausur oder Prüfung mal nicht geschafft hat und deshalb schlecht auf einen Prof zu sprechen ist , sollte die Möglichkeit haben das öffentlich zu verbreiten.
@8: Doch, verbreiten *können* sollte er das schon. Der Punkt ist hier weniger, dass den Leuten eine Plattform zum Pöbeln gegeben wird (im Grunde ist das überall im Internet der Fall), sondern, dass diesen einzelnen Kommentaren ein Anstrich von Repräsentativität gegeben wird.
Denn: Diejenigen, die auf einen Prof schlecht zu sprechen sind, weil sie z.B. die Klausur ja absolut unfair fanden, werden ein höheres Mitteilungsbedürfnis haben, als diejenigen, die die Leistung des Prof durchschnittlich bis gut fanden.
Bevor hier allzuviele Leute ihren Studiumsfrust in begeisterte Zustimmung zu "MeinProf.de" umsetzen, sollten sie vielleicht einen Moment überlegen, ob sie das gerne auch in ihrem eigenen Beruf hätten:
Wollen z.B. die Anwälte wirklich, dass jeder mit dem Prozessergebnis unzufriedene Mandant, vielleicht sogar jeder Prozessgegner, jeder missgünstige Kollege in Zukunft unter "MeinAnwalt.de" (die Domain hat sich schon jemand reserviert!) anonym und massenhaft negative Werturteile zum Zweck bundesweiter Verbreitung posten kann?
Macht es da wirklich einen Unterschied, ob man herabsetzende Werturteile in Worte kleidet oder in die 6malige Vergabe der Schulnote "5"?
Bedenken Sie überdies, dass Google eine solche Bewertungsseite bald als eine der 5 ersten Seiten nennen würde, die bei Eingabe Ihres Namens erscheinen (bei MeinProf.de ist das jedenfalls so, warum auch immer) – das "Urteil" von "MeinAnwalt.de" wäre also in höchsten Maße werberelevant.
Wollen Sie das wirklich? Und wenn nein, waum sollten die Professoren das wollen?
Also die Bewertungen, die für meine aktuellen und ehemaligen Professoren abgegeben wurden, halte ich für sehr realistisch, so dass gute Professoren (faire Prüfungen, guter Vortragsstil und Vorbereitung) auch entsprechend gute Bewertungen bekommen haben. Des weiteren ist es aber auch so, dass auch früher, als es dieses Portal noch nicht gab, man sich über Professoren ausgetauscht hat und man daher schon wusste, was auf einen zukam. Das neue Portal macht das ganze halt öffentlicher.
Besonders fragwürdig ist, dass jeder ohne weiteres Professoren bewerten kann, ob er Student ist oder nicht, ob er den Dozenten üebrhaupt kennt oder nicht, ob er nur einmal anwesend war oder das Semester durchgezogen hat. Ich habe ganz zu Beginn mal zum Ausprobieren eine Bewertung für eine Freundin, die Professoroin ist, abgegeben. Die steht natürlich noch drin.
Demnächst sollen die Professoren dies verhindern, indem sie Passwortlisten für die Studenten in ihrem Kurs anfordern. Super Idee, diese Seite, man muss nur ein wenig sozialen Druck ausüben und schon arbeiten die Leute für einen. Das grenzt an Erpressung und Mafia-Methoden.
@10: Meinungsportale sind doch nun wirklich nichts neues im Internet (ciao, dooyoo, webhostlist etc.). Dort muss sich jeder aus der "freien Wirtschaft" den Meinungen seiner Kunden stellen.
Ich wüsste keinen Grund, warum man ausgerechnet Professoren oder Anwälte davor schützen müsste.
@4: In meinem Studium waren die Professoren, welche didaktische
Versager waren, weitgehend auch diejenigen, welche unangemessen
schwere Pruefungsaufgaben gestellt haben, und vielleicht obendrein
noch bei Pruefungen unfair bewertet haben.
Thomas
@ Juraprof
Willkommen in der rauen Realität des Berufsalltags. Nur weil Ihr Berufszweig von solchen Phänomenen bisher verschont geblieben ist und Sie so etwas als unschön empfinden heißt noch lange nicht, daß diese Seite keine Berechtigung hätte. Sollten die Gegner Recht haben und dort nur unreflektiert gepöbelt werden, so kann ihnen doch eigentlich nichts besseres passieren, denn dadurch diskreditiert sich die Seite dann ja von selbst. Bisher habe ich allerdings eher das Gefühl, daß es sich bei der Kritik an meinprof.de um das Geheul von Leuten handelt, die unsanft aus ihren bequemen Illusionen Marke: "Meine Lehre ist top – Die Studenten sind einfach nur zu dumm und faul" gerissen wurden…
(BTW: Das die jeweils nächste Generation nur noch aus faulen Taugnichtsen ohne Moral und Anstand besteht, DAS wurde schon bei den alten Griechen zum Besten gegeben, von der alten Schalker Garde, die im Winter 48 barfuß und ohne umzuziehen Dortmund besiegt hat ganz zu schweigen…)
@16
Willkommen in der Realität, in der man sich nicht mehr wundern braucht, warum gute Leute nicht mehr Professor werden wollen.
Über die Qualität der heutigen Profs kann und will ich mich nicht auslassen.
Ich habe allerdings die Zeit an der FH Düsseldorf noch gut in Erinnerung. Vorlesung Elektrotechnik. In den Hörsaal marschierte ein grau bekittelter Mensch, baute einen Dia-Projektor und ein Tonbandgerät auf, schaltete die Gerätschaften ein und verschwand wieder. Die Stimme des Profs kam vom Tonband, das auch die Dia-Steuerung übernahm. Eine exzellente Vorlesung – die Zwischenfragen oder Nachfragen unmöglich machte.
Ich weiß. Zwischenfragen gehören nicht in eine Vorlesung, aber Nachfragen sollten erlaubt sein und der Prof sollte soviel Zeit mitbringen. Das war anno 1973. Sieht es heute besser aus?
Die Technik ist anders: heute kommt ein Laptop und ein Beamer zum Einsatz, es wird eine Power-Point-Präsentation abgespult. Ohne Power-Point ist man ja nix mehr.
Wenn einige Studies dann das Handtuch schmeißen oder mal ein Semester wiederholen, wer will es ihnen verdenken? Wenn der Prof keine Zeit hat, sollte er seine Nebentätigkeiten als Vollzeitjobs erledigen.
Wohlgemerkt: es gibt bestimmt auch gute Profs, die ihren Job als Beruf auffassen und sich Mühe geben, ihre Studenten ordentlich durchs Examen zu führen.
@ Jörg
Wenn Sie das gleiche Verständnis von einem "guten Professor" haben wie ich (U.a. Besitz der Fähigkeit, auf konstruktive Kritik tatsächlich einzugehen und unbegründete Pöbeleien links liegen zu lassen.), dann sollte Ihnen nicht bange sein. Wenn Sie natürlich unter einem "guten Professor" jemanden verstehen, der bei Kritik an seinen Leistungen sofort mit juristischen Schritten droht und das "faule Studenten-Stereotyp" aus dem Hut zieht, anstatt sachlich zu erläutern warum seine Lehre seiner Meinung nach zu schlecht bewertet wurde, dann sieht es natürlich finster aus. Solchen "guten Professoren" könnte so eine Webseite tatsächlich Magendrücken verursachen und vielleicht orientieren sich solche Leute in Zukunft um, wer weiß…
@14, 16: 1) Der Unterschied zu den bereits etablierten Produktbewertungen im Internet ist der sehr viel engere Bezug zum Persönlichkeitsrecht des Betroffenen. Auch bei den Produkt- und Unternehmensbewertungen ist im Übrigen rein rechtlich bei weitem nicht alles zulässig, was von den Unternehmen zur Vermeidung größeren Aufsehens in der Regel toleriert wird.
2) Es geht nicht um Sonderrechte für Professoren und Anwälte. Sie können sich z.B. gerne auch eine Seite "MeinSiemens.de" vorstellen, auf der jeder Siemens-Mitarbeiter seine Vorgesetzten, Kollegen und Untergebenen in menschlicher und beruflicher Hinsicht "bewerten" darf (und natürlich auch jeder sonstige Internet-User einen ihm bekannten Siemens-Mitarbeiter, dem er nützen oder schaden will).
@19: nur ist MeinProf.de gerade nicht auf konstruktive Kritik ausgerichtet. Es ist ja überwiegend gerade nicht so, dass da detailiert Mängel aufgedeckt werden, sondern da kann man halt ohne weiteres und ohne Begründung dem Dozenten eine 5 reinwürgen, die dann bei mit anderen (mgl. gut begründeten) Kritiken gleichwertig in die Endwertung einfließt.
Man sollte zudem nicht den Fehler machen, MeinProf.de nur deshalb zu verteidigen, weil richtigerweise auch Professoren Rechenschaft über ihre Leistung in der Lehre ablegen sollen. Dazu gibt es wesentlich bessere Methoden als solch einen öffentlichen Pranger – zum Beispiel regelmäßige öffentliche Evaluierungen durch die Fachschaften und die Fakultät/Universität, wie sie beispielsweise in Bonn praktiziert werden.
@ 2
Bei MeinProf.de kann man keine Kommentare abgeben, sondern lediglich eine Bewertung von bestimmten Punkten durch Anklicken. Es gibt gar kein Möglichkeit, dort in beleidigend zu sein.
Einer meiner Profs hat die Seite sogar in seiner Veranstaltung umworben, weil er wissen möchte, wie die Leute unabhängig seine Veranstaltung finden.
Moin!
Interessant, wie unterschiedlich die Meinungen mal wieder auseinander gehen können. Bei uns an der FH sieht es wie folgt aus: Einmal pro Semester werden die eigenen Professoren evaluiert. Davon hängt auch ihre Besoldung ab. IMHO eine gute Lösung.
Lustigerweise hat uns bisher jeder(!) Prof auch – freiwillig – auf die o.g. Seite hingewiesen und sogar dazu ermuntert auch dort seine Benotung zu vergeben, um auch "Externen" die Möglichkeit zu geben, sich evtl. schonmal einen "Eindruck" von den Profs zu machen, die im jeweiligen Fachbereich arbeiten – es könnte ja demnächst der eigene Prof sein.
Natürlich weiß man von den Möglichkeiten des "Schlechtbewertens", aber das wird recht gelassen gesehen.
Zumindest bei uns – und das auch bei teilweise gemischten Bewertungen – wird damit also recht locker umgegangen.
@19:
Das erinnert mich an den Prof, den ich in einer Vorlesung im 7. Semester hatte. In der Einfuehrungsveranstaltung "Sie sind ja schon fast fertige Ingenieure, mit Ihnen kann man ja schon fachliche Gespraeche fuehren". Ein paar Stunden spaeter legt er ein paar Zahlenwerte auf, die nicht zusammenpassten – und wo sich beim Nachrechnen auch zwei von drei als falsch herausstellten. Ich meld mich, sags ihm, Kommentar: "Das muss stimmen, die Werte hab ich aus einem Buch kopiert [Das Todschlagargument schlechthin]. Aber Sie koennen das ganze gerne in der naechsten Stunde in einem Kurzvortrag erlaeutern."
Naja, zwei Wochen bzw. Vorlesungen spaeter hab ich dann beschlossen, die Zeit ist beim Lesen des von ihm empfohlenen Buches besser investiert. Pruefung am Semesterende ging so, Hauptproblem war, dass er die Aufgaben teilweise so unklar spezifizierte und es bei den auf fuenf Raeumen verteilten Pruefungsgruppen nicht fuer notwendig hielt, zusaetzliche Angaben, die er auf Nachfragen in einem Raum gab auch in den anderen Raeumen zu machen.
@21/Marlin
Sicher mag es bessere Möglichkeiten der Evaluation geben. Aber da Sie Bonn erwähnen kontere ich mal mit einer Geschichte aus der (fast) Nachbarschaft, Maschbau RWTH Aachen, die sehr schön zeigt, warum Evaluation durch die Hochschule auch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß sein muß:
Im FB Maschinenbau werden am Ende eines jeden Semesters hochoffizielle Fragebögen ausgegeben, in denen die Studenten die Lehre bewerten können. Diese Fragebögen werden dann durch die Hochschule zentral ausgewertet. Der Witz ist jetzt, daß die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden. Selbst die Profs erhalten nur die Bewertung ihrer eigenen Veranstaltungen, nicht aber die "Noten" ihrer Kollegen.
Ich gebe hier mal sinngemäß das Statement eines meiner ehemaligen Profs zu diesem Zustand wieder: "Was hilft mir die Mitteilung, daß die Studenten der Meinung sind meine Veranstaltung verdiene die Note 2.3 wenn ich gleichzeitig keinen blanken Schimmer habe wie ich relativ zu meinen Kollegen abschneide? Bin ich der Beste? Der Schlechteste? Erst durch die Veröffentlichung entsteht genügend Druck, sich auch tatsächlich zu bewegen. Einfach deshalb, weil es schlicht peinlich ist, zur Sitzung der Fakultät zu kommen und von den Kollegen schief angegrinst zu werden, weil man mal wieder das Schlusslicht in der Bewertung geworden ist. Nur so bekommt man die Leute bei den Hammelbeinen. In der derzeitigen Form ist das ganze nur eine Alibiveranstaltung fürs Ministerium…"
@25: Das Grundproblem aller universitären Evaluationen ist doch: Bestimmte Berufsgruppen – dazu gehören Professoren ebenso wie Strafrichter, Gefängnisdirektoren oder Personalchefs – werden nun einmal nicht dafür bezahlt, es allen recht zu machen. So ist es auch die Aufgabe der Professoren, denjenigen Studierenden, die für das gewählte Studium nicht geeignet sind, eben dies klarzumachen; dies kann jedenfalls in den Massenfächern nur durch Vergabe schlechter Noten geschehen. Dass dies für die Betroffenen jedesmal eine narzisstische Kränkung bedeutet, liegt auf der Hand, und ebenso, dass dieser Umstand die Objektivität ihres Urteils trübt. Bei methodisch halbwegs akzeptablen Evaluationen bewirkt das einen gewissen statistischen Malus, den man hinnehmen kann. Bei methodisch völlig inakzeptablen Verfahren wie MeinProf.de genügt aber ein relativ kleiner Prozentsatz von Gekränkten, um durch mehrfache Vergabe ausschließlich schlechtester Noten und einige herabsetzende Bemerkungen das ?Profil? eines einzelnen Hochschullehrers auf Dauer zu ruinieren – selbst wenn der Betroffene mit der Zeit genügend Verteidiger findet, gilt auch hier das Prinzip des ?aliquid semper haeret?.
Die hochschulinterne Evaluation ist insofern ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss, auch weil im Schutz der Anonymität manchem Ressentiment Raum gegeben wird, zu dem man sich nie offen bekennen würde. Immerhin sind sie – weil nur Veranstaltungsteilnehmer mitmachen können, und auch jede/r nur einmal – unvergleichlich viel besser als MeinProf.de, und der Umstand, dass sie nicht uniweit oder via Internet weltweit publiziert werden, bedeutet doch nicht, dass sie unbeachtet bleiben würden. Und um das eigene Evaluationsergebnis mit den Ergebnissen der Kollegen vergleichen zu können, braucht man nicht deren individuelle Einzelergebnisse zu kennen, sondern nur einen Notenspiegel.
Ivo
Mit solchen Argumenten wurden im 19. Jahrhundert schon geheime Wahlen bekämpft.
Fast alle Professoren habe Noten zwisch 2 und 3, sind also Durchschnitt. Was gibt es da zu meckern ?
Weil das Verfahren methodisch völlig inakzeptabel ist, hat es auch einen Preis gewonnen.
Während des JADE Presidents' Meetings in Brüssel wurde MeinProf mit dem JADE Excellence Award für das "Most Innovative Project" ausgezeichnet. Der jährlich verliehene Preis wurde dieses Jahr zum dritten Mal vergeben und ist die höchste Auszeichnung, mit der ein Projekt einer studentischen Unternehmensberatung ausgezeichnet werden kann. MeinProf hat sich gegen Projekte von 150 anderen europäischen Initiativen durchgesetzt
Bestimmte Berufsgruppen können es nicht allen recht machen aber Personalchefs sind oft gewerkschaftsnah. In den USA sind Professoren schon seit Jahrzehnten auch von der Bewertung ihrer Studenten abhängig un fast alle Nobelpreise gehen in die USA.
@St.Ivo
Ich zäum das Pferd mal von Hinten auf: Es wird an der RWTH nicht mal ein Notenspiegel veröffentlicht. Jeder Prof bekommt seine Note mitgeteilt, that´s it…
Ein Notenspiegel sorgt nicht für den nötigen Druck, die Lehre zu verbessern, da er es immer noch ermöglicht, sich zu verstecken. (Nur der Versager weiß, daß er der Versager ist.)…
Von der Fragebogenaktion werden nur diejenigen Studenten erfasst, die bis zum Ende des Semesters dabeibleiben (In einer der letzten Vorlesungen werden jeweils die Fragebögen verteilt). Insofern ließe sich die Behauptung aufstellen daß die Bewertung tendenziell zu gut ausfällt, da die Studenten die mit dem Vortragsstil des Profs nicht zufrieden sind mittlerweile lieber zuhause vor Sekundärliteratur sitzen…
Ihre Vorstellung von den Aufgaben einer Hochschule stimmt zwar leider mit der heutigen Realität überein, allerdings ist meiner Meinung nach zu fragen, ob es volkswirtschaftlich Sinn macht, an den Hochschulen dieses Landes ein Aussieb-System statt eines Ausbildungs-Systems zu betreiben. (Dies ist aus meiner Sicht übrigens einer der großen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Universitätssystem.) Wie es zu dieser breiten Akzeptanz dieser Zustände kommen konnte ist mir schleierhaft, schließlich ist sich die Nation bei schlecht spielender Nationalmannschaft ja derzeit auch weitestgehend einig, daß es am Trainer und nicht an den Spielern liegt. Als weiteres Beispiel sei das Geschrei genannt, das angestimmt wird, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter aussortiert die nicht mehr leistungsfähig genug sind. Ich hatte kürzlich als "Sortierer" das Vergnügen, mir dieses Geschrei anhören zu müssen. Das rationale Argument, daß die betreffenden Mitarbeiter nicht die Leistung bringen, die nötig ist um eine Weiterbeschäftigung zu rechtfertigen will dann auch niemand hören. Spielen aber die Studenten nur Mist zusammen (Sprich hohe Durchfallquoten) oder werden reihenweise aussortiert (Abbrecherquote Maschbau bundesweit bei 40%, RWTH noch um einiges höher), dann ist jedoch merkwürdigerweise eine große Mehrheit bereit, die Schuld beim (faulen) Studenten zu suchen und dem Trainer (Prof) sogar noch Dank zu sagen für seine Unnachgiebigkeit, anstatt wenigstens ansatzweise zu hinterfragen, ob Durchfallquoten von jenseits der 70% ev. auch an falschem Training liegen könnten. Stattdessen wird sich auf Persönlichkeitsrechte etc. zurückgezogen, meines Erachtens nach sogar eher dahinter versteckt…
@22 (Jurastudentin)
Doch, das kann man sehr wohl. Zu den einzelnen Lehrveranstaltungen sind jedenfalls eine Reihe von Kommentaren vorhanden. Klick Dich da nochmal durch, dann müsstest Du sie finden können.
29 war von mir, sorry.
@ 27: Gegen methodisch halbwegs akzeptable Evaluationen im Rahmen der Lehrveranstaltungen ist, wie gesagt, letztlich nicht viel einzuwenden; die werden sich auch in Deutschland schon deshalb im Laufe der Zeit genauso durchsetzen wie in den USA, weil das neue Besoldungsrecht ausdrücklich die Berücksichtigung der Lehrleistungen verlangt (insoweit werden auch nicht-öffentliche Evaluationsergebnisse im Übrigen hochwirksam werden!).
Das Verfahren von MeinProf.de ist methodisch einfach deshalb evident inakzeptabel, weil nicht überprüft wird, ob die Teilnehmer überhaupt die Veranstaltung gehört haben, und weil sich jeder so oft beteiligen kann, wie er will. Dieser Preis von JADE (= Junior Association for Development in Europe, das sind eine Handvoll Studenten in Brüssel), dessen die Betreiber sich rühmen, ist nicht für methodische Korrektheit verliehen worden, sondern für "Innovation" – was grotesk genug ist, schließlich wurde hier nur ein US-amerikanisches Vorbild abgekupfert.
Ivo
@ 29
Ah, das hatte ich noch nicht gesehen. Sie haben wohl das Angebot erweitert. Als ich die ersten Profs meiner Fakultät eintrug, gab es die Möglichkeit noch nicht. Da musste man auch noch zu jedem Punkt eine Bewertung abgeben, was mittlerweile auch nicht mehr so ist.
Übrigens scheinen dort auch Leute lediglich die Namen von Profs eingetragen zu haben. Fragt sich, ob das nicht auch die Profs oder Mitarbeiter selbst waren, wenn dort noch keine Bewertungen vorhanden sind.
@ 31
Dass man sich mehrfach beteiligen kann, ist natürlich gegenüber dem Dozenten nicht fair. Wenn es jemand darauf anlegt, einen Prof schlecht zu reden, kann er die Statistik dadurch verzerren. Aber selbst bei einer Registrierungspflicht ist nicht ausgeschlossen, dass sich Leute mehrfach registrieren. Und wenn man sich ausweisen müsste, wäre das praktisch das Ende des Portals.
Was mich viel mehr verwundert, als das Pro und Contra über ein solches Ranking, ist der Betreiber der Webseite:
Da rangiert so'ne Art ein halbgewerblicher Verein und seine "Tochter" – alles im studentischen Bereich. Nur warum dann nicht gleich ein ASTA?
Die Uni-Rankings jedenfalls sollen den Herausgebern werbung und Öffentlichkeit verschaffen – hier steht davon nichts, aber ist das vielleicht auch nur so eine Werbeaktion?
Bei der Seite geht es ums Geld. Wenn die das schaffen, die #1 für solche Inormationen zu werden, und keiner an denen vorbei kommt, dann ist das finanziell interessant. Die Zielgruppe ist ja mehr als werberelevant. Da brauch man sich nur mal die Vorbilder wie http://www.ratemyprofessors.com anzusehen. Im übrigen ist der content ja unbezahlbar. Im Gegensatz zu Produktbewertungen, werden die "Produkte" bei meinprof.de nicht nach einem halben Jahr vom Markt genommen.
Zur Evaluation und Verbesserung der Lehre dienen "Top/Flop-Listen" sicher nicht. Ich bin gespannt, wenn solche Seiten auch beispielsweise Oberstufen-Lehrer benoten. Mal sehen, wie die Lehrerschaft damit umgeht…
Ich halte die bewertung Note/Aufwand für bedenklich, da es ja immerwieder fächer gibt (z.B. Technische Mechanik, Elektrotechnik etc.) bei dennen ein höhrer aufwand notwendig ist, der meist aus unzureichenden mathematischen Kenntnissen resultiert (dafür kann doch aber der TM-Prof. nichts)
ich denke es gibt eine ganze Menge Professoren die mangelnde Didaktik und schlechte Lehre ganz allgemein mit Anspruch verwechseln. Dass der dann gern als Totschlagargument gegenüber faulen und beleidigten Studenten herhalten muss ist auch nichts wirklich neues.
kleiner Nachtrag: legt man die durchschnittliche Notenbewertung in meinem Studiengang zugrunde (40-50 % Durchfallquote, Schnitt knapp ca. 4.0 oder schlechter), stehen unsere Professoren in der internen Evaluation (und auch bei meinprof.de) geradezu glänzend da, von Rachebewertungen keine Spur.
@36
Durchfallquote=Schlechte Lehre. Ich habe auch immer wieder eine Lehrauftrag an einer Uni und sehe, dass das Studium für die meisten Studenten zur Teilzeit-Beschäftigung geworden ist. Hausarbeiten werden als Zumutung empfunden und möglichst mit Copy-Und-Paste erledigt. Nun sollen also die Dozenten die Pflicht haben, den Studenten möglichst effektiv den Stoff einzutrichtern, damit genug Zeit für andere Freuden des Studentenlebens und zum Arbeiten bleibt?
Nein, so einfach habe ich mir das nicht gemacht, und das sollten sie auch nicht. Ich spreche von didaktischer Unbeleckheit, miesen oder meistens gar keinen Skripten und Vorlesungen als Abschreibeübung. Was das Studium als Teilzeitübung angeht kenne ich das nicht. In der Chemie z.b. summiert sich die Anwesenheit an der Uni in Vorlesungen, Seminaren und Saalpraktika (an der Uni und Pflicht) formal bis auf 45 SWS (und praktisch noch deutlich mehr) mit zusätzlicher Verplanung der vorlesungsfreien Zeit ebenfalls für Saalpraktika zwischen Winter und Sommer. Die die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen gehen daher meistens in den ersten zwei Semestern. Da von den freuden des Studentenlebens zu faseln ist der reine Hohn.
yeah, was für eine publicity.
Endlich wird mal der Spieß umgedreht. Für viele gilt immer noch:"l'état c'est moi" und nach dieser Maxime verhalten sie sich auch. Wenn es an ihre Macht geht, dann wird die große Keule "Freiheit der Lehre" ausgepackt. Prüfungsbewertungen sind wie Schiedsrichterentscheidungen unfehlbar. Ich finde es nicht verkehrt, wenn die hohen Herren von der universitären Aristokratie von ihrem hohen Ross herunter geholt werden. Und was solls, wenn ein Student mal eine schlechte Prüfungsstimmung mokiert? Ist ja auch nur ein subjektives Empfinden und keine Neubwertung der Relativitätstheorie. Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, muss da durch.
U.V. wie wärs mit http://www.meinRichter.de?
:-))
Grüße MM
An unserer Uni ist es ueblich, dass Evaluationen von den jeweiligen Profs (wenn diese das fuer richtig halten) in den letzten Vorlesungen eines Semesters vorgestellt und diskutiert werden. Was dabei an Kommentaren vorkommt, spricht genausowenig fuer die 'organisierten' Evaluationen. Es ist zwar keine mehrfache Bewertung moeglich und es ist sichergestellt, dass man in der Vorlesung war (es werden PINs fuer ein Webformular verteilt), aber trotzdem gibts immer einige unsachliche, bloedsinnige oder in anderer Weise unbrauchbare Kommentare und Bewertungen.
Ich denke jeder sollte sich bei beiden Methoden der Evaluation, organisiert/offiziell und 'wild' klar darueber sein wie sie Zustande kommen und entsprechend jedes Ergebnis cum grano salis lesen. So etwas sollte man von erwachsenen Abiturienten und erst recht von Professoren erwarten koennen.
Jeder Naturwissenschaftler weiss, was ein Messfehler ist und wie man damit umgeht, beide Methoden haben system- und teilnehmerbedingt solche Fehler. Jedes Messergebnis besteht mindestens aus dem Messwert, dem Fehler und der Bewertung dazu; die Kritiker schielen (natuerlich mit entsprechenden Hintergedanken ala. 'baeh, da koennte mich ja wer schlecht bewerten') aber nur auf den blanken Messwert und ignorieren den Rest.
Und wenn dann noch Leute kommen und jammern 'Oh wie schlimm, uns gefaellt es nicht bewertet zu werden, wie wuerde das euch gefallen?', dann sollten die vielleicht mal schauen, wieviele Koeche schon Sterne abgelehnt haben, weil sie nicht bewertet werden wollten. Und ganz nebenbei, wenn ich mir demnaechst Bildung als Dienstleistung von meiner Uni einkaufen darf (danke liebe verantwortliche Politiker, mein Hass ist euch sicher), dann moechte ich vorher wissen ob ich die Katze im Sack kaufe, egal ob von Stiftung Warentest oder meinprof.de. Und wenn dafuer die Rechtsgrundlage fehlt, dann muss sie halt geschaffen werden, entweder hier oder ich geh halt woanders studieren, das ist dann auch nicht mehr teurer.
Es sind dort nicht nur die Namen von Professoren aufgeführt, sondern z.T. auch von sonstigen wissenschaftlichen Mitarbeitern ohne Doktortitel. Offenbar vom Betreiber, denn viele davon sind immer noch ohne Bewertung.
Die meisten methodischen Kritikpunte einer solchen Form der Evaluation wurden ja bereits erwähnt. Spinnen wir diesen Faden aber einmal weiter: Was spräche denn dagegen, ein Portal wie http://www.meinstudi.de ins Leben zu rufen, in denen wissenschaftliches Lehrpersonal die Qualität ihrer Studenten genauso öffentlich mit Namen und freien Kommentaren bewerten können? Natürlich ähnlich hoch bei Google gelistet, damit potenzielle Arbeitgeber oder Dozenten sich noch Jahre später vorab ein Bild von den Interessenten machen können?
Nur so als Anregung, die man leicht weiter spinnen kann…
@ 42 / Manuela
Das Lehrpersonal bewertet die Qualität ihrer Studenten in Form von Noten. Sehr öffentlich, für jeden Arbeitgeber.
@43
Full ACK
@42
Die Betreiber tragen nur auf ausdrücklichen Wunsch ein, ansonsten kann jeder irgendwen anlegen.
Schönen guten Tag,
ich bin einer der Entwickler von MeinProf.de und möchte hier kurz zu einigen Kritikpunkten Stellung beziehen:
1) Zum Thema Beleidigungen: Ehrherabwürdigende Äusserungen u.ä. sind bei MeinProf.de nicht erwünscht und verstoßen ausdrücklich gegen unsere Nutzungsbedingungen (http://www.meinprof.de/info/nutzung) und wir löschen solche Äusserungen auch sofort nach Kenntnisnahme. Aufgrund der Masse an Bewertungen in den letzten Wochen sind wir natürlich auch auf Mithilfe der Besucher angewiesen, die uns solche Bewertungen mitteilen, bisher funktioniert das auch schon recht gut. Mittelfristig wollen wir an den jeweiligen Hochschulen sog. Uni-Admins einführen, also freiwillige Studierende, die routinemäßig die Neueinträge nach Fehlern, Manipulationen und Beleidigungen durchschauen.
2) Wir nehmen für uns nicht in Anspruch, daß die Ergebnisse repräsentativ sind, dies ist schon aufgrund des Mediums Internet undenkbar. Wie aussagekräftig die Ergebnisse sind, hängt natürlich von der Anzahl der Teilnehmer ab. Dies ist offentlich auch jedem Besucher klar, wir haben dazu aber auch noch einen Eintrag in unseren FAQ erstellt: http://www.meinprof.de/info/faq#repraesentativitaet
Unser Angebot ist erst wenige Monate online, daher verfügen natürlich viele Lehrveranstaltungen noch nicht über eine ausreichend hohe Anzahl an Bewertungen, wir sind jedoch fest der Überzeugung, daß sich dies im Lauf der Zeit ändern wird. Viele Professoren weisen auf den Webseiten zur Lehrveranstaltung oder direkt in der Vorlesung bereits auf MeinProf.de hin, bei diesen Dozenten kommt es dann i.d.R. auch zu einer recht hohen Rücklaufquote.
3) "Die Studenten wollen sich nur rächen": Das ist ganz sicherlich eher die Ausnahme als die Regel. Wenn man sich wirklich mal alle Bewertungen durschaut (und ich traue mir da schon zu einen guten Überblick zu haben), so erkennt man, daß ein großer Teil der Bewertungen im guten oder sogar sehr guten Notenbereich liegt. Bei den Lehrveranstaltungen, bei denen wir dies selber beurteilen können, spiegeln die Noten auch ziemlich gut die allgemeine Stimmungslage unter den Studierenden wieder, sowohl im negativen, als auch im positiven Bereich.
4) "Verhältnis Note/Aufwand": Mit diesem Kriterium sind wir auch nicht 100% glücklich, aber es ist trotzdem interessant genug um weiter erhoben zu werden. Das Verhältnis der Note zum Aufwand ist natürlich kein wirklich sinnvolles Kriterium für die Bewertung der Qualität einer Lehrveranstaltung, daher geht es auch *nicht* in die Gesamtnote mit ein:
http://www.meinprof.de/info/faq#kriterien
5) "Die Fragen/die Auswahl der Kriterien ist unwissenschaftlich": Mit Sicherheit können wir für uns nicht in Anspruch nehmen, bei der Auswahl der Fragen die gleiche Qualität zu erreichen wie bei den sonst üblichen Lehrevaluationen an Hochschulen. Dies ist jedoch Absicht, wir hätten natürlich auch ohne Probleme die bekannten Fragebögen online stellen können. Warum? Weil wir uns bei einem zeitaufwendigen Fragebogen keinen Erfolg versprochen hätten. Zum einen wäre die Rückläuferquote entschieden geringer und zum anderen wäre die Darstellung der Ergebnisse kaum in einer sinnvollen Art möglich gewesen.
6) Wir wollen übrigens auch keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Lehrevaluationen sein. Einige Hochschulen führen bereits eine Evaluation durch und wir finden dies sehr lobenswert, allerdings
a) gibt es immer noch sehr viele Hochschulen, bei denen keine Evaluation der Lehre stattfindet.
b) werden die Ergebnisse häufig gar nicht oder nur unter erschwerten Bedinungen (z.B. auf Antrag und dann nur unter Aufsicht) veröffentlicht. c) helfen solche internen Evaluationen auch Schülern oder Studienplatzwechsler auf der Suche nach der richtigen Uni nicht weiter und lassen keine Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Hochschulen zu.
d) folgen i.d.R. daraus keine Konsequenzen. Ich bin seit Jahren Mitglied im Fakultätsrat meiner Fakultät und kann mich an etliche Diskussion zu diesem Thema erinnern. In Deutschland fehlt an den Hochschulen (häufig noch) das Druckmittel um von Professoren gute Lehre einzufordern. Dies sehen bei uns an der Fakultät fast alle Professoren so, ausser vielleicht die, die bei den Evaluationen immer schlecht abschneiden, aber die beteiligen sich (zumindest bei uns) auch meist nicht an der Unipolitik.
7) Zum Thema Manipulationen: Ja, schon durch das Medium Internet sind diese nicht auszuschliessen. Wir arbeiten jedoch daran MeinProf.de so gut wies unter diesen Umständen geht davor zu schützen. Zum einen Überprüfen wir routinemäßig auffällige Einträge und können recht einfach Mehrfach- oder Rachebewertungen löschen und zum anderen haben wir mittlerweile die vorherige Registrierung zur Pflicht gemacht. Natürlich wird es dann immer noch die Möglichkeit geben, daß sich einzelne Teilnehmer mehrfach mit verschiedenen E-Mail-Accounts anmelden, aber i.d.R. erkennen wir sowas auch recht einfach und zum anderen gehen extreme Einzelmeinungen im Laufe der Zeit in der Masse unter. Auch eine Umstellung der Durschnittsnoten vom arithmetischen Mittel zum Median wäre denkbar.
Desweiteren sind wir dabei z.Z. eine Passwortlisten-Funktion zu implementieren. Dozenten können sich damit einfach Passwortlisten für ihre Kurse generieren, die Passwörter an ihre Studierenden austeilen und stellen dadurch sicher, daß nur wirkliche Kursteilnehmer abstimmen dürfen.
8) Zum Artikel auf Heute.de:
a) Wir sind nun wahrlich keine "frustrierten Studenten" und ich kann zumindest von mir selber sagen, daß ich sowohl mit meinen Professoren recht zufrieden sein kann und diese wohl, nach meinen Noten zu urteilen, auch mit mir. Allerdings gibt es auch (genau wie bei den Studierenden) viele "Schwarze Schafe" unter den Profs und um diese sollte man dann auch im Studium einen großen Bogen machen, MeinProf.de kann dabei zumindest _eine_ Hilfe sein, vorausgesetzt man hat die Wahl.
b) Wir haben eigentlich kein Interesse an einem Rechtsstreit und haben auch nie dazu aufgefordert für unsere (nicht vorhandene) "Kriegskasse" zu spenden.
c) Die überwiegende Mehrheit an Rückmeldungen von Professoren ist sehr positiv und nur ein bisher unbedeutend kleiner Prozentsatz hat uns bisher dazu aufgefordert die Einträge zu entfernen. Die meisten dieser Profs lehren im übrigen an zwei bayerischen Fachhochschulen und haben z.T. im Mailverkehr auch durchaus signalisiert, daß sie MeinProf.de eigentlich unterstützenswert finden, sie aber einen gewissen Druck durch die Kollegen oder "von oben" verspüren.
Für weitere Fragen und Anmerkungen sind wir über info(AT)meinprof.de zu erreichen.
Viele Grüße,
Thomas
@ 43/44: Die Bewertungen bei MyProf sind (1) für jeden öffentlich einsehbar und (2) mit der Option für freie Kommentare. Das halte ich keinesfalls für vergleichbar mit der _Möglichkeit_ von Studenten, ausgewählten Arbeitgebern ausgewählte Noten nicht-öffentlich vorzulegen – oder zu verschweigen.
Ich bin da entschieden für Gleichberechtigung, also gleiche öffentliche Behandlung beider Seiten. Und sollte MyProf in der jetzigen Form bestehen bleiben, ist das bestimmt nur eine Frage der Zeit…
@45: Auch wenn die Betreiber hier mit mit vielen Worten Nebel zu werfen versuchen – in der Sache ist keiner der Einwände widerlegt.
1) Die US-amerikanischen Vorbilder zeigen, dass die erforderliche große Teilnehmerzahl pro bewertetem Dozenten in der Breite nicht realistisch ist. Das größte und älteste US-Portal (ratemyprofessors.com) hat nach sechs Jahren im Schnitt 7 Bewertungen pro Dozent erreicht (ca. 5 Mio. Bewertungen auf 0,7 Mio. Dozenten). Das Verhältnis dürfte in Deutschland – bei natürlich kleineren absoluten Zahlen – langfristig ähnlich aussehen. Für die übergroße Mehrheit der bewerteten Dozenten ist folglich nicht mit einer aussagekräftigen Zahl von Bewertungen zu rechnen.
2) Die Behauptung, Mehrfachregistrierungen – und damit Mehrfachbewertungen – durch ein und dieselbe Person wirksam verhindern zu können, entbehrt ersichtlich jeglicher Grundlage. Genauso substanzlos ist das Versprechen, durch Passwortlisten zu gewährleisten, dass nur tatsächliche Veranstaltungsteilnehmer posten: da dies nur funktionieren würde, wenn alle Dozenten kooperieren, wäre das das Ende von MeinProf.de.
3) Es mag sein, dass schlimmste Formalbeleidigungen ("Dozent ist ein A********") auf Antrag gelöscht werden. Nicht gelöscht werden, wie man sich durch Anzeige der deutschlandweiten Top/Flop-Listen leicht überzeugen kann, sonstige pauschale Herabsetzungen aller Art ("Dozent ist der schlechteste Prof des Fachbereichs/der Uni/Deutschlands/der ganzen Welt"). Es dürfte sich von selbst verstehen, dass sich niemand die Verbreitung solcher Herabsetzungen via Internet gefallen lassen muss – ebensowenig wie bei Verbreitung in Buchform. Und ob etwas anderes gilt, wenn man dies zwar nicht ausdrücklich schreibt, aber ausschließlich mangelhafte Noten vergibt, ist doch sehr die Frage.
4) Auf das Entscheidende wird schließlich überhaupt nicht eingegangen: Bewertungen der beruflichen Kompetenz einer Person sind wegen des Persönlichkeitsbezugs nicht genauso zu behandeln wie Produktbewertungen. Es steht deshalb völlig außer Frage, dass die Dozenten negative Beurteilungen über ihre Studenten selbst dann nicht in individualisierbarer Form via Internet verbreiten dürfen, wenn sie sachlich begründet sind. Genau das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt.
Ivo
@46: Hallo Manuela,
Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Professoren bieten die Dienstleistung Lehre an und die Studierenden sind die Kunden dieser Dienstleistung und haben meines Erachtens auch das Recht darüber zu urteilen. Studenten als Kunden zu sehen mag zwar in Deutschland ungewöhnlich sein, aber zum einen ist das mittlerweile der offizielle Sprachgebrauch an manchen Hochschule und zum anderen werden in Zukunft in immer mehr Bundesländern Studiengebühren eingeführt und spätestens dann sind wir wirklich Kunden. Aber auch jetzt schon zahlt der Staat, also wir alle, den Professoren ein nicht gerade geringes Gehalt und dafür kann man auch eine qualitativ hochwertige Lehre verlangen.
Es besteht ausserdem ein himmelweiter Unterschied zwischen der Veröffentlichung von offiziellen Prüfungsergebnissen und subjektiven *Meinungen* von Studierenden.
Desweiteren dürfte es kein öffentliches Interesse geben, Bewertungen über Studierende zu veröffentlichen, denn diese erhalten bereits eine Note im Form ihres Abschlußzeugnisses, das nebenbei gesagt auch viel schwerwiegender ist als das Ergebnis eines nicht repräsentativen Meinungsforums im Internet. Ganz davon abgesehen, daß Professoren i.d.R. als Beamte auf Lebenszeit und einem im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Ausübung von Forschung und Lehre nichts zu befürchten haben.
Und übrigens, die Seite heisst nicht "MyProf", sondern "MeinProf.de".
–Thomas
@47:
1) Bei MeinProf.de wurden nach vier Monaten (13. November 2005 bis heute) 10486 Professoren eingetragen, die auch bereits bewertet wurden. Das macht bei insgesamt 63977 Bewertungen einen Schnitt von 6.1 Bewertungen pro Dozent. Da das Verhältnis von neu eingetragenen Dozenten und Bewertungen etwa 1:3 ist, werden wir den Schnitt von ratemyprofessors.com schon in wenigen Wochen übertreffen. Natürlich wird es kaum möglich sein in den nächsten Jahren für jeden Professor in Deutschland ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, die Aussagekraft der Ergebnisse für mittel- und langfristig jedoch auch in der Masse steigen.
2) Ich habe nicht behauptet, daß wir einzelne Mehrfachbewertungen wirksam unterbinden können. Ich habe geschrieben: "Wir arbeiten jedoch daran MeinProf.de so gut wie es unter diesen Umständen geht davor zu schützen." Und das tun wir auch. Einen 100% Schutz gibt es natürlich nichteinmal annährend, aber wir sind meiner Einschätzung nach schon recht erfolgreich bei der Aufdeckung von Manipulationsversuchen.
Zu den Passwortlisten: Natürlich bringen die nur etwas für den Kurs, bei dem auch Passwörter an die Teilnehmer verteilt wurden. Die Bereitschaft der Profs mit uns in diesem Bereich zu kooperieren ist jedoch hoch, wir bekommen täglich mehrere Anfragen von Dozenten die sich für die TAN-Listen interessieren.
3) Die Grenze ist in der Tat schwer zu ziehen, wir reagieren jedoch sehr schnell, wenn wir davon Kenntnis erlangen. Natürlich führen wir auch Routinekontrollen durch, aber durch den Ansturm der letzten Wochen sind wir da auch nicht mehr wirklich hinterhergekommen. Zur Idee Uni-Admins in den jeweiligen Hochschulen zu finden (Interessenten dafür gibt es schon jede Menge), hatte ich ja bereits etwas geschrieben, dadurch wird es zukünftig wesentlich einfacher werden schnell zu reagieren.
Im übrigen haben wir in Deutschland ein im Grundgesetz verankertes Recht auf freie Meinungsäusserung und wenn jemand der Meinung ist, daß ihm eine bestimmte Lehrveranstaltung nicht gefallen hat, dann darf er dies auch äussern. Solange das nicht in ehrverletzender Form geschieht, ist das einem – hoffentlich nicht mehr nur auf dem Papier – freien Land wie der Bundesrepublik noch zulässig.
4) Du hast recht, daß dies der zumindest rechtlich entscheidende Punkt ist. Wir stehen bereits im Kontakt mit dem für uns zuständigen Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit und die Bewertung ist nicht so einfach, wie du es vielleicht denkst. Im übrigen möchte ich zu bedenken geben, daß es gesellschaftlich voll akzeptiert und auch legal ist, die berufliche Kompetenz von Politikern, Sportlern, Schauspielern, Moderatoren, Künstlern, Architekten und ähnlichen Berufsgruppen zu beurteilen. Warum soll dies für Professoren, die in ihrer Zielgruppe ähnlich in der Öffentlichkeit stehen, nicht auch möglich sein?
–Thomas
@ 49: Der Hinweis auf die Meinungsfreiheit übersieht, dass die betreffenden Äußerungen stets völlig anonym sind – in diesem Fall fällt (da streiten sich die Rechtsgelehrten) die Äußerung entweder schon gar nicht in den Schutzbereich des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung oder die Meinungsfreiheit ist dem ebenfalls verfassungsrechtlich geschützten Persönlichkeitsrecht gegenüber nachrangig. Im Ergebnis ist jedenfalls klar, dass sich auf die Meinungsfreiheit hier niemand berufen kann.
Abgesehen davon fallen die meisten der problematischen Kommentare und Bewertungen ohnehin unter die rechtliche Kategorie der "Schmähkritik", die ebenfalls nicht den Schutz der Meinungsfreiheit genießt. Dass solche Bewertungen de facto ebenso wenig wirksam verhindert werden können wie Mehrfachregistrierungen, räumt das vorhergehende Posting ja der Sache nach auch ein (dass man "daran arbeite", letztere zu verhindern, gehört wieder in die Kategorie Nebelwerferei – wie sehen denn diese Bemühungen aus??).
Natürlich wird es in Zukunft nicht kostenpflichtige Abmahnungen für MeinProf.de hageln, aber nur deshalb nicht, weil die meisten Dozenten von ihren Bewertungen gar nichts mitbekommen werden (und weil die, die es mitbekommen, die Sorge haben werden, dass ihnen die Einleitung rechtlicher Schritte von den Studenten noch mehr übel genommen wird). Aber darauf ein Geschäftsmodell aufzubauen, ist schon ziemlich armselig.
Ivo
1) Zum Thema Meinungsfreiheit: Ich bin kein Jurist und erlaube mir daher keine abschliessende Beurteilung dieser Problematik. Wir stehen jedoch mit einigen Fachleuten aus dem Gebiet Internet- und Medienrecht in Kontakt und bisher waren alle der Meinung, daß MeinProf.de als Meinungsforum zumindest in diesem Bereich rechtlich unkritisch wäre.
2) Zu unseren Bemühungen Manipulationen zu unterbinden:
- Wir haben die vorher optionale Registrierung obligatorisch gemacht. Zur Registrierung ist eine gültige E-Mail-Adresse notwendig, die wir auch mit einem Challenge-Response-Verfahren überprüfen.
- Wir bieten den Dozenten zum nächsten Semester die bereits erwähnten Passwortlisten an, die Resonanz darauf war bisher sehr groß.
- Über die typischen Merkmale wie IP-Adresse/Provider, User-Agent-String, Datum/Zeit der Bewertungen, usw. können wir recht einfach Manipulationen feststellen. Insbesondere die typischen komplett 5er und 1er Bewertungen sind leicht zu finden und mit anderen Bewertungen in einen Zusammenhang zu bringen.
Bisher haben wir über 5.000 Bewertungen gelöscht, wobei die Mißbrauchquote seit Einführung der Zwangsregistrierung deutlich gesunken ist.
3) Wo bitte bauen wir ein Geschäftsmodell auf? Du solltest lieber bei den Tatsachen bleiben, anstatt uns irgendwas zu unterstellen.
4) Woher hast du und einige andere hier eigentlich den Eindruck, daß es uns oder den Teilnehmern primär darum geht Professoren schlecht zu machen? Schau dir doch mal bitte die Durschnittsbewertungen von Profs einiger Unis, z.B. der TU Berlin an: http://www.meinprof.de/unis/berlin/tu-berlin
Die überwiegende Anzahl der Bewertungen haben eine eins oder zwei vor dem Komma, mit i.d.R. auch positiven Kommentaren. Natürlich gibt es auch Studierende, die sich einen Spaß daraus machen jemanden besonders schlecht zu beurteilen oder sich aus irgendeinem Grund rächen wollen, diese Bewertungen gehen aber (wenn nicht schon jetzt, dann zukünftig) in der Masse unter oder werden von uns gelöscht, wenn sie auf Mißbrauch hindeuten.
Genauso gibt es aber auch an jeder Hochschule Professoren, die einfach keine gute Lehre abliefern und deren Lehrveranstaltungen so auch zu Recht schlechte Noten erhalten. Wer dies anzweifelt hat entweder nie studiert oder ziemlich viel Glück bei der Auswahl seiner Hochschule oder seiner Kurse gehabt.
Im übrigen gibt es zwar eine zweistellige Anzahl an Professoren, die uns bisher mitgeteilt haben, daß sie nicht bei MeinProf.de evaluiert werden möchten (von über 10.000) und die wir daraufhin auch gelöscht haben, die Anzahl an positiven Rückmeldungen durch Professoren ist jedoch wesentlich höher. Genauso haben wir indirekt von unzähligen Studierenden erfahren, daß Dozenten in ihren Vorlesungen zu einer Teilnahme bei MeinProf.de auffordern. So falsch kann unser Konzept daher – trotz der systembedingten Schwächen des Internet – auch nicht sein…
–Thomas
Im Google- Zeitalter bleibt erst mal jahrelang alles im Internet stehen. Um so wichtiger ist es, dass da nichts Verunglimpfendes über einen steht. Würde in anderen Berufsbereichen denn jeder wollen, dass seine Bewertung öffentlich gemacht wird? Und womöglich noch eine, von einem Kunden, der aus welchen GRünden auch immer frustriert ist?
Heute steht in der Zeitung, dass selbst der Wikipedia- Gründer davor warnt, sich auf Infos in Wikis zu verlassen.
Das Argument,mit der Bewertung der Professoren hätten Studenten nun eine wichtige Informationsquelle, ist ein Witz. In meinem Studium hatten wir Profs, die waren persönlih anstrengend,und die Vorlesungen waren staubtrocken. Aber für dieses bestimmte Fachgebiet gab es eben keine Alternative! Was hätte es mir da genützt, im Internet zu lesen, dieser Typ sei fies und staubtrocken? Nichts. (Sowas weiß man im Fachbereich als Studi doch längst, auch ohne im Internet eine Bewertung zu lesen!)Und wenn man´s noch nicht weiß, geht man halt in die Vorlesung oder das Seminar und sieht es selbst.
Leute, seid Ihr als angehende Akademiker so unfähig, dass Ihr vorgekaute Meinungen aus dem Internet braucht? Kann doch wohl nicht.
Und wie sonst auch bei persönlichen Vorlieben ist das bei Bewertung von Profs als Personen und beid der Qualität der Seminare und Vorlesungen. Was der eine zu schnell und theoretisch findet, ist dem anderen eher zu langsam. Was der eine gut strukturiert und straff duchgezogen findet, findet der andere eine Überforderung oder arrogant.
Liebe Leute, verabschiedet Euch endlich von der Vorstellung, es gebe so etwas wie Objektivität!
Außer persönlicher Befriedigung derer, die bewerten, kann ich keinen Sinn in Foren wie myprof.de sehen.
Ich bin übrigens kein Prof., sondern verdiene meine Brötchen im Bereich Unternehmensberatung.