MINDERHEITEN
Die unangemessene Äußerung eines Staatsanwalts vom Anfang Februar hat jetzt den gesamten Apparat der nordrhein-westfälischen Justiz auf Trab gebracht: Unter der Überschrift „Minderheiten-Bezeichnung“ hat das Ministerium auf sieben Seiten über alle Gerichtspräsidenten, Generalstaatsanwälte und Behördenleiter bis hinunter in die kleinste Amtsstube an einen im Januar 2004 aufgehobenen Erlass erinnert.
Darin war die Weisung gestrichen worden, Sinti und Roma nicht so zu nennen; denn es sei ja selbstverständlich, Minderheiten nicht zu bezeichnen. Aktuell wird nun nochmals gemahnt: „dass Hinweise auf die Herkunft, auf die Zugehörigkeit von Personen, Tätern oder Tatverdächtigen zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit oder auf deren Hautfarbe nur erfolgen sollen, wenn dies für das Verständnis der Fall ist“.
Daran hatte sich der vom Zentralrat der Sinti und Roma gerügte Staatsanwalt offenbar nicht gehalten. (pbd)
Zitat:"das Ministerium auf sieben Seiten über alle Gerichtspräsidenten, Generalstaatsanwälte und Behördenleiter bis hinunter in die kleinste Amtsstube an einen im Januar 2004 >>aufgehobenen
[zynischer Kommentar]
Wieso ?
Sinti und Roma war doch der politisch korrekte Ersatzbegriff für Zigeuner ? Muss man das jetzt etwa umbenennen in "Mitarbeiter in internationaler At-Home-Service-, Beratungs- und Vertriebsagentur für Bodenbeläge"?
Nein, "Mobile-ethnische-Minderheit" :)
verstehe ich das richtig?
Ein Sinti/Roma fühlte sich beleidigt, weil er als Sinti/Roma bezeichnet wurde?
Ist also Sinti/Roma ein beleidigender Begriff? Das wäre mir neu, immerhin bezeichnet sich diese Bevölkerungsgruppe selbst so (http://www.sintiundroma.de/).
Es ist also keine Beleidigung, genausowenig wie es eine Beleidigung ist, einen Franzosen als Franzosen oder einen Sachsen als Sachsen oder einen Christen als Christen zu bezeichnen.
Wo ist also das Problem?
das Problem ist wohl, dass immer dann besonders hervorgehoben wird das es sich um eine Minderheit handelt wenn eine Straftat begangen wurde. In anderen – positiven – Zusammenhängen wird das eher nicht gesondert herausgestellt. Die Tatsache, dass diese Bevölkerungsgruppen eher einer Straftat verdächtig ist als "Deutsche" dürfte auch Einfluss auf die Kriminalstatistiken haben, da diese damit dann auch eher aufgeklärt werden (Bsp. Blondes deutsch aussehendes Mädchen kann in einem Kaufhaus eher unbemerkt was klauen als schwarzhaariger offensichtlich ausländischer Junge, da letztere von den Inhabern eh schon mit Argusaugen betrachtet werden).
@4
Soweit ich das verstehe, geht es darum, daß zumindest von Seiten der Staatsanwaltschaft etc. nicht extra darauf hingewiesen werden soll, daß jemand Angehöriger einer Minderheit ist. Wozu auch, wenn's nicht relevant ist?
man kann es mit der politischen korrektheit auch übertreiben ….
und im übrigen gibt es unter den "zigeunern" noch deutlich mehr gruppen als die "sinti" und die "roma". so z.b. die "jenischen", die "lowara" und die "kalderasch". die angehörigen dieser gruppen kann man mit "sinti und roma" nur schwer beschreiben. genausowenig wie die bezeichnung "türke" nicht jeden "südländisch aussehenenden mitbürger" korrekt bezeichnet ….
Wenn p. c. , dann aber auch richtig! Bitte überall ein "-Innen" anhängen. ;-)
Im Zuammenhang mit Straftaten der o.g. Minderheiten muß unsere Tageszeitung in Offenbach auch schon Wortakrobatik betreiben, denn der Zentralrat hat nichts besseres (anstatt auf seine Landsleute einzuwirken) zu tun als eine Rüge nach der anderen abzusetzen. Deswegen heißt es jetzt:
»Eine Gruppe mit Migrantenproblemen, die ein gestörtes Verhältnis zu fremden Eigentum haben«
"Zigeuner" ist schon sehr lange ein GATTUNGSbegriff für das fahrende Volk. Wer eigentlich Zigeuner meint, jedoch nur "Sinti & Roma" nennt, unterschlägt Lowara, Kalderasch, Lalleri, Manusch, Jerli, Jenischen und weiterer Volksgruppen.
Angehörige der Sinto und Roma sehen im Begriff "Zigeuner" gerne mal eine Diskriminierung, verlieren sie dadurch ja ihre sprachliche Sonderstelltung unter den Zigeunern.
PC-Denken und Schreiben ist ein Zeichen von fremdmanipulierter Gehirnwäsche und Gedankenkontrolle.
Ich erinnere mich, dass vor ein paar Jahren mal von grünen MigrationspolitikerInnen die Kriminalstatistik analysiert wurde. Ergebnis: Zieht man diejenigen Straftaten ab, die Deutsche im Inland gar nicht begehen können (Verstöße gegen Ausländerrecht, Aufenthaltsrecht etc), dann sind die ethnischen Minderheiten sogar unterrepräsentiert.
Manchmal (http://www.lawblog.de/index.php/archives/2005/08/29/billiger-bussen/) ist die zumindest augenscheinliche Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit sogar von Vorteil.
Die Fürther Nachrichten machen es ganz korrekt. Sie nennen die ethnische Zugehörigkeit der Verdächtigen des Ladendiebstahls nicht, geben ihnen aber die fiktiven Namen Oleg und Olga.
ich find die anweisung absolut okay…
Richter: "Sind Sie Sinti oder Roma?"
Angeklagter: "Zigeuner."
Dass die politisch korrekte Sprachpolizei auch schon im Gerichtssaal Einzug gehalten hat, zeigt folgender Prozessbericht:
«Am 8. August versammelten sich die Angehörigen einer Schaustellerfamilie nach einer Trauerfeier in einer Gaststätte in [Mannheim-]Neckarau. Am späten Abend, nachdem ihn einer der noch anwesenden Gäste übel beschimpft und bedroht hatte, rief der Wirt, der gestern als Zeuge aussagte, die Polizei. Laut Polizeiprotokoll empfing er die Beamten vor der Tür mit dem Hinweis, es befänden sich 25 bis 30 "Angehörige einer ethnischen Minderheit" in seinem Lokal.
Auf Nachfrage des Karlsruher Verteidigers W., ob er sich wirklich so ausgedrückt habe, belehrte Amtsrichter J. gestern unverzüglich den Wirt im Zeugenstand: "Zigeunerschnitzel dürfen Sie auf der Speisekarte schreiben, aber wenn Sie jetzt ein anderes Wort zugeben, erfüllt das den Straftatbestand der Beleidigung."»
Aus: Die Rheinpfalz. (Teilausgabe:) Ludwigshafener Rundschau v. 15.3.2001, Lokalteil Mannheim.
Ich persönlich würde es ja eher als Beleidigung auffassen, wenn ich als "mobile ethnische Minderheit" – oder auch nur MEM – bezeichnet würde. Da wäre mir Sinti oder Roma ja schon lieber…
Hat eigentlich mal wer die Betroffenen gefragt, was ihnen lieber ist, bevor es zu diesem bescheuerten Erlass kam? Wäre mal interessant zu wissen…
@15: Ja, das Verfahren war … äh … nett. Ich erinnere mich noch lebhaft daran. Wie klein die Welt doch ist …
Übrigens: Statt "political correctness" sagt man jetzt "social awareness". Das ist einfach politisch korrekter… ;)
wenn es der wahrheit entspricht das ein straftäter einer bestimmten nationalität oder gruppe angehört und dieses genannt wird so ist es nur die wahrheit warum sollte das verboten werden.
dir wahrheit wird verboten
Beim Lesen der Kommentare hab ich mich ja durchaus gelegentlich kaputt gelacht. Poli^wSocial awareness macht in meinen Augen nur die alltägliche Kommunikation zur Hölle. Als Beispiel fallen mir da Vorlesungsskripte eines Professors ein, dessen Lieblingsbeispiel sich ausgerechnet auf eine Universität bezog, die nun zwangsläufig mit Studenten, pardon Studenten und Studentinnen, verknüpft ist. Lesbarkeit war wohl zweitrangig. Gleichbehandlung offensichtlich auch, wenn eine Bevölkerungsgruppe explizit erwähnt werden muss, damit die Paragraphen ihren Frieden finden.
Btw. gibt auch der Wikipedia-Artikel zu "Zigeuner" interessante Einblicke in die Bedeutungsentwicklung. Schließlich läuft es darauf hinaus, dass wir wieder Opfer unserer eigenen unrühmlichen Vergangenheit sind.
(Der p.c. und des erwähnten sensiblen Themas halber sei noch erwähnt, dass ich mich ausdrücklich von jeglichem Rechtsextremismus distanziere.)