15.5.2006

DAMALS AN DER UNI

Lohnt sich ein Studium noch? Das fragt der Tagesspiegel. Die Antwort ist wohl als knappes “Ja” zu verstehen.

So eng kann es aber nur ausgehen, wenn man nach Einkommen und dem Risiko fragt, später arbeitslos zu werden. Was ist aber zum Beispiel mit der Studienzeit selbst? Da kann Finanzamts-Azubi Elena nach Feierabend noch so viele Runden mit ihrem Golf drehen. Student Florian fährt wahrscheinlich Fahrrad. Er hat aber vier Jahre garantiert mehr Spaß, selbst wenn er vor der Uni dreimal die Woche zur Frühschicht bei UPS antritt.

Wenn ich heute mal was von Kommilitonen höre, dann sind wir nach fünf Minuten beim Thema. Wie geil war das denn, damals an der Uni? Ich habe noch keinen getroffen, der nicht sentimental wird, wenn er an die Zeit zurückdenkt. Das ist unabhängig davon, ob sie sich als Sachbearbeiter durchschlagen. Oder in Eile sind, weil gleich der Flieger zum Partnermeeting in New York geht.

Abgesehen davon möchte ich behaupten, dass ein Studium mehr ist als das Ticket für einen Job. Aber vielleicht denke ich das ja nur, weil ich nicht weiß, wie viele tollen Sachen man beim Finanzamt lernt.

(Link gefunden bei Jurabilis)

18 Kommentare zu “DAMALS AN DER UNI”

  1. Lars meint: (15.5.2006 um 08:53) AntwortenReply to this comment

    Ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Als ehemaliger Azubi war man damals schon ein wenig neidisch auf die Studenten.

    Aber ein Studium war für mich finanziell einfach nicht drin.

    Mittlerweile sehe ich das gelassen:
    Als Student hatte man jede Menge Zeit für sinnlose Trinkgelage, als Azubi hatte man das Geld dafür.

    Aber der Vergleich "Finanzamts-Azubi" "Jurastudium" hinkt auch ein wenig. Ich denke, wer studiert, weil er später im Finanzamt arbeiten will, hat auch dabei keinen Spaß.

  2. Julius meint: (15.5.2006 um 09:35) AntwortenReply to this comment

    Ich studier zwar noch nicht so sonderlich lang, aber ich möcht schon jetzt die Zeit nicht missen. Nicht nur wegen der Freizeit mit den Komilitonen.
    Die immer noch schlechten Jobaussichten für Juristen, kann man, wenn man richtig Spaß am Studium hat, auch mal bei Seite schieben. Man wird mehr zu selbstständigem Denken animiert als in einer Ausbildung.
    Außerdem sind die Jobaussichten bei Ausbildungsberufen, je nach Fachrichtung, auch nicht besser. Und als Jurist bleibt einem immer noch der Weg in die Selbstständigkeit. Das geht bei vielen Ausbildungsberufen nicht.

  3. Alix meint: (15.5.2006 um 09:36) AntwortenReply to this comment

    Ein Studium hatte ich auch mal in 'Angriff' genommen.
    Töchterlein will studieren. Human-Medizin, nach dem sie erst Veterinär-Medizin studieren wollte. Abi-Schnittnote: 2,3. Jetzt wartet sie auf einen Studienplatz, die Zeit läuft ihr davon. Sie hat in Krankenhäusern gewerkelt, ehrenamtlich. Dann hat sie wärend der Wartezeit eine Ausbildung zur Rettungsassistentin gemacht und verdient damit ihr Geld. Ein 'Scheiß-Job', in dem sie viel Leid erlebt.
    Manchmal schweigt sie. Dann hat sie was hart getroffen. Elend, Tod. Und die Tränen kullern (ist gut, dass es noch funktioniert). Hat sie jemanden aus einem verunglückten Auto rausgeholt, sich bemüht, diesen Jemand wieder Leben einzuhauchen, vergebens? War es ein Kind, dass von einem Auto getroffen wurde – Ergebnis blutiger Matsch?
    Töchterlein (diesen Namen behält sie für mich) kniet sich richtig in ihren Job rein. Darf sie nicht studieren, weil es solche Leute auch braucht? Mist, der absolute Mist.

    Warum lässt man so engagierte junge Menschen nicht studieren? Ob sie nach dem Studium glücklicher sind, ist nicht sicher. Aber es sind Ziele, die verwehrt werden, weil die erteilten Noten im Abi-Zeugnis irgendwelchen Ansprüchen nicht genügen. Dabei sagen die Noten absolut nix aus – es sind Momentaufnahmen.
    Das Bildungssystem ist in Deutschland (ich sags mal wieder so, wie mir der Schnabel gewachsen ist) der absolute Mist.

  4. Media Addicted meint: (15.5.2006 um 09:39) AntwortenReply to this comment

    @Lars

    "Aber ein Studium war für mich finanziell einfach nicht drin."

    Das gilt vielleicht ab dem Wintersemester 2006/2007. Aber wieso war das finanziell nicht drin? Wofür gibt es denn BaFög? Zugegeben, es ist einfach AUFWÄNDIGER, sich das alles zu organisieren, die Hemmschwelle liegt dadurch höher, aber MACHBAR? Alles eine Frage dessen, wie sehr man es wirklich will, jedenfalls bis heute. Überhaupt ist das ganze Studium weniger eine Frage der Intelligenz als vielmehr des Ehrgeizes. 1:2 in Anteilen gesprochen vielleicht.

    In Frankfurt a.M. musste ich ausserdem auch nebenher jobben, da kommt man mit 600 EUR nicht weit. Stressig? Ja, teilweise. Spaßig? Auf jeden Fall! Ich würds auch immer wieder machen.

    Azubi war ich im übrigen vorher auch, ich weiß also, wovon ich rede.

  5. Nun-ex-Referendar meint: (15.5.2006 um 09:56) AntwortenReply to this comment

    Auch als Azubi hat man Spaß. Wirklich. :)
    Aber ein Studium hat auch seinen Reiz. Ich kann von beiden Sachen aus eigener Erfahrung berichten. Als Student nimmt man die Welt einfach anders wahr.

  6. Michael meint: (15.5.2006 um 09:59) AntwortenReply to this comment

    Ich konnte meinem Elektrotechnik-Studium nicht viel abgewinnen, im ersten Semester haben wir die zum Brückenbau benötigte Statik gelernt. Was soll sowas?
    Ich habe dann nach einem Jahr abgebrochen, weil der gelehrte Stoff nichts mit meinen Erwartungen an ein Elektrotechnik-Studium zu tun hatte. Für mein jetziges Leben brauche ich weder Abi noch Studium. Ich habe mir autodidaktisch (fast) alles zum Thema Grafik, Video, Special Effects (und natürlich Mac) angeeignet. Ich verdiene gut, habe Spaß am Job und bilde andere Mitarbeiter aus. Ich hätte mir das Studienjahr schenken sollen…

  7. Streitberg meint: (15.5.2006 um 10:09) AntwortenReply to this comment

    @3: Full ACK. Schon zu meiner Zeit war es so, dass erstmal auf den Abi-Schnitt geschaut wurde: "Oh, ich habe ja 1.3. Dann studiere ich jetzt Medizin und verdiene mir eine goldene Nase!!" Diese NC-Ärzte haben wir jetzt (NICHT alle) und müssen sehen, wir wir damit klarkommen.

  8. Lars meint: (15.5.2006 um 10:36) AntwortenReply to this comment

    @3:

    Weil damals das Informatikstudium keinen NC hatte und völlig überlaufen war, wurden die Leute einfach mit Mathe rausgesiebt.

    Und wem das nicht von alleine zuflog, der mußte wirklich büffeln, da hielt sich dann in den ersten Semestern der Spaß wirklich in Grenzen.

    In der Situation nebenbei auch noch zu jobben, wäre mir dann tatsächlich zuviel gewesen, zumal ich zu der Zeit auch noch meine Mutter finanziell unterstützen mußte.

  9. Lars meint: (15.5.2006 um 10:37) AntwortenReply to this comment

    Das sollte natürlich an Nummer 4 gehen, sorry.

  10. Alix meint: (15.5.2006 um 10:42) AntwortenReply to this comment

    @6 Michael:
    Brückenbau > Statik: das ist ein interessantes Ding. Hat mit Elektrotechnik dahin gehend zu tun: Wenn Du weisst, wie eine Brücke konstruiert wird (normaler stahlbewehrter Beton oder Spanntechnik), kannst Du das Ding vermessen, und zwar mit Dehnungs-Messstreifen. Wo werden sie angeklebt oder angeschweisst, was bringt Sinn? Wie verhält sich die Brücke, wenn sie belastet wird, was passiert, wenn ein 'dicker' LKW eine Vollbremsung auf dem Teil macht, was passiert, wenn die Brücke durch mehrere LKWs, die im Stau stecken, belastet wird?
    War für mich jedenfalls eine spannende Angelegenheit.
    Nur mal so nebenbei: ein Dipl.Ing, Spezialgebiet Brücken, hat mir mal gesagt: die Fehler, die wir 'jetzt' machen, erkennen wir erst in ca. 20 – 25 Jahren. Um diese Fehler früher zu erkennen, werden die Brücken 'vermessen'. Damit die nächste Brücke besser wird.
    So, und dann geht es eben um die Messtechnik, s.o. Wenn Du nicht weisst, wie die Brücke konstruiert ist, brauchst Du mit der Messerei nicht anzufangen – Du bekommst nur 'Schrottwerte'.
    Deshalb vielleicht die Vorlesung über Statik einer Brücke …
    Und danach kommt vielleicht eine Vorlesung über Messungen kleinster Spannungen, im Milli-Volt-Bereich, wie Thermo-Spannungen vermieden werden etc. Wie gesagt, für mich war es eine spannende Angelegenheit.

  11. Martin_mb meint: (15.5.2006 um 11:08) AntwortenReply to this comment

    Ich habe beides gemacht (Lehre Industriemechaniker – Studium Maschinenbau hintendran) von daher kann ich es ganz gut vergleichen. Gehaltsmäßig lohnt es sich in der Industrie auf jeden Fall, das liegt aber auch zum Teil daran, daß keiner mehr Maschinenbau studieren will bzw. die, die es anfangen, während des Studiums um ca. die Hälfte dezimiert werden.

    Was mich zu dem Dauerbrenner "Die Studienzeit war die schönste Zeit meines Lebens" bringt. Zumindest ich halte das für Nostalgie, die viele für alles "Vergangene" empfinden, egal wie übel es tatsächlich war. Vielleicht ist es bei Jura anders, aber zumindest im Maschinenbau an der RWTH hält sich der Studienspaß sehr in Grenzen. Ein Kollege hat es mal schön zusammengefaßt: "Hätte mir während des Studiums jemand glaubwürdig versichert, daß auch ich die Studienzeit später vermissen werde, ich hätte mich sofort umgebracht, denn das kann ja nur heißen, daß der Job noch beschissener wird. Gott sei dank ist dem nicht so…"

    Fazit: Den Job den ich heute habe hätte ich ohne Studium nie bekommen, von der Kohle ganz zu schweigen, und beides würde ich auch immer wieder haben wollen. Aber das dazu nötige Studium würde ich nicht nochmal machen…

  12. BMG meint: (15.5.2006 um 11:40) AntwortenReply to this comment

    Meine 3 Jahre Ausbildung waren auch "die geilste Zeit" die ich je hatte. Wir hatten nur Fun, und ich habe Dinge abgezogen, für die ich heute noch entlassen werden müsste… :-) Aber ich hatte mir in meinem jugendlichen Alter keinerlei gedanken darüber gemacht, und das war auch sicherlich gut so!

  13. MelScha meint: (15.5.2006 um 12:07) AntwortenReply to this comment

    Wer im Finanzamt die Ausbildung im gehobenen Dienst macht, ist doch in NRW ca. die Hälfte der Zeit im (FH-)Studium… inkl. der Parties und inkl. dem notwendigen Geld dafür.
    Als Vergleich hätte da vielleicht eine normale Ausbildung herhalten sollen.

  14. MelScha meint: (15.5.2006 um 12:11) AntwortenReply to this comment

    Ok, hätte vielleicht den Artikel lesen sollen ;)
    Trotzdem hinkt für mich der Vergleich mit dem Spaß in diesem Fall.

  15. Joerg meint: (15.5.2006 um 16:51) AntwortenReply to this comment

    Das Studium war eine Sch.-Zeit. Vielleicht hatte ich einfach auch nicht die Eltern, die mir ein sorgenfreies Studium ermöglichten. Bafög 500 DM. Hat nie gelangt. Also noch nebenbei Arbeiten. Wohnen in 1 Zimmer Altbau ohne Bad und Klo eine halbe Treppe tiefer (natürlich Kachelofen). Semsterticket gabs es auch noch nicht usw. Am Ende wieder angeschissen: Bafög war nur Volldarlehen (gab es in den 80ern) – also erstmal mit 20.000 DM Schulden ins Berufsleben gestartet.

    Wenn ich mich an mein Studentenleben erinnere, dann eher an Atemhauch beim Aufwachen in der kalten Bude, an des grässliche Mensaessen (damals nach Stamm oder Eintopf, nicht wie heute 3 Menüs und 6 Beilagen zu Auswahl), an durchgemachte Nächte, um für die Klausuren zu lernen, an die Anrufe der für den Job (Schneeräumen!, 3 Uhr morgens auf dem Hof und dann 6 Stunden im "Mini-Unimog", an die überfüllten Seminare, an Dozenten, die gnädigerweise 1x die Woche für 1,5 Stunden Sprechstunde hatten (wenn sie nicht dringend irgendwo forschen oder auf einen Kongress mussten) usw.

    Aber es gab auch bei uns einige, die mit der Knete der Eltern ein wirklich schönes Studium hatten, inkl. ein paar Tage am Strand (und nicht auf dem Bau wie ich) und 1-2 Semster im Ausland.

  16. skugga meint: (15.5.2006 um 19:53) AntwortenReply to this comment

    @ 4: Scherzkeks. Ich hab 1999 mit knapp 35 nochmal angefangen zu studieren, da kannst Du es qua Alter einfach mal knicken, auch nur einen roten Heller BaFöG zu bekommen. Sehr lustig war auch die Krankenkasse: den Studi-Beitrag konnte ich auch abhaken, und da ich (Aushilfe bei einem Verlag in Teilzeit) nicht wußte, ob ich monatlich mit DM 400,00 oder DM 1.200,00 (letzteres in einem Jahr exakt einmal) heimkomm, davon aber auch noch gut DM 300,00 Miete zahlen mußte, fand ichs ziemlich den Hammer, knapp DM 200,00 KK-Beitrag zahlen zu sollen. Telefonische Auskunft der Kasse: "Ja, aber wir gehen IMMER von einem Einkommen von mindestens DM 1.500,00 aus, weniger KÖNNEN Sie gar nicht haben!" 2001 habe ich – trotz ziemlich vieler ziemlich guter Scheine – entnervt das Studium sein lassen und wieder meinen ReFa-Trott angefangen.

  17. n.n. meint: (15.5.2006 um 22:50) AntwortenReply to this comment

    ja, es war eine schöne zeit und ich möchte weder die zeit noch das gelernte missen. und somit ist es eines der besten argumente gegen studiengebühren. denn ich hätte sonst niemals studiert, da ich ja noch gar keine vorstellung von einem studium hatte, bevor ich es begann.

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