25.5.2006

DER SCHMUTZIGE DEAL

Jetzt ist der Grund für die erneute Verhaftung eines der Potsdamer Tatverdächtigen bekannt. Der Mann soll sich gegenüber einem Mitgefangenen mit der Tat gebrüstet haben:

Hätte ich mal richtig reingetreten.

So wird der Verdächtige von dem neuen Zeugen zitiert. Jedenfalls “sinngemäß”, berichtet die FAZ.

Solche Aussagen sind mit größter Vorsicht zu genießen. Mit Sicherheit hat der Verteidiger seinem Mandanten eingeschärft, ohne ihn mit niemandem über die Sache zu sprechen. Auch nicht im Knast.

Erfahrungsgemäß gibt es auch immer Häftlinge, die von der Prominenz ihres Zellengenossen profitieren wollen. Jedenfalls liegt es nicht fern, dass da etwas erfunden bzw. verdreht wird. Zumal bei der offensichtlichen Beweisnot der Ermittlungsbehörden ja auch Vorteile in der eigenen Sache locken könnten.

Natürlich würde der Generalbundesanwalt nie so einen schmutzigen Deal machen. Aber das muss einen Gefangenen ja nicht davon abhalten, es mal zu versuchen. Vielleicht erfahren wir ja schon bald, wie belastbar die Angaben des nun aufgetauchten Denunzianten wirklich sind.

26 Kommentare zu “DER SCHMUTZIGE DEAL”

  1. Tano meint: (25.5.2006 um 22:40) AntwortenReply to this comment

    Gut und schön, aber sind solche Aussagen sind ohnehin nur solche vom "Hörensagen" und als solche per se mit Vorsicht zu genießen?

  2. Yerodin meint: (25.5.2006 um 22:45) AntwortenReply to this comment

    "Hätte ich mal richtig reingetreten."

    Damit versucht man dawohl den Gedankengang herzuleiten:

    "Ich habe reingetreten aber wohl nicht kräftig genug."

    Jenes ist auch schon gewagt gewagt genug, selbst wenn man man die obige Aussage 100%ig nachweisen kann müsste man sie im Zweifelsfall als:"Ich habe nicht zugeträten, im Nachhinein hätte ich aber sehr gerne sehr kräftig zugelangt" interpretieren .

  3. McCoy meint: (25.5.2006 um 23:22) AntwortenReply to this comment

    Der Zeuge ist also nur ein "Denunziant" ?

    Sie scheinen hier tiefere Einblicke in den Fall zu haben.
    Haben Sie ein etwa ein Mandat ?
    Oder sind das nur die üblichen Strafverteidigerreflexe ?

  4. Anonymous meint: (25.5.2006 um 23:44) AntwortenReply to this comment

    @3 (McCoy):

    Spekulieren darf man doch mal?

  5. A.Schulte meint: (25.5.2006 um 23:49) AntwortenReply to this comment

    Ich nehme aber an, dass sowohl der GBA als auch der Ermittlungsrichter bei dem BGH die Problematik solcher Zeugenaussagen kennt. Trotzdem hat der Richter sich entschieden einen Haftbefehl zu erlassen. Und im Gegensatz zur Presse und uns allen hier, kennt der Ermittlungsrichter die Akten.

  6. Martin_mb meint: (26.5.2006 um 01:22) AntwortenReply to this comment

    So wie es bisher gelaufen ist dürfte der Fall noch einige unerwartete Wendungen nehmen.

    Hier mal mein Tip für den weiteren Ablauf dieses Dramas:

    -Es finden sich Beweise, daß es sich bei den beiden Verdächtigen um Ausländerfeinde handelt. Der GBA frohlockt, Schönbohm tritt zurück…

    -Der Belastungszeuge aus der U-Haft gibt zu, von einem Unbekannten zu seiner Aussage angestifte worden zu sein. Der GBA guckt verkniffen, BILD titelt: "Der falsche Zeuge! Wer versprach ihm ein Pack Zichten pro Tag extra?"…

    -Das Opfer gewinnt seine Erinnerung zurück und stellt fest, daß die derzeitigen Verdächtigen es nicht waren. Der GBA weint, Schönbohm möchte seinen Job zurück…

    -Mit Hilfe der Aussagen des Opfers werden neue Tatverdächtige gefunden. Der GBA lächelt zumindest wieder…

    -Das Opfer identifiziert die neuen Verdächtigen als Täter. Der GBA kann wieder lachen, Schönbohm weiß nicht so recht…

    -Trotz größter Anstrengung findet sich bei den Tätern kein fremdenfeindlicher Hintergrund. Sorgenfalten beim GBA, Schönbohm kann sich ein Grinsen nicht verkneifen…

    -Das Opfer gibt zu, mit den Tätern in eine "normale" Kneipenschlägerei geraten zu sein, wer wie angefangen hat bleibt unklar. Das rechte Pack in ganz Deutschland stimmt Triumphgeheul an, der GBA erschießt sich…

  7. Ben meint: (26.5.2006 um 01:30) AntwortenReply to this comment

    @6:

    Interessant, wie krampfhaft Sie und andere versuchen, den rechtsradikalen Hintergrund der Tat zu bezweifeln. Haben Sie sich denn mal den Mailboxmitschnitt des Opfers angehört? Wenn das, was da abgegangen ist, KEINE rechtsradikalen Beschimpfungen gewesen sein sollen, was soll dann bitte sehr überhaupt noch dieses Kriterium erfüllen?

  8. Ben meint: (26.5.2006 um 01:32) AntwortenReply to this comment

    Nachtrag:

    Ich sage NICHT, dass die beiden Festgenommenen es waren! Aber das Rechtsextremismus EINDEUTIG eines der Tatmotive war, das lässt sich anhand des Mitschnitts perfekt nachweisen!

  9. martin meint: (26.5.2006 um 02:05) AntwortenReply to this comment

    @ 7,8:
    ich finde, es ist klar, daß die täter ein schwer gestörtes verhältnis zu ausländern, und damit wohl auch zum leben in der heutigen zeit haben.
    wer eine schlägerei mit einem dunkelhäutigen anfängt und ihn dabei so bezeichnet, hat eindeutig ausländerfeindliche tendenzen, das streitet auch hier mit sicherheit keiner ab.

    problematisch wird es aber dann, wenn der GBA sich einschaltet und meint, das wäre jetzt so eine fürchterliche ausnahme, dass die tat geeignet (wohl kaum!) und dazu bestimmt ist (MIT SICHERHEIT NICHT!!!), den öffentlichen frieden zu gefährden. problematisch wird es dann, wenn einfach niemand einsehen will, dass eine solche tat in deutschland inzwischen kaum mehr etwas besonderes ist. und eine solche einstellung ebenso wenig.

  10. Kenny meint: (26.5.2006 um 04:22) AntwortenReply to this comment

    @7/8:

    Könnte es vielleicht doch möglich sein, daß politisch unkorrekte Ausdrücke bei Streitigkeiten schonmal fallen? Wäre das Opfer dick gewesen, hätten die Täter vielleicht "fette Sau" gesagt, wären sie daher "dickenfeindlich"? Hätte er eine Brille getragen, so wäre er vielleicht als "Brillenschlage" oder "Vierauge" tituliert worden, läge also dann "Brillenträgerfeindlichkeit" vor?

  11. otaku meint: (26.5.2006 um 04:46) AntwortenReply to this comment

    @10

    (Text editiert. Unsachliche, persönliche Angriffe. Schlimmer als die am Ende des Kommentars. U.V.)

    Ansonten duerfte klar sein das solche "Argumentationslinien"
    seien Sie auch noch so einfach, schon mal ziemlich populär waren.

    Um die 20er redete man sich so raus, dann die Denunzianten im Osten, ( bei der Stasi war ja auch keiner und in der Partei erst, ich doch nicht und wenn das musste man ja … )

    Mit solcherart Dummproleten"argumenten" spielt man den noch dämlicheren genau in die Hände.

    Den ob es dir passt oder nicht : Das Klima liefert den Nährboden. Und solche "Aussagen" liefern exakt das Klima
    das in national befreiten Zonen endet.

    Sei froh das ich nix zu melden habe…
    Dann wäre Papa S. mit seiner 9 gramm aussage ganz schnell
    am Zuge bei solchen herrschaften……

    Besser die als alle anderen…

  12. Agiro meint: (26.5.2006 um 07:11) AntwortenReply to this comment

    Mit welchem Haftgrund wird diese U-Haft eigentlich konkret begründet?

  13. Otaku meint: (26.5.2006 um 08:46) AntwortenReply to this comment

    Einatmen. Ausatmen. Nachdenken.

    Vielleicht sollte man sich erstmal überlegen, was ein fremdenfeindlicher Hintergrund überhaupt ist – genügt es schon, daß irgendwer Ausländer nicht mag?

    Das Tonband sagt in dieser Hinsicht *überhaupt* nichts aus – es kann sich um eine Tat handeln, die durch die Hautfarbe angestoßen wurde. Es kann sich um eine Tat handeln, die durch die Hautfarbe mit motiviert oder verstärkt wurde. Und es kann sein, daß die Täter schlicht und einfach sowieso zugeschlagen hätten und sich dabei eben passende Schimpfworte aussuchten.

    Was die behauptete Aussage gegenüber dem Mitgefangenen allerdings zur Sache beitragen soll, weiß ich nicht. Es kann den Täter zum Nazi stempeln, es kann aber auch sein, daß jemand schlicht und einfach sauer ist – angesichts der lächerlichen Behandlung durch den Generalbundesanwalt durchaus nachvollziehbar.

    Rein hypothetisch: Es kann sich immernoch herausstellen, daß eine Notwehr- oder Notwehrüberschreitungssituation vorlag – und ich glaube, daß jeder Unschuldige *verdammt* ärgerlich darüber wäre, deswegen derart behandelt zu werden.

    Deswegen wünscht nicht jeder Unschuldige dem Gegner den Tod an den Hals – wir reden hier aber nicht um einen Wettbewerb in politischer Korrektheit und Nettigkeit bzw. idealem staatsbürgerlichen Verhalten, sondern um Strafrecht.

  14. Lurker meint: (26.5.2006 um 08:47) AntwortenReply to this comment

    @13 stammt von mir.

  15. Martin_mb meint: (26.5.2006 um 08:48) AntwortenReply to this comment

    @7,8 Ben und 11 otaku

    Vielleicht fühlen Sie sich in Ihrer Meinung über mich ja bestätigt, aber es ist tatsächlich schon vorgekommen, daß ich als "Scheiß-Nazi" bezeichnet wurde.

    Hintergrund war die Tatsache, daß mir in dem Unternehmen, für das ich arbeite, die "tolle" Aufgabe zugeschustert wurde, Freisetzungen zu verkünden. Der verständliche Frust führte dann bei einem Mitarbeiter mit Migrationshintergrund zu eben jener Äußerung.

    Ich habe ihm daraufhin mitgeteilt, daß das Spielen der "Race-Card" an seiner Situation nichts ändern wird und auf ein weiteres Bohei verzichtet. Wenn ich Sie so höre, dürfte daß wohl ein Fehler gewesen sein, denn folgt man Ihrer Logik, so war dieser Mitarbeiter nicht einfach nur erregt und hat sich schlicht für einen Moment im Ton vergriffen, sondern eindeutig ein "Inländerfeind"… oder?

    @11 otaku

    "dumm geboren, nix dazugelernt , die hälfte vergessen,
    und trotzdem mitreden…"

    Ich glaube ein Blog ist der falsche Ort für Selbstgespräche…

  16. Anonymous meint: (26.5.2006 um 08:52) AntwortenReply to this comment

    @11: Mein Kompliment für die blumige Argumentation – große Erkenntnisse hat dadurch wohl keiner gewonnen.

    Mit derartigen "Totschlagargumenten" kannst Du weder "10" und erst recht keine Jungs aus der rechten Ecke für Dich gewinnen.

  17. Udo Vetter meint: (26.5.2006 um 09:16) AntwortenReply to this comment

    Ich meine auch nicht, dass die Verwendung des Wortes "Nigger" oder anderer einschlägiger Begriffe eindeutig belegt, dass es sich um eine fremdenfeindliche Tat handelt. Eine fremdenfeindliche Tat liegt (nach meiner Auffassung) vor, wenn die Hautfarbe eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt hat, das Opfer zu schlagen.

    Es ist nach den bekannten Informationen aber keineswegs belegt, dass das Opfer geschlagen wurde, (auch) weil er dunkelhäutig ist. Der Streit kann sich um etwas anderes gedreht haben. Es ist ja nicht mal ausgeschlossen, dass er vom Opfer ausging (siehe die Berichte über Zeugenaussagen, wonach der Mann voher aggressiv war).

    Wenn so eine Auseinandersetzung dann eskaliert und das Blut in den Kopf steigt, können solche Schimpfworte auch benutzt werden, weil man sich für die verbale Seite automatisch die Punkte raussucht, mit denen man den Gegner meint verletzen zu können.

    Deshalb finde ich den Kommentar von Kenny (10) sehr prägnant und zutreffend. Den Tätern muss nachgewiesen werden, dass mehr hinter ihren Worten steckte als Rage. Eine tatsächliche Vermutung dafür gibt es ebenso wenig wie dafür, dass ein Mann in Geldnot auch der Bankräuber mit Maske gewesen ist.

    Jedenfalls nicht im Rechtsstaat.

  18. gerhard meint: (26.5.2006 um 10:26) AntwortenReply to this comment

    Bin ich der einzige, dem es seltsam vorkommt, daß die Mailbox lief??
    Wenn ich mich in einer kritischen Situation befinde, denke ich zuletzt an mein Handy, da gibt es eigentlich nur zwei reelle Alternativen:
    - weglaufen oder
    - kämpfen.

    Auch bei der Fremdenfeindlichkeit habe meine Zweifel. Und daß sich der GBA eingeschaltet hat, war auch überzogen.

    Meiner Ansicht nach wurde hier eine primitive Schlägerei mit bösem Ende zu einem Politikum aufgebauscht. Auffällig ist auch die darauf folgende Berichterstattung über rassistische Auswüchse in den neuen Bundesländern.

  19. Sebastian meint: (26.5.2006 um 11:08) AntwortenReply to this comment

    @17. "Jedenfalls nicht im Rechtsstaat." Aber a priori ist ein Zeuge ein Denunziant?

  20. Agiro meint: (26.5.2006 um 11:58) AntwortenReply to this comment

    Wer solche Zeugen braucht, hat es nötig.

  21. A. John meint: (26.5.2006 um 12:03) AntwortenReply to this comment

    @17: [Ich meine auch nicht, dass die Verwendung des Wortes “Nigger” oder anderer einschlägiger Begriffe eindeutig belegt, dass es sich um eine fremdenfeindliche Tat handelt.]
    Wie sagen die Juristen so gerne: "Kommt drauf an…"
    Wenn Omma Paschulke bei den Frisör laut über dat Elend von die "Schwatten" oder die armen "Negers" nachdenkt, will sie damit sicher niemanden beleidigen. Es kommt wie gesagt, darauf an. (Auf den Kontext).

    Gruß A. John

  22. Torsten Karwoth meint: (26.5.2006 um 12:23) AntwortenReply to this comment

    @10:
    "Könnte es vielleicht doch möglich sein, daß politisch unkorrekte Ausdrücke bei Streitigkeiten schonmal fallen? Wäre das Opfer dick gewesen, hätten die Täter vielleicht “fette Sau” gesagt, wären sie daher “dickenfeindlich”? Hätte er eine Brille getragen, so wäre er vielleicht als “Brillenschlage” oder “Vierauge” tituliert worden, läge also dann “Brillenträgerfeindlichkeit” vor?"

    Warum ist das wohl so? Weil der Täter in Deinem Beispiel die Eigenschaft 'Dick' oder 'Brillenträger' als Makel ansieht. Sonst könnte man damit ja nicht beleidigen, oder? Wenn also jemand als 'scheiß Nigger' bezeichnet wird, dann *weil* die Eigenschaft 'dunkle Hautfarbe' als Makel gesehen wird. Das kann man schon als Fremdenfeindlich ansehen, finde ich.

  23. Gerhard meint: (26.5.2006 um 12:29) AntwortenReply to this comment

    Als Zeit-Leser habe ich gerade einen Artikel gelesen, der mich sehr nachdenklich machte. Leider ist dieser nur über die Papierausgabe erhältlich:
    Zeit vom 24.05.2006: * Strafrecht: Trotz sinkender Kriminalität werden die Gesetze systematisch verschärft Von Sabine Rückert [Seite 15]

    Es geht u.a. auch um den Einfluß der Medien auf die Strafverfolgung.

  24. Kenny meint: (26.5.2006 um 12:49) AntwortenReply to this comment

    @all:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418180,00.html

    "Dummprolet" (siehe Posting 10) GBA Nehm gibt Ermittlungen ab, geht nicht mehr von fremdenfeindlicher Tat aus

  25. Kenny meint: (26.5.2006 um 12:51) AntwortenReply to this comment

    Sorry, meinte Posting 11, nicht 10.

    PS: Was habe ich denn da bei der URL falsch gemacht?

  26. Gerhard meint: (27.5.2006 um 14:05) AntwortenReply to this comment

    Gerade hat die Zeit den in @23 angesprochenen Artikel ins Netz gesetzt:
    http://www.zeit.de/2006/22/Strafe_xml

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