5.6.2006

WM: KRIPO-ARBEIT AUF SPARFLAMME

Von EBERHARD PH. LILIENSIEK

Die Fußball-Weltmeisterschaft reißt Lücken in die Strafverfolgung – diese Furcht geht in vielen Staatsanwaltschaften um. „Wenn ein Kriminalbeamter ein Stadion bewachen muss, dann kann er nicht durchsuchen“, sagt der Landes-Vize-Vorsitzende des Deutschen Richterbundes. Oberstaatsanwalt Johannes Schüler (Köln) ist bereits „in Sorge“. Sein Bonner Kollege Fred Apostel wird deutlich: Die Polizei sei derart stark rund um das Fußball-Ereignise eingebunden, dass sie zu notwendigen strafprozessualen Maßnahmen „nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht“.

Dabei seien die Staatsanwaltschaften auf die Hilfe der Kripo stark angewiesen. Deren Beamten sind zuständig für kriminaltechnische Untersuchungen, Vernehmungen von Beschuldigten und Zeugen, Durchsuchungen und Beschlagnahmen. All diese Maßnahmen sieht Apostel in den nächsten vier Wochen „auf Sparflamme gekocht“. In Wuppertal holte Oberstaatsanwalt Alfons Grevener süffisant zu einem Rundumschlag aus: „Es wäre illusorisch zu glauben, dass die Polizeibehörden so opulent ausgestattet sind, dass ein so hoher Personalbedarf bei solchen Ereignissen nicht zur Einschränkung in anderen Bereichen führt“.

Beim Amtsgericht Düsseldorf gibt es Indizien dafür, dass Prozesse deswegen platzen, weil als Zeugen geladene Polizeibeamte zum Prozesstermin in Gelsenkirchen oder Köln eingesetzt sind. Der Chef der Anklagebehörde indes setzt auf Zweck-Optimismus: „Ich gehe davon aus“, sagte Hans-Reinhard Henke, „dass die Strafverfolgung nicht beeinträchtigt wird“. So sieht es auch Wolfgang Beus vom Innenministerium: „Natürlich ist die Polizei durch die WM stark gebunden. Sicher ist aber auch, dass genügend Polizisten für die Einsätze zur Kriminalitätsbekämpfung und zur Strafverfolgung zur Verfügung stehen. Die Polizei hat dies bei ihren Planungen für die WM seit langen berücksichtigt. Es wird keine Lücken bei der Strafverfolgung geben.“ (pbd)

22 Kommentare zu “WM: KRIPO-ARBEIT AUF SPARFLAMME”

  1. Dennis Röwer meint: (5.6.2006 um 16:32) AntwortenReply to this comment

    Wo wir gerade beim Thema WM und Polizei sind:

    http://www.f51.parsimony.net/forum204506/messages/37059.htm

    Da fehlen mir doch die Worte…

  2. Mugros meint: (5.6.2006 um 17:45) AntwortenReply to this comment

    @1:
    heftig. Ich finde, die Herren Polizisten sollten dann auch bei bekannten Unruhestiftern eine Analsondierung vornehmen. Und ältere, dickere Damen sind auch suspekt und müssen nackt ausgezogen werden, denn in so Riesenkörbchen passt sicher ein ganzer Donnerschlag.
    Aber evtl. ist das nicht so schön anzusehen und wird deswegen unterlassen.

  3. Christian in Wien meint: (5.6.2006 um 17:50) AntwortenReply to this comment

    glaubt irgendwer ernsthaft das das alles nach der wm vorbei ist? die durchsuchungen werden weitergehen, usw. was jetzt eingeführt wurde wird fast unverändert weitergeführt nach der wm, zu unserer sicherheit …

  4. Andreas Klein meint: (5.6.2006 um 17:53) AntwortenReply to this comment

    Yepp, da können wir uns ja alle auf geruhsame Tage freuen – keine Polizei-Pressemeldungen (außer denen zur WM …), keine Geschwindigkeitskontrollen auf den Autobahnen … und durch die geplatzten Prozesse dauert es dann Wochen und Monate, bis eigene Klagen und Verfahren dann mal durch sind! :(

    @1: Oh was bin ich froh, dass ich keinen "Dienst" innerhalb des WM-Stadion Köln habe … sondern "nur" auf der Kölner Fan-Meile als Presse-Fotograf eingesetzt bin!

    Ich bin mal gespannt, in welchem Stadion es während der WM zu den ersten Krawallen vor dem Spiel kommt, wenn sich eine ausländische Zuschauerin vor den deutsche Beamten ausziehen soll! Besonders bei unseren englischen Freunden dürfte dies nicht gerade Begeisterung auslösen …

  5. Arno Nühm meint: (5.6.2006 um 19:33) AntwortenReply to this comment

    Das deckt sich mit der Aussage eine KriPo-Beamten letzte Woche:
    "Rechnen sie 5 Wochen nach der WM damit."

  6. Helmut Heuskel meint: (5.6.2006 um 19:56) AntwortenReply to this comment

    Was mache ich mit meinem Handy, meinem "kleinen" Taschengeld, meinem Haustürschlüssel wenn ich nackt im Stadion sitzen muss?

  7. Arnold Nym meint: (5.6.2006 um 20:15) AntwortenReply to this comment

    Handy im Stadion? Damit könntest du widerrechtlich Bilder vom Spiel machen. Das bleibt draussen.

    Taschengeld brauchst du auch nicht, da gibt doch nun diese RFID-Implantate, mit denen du zahlen kannst. Und wenn du eh schon ein personalisiertes Implantat hast, kannst du dir auch gleich ein passendes Schließsystem für daheim besorgen.

  8. Martin_mb meint: (5.6.2006 um 22:03) AntwortenReply to this comment

    Filmszene:

    Berlin, Klinsis Jungs trainieren auf einem Platz (sattes Grün!). Aus dem Off: "Nicht so steif, Robert!"

    Schnitt

    Versammlungsraum Polizei Berlin, gefüllt mit Bullen, Vortragender vor Karte "…werden wir also unsere Stadionsicherung hier, hier und hier postieren…"

    Schnitt

    Unbekannter Ort, abgedunkelter Raum, zwei geschäftige Hände drücken Patronen in ein Magazin, im Hintergrund liegen ein Dutzend gefüllte sowie drei Maschinenpistolen auf einem Tisch, Radio aus dem Off "…hat die die deutsche Nationalmannschaft heute ihr WM-Quartier bezogen…"

    Warten wir mal ab, wie der Film weitergeht, ab Freitag in jedem Kino ganz Deutschland…

  9. stm meint: (6.6.2006 um 02:05) AntwortenReply to this comment

    Wegen des "Nackt-Urteils" erlaube ich mir mal auf ff. zu verweisen. Wer damit nichts anfangen kann:

    http://groups.google.com/group/de.soc.recht.misc/browse_frm/thread/256f43acf3bd2a21/a59f3dc266bd504c

    http://tinyurl.com/jg4pe

    "Also wohl ein nicht existierendes Urteil eines nichtexistenten
    Verwaltungsgerichts."

  10. stm meint: (6.6.2006 um 02:06) AntwortenReply to this comment

    äh ja, wäre schön, wenn Message-IDs mit spitzen Klammern nicht verschluckt werden würden:

    4ejhvgF1ek6mgU1@individual.net

  11. Jeremy meint: (6.6.2006 um 10:04) AntwortenReply to this comment

    Also der dritte Treffer bei google liefert mir ein Dokument des Landesamtes für Verfassungsschutz BW, in dem eindeutig ein VG Saarbrücken erwähnt wird:

    http://www.verfassungsschutz-bw.de/so/files/so_berichte_2001_06.htm

  12. SvenR meint: (6.6.2006 um 10:38) AntwortenReply to this comment

    Mannmannmann, da habe ich ja noch mal Glück gehabt! Ich sehe auch nicht aus, wie ein Fußballfan (was unsere Polizei so alles sieht?).

    Und das ich wirklich ein Mann bin, kann man ja nicht sofort erkennen. Ok, Bart, Geheimratsecken, Übergewicht sammelt sich am Bauch und nicht am Hintern – so sah meine Tante aber auch aus!

    Dann gehe ich mal besser nicht ins Waldstadion – ups – in die FIFA-WM-Arena-Frankfurt, bin eh schon so stark erkältet.

    Da vernünftige Menschen sich nicht um Karten "beworben" haben, habe ich ja auch keine Eintrittskarten. Bin mal gespannt, wie leer die Stadien sein werden, nach dem Spass mit den VIP-Tickets, den Preisen und der Presse.

  13. Dennis Röwer meint: (6.6.2006 um 10:55) AntwortenReply to this comment

    @9 In der Pressemitteilung handelte es sich um einen Fehler. Der Autor meinte das Verwaltungsgericht des Saarlandes in Saarlouis.

  14. Dennis Röwer meint: (6.6.2006 um 14:59) AntwortenReply to this comment

    Und noch ein weiterer Nachtrag:

    http://www.fcc-supporters.de/pdf/Urteil_Verwaltungsrechtsstreit_Saarland.pdf

    Hier kann man sich nun das Urteil durchlesen.

  15. Rudi meint: (6.6.2006 um 16:09) AntwortenReply to this comment

    @12: Ich dachte, die leeren Stadien werden jetzt mit Soldaten gefüllt:
    http://www.welt.de/data/2006/06/02/901131.html

  16. stm meint: (6.6.2006 um 20:53) AntwortenReply to this comment

    @13: Ja, diese Fehlbezeichnung hat auch die Jungs in de.soc.recht.misc in die Irre geführt. Wobei, ehrlich gesagt: Mir wäre es deutlich lieber, das wäre ein Fake gewesen. :-(

  17. Markus Oliver meint: (8.6.2006 um 21:06) AntwortenReply to this comment

    Diesen Quatsch würde ich nicht so leichtfertig glauben. Ihr müsst nämlich wissen, dass es insbesondere von Seiten der Kriminalpolizei ständig angestrebt wird sich von unangenehmen Aufgaben – wie Großeinsätzen – abzukoppeln und dazu immer den Teufel an die Wand malt. Dann werden Statistiken hervorgezogen und Verfahren verzögert. Das Ganze beruht auf einen uralten Zank um die Polizeireform. Also nicht gleich alles glauben, was ein paar Kripo-Aktivisten herumtröten.

  18. Hootch meint: (8.6.2006 um 21:24) AntwortenReply to this comment

    Ich hab da mal eine Frage in eigener Sache…

    Wenn eine staatsanwaltliche Ermittlung sich äußerst lange hinzieht (> 1 Jahr), ist das (erfahrungsgemäß) eher positiv oder negativ für den Beschuldigten? Seit der letzten Stellungnahme zu den Anschuldigungen sind schon mehrere Monate vergangen – es kam bislang noch keine Antwort – da macht man sich so seine gedanken…
    Ach ja, der Anwalt des Beschuldigten sagt "je länger desto besser"… ich hab da so meine Zweifel. Ich fände es nett, wenn mir ein mit der Jurisprudenz vertrauter Mitkommentator oder Blogger antworten würde.

    (@ U. V.: Ja ich weiß, das hier ist kein Forum – Wenn meine Frage zu weit geht, kann ich eine kommenarlose (oder auch 'nett' kommentierte) Löschung verstehen – ich hab nur niemanden, den ich sonst fragen könnte.)

    Schon mal Danke &

    Grüße!

  19. Udo Vetter meint: (8.6.2006 um 22:51) AntwortenReply to this comment

    Im Prinzip liegt der Anwalt richtig. Das Schweigen bedeutet in der Regel, dass andere Sachen den Ermittlern wichtiger sind. Außerdem ist es erfahrungsgemäß immer besser, wenn zwischen (angeblicher) Tat und Verhandlung eine lange Zeit liegt – und in der Zwischenzeit nichts vorgefallen ist. Der Bundesgerichtshof erkennt den Zeitablauf als mehrfachen Strafmilderungsgrund an.

  20. Hootch meint: (8.6.2006 um 23:40) AntwortenReply to this comment

    @21:

    Vielen Dank, das beruhigt mich… und meine Frau :-))

    Grüße!

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