4.7.2006

Problemkater

Indizienprozesse haben es so an sich, dass Gerichte sich an jeden Strohhalm klammern. Allerdings hätte ich eher nicht darauf getippt, dass die Zeugin auch in der Hauptverhandlung nach einem bestimmten Detail gefragt wird.

Gegenüber der Polizei hatte sie erwähnt, die Hauskatze sei einige Tage vor einem Einbruch in ihre Wohnung irgendwie nervös gewesen. Möglicherweise ein Zeichen dafür, dass jemand den Tatort auskundschaftetete? Der Richter ließ sich tatsächlich noch einmal bestätigen, dass die Katze sich komisch verhalten hat.

Allerdings erwähnte die Zeugin nun auch, dass ihre Katze Epileptikerin ist. Streng genommen muss ich jetzt ein Gutachten zu folgenden Fragen beantragen:

1. Haben Katzen einen 7. Sinn?

2. Wenn ja, kann dieser bei einer epileptischen Katze beeinträchtigt sein?

27 Kommentare zu “Problemkater”

  1. C.J. meint: (4.7.2006 um 14:23) AntwortenReply to this comment

    Mein 7. Sinn sagt mir, dass so ein Gutachten am Ende für die Katz sein könnte.

  2. Peer Se meint: (4.7.2006 um 14:27) AntwortenReply to this comment

    @1: … oder mit Katzenfutter oder rolligen Katern zu tun haben könnte. :-)

  3. Tano meint: (4.7.2006 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Wie wär´s mit einem Gutachten, betreffend den Geisteszustand des Vorsitzenden?

    Ich lasse die Frage mal stehen, weil ich sie als ironisch interpretiere. Der Richter ist übrigens o.k. U.V.

  4. Katzenliebhaber meint: (4.7.2006 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Viel Spaß bei der Suche nach einem kompetenten Gutachter…

  5. GHLing meint: (4.7.2006 um 14:32) AntwortenReply to this comment

    Vielleicht ist die Katze ja auch noch epilliert?
    Das würde die Tat doch in ein ganz anderes Licht rücken.

    Aber mal spaß beiseite… worüber manche Leute sich Gedanken machen…

  6. Der Kontaktbereichsbeamte meint: (4.7.2006 um 14:32) AntwortenReply to this comment

    Vielleicht ist ein solcher 7. Sinn bei Katzen ja auch gerichtsbekannt!

  7. VolkerK meint: (4.7.2006 um 14:39) AntwortenReply to this comment

    Tatsächlich gab es auf unserer Straße in den letzten 10 Jahren 1 (in Worten: einen) Einbruch und unsere Katzen waren einige Tage vorher wirklich unruhig und reagierten auf Menschen vor der Haustür mit Knurren und Fauchen.
    Hinterher reimt man sich dann immer mehr zusammen.

  8. ToWi meint: (4.7.2006 um 14:41) AntwortenReply to this comment

    Wobei nicht von der Hand zu weisen wäre, das eine Katze, ob ihrer dem Menschen deutlich überlegenen Sinnesorgane, vermutlich einen "Ums-Haus-Schleicher" bemerken würde, der einem Menschen entgeht…

  9. Udo Vetter meint: (4.7.2006 um 14:43) AntwortenReply to this comment

    VolkerK, Kronzeuge der Staatsanwaltschaft :-)

  10. Anonymous meint: (4.7.2006 um 14:43) AntwortenReply to this comment

    Die Frage nach einem siebten impliziert ja die Existenz eines sechsten Sinnes. Welcher wäre das?

  11. klein dick häßlich meint: (4.7.2006 um 14:50) AntwortenReply to this comment

    Als Basisliteratur empfehle ich:

    der siebte Sinn der Katzen von Rupert Shelldrake.

    Kostet nur 10 € und lässt sich auch noch als Fachliteratur von der Steuer absetzen.

  12. Katzenliebhaber meint: (4.7.2006 um 15:00) AntwortenReply to this comment

    Die entscheidene Frage ist doch: Kommt es jetzt zu einer Gegenüberstellung des potentiellen Täters mit dem Tierchen, was sollte diese Aussage der Zeugin sonst bringen??

  13. Mathias Schindler meint: (4.7.2006 um 15:01) AntwortenReply to this comment

    "Herr Richter, unsere Muschi bringt uns jeden Tag zwei Mäuse vorbei. Nur an dem Tag vor dem Einbruch kam sie mit nur einer Maus zurück. Zufall? I think not!"

  14. Ralf meint: (4.7.2006 um 15:08) AntwortenReply to this comment

    Ist denn fraglich, ob überhaupt ein Einbruch stattgefunden hat? Oder ist der Einbruch gar nicht Thema des Verfahrens? Ich wundere mich einfach, warum das Auskundschaften vor Gericht so wichtig sein soll. Gibt es unterschiedliche Strafmaße für "Einbruch" und "Einbruch nach Tatortbeobachtung"?

    Oder geht es nur darum, die Zeugin ggf. in Widersprüche zu verwickeln? "Aber der Polizei hatten Sie doch erzählt, Ihre Katze wäre unruhig gewesen. Warum erzählen Sie uns jetzt was anderes? Es tut mir Leid, aber unter diesen Umständen erscheinen Sie mir wenig glaubwürdig." ;-)

  15. Jeronimo meint: (4.7.2006 um 15:11) AntwortenReply to this comment

    Wie unruhig müssen Muschis sein, um sicher erkennen zu können, das etwas Grosses bevor steht?

  16. Udo Vetter meint: (4.7.2006 um 15:11) AntwortenReply to this comment

    Es geht auch um den "modus operandi" im Rahmen einer vermeintlichen Tatserie.

  17. Ralf meint: (4.7.2006 um 15:18) AntwortenReply to this comment

    @16: Danke, das erklärt einiges! *pling* :-)

  18. Streitberg meint: (4.7.2006 um 15:20) AntwortenReply to this comment

    @7: Hindsight is always 20/20.
    @15: :-)))))))

  19. MaxR meint: (4.7.2006 um 15:21) AntwortenReply to this comment

    @4: http://www.katzenpsychologen.de könnte weiterhelfen.
    DAS GIBT ES OFFENBAR WIRKLICH.
    Unfaßbar.

  20. Katzenliebhaber meint: (4.7.2006 um 15:27) AntwortenReply to this comment

    @19 Das Universum ist unendlich und die einzige in beliebiger Menge zur Verfügung stehende Resource ist die menschliche Dummheit…

    Verhaltenstherapie mag ja noch angehen, aber eine explorative Sitzung mit einer Katze stelle ich mir doch irgendwie kompliziert vor (selbstverständlich als totaler Laie auch auf diesem Gebiet ;-) )

  21. -thh meint: (4.7.2006 um 15:51) AntwortenReply to this comment

    Wozu ein Gutachten? Für nicht nur gerichts-, sondern sogar allgemeinkundige Fragen wie die nach dem 7. Sinn einer Katze und dessen Beeinflussung durch Epilepsie ist das nun wirklich nicht erforderlich. ;)

  22. gerhard meint: (4.7.2006 um 15:53) AntwortenReply to this comment

    Eine psychologische Sitzung mit meinen Katern hätte schon was. Nur muß man sich dann fragen, wer Patient und wer Therapeut ist.
    Bisher verweigern sich meine beiden Kater jedem psychotherapeutischen Ansatz, einzig Urbedürfnisse nach Maslow haben eine gewisse Motivation, also fressen, schlafen, spielen.

  23. der l. meint: (4.7.2006 um 15:57) AntwortenReply to this comment

    @11: "der siebte Sinn der Katzen von Rupert Shelldrake. Kostet nur 10 € und lässt sich auch noch als Fachliteratur von der Steuer absetzen."

    Sheldrake – das ist Pseudowissenschaft bzw. Esoterik.

    Demnächst bei Ihrem Gericht: Befragung aussageunwilliger Zeugen durch Gedankenleser. Spurensicherung durch Schamanen. Energetische Optimierung des Gerichtssaales. Qi-Gong vor Prozessbeginn. Und so weiter …

  24. klein dick häßlich meint: (4.7.2006 um 16:08) AntwortenReply to this comment

    Warum nicht?

    Unsere Fusballstadien wurdendoch auch schon von einem Schamanen von bösen Geistern befreit ;-)

  25. asd meint: (4.7.2006 um 16:20) AntwortenReply to this comment

    @24 na da hat aber jemand fleissig die bild gelesen… empfehle das bildblog: angeblich hat der schamane das nämlich nicht gemacht…

  26. klein dick häßlich meint: (4.7.2006 um 16:38) AntwortenReply to this comment

    @25 Keine Beleidigungen bitte!

    Selbstverständlich lese Ich neben diesem auch das Bildblog.

    Die Zeitschrift ist einfach nicht mein Format ( Ich meine natürlich, dass die Zeitschrift für meine kleinen Hände schlecht zu halten ist ;-)))

  27. sägefisch meint: (5.7.2006 um 11:38) AntwortenReply to this comment

    Ich schlage zur Erkenntnisgewinnung den Indizien- und Geständnisprozeß nach der Constitutio Criminalis Carolina vor.

    In der Carolina wurde der Ordalprozeß, dessen anerkanntes Beweismittel das Gottesurteil war, bei dem sowohl die Eisen-, Feuer- und die Wasserprobe als auch andere Verfahren durchgeführt wurden, die auf der Theorie basierten, daß der Unschuldige unterliegt und der Schuldige mit Hilfe teuflischen Werkes überlebt, von einem Indizien- und Geständnisprozeß abgelöst. Diese Prozeßform wurde von der Carolina bis in die letzte Einzelheit geregelt. Das Geständnis der Angeklagten galt fortan als das verläßlichste Mittel der Wahrheitsfindung. Es war die Aufgabe des Richters, auf legale Weise ein Geständnis zu erzwingen und durch Indizien und Nachforschungen die Wahrheit des gestandenen Verbrechens zu erhärten. Die Folter, die auch schon bei früheren Prozessen zur Erzwingung eines Geständnisses angewandt wurde, wurde durch die Carolina gesetzlich bestätigt.

    Nur beim Vorligen ganz bestimmter Verdachtsgründe (Indizien) durfte gefoltert werden. Ein solches Indiz liegt hier eindeutig im gestörten Verhalten der Katze. Um die Wahrheit wirklich herauszufinden, könnte sich auch die Folter an der Katze empfehlen. Ein unter der Folter abgelegtes Geständnis war nach der Carolina aber erst dann gültig, wenn es außerhalb der Folter freiwillig wiederholt wurde.

    Miau …

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