Der Kontaktbereichsbeamte meint:
(1.8.2006 um 10:44) Antworten
Warum passt sich unsere Gesellschaft ständig den Dummen an? Müsste es aus evolutionärer Sicht nicht andersherum sein?
"Butike" ist noch so ein Beispiel. Mit "Butike" ist, dank neuer Rechtschreibung, tatsächlich eine "Boutique" gemeint.
O tempora, o mores!
Ich bin nicht Mitte 40 oder älter, sondern gerade einmal Mitte 20 und ertappe mich bereits bei der Verwendung des, von mir zu Kinderzeiten verhassten Satzes, "Früher war alles besser!"
Hootch meint:
(1.8.2006 um 10:54) Antworten
Hmmm…
Butike und Budike stehen aber schon in meinem Duden von 1991.
Grüße!
Der Kontaktbereichsbeamte meint:
(1.8.2006 um 10:59) Antworten
Traurig, ich dachte es ist eine neue Entwicklung, die man noch aufhalten kann. Aber wenn sich diese "Sprachvergewaltigungen" bereits 1991 zugetragen haben, gebe ich meine Hoffnung auf und verbleibe mit einem weiteren lateinischen Zitat:
Spes saepe fallit! ;-)
Jens meint:
(1.8.2006 um 11:09) Antworten
Rechtschreibung und Grammatik sind nunmal keine unveränderlichen Naturgesetz.
Viele Wörter haben ähnlich wie Boutique schon Veränderungen durchgemacht und keiner regt sich mehr darüber auf oder bemerkt es überhaupt noch. Oder wer denkt heute noch dran dass "Keks" vom englischen "cakes" stammt. In 50 Jahren schreibt man Boutique wahrscheinlich Butik oder Butiek und die paar alten Knacker die noch Boutique schreiben werden als altmodische Sonderlinge belächelt.
noxx meint:
(1.8.2006 um 11:19) Antworten
Eigentlich hasse ich mich ja dafür das zu sagen, aber Sprache ist nun einmal wandelbar. Wir sind auch, was das Sprachliche angeht (gross oder klein? *grins*), ziemlich weit von einem W. v. d. Vogelweide entfernt oder von Goethes oder Schillers Schreibweise. Sprache und ihre Grammatik wandelt sich. Mitunter gebe ich zu "Leider!" zu sagen. Ey, is numal konkret vollkrass, Alder.. :-)
Stulle meint:
(1.8.2006 um 11:20) Antworten
Hallo,
leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass wir uns den "Dummköpfen" anpassen.
Der Satz "Never argue with a fool, they will lower you to their level and then beat you with experience." zieht leider immer wieder und wenn es um die Deutsche Sprache geht sollte man evtl. mal ein wenig versuchen nicht alles zu "verschlimmbessern".
LG Stulle
noxx meint:
(1.8.2006 um 11:36) Antworten
@6 Vielleicht sollte man sich bei einer Diskussion bzgl. der deutschen Sprache auch eben jener befleissigen? *breit grins, duck und renn*
Rowerle meint:
(1.8.2006 um 11:38) Antworten
@5: kleine Anmerkung:
Shakespeare (oder wie würde Slatko aus dem Container sagen: "Shake's Beer") gilt ja mitnichten als einer der größten Literaten der englisch-sprachigen Welt (und vieles von ihm ist wirklich gut), aber mit der Orthographie hatte er es auch nicht so sonderlich.
Es gibt durchaus eine ganze Reihe verschiedener Schreibweisen bei ihm – in einem einzigen Stück.
Aber generell muss ich sagen, daß ich auch nicht alles gutheiße, was 'legalisiert' wurde/wird. Wieso darf man "Am Montag, den .." schreiben, wo das "am" ja nur eine Abkürkung für "an dem" ist …
Das einzig "Dumme" für mich ist nur, daß meine Große nächste Woche eingeschult wird, und wir uns deswegen ihre Schreibweise angewöhnen werden, um sie nicht zu sehr zu verwirren.
RA J. Melchior meint:
(1.8.2006 um 11:50) Antworten
Wirklich schlimm, dass der DUDEN regelmäßig vor Sprachschlampereien einknickt und diese nach einiger Zeit legalisiert. Aber wieso das Apostroph ??? So weit geht der DUDEN nun auch wieder nicht, oder ? (Ohne es nachgesehen zu haben)
n.n. meint:
(1.8.2006 um 12:20) Antworten
@9
wieso schlamperei? die sprache hat sich immer geändert und wird sich immer ändern. warum immer alles so negativ sehen? oder gehört das jetzt auch schon zum nörgelstandort deutschland: früher war alles besser, sogar die sprache"?
@1 @4
soweit ich weiss bedeutet das französische "boutique" eigentlich nicht " boutique" sondern "laden". das deutsche "budike" ist jedenfalls eine schon recht alte entlehnung (franzosenzeit?), die im berlinerischen anzutreffen ist.
Anonymous meint:
(1.8.2006 um 12:23) Antworten
Ist denn die Mehrzahl von AGB nicht auch AGB? Der Interviewte im verlinkten Artikel meinte, dass er's nicht mag, wenn man AGB's schreibt.
Udo Vetter meint:
(1.8.2006 um 12:26) Antworten
Korrekt ist bzw. war wohl AGBs. Oder CDs.
A. John meint:
(1.8.2006 um 12:57) Antworten
@13: [Korrekt ist bzw. war wohl AGBs. Oder CDs.]
IMO sollte es besser AGBben heißen. Man sagt ja auch nicht "Allgemeine Geschädtsbedingungs.
Für Compactdisks ist es wiederum richtig.
Gruß A. John
A. John meint:
(1.8.2006 um 12:59) Antworten
@14: Oooops: Meinte natürlich AGBen.
Gruß A. John
Der Kontaktbereichsbeamte meint:
(1.8.2006 um 13:01) Antworten
Ich sag' nur "LKWs"!
Torsten meint:
(1.8.2006 um 13:02) Antworten
Die Überschrift muss lauten: "Duden erlaubt den Deppenapostroph". Wissen viele nicht…
Rowerle meint:
(1.8.2006 um 13:05) Antworten
…was mir eben grade noch so einfiel:
Solange vom DUDEN nicht die CTO (die Kallboy Dorsten Otto-Graf-Vieh) als die verbindliche Orthographie gesetzt wird …
@11: aber nichtdestotrotzt lassen sich Sätze deutlich besser lesen, wenn man von der richtigen Groß-Klein-Schreibung Gebrauch macht *stänker*
F0rn meint:
(1.8.2006 um 13:08) Antworten
Der Duden soll – so hörte ich – nicht mehr die "Hoheit" als Bewarer der deutschen Sprache beitzen. Langenscheidt, Pons und Co. können das eben so.
Sucht man sich eben aus nach welchem Werk man schreibt.
Helgoländer Vorbote meint:
(1.8.2006 um 13:11) Antworten
Sprache ist vielleicht das letzte Refugium, in dem Juristen nichts zu melden haben. Der Mensch setzt Apostrophen, wo es ihm beliebt, wie er es hilfreich und schön findet. Er schwätzt ohne Genitiv, mit doppelter und dreifacher Verneinung, in "unvollständigen" Sätzen. Herzlich willkommen im Leben!
Anonymous meint:
(1.8.2006 um 14:02) Antworten
An dem "Loft´s Atelier´s Büro´s" aus dem verlinkten Artikel fahre ich seit Jahren jeden Tag vorbei. Das ist für mich das Deppenapostroh im Quadrat: Plural und nicht Genitiv! Und: Warum machen alle immer ein Apostroph und keinen Auslassungs- bzw. Minutenstrich. Ich habe schon bei denen angerufen, angehalten geklingelt und mit mehreren Leuten gesprochen. Einer meinte mal sinngemäß, dass das doch toll sei, wie viel Aufmerksamkeit sie mit ihrer Werbung erzielten.
Stimmt's noch bei denen?
Mak’sR (anstelle von MaxR) meint:
(1.8.2006 um 14:20) Antworten
Man muß sich den neuen Zeiten anpassen.
RA J. Melchior meint:
(1.8.2006 um 14:35) Antworten
@ 20: Unsinn ! Juristerei ist Mathematik mit Worten, daher sollten jedenfalls und gerade die Juristen auf ein gepflegtes Deutsch achten – und es auch anwenden.
Der Kontaktbereichsbeamte meint:
(1.8.2006 um 14:48) Antworten
Besonders bei der grammatikalischen Auslegung! ;-)
n.n. meint:
(1.8.2006 um 16:21) Antworten
@ 18
was richtig und was falsch ist, darf ich in sachen rechtschreibung immer noch selbst bestimmen.
:-D
@ 23 (ra melchior)
juristerei ist mathematik mit worten???
na, jetzt weiss ich wenigstens, warum so viele juristen nicht richtig rechnen können!
:-D
und ja, ein gepflegtes deutsch weiss auch ich zu schätzen. allerdings ist mein maßstab immer noch die verständlichkeit. auf die regeln von großmäuligen sprachspießern ("maßgebend in allen zweifelsfällen") kann ich gut verzichten.
martin meint:
(1.8.2006 um 16:23) Antworten
@26: iudex non calculat!
Alfred meint:
(1.8.2006 um 16:31) Antworten
Sich über dieses Apostroph jetzt aufzuregen, ist ein wenig spät. Es wurde schon bei der ersten Reform 1998 eingeführt, und es soll lediglich die Grundform eines Namens verdeutlichen helfen. Das Deppenapostroph als solches ist deshalb noch lange nicht erlaubt.
A. John meint:
(1.8.2006 um 16:35) Antworten
@23: [daher sollten jedenfalls und gerade die Juristen auf ein gepflegtes Deutsch achten - und es auch anwenden.]
Dominik Boecker meint:
(1.8.2006 um 17:04) Antworten
@Axel: Immer schön pauschal bleiben… Das hilft ungemein!
Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntekreis viele Juristen, die sehr viel Wert darauf legen, dass Ihre Mandanten verstehen, was (uns warum es) geschrieben wird. Je jünger sie sind, desto mehr Wert scheint mir inzwischen auf diese Tugend gelegt zu werden.
Chris meint:
(1.8.2006 um 17:24) Antworten
Als bekennender Anhänger der alten Rechtschreibung tangiert mich das alles nicht mehr. Das ganze Chaos um die Rechtschreibreform hatte immerhin den Nebeneffekt, daß jetzt jeder frei nach Schnauze schreiben darf, na ja fast… aber wir haben im deutschen Deutsch (Binnendeutsch, Reichsdeutsch, Deutschländischen Deutsch, man suche sich was aus) mindestens drei Hochschriftnormen, die koexistieren: die alte Rechtschreibung, die neue Rechtschreibung, wie sie in den Schulen gelehrt wird, und die gemäßigte neue Rechtschreibung, wie sie von den meisten Menschen, inklusive der Leitmedien, verwendet wird. (Ironischerweise hat daher die Rechtschreibreform eben nicht zu einer Vereinfachung geführt, denn jetzt muß man, um volle Rechtschreibkompetenz zu beweisen, nicht nur eine, sondern mindestens zwei Normen beherrschen).
Und an alle, die die in der Sprachwissenschaft wie ein Mantra wiederholte Erkenntnis, daß die "Sprache sich fortwährend ändert", angebracht haben: erst mal Applaus, denn das ist eines der Grundsätze, die die Sprachwissenschaft mehr oder minder erfolgreich in der Öffentlichkeit zu vermitteln sucht. Allerdings möchte ich anmerken, daß gerade die Schriftsprache sich eben nicht natürlich verändert, sondern immer künstlich verändert wird, und zwar mindestens seit es kodifizierte Normen gibt (das war im Mittelalter bei der Kanzleisprache sicher anders). Es gibt viele Sprachen, deren Schriftnorm eine ältere Sprachstufe wiedergibt, wie z.B. das Englische oder das Französische, und es funktioniert trotzdem. Insofern denke ich, daß bei der Schriftsprache Normendiskussionen, anders als bei der gesprochenen Sprache, nicht fehl am Platze sind. Aber der Duden wurde ja eh "entmachtet" im Zuge der Rechtschreibreform, und ob das jetzt gut oder schlecht war, möge jeder selbst entscheiden.
@8: stimmt nicht. Einfaches Gegenbeispiel: "Wir treffen uns am Hafen" bedeutet nicht dasselbe wie "Wir treffen uns an dem Hafen".
Andre Heinrichs meint:
(1.8.2006 um 18:58) Antworten
Da's i'st ja grau'sam. Mu's's ich jetzt etwa vor jedem 's einen Apo'stroph machen?
Chris meint:
(1.8.2006 um 19:33) Antworten
Korrektur zu oben (31): "einer der Grundsätze", und mit "deren Schriftform eine ältere Sprachstufe wiedergibt" meinte ich natürlich nicht, daß im Englischen die Schriftsprache der Festschreibung einer älteren Sprachstufe entspricht, (obwohl es auch dies gibt), sondern daß die Rechtschreibnorm vor längerer Zeit fixiert wurde, so daß die Rechtschreibregeln die danach erfolgten Lautveränderungen nicht mehr wiedergeben. "lead" wurde früher also tatsächlich "läad" oder so ausgesprochen, genauso wie im Deutschen der Diphthong "ei" "äi" ausgesprochen wurde.
Hootch meint:
(1.8.2006 um 19:45) Antworten
Wie dem auch sei – ich versuche, mich an die derzeit gültige Rechtschreibung zu halten. "ss" statt "ß" bei kurzem Vokal davor ist logisch und ich verwende dies auch so. Die neuen Kommaregeln (d. h. die Regeln, die es erlauben, ein Komma wegzulassen) wende ich jedoch meist nicht an, da sie die Lesbarkeit des Geschriebenen verschlechtern.
Das besitzanzeigende "'s" werde ich allerdings nicht verwenden.
Um es klar zu sagen: Isch hofffe, dasss den Duden's sisch uff eene juhte reschtschraibunk besinnnen wiat.
Grüße!
RA J. Melchior meint:
(1.8.2006 um 19:59) Antworten
Liebe Leute,
nochmals: Es heißt nach wie vor DER Apostroph !!!
(Flexion: der Apostroph, des Apostroph[e]s, dem Apostroph, den Apostroph
die Apostrophe, der Apostrophe, den Apostrophen, die Apostrophe)
Anonymous meint:
(2.8.2006 um 08:15) Antworten
Hm, ist das wirklich neu? Ich meine mich erinnern zu können, dass
"Der Duden sagt zwar, dass es im Deutschen kein Genitiv-S mit Apostroph gibt. Aber er sagt auch, dass man das machen kann, um beispielsweise einen Eigennamen hervorzuheben. Beispiel: Maria's Waschsalon."
das schon seit einiger Zeit (>1 Jahr) im Duden erlaubt ist.
Duo La meint:
(5.8.2006 um 17:18) Antworten
@35: Logisch? Ey samma, das kanndsde doch nich ernst meinen! Logik und Sprache, leef Tant Seef, doo. Logik und Inhalte, nur das geht. Nix gegen Sprache(n), aber für Logik sind die nicht zuständig.
Rechtschreibung ist Konvention und konservativ (was sollse denn abbilden, ZUKÜNFTIGE Lautverschiebungen etwa? Oder doch lieber zeitgenössische Aussprache? Dann schreiben wir doch Fiiloosoofii, so "wird es ja gesprochen". Odrr bey ons drrhai: hommer nädd, statt: haben wir nicht). Quo vadis?
Orthographie ist lebendes Sprachmuseum mit gelegentlicher Neubearbeitung der Exponate, und das beudeutet, dass gerade für den Juristen DIE SPRACHE DER SACHE DIENT, UND NICHT DIE SACHE DER SPRACHE, VERDAMMICHNOCHEINS! Unsere Fachsprache, die uns in Mandantenohren die – allerdings widerlegliche – Vermutung andichtet, auch Fachleute zu sein, ist nicht mit dem verqueren Medizineridiom zu vergleichen – wir haben die Verpflichtung zur Öffentlichkeit, die durch eine Nur-Fachsprache nicht gewahrt ist. Sowenig eine Nase ein Gesichtserker ist, genauso ist ein Auto ein Auto, bestenfalls noch ein Fahrzeug. Dann muss man's auch so nennen.
Und mal ganz praktisch, versteht der Mandant, was wir sagen (und dann bitte auch tun, je nachdem), erhöht das das Vertrauen zum Anwalt und die Zufriedenheit mit ihm erheblich. Also signifikant – was bspw. die Mehrzahl der Mandanten, meiner Mandanten – nur ungenau versteht, und ich wil auch nicht bei jedem Verwender wissen, wie genau er es weiß.
Also übern wir uns nicht in Verdeutschung, nicht in elitärem Getue, sondern in Verdeutlichung. Wir sind auf dem Weg, die Sprache mit uns. Wird sie starr, werden wir es, machen wir uns nix vor.
Genuch gebloggt heute, ich geh jetzt grillen.
velvet meint:
(9.8.2006 um 01:29) Antworten
Jackeliene (Jaqueline) fänd ich dann durchaus auch konsequent.
Ich sag ja nix dagegen, dass sich Sprache verändert (Englisch wäre sicher nicht die universelle Weltsprache geworden, wäre sie auf Shakespeare-Niveau stehen geblieben. Ändert aber nix, dass er was gutes erzählt hat – meistens). Mein Internet- Deutsch glänzt auch durch kreative Vereinfachung (wie beim nix). Aber ich bin des echten Deutschen mächtig, wenn ich will.
Sprache ist mehr als nur vor sich hinbrabbeln. Schliesslich will man, dass sein Gegenüber einen auch versteht. Sonst könnte man sich die Mühe auch sparen und lieber schweigen.
Wenn man die Legalisierung von ausgemachtem Blödsinn seitens des Dudens als losgelöstes Ereignis betrachtet, ist es sicher kaum weiter aufregenswert. Auch wenn mich der nächste Konsum einer Zeitung vermutlich aus den Socken hauen wird, sollte sich diese Art zu schreiben verbreiten und durchsetzen.
Ein bekanntes Montagsmagazin legte neulich eine Kurzanleitung bei. Hier erfährt der geneigte Leser, dass man jetzt offiziell den Deppenapostroph benutzen darf, und dass es ab sofort dann nicht mehr Ohm'sches Gesetz oder Freud'sche Schriften heisst, sondern ohmsches Gesetz und freudsche Schriften. Also was denn nun? Der Apostroph, wo er hingehört, wird abgeschafft, und da, wo er falsch ist (und auch nach der Reform bleibt), wird er erlaubt, zumindest geduldet, in einigen Fällen ist er sogar gelb.
Kommunikation ist eine der Grundfeste einer Gesellschaft überhaupt. Keine Kommunikation, keine Gesellschaft. So einfach ist das. Schlimm genug, das Subkulturen ihre eigene Sprache bilden und oft gar nicht mehr in der Lage sind, normal zu kommunizieren. Meine letzte Reise in einem öffentlichen Verkehrsmittel zur Schulschlusszeit war ein sprachlicher Horrortrip. Aber in den meisten Fällen entwachsen die zumindest der sprachlichen Subkultur auch wieder und werden zu kommunikationsfähigen Wesen. Irgendwie.
Da sich die 96er Reform deutlich von der revidierten von 2004 unterscheidet, hat man eine ganze Generation, die eine Rechtsschreibung gelernt hat, die damals nach alter Schreibe falsch war und es jetzt wieder ist nach der revidierten Revisionsreform von 2006.
Das kommt davon, wenn sich Leute mit Deutsch 5 in Dinge einmischen, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben, aber meinen, sie seien berechtigt, Empfehlungen zur Neuordnung ihrer eigenen Unfähigkeit geben. Kommt der Berg nicht zum Propheten oder so.
Stellen Sie sich vor, es gibt eine Marke, an die sie glaubt. Eine aktuelle Werbebotschaft. Was soll denn das heissen? Wieso sollte ein 7jähriges Kind an eine Marke glauben? Mein all-time-favorite Satansmörder. Hier wurde nicht Satan ermordet. Der falsche Gebrauch von Sprache und ihren Regeln führt zu Missverständnissen, diese zu unnötigen Problemen, und am Ende versteht keiner mehr irgendwas.
Das als von allen anderen 'Entwicklungen' in diesem Land losgelöstes Ereignis zu betrachten, fällt mir schwer.
Deutschland bewegt sich im hinteren Mittelfeld beim Bildungstand in Europa, das Schulsystem ist unzureichend, der Le(e|h)rstoff wird gezielt nicht vereinheitlicht, es gibt immer noch keine Kindergartenplätze für alle, obwohl man einen einklagen kann, Hausaufgabenbetreuung findet höchstens auf freiwilliger Basis statt und Erziehung und Wertevermittlung gar nicht. Diese Reform ist Teil dieser Entwicklung, eine weitere Stufe auf dem Weg nach unten.
Darüber kann man auch nicht mit abgelutschten Floskeln wie 'Sprache verändert sich nun mal' hinwegtäuschen.
velvet
Hootch meint:
(13.8.2006 um 09:21) Antworten
Ich hatte gestern die Möglichkeit, in einen Duden der elften Auflage (von 1934) zu schauen – siehe da: "Atlas, der; Plur. Atlasse, auch Atlanten". Nur so am Rande….
Warum passt sich unsere Gesellschaft ständig den Dummen an? Müsste es aus evolutionärer Sicht nicht andersherum sein?
"Butike" ist noch so ein Beispiel. Mit "Butike" ist, dank neuer Rechtschreibung, tatsächlich eine "Boutique" gemeint.
O tempora, o mores!
Ich bin nicht Mitte 40 oder älter, sondern gerade einmal Mitte 20 und ertappe mich bereits bei der Verwendung des, von mir zu Kinderzeiten verhassten Satzes, "Früher war alles besser!"
Hmmm…
Butike und Budike stehen aber schon in meinem Duden von 1991.
Grüße!
Traurig, ich dachte es ist eine neue Entwicklung, die man noch aufhalten kann. Aber wenn sich diese "Sprachvergewaltigungen" bereits 1991 zugetragen haben, gebe ich meine Hoffnung auf und verbleibe mit einem weiteren lateinischen Zitat:
Spes saepe fallit! ;-)
Rechtschreibung und Grammatik sind nunmal keine unveränderlichen Naturgesetz.
Viele Wörter haben ähnlich wie Boutique schon Veränderungen durchgemacht und keiner regt sich mehr darüber auf oder bemerkt es überhaupt noch. Oder wer denkt heute noch dran dass "Keks" vom englischen "cakes" stammt. In 50 Jahren schreibt man Boutique wahrscheinlich Butik oder Butiek und die paar alten Knacker die noch Boutique schreiben werden als altmodische Sonderlinge belächelt.
Eigentlich hasse ich mich ja dafür das zu sagen, aber Sprache ist nun einmal wandelbar. Wir sind auch, was das Sprachliche angeht (gross oder klein? *grins*), ziemlich weit von einem W. v. d. Vogelweide entfernt oder von Goethes oder Schillers Schreibweise. Sprache und ihre Grammatik wandelt sich. Mitunter gebe ich zu "Leider!" zu sagen. Ey, is numal konkret vollkrass, Alder.. :-)
Hallo,
leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass wir uns den "Dummköpfen" anpassen.
Der Satz "Never argue with a fool, they will lower you to their level and then beat you with experience." zieht leider immer wieder und wenn es um die Deutsche Sprache geht sollte man evtl. mal ein wenig versuchen nicht alles zu "verschlimmbessern".
LG Stulle
@6 Vielleicht sollte man sich bei einer Diskussion bzgl. der deutschen Sprache auch eben jener befleissigen? *breit grins, duck und renn*
@5: kleine Anmerkung:
Shakespeare (oder wie würde Slatko aus dem Container sagen: "Shake's Beer") gilt ja mitnichten als einer der größten Literaten der englisch-sprachigen Welt (und vieles von ihm ist wirklich gut), aber mit der Orthographie hatte er es auch nicht so sonderlich.
Es gibt durchaus eine ganze Reihe verschiedener Schreibweisen bei ihm – in einem einzigen Stück.
Aber generell muss ich sagen, daß ich auch nicht alles gutheiße, was 'legalisiert' wurde/wird. Wieso darf man "Am Montag, den .." schreiben, wo das "am" ja nur eine Abkürkung für "an dem" ist …
Das einzig "Dumme" für mich ist nur, daß meine Große nächste Woche eingeschult wird, und wir uns deswegen ihre Schreibweise angewöhnen werden, um sie nicht zu sehr zu verwirren.
Wirklich schlimm, dass der DUDEN regelmäßig vor Sprachschlampereien einknickt und diese nach einiger Zeit legalisiert. Aber wieso das Apostroph ??? So weit geht der DUDEN nun auch wieder nicht, oder ? (Ohne es nachgesehen zu haben)
@9
wieso schlamperei? die sprache hat sich immer geändert und wird sich immer ändern. warum immer alles so negativ sehen? oder gehört das jetzt auch schon zum nörgelstandort deutschland: früher war alles besser, sogar die sprache"?
@1 @4
soweit ich weiss bedeutet das französische "boutique" eigentlich nicht " boutique" sondern "laden". das deutsche "budike" ist jedenfalls eine schon recht alte entlehnung (franzosenzeit?), die im berlinerischen anzutreffen ist.
Ist denn die Mehrzahl von AGB nicht auch AGB? Der Interviewte im verlinkten Artikel meinte, dass er's nicht mag, wenn man AGB's schreibt.
Korrekt ist bzw. war wohl AGBs. Oder CDs.
@13: [Korrekt ist bzw. war wohl AGBs. Oder CDs.]
IMO sollte es besser AGBben heißen. Man sagt ja auch nicht "Allgemeine Geschädtsbedingungs.
Für Compactdisks ist es wiederum richtig.
Gruß A. John
@14: Oooops: Meinte natürlich AGBen.
Gruß A. John
Ich sag' nur "LKWs"!
Die Überschrift muss lauten: "Duden erlaubt den Deppenapostroph". Wissen viele nicht…
…was mir eben grade noch so einfiel:
Solange vom DUDEN nicht die CTO (die Kallboy Dorsten Otto-Graf-Vieh) als die verbindliche Orthographie gesetzt wird …
@11: aber nichtdestotrotzt lassen sich Sätze deutlich besser lesen, wenn man von der richtigen Groß-Klein-Schreibung Gebrauch macht *stänker*
Der Duden soll – so hörte ich – nicht mehr die "Hoheit" als Bewarer der deutschen Sprache beitzen. Langenscheidt, Pons und Co. können das eben so.
Sucht man sich eben aus nach welchem Werk man schreibt.
Sprache ist vielleicht das letzte Refugium, in dem Juristen nichts zu melden haben. Der Mensch setzt Apostrophen, wo es ihm beliebt, wie er es hilfreich und schön findet. Er schwätzt ohne Genitiv, mit doppelter und dreifacher Verneinung, in "unvollständigen" Sätzen. Herzlich willkommen im Leben!
An dem "Loft´s Atelier´s Büro´s" aus dem verlinkten Artikel fahre ich seit Jahren jeden Tag vorbei. Das ist für mich das Deppenapostroh im Quadrat: Plural und nicht Genitiv! Und: Warum machen alle immer ein Apostroph und keinen Auslassungs- bzw. Minutenstrich. Ich habe schon bei denen angerufen, angehalten geklingelt und mit mehreren Leuten gesprochen. Einer meinte mal sinngemäß, dass das doch toll sei, wie viel Aufmerksamkeit sie mit ihrer Werbung erzielten.
Stimmt's noch bei denen?
Man muß sich den neuen Zeiten anpassen.
@ 20: Unsinn ! Juristerei ist Mathematik mit Worten, daher sollten jedenfalls und gerade die Juristen auf ein gepflegtes Deutsch achten – und es auch anwenden.
Besonders bei der grammatikalischen Auslegung! ;-)
@ 18
was richtig und was falsch ist, darf ich in sachen rechtschreibung immer noch selbst bestimmen.
:-D
@ 23 (ra melchior)
juristerei ist mathematik mit worten???
na, jetzt weiss ich wenigstens, warum so viele juristen nicht richtig rechnen können!
:-D
und ja, ein gepflegtes deutsch weiss auch ich zu schätzen. allerdings ist mein maßstab immer noch die verständlichkeit. auf die regeln von großmäuligen sprachspießern ("maßgebend in allen zweifelsfällen") kann ich gut verzichten.
@26: iudex non calculat!
Sich über dieses Apostroph jetzt aufzuregen, ist ein wenig spät. Es wurde schon bei der ersten Reform 1998 eingeführt, und es soll lediglich die Grundform eines Namens verdeutlichen helfen. Das Deppenapostroph als solches ist deshalb noch lange nicht erlaubt.
@23: [daher sollten jedenfalls und gerade die Juristen auf ein gepflegtes Deutsch achten - und es auch anwenden.]
Gut gebrüllt, Löwe. Und warum tun sie es nicht?
http://inhalt.recht.monster.de/6396_de_p1.asp
Gruß A. John
@Axel: Immer schön pauschal bleiben… Das hilft ungemein!
Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntekreis viele Juristen, die sehr viel Wert darauf legen, dass Ihre Mandanten verstehen, was (uns warum es) geschrieben wird. Je jünger sie sind, desto mehr Wert scheint mir inzwischen auf diese Tugend gelegt zu werden.
Als bekennender Anhänger der alten Rechtschreibung tangiert mich das alles nicht mehr. Das ganze Chaos um die Rechtschreibreform hatte immerhin den Nebeneffekt, daß jetzt jeder frei nach Schnauze schreiben darf, na ja fast… aber wir haben im deutschen Deutsch (Binnendeutsch, Reichsdeutsch, Deutschländischen Deutsch, man suche sich was aus) mindestens drei Hochschriftnormen, die koexistieren: die alte Rechtschreibung, die neue Rechtschreibung, wie sie in den Schulen gelehrt wird, und die gemäßigte neue Rechtschreibung, wie sie von den meisten Menschen, inklusive der Leitmedien, verwendet wird. (Ironischerweise hat daher die Rechtschreibreform eben nicht zu einer Vereinfachung geführt, denn jetzt muß man, um volle Rechtschreibkompetenz zu beweisen, nicht nur eine, sondern mindestens zwei Normen beherrschen).
Und an alle, die die in der Sprachwissenschaft wie ein Mantra wiederholte Erkenntnis, daß die "Sprache sich fortwährend ändert", angebracht haben: erst mal Applaus, denn das ist eines der Grundsätze, die die Sprachwissenschaft mehr oder minder erfolgreich in der Öffentlichkeit zu vermitteln sucht. Allerdings möchte ich anmerken, daß gerade die Schriftsprache sich eben nicht natürlich verändert, sondern immer künstlich verändert wird, und zwar mindestens seit es kodifizierte Normen gibt (das war im Mittelalter bei der Kanzleisprache sicher anders). Es gibt viele Sprachen, deren Schriftnorm eine ältere Sprachstufe wiedergibt, wie z.B. das Englische oder das Französische, und es funktioniert trotzdem. Insofern denke ich, daß bei der Schriftsprache Normendiskussionen, anders als bei der gesprochenen Sprache, nicht fehl am Platze sind. Aber der Duden wurde ja eh "entmachtet" im Zuge der Rechtschreibreform, und ob das jetzt gut oder schlecht war, möge jeder selbst entscheiden.
@8: stimmt nicht. Einfaches Gegenbeispiel: "Wir treffen uns am Hafen" bedeutet nicht dasselbe wie "Wir treffen uns an dem Hafen".
Da's i'st ja grau'sam. Mu's's ich jetzt etwa vor jedem 's einen Apo'stroph machen?
Korrektur zu oben (31): "einer der Grundsätze", und mit "deren Schriftform eine ältere Sprachstufe wiedergibt" meinte ich natürlich nicht, daß im Englischen die Schriftsprache der Festschreibung einer älteren Sprachstufe entspricht, (obwohl es auch dies gibt), sondern daß die Rechtschreibnorm vor längerer Zeit fixiert wurde, so daß die Rechtschreibregeln die danach erfolgten Lautveränderungen nicht mehr wiedergeben. "lead" wurde früher also tatsächlich "läad" oder so ausgesprochen, genauso wie im Deutschen der Diphthong "ei" "äi" ausgesprochen wurde.
Wie dem auch sei – ich versuche, mich an die derzeit gültige Rechtschreibung zu halten. "ss" statt "ß" bei kurzem Vokal davor ist logisch und ich verwende dies auch so. Die neuen Kommaregeln (d. h. die Regeln, die es erlauben, ein Komma wegzulassen) wende ich jedoch meist nicht an, da sie die Lesbarkeit des Geschriebenen verschlechtern.
Das besitzanzeigende "'s" werde ich allerdings nicht verwenden.
Um es klar zu sagen: Isch hofffe, dasss den Duden's sisch uff eene juhte reschtschraibunk besinnnen wiat.
Grüße!
Liebe Leute,
nochmals: Es heißt nach wie vor DER Apostroph !!!
(Flexion: der Apostroph, des Apostroph[e]s, dem Apostroph, den Apostroph
die Apostrophe, der Apostrophe, den Apostrophen, die Apostrophe)
Hm, ist das wirklich neu? Ich meine mich erinnern zu können, dass
"Der Duden sagt zwar, dass es im Deutschen kein Genitiv-S mit Apostroph gibt. Aber er sagt auch, dass man das machen kann, um beispielsweise einen Eigennamen hervorzuheben. Beispiel: Maria's Waschsalon."
das schon seit einiger Zeit (>1 Jahr) im Duden erlaubt ist.
@35: Logisch? Ey samma, das kanndsde doch nich ernst meinen! Logik und Sprache, leef Tant Seef, doo. Logik und Inhalte, nur das geht. Nix gegen Sprache(n), aber für Logik sind die nicht zuständig.
Rechtschreibung ist Konvention und konservativ (was sollse denn abbilden, ZUKÜNFTIGE Lautverschiebungen etwa? Oder doch lieber zeitgenössische Aussprache? Dann schreiben wir doch Fiiloosoofii, so "wird es ja gesprochen". Odrr bey ons drrhai: hommer nädd, statt: haben wir nicht). Quo vadis?
Orthographie ist lebendes Sprachmuseum mit gelegentlicher Neubearbeitung der Exponate, und das beudeutet, dass gerade für den Juristen DIE SPRACHE DER SACHE DIENT, UND NICHT DIE SACHE DER SPRACHE, VERDAMMICHNOCHEINS! Unsere Fachsprache, die uns in Mandantenohren die – allerdings widerlegliche – Vermutung andichtet, auch Fachleute zu sein, ist nicht mit dem verqueren Medizineridiom zu vergleichen – wir haben die Verpflichtung zur Öffentlichkeit, die durch eine Nur-Fachsprache nicht gewahrt ist. Sowenig eine Nase ein Gesichtserker ist, genauso ist ein Auto ein Auto, bestenfalls noch ein Fahrzeug. Dann muss man's auch so nennen.
Und mal ganz praktisch, versteht der Mandant, was wir sagen (und dann bitte auch tun, je nachdem), erhöht das das Vertrauen zum Anwalt und die Zufriedenheit mit ihm erheblich. Also signifikant – was bspw. die Mehrzahl der Mandanten, meiner Mandanten – nur ungenau versteht, und ich wil auch nicht bei jedem Verwender wissen, wie genau er es weiß.
Also übern wir uns nicht in Verdeutschung, nicht in elitärem Getue, sondern in Verdeutlichung. Wir sind auf dem Weg, die Sprache mit uns. Wird sie starr, werden wir es, machen wir uns nix vor.
Genuch gebloggt heute, ich geh jetzt grillen.
Jackeliene (Jaqueline) fänd ich dann durchaus auch konsequent.
Ich sag ja nix dagegen, dass sich Sprache verändert (Englisch wäre sicher nicht die universelle Weltsprache geworden, wäre sie auf Shakespeare-Niveau stehen geblieben. Ändert aber nix, dass er was gutes erzählt hat – meistens). Mein Internet- Deutsch glänzt auch durch kreative Vereinfachung (wie beim nix). Aber ich bin des echten Deutschen mächtig, wenn ich will.
Sprache ist mehr als nur vor sich hinbrabbeln. Schliesslich will man, dass sein Gegenüber einen auch versteht. Sonst könnte man sich die Mühe auch sparen und lieber schweigen.
Wenn man die Legalisierung von ausgemachtem Blödsinn seitens des Dudens als losgelöstes Ereignis betrachtet, ist es sicher kaum weiter aufregenswert. Auch wenn mich der nächste Konsum einer Zeitung vermutlich aus den Socken hauen wird, sollte sich diese Art zu schreiben verbreiten und durchsetzen.
Ein bekanntes Montagsmagazin legte neulich eine Kurzanleitung bei. Hier erfährt der geneigte Leser, dass man jetzt offiziell den Deppenapostroph benutzen darf, und dass es ab sofort dann nicht mehr Ohm'sches Gesetz oder Freud'sche Schriften heisst, sondern ohmsches Gesetz und freudsche Schriften. Also was denn nun? Der Apostroph, wo er hingehört, wird abgeschafft, und da, wo er falsch ist (und auch nach der Reform bleibt), wird er erlaubt, zumindest geduldet, in einigen Fällen ist er sogar gelb.
Kommunikation ist eine der Grundfeste einer Gesellschaft überhaupt. Keine Kommunikation, keine Gesellschaft. So einfach ist das. Schlimm genug, das Subkulturen ihre eigene Sprache bilden und oft gar nicht mehr in der Lage sind, normal zu kommunizieren. Meine letzte Reise in einem öffentlichen Verkehrsmittel zur Schulschlusszeit war ein sprachlicher Horrortrip. Aber in den meisten Fällen entwachsen die zumindest der sprachlichen Subkultur auch wieder und werden zu kommunikationsfähigen Wesen. Irgendwie.
Da sich die 96er Reform deutlich von der revidierten von 2004 unterscheidet, hat man eine ganze Generation, die eine Rechtsschreibung gelernt hat, die damals nach alter Schreibe falsch war und es jetzt wieder ist nach der revidierten Revisionsreform von 2006.
Das kommt davon, wenn sich Leute mit Deutsch 5 in Dinge einmischen, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben, aber meinen, sie seien berechtigt, Empfehlungen zur Neuordnung ihrer eigenen Unfähigkeit geben. Kommt der Berg nicht zum Propheten oder so.
Stellen Sie sich vor, es gibt eine Marke, an die sie glaubt. Eine aktuelle Werbebotschaft. Was soll denn das heissen? Wieso sollte ein 7jähriges Kind an eine Marke glauben? Mein all-time-favorite Satansmörder. Hier wurde nicht Satan ermordet. Der falsche Gebrauch von Sprache und ihren Regeln führt zu Missverständnissen, diese zu unnötigen Problemen, und am Ende versteht keiner mehr irgendwas.
Das als von allen anderen 'Entwicklungen' in diesem Land losgelöstes Ereignis zu betrachten, fällt mir schwer.
Deutschland bewegt sich im hinteren Mittelfeld beim Bildungstand in Europa, das Schulsystem ist unzureichend, der Le(e|h)rstoff wird gezielt nicht vereinheitlicht, es gibt immer noch keine Kindergartenplätze für alle, obwohl man einen einklagen kann, Hausaufgabenbetreuung findet höchstens auf freiwilliger Basis statt und Erziehung und Wertevermittlung gar nicht. Diese Reform ist Teil dieser Entwicklung, eine weitere Stufe auf dem Weg nach unten.
Darüber kann man auch nicht mit abgelutschten Floskeln wie 'Sprache verändert sich nun mal' hinwegtäuschen.
velvet
Ich hatte gestern die Möglichkeit, in einen Duden der elften Auflage (von 1934) zu schauen – siehe da: "Atlas, der; Plur. Atlasse, auch Atlanten". Nur so am Rande….
Grüße!