Maximal acht Wörter
Die SZ berichtet vom Credo eines Rhetoriktrainers:
… und zählt die acht Gebote der Wirksprache auf: Machen Sie kurze Sätze (maximal acht Wörter)! Reden Sie in der Gegenwart! Vermeiden Sie Relativsätze! Streichen Sie das Wort “und”! Sprechen Sie in der direkten Rede! Benutzen Sie lieber Bilder als das korrekte Fachwort! Verbieten Sie sich Worthülsen wie “dynamisch” oder “effizient” und Weichmacher wie “vielleicht” oder “ein bisschen”! Appellieren Sie an das Gefühl statt an den Verstand!
Der Appell an das Gefühl ist allerdings riskant. So was taugt nur bei einer Zielgruppe, die kurzfristig eine (Kauf-)Entscheidung treffen muss. Alle anderen finden das im Moment zwar rührend, später setzt aber der Kater ein.
Trotzdem danke schön, damit haben wir viel Geld gespart.
Ich verzichte auf gar nichts, denn das bin ich. Wenn ich erst an irgendwelche Credi denke, bevor ich mich sprachlich ergieße, bin ich nicht mehr ich selbst.
Klingt wie ein Ausbildung zum Texter einer groß(formatig)en deutschen Tageszeitung.
Zack! Regel eins und drei verletzt… Verdammt, jetzt habe ich ein "und" im Text. Mir ist das zu anstrengend.
"So was taugt nur bei einer Zielgruppe, die kurzfristig eine (Kauf-)Entscheidung treffen muss."
Das waren 14.
@1 Du definierst dich also über den Stil, mit dem Du dich mitteilst; nicht über den Inhalt. Sprache ist der Mittel zum Zweck, sich mitzuteilen. Das funktioniert umso besser, je einfacher man es seinem Gegenüber macht.
@4 "Gefühlsapelle wirken nur bei Spontankäufern" schon sind es nur noch 5 ;)
"Verbieten Sie sich Worthülsen wie “dynamisch” oder “effizient” und Weichmacher wie “vielleicht” oder “ein bisschen”!"
15 worte, darunter ein "und".
der gute kommunikationstrainer scheint ein wenig inkonsequent zu sein, wenn er bereits in der 5. zeile die regeln aus zeile zwei und zeile drei bricht …
Wenn man "dynamisch" und "effizient" nicht mehr verwenden darf, was sollen dann alle unseren nadelgestreiften Consultants noch reden?
Die haben doch ebenfalls das klappehalten nicht gelernt.
Die Regeln gelten doch eher für die gesprochene Sprache.. die sollte man von der geschriebenen Unterscheiden. Ansonsten sollte man bie den Regeln halt drauf achten, wie die Zielperson oder Zielgruppe aussieht.. mit zunehmendem Bildungsgrad dürften sich die Regeln eine nach der anderen Relativieren.
Und natürlich auch das Anwendungsgebiet… eine Arzt wie ein Anwalt sollte niemals auf "vieleicht" verzichten. Zumindest dem Mandanten gegenüber sollte man besser ehrlich sein. Gerade bei dem kann aber eben je nach dessen persönlicher Fähigkeit die 8 Wort-Begrenzung und der Verzicht auf Nebensätze Sinn machen.
"Effizient" und Dynamisch zu streichen.. da dürfte wohl ein breiter Konsens herrschen, dass das gut ist.
Das die Gefühlskeule ihre Tücken hat.. hat Udo ja schon dargelegt.. Gefühle sollte man ansonsten eher dezent und zusätzlich zu Argumenten ansprechen..
Alles in allem helfen die meisten Tipps wohl nur im von Udo angesprochenen Szenario…
Dann doch lieber Tucholskys Ratschläge für einen schlechten Redner:
http://www.is.informatik.uni-duisburg.de/courses/dido/tucholsky.html
Das klingt mir doch eher nach Anweisung für "Wie schreibe ich Texte, die Kinder leichter verstehen.". Von einem erwachsenen Menschen erwarte ich doch schon, dass er auch Sätze mit mehr als 8 Wörtern plus Füllworten und Satzzeichen versteht.
pebbi… Rhetorik zielt in erster Linie auf die gesprochene Sprache.. und da gibt es deutliche Unterscheide zur geschriebenen Sprache… wenn man mal von der Zeitung mit den 4 Buchstaben absieht.
Das ist schon richtig, aber bitte erklär mir dann mal wie man beim gesprochenen Wort 8 Worte pro Satz abzählt ;-)
"Ich sage Ihnen eines: Führen Sie in Ihrer Verwaltung Lean-Management ein! Fünfzig Prozent Ihrer Probleme sind verschwunden!"
Offensichtlich sind es viele Firmenlenker, die auf solche Tricks und Effekte reinfallen. Und nicht über das Gesagte nachdenken können oder wollen oder beides.
Das ist mal wieder ein Beispiel für den Einfluß der englischen Sprache auf die deutsche. Der Text stammt entweder von einem englischsprachigen Verfasser oder einem, der von der englische Sprache oder Wirtschaft geprägt ist. Denn die Engländer oder Amerikaner kennen die verschachtelten Sätze der deutschen Sprache nicht. Mit diesen Sätzen können die Deutschsprachigen, sowohl gesprochen als auch geschrieben, mehr ausdrücken. Meine Güte, warum sollen wir denn auf unsere schönen Relativsätze verzichten?
Das sind schlicht die Regeln für den Anti-Wissenschaftler…
…warum soll man für Kurse zur Artikulation im Supermarkt-Jargon auch noch viel Geld zahlen? Den Meisten dürften da die Erfahrungen beim Wocheneinkauf ausreichen…
@ 14:
Mal den oben verlinkten Beitrag durchlesen, wie dieser Rhetoriktrainer dazu gekommen ist, Rhetoriktrainer zu werden ;-)
@ 15:
Im Supermarkt hat mich noch niemand in der Art angemacht. Wenn ich irgendwelche Fragen habe, kann ich da eigentlich mit einer sachlichen Auskunft rechnen.
@16 Das kann schon sein, die Kommunikation in einigen Supermärkten, wohl noch eher im ländlichen denn im grossstädtischen Raum, mag im Gegenzug zum Kommunikationsstil dieses Trainers sicher Dissertationsreife erlangen…
@16
Dein Hinweis, den Beitrag zu lesen, verstehe ich nicht.
Erstens vergleicht der Rhetoriktrainer sich mit Jesus, Buddha und Goebbels, indem er behauptet auch sie hätten die Leute so überzeugt wie er (dabei vergisst er den wichtigsten Punkt: die Ausstrahlung). Solch einer Person sollte man von vornherein mit viel Skepsis begegnen.
Zweitens benutzt der Rhetoriktrainer Begriffe wie "Lean Management". Ist also gar nicht vom englischen System beinflußt ;-)
Wobei eine postive Ausstrahlung von Goebbels natürlich nicht in Frage kommt (die alleinige Erwähnung von Goebbels als positives Beispiel – denn für den Rhetoriktrainer ist Goebbels in dieser Hinsicht ein positives Beispiel – lässt den Rhetoriktrainer äußerst fragwürdig erscheinen)
@10: Das erwartet auch mein 5jähriger Neffe von seiner 3jährigen Schwester."Sarah, geh an die Hand, sonst wirst du überfahren" – 9 Wörter. Einigen der "acht Gebote der Wirksprache" entspricht diese Formulierung allerdings.
@ 14 & 18:
Ich meinte was anderes – er hatte zunächst selbst Probleme, Reden zu halten. Aus dieser Ausgangssituation hat er sich dann dem Thema Sprache gewidmet. Nach dem, was ich da aus dem Artikel herauslese…
Und dass ich Rhetoriktrainern wie ihm mit Skepsis begegne, sollte eigentlich aus meinen Statements ersichtlich sein. Möglicherweise eventuelle vielleicht habe ich mich allerdings diesbezüglich nicht so ganz effizient ausgedrückt.
Das sind auch Menschen, die aufgrund früherer Defizite erst spät das Interesse für die Sprache entdecken und dies dann gerne den Mitmenschen umfangreich mitteilen… ist doch wie überall, die Lautesten sind die Unwichtigsten!
http://www.toastmasters.org könnte das mit der Rhetorik günstiger hinbekommen. Laut unserer Tageszeitung eine Art Selbsthilfegruppe – "englisch" sollte aber nichts fremdes sein. ;-)