We followed methodically
Als ich am Samstagmorgen im Hotel Fox News sah, gab es auch ein Telefoninterview mit dem irakischen Sicherheitsberater. Dieser berichtete mit unüberhörbarem Stolz, wie die Exekution Saddam Husseins abgelaufen ist:
He was respected throughout, when he was alive and when he became a body, before and after the execution. We followed methodically the international standards and Islamic standards … every ‘t’ was crossed and every ‘i’ was dotted.
Tja, und das haben wir geglaubt. Bis das Handyvideo zeigte, was wirklich ablief und wie die internationale Öffentlichkeit verarscht worden ist. Wahrscheinlich hätten wir die Wahrheit niemals ohne dieses Video und seine schnelle Verfügbarkeit über das Internet erfahren.
Für mich ist das ein Signal, dass der Kontrolle von oben durchaus auch eine Kontrolle von unten entgegengesetzt werden kann. Wer Menschenrechte verletzt (oder sonstige Untaten begeht), wird künftig mit dieser neuen Möglichkeit der Bloßstellung rechnen müssen.
Dass Journalisten angesichts dessen Machtverlust befürchten und allergisch reagieren, kann ich gut verstehen. Aber gerade die Verlautbarungshansel im deutschen Fernsehen haben es wirklich nicht besser verdient.
Mehr zur Diskussion bei Indiskretion Ehrensache.
Immerhin können die Iraker etwas, was bei den Amis beim letzten Mal auch nicht so recht klappen wollte…
@1 Wo Du recht hast, hast Du recht
Trotzdem ein absolut sinnloser Tod!
Sowas sollte im Jahr 2006 (Datum der Exekution) nicht mehr passieren.
Das hat mit "Demokratie" definitiv NICHTS zu tun…
Weit haben wir es gebracht.
Man hätte ja mal zeigen können, dass man *besser*(menschlicher, humaner, was auch immer) ist als die Vorgänger. Aber nö.
@4: wie hätte man das zeigen sollen? Ein Strick aus Kaschmir, daß sich der Delinquent nicht verkühlt beim Hängen?
wenn irgendjemand immer noch unter der illusion litt, dass die verhältnisse im irak seit der invasion der usa signifikant besser geworden seien, dann sollte sich das hiermit erledigt haben.
Äh. Ich dachte ohne Todesstrafe und so…
@5 z.B. mit lebenslangem Hausarrest im Exil.
Marke karge Einzelzelle und dann halt ein Leben lang durchfüttern … muss ja nicht gerade Luxusfraß sein.
Nachtrag:
Schaut man sich das … sagen wir mal, aus meiner sicht etwas eigenartige und bedenkliche Verhältniss der USA zur Todesstrafe an, war sowas eigentlich von vornherein klar
hoffentlich entstehen da nicht in der Zukunft französisch-revolutionäre Machtwechsel.
Amis zu Hause – nächster Machthaber putscht – was machen wir? – den anderen den Kopf ab! – haben die anderen ja auch so gemacht, was sollte daran falsch sein?
"Verlautbarungshansel" finde ich jetzt aber schon ein wenig garstig.
Wo ist der Widerspruch zwischen Todesstrafe und Demokratie?
Es ist doch wohl eher begründungsbedürftig warum man etwas abschaffen sollte was die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet (im Irak dürfte das der Fall sein). Das ist nämlich undemokratisch.
Versteht mich nicht falsch, ich halte die Todesstrafe auch für unmoralisch. Undemokratisch muss sie aber nicht sein.
@Latzmann
Wie ist es denn in der Bundesrepublik? Gäbe es eine Volksabstimmung "Todesstrafe für Kindermörder – ja oder nein?", wie die wohl ausgehen würde? Wär ich mir nicht sicher.
Repräsentative Demokratie ist nicht immer das, was die Mehrheit will. ;-)
Schon bei den "offiziellen" Fernsehbildern hatte ich nur ein Gefühl: Mitleid. Bei einem Gestorbenen in Tüchern denk ich nicht an seine Taten, da tut er mir leid.
@12
Wenn man Demokratie als reinen Abstimmungsmechanismus betrachtet hast du recht. Im westlichen Verständnis hat Demokratie allerdings auch eine qualitative Komponente. Außerdem geht es wohl auch nicht so sehr um Demokratie im engeren Sinne sondern mehr um Rechtsstaatlichkeit.
@14
In der bisherigen Diskussion ging es nur um die Todesstrafe, nicht um die Person.
Ich persönlich weine dem nicht eine Träne nach…
@15: "Ich persönlich weine dem nicht eine Träne nach…"
Das geht mir ähnlich. Mitleid ist aber was anderes.