Zusammenhanglose Fakten
Henryk M. Broder meint: Das Internet macht doof.
Henryk M. Broder ist zum Online-Journalisten des Jahres 2006 gewählt worden.
(Gefunden in Hal Fabers Wochenschau)
Henryk M. Broder meint: Das Internet macht doof.
Henryk M. Broder ist zum Online-Journalisten des Jahres 2006 gewählt worden.
(Gefunden in Hal Fabers Wochenschau)
*lol*
Da kann man mal sehen, wie doof das Internet macht.
Nun ja, sonderlich intelligent ist das bloße Anprangern dieser zwei Fakten nebeneinander auch nicht. Warum sehen so viele einer Auseinandersetzung mit Broders Text genüge getan, wenn sie mit ein, zwei Sätzen gemeckert haben?
Schau dir doch mal die durchschnittlichen Kommentare deiner Blogeinträge an, oder überhaupt Kommentare von Artikeln im Internet. Da lesen Leute einen Text, ihnen schleicht ein Gedanke durch den Kopf, und der muss natürlich sofort aufgeschrieben werden. So machen dann Hunderte ihr "n/t"-Titelzeilenhäufchen im Heiseforum, Einzeiler mit "lol" in deinem Blog usw.
Du scheinst dein eigenes Blog als Maßstab für das Internet zu nehmen, und das ist meines Eindrucks nach in der Kritik nicht gemeint.
Das Internet ist genauso doof wie der der es benutzt. Da gilt die selbe Regel wie beim Fernsehen: Es macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger.
Bedauerlich, daß ausgerechnet der Autor das erste Opfer ist… ;-)
@3 : Stimmt nicht. Ist zwar immer wieder ein schöner Spruch, aber falsch. Internet und TV wirken als Multiplikatoren auf die Nutzer. Wir haben inzwischen Studien vorliegen (bitte frag mich jetzt nicht nach der Quelle, ist schon ein paar Jahre her) in denen beobachtet werden kann, wie bei dauerehaftem TV-Konsum Zuschauer mit hohem Bildungsstand ihr Seh-Verhalten mit Zeit immer mehr auch auf bis dahin verschmähte Programme ausgedehnt haben. Im gleichen Zeitram wurde die Lektüre von Büchern, Theaterbesuche, Freunde mehr und mehr vernachlässigt.
Das Internet funktioniert noch schlimmer. Ich habe einen Freund, der fast alles glaubt, was er online liest, sonst aber eher ein skeptischer Mensch ist. Als er zum erstenmal vom erfundenen Mittelalter gelesen hatte, war er sofort davon überzeugt. Der Mann hatte mit 27 seinen Doktor in Mathe.
@5
Ich wette der wäre aber auch darauf reingefallen wenn er so einen Mist in einem Buch gelesen hätte oder bei "Planetopia" gesehen hätte.
Wobei mir auffällt das sowas vor allem gebildeten Leuten aus mehr oder weniger "verschulten" Studiengängen passiert wo es vor allem auf Lehrbuchwissen ankommt. Noch ein Grund übrigens der gegen die Einführung der Bachelor Studiengänge spricht.
Das erfundene Mittelalter war zuerst Thema in guten, alten Büchern.
Dr. Heribert Illig:
- Das erfundene Mittelalter
- Wer hat an der Uhr gedreht?
Die Argumentation ist übrigens nicht so platt, wie die These klingt.
Wieso redet der Autor eigentlich von einer "Domaine"? Ich habe das in letzter Zeit öfter im Sinne von Internet-Domain gelesen …
Laut meinem Duden ist ein "Domaine" ein französisches Weingut.
Abgesehen davon, dass der Beitrag Broders insgesamt nicht hochintelligent ist, so ist der Gedanke im Grunde richtig.
Das Internet als verlängerter Arm des Volkes, welches sich auch heute besonders ausgiebig in der Öffentlichkeit und mit einer breitbeinigen Trivialität äussert, dass sich ein Intelektueller nur abwenden kann, so kann man sich heute quasi nur stark selektiv im Internet oder mit MP3-Player oder Radio im Ohr im öffentlichen Raum bewegen.
Dies bestrifft also nicht nur das Internet, sondern die gesamte heutige Lebenswirklichkeit, so zB öffentliche Einrichtungen, Verkehrsmittel, Parks, bis hin in den höchstprivaten Bereich, wie zB rückichtsloses Verhalten durch Lärmbelästigung in Privatwohnungen. Dies alles gründed im gesellschaftlichen Respektsverlust vor tatsächlichen geistigen Leistungen Anderer, Werten und bürgerlich-zivilisiertem Verhalten.
Denken wir an Sokrates, der einst seine Mitbürger darauf hinwies, dass sie zwar sehr vieles zu wissen meinen (also sehr vieler Sachverhalte unzweifelhaft sicher seien), dass sie aber in der Tat so gut wie nichts wüßten (das heißt nicht in der Lage seien, die Dinge so zu erkennen, wie sie tatsächlich sind.)
Henryk Broder verbreitet seine Gewissheiten und versucht diese auf das unkritische Publikum zu übertragen.
Henryk Broder ist ein gewitzter Mann, der nicht immer recht hat; mir aber immer noch lieber als eine witzloser Mann, der immer recht hat.
@ Udo: Viele Verschwörungstheorien klingen erstmal plausibel. Die meisten dieser Thesen halten der Kritik aber selten stand. Die angebliche archäologische Fundarmut wird von Illig und Konsorten z.B. damit verteidigt, dass sämtliche Dateriungsmethoden in Frage gestellt werden. Tatsächlich finden sich in Europas Museen Tausende von Artefakte aus den angeblichen gefälschten 3 Jahrhunderten.
Der Wikipedia-Artikel zu diesem Thema stellt Illigs Hauptargumenten fundierten Kritikpunkten gegenüber. Hab den gerade durchgelesen. Liest sich gut und macht nachdenklich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erfundenes_Mittelalter
Untrügliches Merkmal einer Verschwörungstheorie ist meist das Fehlen einer Diskussion der Gegenargumente seitens der Urheber.
Illigs These würde schon daran scheitern, dass es zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert Tausende von historischen Dokumenten aus dem orientalischen Raum gibt.
Völlig absurd, dass man die Ereignisse in Andalusien, Sizilien und im Orient alle hätte fälschen können.
ich empfehle an dieser stelle mal die regelmäßige lektüre von herrn knuewers "indiskretion ehrensache". da hätten sie es nämlich schon zwei tage vorher "gefunden" herr vetter :)
http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1098
Ausschnitt:
"Die Verschwörungstheorien, die nach dem 11. September 2001 in Umlauf kamen, wären ohne das Internet über ein paar alternative Kifferstuben und Erste-Hilfe-Stationen für Verwirrte nicht hinausgekommen."
Na ja, und nebenbei noch bei einem nicht gerade wenig verbreiteten Buch eines (inzwischen ehemaligen) WDR-Redakteurs, der seinen Schund auch noch im Fernsehen verbreiten durfte. Fernsehen macht also auch doof, und der Tagesspiegel wahrscheinlich am meisten.
Und zum erfundenen Mittelalter: Wäre ganz schön blöd, denn dann hätte man in Deutschland recht wenig Städte, die in dieser Zeit erstmalig genannt wurden.
Vermutlich sind die pösen Amerikaner in die Vergangenheit gereist und haben das alles gemacht, immerhin wusste man ja wie die Städte heute heißen. Genauso wie die Jahrhunderte danach, die Niederlage der Magdeburg und des verbündeten Schwedenkönigs 1631, der Anschluß der Alten Stadt an das spätere Preußen, den Ausbau zur stärksten Festung Europas. Denn ohne diese geschichtlichen Fakten hätte es ja nicht den preußischen Oberst und amerikanischem Generalinspekteur und Generalmajor, Baron Friedrich Wilhelm von Steuben, gegeben, der Washingtons Armee reorganisierte und zum Sieg gegen die Englänger führte.
Wobei sich da natürlich die Frage nach einigen Zeitparadoxen stellt. Kann ein Zukünftiger durch den Einfluß in der Vergangenheit eigentlich bewirken, das er selber erschaffen wird. Ohne sein Vorgehen, und vorgehen kann er ja nur wenn es ihn gibt, würde es ihn ja nicht geben. Alles klar?