1.8.2007

E-Post aus Amerika

Wenn ein unzufriedener ebay-Kunde aus Wisconsin / USA auf amerikanisch an die deutsche Polizei mailt, kann er auf zuvorkommende Behandlung hoffen: Es wird übersetzt, eine Anzeige gefertigt, die deutsche Verkäuferin wird zur Vernehmung geladen, der Vorgang geht an die Staatsanwaltschaft. Auch wenn in der Anzeige (ohne Anlagen) selbst eigentlich nichts drin steht, was den Vorwurf des Betrugs bestätigen würde.

Würde mich mal interessieren, was passiert, wenn man eine so vage Anzeige in deutscher Sprache an den örtlichen Sheriff in den Staaten mailt.

25 Kommentare zu “E-Post aus Amerika”

  1. Kerstin meint: (1.8.2007 um 15:29) AntwortenReply to this comment

    Ganz einfach:
    Man landet auf der schwarzen Liste des Heimatschutzministeriums, diese Liste wird mit allen Listen, die es bei uns natürlich nicht gibt, abgeglichen und *butz* steht der Anzeigende dann ohne Arbeit, ohne Konto und Dauerwohnsitz in einem Knast der Wahl da.
    So geht das in Amiland.

  2. Bernie meint: (1.8.2007 um 15:34) AntwortenReply to this comment

    "So geht das in Amiland."

    Boah. Sie kennen sich aus!

  3. Peter Schaefer meint: (1.8.2007 um 15:38) AntwortenReply to this comment

    1. braucht man da erst mal einen Anwalt
    2. braucht man da erst mal Geld, denn für heiße Luft fängt der nicht an zu arbeiten
    3. braucht man Zeit

  4. Daniel W. meint: (1.8.2007 um 15:44) AntwortenReply to this comment

    Hallo Udo,

    ehrlich gesagt finde ich deine letzte Frage nicht sehr interessant. Viel spannender wäre es, zu wissen, wie die deutsche Polizei/Staatsanwaltschaft reagieren würde, wenn ein Einheimischer so eine nichtssagende Anzeige erstatten würde.
    Meine Erfahrungen mit diesen Institutionen lassen mich in der Beantwortung einer solchen Fragen jedenfalls nicht ganz objektiv erscheinen. Ich rechne mit Untätigkeit, Inkompetenz, Geklüngel, in jedem Fall nicht mit einer Vernehmung des Beschuldigten!
    Viele Grüße
    Daniel

  5. MaxR meint: (1.8.2007 um 15:46) AntwortenReply to this comment

    @1: Die Listen gibt es bei uns natürlich und ganz offiziell und werden vom heimatschutz gerne zur Verfügung gestellt.
    So ist zum Beispiel jede Spedition heutzutage "verpflichtet", bei Im- und Exporten in/aus USA bzw. Feindstaaten der USA bzw. eigentlich immer eine Überprüfung vorzunehmen, ob der Inhaber der Absendefirma nicht zufällig jemanden kennt, der Osama heißt (man sollte zum Beispiel sein Geschäft heutzutage besser nicht "Im- und Export Laden" taufen, das leuchtet bestimmt rot beim Heimatschutz).

    Na ja, so richtig und wirklich verpflichtet ist er wohl eigentlich nicht so ganz, aber wehe er tuts nicht: Dann wird auch er auf die offizielle Liste der Unzuverlässigen gesetzt und für seine Kunden hat sichs was mit Exporten in die USA.

    Und wer zahlts?
    Rischdisch.

  6. martin meint: (1.8.2007 um 16:25) AntwortenReply to this comment

    ich finde die frage viel interessanter, was gewesen wäre, wenn die email nicht auf englisch aus amerika, sondern auf spanisch aus spanien oder türkisch aus der türkei gekommen wäre. geschweige denn aus einem ex-UDSSR-land

  7. Anwalt USA meint: (1.8.2007 um 19:57) AntwortenReply to this comment

    @1: Ganz so leicht kommt man natürlich auch in den USA nicht auf irgendwelche Listen oder in den Knast. Solche Schauermärchen über "Amiland" sind vollkommen unbegründet.

    Grundsätzlich muss man aber wohl sagen, dass es drauf ankommt, wo der angeschriebene Sheriff sitzt. In Wisconsin kann es sein, dass er nicht weiss, wo Deutschland ist.

  8. Henning meint: (2.8.2007 um 00:21) AntwortenReply to this comment

    Ist ePost nicht eine eingetragene Marke der Deutschen Post AG?

  9. osx meint: (2.8.2007 um 09:26) AntwortenReply to this comment

    @8: Oh oh, schlechtes Beispiel, "Anwalt USA": Gerade in Wisconsin kann es sehr gut sein, dass der Sheriff deutschstämmig ist, um die Ecke einen deutschen Metzger hat und jährlich zum lokalen Oktoberfest geht.

  10. Bernie meint: (2.8.2007 um 09:42) AntwortenReply to this comment

    @8: Jau. Hmm, ob die deutschen Polizisten wissen, wo Wisconsin liegt?

  11. TheDoctor meint: (2.8.2007 um 09:46) AntwortenReply to this comment

    @8, 10: beide Möglichkeiten erscheinen ähnlich plausibel, ob es den Sheriff dann juckt ist Frage Nr. 2.

    Man sollte bei dem Fall aber beachten wer im Verhältnis USA-Deutschland Lehensherr ist, und wer Vasall.

    Der Lehensherr bestimmt, der Vasall springt.

  12. SvenR meint: (2.8.2007 um 09:48) AntwortenReply to this comment

    @ Nr. 8 (Anwalt USA):

    Sie haben keine Ahnung.

    Mein Kollege, mitte zwanzig, ist ein kleines, sehr selbstbewußtes Genie. Er ist Deutscher, seine Großeltern sind Nordafrikaner, und so sieht er auch aus. Er spricht fließend deutsch, englisch und spanisch – und sagen wir, nordafrikanisch.

    Jetzt war er von einem IT-Unternehmen für einen Vortrag nach – sagen wir einmal – New York eingeladen. Wir hatten vorab geklärt, dass er keine Arbeitserlaubnis braucht – da hatte mein Chef nämlich mal ein Problem – und das uns auch schriftlich bestätigen lassen. Wir kaufen also ein Flugticket für Ihn, er fährt nach Frankfurt, durchquert zwei Sicherheitskontrollen und die Passkontrolle, steigt ins Flugzeug und fliegt zum JFK. Dort angekommen steigt er aus, wartet an der gelben Linie und wird von seinem Immigration-Officer (IO) befragt, wo denn sein Visum sei. Er antwortet, er sei Deutscher und daher bräuchte er kein Visum. Der IO antwortet, dass Deutsche nicht – sagen wir – Muhammad Said hießen, sein Pass ja wohl gefälscht sein müsse und er jetzt festgenommen sei. Außerdem stände ein Muhamed Sayt auf der Liste der Terrorverdächtigen. Das sei ja offensichtlich er.

    Ich vergaß zu erwähnen, dass er zum 16ten Mal in die USA einreiste.

    Jetzt machte er den größten Fehler. Er sagte, er sei doch von diesem weltbekannten US-amerikanischen Unternehmen eingeladen, einen Vortrag zu halten. Man könne ja da nachfragen. Den jetzt wollte IO wissen, wo denn seine Arbeitserlaubnis sei. Von jetzt auf gleich war er ein Deutscher ohne Arbeitserlaubnis, der sofort das Land zu verlassen habe. Sein "ich brauche keine Arbeitserlaubnis, ich habe das schriftlich"-Einwendung wurde durch Abnehmen des Schriftstücks, zerreissen ohne es vorher nur eines Blickes zu würdigen und wegwerfen "entkräftet".

    Der IO sagte ihm, er könne sich jetzt aussuchen, ob er lieber ein gesuchter Terrorist oder ein Deutscher ohne Arbeitserlaubnis sei. Schon klar für was er votierte.

    In Deutschland zurück beschwerte er sich natürlich beim Konsulat. Das Konsulat antwortete ihm sinngemäß – natürlich nur fernmündlich – dass er einfach die Bescheingung hätte vorlegen müssen, die er ja offensichtlich nicht dabei gehabt habe.

    Das deutsche Außenministerium – auch nur fernmündlich – riet ihm, seinen Namen zu ändern.

    Mein Vorschlag: Am besten in Rainer Hohn.

  13. Frank meint: (2.8.2007 um 10:52) AntwortenReply to this comment

    @13, Sven R.
    lawblog gefällt mir gut. So gut, dass ich hier regelmäßig lese. Dein Beitrag über Amiland ist der pointierteste und beste, den ich seit längerem gelesen habe. Thruth well told. Und bestärkt mich wieder in der Ansicht, dass ich Amiland erst dann besuchen werde, wenn ich ALLE anderen Erdenwinkel gesehen habe. Also erst nach Myanmar. Und nach Saudi-Arabien.

  14. TheDoctor meint: (2.8.2007 um 15:09) AntwortenReply to this comment

    Bruce Schneier hat in seinem Blog gerade ein mehrteiliges Interview mit Kip Hawley, TSA Administrator (das ist der Chef-Scherge für die Flughafensicherheit) laufen.

    Lest es, vergleicht es mit #13 und ihr werden keine weiteren Fragen haben.

    Ich muß nicht in die USA reisen…
    …und das ist gut so.

  15. Anonymous meint: (2.8.2007 um 15:12) AntwortenReply to this comment

    @14 hast du jetzt ein "wieder" vor besuchen vergessen? oder warst du tatsächlich noch nie in den usa? woher weißt du dann, dass nr.13 "truth well told" enthält? einfach nur ein auf der couch überlegtes vorurteil bestätigt bekommen? na dann……

  16. Bernie meint: (2.8.2007 um 15:34) AntwortenReply to this comment

    Das Tolle am Ferienland USA ist, dass einem dort Leute wie 13-15 nicht begegnen. Damit meine ich natürlich nicht den Protagonisten der Geschichte in Posting 13. Diese Geschichte, wenn sie stimmt, ist ein Skandal. Das gibts nur in Amerika? Hier sind drei Namen: Oury Jalloh, Laye Kondé, Aamir Ageeb. Ach, noch einer: Wolfgang Schäuble. Zu europäischer Selbstgerechtigkeit gibt es keinen Grund.

  17. Frank meint: (2.8.2007 um 16:08) AntwortenReply to this comment

    @16
    Mein Bruder ist letzlich in LA gelandet. Die Amis schreiben im Unterschied zu uns die eins l (ohne Aufstrich) und die sieben 7 (ohne Querstrich). Das Geburtsdatum, das in die Einreisedokumente einzutragen ist, hat er in der 'deutschen' Schreibweise (aus Unkenntnis – völlig ohne subversive Nebengedanken)geschrieben. Abfertigung verweigert. Neu ausfüllen. Wieder anstellen. 2 Stunden später dann die Einreise absolviert.
    @17
    Dein letzter Satz ist wahr. Aber hier gegenstandslos. Wer was gegen Schäubles Überwachungsstaat hat, hat auch was gegen die USA. Als Staatswesen. Nicht gegen die Leute, die da wohnen.

  18. TheDoctor meint: (2.8.2007 um 16:23) AntwortenReply to this comment

    @17: der Verweis auf Schneier zeigt das es Amerikaner gibt die mit den Methoden ihrer Regierung so ihre Probleme haben, genau wie ich mit meiner.

    Jaulen über den Einreisefick der USA und dann sagen ich fahre aber trotzdem hin find ich halt inkonsequent.

    Wo meine individuelle Schmerzgrenze ist, ab wann ich ein Land nicht mehr betrete, weiß ich auch nicht genau, aber Guantanamo et. al. überschreitet sie.

  19. TheDoctor meint: (2.8.2007 um 16:30) AntwortenReply to this comment

    Ich vergaß:
    Die USA sind selbstverständlich berechtigt an ihren Grenzen so zu kontrollieren wie sie möchten und bei einer Einreise die Daten zu erheben die ihnen richtig erscheinen, die USA sind ein souveräner Staat.

    Alle die anderes fordern sind weltfremd.

    Ob es klug ist, es in der Form zu tun, oder ob es seinen ZWECK erfüllt, steht auf einem anderen Blatt.

  20. Bernie meint: (2.8.2007 um 16:33) AntwortenReply to this comment

    @18: "Wer was gegen Schäubles Überwachungsstaat hat, hat auch was gegen die USA. Als Staatswesen."

    Das unterschreibe ich nicht, bedaure. Es gibt gute Gründe, die derzeitige Regierung der USA zu kritisieren, aber vom "Staatswesen" USA könnte sich Deutschland einiges abgucken, finde ich: Redefreiheit (statt bloßer "Meinungsfreiheit"), direkte Demokratie, Öffentlichkeit und Transparenz des staatlichen Handelns, kein "Parteienstaat im Staat", bessere "checks and balances", gelungener Föderalismus, etc. Natürlich gibt es auch Kritikpunkte (Todesstrafe! Punitive Damages!), meines Erachtens überwiegen aber die guten Seiten. Andere mögen das anders sehen. Die Aussage "Schäublegegner = Staat-USA-Gegner" jedenfalls trifft in dieser Absolutheit nicht zu.

  21. Lionel Hutz meint: (2.8.2007 um 17:26) AntwortenReply to this comment

    Auch eine nette Story von der US-Immigration, Einreise mit einem deutschen Kollegen (ironischerweise auch noch Partner einer in den USA beheimateten Großkanzlei), der neben vielen alten US-Einreisestempeln auch einen aus [irgendein mir nicht mehr genau erinnerliches Ferienziel im nahen Osten] hatte. Folgender Dialog:

    "You have been to [Ferienziel]! Why?"

    "I went there on holiday."

    "You went there on holiday?"

    "It's not unusaual for Germans to go there on holiday!"

    "How would you know what's usual for Germans?"

    Meine Schlussfolgerung:
    1. Wenn die Amerikaner meinen, den Schutz ihres Landes durch Leute sicherzustellen, deren IQ knapp unter Zimmertemperatur liegt, tun sie sich keinen gefallen.
    2. Selbstverständlich steht es den USA frei, das zu organisieren wie sie wollen und in den wenigsten Ländern sind Grenz- und Zollbeamte besonders freundlich. Eine solche Kombination von Dummheit und Frechheit wie bei US-Immigration Officers dürfte aber international – jedenfalls unter zivilisierten Ländern – einmalig sein. Brasilien hat m.W. ja immerhin exklusiv für US-Amerikaner die gleiche erkennungsdienstliche Behandlung eingeführt, wie sie umgekehrt geübt wird – was die USA dann erstaunlicherweise empörend fanden. Ich finde, bei uns sollten sie neben EU- und Nicht-EU-Schaltern noch einen für US-Bürger einführen, wo die mal live demonstriert bekommen können, wie es einem Ausländer in den USA so geht.

  22. Ben meint: (2.8.2007 um 20:28) AntwortenReply to this comment

    Ich hatte noch nie Probleme mit der Einreise in die USA. Und kenne auch niemanden, der welche hatte. Auch nicht um 2 Ecken.

  23. SvenR meint: (3.8.2007 um 16:52) AntwortenReply to this comment

    @ Nr. 17 (Bernie):

    Ihren Satz

    Das Tolle am Ferienland USA ist, dass einem dort Leute wie 13-15 nicht begegnen.

    verstehe ich nicht.

    Ich war noch nie in den USA "in den Ferien", bislang immer nur zum Arbeiten, d. h. an Meetings teilnehmen, Lieferanten oder Kunden besuchen. Das darf man aber auch nicht sagen, weil man ja keine Arbeitserlaubnis hat.

    @ Nr. 18 (Frank):

    Mein Bruder ist letzlich in LA gelandet. Die Amis schreiben im Unterschied zu uns die eins l (ohne Aufstrich) und die sieben 7 (ohne Querstrich) [...] 2 Stunden später dann die Einreise absolviert.

    Das ist schon selten dämlich. Es wird i.d.R. explizit und mehrfach darauf hingewiesen, dass die "amtliche" Schreibweise zu verwenden ist. Und trotzdem hatte er Glück. Ich habe in Chicago O'Hare selbst erlebt, wie ein mir unbekannter "Südländer" (Italiener oder Spanier, würde ich meinen) wegen intentional falsification of documents nicht einreisen durfte.

    @ Nr. 19 (TheDoctor):

    Jaulen über den Einreisefick der USA und dann sagen ich fahre aber trotzdem hin find ich halt inkonsequent.

    Sie haben vollkommen recht.

  24. F.R. (Psycho-Blog) meint: (4.8.2007 um 20:17) AntwortenReply to this comment

    Eine Mandantin? Ansonsten fehlt mir irgendwie eine Quellenangabe dazu ;-)

    Und wenn dem so ist… schreibe ich mal besser nicht meine Meinung dazu… es könnten sich ansonsten einige Leute in besonderer Stellung allzu sehr angepi**t fühlen 8)

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