Kreditkarten: lange Tilgung, hohe Zinsen
Hinter einem neuen Kreditkarten-Angebot vieler Banken steckt ein offenbar neuer Trick. Den hat die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale herausgefunden und warnt davor. Die Kunden zahlen monatlich nur einen kleinen Teil des fälligen Betrages, der große Rest wird in einen Kredit umgewandelt. Doch für den berechnen die Banken hohe Zinsen, die liegen dann zwischen 10 und über 17 Prozent.
Die Verbraucherzentrale in Düsseldorf fürchtet eine Schuldenfalle und rät: Wenn schon mit Kreditkarte gezahlt wird, dann sollte das Konto monatlich ausgeglichen werden. „Die schönen Momente des Lebens spontan genießen und dabei finanziell beweglich bleiben“, mit diesem Spruch etwa wirbt die Deutsche Bank für ihre „WorldFlexCard“. Auf diese Art, sagt Finanzjurist Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale, wird die Kreditkarte praktisch wie das Girokonto mit einem Dispokredit ausgestattet: Der Kunde bekommt einen bestimmten Kreditrahmen und kann diesen nach Belieben zurückzahlen.
Vorgeschrieben sind nur meist monatliche Mindestraten von fünf bis zehn Prozent des Schuldenstands. Hinzu kommt, dass Kartenbesitzer selbst aktiv werden müssen, wenn sie den teuren Kredit nicht „untergeschoben“ bekommen wollen. Die Deutsche Bank sieht nämlich, so Strube, im Gegensatz zu vielen anderen Kartenanbietern nicht den standardmäßigen Einzug des monatlichen Abrechnungsbetrags per Lastschrift vor, sondern nur wahlweise fünf oder zehn Prozent des Rechnungsbetrags.
Strube: „Die Banken bauen auf die Unkenntnis und Trägheit der Kunden, die nicht jeden Monat aktiv das Kreditkonto ausgleichen“. Fachleute nennen die neue Methode „Revolving-Funktion“. Der englische Begriff wörtlich übersetzt heißt „Drehbühne“, gemeint sind hohe Flexibilität bei Einkauf und Rückzahlung, der Anreiz also zu spontanen Wunschkäufen. Dabei aber, mahnt Strube, verlieren Verbraucher schnell den Überblick und verschulden sich. (pbd)
"Hinter einem neuen Kreditkarten-Angebot vieler Banken steckt ein offenbar neuer Trick. Den hat die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale herausgefunden und warnt davor."
Mal eine ganz dumme Frage: Was ist denn daran jetzt ein "neuer Trick"? Das beschriebene Prinzip nennt man Kreditkarte und gibt es schon immer. Nur weil Banken heute ihren Kunden hauptsächlich Debit-Karten (wo am Ende des Monats automatisch der gesamte Betrag vom Girokonto abgebucht wird) anstatt von Kreditkarten verkaufen, heißt das doch nicht, dass die Idee "KREDITkarte" eine neue wäre.
Richtig. Das Prinzip der Kreditkarte. In den USA übrigens die übliche Form, die fast jeder Bürger mehrfach in der Geldbörse hat. Dass am Ende des Monats alles bezahlt wird, oder gar die einzelnen Beträge, wenn sie anfallen, ist dort unbekannt.
Ach, tatsächlich. Ich habe sowas auch, und ob das nun schlau ist, oder nicht, ich nutze es auch. Die Barclaybank ist zudem so freundlich, mir ungefähr einmal im Jahr den Kreditrahmen zu erhöhen. Ich sehe das Risiko und nehme es bewusst in Kauf. Wenn ich wollte, könnte ich ja sowohl die Kreditrahmenerhöhungen ausschlagen als auch auf monatliche Zahlung des vollen Betrages umsteigen. Werde ich auch tun, sobald mein Studium rum ist und ich vernünftig verdiene. (Ich weiß, es gibt günstigere Studienkredite. Aber nichts gegen meine Faulheit.)
Das ist für mich kein Fall für die Verbraucherzentrale – das Risiko ist leicht durchschaubar.
Barclay berechnet aber Zinsen für den vollen Betrag, wenn nicht 100% ausgeglichen wird.
Belastet man die Karte mit 1.000€ und zahlt 900€ zurück fallen Zinsen für 1.000€ an.
So war das zumindest bei mir vor ca. 2 Jahren, seitdem achte ich penibel drauf, das Konto komplett azugleichen.
Kann natürlich sein, dass die AGB mittlerweile geändert sind.
Hallo,
das habe ich schon vor knapp zwei Jahren gesehen. An einer Tankstelle lag ein Prospekt "kostenlose Kreditkarte", und ich habe mir gedacht, dahinter steckt bestimmt eine Abzocke, umsonst ist nur der Tod. Und so war es dann auch.
Inzwischen bin ich so weit, dass Wörter wie "gratis" oder "kostenlos" ihre bisherige Assoziation verloren haben und ein Euphemismus für "Abzocke" sind.
Gruß
Andreas
Neulich bekam ich (in einem spam!) Werbung für eine Kreditkarte, die für 6 Monate bis zu 7000 Euro zinsfrei sind. Das ist "Anfüttern" vom feinsten.
@Arno (1):
Du wirst da ein paar Begriffe durcheinander. Debitkarten sind zwar in Deutschland sehr weit verbreitet, das sind aber die EC/Maestro-Karten, bei denen sofort vom Konto abgebucht wird. Eine "echte" Kreditkarte funktioniert in der Tat so, dass einmal pro Monat der fällige Betrag zurückgezahlt werden muss. In Deutschland sind "revolving credit"-Karten noch nicht weit verbreitet, insofern kann man wie ich finde schon von einem "neuen Trick" der Banken reden.
@1:
In dem Artikel wird lesbar relativiert, weil dort von einem "offenbar" neuen Trick gesprochen wird.
@7:
Richtig, es ist ein ziemlich "neuer Trick".
Trick?
Nun ja.
Schon richtig – wenn man die bisherigen Karten gewohnt ist, dann wird man vielleicht überrascht sein, wenn nur 10% der fälligen Summe abgebucht werden.
Aber spätestens zu diesem Zeitpunkt (und da ist noch kaum Schaden passiert) sollte man schon aufmerksam werden und nachschauen, warum die Bank so unüblich großzügig ist.
Und sich spätestens dann über die Höhe der fälligen Zinsen informieren.
Man kann das dann locker sehen wie Nr. 3, oder eben künftig darauf achten, alles auszugleichen.
Aber wer dann noch pennt und sich nur darüber freut, daß das Girokonto geschont bleibt – der ist dann wirklich selber schuld.
@7: Oh, da habe ich mich in der Tat mit den Begrifflichkeiten vertan. Aber das ändert doch nichts daran, dass man im Zusammenhang mit einer KREDITkarte nicht von einem "Trick" sprechen kann, wenn man KREDIT bekommt und dafür Zinsen bezahlen muss. Soooo furchtbar neu ist dann nun auch nicht – aber in der Tat die "deutschen" Kreditkarten sind verbreiteter.
Nachtrag:
American Express bietet den o. g. "Trick" übrigens schon immer an. Nur die Standard-Kreditkarten die die Banken ihren Kunden mit dem Girokonto anbieten, funktioniert halt meist anders.
Nachtrag II:
Übrigens spricht Wikipedia im Zusammenhang von o. g. "Trick" von "echten Kreditkarten". Die hier als "normale" Kreditkarten (mit Abbuchung am Monatsende) nennen sich "Chargekarten".
http://de.wikipedia.org/wiki/Kreditkarte
Der o. g. "neue" Trick ist übrigens die ursprüngliche Form der Kreditkarte, alle anderen sind daraus entstanden. Die ursprüngliche Form ist in D in der Tat nicht weit verbreitet, insofern vielleicht nicht jedem bekannt – aber hier von einem neuen Trick zu sprechen ist vollkommen abstrus.
Amazon bietet sowas auch an.
http://tinyurl.com/ytjq2h
Man bekommt allerdings 20 Euro Rabatt auf die erste Bestellung und die Visa-Karte ist im ersten Jahr kostenlos.
Trick:
Wenn man keine Finanzierung in Anspruch nimmt und zum Ablauf des ersten Jahres kündigt, nimmt man die Vorteile mit – ohne die Nachteile.
Daß Amazon dabei draufzahlt, denke ich nicht. Die Zeche zahlen allerdings die anderen …