28.10.2007

Geheim ist kein Beweis

Mit seiner jetzt nachlesbaren Entscheidung zum Haftbefehl gegen Andrej. H. macht der Bundesgerichtshof eines deutlich: “Konspiratives Verhalten” alleine begründet keinen Tatverdacht. Man darf seine E-Mails verschlüsseln und versuchen, Gespräche und sonstige Aktivitäten geheim zu halten. Gerade dann, wenn man ohnehin weiß, dass man von der Polizei überwacht wird.

Zum Hintergrund:

annalist: Beobachtungen

39 Kommentare zu “Geheim ist kein Beweis”

  1. Albacore meint: (28.10.2007 um 12:23) AntwortenReply to this comment

    Das ist ja mal wieder ein schönes Urteil. :-) Verschlüsselung ist und bleibt unverdächtig. Sehr fein.
    Mal ein Gedanke, den ich hier gerne mal kurz zur Diskussion stellen möchte:

    Beim verlinkten blog "annalist" kann man IMHO davon ausgehen, dass der Traffic überwacht wird. Ist ist also durch vergleichbar – wenn auch technisch im Detail anders – mit der "mg"-Infoseite des BKA: Wer es liest landet im Raster. Ich habe mich es deshalb bisher nicht getraut, darauf zuzugreifen (Anonymisierungsdienste wie JAP, TOR etc. einmal ausgenommen).
    Mir stinkt die Schere im Kopf ganz gewaltig.
    MfG
    Albacore

  2. Albacore meint: (28.10.2007 um 12:25) AntwortenReply to this comment

    @ Udo Vetter:
    Mit der Seite des BGH, auf dem das Urteil liegt, verhält es sich zumindest *theoretisch* ähnlich. Wenn es rechtlich möglich ist, wäre eine lokale kopie im lawblog eine sehr feine Sache.
    ;-)
    MfG
    Albacore

  3. Reinhard meint: (28.10.2007 um 12:32) AntwortenReply to this comment

    @1: Du besuchst ein Blog nicht, nur weil Du der Meinung bist der Traffic würde da überwacht?

    Sorry, aber zusätzlich zu Deiner selbstvershculdeten Schere im Kopf hast Du auch relativ wenig Ahnung von der Technik. Der einzige, der hier den Traffic überwachen kann, ist a) der Blogbetreiber und b) der Bloghoster. Bei beiden ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie für deutsche Behörden arbeiten.

    Von daher, etwas weniger hysterische Paranoia tut der ganzen Thematik ganz gut.

  4. Albacore meint: (28.10.2007 um 12:38) AntwortenReply to this comment

    @3 Reinhard
    Ähm, also "technisch keine Ahnung", ohoh.

    Was du da sagst ist schlichtweg falsch. Es ist der Justiz sehr wohl möglich, und technisch sehr einfach, den Traffic abzugreifen. Der einzige, der mitmachen muss, ist der ISP. Und die sind gesetzlich dazu verpflichtet. Und wenn du beispielsweise folgende zweistündige Sendung mal angehört hast,

    http://chaosradio.ccc.de/cr128.html

    wirst du sicherlich auch einsehen, dass dieses blog sehr wahrscheinlich überwacht wird.
    MfG
    Albacore

  5. User meint: (28.10.2007 um 12:53) AntwortenReply to this comment

    Der, der wenig Ahnung von Technik hat, scheinst du zu sein.
    Das verdächtige Webseiten überwacht und der komplette Traffic analysiert wird, bevor man die Seite schließen lässt, ist längst gängige Praxis. Der ISP wird zur Mitarbeit verpflichtet und der Seitenbetreiber merkt nichts.

  6. Ben (der Unerwünschte) meint: (28.10.2007 um 12:56) AntwortenReply to this comment

    @3

    Gerade wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt, anderen technische Inkompetenz vorzuwerfen, sollte man sehr genau aufpassen.

    Albacore hat es schon richtig beschrieben, die Justiz kann und wird den Hoster ggf. zur Mitwirkung verdonnern, und das ist verdammt leicht zu machen. Die entsprechenden Behörden wissen genau, welche Richter ihnen alles genehmigen, und genau die werden dann angefragt. Richtervorbehalt also schon mal effektiv ausgehebelt, die Anträge der Staatsanwaltschaft werden eins zu eins übernommen, und bloß noch unterschrieben.

    Als Verteidigungsmaßnahme bleibt da nur noch einen ausländischen Hoster mit ausländischer IP zu wählen. Genau diesen Weg ist Annalist anscheinend gegangen, die IP ist Norwegisch. Allerdings, selbst jetzt ist es noch zu früh für Triumphgeheul, so von wegen technischer Inkopetenz und so. Es gibt nämlich immer noch so nette Dinge wie Amtshilfe, und die wird spätestens seit 9/11 ganz großgeschrieben. Weil, es geht ja bekanntermaßen um "Terrorismus", gelle?

  7. Klaus meint: (28.10.2007 um 13:05) AntwortenReply to this comment

    Wenn der Annalist – Blog überwacht wird, dann auch der LAWBLOG,und viele andere auch, denn die verlinken ja zu Annalist.
    Warum sollen die Bewacher nicht zugemüllt werden, ist doch spassig, können sie noch mehr nicht haltbare Verdachtsmomente schaffen und noch öfter auf die "Schn.." fallen.

  8. Reinhard meint: (28.10.2007 um 13:05) AntwortenReply to this comment

    @4: Gut, das mit "Keine Ahnung von Technik" nehme ich hiermit offiziell zurück :)

    Ich lasse mir dennoch davon keine Agnst machen. Denn dann hat der Überwachungsfetischist schon gewonnen, weil ich diese Seiten gar nicht erst aufsuche.

    Anlässlich der 9/11-Hysterie ist mein Name bereits in den Datenbestand der Behörden aufgetaucht, weil ich die Mailingliste einer entsprechenden AlQuaida-Propaganda-Seite abonniert hatte. Ich weiß das, weil ich die entsprechende Anfrage des BKA auf dem Tisch hatte, die Daten zu den Besitzern entsprechender Mail-Adressen zu übergeben. Passiert ist natürlich nichts. Was mich damals und auch heute nicht davon abhält mir Informationen von ALLEN Seiten zu beschaffen.

    Und zwar ganz offen.

  9. Mathan meint: (28.10.2007 um 13:07) AntwortenReply to this comment

    Ja, und? Sollen sie den Traffic doch überwachen. Was bringt es ihnen denn?

    Sie bekommen maximal die Namen vieler unbescholtener Bürger, mit denen SIe nichts anfangen können. Denn falls sie die Überwachung auf die Seitenbesucher ausdehnen bzw. Nachforschungen anstellen etc. pp. wäre das der Supergau für all jene, die uns einreden wollen, die Überwachungsmaßnahmen beträfen ja nie den einfachen Bürger.

    Und wenn sie Pech haben sehen sie, dass sich viele Leute für das Blog interessieren und man das Thema nicht so einfach unter den Tisch fallen lassen kann.

  10. Klaus meint: (28.10.2007 um 13:09) AntwortenReply to this comment

    Nachtrag:
    Der Lawblog war gestern mehrere Stunden nicht erreichbar, wurde da gerade die "Überwachung" geschaltet?

  11. Der Gerd meint: (28.10.2007 um 13:09) AntwortenReply to this comment

    Paranoid? Zufall?
    Ich habe von "annalist" zum ersten Mal hier im lawblog gehört und dann die Seite durchgelesen. Beim nächsten Hochfahren des PC hat meine Firewall tapfer zum ersten Mal einen Zugriff blockiert.
    Der Gerd

  12. Albacore meint: (28.10.2007 um 13:13) AntwortenReply to this comment

    @8 Reinhard
    Dann haben wir den "Streit" ja beigelegt und das Adrenalin kann wieder runterfahren. ;-) Ne im Ernst, hatte das nicht krum genommen.

    Also was deinen Post zu 9/11 etc. Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Eher gesagt: ganz genauso. allerdings bin ich etwas vorsichtiger, was das hinterlegen meiner IP etc in diversen Datenbanken angeht.

    Da kommt mir nebenbei der Gedanke: vielleicht sollten wir mal wieder einen JAP source audit machen. Wer kann Java? ;-)

    Was zum Lachen:
    http://youtube.com/watch?v=4y-waHLz-TU

    MfG
    Albacore

    PS Im übrigen sollte der lawblog tech-admin mal das NTP anpassen. Die Tücken der Technik und der Sommerzeit. Hehe.

  13. Reinhard meint: (28.10.2007 um 13:14) AntwortenReply to this comment

    @11: Und wenn schon. Lässt Du Dir davon etwa Angst machen. Kuscht Du dann brav und besuchst solche Seiten nicht mehr? Besuchst Du dann auch das Lawblog nicht, weil es auf solche Seiten verlinkt und möglicherweise auch *kreisch, panik* "überwacht" wird?

    Sorry, aber Lenin hatte schon ganz recht als er sagte, dass mit den Deutschen keine Revolution zu machen sei ;)

  14. Albacore meint: (28.10.2007 um 13:17) AntwortenReply to this comment

    @ 11 Der Gerd
    Also deine Firewall. Hmmm. Schau doch mal in den Logs nach, wenn du die ungefähre Uhrzeit noch weist, kannst du ja mal den Eintrag dazu posten. Wäre sicherlich mal lustig. (Oh, und schau doch, dass du beim Posten deine eigene IP mit XXX.XXX.XXX.XXX verdeckst.)
    Tipp: so sachen wie NortenInternetSecurity und andere windows sec-suites haben da i.d.R. ein grafisches Interface, mit dem du die Logfiles durchsehen kannst.
    MfG
    Albacore

  15. Albacore meint: (28.10.2007 um 13:31) AntwortenReply to this comment

    @13 Reinhard
    Nein, ich lasse mir davon keine Angst machen. Ich informiere mich genauso, wie du auch, nur dass ich dabei z.T. Anonymizer verwende. (Der Grund, warum ich damit mir bisher nicht das annalist-blog angeschaut habe, ist einfach der, dass ich das System neu aufgesetzt habe und TOR und JAP noch nicht eingerichtet habe in den letzten Tagen.)
    Und von wegen *kreisch, panik* ist bei mir auch nicht viel los, geht eher gegen null. Und kuschen geht mal gleich gar nicht.

    Im übrigen zum Thema "lawblgo verlinkt ja auch". Hm. Das hat nicht unbedingt so viel damit zu tun, IMHO. Pro Seite, die zusätzlich überwacht werden soll, steigt dann halt der Traffic approx. exponentiell mit statistischer Basis. Das würde nicht unbedingt viel Sinn machen. Es reicht ja auch, die direkten Zugriffe zu analysieren, IMHO. *Wer* auf annlist verlinkt, wird höchstens in der Form eines sozialen Netzes analysiert, um vielleicht dann sich weitere Seiten herauszupicken.

    Sorry, muss jetzt leider weg, schaue später nochmal rein.
    Bis denn,
    Albacore

  16. Gerd Kraemer meint: (28.10.2007 um 13:57) AntwortenReply to this comment

    Sollte Udo Vetter entgangen sein, dass der BGH nur den "dringenden Tatverdacht" verneint hat und keineswegs jeglichen Indizwert des konspirativen Verhaltens?

  17. Udo Vetter meint: (28.10.2007 um 14:11) AntwortenReply to this comment

    Die technischen Probleme gestern dürften am Server gelegen haben. Jedenfalls ist nichts Gegenteiliges bekannt. Dass die Behörden was täglichen 25.000 IP-Adressen anfangen könnten, kann ich mir auch nicht recht vorstellen.

  18. Tilman meint: (28.10.2007 um 14:39) AntwortenReply to this comment

    Das mit der Kommunikation über den Entwurfsordner ist eigentlich schon seit Jahren bekannt – wurde in der Presse seinerzeit erstmalig im Zusammenhang mit Islamistischen Terroristen erwähnt. Unser Soziologie-Früchtchen ist also nicht einmal besonders innovativ bei seinen konspirativen Aktivitäten. Dafür ist die Staatsanwaltschaft offenbar ausnahmsweise technisch auf der Höhe der Zeit und wirklich gut informiert. (Die konspirativen Aktivitäten wurden natürlich in der PR der Unterstützerszene nicht erwähnt, passt halt nicht in das Bild des "harmlosen Wissenschaftlers", der "nur" durch den Gebrauch eines Schlagwortes in die "Mühlen der Justiz" geriet)

  19. NetReaper meint: (28.10.2007 um 14:52) AntwortenReply to this comment

    @18 – Tilman

    Soso, und was ist dann die "Wahrheit" über dieses "Soziologie-Früchtchen"? Letztlich ist es mir überlassen, wie ich mit jemandem kommuniziere. Und sei es steganografisch über "Zitrone"-getaggte Bilder bei flickr.com.

    Schönen Gruß
    NetReaper

  20. corax meint: (28.10.2007 um 15:46) AntwortenReply to this comment

    Geheim ist zwar kein Beweis, kann aber straferschwerend hinzu kommen, zumindest in Großbritannien.

    http://antiterror.blog.de/2007/10/24/title~3187021

  21. Klaus D. Ebert meint: (28.10.2007 um 17:45) AntwortenReply to this comment

    @Tilman

    1. Von Niveau und Objektivität zeugen Formulierungen wie "Soziologie-Früchtchen" nicht gerade

    2. wurde in meinem Fall bei der Observation meines Surfverhaltens (ohne entsprechenden Beschluss eines Richters) aus dem Besuch von Online Sexshops ein Indiz für eine angeblich geplante Straftat gemacht. Wer sowas schon mal selbst oder in seinem Bekanntenkreis erlebt hat wird seine Verhaltensweisen möglicherweise ändern was für Außenstehende nicht nachvollziehbar sein mag

    3. keiner von uns kann sich ein objektives Bild machen aber ich vertraue mal auf das Urteilsvermögen der Kollegen von dem "Soziologie-Früchtchen"

  22. Tilman meint: (28.10.2007 um 17:46) AntwortenReply to this comment

    Die Wahrheit, die in der PR nicht erwähnt wird, ist dass der Soziologe konspirativ agierte weil er in Aktivitäten der Linksextremistischen Szene involviert ist. Die ganze PR der Art "Wissenschaftler aufgrund von Google Suche zum Kriminellen gestempelt" bzw. "Wissenschaftler verdächtig weil er sein Handy ausschaltete" erzählt eben nur ein Teil der Geschichte. Den Rest findet man nun in der BGH Entscheidung.

  23. Tilman meint: (28.10.2007 um 17:58) AntwortenReply to this comment

    @21: Ich habe nicht den Anspruch, objektiv zu sein. Das müssen die Richter. Die Frage ist halt, ob die Kollegen wissen, dass der Mann in der linksextremistischen Szene involviert ist, und nicht lediglich einer ist, der über "Gentrifizierung" herumschwurbelt und alleine deshalb ins Fadenkreuz geriet. (gemeint ist der Zuzug Besserverdienender, aber das klingt nun mal nicht so "wissenschaftlich" wie das G-Wort)

    Deinen Fall kann ich nicht bewerten. Ich habe mir mal Deine Webseite vor einer Woche oder so angeschaut, da war so viel geschwärzt oder entfernt, dass keine Meinung möglich ist.

  24. aha meint: (28.10.2007 um 20:27) AntwortenReply to this comment

    Gegen die Zeitschrift Radikal laufen Verbotsverfahren. Grund genug zur Vorsicht.
    Aber wenn mann ihn wegen seiner Tätigkeit bei der Zeitschrift nicht kriegen kann, versucht man eben, ihm etwas anderes anzuhaengen.

  25. djo meint: (29.10.2007 um 00:11) AntwortenReply to this comment

    Ich wundere mich sehr, woher die doch schon paranoid anmutende Haltung vieler Zeitgenossen stammt, bestimmte frei zugängliche Inhalte einfach nicht wahrzunehmen, ja quasi auszublenden. Ich selbst habe mir die BKA-Seite zur Gruppe MG auch angeschaut, nachdem ich erfahren habe, dass angeblich jeder Visitor observiert werden könnte. Grund: Ich erkenne keine Logik darin, dass das BKA solche absurden Aktionen unternehmen sollte. Früher hingen auch RAF-Fahndungsfotos in den Polizeidienststellen aus. Wurde jeder verdächtig, der sich die Visagen anschaute? Sicher nicht.
    Ebenso verhält es sich m.M. mit den Infoseiten zur MG unserer Exekutive. Das wäre ja schizophren: zuerst werden Infos für die Steuerzahler rausgegeben, dann werden die Rezensenten bzw. Rezipienten verdächtigt, eventuell vielleicht doch Sympathisanten zu sein. Aus welchem Grund dann überhaupt um Hinweise bitten?
    M.E. ebenso eine tote Ente wie der sog. Schäublaner.

  26. 4thmarch meint: (29.10.2007 um 16:17) AntwortenReply to this comment

    @22 Tilman

    Also der Vorwurf ist doch, daß einer wegen seiner linken Gesinnung verfolgt wird und deshalb der Terrorverdacht konstruiert wurde.

    Und was sind konspirative Aktivitäten und warum sind diese so schlimm?

  27. Ben (der Unerwünschte) meint: (29.10.2007 um 16:21) AntwortenReply to this comment

    @djo:

    > Ich wundere mich sehr, woher die doch schon paranoid
    > anmutende Haltung vieler Zeitgenossen stammt,
    > [...]
    > Grund: Ich erkenne keine Logik darin, dass das BKA solche
    > absurden Aktionen unternehmen sollte. [...] Aus welchem
    > Grund dann überhaupt um Hinweise bitten?
    > M.E. ebenso eine tote Ente wie der sog. Schäublaner.

    Kann es sein, dass du da mal was absolut nicht mitbekommen hast? Um nochmal aus dem Tagesspiegel zu zitieren:

    > Wer sich im Netz diese offizielle Information einholt,
    > riskiert was: ***AUSWEISLICH EINES VERMERKES DER BEHÖRDE,
    > DER DEM TAGESSPIEGEL VORLIEGT,*** werden seit September
    > 2004 die IP-Adressen – es geht um Zahlenkolonnen, die
    > der eindeutigen Identifizierung von Rechnern dienen –
    > aller Besucher dieser Internetseite registriert. Zudem
    > versuchte die Behörde, einen Teil der Computerbesitzer
    > zu identifizieren, die die betreffende BKA-Website
    > besucht hatten.
    (Hervorhebung von mir)

    Wenn das eine Ente ist, dann hat der Redakteur einer als seriös einzustufenden Zeitung ganz offen gelogen, und zwar massivst. Er hat dann von einem Vermerk gesprochen, den es nicht nur gar nicht gibt, sondern den er entgegen seiner Aussage auch gar nicht vorliegen hat. Das ist deutlich mehr, als mal ein Fehler aufgrund unsauberer Recherche, abgeschriebener Fehlinformation u.ä. Das ist ein sofortiger Kündigungsgrund, und ein Karrierekiller. Wenn der das so getan hat, dann kriegt der nicht mal mehr einen Job bei BILD. Der muss dann ganz klar sagen "ich habe einen Vermerk vorliegen", wo dies nicht der Fall ist. Das muss dann auch von der Chefredaktion gedeckt sein, oder er muss diese ebenfalls täuschen, ggf. sogar mit einem gefälschten Vermerk. Womit wir dann schon Dokumentenfälschung mit auf der Liste hätten. Das ist jede Menge Holz für eine doch eher kleine Ente. Das ist dir doch klar, oder? (Ich meine, den Pulitzer-Preis gibt es dafür nun einmal eher nicht, was ebenfalls klar ist, oder?)

    Hier nochmal der Link zum Artikel:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/BKA-Datenschutz;art122,2390884

    Ich meine, klar, man kann durchaus der Ansicht sein, dass man dennoch auf die Seite geht. Aber das damit zu begründen, dass das doch eine Ente sei, auf die nur Paranoide hereinfallen… möchtest du das wirklich angesichts der überaus deutlichen Faktenlage aufrecht erhalten?

  28. MOW meint: (29.10.2007 um 19:47) AntwortenReply to this comment
  29. djo meint: (29.10.2007 um 21:30) AntwortenReply to this comment

    @ Ben:
    Naja, ich halte das nach wie vor für eine Ente. Und zwar für eine ziemlich tote Ente:
    "Die Aktion der Ermittler endete am 19. April, weil an diesem Tag ein „Positionspapier“ der mutmaßlich terroristischen Gruppe öffentlich wurde, das beim Tagesspiegel eingegangen war." (http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/BKA-Datenschutz;art122,2390884)

    Die Aktion _endete_ nach Angaben des Tagesspiegels am 19. April! Die Überprüfung selbst mag wahrhaftig stattgefunden haben, für einen bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit. Alles weitere in Bezug zur Gegenwart ist Panikmache, da Flugvogel.

    Und – auch aus dem Tagesspiegel:
    "Der innenpolitische Spreche der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, sagte, dass die Registrierung von IP-Adressen im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren zum „täglichen Geschäft“ der Sicherheitsbehörden gehöre. Er sagte aber auch, er könne das „Motiv nicht erkennen, warum das BKA mit einer solchen Website in die Öffentlichkeit geht“."

    Ausnahmsweise schließe ich mich mal MdB Bosbach an, zumindest was die Erkennbarkeit des Motivs betrifft.

  30. djo meint: (29.10.2007 um 21:46) AntwortenReply to this comment

    PS:
    Die Tatsache, dass IP-Adressen _registriert_ werden, ist ja noch lange kein Grund, sich überwacht zu fühlen. Jedes halbwegs moderne Weblog loggt die IP mit. Google sowieso. Ich wette, der Tagesspiegel loggt die Adresse kurz- oder mittelfristig ebenso, schließlich müssen ja addition.com und ivwbox hausintern überprüft werden :)
    Anyway: Wer mag, kann ja Tor benutzen. Oder JAP. Oder beides. Oder I2P. Oder einen Web2Mail-Gateway nutzen – das wäre back to the roots…
    Das Ganze ändert nur nichts daran, dass man aus Sicherheitsbedürfnis (ich halte die Privatsphäre für ein unveräußerliches Bürgerrecht, für das sich 100% zu kämpfen lohnt) oder Paranoia Informationen einfach ausblendet.

  31. djo meint: (29.10.2007 um 23:09) AntwortenReply to this comment

    @djo: Die Webseiten des BKAs waren/sind ein Honigtopf.

    @Tilman: Wie sollte Deiner Meinung nach zukünftig "konspiratives" Verhalten vermieden werden? Dürfen ab sofort Soziologen nur noch Postkarten schreiben und empfangen?

  32. Ben (der Unerwünschte) meint: (29.10.2007 um 23:29) AntwortenReply to this comment

    @djo:

    Nee, nee, da steht nicht nur was von Registrierung der Adressen, bitte den Artikel genau durchlesen. Es sollten User hinter den Adressen ermittelt werden, das steht da klipp und klar drin.
    Die Tatsache, dass die Aktion mittlerweile vorbei ist, ändert nichts daran, dass das BKA eben genau so etwas getan hat. Das ist aber das, was du für eine Ente gehalten hast, nachweislich deiner eigenen Worte. Du hast nicht geschrieben "ich kann mir nicht vorstellen, dass das BKA so etwas nach einem 19. April noch tun würde", sondern du hast geschrieben "Ich erkenne keine Logik darin, dass das BKA solche absurden Aktionen unternehmen sollte". Da war keine Datumseingrenzung in deiner Aussage.

    Die Aussage, das sei eine Ente ist ganz eindeutig falsch, ebenso falsch wie der Paranoiaverdacht gegen Leute, die vollkommen zu Recht davon ausgehen, dass dies wieder geschehen kann. Das sind Leute, die vielleicht keine Lust haben in irgendeiner Datenbank zu landen, die ihnen später mal Ärger machen könnte. Dass man sich selbst absichern kann, mit TOR oder JAP, und dass man sich generell nicht einschüchtern lassen sollte, wenn es um Zugang zu Informationen geht, das stimmt alles. Aber das als Ente zu bezeichnen und den Leuten übertriebene Paranoia vorzuwerfen ist angesichts der Faktenlage einfach unangebracht.

    Es ist keine Ente, das BKA hat so eine Nummer gebracht, wird solche Aktionen vermutlich wiederholen, und wer ganz sicher nicht in irgendwelchen BKA-Datenbanken landen will, der sollte nicht einfach so auf die Seite gehen. Das sind leider mittlerweile die Fakten.

  33. djo (der djo mit Kommentar 26, 30, 31) meint: (30.10.2007 um 00:29) AntwortenReply to this comment

    @Ben:
    Ok, ich gebe Dir Recht: das war eine von mir nicht verifizierte Aussage, dass das eine Zeitungs-Ente ist. Betrachte diese Aussage als falsch, solange sie nicht als wahr bewiesen ist.
    Da ich kein Mitglied im Innenausschuss des Deutschen Bundestages bin – und auch (noch) keine Informationen habe, welcher Art der Vermerk ist, der dem Tsp. vorliegt – kann ich das leider auch nicht für mich 100% überprüfen. (Wenn ich also diese Aussage in einem Presseartikel publiziert hätte, dann würde ich mir schlechte Recherche vorwerfen lassen müssen).

    Den Paranoiaverdacht nehme ich jedoch nicht zurück (und relativiere ihn auch nicht), sondern lasse diese Aussage als meine eigene (u.U. leicht provokative) Meinung/Hypothese so stehen.

  34. rollmops meint: (30.10.2007 um 08:34) AntwortenReply to this comment

    Zur Begrifflichkeit des "Soziologen-Fruechtens" weiter oben: der international anerkannte Soziologe Andrej Holm ist drei Wochen vor seiner Verhaftung, jedoch noch innerhalb der Observierung, von der Bundeszantrale für politische Bildung zu genau seinem Fachgebiet interviewt worden:

    http://www.bpb.de/themen/5Q64EM.html

    Die bpb untersteht ebenfalls dem Innenministerium, also Schäuble. Wusste da der eine nicht, was der andere tut? Oder wollte die Harms dem Woiferl an den Karren fahren…

  35. Asz meint: (30.10.2007 um 08:51) AntwortenReply to this comment

    @djo – Dazu gibts einen meiner Lieblingssprüche:

    "Nur weil du Paranoia hast, heißt das noch lange nicht, daß du nicht verfolgt wirst."

  36. Ben (der Unerwünschte) meint: (30.10.2007 um 10:55) AntwortenReply to this comment

    @36:

    "Bloß weil du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind."

    Bei dir fehlt das "nicht". ;-)

  37. Daniel Schwinn / düsi computer software meint: (7.11.2007 um 13:58) AntwortenReply to this comment

    Also "konspirative" Briefkästen habe ich für meine Kunden im Softwarehaus schon seit Jahren. Zugriff per Webmail, der Kunde bekommt dann nur die Zugangsdaten und kann sofort auf seine übermittelten Daten zugreifen bzw. mir Daten übermitteln. Da greifen sogar verschiedene Kunden (nacheinander) auf dasselbe Postfach zu.

    Mit der VDS ist damit zu rechnen, dass alle Postfächer auf die in kurzem zeitlichen Abstand von unterschiedlichen (weit voneinander entfernten) Orten zugegriffen wird um Nachrichtem im Entwurfsordner zu bearbeiten mit einer automatisierten Methode in irgendeinem Verdachtsraster landen.

    Die Übertragung von Daten vom/zum Kunden ist oft gar nicht anders möglich als diesem einen Zugang zu einem Webmail-Account zu geben, in dem die Daten abgelegt sind.

    Gründe hierfür unter anderem:

    - Der Mail-Server des Empfängers hat einen Firewall, der nicht alle Anhänge gestattet
    - Größe der Mails beim Provider des Kunden z.B. auf 1/2/5/10 MB beschränkt
    - Verzögerte Zustellung durch dessen Provider (bei manchen Providern bis zu 1/2 Stunde)
    - Der EMail-Client des Kunden gestattet den Zugriff auf Anhänge nicht
    - Mails verschwinden beim Kunden im Spam-Filter und die EDV-Abteilung zu verständigen um diese freizugeben wäre zu aufwendig
    - Auch ohne Verschlüsselung der Mails ist bei diesem Verfahren eine deutlich höhere Vertraulichkeit als durch normale Mails gewährleistet: Der Zugang zum Postfach ist jeweils https-Verschlüsselt und es findet keine UNVERSCHLÜSSELTE Übertragung zwischen beliebigen beteiligten Mailservern statt. Es muss also nur einen Provider vertraut werden und nicht beliebigen unbekannten Dritten im Internet. Der Kommunikationspartner benötigt für diese bereits recht hohe Sicherheit übrigens keine installierte Software außer dem Browser!

    Würde das illegal bzw. die Beteiligten automatisch irgendwelchen Verdächten aussetzen wäre das eine enorme Behinderung besonders bei der Bedienung von Unternehmenskunden.

    Vor der Einführung dieses Verfahrens war es stets problematisch individuelle Updates Kunden schnell und einfach zukommen zu lassen bzw. etwa Testdatenbestände kurzfristig auszutauschen.

  38. Klaus D. Ebert meint: (22.11.2007 um 14:37) AntwortenReply to this comment

    Eine Möglichkeit die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen ist die Nutzung eines VPN mit einem Server im Ausland.

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