Wir, die Schmierfinken
“Blogs sind … der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.”
Damit nicht genug. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Michael Konken lässt in einer Rede Dampf ab – übers böse Internet:
Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.
Die passenden Worte hierzu finden Thomas Knüwer und Thomas Mrazek. Besonders gut gefällt mir natürlich folgender Einwurf des Handelsblatt-Reporters Knüwer:
Ist das Lawblog, in dem der Anwalt Udo Vetter über Recht und Rechtssystem schreibt, kein journalistisches Produkt? Obwohl er unterhaltsamer schreibt als all die Journalisten – und sicher kundiger ist?
Zur Relativität des Mediums Papier habe ich neulich was Schönes bei Don Alphonso gelesen.
In der Rede hieß es aber "auch".
Und diese vier Buchstaben relativieren den Angriff dann doch entscheidend. Denn Recht hat er – wo sonst wird soviel anonym geschrieben?
Schön auch, wie es weiter geht:
Die drei oder vier Leute …
Nun, guckt man sich einen Großteil der Blogs an, so hat Konken nicht völlig unrecht. Das es dazwischen Perlen gibt – keine Frage. Aber der größte Teil ist Ausschuss.
Was die "Wahrheit" angeht: Habt ihr (damals) in etablierten Nachrichtenquellen einen Hinweis darauf gefunden, dass in Myanmar Armeeeinheiten _gegeneinander_ kämpfen? Ich nicht. Im Gegenzug ist mir aber aufgefallen, dass ich in klassischen Medien nahezu täglich über die Situation im Land lese, die digitale Betroffenheitskarawane aber längst weitergezogen ist.
MC
Einen Satz vergessen: In den Blogs passieren zur selben Zeit, natürlich unbelegt, die tollsten Dinge in Südasien.
MC
"Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit"
NEIN !!!
Ich brülle sonst ja nie im Netz, aber welcher Drogen nimmt der Typ den in der Öffentlichkeit ??? Der kann das unmöglichst ernst meinen. Fuer wie blöde hält der uns den alle ??? Der letzte "Journalist" der selbiges von sich behaupten konnte hieß IMHO Tucholsky. Wer mir einen, auch nur einen einzigen Journalisten zeigt der das von sich behaupten kann ohne zu lügen das sich die Balken biegen und heutigentags sofort zu verhungern,, den spediere ich 2 Wochen Winterurlaub vom allerfeinsten !!!
So ein dickes Brett kann doch keiner vor der Birne habe. Das muss die pure, verzweifelte Existenzangst sein…..
Have fun
Otaku
ein klarer fall von zu kurz gedacht. sicherlich gibt es netz viel müll. aber auch in der welt des gedruckten journalismus ist dieser leicht zu finden. man muss nur zum nächsten bäcker laufen und die bild-"zeitung" kaufen. und dort findet man zur genüge:
"Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten."
und diese
"treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden."
warum schlägt der mann medium?! weiss er nicht, was "medium" bedeutet?
3/MC
Was die “Wahrheit” angeht: Habt ihr (damals) in etablierten Nachrichtenquellen einen Hinweis darauf gefunden, dass in Myanmar Armeeeinheiten _gegeneinander_ kämpfen?
Spiegel hatte einen Artikel über die internen Machtverhältnisse des Landes mitsamt graphischer Übersicht. Dort war auch von soetwas die Rede.
oh, ich dachte erst der schreibt über B*LD/B*NTE/F*auimspiegel.
Ich habe mich doch aber gar nicht um den Titel "journalistisches Erzeugnis" für mein blog beworben. Oder sollte ich das? Hab ich was verpaßt?
Wie sagte schon vor Jahrzehnten Oliver Hassencamp? "Die Pressefreiheit ist nicht in Gefahr. Es darf nach wie vor falsch, taktlos und hämisch berichtet werden."
Soll dieser Konken sich doch erstmal die Regenbogenpresse inclusive BILD vorknöpfen. Die werden von den meisten Blogs doch immer noch um Längen übertroffen, was die Qualität der Artikel angeht.
Angst.
Er denkt das Internet macht seinen Job obsolet, da wird man schonmal ausfallend.
Man muß nicht immer nur an DIE Zeitung denken.
Auch in den angeblich seriösen Medien gibt es unglaublich viel miesen Journalismus.
Und als jemand, der schon mal persönlich erleben mußte, wie eine Lokalzeitung ungeniert Diffamierungen verbreiten kann, kann ich über diese Behauptungen des Oberfunktionärs nur noch bitter lachen:
" … sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können … "
Es wird höchste Zeit, daß der klassische Journalismus Konkurrenz bekommt und Kontrolle fürchten muß – und da kann man es ertragen, daß die meisten Blogs selber auch kein Vorbild an Niveau sind.
"Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden."
… ein Schelm wer Böses dabei denkt.
-> http://www.bild.de <-
Auszug:
[...Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Gäste,...]
[...In diesem Zusammenhang fällt mir die Perversion des Handelns in Gestalt des Geschäftsführers der Mxxxxxx Zeitung, Lxxxxx Lxxxxx, ein. Ich nenne diesen Namen gern noch einmal, damit niemand ihn vergisst. Sein Name sollte für die Ewigkeit in unsere Köpfe gemeißelt werden: Lxxxxx Lxxxxx. Das personifizierte Unwort nicht nur dieses Jahres. Sein arbeitnehmerunwürdiges, unchristliches Verhalten wird in die
Analen*
der Geschichte eingehen. So setzt man sich selbst eben auch Zeichen, nachhaltige, negative Zeichen....]
* Schon scheiße wenn Qualitätsjournalismus fürn Arsch ist. ;-)
Traurig. Das Problem sind aber nicht die Journalisten als solche, sondern Verleger und Chefredakteure, die fähigen Redakteuren -und da gibts es durchaus inzwischen eine webkompatible Generation- keine Chance lassen, das Gute im bösen Internet zu entdecken.
Pah, Herr Konken!
Christian Unger
Zum Schloß 8
39167 Eichenbarleben
Mitglied der Jungen Liberalen, der FDP und diverser bundesunmittelbarer Organisationen. Mitglied der Humanistischen Union, des Malteser Hilfsverbandes etc. pp.
Leidenschaftlicher Kämpfer für die Menschen- und Bürgerrechte, manchmal etwas radikal anmutend aber ein hervorragender Wahlkämpfer.
Sonst noch Fragen?
Und, Herr Konken, was ist denn mit den unzähligen Falschdarstellungen, Verleumdungen und Halbwahrheiten die die Presse tagtäglich im Sinne Ihrer Einschaltquoten publiziert? Die Qualität des Lawblogs liegt DEUTLICH über dem Niveau manch eines deutschen Tagesmediums, und damit meine ich nicht nur die BILD und RTLII.
Nebenbei: Das Äußern von Meinungen in anonymisierter Form ist sehr wichtig, da man sich ansonsten eventuell nicht traut das zu sagen was man meint. Aber wie jeder längere lawblog-User weiß: Ich sage wirklich alles! ;o)
@2 (RA JM),
ich zähle grad… bin bei 2 stehen geblieben. Wer denn noch?
@3 (MC),
Mag sein dass es viele Blogs gibt die nicht unbedingt von hoher Qualität sind. Aber: Falschdarstellungen gibt es außerhalb des Internets auch, nur bekommt man die als durchschnittlicher Mensch nicht mit.
@5 (otaku),
Sabine Rückert.
@8 (Ziffer 8),
und außerhalb des Spiegels?
@14 (R.A.),
ich kenne das u.a. von einer gewissen „objektiven“ Fernsehanstalt. Ich habe mich dann auch dort intensiv mit dem Redakteur auseinander gesetzt. Er hat aber nicht mal verstanden was ich von ihm wollte.
Die meisten Blogs (meines wahrscheinlich eingeschlossen) sind Schrott. Viele davon werden gemacht von narzisstischen Mimosen.
Aber ob die Presse da soweit von entfernt ist? Es gibt da dieses eine fantastische Zitat von Paul Sethe oder so: "Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten"
Vielleicht sollte der Herr einmal darüber nachdenken, warum es viele Menschen gibt, die sich nicht trauen, ihren Namen unter eine Meinung zu setzen.
Mir fällt bei mir selbst in letzter Zeit vermehrt auf, daß auch ich überlege, ob gewisse Äußerungen im Netz nicht für mich von Nachteil sein könnten. Allein, daß ich mir diese Frage stelle, zeigt, daß mein Vertrauen in den Rechtsstaat getrübt ist. Ich habe einfach Angst, daß mir gravierende Nachteile erwachsen, wenn ich mich beispielsweise über das Verhalten von Finanzbehörden mir gegenüber öffentlich äußere.
Noch versuche ich dagegen anzukämpfen, aber ob die massiven Einschüchterungstaktiken nicht auf Dauer Wirkung zeigen, wage ich zu bezweifeln.
Daher brauchen wir viele Blogs und andere Möglichkeiten, uns im Internet ohne Angst vor Repressalien oder Folgen zu äußern. Und das kann oft leider nur anonym geschehen.
Ich habe weder Angst noch Skrupel, noch übertriebenen Respekt, Kommentare oder Beiträge unter meinem Namen zu veröffentlichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob meine persönliche Meinung irgendeiner politischen Weltanschauung folgt oder diese als nicht systemkonform tituliert wird.
Anonymität ist nur bis zu einem gewissen Grad sinnvoll. Beispielsweise um sich gegen totalitäre Überwachung und Meinungsmanipulation zu schützen. Doch wenn wir davon ausgehen, das wir uns in einer »offenen« Gesellschaft befinden, die es uns gestattet, »offen« über bestimmte Themen zu diskutieren, ist Verschleierung der Identität eher kontraproduktiv.
Eine Gesellschaft, die sich hauptsächlich von der Angst ernährt, kann nicht frei sein. Deshalb ist es wichtig, seine persönliche Sicht der Dinge frei und unbefangen äußern zu dürfen, unabhängig davon ob sie bestimmten Personen, die Meinungsfreiheit als ihr alleiniges Privileg betrachten, nicht gefällt.
bei anderen anprangern, was man in den eigenen reihen nicht los wird, peinliche bigotterie. funktionärsgeschrei aus der angst heraus, dass da was wächst, was aus dem funktionärssandkasten herausklettern könnte, in dem man sich so mühselig zum schüppchenkönig hochgekaspert hat. da hilft nur: kurz das krakeelen einstellen und den eigenen sandkasten harken.
Die Rede von Herrn Konken ist polemisches Gelaber weil:
* Wer kennt eine nennenswerte Anzahl Blogs, deren Autor sich als Journalist bezeichnet? Ok, zwei oder drei kenne ich wirklich, und vermutlich gibt es noch ein paar mehr, aber die tun das deswegen, weil sie in ihrem "echten" Leben für eine Zeitung schreiben oder Radioberichte machen oder im Fernsehen herumhüpfen, ich vermute, die dürfen sich auch so als Journalisten bezeichnen …
* Wer kennt Blogs, bei denen der Autor nicht mit zwei oder drei Klicks ermittelbar ist? Ich meine jetzte solche Blogs, die einen nennenswerten Einfluß auf die politischen Bildung des Bundesbürgers haben, keine Blümchen-Blogs.