Kenntnisstand
“Die Auswertung des sichergestellten PCs verfolgt in Fremdvergabe durch die Fa. P. GmbH, Neunkirchen. Aufgrund der Vielzahl gleichgelagerter Ermittlungsverfahren ist nach derzeitigem Kenntnisstand mit der Erstellung des Gutachtens erst in ca. 1 Jahr zu rechnen.”
Also, wenn ein Gericht das noch für zumutbar hält, weiß ich auch nicht mehr.
Gibt es eigentlich eine maximale Dauer, die ein PC einbehalten werden darf? Oder kann der bis zum Ende der Welt in irgendeiner Kammer vor sich hin rosten.
Ist das heute so üblich, daß eine Firma solche Auswertungen vornimmt?
Da stellen sich doch gleich eine ganze Reihe von Fragen:
- Auswahl
- Zuverlässigkeit
- Sicherheit
- Übernahme von anderen Aufträgen/Interessenkonflikte
Von der offensichtlichen Überlastung ja mal ganz abgesehen …
Ich wiederhole mich:
Theoretisch ein ideales Modell für die Industriespionage: Nach der Strafanzeige mit Angabe der genutzten IP-Adresse händigt die Polizei die beschlagnahmten Rechner an eine Fachfirma ähnlich der oben genannten Firma P. aus, welche dann die kompletten vertraulichen Inhalte einsehen kann und der Konkurrenz weiterverkauft.
_v_erfolgt?
gibt es in Neukirchen nur eine Computerfachgesellschaft?! Das ist arm!!! =D…na ja, aber wenn dieses Unternehmen unter einer art von "Eid" steht, warum nicht?! Gutachten sind meines Wissens auch nicht immer vonstaatlichten Unternehmen vorgenommen worden, oder?!
Da frag ich mich doch langsam, wie man an solche Jobs rankommt. Bei einer solchen Überlastung scheint sich da ja langsam ein Markt zu entwickeln.
@6 Manipulationen sind bei solchen Tätigkeiten verhältnismäßig leicht erreichbar. Zum ausgleich stehen Beamte und Soldaten unter zusätzlicher Aufsicht und werten härter bestraft, falls sie verstoßen. Und sie können strenger überwacht werden. Das ist die Balance. Die Auswertung von Beweismitteln ist doch ein Klassiker unter den Dingen, die man NIEMALS aus der Staatshand geben darf. Der Vorteil vom Beamtentum ist doch gerade, dass man sich einreden kann, Beamte wären etwas schwieriger zu bestechen als Bürger.
Tipp für Rechtsmittel: LG Aachen, StV 2000, 548; BVerfG NJW 2006. 976; BVerfG NJW 2005, 1917
Viel Erfolg! (Bei mir liegt die Gegenvorstellung seit über 3 Monaten beim LG…)
Wieviel Terrabyte müßen analysiert werden ? :D
Nur ein Jahr – die sind ja echt flott geworden.
Mit anderen Worten, hier findet eine de-facto-Enteignung statt. Bei dem Zeitraum hat nämlich der PC locker 50% Wertverlust. Sauber.
Aber da das hier ja ein Rechtsstaat ist, gehe ich einfach mal davon aus, dass mir natürlich sowohl der Wertverlust des PCs, als auch das in der Zwischenzeit besorgte Ersatzgerät komplett ersetzt werden, wenn sich dann rausstellt, dass sich auf der Platte nichts Unerlaubtes findet. Richtig?
"das in der Zwischenzeit besorgte Ersatzgerät" meint natürlich die Mietkosten für selbiges. Man will ja nur, was einem zusteht.
Was macht man, wenn der Anwalt auch nicht mehr weiß.
@3: welche dann die kompletten vertraulichen Inhalte einsehen kann und der Konkurrenz weiterverkauft.
Wer über sensible Kunden / Geschäftsdaten verfügt und nicht komplett bescheuert ist, hat die sicher verschlüsselt. Sicher ist z.B. eine 4096 Bit-Verschlüsselung, zumindest für die nächsten Jahre.
Dazu gehört auch eine SiKo an einem anderen, sicheren Ort.
Würde bei mir die Bullerei einlaufen und alles mitnehmen, was auch nur irgendwie nach EDV ausieht, müßte ich mir nur einen neuen Rechner zusammenschrauben und könnte 2 Std. später meinen Datenbestand wieder zur Verfügung.
Alles nur eine Frage der Organisation. Nach einem Jahr kann man dann mal nachfragen, ob sie es schon aufgegeben haben.
BTW: Auch für Ärzte und Rechtsanwälte ist es inzwischen höchste Zeit sich mit dem Thema zu befassen, falls noch nicht geschehen.
@14: Wie machst Du das in der Praxis? Finde den Vorschlag gut und würde es gerne übernehmen – Frage ist nur, wie ich sinnvoll ca. 30 GB Daten regelmäßig an einen anderen Ort sichere. Internet scheidet wohl aus und täglich mit Festplatte zum Schliessfach bei der DB zu laufen, finde ich etwas nervig. Hast Du einen guten Tipp?
@15: *Produzierst* Du täglich die genannten 30 GB?
Wenn nicht, reicht ja möglicherweise ein inkrementelles Backup, das nur die geänderten Dat(ei)en umfasst. Hängt aber dann auch von der Art der Speicherung ab…
@15: Mal ganz grundsätzlich … Datensicherung ist Arbeit, die man machen MUSS, soll sie etwas bringen.
Wenn Du aber Dir oder anderen die Laufarbeit ersparen wilsst, kannst Du aber auch die Daten über ein sicheres VPN, das nur zu diesem Zweck aufgerufen wird, an einem anderen Ort spiegeln. Kommt allerdings dann aber auf Deine Anbindung an. 30GB via handelsübliches DSL? Dann doch laufen :)
@15: Die Welt ist voller guter Ratschläge, doch in der Praxis funktioniert das meistens nicht. Denn man braucht schon eine gewisse Motivation, um ständig daran zu denken seine Daten zu sichern, zu verschlüsseln, zu verstecken… aber schon arg, dass man sich in seinen eigenen 4 Wänden über sowas Gedanken machen muss. Ich hatte auch mal `ne Hausdurchsuchung, gar nicht lange her. Da kommen irgendwelche wildfremden Typen in dein Haus, nehmen dir quasi dein Tagebuch, Arbeitsmaterial, Hobby und Hardware im wert eines kleinen Gebrauchtwagens weg, und man weiss nicht warum.
Das Gefühl von Privatsphäre ist dann erst einmal gänzlich verschwunden, denn "Zuhause" fühlt man sich nach sowas nicht mehr. Stell dir vor jemand hat bei dir eingebrochen, deine Wohnung leer geräumt und sogar die Türen mitgenommen. So in etwa.
Haben die mittlerweile eigentlich kapiert , dass Festplatte und CD/DVDs usw. reichen oder nehmen die immer noch den Komplett PC+ Drucker, Scanner, Monitor mit ?
@20: Steckerleiste, DSL-Splitter und Modem/Router nicht vergessen. Kein Scherz.
Nochmal:
Ich finde dies mehr als pervers!
Auswertung von so sensiblen Daten in FREMDVERGABE !!!
Das kann einfach nicht sein!
-private Bilder!
-Adressbuch
-Briefe, sehr pers. Aufzeichnungen
etc. etc.
Denk ich an Deutschland in der Nacht…
"Da frag ich mich doch langsam, wie man an solche Jobs rankommt. Bei einer solchen Überlastung scheint sich da ja langsam ein Markt zu entwickeln."
Nach meiner Erfahrung sind derartige Gutachten beschissen bezahlt, nicht zuletzt deswegen dauert's ja auch so lange. ;)
Also 1 Jahr… dann können die die Kiste danach gerne zum E-Schrott bringen, denn dann ist sie in der Regel eh überholt.
@15: Wie machst Du das in der Praxis?
Stefan (16) und Reinhard (17) haben das Grundsätzliche dazu schon gesagt. Natürlich spielt das Datenvolumen bei der Planung der richtigen Strategie auch eine Rolle. Letztendlich ist es aber hauptsächlich eine Geldfrage. Was die Daten wert sind und welcher Aufwand angemessen und sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Soviel dann zum Thema, man solle "den Ermittlungsbehörden vertrauen"… erstreckt sich das jetzt auch auf jede Drittfirma?
Ansonsten schließe ich mich der Meinung an, dass es ein Unding ist, den Rechner ein Jahr oder länger zu behalten, insbesondere wenn jemand beruflich darauf angewiesen ist.
@11.
50% sind aber sehr nett gerechnet.
Kann man eigentlich Nutzungsausfallschaden für den Computer verlangen?
Also so wie ich das sehe, ist das Ganze ohne vernünftige Erstattungsregel einfach nur ein ganz, ganz übel dampfender Haufen Scheiße. Der Staat kann die Dinger einfach ein Jahr mitnehmen? Und obwohl sich keinerlei belastendes Material findet, muss keiner für den Schaden haften?
Tja, dann mal herzlich willkommen im Stasi-Staat 2.0 – Beschlagnahmungen von PCs dürften heutzutage ein perfektes Repressionsmittel sein, um Leuten, die nicht genehm sind, ganz kräftig finanziellen Schaden zuzufügen. Das gilt selbst für die Leute, die für gute Backups sorgen.
Einfach irgendwelchen linken Buchläden, Bürgerrechtlern oder Selbstständigen alle zwei Wochen die PCs beschlagnahmen, und grinsend zusehen, wie die Leute bankrott gehen.
@15
Für ein halbwegs einfaches offsite-backup sind Tapes und eine Sicherheitsfirma, die die wöchentlich abholt, ganz nützlich.
Und 30 GB passen auf fast jedes vernünftige Band. Dabei würde ich DAT ausnehmen, da kann ich die Sache mit dem Backup auch gleich lassen, DLT und LTO sind da aber ganz brauchbar.
Es gibt in den Asservatenkammern mancher LKA richtige Festplattenfriedhöfe, in denen über 200, 300 Platten/Datenträger auf ihre Auswertung warten. Das musste schon einmal als Argument für Online-Durchsuchungen herhalten, genau wie die 3,2 Terabyte, die sie bei den Bombern von Oberschledorn sichergestellt haben.
"genau wie die 3,2 Terabyte, die sie bei den Bombern von Oberschledorn sichergestellt haben."
Bei 3,2TB ist bestimmt auch noch ne saftige Zivilklage drin. Denn das das 3,2TB mit Bombenbauplänen und islamistischem Propagandamaterial sind wage ich ja mal dann doch ernsthaft zu bezweifeln *G*. Din A0 Propagandaposter im unkomprimierten BMP Format?
Aber abgesehen davon:
Outsourcing ist doch DAS Schlagwort der letzten Jahre, da kann der Staat doch nicht hinter zurück stehen. Zum Thema Beweismittelverwertung durch Privatunternehmen (die dann auch noch alles andere als unabhängig sind) gings ja erst wieder durch die einschlägigen Nachrichten. Das ist erst der Anfang. Ich zeichne schonmal ein paar Aktien der Bw AG, die könnten angesichts des angestrebten "Einsatz im Inneren" ne wahre Goldgrube sein.
@28: Es haftet ja auch niemand dafür wenn Du 6 Monate unschuldig in U-Haft sitzt weil ein paar übereifrige Ermittler "Gefahr im Verzug" sahen und derweil Deine Firma zum Teufel geht, Dein Arbeitsplatz gekündigt wird etc. pp. Bist ja selbst schuld das Du Dich durch Alltagshandlungen "verdächtig" gemacht hast.
Prekarisierung…Polonium…Bombenbau…Mohamed… ups… man sieht sich in 2 Jahren. Erwähnte ich das ich KEINEN Bibliotheksausweis habe?
Für die "Haftentschädigung" kannst Du ja nichtmal Deine Miete nachzahlen.
Hier wird sehr offensichtlich wie wenig von unserem Rechtsstaat und unser "Freiheitlich demokratischen Grundordnung" noch übrig ist.
Neunkirchen im Saarland? Das sind doch wohl nicht die Inslovenzbetrüger von PC S* mit Ihrem Initiator Uwe S.?
Falls doch: Bitte melden, Herr Vetter!
Das ist leider ein typisches Beispiel für die heutigen Zustände. Alle jammern über die zu vielen und zu faulen Beamten, die auch von der Politik nur noch als Personalmasse gesehen werden. Bei der Justiz wird gespart, daß es nur so kracht. Formen der Privatwirtschaft, die nicht passen, werden übernommen und dann kommt es – statt ordentlicher Ausstattung der zuständigen Behörden – zu solchen Ergebnissen. Wenn ein Verteidiger das hinnimmt, weiss ich allerdings auch nicht, was man dazu sagen soll.
1 Jahr nur? Also das ist wirklich recht wenig. Oder meinten die, man fängt in einem Jahr an?! ;)
Sehr geehrter Herr Mustermann,
Vor 11 Monaten wurde auf richterliche Anordnung eine sog. Remote Forensic Software (Bundestrojaner) auf Ihrem Computersystem installiert. Seither wurden 23GB an Daten an das Bundeskriminalamt übermittelt. Bisher waren leider nicht die notwendigen Kapazitäten vorhanden um diese Daten zu analysieren. Eine weitere Sammlung von Daten würde unsere Kapazitätsengpässe sogar vergrößern. Wir fordern sie daher auf von der weiteren Übermittlung von Daten abzusehen. Bitte folgen sie den Schritten im beiliegenden Word Dokument zur Deaktivierung der Software. Eine Missachtung dieser Aufforderung könnte weitere gerichtliche Schritte nach sich ziehen.
Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen
Ihr Bundeskriminalamt"
Hmm, stichwort Remote Forensic Software und Traffic. Wenn ich keine Flat habe, sondern nen Volumentarif.. muss ich dann zahlen was der Trojaner überträgt, oder macht dass der Staat dann am ende der Überwachung?
Oder hab ich eventuell bei der "installation" ner Eula zugestimmt..
Das Word Dokument würde ich gerne sehen.
Ich finde die Vergabe an Fremdfirmen auch höchst kritisch.
Es wird ja schon in vielen PC-Geschäften die eine Werkstatt haben von den Aushilfen/Mitarbeitern teilw. kopiert was das Zeug hält.
(Zumindest in den drei Geschäften meiner Stadt wo ich als Schüler ausgeholfen habe.)
Wie gesagt, meines Erachtens zeigen diese Vorkommnisse ziemlich deutlich, dass man uns auch bei der Debatte um die Online-Durchsuchung für dumm zu verkaufen versucht. Wenn Herren wie Schäuble und Ziercke gebetsmühlenartig wiederholen, sie hätten "Vertrauen in die Ermittlungsbehörden" und man gleichzeitig sieht, dass besagte Ermittlungsbehörden offenbar wenig Probleme damit haben, Datenträger mit unseren privaten Daten irgendwelchen nicht näher definierten Firmen zu übergeben, muss man schon ziemlich naiv sein, um den Behauptungen dieser Herrn noch uneingeschränkt Glauben zu schenken.
@31 (Banane): Wenn die Leute schlau waren, haben sie die kritischen Dokumente verschlüsselt und in 3200 Gigabyte ebenfalls verschlüsselten Schrotts versteckt.
Funktionierende Kryptographie (und einige weitere Vorsichtsmaßnahmen) vorausgesetzt, dürfte es schlichtweg unmöglich sein, da etwas forensisch herauszuanalysieren.
Vermutlich dient diese Tatsache den Befürwortern des Bundestrojaners im Zweifelsfall auch noch dazu, dessen Notwendigkeit zu begründen, was aber m.E. ebenfalls eine Milchmädchenrechnung (oder bewusste Strategie) sein dürfte.