Nicht aus der Trickkiste
Gestern ist in Hamburg ein Lufthansa-Airbus nur knapp einem Absturz entgangen. Das Flugzeug wurde im Landeanflug vom Sturm so heftig durchgewirbelt, dass die linke Tragfläche die Landepiste berührte. Der Pilot startete erfolgreich durch.
Sonst fliege ich ja ganz gerne. Nach dem Genuss des Videos vom Beinahe-Crash bin ich aber froh, dass ich nicht morgen in so eine Kiste steigen muss. Sondern voraussichtlich erst in dreieinhalb Wochen.
normalerweise hätte der go-around früher eingeleitet werden müssen. der war alles andere als stabil im final!
Mensch Max, aber das kostet doch Geld! Und ausserdem bildet doch die LH Ihre Piloten nach neuesten Sicherheitsstandards aus, die können sogar verhindern, dass all die strippenden Stewardessen nicht auf LH-Flügen, sondern nur auf anderen FLuglinien auftauchen…
;-))
Fliegen ist wie Auto fahren – nur schöner!
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,510676,00.html
Oh oh, ich saß gestern in einer LH-Maschine im Anflug auf Hamburg…. zum Glück in einer anderen, aber vom Zeitpunkt her kam es genau hin (wir hatten 2 h Verspätung in FRA)… Das hätten wir sein können…
Jupp, bin gestern auch mit einer Ryanair-Maschine in Turbolenzen geraten. Der arme Kerl hinter mir konnte grade noch so seinen Mageninhalt in sich behalten.
„Sonst fliege ich ja ganz gerne. Nach dem Genuss des Videos vom Beinahe-Crash bin ich aber froh, dass ich nicht morgen in so eine Kiste steigen muss. Sondern voraussichtlich erst in dreieinhalb Wochen.“
Irrationale Angst?
Treffend zusammengefasst: "Das ging beinah in die Hose!"
@1 Das mach doch mal eine konkrete Angabe, wann im Video der Pilot das Durchstarten hätte einleiten müssen?
http://www.bild.de/BILD/news/leserreporter/2008/03/flieger__landung/fg-landung/16-landung__MBQF__8702458,templateId=renderScaled,property=Bild,height=225.jpg
Der Airbus ist perfekt in Position für eine Landung!
Warum sollte man also diesen Anflug nicht versuchen?
Mit dieser Boe konnte man einfach nicht rechnen.
Du bist dabei ja sogar im Vorteil und weist wie es ausgegangen ist. Allgemeine Sprechblasen helfen dabei nicht weiter.
Ist doch immer dasselbe: Crew rettet den Flieger, weil sie so gehandelt haben wie sie es über Jahre gelernt haben, unsicher war daran nichts. Die Experten kommen dann…und gerade die, die am wenigsten von der wahren Fliegerei verstehen kommen mit den doofsten Begründungen warum die Crew was wo falsch gemacht hat.
Ach du meine Fresse. Was für ein starker Seitenwind. Da wird einem ja vom Hinsehen schon übel. Klasse Pilot.
Also ich glaube als Passagier mit einem Fensterplatz am linken Flügel hätt ich da wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen.
Die Passagiere an den linken Fenstern dürften fast den gesamten Anflug eine gute Sicht auf die Landebahn gehabt haben. Ich denke der ist sogar zwei mal aufgekommen, jedenfalls wenn diese weißen Wölkchen Lack und Rauch und doch nicht bloß aufgewirbeltes Wasser sind.
@8 Franzlerl
Ich bin kein Pilot und hab keine Ahnung bis wann man einen Landeanflug sicher durchführen kann. Aber das Bild als Beweis zu nehmen ist ja wohl mehr als lächerlich. Wo man auf dem Video ja mehr als deutlich sehen kann, dass die Maschine ja vorher bereits ca 30° Seitenversatz zur Längsachse hatte.
Typischer „BILD-Fotobeweis“ halt, taugt bloß zu etwas völlig anderem.
@12 corax:
Was hat das mit dem "Versatz" zu tun? Flugzeuge müssen auch bei (starkem) Seitenwind landen. Und dann sieht eine Landung halt so aus. Dass da noch eine Böe kommen kann, dürfte allen klar sein, nimmt man aber nunmal in Kauf. Was willst du machen? Alle Flugzeuge am Himmel lassen bis der Sturm über Europa vorbei ist?
Das ist wie bei guten Horrorfilmen. Erst hat mein ein wenig Angst in der Dunkelheit, nach ein paar Stunden gerät alles in Vergessenheit.
Erinnert mich etwas an Kyrill letztes Jahr. Da stand ich drei Stunden im Stau auf der wegen umgestürzter Bäume gesperrten A52, genau unter der Stelle der Anflugzone, an der sich eine Hälfte der Piloten dazu entschloss durchzustarten.
@12
Schon mal was von Crosswindlandungen gehört? Diese werden gemäß den ATIS Wetterangaben und dem ATC _immer_ innerhalb der herstellerseitigen Limitations der Flugzeuge durchgeführt. Genau das wird in dem BFU Bericht in der Sache auch rauskommen, dass sich alle an die Regeln gehalten haben, die Piloten spitze reagiert haben und man die Sache eben unter "Pech" verbuchen muss. Und sowohl ein Tail- als auch ein WIngstrike ist nichts, weswegen man ums Leben kommt. Kommt öfters vor, als man denkt. In zwei Tagen wird die Maschine wieder einsatzbereit sein.
@12
Bis die drehbare Landebahn erfunden wird sieht das nun mal so aus. Der Wind kommt nun mal nicht immer direkt von vorn. Dann muss der Pilot eben Vorhalten wenn der Wind leicht von schräg kommt. Das ist wie bei Fähren. Die fahren ja auch nicht gerade über den Fluss sondern müssen in die Strömung drehen damit sie dann tatsächlich geradeaus fahren.
Das ist eine ganz normale Landung, wenn auch bei starkem Wind. Bis zu dem Moment wo die Böe das Flugzeug erwischt.
Weitaus ungefährlicher, aber um so eindrucksvoller ist es, ca. 6000 Fuß durchzusacken. Da sind es nicht nur Getränke, die von der Kabinendecke tropfen, wenn der Flieger wieder Auftrieb bekommt…
Wieviele Warnlampen und Warn-Tonsignale sich im Cockpit wohl überschlagen haben.
Piep – Blink – Tröööt – Blink – Tuuut
PULL UP PULL UP PULL UP
Genau das Video von LiveLeak lief gerade im heute-Journal :)
Finde ich gut, dass das ZDF solche Quellen nutzt.
Klasse: Bin jetzt ungemein beruhigt. Warte sozusagen nur doch darauf, dass einer der alle drei Minuten von Westen her einfliegenden Dröhner in der alten Eiche vor unserem Wohnzimmerfenster "abgeböet" hängenbleibt.
Mein Mann fand das Video einfach nur toll und hat stundenlang doziert……
Jetzt ist nur noch zu klären, was Menschen dazu treibt bei einem Orkan in die Einflugschneise zu gehen und dort zu filmen
@ 21. Chris
Ja, echt geil. Da schemerzt dann auch die nächste Gebührenerhöhung nicht mehr so stark.
@ 23: Jetzt ist nur noch zu klären, was Menschen dazu treibt bei einem Orkan in die Einflugschneise zu gehen und dort zu filmen
Eine gewisse Erwartungshaltung, die in diesem Fall ja auch erfüllt wurde.
Was ich am Fliegen nicht mag ist, dass das sich abzeichnende Ableben sich dort unangenehm in die Länge ziehen kann. Woody Allen hat zum Sterben schon das Erforderliche geschrieben.
Autofahren ist dbzgl. unproblematisch (ich hatte schon drei vglw. schwere Unfälle (jeweils als Beifahrer(!)) ;).
@ 27.
Dafür ist bei Autofahrern unter Umständen die Restlebenszeit als Invalide deutlich länger.
Ich nehme den Flieger.
Was bin ich froh, dass ich praktisch nie mit Flugzeugen unterwegs bin. Bei dem Anblick dieser Bilder gruselts einen ja.
Ähnliche Landungen (bei Sturm im 30Grad-Winkel aufsetzen und die Maschine dann am Rad gerade ziehen) hab ich selbst schon zweimal auf Island und auf Bornholm erlebt. Das scheint also nicht sooo selten zu sein. Immer wieder bizarr ist es wenn man die Landebahn, die man als Passagier ja nie zu sehen bekommt, durchs Seitenfenster auf sich zukommen sieht.
Ich habe Hochachtung vor den Piloten und kann besonders die sturmerprobten "Albatrosse" von Island Air nur wärmstens empfehlen.
Wieder eine hervorragende Pilotenleistung. Und nochmal meine Meinung: Jeder der mit Billig-Airlines fliegt, die *irgendwo* (zB am Personal? Piloten?) sparen, sollte sich schämen. Basta und gute Nacht.
Wenns Euch beruhigt (und @ U.V.) *ggg*
Sowas wie im Video kann jederzeit vorkommen, wenn beim Landen die sog. Scherwinde auftreten. Da brauchts also keinen Sturm ;-)
@29: Und wenn Du ein Video von einem Beinahe-Autounfall siehst, bist Du froh das Du kein Auto fährst, oder wie? Das ist doch irrational, Angst vorm Fliegen zu haben.
Zitat: "Turbolenzen" (!)… kein Kommentar…
zu 1)
Das tolle an den Kommentaren im lawblog:
Es findet sich immer jemand, der genau weiß wie es richtig gewesen wäre. Zu jedem Thema, alle Rechtsgebiete, Fliegerei, Sport, Computer, Internet…
Leute die irgendwas von Beruf machen, sind eigentlich alle Idioten, oder nicht? Schließlich kann man nur vom PC zu Hause die Welt richtig beurteilen!
@ 5: Wenn nicht, wäre er aber auch nicht mehr der Arme Kerl gewesen ;-)
Naja nur gut das da nichts schlimmeres passiert ist. Ich selbst war noch nie in einem Flieger und habe sogar etwas angst davor, würde aber gerne mal wohin fliegen da autofahren doch immernoch am gefährlichsten ist und ausserdem zu teuer ist.
Was trennt eine Nymphomanin von einem Alkoholiker?
-> die Cockpittür.
@35: Tja, im Internet wird die ganze Welt zum Fußballspiel: Jeder Lehnstuhlhocker weiß es besser.
@33 / Chris
Inwiefern ist es irrational Angst vorm Fliegen zu haben?
@41 / danielj:
Weil man dann bei rationaler Betrachung auch Angst vorm gefährlicheren Auto-, Fahrrad- oder Busfahren haben müsste. Hat aber so gut wie keiner.
Wenn man nur einmal überlegt: Ein Linienbus fährt außerorts mit 80 km/h. Die Fahrgäste sind dabei nicht angeschnallt. Der Busfahrer ist sicherlich nicht so gut (Simulator etc.) ausgebildet, wie ein Flugzeugpilot und der technische Zustand der Busse ist (zumindest in meiner Gegend) manchmal durchaus fragwürdig. Dennoch sitze ich jeden morgen ohne Angst im Bus. Warum sollte ich in dann in einem Flugzeug Angst haben?
@8 Franzerl: ganz meine Meinung.
@34
Bitte vielmals um Entschuldigung. Mein Leben verläuft ansonsten äußerst ereignislos, so dass ich für dieses Wort bisher noch keine Verwendung hatte.
Bei einigen Flugzeugen kann man ja auf dem Bildschirm vor sich auch einen aktuellen Blick nach unten, bzw. nach vorne durch eine am Flugzeug angebrachte Kamera geniessen. Die Bilder der Kamera nach vorne werden teilweise von den Piloten beim Landeanflug zur Unterhaltung der Passagiere auf allen Bildschirmen gezeigt.
Ich denke mal, dass der Pilot dieser Maschine das wohl nicht gemacht hat. Wer will schon beim Landeanflug nicht die Landebahn, sondern das Grün daneben vor sich auf dem Bildschirm sehen… :-)
@41: Statistisch gesehen ist das gefährlichste an einer Flugreise die Autofahrt zum Flughafen.
Frei nach Erich Kästner: Das Leben an sich ist lebensgefährlich
Also ich habe keine Angst vorm Fliegen. Ich habe nur Angst vorm Abstürzen…..
@46: Wirklich? Wie sind die entsprechenden Zahlen?
Naja, wenn man bedenkt, daß die Anreise zum Flughafen oft unter Zeitdruck erfolgt …
Genau deshalb bevorzuge ich deutsche Fluglinien … Allein die diskrete Pressemeldung der LH spricht Bände. Der Pilot und die Co-Pilotin haben danach sicher 'ne Durchsage gestartet: "Meine Damen und Herren, normalerweise finden wir, dass Klatschen oder Applaus beim Landen nur in Charterflieger gehört … Aber dieses Mal wäre es berechtigt!" (So ähnlich gehört bei LH-Flug anno Ende 90iger)
@49: Wenn mich nicht alles täuscht, stammt das aus Bruce Schneiers "Beyond Fear" – kann allerdings momentan nicht nachschauen.
So ein Trottel. Bei so einem Sturm fliegt man einfach nicht…….
Das war fast der perfekte Ringelpietz.
Kein Gag, das heist im Fliegerjargon wirklich so, wenn der Flieger mit einer Tragfläche den Boden berührt. Da wirken dann abartige Kräfte.
In der Regel landen die auf dem Rücken nachdem das Heck abgebrochen ist….
Der Kapitän hat hier aber echt schnell gehandelt, und von wegen zu spät durchgestartet, hätter er Vollschub gegeben wären jetzt alle tot.
Durch Betätigung des Seitenruders kommt es durch die Drehbewegung um die Längstachse zum Effekt des sogenannten Rollens um die Längstachse des Fliegers aufgrund des kurzzeitigen Strömungsabrisses der der Kurvé zugewandten Tragfläche.
Da hier auch noch extremer Seitenwind herrschte der kurzzeitig aufböete wurde der Effekt noch verstärkt, so das die linke Tragfläche durch den Strömungsabriss zum Boden ging wärend die rechte durch stärker Beströmung drückte.
Hätte der Pilot Gas gegeben wäre es das gewesen…
Mit dem Seitenruder sofort entgegen dem Rollen arbeiten, dannach mittels des Höhenruders versuchen eine Stabilisierung zu erreichen und dann erst durchstarten.
Alles andere ist Selbstmord. Diese Vorgehensweise ist im übrigen vorgeschrieben.
Grüße F L A M E
Stolzer PPL Inhaber
Ist schon jemand die Google-Anzeige unter dem Video aufgefallen, die für ein Seminar gegen Flugangst wirbt? ;-)
Gruß,
Martin
@53: a) Du weisst, dass ein normaler Mantelstromtriebwerk mehrere Sekunden vom Befehl "Vollschub!" bis zum tatsächlichen Vollschub benötigt? Dementsprechend musste der PIC (Pilot in Control, muss nicht der Kapitän sein) schon vorher Vollgas gegeben haben.
b) Deiner Aerodynamik kann ich nicht ganz folgen. Das Seitenleitwerk verursacht einen Strömungsabriss der der Kurve zugewandten Tragfläche? Soweit ich mich erinnere, ist ein Strömungsabriss ein Flugzustand, bei der der Luftstrom über dem Flügel abreisst und damit der Auftrieb an der entsprechenden Stelle verloren geht. Dass dies bereits passiert, wenn man das Seitenruder benutzt ist mir neu… Ganz davon abgesehen, dass meiner Meinung nach das Seitenruder keine Bewegung um die Längsachse, sondern um die Hochachse auslöst, die sich nicht auch nicht Rollen, sondern Gieren nennt. Die Längsachse wird durch die Querruder beeinflusst, die Querachse durch das Höhenleitwerk. Insofern ist es mir auch nicht klar, wie der PIC mit dem Höhenruder das Flugzeug stabilisieren soll, wenn eine Gierbewegung gestoppt werden muß.
c) Welchen PPL hast Du? Dir ist bekannt, dass LH-Piloten zwingend einen ATPL haben müssen, zusammen mit der Mustereinweisung auf den Airbus, und Du damit aus der Perspektive des Hobbyrennfahrers Abläufe in der Formel 1 beurteilst?
Ich mein' ja nur. Mich ärgern solche halbqualifizierten Aussagen.
BTW, zu den abartigen Kräften: Recherchier mal ein bischen: Bei der Maschine ist das Wingelt verbogen und die Slat hat ein paar Kratzer, mehr nicht. Mich würde wundern, wenn der Airbus Ende der Woche noch am Boden wäre…
@55: Laut Lufthansa soll das Flugzeug heute wieder fliegen. Große Reparaturen waren wohl nicht nötig.
Inzwischen gibt es allerdings erste kritische Anmerkungen zur vermeintlichen Glanzleistung der Piloten – von Fachleuten.
Der Laie kann sich immerhin die Frage stellen, weshalb der LH-Jet nicht ebenfalls, wie einige andere Flieger, den Ausweichflughafen Bremen angesteuert hat. Dort war der Sturm schon durch und das Risiko entsprechend gering. Safety first !!
@55: Der einzige Fehler in dem Kommentar von FLAME war, dass das erste "Laengsachse" "Hochachse" heissen muss. Dass er das nur verwechselt hat, zeigt die Tatsache, dass er nur einen Satz weiter "Laengsachse" korrekt benutzt. Und er hat durchaus recht: Durch Betaetigung des Seitenruders (Drehbewegung um die Hochachse) entsteht an der der Kurve zugewandten Tragflaeche ein geringerer Auftrieb als an der aeusseren Tragflaeche. Es kommt daher zu einer Rollbewegung um die Laengsachse. (hin zur "inneren" Tragflaeche) Durch dieses Rollen und das Gieren faellt gleichzeitig auch die Nase nach unten. Daher: Querruder entgegen des Rollens und Stabilisieren mit dem Hoehenruder ("ziehen"). Alles korrekt soweit.
@57: Links?
@ TMS
Das bringt doch nichts, da kanns ja auch stürmig sein.
Der Fehler kann außerdem nicht vom Piloten gemacht werden diesbezüglich, denn wenn der Flughafen 2 Bahnen hat und bei der einen Bahn kommt nicht von der Seite, sondern als Gegenwind, dann ist es einfach nur unverständlich, warum er auf der unsicheren Bahn mit Seitenwind landen soll.
Im Übrigen. Beim 2. Landeversuch ist er auf der Bahn mit Gegenwind gelandet. Ohne Probleme.
@57: URL zu den kritischen Anmerkungen?
@57: BTW: Lt. Wetteraufzeichungen war es auch in Bremen immer noch böig.
Sorry – hier der Link:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,539069,00.html
@TMS: Danke für den Link.
Ich habe mittlerweile mit zwei Airline-Piloten (fliegen B737) gesprochen. Beide meinen, zumindest soweit man es auf dem Video erkennen könne, sei der Anflug bis zur Windböe normal verlaufen. Es sieht zwar ungewöhnlich aus, aber beide versichern mir, so sei nun einmal das Routine-Anflugverfahren bei starkem Seitenwind. Damit widersprechen sie Klaus Tillmann, dem Experten von Spiegel Online. Für mich steht es also 2 zu 1.
Sie konnten mir auch die genauen Wettervorhersagen für Hamburg und Bremen zur Zeit des Zwischenfalls besorgen. Für beide Orte wird die selbe Windstärke in Böen vorhergesagt. Bei Vorliegen solch einer Vorhersage: Warum hätten die Piloten nach Bremen ausweichen sollen?
Nicht alles glauben, was Spiegel Online so schreibt…
@Chris:
Das steht allerdings im Widerspruch zur nachstehenden Meldung (nwzonline, t-online, u.a.):
"Der Hamburger Airport war von den „Emma“-Ausläufern besonders betroffen. Gleich mehrere Maschinen starteten am Samstag wegen der Orkanböen durch [...] 19 Flüge mussten unter anderem wegen hoher Windgeschwindigkeiten gestrichen werden."
Als gelegentlicher Passagier stellt sich die Sache für mich so dar: Wenn während der letzten Phase des Landeanflugs während eines Orkans auch nur die MÖGLICHKEIT eines Crashs aufgrund einer Orkanböe gegeben ist, dann MUSS ein Ausweichflughafen gewählt werden (wobei ich mich natürlich nicht auf Bremen festlege, wenn, nach Deinen Informationen, dort gleich ungünstige Witterungsverhältnisse herrschten).
Da dürfen dann auch wirtschaftliche oder Prestigegründe keine Rolle spielen…..
@TMS: Ein Hinweis noch: Es handelte sich um die WetterVORHERSAGEN. Gerade bei solch einem komplexen Wettergeschehen mag es trotzdem sein, dass das Wetter in Bremen besser war als vorhergesagt. Aber die Piloten müssen sich bei ihrer Entscheidung halt auf das stützen, was ihnen mitgeteilt wird.
Die MÖGLICHKEIT eines Zwischenfalls wegen einer Orkanböe bestand bei dem Wetter allerdings in großen Teilen Nordeuropas. Um einen Flughafen zu finden, wo eine derartige Böe zu der Zeit hätte sicher ausgeschlossen werden können, hätte man – so einer der von mir befragten Piloten – bis nach Schweden weiterfliegen müssen, wofür evtl. der Sprit nicht gereicht hätte. (Man tankt für einen Flug MUC->HAM ja nicht Kerosin, das bis nach Skandinavien reicht.) Vermutlich hatten die Piloten also nur die Wahl zwischen Flughäfen, auf denen es laut Vorhersage etwa gleich windig war.
Ein Crash ist übrigens weder gut fürs Prestige noch für den Geldbeutel der Airline. Ich denke daher nicht, dass man das Risiko eines Crashs aus diesem Grund eingegangen wäre. Zudem die Piloten auch an ihrem Leben hängen.
Was sagt Ihr zur Aussage, die einem Cockpit-Vertreter zugeschrieben wird, daß der Pilot die andere Landebahn hätte nehmen sollen, da der Tower ihm nicht vorschreiben kann, wo er zu landen hat. Wenn das so stimmt, hätte der Pilot unserer Maschine, die etwa zur gleichen Zeit gelandet ist, das ja richtig gemacht…
Bin ich eigentlich der einzige, der sich einfach nur freut, dass dabei niemandem etwas passiert ist? Es gibt halt Umstände, bei denen es eben nicht _den_ Schuldigen gibt. Manchmal gibt es einfach nur Pech. Und manchmal (wie hier) auch Glück im Pech.
Ich wünsche mir häufiger solche Meldungen in der Tagesschau: "Heute sind weltweit X-Mio. Menschen per Flugzeug verreist. Es gab keine Verletzten." Schade, dass lediglich "bad news" "good news" sind.
Grüße!
@Hootch
Primär geht es wohl eher darum herauszufinden, was schief gelaufen ist, um in einer zukünftigen vergleichbaren Situation nicht vom Glück abhängig zu sein.
In Hamburg wurden 19 Flüge gestrichen – ich denke, das ist ein vernünftiger Weg.
(Beim Start in München dürften die Witterungsbedingungen in Hamburg bekannt gewesen sein.)
@TMS:
Nun, die BFU untersucht und man hört gerüchteweise, dass man Veränderungen an den Windlimits überlegt. So wie die Witterungsbedingungen im Hamburg den Piloten bekannt waren, lagen sie nämlich noch innerhalb der Grenzen, innerhalb derer Landungen möglich sind. Die Böe war einfach nur Pech, 100%ige Sicherheit gegen so ein Ereignis kann es nicht geben, es sei denn man stellt den Flugbetrieb bei Wind komplett ein. (Es gibt viele Tage im Jahr, an denen einen eine solche Böe erfassen könnte, d.h. es gäbe dann viele Tage im Jahr, in denen in Deutschland nicht mehr geflogen würde.)
@30 ninja
"Ich habe Hochachtung vor den Piloten und kann besonders die sturmerprobten “Albatrosse” von Island Air nur wärmstens empfehlen."
Kann ich nur bestätigen. Die landen in allerübelsten Wetter besser, als die anderen in normalen Wetter.
Nach und nach kommen neue Fakten in die Öffentlichkeit – wie so oft.
Die junge Co-Pilotin absolvierte den Landeanflug – warum auch nicht; aber ausgerechnet während eines Orkans ?!
Das Durchstarten erledigte dann der Käpt`n.
Mal abwarten, was noch so herauskommt.
Und zum Geburtstag Vorurteilsbestätigung für Machos
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,539336,00.html
@TMS: Du kannst davon ausgehen, dass man erst dann in einem echten Flugzeug auf den rechten vorderen Sitz gelassen wird, wenn man auch mit anspruchsvolleren Landungen klar kommt.
Schon klar, Chris; allerdings kann man mit 24 Jahren nicht die Erfahrung haben, über die ein 39-jähriger verfügt (der dann ja auch die Durchstart-Rettungsaktion lieber selber in die Hand nahm).
Was mich irritiert ist, dass in den Statements von Seiten der Beteiligten nicht mit offenen Karten gespielt wurde – erst als die Presse Wind (wie passend) von der Sache bekam, wurden die o.a. Fakten bestätigt; nach 3 Tagen.
Das hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack.
@TMS: Vielleicht weil es unerheblich ist, wer den Anflug geflogen ist? Vielleicht weil jetzt die ganze Welt auf der armen Copilotin herumhackt, nach dem Motto "24 und weiblich, das musste ja schief gehen". Vielleicht weil man der armen Frau das ersparen wollte?
@Chris: Ja, das mit weiblich ist natürlich völlig daneben und irrelevant.
Ich könnte mir allerdings eher vorstellen, um die öffentlich gestellte folgende Frage (zunächst) zu verhindern:
"Warum der wesentlich erfahrenere Oliver A. seiner Kollegin Maxi J. den Anflug während des Orkans „Emma“ am Samstag erlaubt hat, ist bisher unklar." (Quelle: FAZ)
Der einzig relevante Unterschied zwischen den beiden ist offenbar: Erfahrung.
Wir werden alle mehr wissen, wenn der Untersuchungsbericht der BFU da ist, nur werden sich Bild und Spiegel Online dann nicht mehr dafür interessieren.
Nach allem was man bisher sagen kann, ist die Landung aus der ex-ante-Perspektive zwar nicht trivial gewesen, aber wäre noch im Rahmen des "normalen" Betriebs gelegen. Warum soll die nicht auch der oder die FO fliegen? Wo soll denn da sonst die Grenze liegen? Jeden Tag landen FOs bei Seitenwind, nasser, kurzer Landebahn, ohne ILS etc. pp. Asu meiner Sicht gibt es keinen Grund, bei Betriebsbedingungen, die innerhalb der definierten Limits liegen (das wird die Untersuchung zeigen, aber da auch andere Flugzeuge landeten, denke ich waren die Verhältnisse noch im Rahmen), grundsätzlich zu fordern, dass der Captain auf pilot flying sein muss. Wozu werden die FOs denn ausgebildet? Oder anders: Wenn eine Situation so ist, dass man meint, dass ein FO damit nicht fertig wird, dann sollte sie gar nicht standard procedure sein.
Was anderes ist eine echte Notlandung, wo ich vorher schon damit rechne, dass es Bruch geben kann/wird, z.B. weil mein Fahrwerk nicht ausfährt, ein Triebwerk ausgefallen ist/brennt oder was es da sonst noch alles Schönes gibt.
Frauen haben mehr Erfahrungen mit Emma.