Streng bewacht
Um 11.35 Uhr ist das kleine Amtsgericht Mettmann ein Hochsicherheitstrakt. Jedenfalls gibt sich der Mitarbeiter am Eingang alle Mühe, diesem Anspruch gerecht zu werden. Besucher ohne Dienst- oder Anwaltsausweis müssen alle Taschen leeren und den Inhalt überprüfen lassen. Mobiltelefone sind auszuschalten und zwar dauerhaft, wird man belehrt.
Knappe 20 Minuten später, als ich aus meinem Termin komme und in anderen Sälen noch fleißig verhandelt wird, ist die Eingangskontrolle verwaist. Jeder, der will, kann rein und raus marschieren. So lange ich mit meinem Mandanten am Eingang stehe und mit ihm noch ein wenig plaudere, bleibt der Eingang unbewacht.
Ich stelle das nur mal fest. Als Steuerzahler und so.
Fremdesser vergraulen, Kantine im Gebäude?
Hier schafft es die Kantine ganz alleine. Richter wandern ab in umliegende Sozialkantinen für Bedürftige.
Da wird wohl auf den Abschreckungseffekt gesetzt.
Wer diese Kontrollen einmal miterlebt hat, wird nie wieder wagen, auch nur Taschenmesser in die Nähe des Gerichtsgebäudes mitzunehmen.
Ich seh den Sinn solcher Kontrollen eh nicht. Ich mach grad Praktikum am AG München, da muss man unten auch durch ne Sicherheitskontrolle…oder man geht beim LG München I rein, das daneben ist und über einen Gang mit dem AG verbunden ist. Ohne Kontrollen…
Ist halt gerade Mittagspause…man kann ja nicht überall sein ;-)
… aber dafür dürfen doch bald auch die Justizwachtmeister den Inhalt der mitgeführten Handys, PDAs, Laptops (insofern ein Akku drin ist) und Blackberrys prüfen. Das erhöht dann bestimmt gravierend die Sicherheit. Personal zur Durchsetzung ist doch eh unwichtig…
Vielleicht wollten sie gerade ihre Verhandlung besonders sicher gestalten. Eine Störung kommt ja sonst sofort in den Blog. ;-)
Es geht noch besser! Amtsgericht Siegburg. Zwei Bedienstete stehen an der Schleuse, schwätzen über das neue Auto eines Kollegen. Ein Besucher kommt, leert seine Hosen-/Jackentasche in einen Behälter, der Hinter die Schleuse geschoben wird. Der Besucher geht durch die Schleuse, es piept, 4 von 5 Balken über der Schleuse leuchten auf. Die Wachmänner quatschen weiter, geben dem Besucher die Sachen aus dem Behälter zurück… Alltag in Deutschland
das ist leider die Realität: Teure Schleusen etc. werden gebaut, aber das Personal (zumindest zur ständigen Präsenz) fehlt.
Was tun?
Das Gericht für die Pausen- oder Urlaubszeit des Wachpersonals schließen?
Eine körperlich fitte Schreibkraft einsetzen?
Oder wenigstens in der verfügbaren Arbeitszeit des Personals die Schleuse besetzt halten?
Es ist erstaunlich zu sehen, was das Publikum so alles mit sich führt: Messer, Gaspistolen, Schlagstöcke, Reizgas usw. – und ich rede hier nur von Orten, an denen Zivilprozesse geführt werden.
Ohne meinen Schlagstock fühl ich mich nicht sicher!
Wenn Sicherungsbedienstete irgendwann wirklich den Inhalt mitgeführter Datenträger überprüfen dürfen, dann brenne ich mir eine "Best of Rotten" CD. :)
Wie pflegt Bruce Schneier das noch zu nennen?
"Security Theater"
Die Show macht's ;)
Ich war letzte Woche als Zeuge im Amtsgericht Brühl. Mein erstes Mal. Hatte mit Absicht alles dabei, was ich sonst so rumschleppe. An der Schleuse alles ausgepackt (Schlüssel, Geldbeutel, Kleingeld, Kondome, Einhand-Klappmesser (silbern).
Die Dame guckt drüber und lässt mich alles wieder einpacken. Ich war beeindruckt, aber nicht im positiven Sinne.
@12.
Genau, denn als du mitbekommen hast, dass du dein Klappmesser mit reinnehmen darfst, hast du Angst bekommen, dass die anderen auch ein Klappmesser mit sich führen könnten. Hättest du das vorher gewusst, hättest du die Gaspistole eingepackt, aber dann wärst du auch beeindruckt gewesen wenn … und dann… ne Halb-Automatik….
@13.
Hmm… eigentlich nicht. Seit ich vor 25 Jahren mein erstes Taschenmesser vom Opa geschenkt bekommen habe, ist kaum ein Tag ohne ein Messer in meiner Hose vergangen. Mobiltelefon, Uhr, Messer -also Werkzeuge- unterscheiden mich halt vom Affen. Das hat nichts mit Bewaffnung oder fehlendem Selbstbewusstsein zu tun. Mich verwunderte im vorliegenden Fall lediglich, daß die Sicherheitsvorkehrungen so sehr versagten: Ich musste drei Mal durch die Schleuse, bis der Metalldetektor nicht mehr anschlug, aber ein offen hingelegtes Messer wird nicht erkannt.
Ein AG oder LG mag ja unsicher sein, Metalle in eine JVA einbringen ist in manchen Einrichtungen noch einfacher. Ich bin öfters in einer in Sachsen, da war die Besucherschleuse mal locker über ein Jahr defekt, und erst vor kurzem wurden Handdetektoren angeschafft. Diese piepsen aber interessanterweise auch nicht, was schon verwunderlich ist wenn der Hosengürtel am Vortag in Dresden noch gemeldet wird:-)
Aber was solls, Sicherheit und Ordnung ist ja nicht wichtig, aber bei der Staatsanwaltschaft&Polizei in Halle wird geprüft….
@14: Ein offen hingelegtes Messer wird in der Regel leichter akzeptiert werden, als ein im Strumpf versteckter Bleistift. Das Führen von Einhandmessern in der Öffentlichkeit wird ab 01.04.2008 übrigens grundsätzlich verboten. Demnächst wird eine öffentliche Petition zu diesem Thema auf der Webseite des Bundestages auftauchen.
16/Arne
Weißt Du zufällig, ob ein im Strumpf verstecktes Einhandmesser "geführt" ist?