Schlanker Bildschirm
Der schlanke Bildschirm am Landgericht steht in angenehmem Kontrast zum 50er-Jahre-Mobiliar. Unter dem Tisch summt ein neuer, schwarzer PC. Auf einem Beistelltisch wartet ein solider Laserdrucker auf seinen Einsatz.
Doch er wartet vergebens. Der Protokollführer schreibt nach wie vor alles mit der Hand.
So viel zur verstärkten Nutzung der Informationstechnologie, im Anschluss an den letzten Beitrag.
Na, wenn er doch besser stenographiert als er tippt… Finde ich in Ordnung.
Seh' ich ganz genauso. Wer in Steno geübt ist, ist so am schnellsten. Habe als Schöffe mal erlebt, wie die Protokollführerein mit drei Fingern getippt hat, dauerte ätzend lange.
Auch wenn Steno schneller sein kann – warum dann das Geld für Rechner und Drucker im Verhandlungssaal ausgeben – wenn dort keine Nutzung folgen soll.
Und wenn diese Investition getätigt wird hat man eben auch die Protokollkraft rechtzeitig zu schulen – abgesehen davon das die ohnehin an Ihrem Arbeitsplatz am Rechner arbeiten dürfte …
Insgesamt ist immer wieder erschreckend wie schlecht Mitarbeiter im öffentlichen Dienst schreiben können —- so manche Vernehmung von Zeugen oder Beschuldigten habe ich nur überstanden weil ich bei der Polizei selber die Protokollkraft gemacht habe – sonst wäre man nie fertig geworden.
Und so schwer ist schnelles Tippen nun auch wieder nicht – das kann nun wirklich jeder lernen.
Kann man drehen wie man will: wenn das Protokoll in elektronischer Form gebraucht wird muss er es doch abtippen und ist langsamer als gleich ordentlich Tippen zu lernen, oder der PC steht umsonst da :P
warum kompliziert, wenns auch einfach geht? :-)
@3: ich gehe davon aus, dass es an dem Gericht nicht nur einen Protokollführer gibt, sondern mehrere. Und wenn jemand in der Tat schneller stenografiert als tippt, bietet sich an, den Krempel nach Steno hinterher in ruhe abzutippen und auszudrucken.
Und nein, schnelles Tippen kann nicht jeder lernen. Ich kenne Leute, die haben echt Kurse besucht, teilweise Hardcore-Kurse, und die sind immer noch nicht in der Lage, mit 10 Fingern ordentlich zu tippen. Geschweige denn, das gesprochene Wort so schnell mitzutippen, wie es gesagt wird und das korrekt.
Ne, da ist Steno häufig schneller. Nicht immer ist neue Technik auch arbeitserleichterung. Bitte das nicht vergessen.
Ich bin selbst EDVler, aber ich halte nichts von krampfhaftem Umstieg auf "Neue Technologien" nur weil dann alles anders gemacht wird "moderner" als vorher.
Viel zu häufig werden Arbeitsabläufe dann verkompliziert, weil nicht die Software sich den Abläufen anpasst sondern umgekehrt – die Abläufe werden der Software angepasst. Das führt dann teilweise wirklich zu aberwitzigen Dienstwegen. Dinge, die vorher "mal eben so" gemacht wurden.
Nänä – mag das Alter sein, mag zunehmende Inflexibilität sein, aber Zettel und Stift hat doch auch sein gutes. ;)
Bin auch ein echter IT-Freund, denke aber ebenfalls, dass man im Einzelfall schauen muss, was Sinn macht. Sicher wäre es doch auch möglich, eine Art Steno-Software zu installieren? Gibt's sowas?
Stenorafiert wird heute immer noch von Hand, das geht am schnellsten. Das ist auch in Parlamenten nicht anders, da wechseln sich die Stenografen ab und übertragen direkt am Anschluß die knappe halbe Stunde, die sie stenografiert haben in den Rechner. Es würde mich wundern, wenn das in Gerichten anders wäre (ausser das sich hier die Schreiber vielleicht nicht abwechseln).
Stenorafiert wird heute immer noch von Hand, das geht am schnellsten. Das ist auch in Parlamenten nicht anders, da wechseln sich die Stenografen ab und übertragen direkt am Anschluß die knappe halbe Stunde, die sie stenografiert haben in den Rechner. Es würde mich wundern, wenn das in Gerichten anders wäre (ausser das sich hier die Schreiber vielleicht nicht abwechseln).
@7:
http://www.forschungsstaette.de/PDF/Trivulzio,%20Kurzschrift%20auf%20der%20Tastatur.pdf
Dort ist auf Seite 4 eine "Stenotastatur" zu sehen, ansosnten evtl: http://www.easyscript.com
In Strafsachen vor dem Landgericht stenografiert normalerweise niemand mit. Es sei denn, das Gericht ordnet ein Wortprotokoll an; das kommt ganz selten vor.
@11:
Ja, warum steht denn dann dort ein PC?
Läuft da wenigstens Crysis drauf?
@ 12: Weil bestimmte, für das Verfahren wichtige Inhalte aufgeschrieben werden müssen, z.B. die Vornahme von Belehrungen über die Wahrheitspflicht oder Zeugnis- und Aussageverweigerungsrechte. Auch muss z.B. protokolliert werden, dass die Anklage verlesen wurde etc. Aber in 99 % der Fälle wird die Aussage nicht wörtlich protokolliert. Da steht nachher: "Der Angeklagte äußerte sich zur Sache". Deshalb ist auch der ganze Vortrag hier im Forum zur Notwendigkeit des Stenografierens und 10-Finger-System überflüssig. Sorry.
@8./9.
Sie haben zwar Recht, jedoch stenografiert im Bundestag jeder Stenograph 5 Minuten. Dann hat er eine knappe Stunde Zeit, dass ganze in verständliche Worte zu fassen. Denn was dort teilweise gesagt wird, könnte ja wortwörtlich keiner lesen.
Ha, wer nicht richtig lesen kann…
Es muss natürlich heissen: "..die verstärkende Nutzung der Informationstechnologie.."
Tatsächlich liegt die o.g. Tischplatte auf dem Gehäuse auf und die Seitenwand des altersmüden Gebälks wird so auch aufrecht gehalten. Monitor und Drucker waren einfach nur so dabei, als die Schreiner nach Massgabe der zitierten Richtlinie Ersatzmaterial kaufen sollten!
IT – is das nich dieser Film??
Der Klassiker fiel mir da wieder ein:
@16: Der Link wurde geschluckt. Jetzt im Link hinter meinem Namen.
Asso als ITler sehe ich den entscheidenden Vorteil von Bleistift und Papaier in der Tatsache, daß nix abstürzen kann und es ohne Strom funktioniert
also asso
Papier Papaier
Also in unserer Kante (Südpfalz) waren noch bis vor kurzer Zeit so schicke 12-13 Zoll Röhrenmonitore Standard, jetzt gibts neues, aber das Problem ist doch folgendes: die Leute, die es bedienen sollen, hat keiner gefragt. Es wird halt nach Etat und nicht nach Notwendigkeit eingekauft, aber dieses Problem ist ja nicht nur in der Justiz bekannt :-(