21.7.2008

Zurückhaltend

Der Richter war da. Die Staatsanwältin. Eine Protokollführerin. Nur der Angeklagte fehlte. Nicht ungewöhnlich, bei dem Betreffenden aber schon. Ich arbeite schon über ein Jahrzehnt für ihn. Auch wenn sein Leben gerne turbulent verläuft – Strafverfahren hat er sich immer gestellt.

Ich legte deshalb die Hand dafür ins Feuer, dass er den Termin entweder einfach verschusselt hat. Oder dass etwas Unvorhergesehenes passiert ist. Vielleicht half es ja, dass die Protokollführerin einwarf, sie kenne mich als “zurückhaltenden Verteidiger”. Auf meine Frage, ob ich jetzt beleidigt sein muss, sagte sie: “Zurückhaltend, im richtigen Moment.”

Möglicherweise hat auch das den Richter, der mich kürzer kennt als die Protollführerin, dazu bewogen, für den nächsten Termin nicht die Polizei zur Wohnung meines Mandanten zu bestellen oder gar einen Haftbefehl zu erlassen.

Jetzt hoffe ich, der Gute macht mir keine Schande.

25 Kommentare zu “Zurückhaltend”

  1. Martin_mb meint: (21.7.2008 um 10:52) AntwortenReply to this comment

    "…legte deshalb die Hand dafür ins Feuer…"

    Hier riecht es so komisch, kokelt da was?

  2. N. Thaler meint: (21.7.2008 um 11:06) AntwortenReply to this comment

    Fleisch über Feuer gut. Ugh.

  3. studi meint: (21.7.2008 um 11:14) AntwortenReply to this comment

    Herr Vetter hat ja nicht geschrieben, dass es seine Hand ist, die er für den Mandanten ins Feuer legt ("…DIE Hand ins Feuer…")

  4. Jürgen meint: (21.7.2008 um 11:22) AntwortenReply to this comment

    Genau, es ist die Hand der Protokollführerin

  5. PeterPetersen meint: (21.7.2008 um 11:31) AntwortenReply to this comment

    Und wann wäre für "wie ein wilder Stier" der richtige Moment? Frühling läßt sein blaues Band…

  6. Stephan meint: (21.7.2008 um 11:51) AntwortenReply to this comment

    Jetzt erst eröffnet der Herr Vetter die Grillsaison? Und dann auch noch mit Hand?
    Die regionalen Brandopferpriester sind schon seit April dabei ihren diversen Heiligen die Rauch- und Feueropfer zu geben.

  7. Analyst meint: (21.7.2008 um 12:41) AntwortenReply to this comment

    Straftätern vertraut man nicht.

  8. DerFresh meint: (21.7.2008 um 13:19) AntwortenReply to this comment

    @7: Nur weil gegen jemanden ein Strafverfahren eröffnet wurde, heißt dies noch lange nicht, dass derjenige ein Straftäter ist. Das heißt nur, dass ein hinreichender Verdacht besteht, derjenige könnte die Tat begangen haben.
    Und wie schnell kommt man heutzutage in die Mühlen der Justiz…

  9. Kampfschmuser meint: (21.7.2008 um 13:42) AntwortenReply to this comment

    @Vetter: Immer das Beste aus der Situation machen. Super. Ich hoffe, dass es gut ausgeht und der Mandant sich an die Spielregeln hält.

    @7 (Analyst): Ja, ihre Einstellung ist super. Damit kommen wir mit Sicherheit weiter.

  10. FF meint: (21.7.2008 um 13:55) AntwortenReply to this comment

    "Auch wenn sein Leben gerne turbulent verläuft…"
    Tolle Beschreibung für einen Gewohnheitstäter.

  11. Analyst meint: (21.7.2008 um 14:13) AntwortenReply to this comment

    @8 Laberrharbarber. Die meisten derjenigen, die vor Gericht landen, haben die ihnen vorgeworfene Tat begangen, denn bis man da mal landet, muss man wirklich ne Menge auf dem Kerbholz haben.

    @9 Sie und Ihresgleichen sollen nicht weiter kommen.

    Strafverteidiger begehen in vielen Fällen nichts als professionelle Strafvereitelung. Besonders niederträchtig waren deren Versuche im Münchener U-Bahn-Schläger-Prozess.

  12. Name (erforderlich) meint: (21.7.2008 um 14:22) AntwortenReply to this comment

    @11

    Solch dumme Vorurteile sind traurig anzuhören denn
    1. geschieht es immer wieder, dass Unschuldige vor Gericht kommen und mit ein wenig Pech sogar verurteilt werden und
    2. auch Straftäter eine Verteidigung verdienen, sonst könnte man sich die ganzen Gesetze auch sparen und einfach zu einer Lynchjustiz übergehen.

    Entweder gut getrollt oder schlimmes Beispiel für die Folgen von BILD Konsum.

  13. Analyst meint: (21.7.2008 um 15:18) AntwortenReply to this comment

    @12: Ich bin vom Fach, im Ggs. zu Ihnen. Aber Ihre Naivität ist schön. Dumme Bürger müssen ja an die Rechtsstaatssimulation glauben. Das ist der Sinn der Sache.

  14. Katharina meint: (21.7.2008 um 15:37) AntwortenReply to this comment

    @11: Ne Menge auf dem Kerbholz, so so… Manchmal reicht es einfach,wenn jemand zur Polizei latscht, dort irgendeinen Mist erzählt, der dann in einem Massendezernat der StA landet, die dann unter Zuhilfenahme von Textbausteinen oder Ankreuzformularen ne Anklage daraus bastelt.
    So eine Nummer erlebe ich am AG schätzungsweise bei jedem dritten bis vierten Sitzungsdienst. Mag wenig erscheinen, für mich genug, um kritisch zu bleiben…

  15. danielj meint: (21.7.2008 um 15:40) AntwortenReply to this comment

    Ich bin vom Fach

    Tja, fragt sich nur von welchem. Magister im Trollen?

  16. Name (erforderlich) meint: (21.7.2008 um 15:42) AntwortenReply to this comment

    @13:
    Mich würde interessieren inwiefern meine Ansicht naiv ist. Ich dachte eigentlich ich hätte gerade nicht blindes Vertrauen in den Rechtsstaat ausgedrückt. Ihre Aussagen hatte ich doch eher als glauben an die "Rechtsstaatssimulation" gedeutet, schließlich implizieren Sie, dass Angeklagte (meist) schuldig sind und dass die Möglichkeit der Unschuld vernachlässigt werden kann.

  17. Analyst steht nicht für systematisch Untersuchenden…. meint: (21.7.2008 um 15:55) AntwortenReply to this comment

    hm… #11 ist aber schon nah an der Grenze zur Beleidigung, oder?
    Oder gar über die Grenze hinaus? Zumindest der letzte Satz…

  18. Analyst meint: (21.7.2008 um 16:24) AntwortenReply to this comment

    @16: Sehen Sie. Jetzt habe ich Sie verwirrt. Das ist der erste Schritt, die Simulation zu erkennen.

    @17: Nein, ist es nicht. Ihr (Text editiert. Hier kann man viel sagen, aber nicht in jedem Ton. U.V.). Gehen Sie weg und entwickeln Sie Mitleid für das Schlägeropfer.

  19. Name (erforderlich) meint: (21.7.2008 um 16:40) AntwortenReply to this comment

    War nicht irgendwann mal eine Registrierung für die Kommentatoren angedacht? Dann wüsste man wenigstens ob die Trollerei von ein und derselben Person kommt oder nicht..

  20. JDS meint: (21.7.2008 um 18:13) AntwortenReply to this comment

    @19: Registrierung fände ich auch gut. Hier kann jeder Troll unter Angabe einer falschen Email-Adresse seine Sprechblase entleeren und dabei völlig anonym bleiben…

  21. Lurker meint: (21.7.2008 um 18:28) AntwortenReply to this comment

    @Analyst:

    Bedauerlicherweise verwechseln sie "Fach" und "Schublade, unterste"…

  22. Name (erforderlich) meint: (21.7.2008 um 18:35) AntwortenReply to this comment

    @20
    Das wird vermutlich auch mit Registrierung so bleiben, aber wenn ich mir so die Troll Posts hier durchlese habe ich Zweifel, dass die überhaupt alle von der gleichen Person kommen.

  23. Niemand meint: (21.7.2008 um 19:16) AntwortenReply to this comment

    Tcha meine Herren – nicht füttern, dann klappts auch mit den Trollen. Besonders mit den offensichtlichen ;)

  24. Name (erforderlich) meint: (21.7.2008 um 19:50) AntwortenReply to this comment

    jaja, schuldig ;-)

  25. Kai meint: (21.7.2008 um 22:27) AntwortenReply to this comment

    Zum den Äußerungen des Trolles ein etwas älteres Zitat, aber in meinen Augen sehr passend:

    Wenn Väter ihre Kinder gewähren lassen
    und sich vor Ihnen geradezu fürchten;

    wenn Söhne ohne Erfahrung handeln wollen wie die Väter,
    sich nichts sagen lassen, um selbständig zu erscheinen;

    wenn Lehrer, statt ihre Schüler mit sicherer Hand auf den richtigen Weg zu führen,
    sich vor ihnen fürchten und staunen,
    dass ihre Schüler sie verachten;

    wenn sich die Unerfahrenen den älteren Erfahreneren gleichstellen
    und in Wort und Tat gegen sie auftreten,
    die Alten sich aber unter die Jungen setzen und versuchen,
    sich ihnen gefällig zu machen,
    indem sie Ungereimtheiten übersehen oder gar daran teilnehmen,
    damit sie nicht als vergreist oder autoritätsgierig erscheinen;

    wenn auf diese Weise verführte Jugend aufsässig wird,
    sofern man ihr auch nur den mindesten Zwang auferlegen will,
    weil niemand sie lehrte, die Gesetze zu achten,
    ohne die keine Gemeinschaft leben kann,
    dann ist Vorsicht geboten:

    Der Weg droht in die Tyrannei zu führen.

    Platon in Politeia
    427 vor Christus
    ( schon 2435 bekannt! )

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