Nicht den ganzen Rechtsstaat draufwerfen
Eine Berliner Oberstaatsanwältin erläutert in der Süddeutschen Zeitung, warum sie bei Anzeigen gegen Filesharer nicht mehr ermittelt und Abmahnanwälte abblitzen lässt:
Die bloße Nachfrage beim Provider wäre zwar nicht aufwändig, aber sie bringt auch nicht viel. Um herauszufinden, welche Person tatsächlich die Tauschbörse genutzt hat, müssten wir eine Hausdurchsuchung machen, den Rechner beschlagnahmen, Zeugen befragen et cetera. In einer Wohnung leben ja meist mehrere Menschen, viele arbeiten mit WLAN, das auch Fremde nutzen können, wenn es nicht verschlüsselt ist.
Diesen Aufwand finden wir gemessen an der Tat unverhältnismäßig. Wir können nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und Grundrechtseingriffe vornehmen, die eigentlich für andere Taten vorgesehen sind. Wir machen ja auch keine Hausdurchsuchung wegen einer Beleidigung. … Die Verfehlung ist einfach zu gering, um den ganzen Rechtstaat daraufzuwerfen. Wir sind ja zum Schutz des Bürgers da und müssen auch dafür sorgen, dass Beschuldigte nicht mit Eingriffen konfrontiert werden, die unverhältnismäßig sind.
Zu Schade dass nicht jede Staatsanwaltschaft so denkt.
Nunja, dafür gibts ja bald die Auskunftspflicht gegenüber Rechteinhabern…
Die Auskunftspflicht gibt es schon, siehe Artikel. Greift übrigens beim gemeinen Heimfilesharer nicht.
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Bin gespannt, wann das Wort "Strafvereitelung" das erste mal fällt.
Strafvereitlung … naja, nicht passend aber, erläutert doch mal einem Laien wir mir was das Wort einer Berliner Oberstaatsanwältin für mich als Hessen bedeutet.
Grüße
r0bin
Freuen wir uns doch einfach, dass Staatsanwälte und auch manche Richter im hier und jetzt angekommen sind. So sind sie, die modernen Zeiten. Gut, mit ein wenig gesundem Menschenverstand wäre man vielleicht schon früher darauf gekommen…
Gratulation Frau Junker! Dies ist eine präzise Feststellung die die Gegebenheiten und das bestehende Dilemma erstaunlich gut auf den Punkt bringt.
Erstaunlich ist nur wie wenig Staatsanwälte in der Lage sind ähnlich konsequent zu Schlussfolgern. Schade auch.
Und weil die Musikindustrie weiß, dass sie so nicht weiterkommt, will sie stattdessen die Provider zu Sperren bei Verdacht auf Filesharing verpflichten.
Moin!
Ich kann zwar dieses ganze Gehabe der verschiedenen Rechteverwerter, deren entstehenden Rechte (Auskunftsrecht) nicht mehr hören, was ich aber genau so wenig hören kann, ist der Unterton der bei vielen mitschwingt und vermuten lässt, als würde es ein Recht geben Software, Musik, Filme oder was auch immer einfach nach Gutdünken kopieren und verteilen zu dürfen (die Privatkopie von Musik-CDs sei hier mal außen vor genommen).
Wenn ich irgendein Produkt erstelle (egal ob nun im Tonstudio, durch Programmieren oder wie auch immer), ist es letztlich auch meine Entscheidung zu welchen Bedingungen ich das Zeug veröffentliche. Vielleicht bin ich nett und haue es als Opensource raus. Vielleicht bin ich aber auch so davon überzeugt, dass ich dafür Geld haben will (ober das Produkt das wirklich "wert" ist, kann dabei offen bleiben).
Warum dann aber irgendwelche dahergelaufenen "Deppen" der Meinung sein dürfen mein Werk einfach frei zu nutzen, zu vervielfältigen etc. obwohl ich das nicht wollte, dem nicht zugestimmt habe oder was auch immer – DAS will mir einfach nicht in den Kopf.
Entweder ich nutze es und bezahle dafür oder ich finde es zu teuer/schlecht/unzureichend, dann lasse ich es bleiben und suche mir eine Alternative. Aber ich "klaue" nicht. Und ja, der Begriff ist unpassend, weil durch eine Kopie das Original noch vorhanden bleibt – nur wird auf Seite des "Diebes" eben auch ein Zusatznutzen gewonnen, der ansonsten nicht vorhanden gewesen wäre. Eine "Bereicherung" liegt also durchaus vor.
Das ich dann auch noch "rechtlos" dastehen soll und mich dank mangelnder Auskunftsmöglichkeiten nicht mal mehr gegen den Vervielfältiger meiner Software erwehren kann, kann nur jemand gut finden, der noch niemals mit immateriellen Gütern sein Geld verdient hat…
… wobei bei den Chinesen ja auch immer gleich drauf gehauen wird, wenn die irgendeine moderne Errungenschaft einer deutschen Firma kopiert. Naja, ist halt immer so, wie es einem gerade passt – das mit der Moral.
Tja,
da müssen Tante Friede und Tante Liz Angie wohl wieder mal zum Kaffeekränzchen einladen. Gibt auch einen neuen Korb, den dritten (oder vierten?). Oder man spielt wieder über Bande, z.B. mit Sarko. Der ist ja immer für so ein Spielchen zu haben. Hat schon Herr Herzog als gefährlich effektiv bewertet.
Dann klappt das auch mit dem Abmahnen.
Ist auch richtig so. Unsere Richter haben besseres zu tun, als klein Kriminelle zu jagen.
Es ist zwar verständlich das der Musikindustrie ein großer Schaden entsteht, aber meisst sind es jüngere die sowas machen und oft auch nicht wissen was sie da machen.
Ich finde es noch ok gegen große Filesharer vorzugehen. Aber jeden zu verfolgen der mal was runtergeladen hat finde ich auch übertrieben.
Interessante Auffassung. Nur seltsam, dass sie nicht auch hiermit argumentiert: http://tinyurl.com/bvg08-037
@8(Rafael G.) Nicht zum Text, aber zum Thema Open Source eine kleine Randbemerkung: OpenSource heißt nur, dass der Quellcode offen liegt für individuelle Veränderungen etc., NICHT, dass es kostenlos ist. Man kann auch für Open Source Geld verlangen, siehe SUSE Linux CD-Distributionen o.ä. Aber das wirklich nur am Rande. :-)
Kurz zum Text: Durchaus bleibt natürlich das Urheberrechtsgesetz Grundlage, aber dennoch halte ich es für sinnvoll, bei solch großem Aufwand, den Aufwand dem Nutzen gegenüber zu stellen und abzuwägen, ob eine derartige Einschränkung der Persönlichkeitsrechte bei einem ->Verdacht<- verhältnismäßig ist.
Woah, common sense. Das macht mir Angst.
Keine Hausdurchsuchung bei Beleidigung – na da habe ich aber schon was anderes erlebt.
@ 8 Rafael G.:
Nicht ganz richtig, nicht ganz falsch. Natürlich gibt es kein Recht, sich ohne Bezahlung einfach so Spiele, Filme, Musik etc. unbegrenzt herunterzuladen oder unbegrenzt zu vervielfältigen.
Aber: aus gutem Grund erhalten die Verwertungsgesellschaften Abgaben auf jedes verkaufte Medium, jeden Brenner, jeden Kopierer etc pp.
Diese Beiträge zahlen wir aus einem sehr vernünftigen Grund: weil wir alle wissen, dass man irgendwann mal dem Freund eine CD oder DVD kopiert, mal 3 Kopien des Lieblingsspiels für die private LAN-Party brennt, mit dem Kopierer auch mal ein paar Texte kopieren…
Für dieses Recht auf Privatkopien zahlen wir, und dieses Recht wird uns systematisch genommen. Was geschützt ist, darf nicht kopiert werden – nicht wegen des Urheberrechts, sondern weil der Kopierschutz nicht umgangen werden darf.
Wenn wir also faktisch für eine Leistung zahlen, die wir dann nicht in Anspruch nehmen dürfen – da ist ein wenig Empörung schon gerechtfertigt.
Wie? Wozu machen wir jetzt bitte die sauteure Vorratsdatenspeicherung, wenn sich da einfach so ein Berliner hinstellt und "Nö" sagt? Zeit, dass der Föderalismus in diesem Bereich endlich abgeschafft wird, ist doch bloß im Weg.
@8 Rafael G.: Weil die Digitalisierung der Kommunikation die Verbreitung von Kulturgütern (darunter fasse ich jetzt auch mal Charthits) in völlig neuer Weise ermöglicht, haben sich die Rahmenbedinungen verändert. Das Recht muss darauf reagieren und die Folge wird eine Neubewertung des Urheberrechts sein.
"Geistiges Eigentum" ist nicht absolut. Eine rechtswidrige Kopie nimmt dir nichts materielles weg – sie kann aber deine Immaterialgüter und deine Hoffnungen auf künftige Eigentumspositionen schädigen. Dafür wird es Antworten geben müssen. Das kann eine "Kulturflatrate" sein, das kann aber auch die faktische Aufgabe des Urheberrechts sein – die kommerzielle Verbreitung würde dann nur noch durch das Wettbewerbsrecht begrenzt.
Aber es ist keine zukunftsträchtige Option, das Urheberrecht der analogen Ära einfach nur fortzuschreiben und auf die neuen Verbreitungsformen auszudehnen – denn damit kriminalisiert man die komplette Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die aus der Verfügbarkeit perfekter billiger Kopien auch einen Anspruch ableitet, diese technischen Vorteile sozial nutzbar zu machen.
Ich sage nur…BRAVO!!!
Eine dem Sachverhalt und der Intention der Abmahnanwälte angemessene Stellungnahme.
BRAVO!!!
@12
"Nicht zum Text, aber zum Thema Open Source eine kleine Randbemerkung: OpenSource heißt nur, dass der Quellcode offen liegt für individuelle Veränderungen etc., NICHT, dass es kostenlos ist. Man kann auch für Open Source Geld verlangen, siehe SUSE Linux CD-Distributionen o.ä. Aber das wirklich nur am Rande. :-)"
Stimmt leider nicht nicht ganz. Open Source bedeutet zwar nicht automatisch GPL, doch die Linux Distributionen sind in der Regel unter einer Form der GPL – General Public Licence – lizenziert.
Selbst die Sourcen für die Enterprise Versionen der jeweiligen Distributoren sind frei im oben genannten Sinne.
Es wird nur für die kompilierten ISO´s, die Marke (SuSE, RedHat etc.) und die mit den Versionen verbundenen Zertifikate Geld verlangt. Bei den CD Versionen natürlich noch für die Boxen und etwaige Dienstleistungen (inbegriffener Kundendienst etc.).
Es sind übrigens auch etliche Bilder, Musik, Filme unter der GPL lizenziert. Bestes Beispiel dafür sind wohl die Inhalte der Wikipedia.
In der Regel sagen diese Lizenen, dass man die Inhalte nutzen und verbreiten darf, so lange dies nicht kommerziell geschieht (ist bei Linux etwas anders, es hindert dich keiner, die SuSE Sourcen zu nehmen und daraus eine JaKOB Distribution zu machen und diese zu verkaufen – jedenfalls so lange sie unterder Linux üblichen GPL stehen.)
Was soll das heißen, man mache ja auch keine Hausdurchsuchung wegen einer Beleidigung?
Durch Beleidigungen entsteht jährlich ein immaterieller Schaden von – sehr vorsichtig geschätzt – 40 Mrd. € (eine Beleidigung im Wert von 500 €/Bundesbürger). Dagegen muss etwas unternommen werden!!!!1!!elf!!!
@8 Rafael G.
Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist richtig, aber nur ein Teil der Wahrheit.
Der andere Teil der Wahrheit ist das Bestreben von nicht-kreativen Menschen und Organisationen, die lediglich eines wollen – Gewinne machen. Es geht ihnen nicht darum, die Menschen zu bezahlen, die von ihrer Kreativität leben wollen, sondern um die Bilanzgewinne grosser Börsenunternehmen.
Das ist nun durchaus erlaubt, aber wie auch allgemein bekannt sein dürfte, verwenden sie dabei Methoden, die das Recht auf sehr zweifelhafte Weise dehnen. Nicht ohne Grund sind Prozesse gegen Filesharer meines Wissens bislang nur in ganz wenigen Einzelfällen erfolgreich gewesen und das bei einer Menge an Datenerhebungen, die mittlerweile in die Millionen gehen sollte.
Es geht bei den Datenerhebungen eben nicht um die berechtigte Verfolgung einer strafbehafteten Handlung, es geht ums Geld machen.
Und da ist der Einwand, dass man ein solches Ansinnen nicht unter Aufgabe elementarer Grundrechte von Staats wegen unterstützen solle, schlicht korrekt.
Viele Grüße
Thomas M
Dejavu? Wurde nicht die Abgabe auf Vervielfältigungsgeräte und -medien damals damit begründet, dass eine Strafverfolgung von Privatkopierern mit Hausdurchsuchung etc. unverhältnismäßig wäre? Jetzt wird diese Begründung als neu verkauft, dabei findet unser Rechtssystem nur zu alten Wurzeln zurück.
Ganz allgemein hätte ich auch gern einmal eine Diskussion, ob das Recht auf Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke nicht auch eine entsprechende Pflicht beinhalten sollte. Wieviele Kulturgüter sind für die Allgemeinheit nicht verfügbar, weil die Buch/Musik/Film-Verlage keine Neuauflage machen? Sollte man sie nicht verpflichten, solche Inhalte in irgendeiner Form anzubieten, z.B. in Form von "On-Demand"-Produktionen oder das Verwertungsrecht aufzugeben? Ist Verwertungsrecht nicht auch eine Form von "Eigentum", das zwar einerseits vom Staat geschützt wird, andererseits aber auch Verpflichtungen mit sich bringt (Art. 14 GG)?
Vernunft breitet sich aus (oder existiert zumindest). Und besonders bemerkenswert dieser Satz: "Wir [...] müssen auch dafür sorgen, dass Beschuldigte nicht mit Eingriffen konfrontiert werden, die unverhältnismäßig sind."
Gerät leider immer gern in Vergessenheit: Auch Verdächtige haben Grundrechte, die der Staat achten muß.
Gruß,
Kristine
@laie die Inhalte der Wikipedia stehen nicht unter GPL sondern unter der GnuFDL oder CC-Lizenzen.
Wir brauchen einfach eine Art "Verwirkung" des Verbreitungs-/Vervielfältigungsmonopols.
Wenn dieses nicht mehr dazu eingesetzt wird, um dem Urheber ein mehr oder weniger auskömmliches Leben zu ermöglichen, sollte die Berufung darauf rechtsmißbräuchlich sein.
Beispiele, wie Urheberrechte mißbraucht werden:
- MS verkauft kein XP mehr, obwohl es alle haben wollen, um ein anderes Produkt in dem Markt zu drücken
- Werke werden nicht mehr publiziert oder für bestimmte Märkte nicht freigegeben
Das Konzept des Urheberrechts beruht, meiner Meinung nach, auf kreationistischem Denken. Die Leute die Urheberrechte für sich beanspruchen, "klauen" Ihre Ideen/Werke immer aus dem Fundus der menschlichen Kultur zusammen.
Musiker z.B. müssen auf ein immenses System von Technik und andere Errungenschaften der Gesellschaft zurückgreifen um ihre Werke zu schaffen. Zahlt irgend ein Musiker noch Abgaben an Robert Moog (Erfinder Synthesizer) oder etwa an Konrad Zuse? Kunst entsteht immer als Neukombination des Dagewesenen.
Zudem ist es auch ein wenig surreal eine geordnete Menge von Nullen und Einsen zu monetisierten?
Die Lady bringt es auf den Punkt. "Verhältnismässigkeit" ist das Gebot der Stunde. Ich fürchte nur das werden sich die "Rechteinhaber" nicht gefallen lassen und auf europäischer (!) Ebene versuchen über die Provider direkt auf die Nutzerdaten zuzugreifen. Bisher hatte die Lobby der "Rechteinhaber" noch immer den längeren Atem. Ich bin also mehr als skeptisch das sich auf lange Sicht etwas am Abmahnwahn ändern wird.
In diesem Fall von Strafvereitelung zu sprechen ist reichlich unsinnig, denn der Erfahrung nach werden die zugrundeliegenden Strafverfahren eingestellt wenn wir es mit dem "gemeinen Haushaltsfilesharer" zu tun haben. Wo nie avisiert ist eine Verurteilung herbeizuführen kann man auch keine solche vereiteln.
Zwar sieht die Rechtemafia das anders und sieht sich dazu berufen durch (unsachliche, überzogene und nicht nachweisbare) Schadensforderungen stellvertretend für die strafunwillige Justiz den Übeltäter zu "bestrafen".
Allgemein zu der ganzen "Geistiges Eigentum" Debatte. Sicher ist es nicht aktzeptabel das offenbar viele Leute glauben Kulturgüter (was man jetzt darunter zusammenfasst ist Geschmackssache daher spreche ich allgemein) wären "public domain" und könnten sowie sie auf dem Markt sind beliebig vervielfältigt und verteilt werden. (und teilweise auch noch BEVOR sie auf dem Markt sind – siehe "Release Groups").
Auch mag es sein das durch die digitale Vernetzung die Verbreitungsmöglichkeiten exponentiell angestiegen sind. Daher ist auch verständlich warum dem entgegengewirkt werden soll, obwohl man die "Privatkopie" früher tolerierte.
ABER das elementare Grundrechte zu leeren Hülsen werden wegen eines SIMPLEN – und dazu im Einzelfall auch noch lächerlich geringfügigen – Eigentumsdelikts. DAS ist etwas das nicht sein kann. Egal wie "berechtigt" das Interesse der Rechteverwerter daran ist das ihre Werke nicht unkontrolliert vervielfältigt werden, das Wohnungen durchsucht werden wegen einer Handvoll MP3s, dass Bürger von der Teilnahme am Meinungs-/Informationsaustausch ausgeschlossen werden sollen (siehe Frankreich / England), das Eltern in den Ruin geklagt werden weil ihre Sprößlinge an einem "gefährlichen Gegenstand" hantieren, das sind Dinge die für mich nichts mit einem "demokratischen, sozialen Rechtsstaat" zu tun haben. Da bleibt nämlich von diesem Konstrukt nur noch das "Rechtsstaat" übrig bei dem sich "Recht" dadurch definiert ob ich das nötige Geld hab um es mir – durch Anwälte und Lobbyisten – zu kaufen.
Und man erspare mir bitte die Belehrung das ein Nachweis ohne Durchsuchung und Beschlagnahme nicht möglich wäre, und die Durchsuchung damit rechtens.
Wenn mir einer das Auto beschädigt und sich ungesehen verzieht, kann ich auch nicht zur Polizei / Staatsanwaltschaft gehen und mittels einer Anzeige gegen Unbekannt Auskunft erlangen wer in einem gegebenen Zeitraum die Straße an der ich parkte befahren hat, selbst WENN diese Daten vorlägen und hier verhält es sich nicht anders. Mir ist durch das Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers ein substantieller Schaden entstanden und es schert niemanden… eben weil ich keine Lobby habe.
@Mike: Der Abmahnwahn besteht so nur in Deutschland, weil nur hier diese Art der legalen Schutzgeld-Erpressung möglich ist.
Die Rechteinhaber können gerne auf europäischer Ebene intervenieren und so Dinge wie Sperrung des DSL-Anschlusses usw. fordern. Manche dieser Forderungen werden mit Sicherheit auch umgesetzt werden, da der Europarat dem Dauerbeschuss aus Köfferchen und Lobby-Propaganda auf Dauer nicht standhalten wird, aber …
Aber was nützen Gesetze, an die sich niemand hält? Was nützen Sanktionen, wenn man Dank neuer P2P-Protokolle und anderer Wege digitale Daten zu verbreiten kaum noch jemanden erwischt? Die Gesichte lehrt eines: Obwohl kaum jemand aus ihr lernen möchte, so wird es immer klarer, dass die großen Rechteinhaber/Rechteverwerter diesen Krieg nicht gewinnen können. Wer glaubt, sein Geschäftsmodell nur noch mit derart aggressiven und repressiven Mitteln schützen zu können, der hat schon längt verloren. Ich gehe davon aus, dass in spätestens 2-3 Generationen die mom. stattfindenden "Urheberrechts-Kriege" mit einem allmählichen Aussterben der großen Rechteverwerter vorbei sein werden.
"Junker: … Diesen Aufwand finden wir gemessen an der Tat unverhältnismäßig. Wir können nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und Grundrechtseingriffe vornehmen, die eigentlich für andere Taten vorgesehen sind. Wir machen ja auch keine Hausdurchsuchung wegen einer Beleidigung. …"
"sueddeutsche.de: Von wem erhalten Sie die meisten Anzeigen?
Junker: Zweifellos von Abmahnanwälten. Da hat sich eine Branche etabliert, die blüht und gedeiht. Im vergangenen Jahr tauchten Monat für Monat mehr dieser Anwaltskanzleien auf."
"Junker: … Die erwähnte Rechnung geht davon aus, dass sich der Nutzer alle heruntergeladenen Dateien auch gekauft hätte und folglich wirtschaftlichen Schaden verursacht hat. Es handelt sich jedoch um einen virtuellen Schaden. …"
"Junker: … Ich finde schlimm, dass die Abmahnanwälte auf einer extrem unsicheren Beweislage strafrechtliche Konsequenzen wie Durchsuchungen veranlassen wollen. Die Verfehlung ist einfach zu gering, um den ganzen Rechtstaat daraufzuwerfen. Wir sind ja zum Schutz des Bürgers da und müssen auch dafür sorgen, dass Beschuldigte nicht mit Eingriffen konfrontiert werden, die unverhältnismäßig sind. …"
heute scheint ein guter tag zu werden. ich hätte nicht geglaubt, dass es sowas noch gibt.
@27
finde, das ist ein interessanter und richtiger gedanke.
zu europa:
ich hoffe so sehr, dass die lämmer sich nicht wieder vernebeln lassen durch beschönigtes, manipulatives politikerkastengeschwätz, um dann ihren eigenen untergang (das neue europa der "eliten" und eurokraten) zu besiegeln. dann hoffe ich noch, dass das bundesverfassungsgericht diesen europamist endlich als grundgesetzwidrig einstufen wird.
im übrigen: das internet gab es vor mp3, vor internet-abmahnanwälten und vor den leuten, die heute meinen, etwas internationales, virtuelles, gegründet auf idellen gedanken geschaffenes und originär freiheitliches in irgendwelche rechtskalküle pressen zu wollen. das internet ist nichts materielles, wieso also diese anmaßung?
@25 Jan.
Genau, eine Form der GPL.
Naja, da muss man ggf. mal prüfen ob diese Dame sich nicht einer Strafvereitelung selbst strafbar gemacht hat. Gegen einen StA aus Düsseldorf läuft das Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung noch immer!
Den Vergleich bezüglich "mit Kanonen auf Spatzen schießen", greife ich gerne auf, auch wenn es nach meiner Ansicht zutreffender wäre von "Piranha-Schwärmen" zu sprechen.
Seit Jahren fallen Millionen Schwärme von "Spatzen" über die Produkte der Industrie her und berauben diese um die Früchte ihrer Arbeit. Der Einsatz von "Kanonen" gegen diese gigantischen "Spatzenschwärme" ist daher leider erforderlich. Hierbei wird nicht verkannt, dass ein "Volltreffer" bei einem einzelnen "Spatzen" entsprechende Folgen haben kann. Der Ber¬liner Landesverband des Bundes Deutscher Kriminalbeamter ging bereits vor mehreren Jahren von einer Dunkelziffer von 99 % bei derartigen Delikten aus (Die Zeit 13.06.1986 S. 24), so dass die verbleibende "Trefferquote" ohnehin verschwindend gering ist. Die Situation hat sich seither nicht verbessert. Ferner wird auf den Aufsatz "Schadenshöhe und Dunkelziffer im Bereich der Softwarepiraterie" (CR 1986, 111) verweisen. Demgegenüber gab es in der Software-Industrie die ersten Kon¬kurse, die auf die gi¬gantische Software-Piraterie (Verluste der Industrie 1989 ca. 6 Milliarden US-$, vergl. COMPUTER¬WOCHE 10.5.1991 s.1) zurückzuführen sind. MICROSOFT könnte ohne Softwarepiraterie das Doppelte verkaufen (ABENDZEITUNG 10. Juli 1996). Die Vereinigung der Deutschen Software-Industrie e. V. geht davon aus, dass durch die Software-Piraterie ca. 2000 Arbeitsplätze vernichtet, bzw. deren Schaf¬fung verhindert wird (Datenschutz-Berater 1/89 S. 26).
Firmenkonkurse und Vernichtung von Arbeitsplätzen, zu denen jeder einzelne Software-Pirat seinen einzelnen Anteil beiträgt, stellen für die betroffenen Personen der EDV-Industrie ebenfalls einen gravierenden sozialen Eingriff dar. Es ist nicht einzusehen, warum es sozial gerechtfertigt sein soll, dass durch Software-Piraterie arbeitslos gewordene Personen "auf der Straße stehen", währenddem bei den Schädigern man aus alters- oder sozialen Gründen Rücksicht nehmen soll.
Mit freundlichen Grüßen
Günter Frhr. v. Gravenreuth
Guten Tag Herrn v. Gravenreuth!
Können Sie für Ihre Behauptungen und Schlußfolgerungen auch Studien aus dem aktuellen Jahrtausend benennen ?
mfg
F.Sommer
"MICROSOFT könnte ohne Softwarepiraterie das Doppelte verkaufen"
Und wenn eine Windows- oder Office-Lizenz nur die Hälfte kosten würde, vermutlich ebenfalls…
Aber jammern war halt immer schon einfacher als handeln.
@ 33:
Geht Ihnen gerade Ihr "Geschäftsmodell" fliegen?
Die von Ihnen beschriebenen Firmenkonkurse und vernichtete Arbeitsplätze finden ihre Ursache sicherlich mehr in den Fehlern des Managements und deren abgehobenen Marktpolitik. Sofern qualitativ gute Musik zu marktgerechten Preisen angeboten wird, wird diese auch vom Markt aufgenommen und entsprechend bezahlt werden. Solange aber musikaliche B- und C-Ware mit einem Markeing, dass jeder betriebswirtschaftlicher Vernunft trozt, mit aller Gewalt, zu Preisen, die sich die Konsumenten der Zielgruppen (Taschengeldempfänger)nicht leisten können, in den Markt gdrückt werden, ist es nachvollziehbar, dass die Absatzzahlen weit hinter den utopischen Erwartunge zurückbleiben. In einem derartigen Umfeld machen auch die, absolut gesehen, geringe Anzahl der Filesharer, in der relation zu dem Produkt- und Marketingbedingten schlechten Umsatzzahlen dann natürliche einen relativ hohen Prozentsatz aus. Die daraus entstehenden Probleme sind aber, wie bereits erwähnt, nicht auf die Filesharer, sonder auf die Geschäftsleitung und Marktpolitik zurückzuführten.
@gravenreuth
"Microsoft könnte doppelt soviel verkaufen"
Microsoft wäre niemals so groß geworden ohne unzählige, nicht lizensierte, Kopien. Illegale Kopien sind die Basis der heutigen Größe Microsofts.
Die Produkte sind tatsächlich sehr teuer. Ob die Produkte die Knete tatsächlich wert sind? Muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich meine: Nein.
Tatsächlich würde mich wundern, wenn M$ aktuell einen größeren Umlauf "illegaler" Kopien, aktueller Software (Office, Windows, ..) zu beklagen hätte. Ich habe einen Mac, habe aber den Eindruck, dass die illegale Nutzung durch schikanöse LIzensierungs- und Aktivierungsmechanismen für den durchschnittlich begabten Nutzer äußerst erschwert, wenn nicht schon unmöglich ist. Aber vielleicht ist der Eindruck ja auch falsch.
@kaputnik:
Die zB. in der Öffentlichkeit vielgepriesene Aktivierung von Vista ist in rein technischer Hinsicht nur als Scherz zu bezeichnen. Es gibt im Netz massenhaft Vista-Images (bereits inklusive SP1) aller Versionen, die man a) gar nicht mehr aktivieren muss und die b) voll update-fähig sind, weil findige Hacker die WGA-Prüfung mit Links überlisten und aushebeln können.
Was der Verbreitung von Vista natürlich extrem förderlich ist und somit auch langfristig im Sinne von Microsoft. Man hätte die WGA-Prüfung für Vista natürlich sehr viel strikter und kompizierter machen können. Hat man aber nicht. Warum wohl …
Ah, er ist schon aufgeschlagen.
Eben noch im gulli gelesen und nun hier.
Und sogar der Text ist gleich, er macht sich nicht mal die Mühe und schreibt ihn um… wie peinlich ist das denn.
Schauen wir mal, was bald passiert / passieren wird.
… und alle machen sich lustig, nur einer merkt es nicht. lol
Sehr geehrter Herr Freiherr von Gravenreuth,
ich kann Ihren Ärger über derartige Meldungen nachfühlen. Schließlich waren Sie es, der die Massenabmahnung als ein gänzlich neues Geschäftsgebiet erschlossen hat. Und das auch lange, bevor der Markt der Rechtsanwälte völlig übersättigt war.
Sicherlich, glaubt man den Meldungen, sind Sie inzwischen unfreiwillig weniger, andere dafür umso mehr im Abmahngeschäft tätig. Dennoch, die Massenabmahnung ist und bleibt Ihr Baby, egal, ob es nun nicht mehr von Ihnen sondern von anderen großgezogen wird. Und für sein Baby kämpft man.
Möglicherweise sind all die Blog- und Pressemeldungen sogar Lug und Trug, Sie den Staffelstab stattdessen gerne weitergereicht haben. Um die gesähte Saat entspannt aufgehen zu sehen. Oder um für Schulungen genügend Zeit zu haben. Vorträge wie z.B. "Vom Küchen- zum Abmahnanwalt" dürften ein reges Interesse hervorrufen. Genaues wissen aber nur Sie selbst.
War es doch noch bis zum Beginn des neuen Jahrtausends leicht, sich der Staatsanwaltschaft zu bedienen, so regt sich nunmehr auch dort Gegenwehr. Man kann die rechtsstaatlichen Erwägungen der Frau Oberstaatsanwältin Junker glauben, vielleicht ist aber einfach der Krug zu oft zum Brunnen gegangen. Egal warum, was Ihnen bleibt, ist die bittere Erkenntnis, daß Massenabmahnungen nun nicht mehr grenzenlos von der Staatsgewalt unterstützt werden.
Schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten verweigern Ihnen die Rechtsanwaltskammern Würdigung und Denkmäler, obwohl viele Kollegen Ihrer Idee das wirtschaftliches Überleben verdanken. Doch solange beim Begriff Abmahnung allen Eltern und jedem Internetnutzer noch das Herz bis zum Hals schlägt, solange sich IFPI & Co. tausender und abertausender Anzeigen und Abmahnungen rühmen können, bleibt Ihr Name ehrfürchtig in aller Munde; man wird von Ihren Taten berichten, ihr Wirken bleibt unvergessen.
Aber das wollen widerspenstige Staatsanwälte jetzt kaputtmachen. Wie gesagt, ich verstehe Ihren Ärger.