1.8.2008

Sehr geehrter Abzocker

Freundliche Mitmenschen haben auch mich schon etliche Male bei Internet-Abofallen angemeldet. Kondome, Routenplaner, Lehrstellentipps. Was da an Rechnungen, Mahnungen und Drohungen kommt, ist für den Blutdruck nicht förderlich. Selbst wenn man weiß, dass die Abzocker nichts in der Hand haben. Und dementsprechend auch vor Gericht auf die Schnauze fallen – wenn sie denn mal einen Prozess riskieren.

Für mich ist sehr gut nachvollziehbar, dass derart unter Druck gesetzte “Kunden” sich nicht an der Etikette für kaufmännische Schreiben orientieren und in ihren Antworten auch mal deutliche Worte finden. In Richtung “Sie können mir gestohlen bleiben”, “Betrüger”, “Abzocker”, “Lecken Sie mich…”

Interessant ist, dass ausgerechnet mancher dieser Internetabzocker oder jener, die eng mit ihnen zusammen arbeiten, dünnhäutig zu sein scheinen. Jedenfalls reagiert jetzt der Geschäftsführer eines einschlägig bekannten Inkassobüros pikiert. Er fühlt sich von der Reaktion eines Menschen, den er mit Rechnungen und Mahnungen im Auftrag einer Internetabofallen-Limited foltert, beleidigt und will zum Anwalt gehen.

Ich habe mir die Korrespondenz angesehen und kann nur sagen, dass der angebliche “Kunde” sich zwar nicht gewählt ausgedrückt hat, aber nun auch nicht über das Maß hinausgeschossen ist, bei dem ich noch von Wahrnehmung berechtigter Interessen sprechen würde. Eine gewisse Erregung und Verärgerung im Umgang mit diesen dubiosen Gestalten dürfte jedenfalls zulässig sein.

Eigentlich muss man ja nur hoffen, an einen Staatsanwalt oder Richter zu gelangen, der selbst oder dessen Kinder schon mal malträtiert worden sind.

Ich habe in meiner Antwort den Betreffenden übrigens gebeten, doch mal eine Anschrift der von ihm vertretenen Abzocker mitzuteilen, an welcher der Postbote auch einen Briefkasten mit Namensschild findet. Wenn die Adresse kommt und funktioniert, hat die Firma jedenfalls schon mal eine negative Feststellungsklage am Hals. Wenn der Inkassomensch nichts sagt, wäre das ein schönes Indiz für die Frage, was für ein Typ da eigentlich Ehrenschutz für sich geltend macht.

25 Kommentare zu “Sehr geehrter Abzocker”

  1. Thomas meint: (1.8.2008 um 12:14) AntwortenReply to this comment

    Endlich. Erster. Mehr wollte ich nicht. Schönr Blog. Danke

  2. Annabelle Meyer meint: (1.8.2008 um 12:15) AntwortenReply to this comment

    Den verlinkten Paragraphen verstehe ich nicht. Was steht da drin?

  3. Moxy meint: (1.8.2008 um 12:18) AntwortenReply to this comment

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

    ;-))

    Normierte Rechtfertigungsgründe?!?

  4. Axel John meint: (1.8.2008 um 12:24) AntwortenReply to this comment

    Wenn die Adresse kommt und funktioniert, hat die Firma jedenfalls schon mal eine negative Feststellungsklage am Hals.

    Vermutlich wird dann zum ca. 268 mal der Director der Ltd. wechseln und der Briefkasten an eine andere Hauswand in einem billigen Industriegebiet umziehen.
    Der Kläger dürfte ziemlich sicher auf den Kosten sitzen bleiben.
    Ich pflege auf Schreiben einschlägig bekannter Anwälte öffentlich zu reagieren:
    http://www.abzockwelle.de/m_031.htm
    oder
    http://www.abzockwelle.de/m_026.htm

  5. Axel John meint: (1.8.2008 um 12:25) AntwortenReply to this comment

    Ooops, zwischen Schreiben und einschlägig gehört noch Drohungen

  6. Will Tell meint: (1.8.2008 um 12:31) AntwortenReply to this comment

    Wie können diese ganzen "Online-Inhalt"-Firmen, die sich hinter Briefkastenadressen in UK verstecken und deren "Directors" Fantasienamen haben, überhaupt vor Gericht ziehen? Muss ein Versuch nicht schon daran scheitern, dass deren Anwalt dann keine nicht gefälschte Vollmacht vorlegen kann?

  7. Johan meint: (1.8.2008 um 12:45) AntwortenReply to this comment

    Ich möchte niemand anstiften, aber der Richter ist doch sicher schonmal von Fremden angemeldet worden …

  8. Wolf-Dieter meint: (1.8.2008 um 13:31) AntwortenReply to this comment

    @Udo — ich hätte mich über ein paar Zitate aus dem Schreiben gefreut … war was originelles dabei?

  9. MrTweek meint: (1.8.2008 um 13:50) AntwortenReply to this comment

    @6 (Will Tell): Fraglich ist, ob die das überhaupt wollen. Ich denke, man spekuliert eher darauf, dass einige wenige "Opfer" Angst haben und freiwillig bezahlen. Wenns nur 5% sind, kann man sicher schon gut dran verdienen.

  10. carlo meint: (1.8.2008 um 13:51) AntwortenReply to this comment

    Viele Richter nehmen den Ehrenschutz gewieft auftretender Kräfte des Kapitalismus durchaus ernst, die Verteidigungsrechte der Opfer dieses Kapitalismus dagegen gelten schnell als strafbar.
    Ich habe vor wenigen Jahren mal einen als Bauaufseher getarnten Entmieter meiner Wohnungsgesellschaft mit den Worten " bei Schlipsträgern, die mich abzocken wollen, unterschreibe ich nichts" von meiner Wohnungstür entfernt. Der Richter sprach ihm 500 Euro Schmerzensgeld zu, ich hätte einfach still die Unterschrift unter die Vertragsauflösung der Wohnung ablehnen sollen. Daß der Typ minutenlang an meine Tür hämmerte, um eben diese Unterschrift zu erlangen, hat den Richter nicht interessiert.Ich habe aber insofern "gewonnen", als daß ich nun der einzige bin, der in einer unrenovierten Wohnung zu alten Sozialpreisen lebt, alle anderen hat man mit derartigen Methoden schnell zum Auszug getrieben. Der Richter vom Amtgericht Berlin-Lichtenberg war so der typische Jungschnösel, der sich grundsätzlich von jedem Nichtakademiker angewidert fühlt. Deshalb bin ich mir nicht so sicher, daß der Mandant von Herrn Vetter gewinnt. Allerdings hatte ich seinerzeit auch keinen Anwalt…

  11. pizzamann meint: (1.8.2008 um 14:04) AntwortenReply to this comment

    Hier Schreibt der Mandant selber!
    Nun macht mir doch bitte mal etwas mehr Mut in dieser Sache! Es kann ja nicht sein das das Opfer jetzt mal wieder zum Täter wird! Wo kommen wir denn dann hin!
    Ich bin Herr Vetter aber sehr dankbar das er mich in der Angelegenheit gegen einen "gemeinsamen Bekannten" vertritt!
    Meine Hoffnung ist das letztendlich ein kleiner Sieg dabei herauskommt aus dem dann auch andere Betroffene Hoffnung schöpfen können. Man hat ja immer 2 Optionen – "Kopf in den Sand stecken und nicht wehren, also hinnehmen" oder "nicht einschüchtern lassen und Kontra geben"! Nun, ich mag keinen Sand in Augen, Nase und Mund!

  12. PraHa meint: (1.8.2008 um 14:14) AntwortenReply to this comment

    wenn es sich da mal nicht um Ihren "Vor"-Namensvetter handelt, dessen Nachname mit P anfängt ?? Dieser Herr hat mich und unzählige andere belästigt und als ich ihn auf der Plattform XING entdeckt habe und Ihn höflichst bat damit aufzuhören, hat er mir auch gleich mit Klage gedroht. Feiner Herr !!

  13. Ein indiekt Rollstuhlgeschädigter meint: (1.8.2008 um 18:43) AntwortenReply to this comment

    Sehr hübsche Formulierungshilfen kann man auch dieser (bereits einschlägigen) Fachkorrespondenz entnehmen:

    http://www.henryk-broder.de/tagebuch/winwin.html

  14. Oliver Götz meint: (1.8.2008 um 22:18) AntwortenReply to this comment

    @ #9 MrTweek

    Es sind leider ungefähr 10-30% die sich durch die Drohschreiben der Nutzlosbranche und deren Helfershelfer einschüchtern lassen und zahlen.

  15. Sascha meint: (1.8.2008 um 22:27) AntwortenReply to this comment

    In diesem Zusammenhang passend: Die kuriosesten Formulierungen aus Inkassobriefen: http://www.computerbetrug.de/nachrichten/newsdetails/als-richtig-empfunden-deutschlands-kurioseste-inkassobriefe/

    Sicher kein Zufall, dass es sich durchwegs um Inkassobriefe handelt, in den Geld für fragwürdige Vertrags- und Abofallen eingetrieben werden soll…

  16. Jan meint: (2.8.2008 um 02:38) AntwortenReply to this comment

    was heisst da bei internet-abofallen anmelden?
    der klassiker schlechthin ist doch immer noch die GEZ, da kommt man nichtmehr raus!

  17. ich versteh das alles sowieso nicht mehr meint: (2.8.2008 um 09:21) AntwortenReply to this comment

    dass solche angeblichen Inkassovertreter aktiv sein können.
    Grundsätzlich werden hauptsächlich ältere Menschen massiv eingeschüchtert und zur Zahlung gezwungen. Unter den Decknamen "Deutsches Inkassobüro" ist das auch nicht verwunderlich. Ich hatte diesen Menschen geschrieben, dass ihre Forderungen unbegründet sind. Antwort – Wir haben geprüft und festgestellt, dass sich Ihre Ansicht unwahr ist.
    Man müßte eine Sammelklage einreichen und die endlich einmal zum aussteigen zwingen

    (Text editiert. U.V.)

  18. Oliver Götz meint: (2.8.2008 um 10:27) AntwortenReply to this comment

    @ #17

    Das Inkasso aus Eschborn, solltest Du es meinen, nennt sich "DIS Deutsche Inkassostelle GmbH". Letzten Sonntag (27.07.2008) war Jubiläum. Ein Jahr Entzug der Inkassoerlaubnis und durch deren Widerpruch dürfen die trotzdem weiter machen. Von Seiten des AG Frankfurt/Main ist in dem einen Jahr nichts weiter passiert, außer das ein Verwaltungsverfahren anscheinend ewig dauert.

    Und eine Sammelklage gibt es in Deutschland nicht.

  19. Dirk meint: (2.8.2008 um 11:39) AntwortenReply to this comment

    Ich versteh gar nicht das denen noch nie einer im Dunkeln begegnet ist. 10 Mio im Moant macht allein Eines dieser bekannten Unternehmen im Monat. Es zahlen also genug…

  20. Glaube meint: (2.8.2008 um 13:55) AntwortenReply to this comment

    10 carlo: Wegen der Worte gab es wohl kein Schmerzensgeld, sondern wegen der körperlichen "Entfernung" von der Wohnungstür? Ansonsten solltest du das Urteil anonymisiert veröffentlichen.

  21. carlo meint: (2.8.2008 um 16:21) AntwortenReply to this comment

    @glaube: nein, es ging nicht um eine " körperliche Entfernung" , sondern um ein Schmerzensgeld für die zitierte Beleidigung. Der Herr gab an, den Nachmittag des besagten Tages aus seelischem Schmerz heraus arbeitsunfähig gewesen zu sein. Wenn ich viel Zeit habe sollte, werde ich das Urteil mal abschreiben. Mich verwundert das Urteil nicht. Akademiker empfinden sich als eigene, schützenswerte Klasse von Menschen, die Opfer der strukturellen Gewalt dieser Akademiker dagegen scheinen wenig wert zu sein.

  22. Franktireur meint: (3.8.2008 um 02:47) AntwortenReply to this comment

    Ehrenschutz in Verbindung mit solchen Konsorten hat bereits etwas satirisches…

  23. carlo meint: (3.8.2008 um 09:25) AntwortenReply to this comment

    Realsatire,aber das ist ja inzwischen die Regel in diesem Staat.

  24. Glaube meint: (3.8.2008 um 17:44) AntwortenReply to this comment

    Einige Bahn-Kunden auf eBay werden vielleicht auch ihr Abmahn-Wunder erleben:
    http://feedback.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewFeedback2&userid=db_bahn

    Beim Wort "Abzocke" scheint der Bahn-Vorstand manchmal allergisch zu reagieren:
    http://www.heise.de/ct/tv/archiv/20080301/

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