Arbeiten gehen dürfen
Ich suche dringend eine Verkäuferin für Backwaren und Foodangebote, eine Verkäuferin , die wirklich noch Lust und Freude daran hat arbeiten gehen zu dürfen um etwas nützliches zu leisten. Die Anstellung ist unbefristet für eine Beschäftigung auf 165,00€ Basis. Besonders gut geeignet für einen Zuverdienst bei Arbeitslosigkeit und für Hartz 4. Angedacht sind ca. 15. Std. wöchentlich. Sie sollten ehrlich, unbedingt zuverlässig und ein sauberes angenehmes Äußere haben sowie ein Lächeln ohne Zahnlücken.
Nachtrag: Da die Anzeige mittlerweile gelöscht wurde, hier der Text.
(Danke an Jörg Karl für den Link)
165€ monatlich? Für ~65 Stunden? Dreist.
Wie dreist kann man sein? Das ist weniger als 3Euro die Stunde. Krass
Gesucht wird halt jemand der soviel "Lust und Freude daran hat arbeiten zu gehen", dass sie auch fast umsonst arbeitet ohne dem Arbeitgeber unnötig auf der Tasche zu liegen :-)
15 Std/Wo x 4 Wo = 60 Std
165 € : 60 Std = 2,75 €/Std
Bei dem Stundenlohn fällt die Nützlichkeits-Freude bestimmt hoch aus.
Allerdings kann man in der Zeit der Tätigkeit Heizkosten sparen.
Na ja, die wohldurchdachten Regelungen des HarzIV treiben die Menschen in solche Arbeitsverhältnisse. Ist das nicht fast Sittenwiedrig?? 2,50/h?
Es heißt ja das Nachfrage den Preis bestimmt. So "dringend" scheint der Betreffende also nicht zu suchen sonst würde er sich das mehr kosten lassen.
Angesichts dieses ENORMEN Verdienstes ist die "Unlust" arbeiten
gehen zu "dürfen" nachvollziehbar… auch OHNE Zahnlücken. Aber es wird sich schon ein ARGE "Sachbearbeiter" finden der einen Hartz IV Empfänger zur Aufnahme dieser Arbeit erpress… verzeihung "fördert und fordert".
irgendwie habe ich da noch was vermisst – bei der doch so üppigen Belohnung von 2,55 €/h:
Die Verkaufs-Fach-Kraft sollte zudem noch mind. 2 Fremdsprachen neben Deutsch (als Muttersprache) fließend beherrschen und auch bereits sein, auch ab und an mal die eine oder andere freiwillige (und natürlich unbezahlte) Überstunde zu machen.
Zudem sollen sich die Arbeitszeiten auf morgens von 6:30 – 8:00 und nachmittags auf 19:00 – 20:00 verteilen, oder?
Soso, von diesem ausbeuterischen "Lohn" soll man sich noch ein Lächeln ohne Zahnlücke leisten können …
– N.M.
Bei diesen Eckdaten errechnet sich nach der Arbeitsamts-Formel ein Bruttostundenlohn von 2,54 €, nicht 2,75 € ;-)
Da werden sich die fleißigen, zahnlückenlosen und gepflegten Verkäuferinnen sicher gerne für prostituieren. Von diesem fürstlichen Salär lassen sich ja auch ohne weiteres ein hervorragender Zahnarzt und eine ordentliche Garderobe finanzieren.
Gibt es keine Bußgeldvorschriften, die diesem Sklaventreiber zeigen, wo's langgeht? DIE Anzeige schreibe ich gerne!
Wer dicke Hosen hat, kann reichlich stinken.
Ihr habt zwar recht, dass der Lohn mies ist, aber kommt doch einfach mal von eurem hohen Ross runter und schaut mal von unten.
Wer Hartz4 bekommt, willig ist, aber einfach keine Arbeit findet, ist froh über dieses Angebot. Ein Großteil darf man davon behalten. Man bessert somit sein äußerst geringes Auskommen um rund 100 Euro auf und man steht ein wenig wieder im Berufsleben und sitzt nicht unnütz rum.
Eine Schulkameradin (eigentlich ausgebildete Erzieherin) von mir machte so einen 165 Euro-Job (Verkauf von Waren) und war richtig froh, dass sie den Kleinjob hatte. Nach 6 Monaten stellte sie der Chef voll ein. Zwar nicht ihr Traumberuf, aber Arbeit (und Geld).
Zitat ist unvollständig. "dürfen" unterstrichen
Ich hab Zahnlücken und bin männlich. Könnte ich aus der Anzeige wegen Gleichbehandlung und so nicht Kapital schlagen?
Sagt mal, ist das nicht spätestens ab der Zahnlücke ein Verstoß gegen die Regelungen des AGG?
@13(tone): Ich würde sagen, der Verstoß beginnt eindeutig schon im ersten Satz.
Ich empfehle ein Telefonat mit der angebenen Frau Bernstein. Der ganze Laden scheint eine Außendienstelle einer psychiatrischen Einrichtung zus ein.
Weiter im Text wird noch das grosse soziale Bewusstsein angesprochen:
"Gern auch Frauen der reiferen Jugend die angeblich nicht mehr vermittelbar sind. Einarbeitung ist garantiert. Bei uns gibt es eine herzliche, freundliche und sehr soziale Einstellung untereinander."
Irgendwie dachte ich mir schon vor dem Anklicken, dass es sich um Berlin handelt. Ist hier halt so.
1988 jobbte ich an einer Tankstelle für 12 DM. Neulich fragte ich den jungen Mann hinter dem Tresen, wieviel man denn heutzutage so bekommt: 6 Euro. Da war ich schon geschockt: 20 Jahre Preiserhöhungen bei allen Lebenskosten (damals kostete Benzin noch umgerechnet 45cent/Liter!), nur nicht bei den Billiglöhnen.
@10: Manche wollen was zu tun haben, wollen anpacken, was bewegen und im Leben weiterkommen. Das nenne ich Einsatz. Faule Säcke bleiben natürlich wegen dem Hunni zu Hause bzw. stehen rechts am Supermarkt und leeren die bösen braunen Flaschen.
@12: Schmarotzer machen sowas bestimmt.
@13: Kann man auch mal die Kirche im Dorf lassen? Eine Verkäuferin muss ordentlich ausschauen. Wer zu blöd/feige/dumm ist zum Zahnarzt zu gehen, soll als Lagerist arbeiten.
@10/Kampfschmuser:
Das hat doch nichts mit einem hohen Ross zu tun!
Es ist einfach eine bodenlose Frechheit und Ausbeuterei, die man, wenn nicht per Klage, nur noch mit Häme kommentieren kann.
Diesem "Geschäftsmann" müsste man verbieten, Mitarbeiter(innen) zu beschäftigen. Es sagt doch hier auch keiner nur ein Wort davon, dass die Betreffende nicht froh um diese Arbeit wäre. Froher wäre sie aber sicher, wenn sie einen Stundenlohn bekäme, zu dem sie sich nicht wie eine drittrangige Arbeitskraft vorkäme. Das könnte auch durchaus der vom Arbeitgeber gewünschten Freude an der Arbeit zuträglich sein.
Naja "ohne Zahnlücke und gepflegtes Äußeres" ist bei einem Job mit Kundenkontakt eigentliche selbstverständlich. Es sieht schon ziemlich ekelig aus wenn einem von der anderen Seite der Theke jemand anlacht, der aussieht als würde er auf einem Igel herumkauen. Ach ja noch etwas Karies und daraus entstehnde Zahnlücken sind in der Regel nicht (!) angeboren, sondern zeugen von einem defizitären Hygienebewußtsein.
Vielleicht sind die 165 ein Tippfehler. Es könnte sein, dass es ein 400-Euro-Job ist. Denn da bleiben einem ALGII-Empfänger 160 Euro. 100 Euro darf er so behalten, von jedem Euro darüber bleiben 20 Cent.
"Verkäuferin" – verstößt das nicht gegen das AGG?
Hab neulich in einer Bäckerei in Hölle/Saale auch sowas ("Verkäuferin gesucht") gesehen…
zu 18: Natürlich hat das was mit dem hohen Ross zu tun. Wer noch nicht in H4 gesteckt hat, sitzt nun mal da oben und kann mit vollen Hosen gut stinken. Meine Meinung war früher ähnlich. Bis ich mit meiner Schulkollegin mal Kaffeetrinken gegangen bin und sie mir ihre Ansicht geschildert hat. Augen aufmachen.
Außerdem hat doch erst die Politik solche Dinge geschaffen.
AGG!!!!1elf Ich glaube, das ist ein Fake. So krass gegen das AGG verstoßen nicht mal die allerblutigsten Anfänger.
@22: Dein Geschreibsel wird nicht besser, nur weil mans wiederholt. Ja, die Politik hat sowas geschaffen, und die Unternehmer springen drauf auf, weil man ja mit "Billiglohnländern" konkurrieren muss.
Ist es soweit hergeholt, dass man fordert, dass ein job einen auch ernähren soll? Und zwar ohne, dass man gleich 3 davon hat? Wie widerlich ist das denn, dass die Arbeitgeber gezielt davon ausgehen, dass die Restbeträge via Hartz IV aufgebracht werden? So ein Job ist eigentlich eine versteckte Subvention von Arbeitsplätzen. Einer geht knechten und bekommt einen Hungerlohn. Rest schießt Staat dazu.
Der arme Unternehmer kann ja gar nicht anders, als das so zu machen, Na-tür-lich würde er ja, wenn er denn könnte.
Es mag sein, dass deine Bekannte sich gefreut hat. Aber sie hätte sich wohl noch mehr gefreut, wenn der Job sie direkt ohne Hartz IV ernährt hätte, oder?
Das hat auch nix mit hohem Ross oder so zu tun. Es kann ja nicht sein, dass dauernd was gebrüllt wird von "Löhne zu hoch" und "runter mit den Löhnen, weil wir müssen mit Billiglohnländern konkurrieren" und gleichzeitig sind wir in einem Hochpreisland was natürlich sofort dazu führt, dass beim Verbraucher gejault wird, dass "Konsumzurückhaltung" vorherrscht.
Hallo? Jemand zu Hause?
Ist doch klar, wenn ich jeden Cent 3x umdrehen muss, weil mein Arbeitgeber mir nicht genug zahlt, muss mein Arbeitgeber auch nicht bei mir rumweinen, dass ich nicht genug kaufe.
*gnarf*
zu 24 (Kerstin):
< Es mag sein, dass deine Bekannte sich gefreut hat. Aber sie hätte sich wohl noch mehr gefreut, wenn der Job sie direkt ohne Hartz IV ernährt hätte, oder?
Natürlich. Nur der wurde ihr nicht angeboten. Also musste sie das nehmen, was da war und das Beste raus machen. Dein Geschreibsel, um deinen unschönen Ausdruck zurückzugeben, macht deine Ansichten auch nicht wahrer. Es zeugt nur von mangelnder Bodenhaftung, da es an der Basis nun mal anders ausschaut. Was wie sein müsste, wie man es sich wünscht und wie es wirklich ist, sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Annehmen, Probezeit abwarten und zum Arbeitsgericht gehen ;-)
@25: Ein wenig mehr Bodenhaftung würde hier so manchen Herrschaften, die hier fleissig kommentieren, reichlich gut tun. Es reicht schon sich 1h in der Hartz4-Abteilung auf einen Stuhl zu setzen, eventuell 1-2 Gespräche zu führen.
…und wieviel bekäme sie für einen Vollzeitjob? 206,25 Euro? Das wären ja nur zehn Stunden mehr pro Woche! Darüber wäre sie dann sicher sehr glücklich.
@Kerstin:
"…weil man ja mit “Billiglohnländern” konkurrieren muss."
AWAS! Muss ich jetzt demnächt die Brötchen in China oder Indien holen? Ratlose Grüße…
Das wirklich Bemerkenswerte ist eigentlich, das bei dieser "Ausschreibung" bereits die Leistungen vom Arbeitsamt mit einkalkuliert sind und dieser Arbeitgeber (ob soziale Einrichtung oder nicht @15) bereits eine Rechnung im Hinterkopf hat, wieviel dem Arbeitnehmer am Ende wohl bleiben wird. Im Prinzip versucht hier jemand für sein Unternehmen Unterstützung vom Staat zu erheischen, indem er mit Leistungen rechnet, die eigentlich mal als Hilfe für sozial Schwächere gedacht waren. So verkommt das Arbeitslosengeld zu einer Subvention für Unternehmer; und ich als jemand, der verpflichtet ist, laufend für dieses Geld aufzukommen, darf es wohl zu recht als himmelschreiende Zweckentfremdung meiner Mittel betrachten, wenn sich Unternehmer indirekt daran bereichern.
Auch, wenn es vielleicht richtig ist, das Arbeit mehr als reiner Broterwerb ist; soziale Kontakte und Bindungen am Arbeitsplatz befördert werden und vielleicht auch ins Privatleben überstrahlen, die Aussicht auf Festanstellungen steigt und sich sicher auch das Gefühl des "Gebrauchtwerdens" einstellt, wenn man Spaß an seiner Arbeit hat; es bleibt plumpe Ausbeutung. Der Arbeitgeber kann sich doch auch einfach darüber freuen, das er viele Angestellte hat, dem Gemeinwesen etwas Gutes tut und das wohlige Gefühl genießen, einer armen Seele eine Chance zu geben. Wozu braucht er dann noch das Geld, welches er durch billige Arbeitskräfte einspart? Sprich: Warum ist es immer das Salär des Arbeitnehmers, welches zur Disposition steht? Beide Parteien versuchen Geld zu verdienen, warum wird das Anliegen des Arbeitnehmers generell geringer eingeschätzt?
Ich bin ja gewiss keine Linke Socke, sondern ein vehementer Beführworter des Leistungsprinzips. Leistung heißt aber auch: Wer Leistung erbringt hat dafür adäquat bezahlt zu werden. Wenn ich diese "Hauptsache Arbeit"-Mentalität aus dem bürgerlich-christlichen Lager so höre kotze ich gern auch mal im Strahl. Wenn sich dann auch noch diese komischen, selbsternannten Liberalen dazwischen drängeln und von Angebot und Nachfrage Faseln ist meine Sehnsucht nach einem Mindestlohn auch schon komplett. Von wegen der Arbeitsmarkt ist ein Markt wie jeder andere! Was passiert denn eigentlich, wenn mal eines der Waren aus dem Angebot schadhaft oder mangelhaft ist? Ist das ein Garantiefall? Geht das Produkt zurück zum Absender? Wird nachgebessert? Die Ware "Arbeit" ist (gelinde gesagt) ausgesprochen eng mit den Menschen verknüpft, die sie anbieten, wie kommt man da eigentlich auf diesen einfältigen Gedanken, den Arbeitsmarkt wie jeden anderen Markt auch zu behandeln? Nein, nein, auf dem Arbeitsmarkt gelten andere Regeln (davon bin ich zumindest überzeugt) und bisher hat noch keine politische Strömung in Deutschland passende Werkzeuge gefunden, diesem Umstand gerecht zu werden.
Zum Glück bin ich nicht der Erste, dem es so geht und wir nicht die erste Generation, die derlei Phänomene beobachtet. Das kannte schon Tucholsky, guckst Du:
"Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech." – "… zu dürfen", in: "Die Weltbühne", 14. Oktober 1930, S. 597
ich weiß ja, dass vor allem Uwe das überhaupt nicht versteht, aber solche stellenangebote stellen nun mal das personal dar, das in "McBack" und ähnlichen brötchenrohling-aufback-und-verkaufs-stationen arbeitet. genau das tötet die deutsche bäckerei (und das deutsche brot), was eigentlich eine der paar sachen sind, auf die wir noch stolz sein können, und deswegen geht man da ja auch nicht sein brot kaufen. schonmal drüber nachgedacht, warum man dort die brötchen so gnadenlos günstig bekommt?
@ 24
Die "Umerziehung" war dann ein Erfolg, wenn die Betroffenen, die für 2,54 € pro Std. (N.N.) arbeiten müssen dürfen, dies noch verteidigen, und uns, die wir dies für ausbeuterisch bezeichnen, als arrogant (hohes Ross)betiteln.
Günstige Brötchen? Heutzutage bekommt man eigentlich nur noch billige Brötchen, egal wo.
Mal abgesehen davon, das hier der Steuerzahler für den Großteil des Gehaltes aufkommen soll, dürfte die reguläre Teilzeitkraft gefeuert worden sein.
Später sitzen dann 2 Damen zum Einstellungsgespräch da. Die eine sagt: Ja ich hatte Hartz4 wegen … und war nicht arbeiten weil … Die andere sagt: Ich hatte hartz4 bin aber trotzdem arbeiten gegangen weil ich nicht faul zu hause rumsitzen konnte … ratet wen ich einstelle …
Ungeachtet dessen, dass es wirklich sau wenig ist.
Meinem Vorredner @30 ist unbedingt zuzustimmen.
Sonst werden doch stets Azubinen statt ausgebildete Fachkräfte für "Billigjobs" mißbraucht, aber die sind in dem Fall wohl um das Vierfache teurer als die gesuchte Verkäuferin…
@31 (martin):
> genau das tötet die deutsche bäckerei (und das deutsche
> brot), was eigentlich eine der paar sachen sind, auf die
> wir noch stolz sein können,
Nö, das tötet die teureren Großbäcker-Altbackwaren-Verkaufsstellen, die ebenfalls seit etlichen Jahren schon ausschließlich mit 400-EUR-Kräften arbeiten. Ich kenne einige kleine Bäcker, die ihr Brot noch selber führen, und denen die Bude eingerannt wird.
Ich begrüße hiermit ausdrücklich die Existenz der Backshops, die sowohl den Ketten wie Merzenich, Oebel, Kamps etc., als auch irgendwelchen lustlosen Chemiebäckern vollkommen zu recht tüchtig in den Arsch treten. Den Dreck, der da überteuert verkauft wird, können DIE nämlich genau so gut, aber billiger.
@martin
Auch in vielen scheinbar noch "klassischen deutschen Bäckereien" rollen nachts mittlerweile nur noch die Laster mit den Paletten voller Rohlinge an. Von aussen manchmal schwer zu erkennen, denn man will dem Kunden ja was vorgaukeln. Also nicht nur "McBack" und die div. Ketten.
Der billigste Bäcker hier in Berlin-Wedding: Die Schrippe für 3 cent. Mahlzeit.
@38: kamps, merzenich, oebel schließe ich ein! ansonsten volle zustimmung; das ist natürlich die gleiche massenproduzierte kacke
… ALLERDINGS haben die wenigstens noch vernünftiges verkaufspersonal, und übernehmen teilweise die angestellten von den RICHTIGEN bäckereien, die sie verdrängt haben.
bei den backshops kommt aber noch dazu, dass sie auch noch arbeitsplätze vernichten bzw. solche leute anstellen wie in der verlinkten anzeige (die nun wirklich noch weniger ahnung von brotherstellung /-verkauf haben als ich).
In Anbetracht der Rechtssprechung zu sittenwidrigen Löhnen dürfte dies ein Exemplarbeispiel sein. Ergo: Stelle annehmen, ne Zeit lang arbeiten und dann Zahlung des ausstehenden Lohns verlangen…
Da frage ich mich doch spontan, ob so ein Lohn nicht schon sittenwidrig ist. In jedem Fall würde ich die Bäckerei auslachen, wenn sie jemanden einstellen der sich dann nach einem Jahr wehrt, Klage einreicht, Recht bekommt und dann Forderungen bezüglich einer Nachzahlung an die Bäckerei hat. Das dürfte dann nicht ganz billig werden…
Traurig genug, dass die Leute sich ausbeuten lassen (müssen!?). Freundin von mir schuftet im Gastronomiegewerbe und wartet seit zwei Monaten auf ihren Lohn. Sie ist aber mit drei Leuten die einzige, die sich getraut hat, das wenigstens mal vor den "Teamleitern" zu erwähnen. Geholfen hats trotzdem nicht. Alternativen fehlen. Es ist *mit Verlaub* zum kotzen was in diesem Lande abgeht. Hauptsache die Arbeitslosenstatistik sieht gut aus. :(
"Es tut uns Leid, aber diese Anzeige ist nicht länger verfügbar."
Als Jurist sagt man da:
Vertrag unterschreiben und denn ordentlichen Lohn einklagen, da das Entgelt sittenwidrig ist.
@46:
Verfügbar ist aber noch der Standort:
http://berlin.kijiji.de/c-ViewMap?AdId=70076546
Und UV hat oben im Blogbeitrag den Text verlinkt. 1+1.
Die Rechnung 165/65 geht nicht auf, ihr vernachlässigt bei der Berechnung, dass man zusätzlich Hartz IV hinterhergeworfen bekommt. Statt auf der Couch sitzen, Talkshows schauen und Chips fressen, ist Brötchen backen doch ne sinnvolle Alternative…
Mich erinnert das an die heftige Diskussion um U.V´s Putzfrau und deren Forderung nach 10€. Tja, Leider finden solche "Lohndrücker" immer wieder Dumme!
@49
Es geht nicht um die Berechnung, es geht um folgende Frage:
Warum genau sollte jemand eine halbe Arbeitstelle antreten, von der man eigentlich ohne staatliche Hilfe leben können sollte?
Es scheint, der Arbeitgeber wolle Arbeitskraft, dafür aber die Entlohnung den Steuerzahlern überlassen. Im besten Fall eine "geschickte Ausnutzung der rechtlichen Möglichkeiten"…
"ihr vernachlässigt bei der Berechnung, dass man zusätzlich Hartz IV hinterhergeworfen bekommt"
Nein, das vernachlässigen "wir" nicht, wie aus zahlreichen Kommentaren hervorgeht. Vielmehr wird darin thematisiert, dass es verwerflich sei, dass der Arbeitgeber sein ausbeuterisches Jobangebot durch HartzIV subventionieren lässt (er weist sogar extra darauf hin, dass der Job insbesondere für HartzIV-Empfänger gedacht sei).
Übrigens geht es um den Verkauf von Brötchen und nicht um deren Herstellung. Ein weiteres Indiz, dass Sie wohl nicht allzu aufmerksam gelesen haben?!
Also 165 € mehr im Monat und die hypothetische Möglichkeit einer Festanstellung (wie realistisch die Aussicht ist scheint bei solchen Angeboten ja eher fraglich) bei möglicherweise ungünstigen Arbeitszeiten ist aber eine reichlich abstrakte Motivation gegen sein/ihr kurzfristiges ökonomisches Interesse zu handeln – oder anders gesagt fordern solche Anzeigen ja quasi zur Schwarzarbeit auf.
es gibt schon komische Angebote:
saibot-blog.blogspot.com/...obangebot-mal-anders.html
@32: Genau so sieht es aus!
Leider können die Arbeitgeber zur Zeit -auch mithilfe der Arbeitsagentur- die Arbeitnehmer sehr gut gegeneinander ausspielen. Und der Staat subventioniert diese Ausbeutung noch großzügig.
@31: Die letzten, wirklich vom Bäcker selbstgemachten Brötchen habe ich zu DDR-Zeiten gekauft. Heute gibt es doch überall nur noch aufgebackene Teiglinge von BÄKO und Co., egal ob an der Tanke oder beim "Bäcker".
Insgesamt stimme ich dem Tenor hier zu, aber es ist doch unglaublich, dass es doch tatsächlich einige wenige gibt für die sowas anscheinend ein in irgendeiner Weise sinnvolles, gutes Angebot darstellt statt der Unmöglichkeit, die es eigentlich ist.
165,- pro Stunde sind doch gar nicht so schlecht … oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Konrad
Dass die als Brötchenverkäufer schon Leute ohne Abi und BWL nehmen ist doch wirklich fortschrittlich.
@ 30: Danke für diese intelligente und so richtige Analyse. Mehr braucht man wirklich nicht zu sagen. Sollte so in jeder Zeitung stehen, auf Seite 1, jeden Tag… :)
Zitat aus Stellenanzeige:
Das ist doch ein nettes Zusatzangebot, welches die schlechte Bezahlung dann doch etwas relativiert…
@60 (Thomas)
"Das ist doch ein nettes Zusatzangebot, welches die schlechte Bezahlung dann doch etwas relativiert…"
Das hast du falsch verstanden. Da wird nur beschrieben, wie der Arbeitsplatz aussieht. Kein Wort davon, dass das Essen zur Bezahlung gehört.
Die Anzeige müsste meines Erachtens wie folgt weiter lauten:
Die Lust und Freude sollte sich nicht darin erschöpfen, nur die Backwaren zu verkaufen. Sie sollten gleichzeitig dazu in der Lage sein diese auch herzustellen, zu backen und verkaufsfertig aufzubereiten.
Weiter umfasst die Stellenbeschreibung die Lust und Freude den Arbeitsplatz selbst sauber zu halten, sie sollten also vor Dienstantritt den gesamten Verkaufsraum putzen, und auch im laufenden Tagesgeschäft auf Sauberkeit und Ordnung achten.
Von Vorteil -nicht Bedingung- wäre ein Abschluss in Verkaufsraumgestaltung, Medienwirtschaft, und Werbung. Kreativität für die Beschriftung unserer Preisschilder sowie Angebotstafeln wird vorausgesetzt.
Bewerbungen von Abiturientinnen ohne Zahnlücke werden bevorzugt behandelt.
Ich will mal Licht in den 165,- EUR/Monat – ca. 15h/Woche-Kontext bringen.
165,- EUR/Monat bei bis zu 15 Stunden/Woche ist das was ein Alg-Bezieher leistungsunschädlich arbeiten darf, mehr nicht (§§119 (3), 141 SGB III).
Deswegen ist die Stelle auch "Besonders gut geeignet für einen Zuverdienst bei Arbeitslosigkeit und für Hartz 4.", wobei bei AlgII-Bezug bei diesem Verdienst regelmäßig eine Anrechnung erfolgt.
@30 Dirk Becker:
Wegen Beiträgen wie ihrem lese ich Kommentare.
Danke für das saubere Auseinanderklamüsern und das passende Zitat.
@Toph(63): Das ändert noch nichts daran, dass diese Entlohnung sittenwidrig ist, weil sie eindeutig mehr als 50% unter dem üblichen Tariflohn liegt.
Bei der Sittenwidrigkeit angefangen, rüber zu AGG … etc. pp
Wer ALG II erhält, hat erstmal nur einen Grundfreibetrag von 100 Euro, je nachdem ob Unterhalt etc. gezahlt werden muss, werden es mehr. Für ALG II Empfänger aber nicht attraktiv, selbst bei angemessenm Stundenlohn.
Nachtrag: @ 65. reichen nicht schon 30% unter Tarif?
@67: Ich habe zuletzt 50% im Kopf, 30% schwirren da aber auch irgendwie noch rum. Hier sind aber auch die 50% erfüllt, also kein Problem.
Google Cache:
google.com/search?q=cache...EO1ytMJ:berlin.kijiji.de/
@30 hat vollkommen recht!!!
Als ich den Text gelesen habe bin ich von einem Wochenlohn ausgegangen. Da sieht man mal wie naiv man sein kann.
*wortlos*
@70/Treppe
Danke, war nur eine Frage der Zeit bis auch dieser Wohltäter berühmt wird.
Und das bleibt übrig von den 165€:
metier2001.de/zuverdienst/web_algiiz.html
#k.
Auch ohne Brötchen zu verkaufen: Ich besitze auch solch eine Foo-Decke, die hält im Winter schön warm. Aber ob das neben dem Brötchenaufbackgeät wirklich notwendig ist ? HD
an die anwesenden kommentatoren, die sich mit ALG II auskennen: wie ist die rechtslage, wenn man die kontrolleure nicht in die wohnung lassen möchte? muss man kürzungen akzeptieren? gibt es dazu rechtsprechung? auch ein diesbzgl. internet-forum würde mir helfen!
danke!
@ martin
Schau mal <a href="http://erwerbslosenforum.ipx14465.ipxserver.de/" rel="nofollow">hier</a> oder vielleicht <a href="http://suboptimales.wordpress.com/" rel="nofollow">hier.</a>
MfG
Danke für den Zuspruch und (Schande über mein Haupt!) entschuldigt die Rechtschreibfehler…;-)
@Corax – Danke für den Link :-)
@Martin – Unser Hartz IV Forum http://www.hartz4-forum.de
mfg Dirk
@ martin:
Die Kontrolleure müssen auf jeden Fall angemeldet sein und einen Grund haben für einen Hausbesuch. Einfach mal so schnüffeln aus Lust und Laune ist nicht.
Wenn sie jedoch einen triftigen Grund haben, ist es nicht besonders empfehlenswert, den Zutritt zur Wohnung rundheraus zu verweigern, denn dann kann es sein, daß die Leistungen schlichtweg gestrichen werden. Im Prinzip ist die Rechtslage dann erst mal völlig egal, denn wenn kein Geld mehr fließt, hast auf jeden Fall DU erstmal ein Problem, nicht die ARGE. Ich glaube, man nennt das dann "die normative Kraft des Faktischen". ;-)
schonmal vielen dank für die tipps! hab schon interessantes gefunden, ist aber übrigens nicht für mich, studiere selber noch.
aber jetzt mal vielleicht ne frage, die mich tatsächlich selbst betrifft: ich studiere noch (noch ca. 4 monate), bin aber schon aus der studentischen krankenversicherung raus. ich habe (aufgrund der examensphase) keinen job, sondern bekomme nur 350 euro taschengeld von meinen eltern. seit 6 monaten frisst die krankenversicherung ein drittel meines monatseinkommens auf und sie wird demnächst NOCHMAL um 50 euro teurer, weil ich dann nämlich in den ganz normalen KK-tarif gehen muss (laut kasse). stimmt das wirklich? gibt es keine alternative?
@76/martin
und noch ein Link der alles erklären sollte
google.de/search?q=Urteil+Hausbesuche+Hartz+4
#k.
Angebot. Nachfrage.
Es wird sich jemand finden, der/die den Job für das Geld macht. In diesem Fall hätte der Arbeitgeber alles richtig gemacht. Niemand zahlt für irgendetwas mehr als unbedingt nötig- warum auch. Gäb's dann wenigstens Applaus von der sozialen Kuschelgruppe hier?
Wer etwas kann, der verdient auch mal eben "ein paar" Euro mehr pro Stunde. Wer nicht kann, bekommt (fast)nichts. Irgendwie logisch, nur diese Logik haben einige wohl mittlerweile vergessen.
"Niemand zahlt für irgendetwas mehr als unbedingt nötig- warum auch."
Ach nein? Muss eine kalte Welt sein, in der Sie leben. In meiner Welt gibt es Menschen, die mehr zahlen, als sie müssten, z.B. für grünen Strom, für Bio-Gemüse, für Produkte, die ohne Kinderarbeit hergestellt werden… Manche spenden sogar an caritative Organsisationen, und bekommen noch nicht mal was dafür zurück!
Aber träumen Sie ruhig weiter vom homo oeconomicus und von der "unsichtbaren Hand" und denken Sie bloß nicht über Machtkonstellationen nach, die, gerade auf dem Arbeitsmarkt, möglicherweise einen echten, fairen Wettbewerb verhindern könnten.
@84(Inge)
Wie aber wollen Sie argumentieren, wenn Sie teure Brötchen verkaufen? "Ich zahle meinen Angestellten mehr, als ich müsste"? Wenn die Konkurrenz Niedriglöhner beschäftigt, dann bleibt Ihnen auch keine Wahl. Und davon abgesehen: Bezahlung nach dem Leistungsprinzip ist fair. Und manche Jobs sind halt keine 10.- Euro/h wert.
Hoffentlich haben wir in Deutschland bald einen Mindestlohn! Und schaffen einen Straftatbestand für diese Inserate.
@86/Grünwähler
(Gewagter Name – das nur nebenbei)
Es gibt StGB 266a/291.
#k.
@Arbeitgeber
Dann definieren Sie doch bitte mal "Leistung". Glauben Sie wirklich an das Märchen, Löhne spiegelten die Produktivität des Arbeitnehmers wider? Wo Produktivität ausgerechnet in den hierarchisch höherstehenden, gut bezahlten Jobs doch gar nicht mehr wirklich messbar ist.
Und was die Brötchen betifft: Mit Qualität? Bei meinem Bio-Bäcker klappt das zumindest super.
@83 Falsch! Wer nichts kann, der kann lediglich keine ausreichenden Löhne zahlen! ;-)
Desweiteren kann sich ein Gehalt auch nicht ausschließlich nach den Fertigkeiten einer Person bemessen. Wie ich schonmal erwähnte, ist der Arbeitsmarkt nur dem Namen nach ein Markt. Einfach zu glauben, der würde sich schon von allein bereinigen und sich irgendwo einpendeln, ist gefährlich. Was passiert denn mit den Anbietern, die von diesem Markt verdrängt werden. Ein Gewerbe kann man abmelden; einen Konzern abwickeln, Arbeitnehmer lösen sich gewiss nicht so einfach auf. Deine Logik in Ehren, denk bitte auch zu Ende. Meinetwegen bemühe N-U-R deine liberale Logik und schau nochmal bei Adam Smith vorbei. Sogar er ging ehedem davon aus, das der Markt nicht alles Regeln kann und ein Rahmen gesteckt werden muss.
@85 Genau, manche Jobs sind einfach nicht mehr wert. Warum aber muss sie dann jemand machen? Offenkundig tragen sie doch nichts zur Wertschöpfung bei. Weshalb sucht man sich dann hierfür überhaupt Leute, die sie ausführen? Kann die nicht einer von denen, wie Nr. 83 sagte, Leuten machen, die mehr können? Quasi so im Vorbeigehen?
@89
Adam Smith meinte ja auch, daß die untere Grenze eines Lohnes sich daran bemisst, was der Arbeiter braucht um zu überleben.(sinngemäß)
So , und mein Senf:
Ein Unternehmen , welches nicht in der Lage ist seine Arbeitnehmer zu ernähren, hat keine Daseinsberechtigung. Oder der Arbeitgeber ist einfach nur unfähig, aber warum sollte die Allgemeinheit für die Ünfähigkeit aufkommen??
Dank Hartz 4 führt halt kein Weg an Mindestlohn mehr vorbei. Denn selbst wenn man den Arbeitsmarkt mit Angebot und Nachfrage erklären würde, wäre dieser Markt durch den Arbeitszwang8Hartz 4) einseitig gestört.
Wenn man alle Bauern auf den Wochenmarkt dazu zwingen würde ihre Kartoffeln verkaufen zu müssen, dann wäre das ja quasi ne Auktion nach unten. Besonders bei dem Überangebot an Kartoffeln(Arbeitslosen).
Dem Inhaber der Bäckerei mache ich folgenden Vorschlag: Wenn man sich keine anständig bezahlte Arbeitskraft leisten kann, sollte man den Job am besten selber erledigen und sich selbst in den Laden stellen. Eigentlic eine einfache Lösung. Wenn ich also 2,50€ die Stunde verdienen möchte, dann wandere ich in die Dritte Welt aus! Da sind dann wenigstens die Lebenshaltungskosten geringer…
Bei dem 1€ Job, den ich zur Zeit machen darf, arbeite ich 30 Std. die Woche und bekomme pro Stunde 1,40€
Stundenlohn von 2,75€: http://tinyurl.com/6xepyw