8.10.2008

Der falsche Rausch

Um 8.34 Uhr gehe ich aus dem Haus. Der erste Mann, den ich sehe, hat eine Bierflasche in der Hand. Er ist auf dem Weg in die wenige Meter weiter gelegene Säuferstube, die sich als Kiosk tarnt. In der Straßenbahn sitzen nicht wenige Fahrgäste, die von Alkoholekzessen der Nacht – und unzähligen zuvor – gezeichnet sind.

Vor und im Amtsgericht die übliche Alkiparade. Unschwer zu erkennen und im übrigen branchenbekannt, wer vom Personal, den Anwälten oder den Besuchern sich gerne mal die Kante gibt. Vielleicht nicht um diese Uhrzeit, aber spätestens ab Mittag darf gezwitschert werden; urige Altstadtkneipen sind nur wenige Meter entfernt. Oder das Carschhaus, wo man zum Snack in der Delikatessa wie selbstverständlich ein, zwei, drei Weinchen schlürft.

In den Kiosken läuft ohnehin Schnaps schon morgens besser als der Express. Ich sitze nach dem Gerichtstermin im Kaffeehaus und überlege, wie viele Angehörige, Freunde, Bekannte, aber auch Mandanten Alkoholprobleme hatten oder haben. Die Zahl ist beträchtlich, erschreckend.

Sie alle haben durchweg einen Vorteil. Wenn es nicht mehr weiter geht, können sie sich eine Auszeit nehmen. Krankschreibung, Therapie, Reha. Sofern nicht alles unwiederbringlich in Scherben liegt, warten Job und Familie auf einen Neuanfang. Alkoholismus ist eine Krankheit. Man hat Verständnis, das soziale Netz ist gespannt für jene, die sich hineinfallen und wieder aufbauen lassen möchten.

Aber, und das ist viel wichtiger: Kein Polizist, Staatsanwalt oder Richter interessiert sich dafür, ob und wie viel du säufst.

Mein Mandant dagegen kann auf Letzteres nicht hoffen. Er hat sich nämlich nicht gesellschaftstauglich berauscht, sondern mit Heroin. Er hat in diesem Fall niemanden bestohlen und keinen verletzt, außer vielleicht sich selbst mit der Droge. Aber stolze 0,6 Gramm Heroin zum Eigengebrauch bringen die Staatsgewalt unerbittlich gegen ihn auf. Das Ergebnis: sechs Monate Gefängnis. Ohne Bewährung.

Zum Glück bin ich nicht Strafrichter. Die Schizophrenie des Betäubungsmittelsrechts würde mich früher oder später wohl nach Trost suchen lassen, durch welche chemische Substanz auch immer.

136 Kommentare zu “Der falsche Rausch”

  1. kaputnik meint: (8.10.2008 um 10:42) AntwortenReply to this comment

    "Zum Glück bin ich nicht Strafrichter. Die Schizophrenie des Betäubungsmittelsrechts würde mich früher oder später wohl nach Trost suchen lassen, durch welche chemische Substanz auch immer."

    vollziehe ich völlig nach. Und nicht nur im BTM.

    Ich warte zum Beispiel darauf, dass mal ein Schutzpolizist, der bei einer nächtlichen 4:00 Uhr – Abschiebung einer Familie mit schulpflichtigen Kindern (die Familie darf hierbei gerne wie es so schön heißt, "integriert" sein) dabei ist, sich weigert unter Berufung auf Art 1 "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

  2. Hobbyjurist meint: (8.10.2008 um 10:46) AntwortenReply to this comment

    Man kann auch in anderen Dingen Trost finden als in chemischen Substanzen.

  3. Caspar Hauser meint: (8.10.2008 um 10:52) AntwortenReply to this comment

    @ UV

    Als jemand, der in seiner Zivi-Zeit mit Heroinsüchtigen gearbeitet hat, begrüße ich diesen Artikel ausdrücklich. Auch wenn gleich das Geschrei losgeht, Heroin sei die schlimmste Droge und müsse geächtet bleiben – eine Erfahrung, die ich gemacht habe war definitiv, dass der "klassische" Heroinjunkie absolut "normal" im Kopf war. Die jüngeren Konsumenten, die sich noch zahlreiches systhetisches Zeug eingepfiffen haben, waren aufgrund ihrer permanenten Psychosen und Persönlichkeitsstörungen auf jeden Fall wesentlich anstrengender.

    @1

    Es gab mal einen Lufthansa-Piloten, der einen Abschiebehäftling in den Irak oder nach Afghanistan (glaube ich – müsste man recherchieren) ausfliegen sollte. Da der Pilot die Hoheit an Bord des Flugzeugs besitzt, hat er kurzerhand gesagt, er flöge erst ab, wenn der Mann das Flugzeug verlassen habe.

    Ist ein paar Jahre her, und ich weiß auch nicht, was danach passiert ist. Aber es kam damals relativ groß in die Presse.

  4. studiosus juris meint: (8.10.2008 um 11:03) AntwortenReply to this comment

    ich finde, heroin wird durch den artikel doch verharmlost.
    natürlich ist es verwerflich, sich mittags schon zu "bedüdeln".
    aber andererseits ist es doch nicht nur sozialüblich, sondern auch verständlich, z.b. abends ein glas wein zu trinken. und das nicht mal täglich.
    die version, sich einmal pro woche abends eine gemtüliche spritze zu setzen, gibt es wohl nicht.
    also sprechen für mich gefährdungs- und suchtpotenzial sowie auch die sozialüblichkeit contra heroin und pro alkohol.

    etwas weiter gedacht:
    angenommen, heroin würde legalisiert. ein autofahrer weiß, wieviel alkohol in einer flasche bier enthalten ist, und wann er noch z.b. fahrtauglich der wieder nüchtern ist.
    welcher junkie kennt aber bitte den wirkstoffgehalt seiner afghanischen droge?
    von anderen streckmitteln und verunreinigungen mal ganz abgesehen…

  5. Mathias Schindler meint: (8.10.2008 um 11:06) AntwortenReply to this comment

    @studiosus:
    Gedankenfehler. Angenommen, Diamorphin würde aus den Anhängen des BtMG verschoben (beispielsweise in die Rubrik der verschreibungsfähigen, verkehrsfähigen BtM), würde man natürlich nicht afghanische Produkte unbekannter Qualität verschreiben, sondern Diamorphin von Martindale Pharmaceuticals, die in UK unter legalen Bedingungen produzieren.

  6. Cheetah meint: (8.10.2008 um 11:06) AntwortenReply to this comment

    @4: Genau, jeder weiß, daß man nach 2 Maß Bier noch fahrtauglich ist.

  7. BV meint: (8.10.2008 um 11:08) AntwortenReply to this comment

    Das war ja ein richtig poetischer Beitrag. Man spürt die Urlaubsentspannung, die sich gerade mit dem Alltag mischt.

  8. Tupu meint: (8.10.2008 um 11:08) AntwortenReply to this comment

    @3

    Hier ein Link zur (ähnlichen!?) Geschichte.

    Außerdem aus: http://www.fluechtlingsrat-nrw.de/2449/

    Zitat:
    301 Abschiebungen mussten aufgrund von Widerstandshandlungen der Betroffenen abgebrochen werden. Wegen medizinischer Bedenken wurden weitere 76 Abschiebungen abgebrochen, wegen der Weigerung des Piloten 111 Abschiebungen. Bei 50 Personen weigerten sich die ausländischen Behörden, die Abgeschobenen zu übernehmen.
    –Zitatende—

    Es ist also nicht ungewöhnlich, dass Piloten eine Abschiebung ablehnen. Ob dies aus Zivilcourage passiert oder aus Bedenken um die Sicherheit oder das eine als Vorwand für das andere sei mal dahingestellt!

  9. DeguSan meint: (8.10.2008 um 11:10) AntwortenReply to this comment

    Ich bin sowieso schon seit langem für einen stricktes Verbot von starken alkoholschen Getränken. Alkis gehören zu den abstossensten Junkis. Es gibt weit schlimmerer Krankheiten, für die der Erkrankte nichts kann, die nicht als solche anerkannt werden. Alkis sind (zu 99,99%) selbst an der Abhängikeit schuld und werden vom Gesetz bevorzugt geschützt. Das ist doch irgenwie wiedersinnig.

  10. Anon123 meint: (8.10.2008 um 11:13) AntwortenReply to this comment

    @4:

    erstens: wenn heroin legal wäre, würde der staat den stoff herstellen/beschaffen (siehe cannabis in holland). damit hättest du dann sehr wohl eine garantie darauf, dass der stoff nicht verunreinigt ist.

    zweitens: falls du deinen horizont erweitern möchtest, frag mal jemanden der sich mit drogen beruflich beschäftigen muss, welche droge (alkohol oder heroin) er für schlimmer hält. die beantwortung der frage wird ihm wesentlich schwerer fallen, als dir. versprochen

    drittens: heroin muss nicht zwangsläufig intravenös konsumiert werden.

    viertens: wo wird denn bitte in dem artikel heroin verharmlost? es wird verglichen und ganz ehrlich, ich würde einen goldenen schuß dem delirium / langsamen tod durch leberversagen vorziehen.

  11. David meint: (8.10.2008 um 11:13) AntwortenReply to this comment

    @4:

    "angenommen, heroin würde legalisiert. ein autofahrer(…)"

    Denk da bitte nochmal drüber nach.

  12. kaputnik meint: (8.10.2008 um 11:20) AntwortenReply to this comment

    @4 studiosus
    u.a.:
    "die version, sich einmal pro woche abends eine gemtüliche spritze zu setzen, gibt es wohl nicht."
    "also sprechen für mich gefährdungs- und suchtpotenzial sowie auch die sozialüblichkeit contra heroin und pro alkohol."

    "Sozialüblich" mag man als Argument vielleicht heranziehen wollen, Sinn macht es aber nicht. Gefährdungs- und Suchtpotenzial sprechen ganz klar gegen beide Drogen. Alkohol ist auf der Liste der gefährlichen und gesellschaftlich unverträglichen, ja in jeder Hinsicht schädlichen Drogen ganz oben mit dabei.

    Das Heroin auf solchen Listen (mir fehlt jetzt der Nerv, Quellen herauszusuchen) auch ganz oben erscheint ist in erster Linie eine Folge der Illegalisierung (Stichworte zum Beispiel "Reinheit", "Beschaffungskriminalität", "Verwahrlosung") und nicht der Substanz "Heroin".

    Und was die Beschaffungskriminalität angeht: So wie Hochprozentiges und Kippen in Supermärkten hinter Gittern und verschlossenen Türen mit Glöckchen gesichert werden, auch diese Süchtigen sind bereit, den Stoff zu klauen.

    Das durchschnittliche Wissen über illegalisierte Drogen und deren tatsächliche gesundheitliche und gesellschaftliche Implikationen ist leider weiter sehr gering bzw. in sehr weiten Teilen schlicht falsch.

    Ich empfehle unter anderem die Bücher von Günter Amendt.

  13. Hein meint: (8.10.2008 um 11:22) AntwortenReply to this comment

    Ähm, ein SuchtKRANKER(!) landet im Knast? Wäre nicht das Verdonnern zu einer Therapie die bessere Möglichkeit?

  14. Inge meint: (8.10.2008 um 11:29) AntwortenReply to this comment

    @4 Super Argumentationskette. Weil Heroin nicht "sozialüblich" ist, sollte es auf keinen Fall "sozialüblich" sein. Aha. Und ein Zirkelschluss ist ein Zirkelschluss isteinzirkelschlussistein…
    Meine Güte, von einem laut Pseudonym "Gstudierten" würde ich schon erwarten, dass er mal nachdenkt, bevor er herumkommentiert.

    P.S. Bevor ich's vergesse: Ich bin NICHT für eine Legalisierung von Heroin. Aber bei Strafverfahren sollte dann schon berücksichtigt werden, dass Sucht eine Krankheit ist (die Definition von Sucht ist ja gerade, dass man nicht davon loskommt, selbst wenn man möchte).

  15. kaputnik meint: (8.10.2008 um 11:29) AntwortenReply to this comment

    @3, @8
    "Piloten, die sich weigern"

    Ich meine, in erster Linie wird bei diesen Weigerungen die Sicherheit herangeführt, z.B. dass ein Gefesselter sich nicht im Notfall retten kann. Oder aber auch die Zumutung für alle, gefesselte Personen an Bord zu haben. Aber natürlich kann auch ein, sagen wir mal, kritischer Pilot politische oder menschliche Erwägungen hinter den unantastbaren Sicherheitsbedenken prima verstecken.

    Wie gesagt, würde ich mich freuen, wenn es auch Polizeibeamte gibt, die bei diesem unglaublichen Wahnsinn sich mitzumachen weigern. Bei meinem Urteil beziehe ich mich auf die Berichterstattungen in magazinartigen Formaten, wie zum Beispiel "Spiegel TV", in denen schon öfters über nächtliche Überfallabschiebungen voll integrierter Familien berichtet wurde.

  16. Loona meint: (8.10.2008 um 11:37) AntwortenReply to this comment

    @DeguSan
    Ob Alkoholiker "selbst an der Abhängikeit schuld" sind ist keineswegs so klar, wie Du es darstellst: Zum Beispiel neigen Kinder von Süchtigen später eher dazu, selbst süchtig zu werden. Ist man an seinen Eltern dann auch selbst schuld? Die Lage ist dann wohl doch etwas komplexer, meinst Du nicht?

    Aber davon mal ganz abgesehen: Wo werden Alkoholiker denn bitte "vom Gesetz bevorzugt geschützt"? Was Du meinst ist wohl eher: "Werden Alkoholiker nicht" – wie viele andere Drogenkonsumenten – "vom Gesetz benachteiligt und verfolgt."

  17. scipio meint: (8.10.2008 um 11:40) AntwortenReply to this comment

    @kaputnik, Sie sind ein Anarchist. Gut für Sie, schlecht für die Gemeinschaft, noch schlechter für den Rechtstaat.

  18. studiosus juris meint: (8.10.2008 um 11:41) AntwortenReply to this comment

    @5/11: wäre das industriell proudzierte (in kleinen mengen vermutlich) dann nicht wohl teurer, als der billige schmuggler-import? dann wäre wohl klar, wer sich wo weiterhin den stoff besorgt.

    dass alkohol ein sehr hohes suchtpotenziel aufweist, ist auch mir bekannt. aber dennoch kam noch kein gegenargument dazu, dass es sehr wohl möglich ist, in unregelmäßigen abständen ein glas wein zu genießen, es aber wohl kaum möglich ist, sich "mal" eine spritze zu setzen. oder für #11: heroin zu rauchen.

    anderer gedankengang: mehrere studien haben beispielsweise bei gemäßigtem (!) konsum von rotwein durchaus positive effekte für das herz-kleislauf-system feststellen können.
    jeder hat in der hand, welche menge er konsumiert.
    ein vergleichbarer positiver aspekt ist mir bei heroin nicht bekannt, wobei ich drogentrips nicht zu positiven effekten zähle.

    nochmal @11: wenn ich z.b. einen sozialarbeiter frage, ob er heroin oder alkohol schlimmer findet, mag es sein, dass ihm die antwort schwer fällt. es kommt aber immer darauf an, woran man "schlimmer" festmacht. wenn man es an der anzahl der abhängigen festmacht, ist es natürlich der alkohol. die anderen anknüpfungspunkte – von denen es wie oben erwähnt eine vielzahl gib – sprechen mE deutlich gegen heroin. ich wüsste auch nicht, warum das ein "drogen-profi" anders sehen sollte.
    nehmen wir mal an, alle alkoholiker steigen sofort auf heroin um und alle heroinkonsumenten konsumieren ab sofort nur noch alkohol (entzugserscheinungen etc. außen vor gelassen). wäre die situation dann besser? ich denke nicht!

    womit ich bei #13 bin: warum soll sozialüblichkeit keinen sinn machen bei alkohol? natürlich, statt mich mit freunden auf ein bier zu treffen, kann ich mich auch auf eine cola treffen. aber wir diskutieren hier ja den vergliech alkohol-heroin.
    und es ist meines erachtens sozialüblicher und ungefährlicher sich auf ein bier statt auf eine spritze zu treffen.

    @ 15: vielleicht haben sie beim aufmerksamen durchlesen bemerkt, dass dies nicht mein einziges argument war. zudem ist sozialüblichkeit kein feststehender begriff, sondern kann durchaus als momentaufnahme in einer gesellschaft gesehen werden.
    und ob da alkohol oder heroin sozialüblicher ist, können sie sich ja selbst überlegen.

    soviel vom "Gstudierten", der auch heute zum mittagessen wieder keinen alkohol trinkt.

  19. anonym meint: (8.10.2008 um 11:44) AntwortenReply to this comment

    Zwar habe ich noch nie Drogen genommen, und eine solche Einnahme würde mich auch nicht interessieren; und Alkohol halte ich zwar für konsumierbar, aber keineswegs für lebenswichtig; dennoch bin ich im Laufe der Jahre en passant und fast zwangsläufig zu der Überlegung gelangt, daß eine Drogenlegalisierung eigentlich überfällig wäre in einem Staat, der sich freiheitlich-demokratisch nennt – zumal keine wirklich ernsthaften Argumente dagegen zur Verfügung stehen. Denn daß etwas seit langem illegal ist, bedeutet doch wohl keinen ausreichenden sachlichen Grund für ein weiterhin wirkendes Verbot (obwohl das mancher meint). Es ist eine Art Prohibition, nur daß die historisch bekannte Prohibition wohl vermutlich aufgrund der höheren Popularität des Alkohols viel eher zum Scheitern verurteilt war.
    @4 Wenn man Kraftfahrern beim und vor dem Fahren die Einnahme von Alkohol und Drogen gänzlich verböte, dann wäre das für mich ein durchaus nachvollziehbares Verbot. (Rauchen kann der Fahrer ja.) Mit einer erfolgreich durchgeführten Legalisierung von Drogen hat das Fahren unter bzw. ohne Drogen ja überhaupt nichts zu tun.

  20. Loona meint: (8.10.2008 um 11:50) AntwortenReply to this comment

    @stuiosus juris
    Der hohe Preis illegaler Drogen erklärt sich daraus, daß sich die Dealer ihr Risiko bezahlen lassen. Legales Heroin kostet nur ein Bruchteil des illegalen: Billiger und besser.

  21. dk meint: (8.10.2008 um 11:51) AntwortenReply to this comment

    @9 Es reicht einmal Dr.Wiki zu fragen, denn jener sagt das Folgende:

    Der Begriff Abhängigkeit (umgangssprachlich: Sucht) steht in der Medizin und klinischen Psychologie für das unabweisbare Verlangen nach bestimmten Stoffen oder Verhaltensformen, durch die ein kurzfristig befriedigender Erlebniszustand erreicht wird. Diesem Verlangen werden nach Verständnis der Weltgesundheitsorganisation die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und kann die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums beeinträchtigen oder zerstören, was sehr häufig der Fall ist. Abhängigkeit wird von der WHO als Krankheit eingestuft [1]und nicht als Willens- oder Charakterschwäche.
    ——
    Sucht ist ein sehr komplexes und unterschätztes Problem, zudem es dazu noch verschiede Suchtformen gibt, gilt es schlicht Pauschalisierungen zu unterlassen.

    Leider hört man Meinungen, wie sie der Verfasser Kommentars Nummer 9 verfasst hat, vermehrt und teilweise auch deutlich drastischer. Liegt darin eine grundsätzliche Unwissenheit oder gar eine gewollte Unwissenheit oder ist es die Fortsetzung des zerbröckelnden Sozialgefühls?
    Sind solche Damen und Herren wissentliche oder manipulierte Jünger der durchrationalisierten kalten Zivilisation?

    Lesetipp: http://www.zeit.de/2008/12/Heroin

  22. Detlev T. meint: (8.10.2008 um 11:54) AntwortenReply to this comment

    Es mag ja so aussehen als wenn die Strafverfolgung des BTMG vor allem die Konsumenten trifft. Dagegen zwei Argumente:

    1) Wenn der Staat etwas verbietet, dann muss er das Verbot auch durchsetzen. Und das geht nun einmal nur mit Strafen.
    2) Der Staat erlässt auch in anderen Bereichen Verbote, um seine Bürger zu schützen. Beispiele wären da die Gurt- und Helmpflicht im Straßenverkehr oder die Rezeptpflicht bei Medikamenten. Dass konkret Alkohol (ca. 5% der Konsumenten sind abhängig) erlaubt ist, Heroin (Abhängige nahe 100%) hingegen verboten, ist zwar im Grunde eine politische Entscheidung, die ich aber nachvollziehen kann.

  23. kaputnik meint: (8.10.2008 um 11:56) AntwortenReply to this comment

    @18 scipio
    "Sie sind ein Anarchist. […]"

    Ja? Woraus schließen Sie das? Weil ich die gängige Abschiebungspraxis (insbesondere in solchen wie von mir geschilderten Fällen) als eine Verletzung von Art. 1 sehe?

  24. Loona meint: (8.10.2008 um 11:57) AntwortenReply to this comment

    @studiosus juris
    Tut mir ja echt leid, aber Du offenbarst hier nur, daß Du vom Thema offenbar keine Ahnung hast:

    Selbstverständlich wird Heroin auch geraucht. In der Tat steigen die meisten User mit Rauchen oder Schnupfen ein, und greifen erst zur Nadel, wenn sie schon längst süchtig sind. (Der intravenöse Konsum ist "effizienter", man braucht weniger Stoff für den gleichen Effekt.)

    Ich glaube auch daß es sehr viel schwieriger ist gelegentlich Heroin zu konsumieren, ohne abhängig zu werden. Aber ich habe durchaus schon Fälle erlebt, wo das Jahre lang gut gegangen ist. Ein Spiel mit dem Feuer, auf das sich möglichst niemand einlassen sollte, ist es natürlich immer.

    Ich weiß auch nicht was die Lösung für das Heroinproblem ist. Die Prohibition in ihrer momentanen Form macht aber alles nur noch schlimmer.

  25. Estigy meint: (8.10.2008 um 11:59) AntwortenReply to this comment

    @4

    "ein autofahrer weiß, [...] wann er noch z.b. fahrtauglich der wieder nüchtern ist.

    Das meinst du aber nicht wirklich ernst, oder? Es gibt zwar gesetzliche Grenzen, aber dass jemand tatsächlich weiß, ob er über dieser Grenze ist, sei dahingestellt. (Von Extremen natürlich abgesehen.)
    Ebenso kann wohl jeder aus seinem persönlichen Bekanntenkreis Beispiele bringen, die die von dir prokolamierte Selbsteinschätzungsfähigkeit alkoholisierter Personen allzu reichlich widerlegen.

    LG, E.

  26. Loona meint: (8.10.2008 um 12:02) AntwortenReply to this comment

    Ach ja… Zu "Heroin kann keine gesundheitlichen Vorteile bringen": Warum wurde es dann so lange als Medikament verkauft? – Es wirkt tatsächlich hervorragend gegen Schmerzen, Hustenreiz und Depressionen.

    Nicht, dass ich die Nebenwirkungen für akzeptabel hielte; Aber bei einem ehemaligen Wundermedikament zu behaupten es gäbe keinen medizinischen Nutzen ist einfach lächerlich.

  27. kaputnik meint: (8.10.2008 um 12:03) AntwortenReply to this comment

    @19 studiosus
    "dennoch kam noch kein gegenargument dazu, dass es sehr wohl möglich ist, in unregelmäßigen abständen ein glas wein zu genießen, es aber wohl kaum möglich ist, sich “mal” eine spritze zu setzen. oder für #11: heroin zu rauchen."

    Sie haben keine Ahnung vom Thema. Es ist sehr wohl möglich, als Heroinsüchtiger sowohl steinalt zu werden wie auch täglich zur Arbeit zu gehen und ein, wenn auch süchtiges, normales Leben zu führen. Es ist übrigens nicht richtig, dass einmaliges Rauchen (oder auch Spritzen) sofort und unvermeidbar zur Sucht führt.

    Die Junkies, die man in den Medien präsentiert, sind natürlich süchtig. Ihre Verwahrlosung und ihre Position außerhalb der Gesellschaft ist eine Folge des rechtlichen Status' der Droge.

    Informieren Sie sich. Sonst glauben Sie es einfach.

  28. Andreas Bergkirchen meint: (8.10.2008 um 12:10) AntwortenReply to this comment

    Das alles ist selbstvertsändklich nicht neu und hatte sogar bizzare Ausmaße.
    Während sich bereits vor 30 Jahren 16-jährige mit Bier um den Verstand saufen konnten, wurde dem Reggae-Musiker Peter Tosh verboten, während seiner Tournee seine Liedbotschaft "Legalize It" zu singen. Der Titel kam auf den Index.
    Am Rande: Wenn es einen Alkoliker gibt, gibt es dann nicht auch einen Nikotiniker?

  29. hanswurst meint: (8.10.2008 um 12:11) AntwortenReply to this comment

    @19:
    Dann müssen Sie aber auch die Konsumart gleich wählen. Alkohol kann man sich nämlich auch direkt in die Venen jagen.

  30. Rudi meint: (8.10.2008 um 12:14) AntwortenReply to this comment

    …der Alk ist auch noch dran. Jetzt ist ja schon Tabak gesellschaftlich verpönt und an jeder Ecke, z.B. auch auf FREIbahnsteigen der S-Bahn- dort besteht bestimmt keine "Passiv-Rauch-Gefahr" – Rauchverbot.
    Im Fußballstadion gibts bei uns auch meist nur noch Leichtbier oder Bleifrei (Champions-League-Spiele)

    Ich warte auf den Tag, an dem wir alle nur noch dasitzen dürfen, und mit Öko-Wolle strickend unser Staatsfernsehen ARD angucken dürfen. Vielleicht dürfen wir dann auch noch mit Windoof und Internet-Explorer die Web-Seiten des ZDF angucken.
    Dafür reihern wir doch gerne in die ersten Sitze…

  31. studiosus juris meint: (8.10.2008 um 12:16) AntwortenReply to this comment

    @Loona #25: wo habe ich bitte keine ahnung, im hinblick auf #11 habe ich oben sehr wohl geschrieben, dass sich heroin auch rauchen lässt. vielleicht sollten sie nicht zwanghaft ironie in meinen posts suchen, wo es keine gibt.

    #27: ich spreche lediglich von nutzen unter abwägung von positivem nutzen und den damit einhergehenden nebenwirkungen und prozentuale rate der abhängigen.

    @28: wo habe ich denn bitte geschrieben, dass heroin nach erst- oder zweitkonsum schon süchtig macht? -nie.
    bestimmt gibt es auch heroinkonsumenten, die ihre sucht vor familie, freunden und kollegen geheimhalten können. genaue zahlen kenne ich zwar nicht – aber glaube, dass dieser personenkreis nicht mehr als der untere, einstellige prozentbereich ist.
    im übrigen war das ja wohl kein brauchbares gegenargument. wer in gemütlicher atmosphäre über einen durchaus längeren zeitraum (stichwort: genießer) ein glas wein trinkt, kann doch nicht gleichgesetzt werden, mit einem "genießer", der kurz raucht oder spritzt.
    im übrigen, kaputnik, sollten sie, bevor sie mir ahnungslosigkeit unterstellen, doch lieber meine beiträge genauer durchlesen und schauen, ob ich überhaupt das von ihnen angeprangerte überhaupt so geschrieben habe (stichwort: süchtig nach erstkonsum).

    @30: in meiner völligen unkenntnis vom thema, die ja hier schon von loona und kaputnik glaubhaft dargelegt wurde, bin ich einfach so laienhaft und setze das rauchen und spritzen von heroin in wirkungsdauer, gefahr und suchtpotenzial gleich. sollten sich aber gravierende unterschiede ergeben, lasse ich mich gerne aufklären.
    oder diskutieren wir hier jetzt gleich darüber ob man alkohol auch rauchen kann ;)

  32. Anon123 meint: (8.10.2008 um 12:20) AntwortenReply to this comment

    @studiosus juris: du sitzt da grundlegend einer durchgehend übertrieben negativen berichterstattung in den medien auf, die zwar m.e. sinnvoll ist um unsere kinder vor drogen zu bewahren, aber bei ner unterhaltung zwischen erwachsenen unangebracht ist ;)

    @Loona: es gibt doch sinnvolle ansätze. beispielweise die kontrollierte abgabe von heroin an schwerst suchtkranke (hoffnungslose fälle). das wird regional noch von der cdu blockiert, wird sich aber mit der dauer durchsetzen (imho).

  33. dk meint: (8.10.2008 um 12:20) AntwortenReply to this comment

    Lieber Rudi,
    sparen sie sich ihre Polemik.

  34. Gabriel meint: (8.10.2008 um 12:27) AntwortenReply to this comment

    Vielen Dank für diesen Artikel, Herr Vetter. Sie bringen den kaum tragbaren Status Quo sehr gut auf den Punk.

  35. justus123 meint: (8.10.2008 um 12:27) AntwortenReply to this comment

    @33:
    sachliche gegenargumente würden mich eher überzeugen, als mir zu unterstellen, ich würde auf schlechte medienberichte "hereinfallen".

  36. hanswurst meint: (8.10.2008 um 12:29) AntwortenReply to this comment

    @36: "auf den Punk."? Zufall oder Absicht? :D

  37. kaputnik meint: (8.10.2008 um 12:32) AntwortenReply to this comment

    @31 Rudi
    " z.B. auch auf FREIbahnsteigen der S-Bahn- dort besteht bestimmt keine “Passiv-Rauch-Gefahr” – Rauchverbot."

    Sehr wohl werde ich da öfter mit Rauch eingenebelt, als Sie es sich vielleicht vorzustellen vermögen. Es ist nur eine Frage der Windrichtung gepaart mit – jawohl – Rücksichtslosigkeit.

    Vor kurzem war ich in Kanada. Dort ist die Rauchverbotszone (ob freiwillig oder per Gesetz weiß ich nicht) auch im Umkreis von Türen (ca. 3-5m) verboten. Und ich finde es gut. Hierzulande kommt kein Raucher auf die Idee, sich vielleicht etwas abseits, also nicht direkt vor die Tür zu stellen.

  38. Anon123 meint: (8.10.2008 um 12:35) AntwortenReply to this comment

    38: jede drogen kann "genossen" werden und das drogenproblem zieht sich inzwischen durch alle gesellschaftsschichten. von der dxm-süchtigen schülerin (übrigens der nachfolger des heroins was die behandlung des hustens angeht), über den modafinil-konsumierenden studenten zum benzodiazepin-abhängigen familienvater. das bild vom punker der fixend am bahnhof sitzt ist vergangenheit. viele abhängige stehen erfolgreich im leben. lies doch mal in foren für abhängige/konsumenten und überdenke deine argumentation/weltbild in der angelegenheit.

  39. anonym meint: (8.10.2008 um 12:35) AntwortenReply to this comment

    @39 Militante Nichtraucher gibt es immer wieder – und jetzt immer mehr davon.

  40. kaputnik meint: (8.10.2008 um 12:37) AntwortenReply to this comment

    @33 Anon123
    "einer durchgehend übertrieben negativen berichterstattung in den medien auf, die zwar m.e. sinnvoll ist um unsere kinder vor drogen zu bewahren, aber bei ner unterhaltung zwischen erwachsenen unangebracht ist ;)"

    Sie ist nicht geeignet, Kinder vor Drogen zu bewahren. Die aktuelle Drogen"aufklärung" führt zu unmündigen Bürgern.

  41. kaputnik meint: (8.10.2008 um 12:40) AntwortenReply to this comment

    @33 studiosus
    "im übrigen, kaputnik, sollten sie, bevor sie mir ahnungslosigkeit unterstellen, doch lieber meine beiträge genauer durchlesen und schauen, ob ich überhaupt das von ihnen angeprangerte überhaupt so geschrieben habe (stichwort: süchtig nach erstkonsum)."

    Sie haben in #4 tatsächlich geschrieben:
    "die version, sich einmal pro woche abends eine gemtüliche spritze zu setzen, gibt es wohl nicht."

    Sie brauchen im übrigen ihr abendliches Gläschen Wein nicht zu rechtfertigen. Aber ihr verantwortungsbewusster Konsum von Wein ist kein Argument für die aktuelle BTM-Gesetzgebung.

  42. Noby meint: (8.10.2008 um 12:40) AntwortenReply to this comment

    Was ist eigentlich aus den "Heroin auf Rezept" Programmen in Frankfurt (?) und anderen Großstädten geworden? Wenn ich es noch richtig in Erinnerung hatte liefen die doch ganz gut, die Teilnehmer konnten wieder geregelter Arbeit nachgehen, ihr Gesundheitszustand verbesserte sich deutlich (geringere Behandlungskosten) und Beschaffungskriminalität (zumindest durch die Teilnehmer) fiel weg. Bis dann halt wieder von Seiten der "Law&Order-Ecke" gegen diese Programme geschossen wurde und man dafür kämpfte, die Mittel einzustellen.
    Der Abschnitt im Wiki-Artikel zu Heroin ist leider nicht mehr aktuell.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Heroin#Modellversuch_zur_heroingest.C3.BCtzten_Behandlung

    Wenigstens findet sich dort auch eine Preisangabe (Ende 2006) für pharmazeutisches Heroin, 155 SFr. für 8,71 gr. reine Base. Bin jetzt zu faul in meinem alten (2002) Merck-Katalog nachzuschlagen, ob das dort auch geführt wird. Kundige können das ja mal mit dem Schwarzmarktpreis vergleichen, würde mich sehr interessieren.

  43. Loona meint: (8.10.2008 um 12:43) AntwortenReply to this comment

    @Anon123
    Ja, die Vergabe von Originalstoffen an Schwerstabhängige ist sicher eine gute Lösung für ein wichtiges Teilproblem. — Wenn man sie nicht auf jene beschränkt, die quasi schon halb tot sind.

    Bleibt die Frage was mit jenen passiert, die (noch) nicht schwerstabhängig sind.

    Noch ein anderer Aspekt, den man bedenken sollte: Das Drogenverbot nützt letztlich dem organisierten Verbrechen am meisten. Wären Drogen legal erhältlich wäre diesen Kreisen eine wichtige Einnahmequelle genommen.

  44. studiosus juris meint: (8.10.2008 um 12:44) AntwortenReply to this comment

    @40 wenn mir die diskussion aber derart ausweiten, dann suchen wir doch beispielsweise den vergleich mit crystal meth.
    schauen sie sich jemanden an, der 10 jahre täglich viel alkhol getrunken hat (wird sicher oft nicht zu bemerken sein), und jemand, der 10 jahre crystal meth genommen hat, wie z.b. hier das bild:
    http://mhough.com/wp-content/uploads/2006/11/methuse.jpg

    aber um ein obiges argument aufzugreifen: vielleicht wäre es ja gar nicht falsch, in einem liberalen, freien land alles substanzen zu legalisieren, dann würde sich so manches problem von selbst lösen.
    dem würde ich eben nur entgegenhalten, dass für den staat u.a. aus art. 2 gg auch eine schutzpflicht für seine bürger erwächst. und wie der staat dieser schutzpflicht nachkommt (stichwort: gesetzgeberische einschätzungsprärogative), wird von den leuten entschieden, die wir zu unseren vertretern gewählt haben. also hat es jeder selbst in der hand.
    mit den grünen haben wir ja schon eine pro-kiffer-fraktion im bundestag.

  45. scipio meint: (8.10.2008 um 12:56) AntwortenReply to this comment

    @kaputnik #24

    Natürlich sind sie kein Anarchist, wenn Sie sich über den Art. 1 GG so ihre Gedanken machen.Sie verlangen aber,dass sich ein Polizist aus Gewissengsgründen einer Anordnung der Judikative widersetzen sollte. Ihnen muss doch klar sein, dass so etwas Willkür wäre. Eine Abwesenheit des Rechtsstaates, also Anarchie.

  46. gerhardq meint: (8.10.2008 um 12:58) AntwortenReply to this comment

    Ich schätze die gesundheitlichen Gefahren von Alkohol höher ein als die von reinem Heroin. Alkohol schädigt direkt das zentrale Nervensystem und das Gehirn. Im fortschrittenen Stadium kommt es zu massiven Ausfallerscheinungen, wie Gedächtnislücken oder Korsakow-Syndrom. Auch andere gesundheitliche Probleme sind bekannt: Alkoholhepatitis oder Leberzirrhose.

    Von ähnlichen Ausfallerscheinungen habe ich im Zusammenhang mit Heroin noch nichts gehört. Die große Gefahr beim Heroin geht von den Streckmitteln aus, diese sorgen für Leberschäden etc.

  47. Anon123 meint: (8.10.2008 um 13:08) AntwortenReply to this comment

    #46: die crystalmeth-bilderreihen kenne ich. die hat eine auflagenstarke tageszeitung vor ein paar jahren in deutschland verbreitet und mal abgesehen davon, dass ich nicht deiner meinung bin, ein jahrelanger alkoholkonsum in hohen dosen würde spurlos an einem menschen vorübergehen, geht das am thema vorbei. es geht um prohibition und ihr scheitern, sowie falsche ansichten auf das drogenproblem an sich, womit ich mich #42 nur anschließen kann.

    Loona: ja, bin deiner meinung. ein generelles verbot hilft nur der organisierten kriminalität und wird das problem niemals lösen können. das erkennen inzwischen auch die briten und es ist in der öffentlichen diskussion angekommen. da drüben gibts wirklich politiker die sich öffentlich für ein ende der prohibition einsetzen. natürlich wird in den deutschen medien darüber nicht berichtet. wo kämen wir auch hin.

    der film layer cake geht im teil ganz gut auf das problem mit der org. kriminalität ein
    http://german.imdb.com/title/tt0375912/

  48. DeguSan meint: (8.10.2008 um 13:16) AntwortenReply to this comment

    @Loona:
    Ok, dann korrigiere ich die rein geschätzten 99,9% der selbst verschuldeten Alkoholabhängigen auf 95%. Im Prinzip soll die Zahl auch nur sagen, dass die weit aus größere Zahl der Abhändigen nicht ohne eigenes Verschulden in die Situation gekommen ist.
    Und bei bevorzugt Behandelt, denke ich so an Fälle wie den Autofahrer der mit über 3 Promille einen (für andere) tödlichen Unfall verursacht und eine vergleichsweise milde Strafe bekommt, da er ja durch seine „Krankheit“ nicht verantwortlich war. Oder etliche Beispiele im Arbeitsleben usw..
    Dagegen werden Menschen welche unverschuldet „erkrankt“ sind bzw. andere Anlagen seit ihrer Geburt bekommen haben missachtet und gar in der Gesellschaft geächtet. Um Diskussionen weit ab vom Thema zu vermeiden, verzichte ich lieber auf eine Aufzählung.

    Und zum Thema Raucher, auch diese sind einfach Süchtige. Wenn man sie dann auf ihr zwanghaftes Suchtverhalten hinweißt kommen die absurdesten Argumentationsketten zum Tragen. Ein schönes Argument, was ein Rauche wirklich ernst meinte, wenn ich sein Rauchverhalten als Suchtverhalten darstelle, dann hätte ich auch ein Suchtverhalten in Bezug auf Wasser, da ich ja auch regelmäßig was trinken Muss.

    Nur weil eine Droge in der Gesellschaft anerkannt ist, muss sie nicht ungefährlich sein.

  49. Weiterer Nichtraucher meint: (8.10.2008 um 13:19) AntwortenReply to this comment

    @41: Immer wieder toll wie man gleich als "militanter Nichtraucher" abgestempelt wird.
    Ich kenne das Phänomen mit den Rauchern an Haltestellen / auf Bahnsteigen auch sehr gut. Man stellt sich irgendwohin wo kein Raucher steht, weil einen der Rauch stört. Dann kann man eigentlich schon die Sekunden zählen bis sich ein Raucher in die Nähe stellt um zu rauchen. Denn die Raucher verteilen sich erfahrungsgemäß über den gesamten Haltestellenbereich, weil sie selber nicht den Qualm der anderen Raucher einatmen wollen. Anders kann ich mir die Verteilung nicht erklären.
    Es muss einfach eine Lösung geben, die es Nichtrauchern ermöglicht an einer Haltestelle zu stehen und nicht passiv rauchen zu müssen. Auch wenn dies in geschlossenen Räumen sicherlich viel schlimmer ist.
    Eine solche Lösung wurde durch das Rauchverbot gefunden und ich begrüße das sehr. Vielleicht ist es etwas schade, dass es keine andere Lösungsmöglichkeit gibt/gab.
    Ich finde es sehr ignorant und unverschämt jemanden als "militant" oder was auch immer hinzustellen, weil er nicht belästigt werden will. Ich stelle mich ja nicht neben Raucher und schicke die weg. Aber das man, wie früher, durch den Rauch quasi quer durch den Haltestellenbereich getrieben wird, kann es jawohl auch nicht sein.

    Der Sache mit den Hauseingängen kann ich nur zustimmen. Mir graust es auch öfter davor Gebäude nur durch Rauchschwaden betreten zu können. Aber wir Nichtraucher sollten uns vielleicht mehr darüber freuen jetzt immerhin in Gebäuden häufig verschont zu werden.

  50. Loona meint: (8.10.2008 um 13:19) AntwortenReply to this comment

    @studiosus
    Natürlich sind diese Bilder alarmierend. Aber daß Sie der Meinung sind daß ein ähnliches Ergebnis nicht auch durch Alkoholismus entstehen kann zeigt nur wieder: Von den Lebensrealitäten suchtkranker Alkoholiker haben Sie anscheinend genau so wenig Ahnung wie von den tatsächlichen Wirkungen von Heroin.

    Natürlich hat der Staat eine Schutzpflicht. Und in dieser Diskussion hat bis jetzt auch niemand gefordert Heroin einfach völlig frei zu geben. Es geht doch um einen Weg zwischen Totalverbot ("nicht verkehrsfähig") und totaler Freigabe: Eine Verschreibungsfähigkeit auf BTM-Rezept wäre z.B. eine Möglichkeit, die mir spontan einfiele.

    Und nun zur parlamentarischen Drogenpolitik: Mit dem Thema liberalere Drogenpolitik – z.B. Cannabis-Legalisierung – wird von den üblichen Verdächtigen, also Grünen und FDP zwar immer mal gerne Wahlkampf gemacht. – Nach der Wahl ist aber selbstverständlich fast alles wieder vergessen, oder dritt- und viertrangig.

    Ganz abgesehen davon daß man vielleicht aus anderen Gründen keiner der beiden Parteien seine Stimme geben will; Wahlen sind in einer Parteien-Demokratie halt immer der Einkauf von bunten Sträußen. Und das Thema Drogenpolitik ist bei dem meisten Bürgern nicht gerade ganz oben auf der Liste der Gründe für eine Wahlentscheidung. Da sind einem die eigene Rente oder die Außenpolitik näher.

  51. Kampfschmuser meint: (8.10.2008 um 13:35) AntwortenReply to this comment

    Alkohol ist einer der schlimmsten Krankheiten, woran diese Gesellschaft leidet.

    Wer unkontrolliert säuft, gehört aus dem Verkehr gezogen und eingewiesen. Da wären die Straßen und Bürgersteige um die Hälfte freier. ;)

    Wär täglich (regelmässig) mindestens einmal Alkohol (egal welche Menge) zu sich nimmt, ist schon krank. Da kann jeder in sich gehen und sein eigenes Trinkverhalten abchecken.

  52. Flusskiesel meint: (8.10.2008 um 13:35) AntwortenReply to this comment

    @50:
    Wieso sind die Süchtigen "selbst Schuld"? Niemand wird freiwillig abhängig, zumal diverse Suchtmittel (Alkohol, bestimmte Medikamente) ja auch gesellschaftlich anerkannt ist. "Wenn es doch als 'ok' gilt, sich den Frust von der Seele zu trinken, warum dann nicht …?" mag sich da mancher denken – wenn er denn überhaupt darüber nachdenkt.

    Zum Thema kann ich diesen Bestseller empfehlen:
    Alk : fast ein medizinisches Sachbuch / Simon Borowiak. – München : Heyne, 2007
    ISBN: 978-3-453-60048-5
    Einband/Preis: kart. : EUR 7.95

  53. studiosus juris meint: (8.10.2008 um 13:38) AntwortenReply to this comment

    @53 Loona:
    gibt es diesen mittelweg nicht schon? oder was ist das methadon-programm denn?
    sicher ist methadon nur für denjenige, der vom heroin wegkommen will. aber wer soll sich denn sonst heroin verschreiben lassen?

    bezüglich der anmerkung über die politik/wahlen gebe ich ihnen recht. aber mal ehrlich: auch wenn ich noch sehr weit von der rente entfernt bin, liegt mir das thema rentenpolitik auch näher als die (teil-)legalisierung von irgendwelchen substanzen, an denen ich sowieso kein persönliches interesse habe. und so wird es den meisten gehen.

  54. Loona meint: (8.10.2008 um 13:39) AntwortenReply to this comment

    @DeguSan:
    Ich finde es ehrlich gesagt auch nicht so wahnsinnig wichtig, ob man dem Süchtigen vielleicht im Einzelfall eine (Mit-)Schuld an seiner Sucht zusprechen muss. – Sollte man denn – um ein anderes Beispiel zu nennen – einem Base-Jumper, einen Kunstflieger oder einem Hobby-Auto-Rennfahrer (der auf ausgewiesenen Rennstrecken fährt) nach einem Unfall die nötige medizinische Hilfe verwehren, nur weil er ja "selbst daran schuld" ist?

    Und was ist eine fiese Suchterkrankung letztlich anderes als ein Unfall, der bei dem riskanten Fun-Freizeitverhalten Drogenkonsum entstanden ist? (Mal abgesehen davon daß Drogenkonsum auch oft als Selbstmedikation bei psychischen Krankheiten beginnt, und mit Fun gar nicht so viel zu tun hat.)

    Übrigens kommt auch Menschen die aus Gründen, die mit Alkohol oder Drogen nichts zu tun haben in ihrer Schuldfähigkeit eingeschränkt sind – sondern zum Beispiel mit einer psychischen Krankheit oder einer außergewöhnlichen Belastungssituation – der §21 StGB (Verminderte Schuldfähigkeit) zugute. Mit dem §20 (Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen) sind sie sogar stärker geschützt.

    Dem Rest Deines Posts kann ich zustimmen.

  55. kaputnik meint: (8.10.2008 um 13:41) AntwortenReply to this comment

    @41 anonym
    "Militante Nichtraucher"

    Was bitte ist militant an der sachlichen Feststellung, dass auch auf offenen, freien Flächen eine Rauchbelästigung öfter auftritt als man gemeinhin vermuten würde?

    In meinem Posting war bestenfalls eine Aufforderung an Raucher enthalten, von sich aus auf Belästigungen zu achten und sich nicht _vor_ sondern drei Meter _neben_ die Eingangstür zu stellen.

    Sie nennen das "militant"? Schon gut.

  56. kaputnik meint: (8.10.2008 um 13:45) AntwortenReply to this comment

    @47 scipio
    man nennt das wohl Zivil Courage. Natürlich hätte der Polizist sich dann wohl dafür zu verantworten. Die Überprüfung der aktuellen Praxis erscheint mir dringend nötig zu sein. Ich bezweifel spontan sogar, dass der Polizist sich zu verantworten hätte. Solange die Praxis weitgehend unbeachtet bleibt.

    Soldaten müssen (dürfen?) "offensichtlich rechtswidrige" Befehle schließlich auch nicht befolgen. Es käme auf eine Überprüfung an.

  57. 30 meint: (8.10.2008 um 13:46) AntwortenReply to this comment

    heroin ist wirklich eine schlimme sache. was mich aber immer so nachdenklich macht ist diese doppelmoral…

    Opium Poppy Cultivation in Afghanistan
    Year Tons
    2000 3,300
    2001 185
    2002 3,400

    2006 6,100

    der bedarf ist gedeckt und sogar steuerfrei

  58. DeguSan meint: (8.10.2008 um 13:51) AntwortenReply to this comment

    Nur kurz, mir fehlt leider die Zeit für längere Ausführungen (Arbeit):
    Der Base-Jumper springt freiwillig, der Kunstflieger fliegt freiwillig, Rennfahrer rast freiwillig und der "Alki" betrinkt sich (eingeschränkt) freiwillig. Mit einem Unterschied, die ersten drei versuchen in der Regel ein höchstes Mass an Sicherheit für sich und andere zu schafen.
    Und es wird auch keine Unterlassung der Hilfeleistung gefordert, nur vielleicht ein einstellen des PseudoVerständnisses. Denn wenn der Base-Jumper mal ein Problem mit seinem Fallschirm hat, heist es auch: "Warum ist der überhaupt so blöd da runter zu springen?!", beim Rennfahrer: "Welcher Ideot rast den schon mit seinem Auto auf einer Rennstrecken! usw.

  59. kaputnik meint: (8.10.2008 um 13:52) AntwortenReply to this comment

    @55 studiosus
    "ezüglich der anmerkung über die politik/wahlen gebe ich ihnen recht. aber mal ehrlich: auch wenn ich noch sehr weit von der rente entfernt bin, liegt mir das thema rentenpolitik auch näher als die (teil-)legalisierung von irgendwelchen substanzen, an denen ich sowieso kein persönliches interesse habe. und so wird es den meisten gehen."

    Die Gesellschaft als ganzes würde von einer Entkriminalisierung oder Legalisierung profitieren. In Geld und Frieden gerechnet.

    Von den Grünen ist leider nichts zu erwarten.

  60. Loona meint: (8.10.2008 um 13:53) AntwortenReply to this comment

    Man sollte bei all dem selbstverständlich nicht vergessen, daß Süchtige Kranke sind. Egal ob sie nun Tabakraucher, süchtige Kiffer, Junkies, Alkoholoker Sex- oder Spielsüchtige sind. Und Krankheit sollte nicht wie Aussatz oder gar wie Verbrechen behandelt werden.

  61. john meint: (8.10.2008 um 13:55) AntwortenReply to this comment

    Ich finde es total daneben wie hier einige Alkohol als nicht suchtauslösend darstellen. Ja ihr Leute, dann hört doch mal nen Monat auf … ups, das ist schon für Leute die täglich ein Glas Wein abends trinken schwer … wie ihr könnt nicht mehr richtig einschlafen ohne? Aber abhängig seid ihr nicht …

  62. Loona meint: (8.10.2008 um 14:02) AntwortenReply to this comment

    @studiosus@55:
    Ein Substitutionsprogramm sollte meiner Ansicht nach nicht nur Ausstiegswilligen und -fähigen offen stehen, sondern auch jenen, die den Absprung einfach nicht schaffen. Diesen Menschen – auch wenn sie zu unserem Idealbild vom nüchternen, aufgeklärten Menschen im krassen Widerspruchen stehen mögen – einen Weg aus erzwungener Kriminalität und Prostitution, Armut, Elend und Krankheit zu ermöglichen halte ich nicht nur für wünschenswert, sondern für die heilige Pflicht jeder mitfühlenden Sozialpolitik.

    Und bezüglich Wahlen haben Sie meinen Punkt ja anscheinend genau verstanden: Mancher wird wohl F.D.P. wählen, auch wenn er gegen die Cannabis-Freigabe ist. Aber wenige werden F.D.P. wählen, nur weil sie für die Freigabe sind, wenn ihnen der Rest des Parteiprogramms widerspricht.

  63. Loona meint: (8.10.2008 um 14:20) AntwortenReply to this comment

    @DeguSan@61
    Ich habe durchaus schon sehr verantwortungsbewußte (auch langjährige) Drogenuser kennengelernt. Und ich gehe stark davon aus daß es auch völlig verantwortungslose Fun-Sportler gibt, die für sich und andere eine Gefahr darstellen.

    Die Frage ist doch: Wieso sollte man diese verfolgen, sozial ächten und einsperren, während man jene gewähren läßt?

  64. me meint: (8.10.2008 um 14:23) AntwortenReply to this comment

    @19 "anderer gedankengang: mehrere studien haben beispielsweise bei gemäßigtem (!) konsum von rotwein durchaus positive effekte für das herz-kleislauf-system feststellen können."

    Die liegen aber nicht im Alkohol begründet. Roter Trauben_saft_ hat ebenfalls solche positiven Effekte. Dazu ist er billiger und in größeren Mengen verträglich.

    @47 (scipio):
    Art 1 GG spricht ausdrücklich von Bindung als UNMITTELBAR geltendem Recht. Das ist eine ziemlich radikale Idee, die man aber ganz bewußt an den Anfang des GG gestellt hat. Es ist unser GG das in dieser Frage "anarchistisch" ist.
    Aus gutem Grund.

    Vieles im Dritten Reich, vieles in der DDR, war formell rechtsstaatlich organisiert aber in der Realität menschenverachtend oder Vorbereitung auf menschenverachtendes. Auch Unrecht kann sich des Rechtsstaats bedienen.

  65. Loona meint: (8.10.2008 um 14:55) AntwortenReply to this comment

    Ich muß einfach noch mal auf einen wichtigen Punkt zurück kommen: Den Nutzen der Prohibition für die organisierte Kriminalität.

    Ich habe die Fernsehsere "The Sopranos" mit großen Interesse verfolgt. Die Hauptfigur ist der amerikanische Gangsterboss und Familienvater Antony Soprano. Das Setting: Die Praxis seiner Psychotherapeutin. – Und ich denke daß mich dies – wenn auch natürlich medial wohl stark verfremdet – ein wenig gelehrt hat, wie ein Mafioso zu denken. – Sehen wir uns das "System Heroin" also mal aus der Perspektive des wahren Gegners an:

    1. Man verdient immense Summen an dem eigentlichen Verkauf des Heroins.

    2. Die klandestine Organisation des Drogenhandels, die sich ja auf den unteren Ebenen vor allem durch kleine Süchtige speist, erlaubt den Aufbau einer – nach unten hin immer informellernen – geheimen, kriminellen Infrastruktur.

    3. Diese kriminelle Organisationsstruktur läßt sich nun auch für die anderen "Geschäftszweige" der Organisation benutzen.

    Woher kommen nun diese anderen Nutzungsmöglichkeiten?

    Nun, dafür muß man – Dank Heroin und Prohibition – gar nicht weiter sorgen. Die Süchtigen kommen ganz von alleine, und liefern Material für die anderen "Geschäftszweige"; denn sie müssen ja – dank Prohibition – die immensen Schwarzmarktpreise zahlen; denn sie werden sich ja – dank Prohibition – mit ihrem Suchtproblem niemandem anvertrauen.

    Und diese andeten "Geschäfte" sind oft noch weitaus widerlicher als das eigentliche Drogengeschäft:

    5. (Vorwiegend männliche) Süchtige brechen nun – ganz ohne dass man sie überreden, mit Gewalt zwingen, oder erpressen müsste – in fremde Häuser ein, rauben wehrlose Mitbürger aus, und liefern die Beute gleich – na wem? – dem Boss. – Und da sind oft Menschen dabei, die ohne diesen Druck nicht weiter kriminell geworden wären. – Verbrechen dank Prohibition!

    6. Mädchen und Frauen prostitieren sich, oder werden als Zwangsprostituierte gehalten. Als Süchtige sind sie – dank Prohibition – von ihrer Drogenquelle abhängig, oder haben Angst einen Mißbrauch durch Freier oder Zuhälter der Polizei zu melden, da sie – dank Prohibition – Angst haben dann als Drogenverwender bzw. -Besitzer verfolgt zu werden.

    6. Die Abhängigen, die nun erfolgreich – und ohne weiteres Zutun der Organisation – aus ihrer bürgerlichen, oder doch zumindest sozial halbwegs abgesicherten Existenz herausgelöst wurden stehen für Handlangerdienste aller Art zur Verfügung.

    …und so weiter, und so fort.

    Und das ist nur ein Bereich von mehreren, in dem die Drogenprohibition enorme gesellschaftliche Folgekosten zeitigt.

    Warum ist mir das Thema so wichtig? – Ich habe meine beste Freundin verloren. Durch Heroin. Und durch Prohibition.

  66. n0ne meint: (8.10.2008 um 15:01) AntwortenReply to this comment

    "Schizophrenie des Betäubungsmittelsrechts" -> reicht schon.

    wer verbote im bereich rausch- und betäubungsmittel gutheißt, hat ohnehin nichts verstanden.

    mit der pro-verbot partei diskutieren bringt übrigens nichts. die sind schon matschiger in der birne als jede drogenleiche.

    wir leben in einem willkürstaat. das ist fakt.

    ps: "anti-terror", "anti-drogen" etc. kommt ALLES aus den usa!

    und wie hoch ist die durchschnittliche intelligenz in den usa? richtig: NOCH unter dem schnitt des durchschnittsdeutschen. dauert aber garantiert nicht mehr lange!

  67. Kinch meint: (8.10.2008 um 15:05) AntwortenReply to this comment

    @68 (n0ne)

    "mit der pro-verbot partei diskutieren bringt übrigens nichts."

    Es kann ja schließlich nicht jeder so vernünftig und sachlich Argumentieren wie sie.

  68. RA-RR meint: (8.10.2008 um 15:13) AntwortenReply to this comment

    Man kann es nicht besser beschreiben.

    Die Kriminalisiserung der Süchtigen (=Kranken) erschwert die Wiedereingliederung in die Sozialgemeinschaft ungemein, ja sie reduziert sie häufig gen Null. Damit verliert der Süchtige den letzten Halt. Dieser Trostlosigkeit seines Daseins kann er nur durch den Konsum von temporär selig- bzw. glücklich machenden Drogen entfliehen. Somit gerät er in einen Teufelskreis, aus dem ein Ausbruch quasi unmöglich wird. Dass dies die Solidargemeinschaft umso mehr belastet versteht sich von selbst. Dennoch wollen die politisch Verantwortlichen, geblendet von überkommenen moralischen Vorstellungen und geleitet von bigotten weil doppelzüngigen Vorgaben aus dem Mutterland des freiheitlichen Denkens, an diesem für alle Beteiligten desaströsen Zustand nichts ändern. Ein weiteres Armutszeugnis nicht nur unserer Gesellschaft.

  69. Kinch meint: (8.10.2008 um 15:28) AntwortenReply to this comment

    @70

    "Dieser Trostlosigkeit seines Daseins kann er nur durch den Konsum von temporär selig- bzw. glücklich machenden Drogen entfliehen."

    Zum jedem Zeitpunkt hat der Süchtige (sofern zurechnungsfähig) die Wahlmöglichkeit von seiner Sucht abzulassen. Die Behauptung aufstellen, sie hätten gar keine andere Option um Glück zu finden, als wieder Drogen zu nehmen hilft niemanden; vor allem den Drogensüchtigen nicht. Wenn sie nicht die Verantwortung für ihre Sucht übernehmen, werden sie sie auch niemals loswerden können.

    Und mal eine Frage: Was soll man mit Süchtigen denn machen? Insbesondere mit dem großten Teil die auf ihre Sucht gar nicht verzichten wollen.

  70. shannon meint: (8.10.2008 um 15:42) AntwortenReply to this comment

    @71 Kinch

    Das typische einer Sucht ist doch gerade, dass man NICHT die Wahlmöglichkeit hat von ihr abzulassen. Zumindest nicht alleine oder ohne Hilfe…

  71. Kinch meint: (8.10.2008 um 15:48) AntwortenReply to this comment

    @72

    Ich finde die Betrachtungsweise zu vereinfachend.

    Wenn man ihr bis zum Ende folgt, müsste man daraus schließen, dass der Süchtig im Hinblick auf seine Sucht entscheidungsunfähig ist und folglich – ähnlich wie ein Selbstmörder oder Essgestörter zum Beispiel – zwangsbehandelt werden muss. Soll das jetzt die propagierte Alternative zum Einsperren sein? Insbesondere, da ich nicht glaube, dass eine Zwangsbehandlung bei Süchtigen hilft.

    Das man bei einer Sucht nicht die Wahl hat von ihr abzulassen, kann man in gewisser Weise gelten lassen. Aber man hat die Wahl von ihr Ablassen zu wollen. Und das ist der notwendige erste Schritt um auch von ihr Abzulassen (zumindest langfristig).

  72. Hein B. meint: (8.10.2008 um 15:52) AntwortenReply to this comment

    @70

    Es gibt kein Recht auf Rausch – aber warum muss man denn den Wunsch danach umbedingt verteufeln ?

  73. Inge meint: (8.10.2008 um 15:53) AntwortenReply to this comment

    @71
    Dass man von der Sucht nicht zu jedem Zeitpunkt ablassen kann, ist das ausschlaggebende Kennzeichen einer Sucht.

  74. Inge meint: (8.10.2008 um 15:55) AntwortenReply to this comment

    Anders gesagt: Könnte man ablassen, wäre man nicht süchtig. Das ist der Unterschie z.B. zwischen Alkoholsucht und Alkoholmissbrauch.

  75. Kinch meint: (8.10.2008 um 15:59) AntwortenReply to this comment

    @76
    Dem Schließe ich mich nicht an. Das würde bedeuten, dass jeder Drogensüchtige, der es aus eigenen Antrieb schafft von seiner Sucht loszukommen folglich zu keinem Zeitpunkt Drogensüchtig war.

  76. ombuddha meint: (8.10.2008 um 16:03) AntwortenReply to this comment

    @77
    Was ist an dieser Einsicht so schlimm?

  77. Kinch meint: (8.10.2008 um 16:04) AntwortenReply to this comment

    Ich teile sie nicht.

  78. johannes meint: (8.10.2008 um 16:10) AntwortenReply to this comment

    nur wenige dinge sind in unsere gesellschaft so dermaßen verlogen und bigott wie drogenpolitik und -gesetzgebung und – auf der anderen seite – der umgang mit alkoholika, medikamenten und zigaretten.

  79. Loona meint: (8.10.2008 um 16:18) AntwortenReply to this comment

    @n0ne@68
    Auch wenn wir in dieser Diskussion ja auf der selben Seite zu sein scheinen, muß ich Dir schon sagen: Es scheint mir eher so zu sein, daß es nichts bringt mit Dir zu diskutieren.

    @Kinch@73
    Da redet einer, der das Elend nie mit eigenen Augen gesehen hat. "Freier Wille" in Bezug auf Heroinsucht. – So ein Schmarrn!

    Eben deswegen hat man diese Substanzen ja verboten: Weil sie den Menschen die Freiheit nehmen.

    Ganz ähnlich wie bei den realsozialistischen Versuchen des sovietischen Einflussbereiches kann man zur Drogenprohibition sagen: Die Intention war edel, die Folgen jedoch waren grausam.

    Ich denke es ist Zeit auch diesen Irrweg zu beenden, bevor er uns um die Ohren fliegt. – Denn die Alternative ist, und ich werde nicht müde das zu betonen: Immer mächtigere Mafiabanden; Deren Einfluß auch auf die legale Wirtschaft wächst, wo sie die enormen Profite reinvestieren die sie dank der Prohibition erwirtschaften; Und damit auch deren Einfluß auf die Politik.

  80. Kinch meint: (8.10.2008 um 16:25) AntwortenReply to this comment

    @81
    Das es schwer ist von der Sucht zu lassen, habe ich nie bestritten. Dass ein Süchtiger aber die Drogensucht nicht bekämpfen will, kann ich beim besten Willen nicht glauben.

    Könnten sie mir dann wenigstens die Frage beantworten, was für sie eine Alternative als der Verbot wäre? Einfach legalisieren und wer Heroin nimmt, kann dann sehen was aus ihm wird?

  81. shannon meint: (8.10.2008 um 16:25) AntwortenReply to this comment

    @73
    Diese Sicht finde ich nicht nachvollziehbar

    Warum sollte Sucht eine Zwangsbehandlung implizieren? Es reicht doch wenn die Sucht sozialverträglich ausgelebt werden kann.

    Warum muss ich Süchtige kriminalisieren und ins Elend treiben? Der Nikotinsüchtige oder Alkoholsüchtige darf doch auch legal sein Suchtmittel erweben. Warum nicht der Heroinsüchtige? Ich denke niemand propagiert einen freien Verkauf am Kiosk, aber wem schadet die, von mir aus staatlich reglementierte, Abgabe in Apotheken? Scheinbar können doch auch Heroinsüchtige einem Beruf nachgehen und ihren Beitrag zu einem Gemeinwesen leisten, WENN sie nicht durch gestreckte, illegale Produkte krank werden oder dem Druck der Beschaffungskriminalität ausgesetzt sind.

    Was ist eigentlich der Sinn der BTM-Gesetzgebung? Wo liegt der Wert für unsere Gesellschaft? Aber ich werde die Law&Order Fraktion wohl nie richtig verstehen …

  82. Sebastian H meint: (8.10.2008 um 16:29) AntwortenReply to this comment

    Tja,

    an Heroin verdient kein Politiker Geld, im Gegensatz zu Alkohol. Darum, und NUR darum geht es. Das muss man verstehen. Nicht nur die Steuern, sondern auch die Gelder, wo Politiker irgendwo im Vorstand sitzen, irgendjemand kennen etc. Wenn du Alkohol (was ich absolut richtig finden würde) verbietest geht jede Menge Kapital verloren. Es geht schließlich nicht um deine Gesundheit, du bist nur eine Kapitalmaschine und nichts anderes. Solange du legal, also in die Hände der Politiker Konsumierst bist du Freund.

  83. Brigitte meint: (8.10.2008 um 16:34) AntwortenReply to this comment

    Düsseldorf hat einen neuen Verein, der nach dem Motto:
    "Kinder brauchen eine Lobby, Kinder suchtkranker Eltern erst recht.“ Hilfprojekte für Kinder aus Suchtfamilien unterstützt.
    Weitere Informationen:
    http://www.kunst-gegen-sucht.de

  84. Kinch meint: (8.10.2008 um 16:36) AntwortenReply to this comment

    @83
    Das es Gegenwärtig mehr als schlecht gelöst ist, will ich gar nicht abstreiten. Nur habe ich das Gefühl machen die meisten es sich hier etwas zu einfach: Der Staat ist bigott. Legalisiert es, dann wird alles besser.

    Der Staat treibt wohl kaum den Drogensüchtigen in das Elend, auch nicht in die Beschaffungskriminalität. Das tut, wenn überhaupt die Sucht.
    Und wieso sollte das bei einer legalisierten Droge anders sein? Glaubst du wirklich, wenn Heroin nur noch die Hälfte kosten würde, würde der Junkie um die Ecke, das gesparte Geld anlegen?
    Und glaubst du nicht, dass eine Legalisierung den Drogenkonsum steigen lassen würde? Gerade das Beispiel der vielen Raucher und Alkoholiker zeigt doch, wohin eine Legalisierung führen kann. Soll es tatsächlich von gesellschaftlichem Nutzen sein, wenn es nun allgemein akzeptiert wird, dass man neben dem abendlichen Bier sich noch eine abendliche Line zieht? Soll es dann auch Fixerecken, neben den Raucherecken in den Schulen geben?

  85. Sebastian meint: (8.10.2008 um 16:46) AntwortenReply to this comment

    Da hier eigentlich schon alle entscheidenden Argumente gebracht worden, wollte ich nur noch mal diesen schönen Spruch zum Thema abgeben:
    Keine Droge ist so gefährlich, dass man sie nicht noch gefährlicher machen könnte, indem man sie dem Schwarzmarkt überläßt.

  86. mark meint: (8.10.2008 um 16:56) AntwortenReply to this comment

    Volker Piespers meinte mal der Grund warum Alkohol erlaubt ist und andere Drogen verboten sind, laut richterlichem Urteil der, das Alkohol ein Genussmittel ist. Ich weiss jetzt leider nicht ob es das Urteil wirklich so gab oder er das nur erfunden hatte.

  87. dot tilde dot meint: (8.10.2008 um 16:59) AntwortenReply to this comment

    der anfang des postings erinnert mich an einen ausgezeichneten <a href="http://www.bdzv.de/1915.html&quot; rel="nofollow">artikel von mark-joachim obert</a> aus der frankfurter rundschau.

    @46 (scipio):

    die abwesenheit des rechtsstaats ist erst einmal die abwesenheit des rechtsstaats, noch keine anarchie. diese wäre die abwesenheit jeglicher herrschaft (aus dem griechischen, in etwa "nicht-herrschaft").

    .~.

  88. Max meint: (8.10.2008 um 16:59) AntwortenReply to this comment

    Das Adjektiv unwiederbringlich bedeutet so viel wie "für immer verloren, nicht zu wiederholen". Da es sich von "wiederbringen" im Sinne von "zurückbringen" ableitet, wird es wie auch unwiederholbar mit ie geschrieben.

    Danke. U.V.

  89. shannon meint: (8.10.2008 um 17:00) AntwortenReply to this comment

    @86

    Die Freigabe/Tolerierung des Cannabiskonsums in NL hat doch gezeigt, dass der Konsum rückläufig ist bzw. geringer ist als in Ländern, wo es verboten ist. Folgende Seite ist ziemlich interessant (15 Missverständnisse): http://www.maastricht.nl/maastricht/show/id=221441/frameid=39732

    Warum muss man also in Deutschland kriminalisieren?
    Vielleicht ist der Ansatz in NL besser und ausbaufähig

  90. Kinch meint: (8.10.2008 um 17:11) AntwortenReply to this comment

    @91

    Ich finde die Argumentation etwas dünn. Zum einen Reden wir über eine ganz andere Droge. Zum anderen wirkt die Argumentation etwas beliebig; nur weil in den Niederlanden der Drogenkonsum geringer ist, heißt es nicht, dass das mit der Legalisierung ursächlich zusammenhängt. Natürlich kann es das, aber mehr als reine Spekulation die Argumentation in deinem Link nicht.

    Das man Drogenkonsumenten kriminalisieren soll, sage ich auch nicht. Aber zwischen Konsumentn nicht Kriminalisieren und Drogen komplett Legalisieren gibt es noch Alternativen.

  91. @kaputnik meint: (8.10.2008 um 17:12) AntwortenReply to this comment

    @ kinch (alles)
    Ihre Argumentation ist ein schönes Beispiel, wie man die Diskussion in diesem Land durch pure Ignoranz gegenüber schon tausendfach fundiert vorgebrachter Argumentationen nicht nur hier in diesem Thread – aber eben auch -, einfach immer wieder auf Anfang stellt und damit jedweden Fortschritt verhindert. Und zum Schluss kommt dann, der Drogenmissbrauch würde steigen.

    Auf der politisch professionellen Ebene ist das die Parade-Disziplin vom Rüttgers. Mal drauf achten, wenn der in einer Talkrunde sitzt. Nach 45 Minuten (bzw. in Wirklichkeit nach etlichen Jahren) Austausch von Argumenten der Satz "Aber wir müssen, bevor wir was ändern, erstmal drüber reden". Das ist die Realität hier.

    Zu Drogen- (Bildungs-, Atom-, … ) Politik ist wirklich alles gesagt, aber es reicht, Argumente zu ignorieren.

  92. Loona meint: (8.10.2008 um 17:16) AntwortenReply to this comment

    Passend zum Thema läuft übrigens gerade auf Arte eine Doku über Mohn. – Und damit natürlich auch über Opium und Heroin. Einschalten!

  93. scipio meint: (8.10.2008 um 17:19) AntwortenReply to this comment

    Hallo @dottie. Seien sie doch nicht so oberlehrerhaft.Ich sehe einen Menschen, der sich weigert unter der Herrschaft des Rechts zu leben, durchaus als Anarchisten. Meinetwegen kann sich der Polizist um den es ging ja sein eigenes Recht basteln. Ich will das dann aber auch für mich selbst, und Sie mit Sicherheit ebenso, und alle anderen sowieso. Wie würden Sie diese sich daraus ergebende Gesellschaft bezeichnen?

  94. tph meint: (8.10.2008 um 17:20) AntwortenReply to this comment

    @17 scipio
    "Sie sind ein Anarchist. Gut für Sie, schlecht für die Gemeinschaft, noch schlechter für den Rechtstaat."

    Anarchie ist nicht das Fehlen von allgemeingültigen Regeln oder einer gewissen Ordnung, sondern die Abwesenheit von menschenfeindlichen Zwängen und Herrschaftsstrukturen/kasten.

    @22 Detlev T.
    "2) Der Staat erlässt auch in anderen Bereichen Verbote, um seine Bürger zu schützen."

    Die Frage ist, warum sollte sich ein Mensch nicht selbst schädigen dürfen. Im Arbeitsleben ist dies teilweise geradezu eine Pflicht sich durch Dauerstress, Überstunden, Lärm etc. kaputtzumachen.

    @46 Jeder Beamte muss(müsste) Weisungen auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen. Weisungen die zu Straftaten/Ordnungswidrigkeiten führen müssen überhaupt nicht ausgeführt werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Remonstrationspflicht

    @52 Schwachsinn, ohne Alkohol und Drogen hätte es etliche herausragende Geistesleistungen überhaupt nicht gegeben.
    Hemingway, Goethe, Schopenhauer, Sartre, Kant
    http://www.medizinauskunft.de/artikel/gesund/Essen_Trinken/28_04_gedaechtnis1.php
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/1058526.stm
    http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/full/160/3/240

    @66 Das Resveratrol ist 1. nur in Alkohol oder Öl löslich, 2. im Traubensaft 0.2 – 1.1 mg/l (Rotwein 30 – 50 mg/l). Also statt einem viertel Liter Rotwein, lieber min. sieben (7) Liter Traubensaft trinken?

  95. Loona meint: (8.10.2008 um 17:29) AntwortenReply to this comment

    @Kinch@77
    Können wir uns darauf einigen daß Heroinabhängigkeit den freien Willen zumindest extrem einschränkt? – Mehr wollte ich gar nicht gesagt haben.

    @Kinch@82
    Wie bereits geschrieben geht es natürlich nicht darum, daß der Staat seine Schutzpflicht aufgibt. Im Gegenteil. Es geht darum einen Weg zwischen Totalverbot (”nicht verkehrsfähig”) und totaler Freigabe zu finden, der für die Süchtigen auch wirklich gangbar ist.

    Eine Verschreibungsfähigkeit auf BTM-Rezept wäre z.B. eine Möglichkeit, die mir spontan einfiele. Vermutlich ist das als Sicherungsmaßnahme gegen Mißbrauch aber noch nicht streng genug.

    Ich denke auch nicht daß es meine Aufgabe ist ein konkretes Modell für die Heroinvergabe zu erarbeiten. Ich fühle mich ehrlich gesagt auch nicht kompetent. Ich sehe nur daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Die Details überlasse ich gerne den Experten.

  96. Loona meint: (8.10.2008 um 17:33) AntwortenReply to this comment

    @Kinch@82
    Sie schreiben: "Einfach legalisieren und wer Heroin nimmt, kann dann sehen was aus ihm wird?"

    Nein! – Ja gerade nicht!

    Im Moment werden die Süchtigen alleine gelassen, stigmatisiert und sogar noch ins Gefängnis geschmissen!

    Es ist Aufgabe einer humanen Drogenpolitik das zu ändern und den Süchtigen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen. Aber das heißt eben auch sie dort abzuholen wo sie stehen. Und das ist nun mal mitten in einem Leben mit Heroin.

  97. Kinch meint: (8.10.2008 um 17:55) AntwortenReply to this comment

    @97

    Ja, wir können uns gerne darauf einigen.

    Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass es nicht genau darum geht, die Drogen zu legalisieren und den Süchtigen dann damit alleine zu lassen. Ich habe nämlich den Eindruck, dass das der Tenor hier bisher war.

    Ein Verschreibungspflichtiges BTM-Rezept gibt es meiner Meinung nach schon, wenn es im Rahmen einer Therapie verschrieben wird. Ich bin da allerdings auch nicht tiefer in der Materie, vielleicht ist das auch nur in anderen Ländern so.

    Ob ein Rezept Sinn haben würde, wenn es darum geht einen dauerhaften Konsum zu gewährleisten, würde ich aber dann doch etwas bezweifeln. Was ist zum Beispiel, wenn der Konsument mehr Drogen möchte, als er per Rezept bekäme?

    Natürlich hat hier niemand die Aufgabe ein alternatives Modell vorzustellen. Aber sich einfach hinzusetzen und zu sagen, was man alles schlecht findet ohne eine _bessere_ Alternative zu nennen, ist doch im Grunde auch nur reine Zeitverschwendung.

    Es hätte mich nunmal interessiert, wie die Menschen die die gegenwärtige Situation kritisieren sich eine Alternative vorstellen. Aber bisher habe ich da noch keine echte Antwort darauf bekommen – zumindest meiner Meinung nach.

    Im Übrigen finde ich, kann man aus der Widersprüchlichkeit der Gesellschaft im Umgang mit Drogen noch ganz andere Konsequenzen ziehen. Ich finde es etwas absurd: U.V. schreibt einen Bericht darüber, wie durchzogen die Gesellschaft mit dem Konsum legaler Drogen ist und wie sehr sie daran krankt. Und die darauf folgende Reaktion ist es, noch mehr legale Drogen zu fordern?

    Ich stimme zu, dass eine humane Drogenpolitik den Süchtigen helfen sollte statt sie zu kriminalisieren. Aber wie? Insbesondere, da das ein gesellschaftliches Problem ist. Das Problem mit der Drogensucht ist doch gerade, dass sie die gesellschaftsfähigkeit eines Menschen beeinträchtigt. Wer will einen Süchtigen zum Freund oder als Arbeitnehmer haben? (Übrigens, werden auch Alkoholkranke entsprechen austgestoßen, dass jeder sie mit offenen Armen empfängt und Hilfe anbietet stimmt nicht) Und was soll man mit den Süchtigen machen, die entweder keine Krankheitseinsicht haben oder ihre Drogensucht gar nicht loswerden wollen? Wie soll eine Drogenpolitik dort greifen?

    Es ist doch so, dass man im Grunde als Außenstehender völlig machtlos. Weder gutes Zureden, noch Zwang noch sonst irgendetwas hilft, wenn der Süchtige sich nicht selbst helfen will.

  98. J.B. meint: (8.10.2008 um 18:02) AntwortenReply to this comment

    Nur weil das hier wiederholt behauptet wurde:
    Auch Rotwein in geringen täglichen Mengen ist insgesamt ungesund. Zwar sinkt das Risiko für koronale Herzkrankheiten, dafür erhöht sich das Risiko für andere Krankheiten. Beispielsweise für Demenz und natürlich die Möglichkeit, alkoholkrank zu werden.

    Meines Erachtens ist diese Mär des gesunden Glases Rotweins ein pures "Schönreden". Nicht falsch verstehen, ich trink auch ab un zu mal gerne einen über den Durst. Aber ich weiß in dem Moment, was ich meinem Körper damit antue. Nämlich nichts Gutes. Beschönigen ist übrigens ein klares Warnzeichen für akute Suchtgefahr. Wer etwas für seine Gesundheit tun will, der soll Sport machen, sich bewusst ernähren und KEINEN Alkohol trinken. Das ist zwar hart, aber die Warheit. Prost!

    P.S. Ein Glas Weizenbier ist übrigens isotonisch ;)

  99. Loona meint: (8.10.2008 um 18:07) AntwortenReply to this comment

    @Kinch@86
    Wieso eine legalisierte Droge anders sein sollte?

    Hier nur zu Heroin:

    1. Das Heroin wäre kontrolliert und rein.

    1a. Der Konsument kann die Menge gut einschätzen und so eine tödliche Überdosis verhindern. (Bei den ständig schwankenden Konzentrationen des Diacetylmorphins im Straßen-Gift ist das nur schlecht möglich. Ein großer Anteil der Herointoten geht auf versehentliche Überdosierung mit zu reinem Stoff zurück.)

    1b. Giftige, gesundheitsschädliche oder infektiöse Beimengungen kommen in industriell gefertigtem Heroin nicht vor. Somit wird die Gefahr für die Gesundheit verringert, Ansteckungsrisiken durch kontrollierte Spritzenvergabe werden minimiert. (sogenanntes Safer Use)

    2. Der Leidensdruck des Süchtigen wird stark verringert.

    Er hat nun zwar immer noch das Problem süchtig zu sein; Aber die (in meinen Augen viel schlimmeren) Folgeprobleme wie Kriminalität, Elends- und Kinderprostitution, unheilbare, tödliche Krankheiten durch schmutzige Spritzen und Gesundheitsrisiken durch Streckstoffe fallen weg.

    Der Süchtige ist nun nicht mehr jede wache Minute damit beschäftigt sich Stoff heran zu schaffen, und hat wieder Zeit seinem Leben einen von der Drogenbeschaffung unabhängigen Sinn zu geben. Vielleicht kann er auch eine Arbeit aufzunehmen, oder einen bestehenden Arbeitsplatz halten, und wird im besten Falle therapiefähig. – Ein Zustand, der ansonsten meist erst nach einer jahrzehntelangen, leidvollen Drogenkarriere erreicht wird; wenn der süchtige Mensch seelisch bereits so gut wie tot ist; Und körperlich auch.

    3. Sie wäre eine Droge, die nicht das Verbrechen fördert.

    Wieso ist darauf eigentlich noch niemand eingegangen? – Ist es allen Prohibitionsbefürwortern hier wirklich egal, daß durch die Prohibition ein gigantischer Markt für kriminelle Banden geschaffen wird?

    Müssen die Mafiamorde erst vor der eigenen Haustüre stattfinden, bevor man begreift daß Vater Staat vielleicht doch der bessere Dealer ist, wenn der böse Patenonkel die einzige Alternative ist?

    Oder glaubt Ihr gar noch daran, daß eine drogenfreie Gesellschaft möglich ist? – Wacht auf! Der Krieg ist verloren!

  100. n0ne meint: (8.10.2008 um 18:33) AntwortenReply to this comment

    @ udo vetter

    was mich noch interessieren würde: "…sechs Monate Gefängnis. Ohne Bewährung." kann man schon sagen, ob rechtsmittel eingelegt werden? die verhältnismäßigkeit stößt mir hier mehr als evident auf.

  101. tph meint: (8.10.2008 um 18:55) AntwortenReply to this comment

    @101 J.B.
    "Nur weil das hier wiederholt behauptet wurde:" wird die Aussage das Wein bzw. Alkohol zu Demenz führt nicht wahrer.
    Siehe u.a. die Links in Post #96
    und noch mal einige andere Studien
    http://www.neurology.org/cgi/content/abstract/68/21/1790
    http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/167/6/684
    http://www.neurology.org/cgi/content/abstract/59/9/1313
    http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/161/3/228
    http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/156/8/747

  102. Loona meint: (8.10.2008 um 19:29) AntwortenReply to this comment

    @Kinch@100
    Ich denke schon, daß ich die Richtung aufgezeigt habe, in der man meiner Meinung nach weiterdenken sollte.

    Aber wenn ich mal eben ins Blaue hinein fantasieren sollte was vielleicht noch möglich wäre, und mir mal auf die schnelle ein eigenes Konzept ausdenken: Ja dann könnte ich mir zum Beispiel spezielle Drogenkliniken oder -ambulanzen vorstellen, die einer strikteren Kontrolle unterliegen als "normale" niedergelassene Ärzte; Die über spezielles Drogen-Knowhow verfügen; Die am besten mit einer (strikt freiwillen) niedrigschwelligen Drogenberatungsstelle und -Therapiemöglichkeit kombiniert werden sollten; In denen durch ein zu entwickelndes bürokratisches Verfahren sichergestellt ist daß das Heroin auch nicht in falsche Hände gerät. – Oder so. – Nur mal so schnell daherfantasiert.

    Wie andere in der Diskussion schon angedeutet haben gibt es aber auch zahlreiche erfolgreiche Modellprojekte, die mit Originalstoffvergabe arbeiten; Und noch mehr Modellprojekt-Konzepte, die aber nicht umgesetzt werden. Und es gibt natürlich die erfolgreiche britische Heroinvergabepolitik, die – zumindest für einen ersten Schritt – als Vorbild für ganz Europa dienen könnte. Oder die Heroinvergabepolitik der Niederlande; Die <acronym title="(en) If I remember correctly = (de) Wenn ich mich recht erinnere.">IIRC</acronym> überhaupt nur deshalb in Gefahr, weil sie seit der Freizügigkeitsregelung massenhaft von deutschen Abhängigen genutzt wird, die es zu Hause nicht mehr aushalten.

    Falls Sie nun hellhörig geworden sein solten, und sich ernsthaft für Alternativen zur totalen Prohibitionspolitik zu interessierem beginnen, kann ich Ihnen nur raten die Suchmaschine Ihrer Wahl zu befragen. Sie werden erstaunt sein was es alles gibt!

    Hier auch der Aufruf an alle kompetenten MiteleserInnen: Postet Eure besten Links zu Konzepten, Modellprojekten und besseren Drogenpolitiken im Ausland! – Je einfacher geschrieben, je unpolemischer und je statistisch fundierter, desto lieber!

    Im übrigen habe ich Herrn Vetter anders verstanden als Sie: Ich glaube er wollte eher kritisieren, daß die Gesellschaft mit den unterschiedlichen Drogen so unterschiedlich umgeht. Und zwar auch da wo es eigentlich gar keinen Grund für so eine Unterscheidung gibt. Aber das ist – wohl genau wie bei Ihnen – nur Spekulation.

    Wer einen Süchtigen als Freund haben will? – Ich zum Beispiel. Ich will meine Freundin Carmen zurück. Süchtig oder nicht. Aber sie ist tot.

    Und ich möchte daß dieses Sterben aufhört. Und zwar besser gestern als heute.

    Und was man mit den Süchtigen machen soll, die keine Krankheitseinsicht zeigen? – Bei denen sollte man meiner Meinung nach eben dafür sorgen daß sie trotz Ihrer Suchterkrankung ein menschenwürdiges Leben führen können, und nicht gezwungen sind ihre Existenz im Gulli der Gesellschaft zu fristen.

    Es ist für Außenstehende tasächlich nur sehr schwer zu erkennen, daß die Prohibition – im Vergleich zur eignentlichen Sucht – für den Süchtigen tatsächlich oft das weit größere Problem darstellt. Und zwar sowohl gesundheitlich als auch psychosozial.

    Hat man dies aber erst einmal erkannt – und meiner Meinung nach besteht dazu gar keine Alternative wenn man sich die Fakten mal wirklich ausgiebig und in Ruhe (vulgo einige Wochen oder Monate) ansieht – muß man erstaunt erkennen daß die Prohibitionsideologie (und um eine solche handelt es sich meiner Meinung nach) in allen gesellschaftlichen Bereichen eigentlich mehr Schaden anrichtet als daß sie nützt.

    Warum tut "die Politik" also nichts?

    Wer ein Bißchen paranoid begabt ist, so wie ich, der denkt jetzt vielleicht daran zurück, was ich weiter oben schrieb… Daran daß der Einfluß der organisierte Kriminalität auf die Politik wächst… Und vielleicht ist es "der Politik" ja auch ganz recht wenn die Alltagskriminalität nicht zu sehr sinkt… Eine verängstigte Bevölkerung, die nach Schutz sucht ist immer leichter zu kontrollieren, als eine selbstbewußte. Und auch die drogenabhängige Bevölkerung hält sich mit politischen Aktionen vielleicht lieber zurück: "Bloß keine Aufmerksamkeit erregen…"

    Aber Verschwörungstheorien bringen uns ja nicht weiter. – Und so glaube ich lieber, daß in der großen Politik ebenso wie in der breiten Bevölkerung schlicht Ahnungslosigkeit über die Fakten herrscht: Und zwar sowohl über die gar nicht mal so schlimmen Auswirkungen reiner, kontrollierter, legal zugänglicher Drogen, als auch über die mörderische Konsequenz der Totalprohibition für unser Gemeinwesen.

    Note to myself: Ich sollte zu diesem Thema mal bloggen.

  103. Dr. Gonzo meint: (8.10.2008 um 20:16) AntwortenReply to this comment

    Ach in Bayern wird schon mal für 0,8 Gramm Gras drei Monate Knast gefordert. Der Angeklagte, ein 40 jähriger Ex Junkie, Hepatitis ABC etc. infiziert & auch sonst fertig mit der Welt, war schon mehrere Male dort. Gebracht hat es nichts. Auf die Frage des Richters, warum sehr denn anstatt des Marihuana nicht auf Bier zurückgreife, meinte er nur, das würde ihn aggressiv machen, da rauche er lieber nen Joint, das beruhige ihn. Der Referendar, der die Sitzungsvertretung hatte, hat dann brav eben auf drei Monate plädiert. Ohne Bewährung. "Um den Angeklagten auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzuführen" – O-Ton. Zum Glück gibt es auch in Bayern noch humane Richter. Am Ende blieb es bei einer Geldstrafe. Das ist übrigens nur einer der vielen Gründen, warum ich darauf hoffe, dass Leutheusser-Schnarrenberger neue Justizministerin in Bayern wird und endlich wieder etwas mehr Vernunft in den Laden bringt.

  104. kaputnik meint: (8.10.2008 um 20:16) AntwortenReply to this comment

    @104 Loona
    "[…]Daran daß der Einfluß der organisierte Kriminalität auf die Politik wächst…[…] "

    Vor unzähligen Jahren gab es mal einen Themenabend "Geldwäsche" auf arte. Damals, wenn ich mich richtig erinnere, wurde das weltweite Jahresvolumen von Drogengeschäften auf 300 000 000 000 USD (300 Milliarden) per anno eingeordnet.

    Glaubt jemand, dass die Beteiligten sich solche Summen widerstandslos nehmen lassen? Zum Beispiel Banken. 300 Milliarden. Vor Jahren.

    Die meisten hier sind sich wohl einig, dass die Prohibition objektiv gescheitert ist und jeden Tag weiter scheitert. Kann eine pragmatischere Drogenpolitik, wie auch immer die konkrete Ausgestaltung aussehen würde, schlechtere Ergebnisse bringen?

    Prinzipien und Ideologien sind (auch hier) schlechte Ratgeber.

  105. Andreas Bergkirchen meint: (8.10.2008 um 20:25) AntwortenReply to this comment

    Ist denn über die schreiende Ungerechtigkeit bei BTM-Urteilen nicht schon mal ausführlich berichtet worden?

    Doch!

    Beispielsweise hier: http://www.lawblog.de/index.php?s=schuster

  106. Horst meint: (8.10.2008 um 21:01) AntwortenReply to this comment

    @Grundsätzliches
    Alkohol wird durch die Leber abgebaut, individuell sehr verschieden.
    "Drogen" anderer Art müssen ausgeschwemmt werden, bekanntes Phenomen Flashback.
    Insoweit muss schon tatsächlich und rechtlich differenziert werden.
    Die Anmerkungen über die Unterschiede des Verhaltens der entsprechenden Suchtgeneigten sollen hiermit nicht in Zweifel gezogen werden.

  107. kritiker meint: (8.10.2008 um 21:19) AntwortenReply to this comment

    @104: Der Grund, aus dem die Politik nicht reagiert ist simpel: Drogen, egal in welcher Art zu legalisieren, auch wenn die Gruende dafuer noch so gut waeren, fuehrte zwangslaeufig zu einem Aufschrei der "anstaendigen Bevoelkerung". Man stelle sich nur die BILD-Schlagzeilen vor usw. Da dieses Thema fuer viele Menschen im Alltag nicht wichtig ist, sie davon keine Ahnung, aber durchaus dazu eine starke Meinung haben (naemlich die falsche), kann man sich als Partei oder Politiker mit diesem Thema effektiv nur selbst in den Fuss schiessen, wenn man es anspricht.

    Das heisst natuerlich nicht, dass diese Tatsachen den Politikern nicht bekannt waeren. Ich habe es selbst in Jugendgruppen verschiedener Partein gesehen: Es wurde zu dem Thema nicht nur schon alles gesagt, sondern inzwischen auch von jedem. Man ist die Diskussion leid, da aus obigem Grund keine Reaktion erfolgen wird. Dafuer reicht die gesellschaftliche Traegheit, eine Verschwoerung ist gar nicht notwendig.

  108. d@niel meint: (8.10.2008 um 21:34) AntwortenReply to this comment

    Boah. Richtig gut geschriebener Beitrag, Herr Vetter.

    An einige der Kommentatoren:
    Dass die Differenzierung zwischen sehr gefährlichen und weniger gefährlichen Drogen grundsätzlich sinnvoll ist, bedarf wirklich keiner weiteren Erwähnung. Peinlich sind die Doppelmoral und Unverhältnismäßigkeit der jeweils angewandten Mittel zueinander.

  109. Mave’s meint: (8.10.2008 um 23:56) AntwortenReply to this comment

    Wenn man in einem Supermarkt an der kasse über längere Zeit arbeitet sieht man erst wieviel leute wirklich von alk abhängig sind, vorallem ältere Menschen. Zitat einer alten Oma mit gehwagen um 8.30 am Morgen "Die 2 flaschen korn sind mein frühstück" .. und man muss sich nicht wundern wieso Billig bier Brauerein (zb Oettinger) immer beliebter werden viele leute saufen bis zu einem kasten am tag!!!

    Kundschaftsvergleich zwischen 2 Bieren mit dem Selben Preis: das hier hat 0,01% mehr alk und knallt mehr rein… traurige Welt

  110. Sebastian meint: (9.10.2008 um 01:11) AntwortenReply to this comment

    @109 (horst):
    Sorry, aber das ist schlicht und einfach Bullshit. Die einzige Droge, bei der es anektdotische Berichte über sowas wie "Flashbacks" gibt, ist LSD – und selbst da streiten sich die Gelehrten. Mal ganz abgesehen davon, dass LSD – abgesehen vom (kalkulierbaren, da anscheinend vererbtem) psychischem Risiko – ungefähr so gefährlich ist wie ein Butterkeks, dank nicht vorhandenem Suchtpotential.
    Bei den "populären" Drogen dagegen (Heroin, Kokain, XTC, Amphetamin und – mit weitem Abstand – THC) sind "Flashbacks" schlicht kein Thema – Heroin wird z.B. ebenfalls in der Leber abgebaut.
    Auch wenn gewisse Medien, Politiker und Strafverfolgungsbehörden vielleicht gerne etwas anderes erzählen.

    @110 (kritiker): Absolut korrekt. Ein führender SPD-Politiker (wenn ich mich recht entsinne war es Struck) hat sogar offen zugegeben, dass es unter Rot-Grün eine Cannabis-Legalisierung gegeben hätte – wenn, ja wenn, die Reaktion von Bild und Consorten nicht so gefürchtet gewesen wäre.

    Auf ein derartiges Gesetzesvorhaben würden solche Kreise schließlich mit Meldungen á la "Haschigiftautomaten vor Grundschulen – Die Regierung will unsere Kinder vergiften!" reagieren.

  111. Advocatus Diaboli meint: (9.10.2008 um 01:57) AntwortenReply to this comment

    Grundsätzlich muss einfach mal eingesehen werden, dass die Prohibition gescheitert ist.
    Sie füllt die Taschen der Mafia, sie zerstört das Leben von von Suchtkranken (durch hohe Preise und Sanktionen) und kostet den Staat nebenbei noch eine Menge Geld.

    Gesundheitliche Aspekte sind vorgeschoben, denn Heroin hat abgesehen von einer möglichen Überdosierung keine besondere Gefährlichkeit.
    Tatsächlich wird die Gefahr einer Überdosierung gerade durch die unvorhersagbare Qualität des Heroins auf dem Schwarzmarkt beträchtlich erhöht.
    Würde Heroin wie ein Medikament in der Apotheke vertrieben, erhielte jeder Konsument neben gleichbleibender Qualität auch genaue Dosierungsanleitungen. Vor dem Verbot war es so.

    Der Staat kann den Verkauf von Drogen nicht unterbinden, denn er kann nur gegen das Angebot kämpfen, nicht aber effektiv gegen die Nachfrage.
    Ist die Nachfrage gross genug, so wird sich auch das Angebot vergrößern.
    Selbst in Ländern in denen die Todesstrafe droht, macht manch einer das schnelle Geld indem er die Nachfrage bedient.
    Und um das ganze ad absurdum zu führen, muss man nur überlegen, woher denn diese Menschen teilweise kommen: Sie werden durch ihre Abhängigkeit und die hohen Preise quasi gezwungen, sich so ihr Geld zu beschaffen.

    Warum also geht der Staat nicht einen anderen Weg?
    Nämlich den, selbst zu konkurrenzfähigen Preisen die Drogen kontrolliert abzugeben.
    Weit weniger Menschen würden ihre Existenz zerstören.

    Im übrigen finde ich, der Staat hat kein Recht darüber zu entscheiden, was ich mir selbst "antun" darf und was nicht.

  112. Loona meint: (9.10.2008 um 07:14) AntwortenReply to this comment

    @kritiker@110
    Das bringt es auf den Punkt.

  113. Loona meint: (9.10.2008 um 07:45) AntwortenReply to this comment

    Ich weiß nicht mehr genau wer hier damit kam, aber auf ein populäres Argument bin ich noch nicht eingegangen:

    Sinngemäß lautet es (wenn auch hier rhetorisch ein wenig zurechtgebogen) so:

    "Wenn aber auch die Gegner der Prohibition keine 'wasserdichte' Lösung für die Probleme haben, dann sollte man vorsichtshalber lieber bei der bisherigen Regelung bleiben."

    Dem möchte ich zwei Argumente entgegenhalten:

    1. Die gesellschaftlichen Folgekosten der Prohibitionsideologie sind meiner Meinung nach zu schwerwiegend, als daß man als politisch und verantwortungsbewußt denkender Mensch mit einem unbekümmerten "Weiter so!" einfach an ihnen vorbeigehen könnte.

    2. Ein System aufrecht zu erhalten daß täglich Unfreiheit, Elend und Kriminalität erzeugt, nur weil man sich nicht ganz sicher ist ob das neue System auch wirklich besser sein wird? – Nein Danke. Da sage ich doch lieber: "Im Zweifel für die Freiheit!"

  114. warmaldrauf meint: (9.10.2008 um 09:02) AntwortenReply to this comment

    ich weiss garnicht ob Sie's wusten:

    Die Substitution die dort vom Staat angeboten bzw. finanziert wird ist eine reine Verlagerung der Sucht. Eine große Mehrheit
    der Junkies hat definitv mehr Angst auf Methadon "drauf zu kommen" als das man hiervon Hilfe erwartet.

    Freies Heroin – JA, jedoch nur nach umfangreicher Pruefung.

    Hier im Sueden von Deutschland ist es absolut erschreckend wie einfach Leute OHNE langjaehrige Dorgenerfahrung in Subsitutionsprogramme aufgenommen werden. Wir reden hier von Leuten zwischen 15-17 welche maximal 6-12 monate qualitativ extrem schlechtes Heroin konsumiert haben aber dann nach 1-2
    Jahren Substitution ein ECHTES Methadon Problem haben -> sponsored by Gesundheitskasse.

  115. dot tilde dot meint: (9.10.2008 um 10:26) AntwortenReply to this comment

    @95 (scipio):

    warum so zärtlich? warum nicht nur zur sache, sondern auch zur person? argumente reichen doch aus, oder etwa nicht?

    natürlich wird der anarchist sich auch gegen die herrschaft des rechts wenden, denn er ist ja gegen jegliche herrschaft. soweit d'accord. aber nach ihrem gebrauch des wortes wäre so mancher monarchist oder scharia-befürworter auch anarchist.

    die diskussion braucht zumindest halbwegs exakten wortgebrauch, damit sich niemand in seltsame vergleiche versteigen muss. sie nicht, und ich auch nicht.

    ich möchte auf keinen fall, dass sich ein polizist sein eigenes gesetz bastelt. ich bin dafür, dass wir uns mit demokratischen methoden auf konventionen einigen, die unsere gesellschaft schützen und fördern und dabei zwischen dem einzelnen und den vielen anderen möglichst weise ausgleichen. das ist alles schwer genug, auch ohne missverständliche argumentation und hypothesen über diskutierende, die auf falschen annahmen beruhen.

    .~.

  116. Johannes meint: (9.10.2008 um 12:53) AntwortenReply to this comment

    Zu Cannabis habe ich neulich eine Info gelesen, das wohl weltweit jährlich der Tod von 2 Personen auf diese Droge zurückzuführen ist, bei Alkohol und Zigaretten sind es Hunderttausende, wenn nicht Millionen, ganz abgesehen von gesundheitlich negativen Wirkungen der Drogen grds., dennoch ist die eine verboten, die anderen beiden erlaubt.

  117. M meint: (9.10.2008 um 13:32) AntwortenReply to this comment

    Es wäre doch mal ganz interessant eine Studie zu erstellen, die belegt inwiefern solche Bestrafungen überhaupt nützen.

  118. Bernhard meint: (9.10.2008 um 13:45) AntwortenReply to this comment

    Nettes Beispiel. Bei der Frage: Illegale Drogen legalisieren oder Alkohol und Tabak verbieten fällt mir in diesem von Berlin und Brüssel überreglementierten Land nur letztere Möglichkeit ein.

    Statt eines gesunden Mittelweges (meinetwegen staatliche Abgabe von Alkohol wie in Skandinavien) würde man eher die Bundeswehr gegen Falschparker und Hundehinterlassenschaften einsetzen, weil ja die normalen Ordnungshüter hier völlig überfordert sind.

    Wobei mir da eine andere Frage kommt: Wie viele Brötchen bekommt man für den Gegenwert von 0,6 Gramm Heroin eigentlich?

  119. scipio meint: (9.10.2008 um 15:20) AntwortenReply to this comment

    @dot tilde dot

    Keine Sorge, eine kleine launige Bemerkung, nicht wertendes oder gar herablassendes. Seien Sie nicht so misstrauisch.

  120. Benjamin Hirsch meint: (9.10.2008 um 19:25) AntwortenReply to this comment

    Ich jedenfalls würde einen mehrfach vorbestraften Konsumenten von harten Drogen nicht mit einem Alkoholkranken gleichstellen.

  121. kaputnik meint: (9.10.2008 um 20:48) AntwortenReply to this comment

    @123 Hirsch
    ok – zum letzten Mal (bis zum nächsten Ma) antworte ich auf einen völlig sinnfreien Beitrag. Sinnfrei deshalb, weil der Beitrag nur die Feststellung einer Selbstverständlichkeit enthält. Selbstverständlich sind die zwei Personenkreise nicht gleich. Und rechtlich sind sie ja auch nicht gleichgestellt und darum geht es schließlich in diesem Thread.

    Dennoch ist ein Unterton vorhanden, der wohl in etwa ausdrückt, dass die eine Gruppe sowieso viel schlimmer ist (Kriminelle vs Kranke).

    Dass Sie keine Ahnung vom Thema haben … geschenkt. Dass Sie nichts von dem reflektieren, was Sie lesen … auch geschenkt. Warum Sie dann aber einen ahnungslosen Beitrag losgelöst vom Stand der Diskussion verfassen, erschließt sich mir nicht.

    Von harten und weichen Drogen spricht man übrigens nicht mehr: man spricht von harten und weichen Konsummustern.

  122. bombjack meint: (10.10.2008 um 02:02) AntwortenReply to this comment

    Btw. Streckmittel…hatte vor Jahren Gelegenheit im leider nicht mehr in dieser Form existenten Drogenforum die Streckmittel-Frage einem Langzeit Heroin-Abhängigen (über 10 Jahre) zu stellen hier mal die Antwort von dem Menschen:
    [...]Wenn User reines pharmazeutisches Diacetylmorphin zur Verfügung hätten, wären sie natürlich weit besser dran.
    Der allgemeine schlechte Zustand der User, ist auch nicht auf die Streckstoffe zurückzuführen. (…ein populärer Irrtum…)
    Der schlechte Zustand dieser Leute kommt vielmehr durch die Umstände, in denen sie aufgrund des BtmG zu leben gezwungen sind.
    Es wrackt einen menschlichen Körper ab, wenn er an Opiat gewöhnt ist und hat stets zu wenig davon, muss ständig wieder völlig entziehen, und fängt dann wieder von vorne an zu gebrauchen.
    Dieses ganze beschissene erzwungene Auf und Ab, richtet auf Dauer Menschen zugrunde.
    Hinzu kommt der hohe Preis des Stoffes. Es bleibt kein Geld und keine Zeit mehr für Vergnügungen, für gutes Essen, für allgemeine Lebensfreuden.
    Man ist als User aufgrund der vom BtmG geschaffenen Bedingungen in ein Rattenrennen eingespannt, das auf längere Sicht hin zugrunde richtet.[...]

    und was passiert wenn man statt Methadon reales Diacetylmorphin (Heroin) an die Süchtigen ausgibt erfährt man hier: http://heroinstudie.de und daraus z.B.
    [...]Dank dieser Studie habe ich jetzt einen geregelten Tagesablauf, ich habe mich stabilisiert und habe heute die einzigartige Möglichkeit meine Dosis zu reduzieren, was ich seit Januar 2004 tue. Am Anfang der Studie betrug meine Dosis die Maximalmenge (d.h. 400mg Heroin morgens und 400mg abends). Meine jetzige Dosis ist 160mg morgens und 160mg abends.[...] aus http://heroinstudie.de/ergebnisse_bericht_markus.html

    und der Preis…da habe ich mal gerechnet:
    1 kg Rohopium kostet 234 US$ laut einem UN-Bericht (Suchbegriff Rohopium kosten)
    Wenn von der Annahme ausgegangen wird, daß der Morphingehalt zwischen 10 und 18% (Suchbegriff >dhs substanzen Heroindhs substanzen Heroindhs substanzen Heroin<) dieser Quelle verbraucht ein Süchtiger bis zu 3 g pro Tag d.h. Stoff im Wert von 5,56 US$. Aufs Jahr gerechnet wären das 2032 $.
    Anmerkungen, der Gehalt an Morphin dürfte zum Teil höher sein, ebenso wie die Ausbeute bei der Synthese. Der Preis vom Rohopium ist wie der UN-Text zeigt recht schwankend, so daß 234 $ doch recht hoch ist und nicht zu vergessen, daß bei einer offiziellen Produktion die Preise auch nach unten gehen…..
    aus http://forum.jurathek.de/showthread.php?p=167003&highlight=rohopium#post167003

    bombjack

  123. bombjack meint: (10.10.2008 um 02:05) AntwortenReply to this comment

    Korrektur, ein Teil des Textes wurde beim posten verschluckt:

    [....]1 kg Rohopium kostet 234 US$ laut einem UN-Bericht (Suchbegriff Rohopium kosten)
    Wenn von der Annahme ausgegangen wird, daß der Morphingehalt zwischen 10 und 18% (Suchbegriff >dhs substanzen Heroindhs substanzen Heroindhs substanzen Heroin<) dieser Quelle verbraucht ein Süchtiger bis zu 3 g pro Tag d.h. Stoff im Wert von 5,56 US$. Aufs Jahr gerechnet wären das 2032 $.
    Anmerkungen, der Gehalt an Morphin dürfte zum Teil höher sein, ebenso wie die Ausbeute bei der Synthese. Der Preis vom Rohopium ist wie der UN-Text zeigt recht schwankend, so daß 234 $ doch recht hoch ist und nicht zu vergessen, daß bei einer offiziellen Produktion die Preise auch nach unten gehen…..
    [...]

    bombjack

  124. bombjack meint: (10.10.2008 um 02:09) AntwortenReply to this comment

    Nochmal der fehlende Teil:

    [....]
    Wenn von der Annahme ausgegangen wird, daß der Morphingehalt zwischen 10 und 18% (Suchbegriff "dhs substanzen Heroin") liegt bekommt man im ungünstigsten Fall 100 g Morphin raus.
    Nimmt man nun eine Ausbeute von 50% bei der Synthese (wobei die um einiges höher liegen dürfte) von Diacetylmorphin an erhält man 50g Heroin, was rund 166g 30%igen Stoff ergibt, wobei Süchtige bis zu 3 g pro Tag (Suchbegriff "dhs substanzen Heroin") verbrauchen.
    Daraus folgende Rechnung
    2 kg Rohopium 468 US$ ergeben 200 g Morphin für 468 US$ plus 50 US$ Arbeits- und Unkostenbeitrag = 518 US$ (Gramm für 2,59 $)
    Umwandlung zu Heroin: 100 g Ausbeute für 518$ plus 50 $ Unkosten = 568 $
    100 g Heroin ergeben rund 333 g 30% igen Stoff für 568$ plus 50 $ Unkosten = 618 US daraus ergibt sich ein Grammpreis von 1,85 US$
    [...]

  125. Loona meint: (10.10.2008 um 05:54) AntwortenReply to this comment

    Irgendwie ist mir diese Diskussion heute noch nachgegangen… Das Schreiben hier hat vieles aufgewühlt, was ich seit Carmens Tod tief in mir vergraben, und nie mehr ausgepackt hatte…

    Ich habe mir auch noch mal Gedanken dazu gemacht, warum ich einen so anderen Blickwinkel auf dieses Thema habe als so viele andere.

    Besonders nachgegangen ist mir Kommentar Nummer 100 von Kinch, wo er (sinngemäß) schreibt: "Wer will denn schon einen Drogenabhängigen zum Freund haben?"

    Und ich denke, daß eben dies den Unterschied macht: Da wo die meisten Menschen irgendwann weg laufen, weg schauen, nicht mehr weiter fragen, vor Ohnmacht und Wut nicht mehr weiter denken können oder wollen, wenn ihrE FreundIn oder ihr Kind in den Bannkreis der Droge gerät, und alles was da an schlimmen Folgen nachkommt allein der Substanz zuschreiben:

    Da konnte ich irgendwie nicht anders, als dennoch zu ihr zu stehen; Das hat damals schon niemand verstanden. Vielleicht, weil ich zu dieser Zeit ja selbst noch fast ein Kind war. Ich war effektiv mehr als ein Jahr lang ein Bestandteil der harten Drogenszene, ohne jemals selbst welche zu nehmen.

    Wenn ich also über das Heroinproblem schreibe, dann habe ich derweil die Bilder im Kopf von all' den Menschen, die ich in dieser Szene kennen gelernt habe. — Mein Gott! — Von diesen Kindern und halben Kindern…

    Und auch als ich älter, und dann erwachsen wurde, habe ich nicht aufgehört darüber nachzudenken.

    Ich glaube der grundsätzliche Konstruktionsfehler des durch die prohibitionistische Ideologie geschaffenen Systems ist daß es allein auf die Abschreckung setzt: Wer sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht abschrecken läßt, und süchtig wird, ist meist für immer verloren.

    Bei Carmen lief der Einstieg folgendermaßen: Von ihrem Vater und Ihrem Onkel mißbraucht verließ sie mit vierzehn die chaotische Großfamilienwohung, um lieber bei ihrem neuen "Freund" zu leben. Der war einige Jahre älter, und sie fühlte sich bei ihm sicher und geschützt. Zwar fickte er sie auch, aber sie vergötterte ihn, hielt es für Liebe, und vermutlich war das im Vergleich zu der Situation zu Hause, wo sie zusätzlich noch die Enge von manchmal mehr als einem Dutzend Personen auf einer halben Etage und ihre tyrannische Tante ertragen mußte (der Onkel war Haushaltsvorstand).

    Und da sie schon mit zwölf zu rauchen angefangen hatte (sie verbrachte natürlich nicht viel Zeit "zu Hause"), mit dreizehn zu kiffen, und da ihr neuer "Freund" ja Dealer war, dauerte es nicht lange bis sie anfing Heroin zu sniefen.

    So können Einstiegsgeschichten auch laufen. — Das macht sich bloß niemand klar, der leichtfertig etwas von "Freie Wahl" beim Drogeneinstieg redet.

    Und bevor jetzt noch jemand erwidert: "Es wird doch gar nicht nur auf Abschreckung gesetzt!", hier gleich die Antwort: Ja, stimmt! – Aber diese anderen Maßnahmen sind ja auch nicht das Problem.

  126. fdaw meint: (10.10.2008 um 11:51) AntwortenReply to this comment

    Ich habe hierbei leider keine Deutschen zahlen, aber bei 160.000 Alkoholikern im vergleich zu 16.000 Drogenabhängigen in Österreich (deutsche verhältnisse werden da wohl ähnlich sein) und wenn man bedenkt, dass Alkohol den gleichen Grad an Sucht auslöst wie Heroin, mit verblüffend identen Entzugserscheinungen, finde ich es schon verblüffend genug, dass nicht mehr leute so denken wie Sie.

    Der Wohl größte Schaden am SMG ist, dass die leute die gefährlichkeit von Drogen anhand ihrer Legalität einzustufen versuchen.
    Im vergleich zu Alkohol ist da manche illegale Droge fast schon harmlos. Ein Fehler den wie erwähnt, allein in Österreich, 160.000 Menschen machen. womöglich mehr.

    Ich für meinen teil bevorzuge aber nach wie vor den doppeltkomprimierten schwarzen koffeinbomber zum frühstück.
    Mag auch ne sucht sein, aber zumindest keine ganz so schlimme.
    *schlürf*
    nur den nikotinstengel dazu sollt ich mir langsam mal verkneifen…

    lg aus wien

  127. Verwunderter meint: (13.10.2008 um 11:29) AntwortenReply to this comment

    Das Grundproblem bei dieser vergleichenden Darstellung mit anschließender Legalisierungsforderung ist mE folgendes.

    Man hat Scheiße A (Alkoholismus) legal vorliegen und bemerkt, daß Scheiße B (Heroin, Haschisch,…) illegalerweise auch existiert.

    Die richtige Reaktion wäre doch wohl, beides zu bekämpfen, aber nicht die illegale Scheiße durch Legalisierung zu verharmlosen.
    Wenn es nicht schon versucht worden wäre (USA) könnte man viel eher auf den Gedanken kommen, auch Alkohol zu verbieten. Oder ähnlich wie in Skandinavien hoch zu besteuern.

    Ob man Suchtkranke mit Gefängnis heilen kann steht natürlich auf einem anderen Blatt

  128. Loona meint: (13.10.2008 um 20:48) AntwortenReply to this comment

    @Verwunderter
    Naja… "Scheiße" ist halt auch wieder nicht das einzige, was diese Pharmaka sind:

    *
    Heroin ist z.B. ein exzellentes Schmerzmittel, ein großartiges Antidepressivum, und ein richtig guter Hustenstiller. Mit legalem, verschreibbarem Heroin müßte keine liebe, alte Oma Schmerzen leiden, in ihren letzen Monaten oder Jahren; Und auch keine schlimmen Verlustgefühle und Ängste ertragen, bei einsetzender Demenz. (Meine Oma ist vor kurzem gestorben, das Thema ist für mich also gerade aktuell hier.)

    *
    Cannabis Sativa wirkt z.B. Wunder bei schwerkranken Krebs- und AIDS-Patienten, oder bei multipler Sklerose. (Ich kenne Kranke aus allen drei Bereichen. Manche haben Zugang zu illegalem Cannabis, andere nicht. Der Unterschied ist gewaltig!)

    *
    MDMA alias "Ecstasy"/"Empathy" läßt sich in einem kontrollierten Setting in der Psychotherapie einsetzen, um lange verschüttete Verletzungen in kurzer Zeit zu lösen.

    *
    Auch für LSD und Psylocibe ("Wunderpilze") gibt es therapeutische (psyche-delische) Anwendungen.

    *
    Alkohol ist ein gutes Desinfektionsmittel, und kann bei kontrolliertem Konsum als Entspannungsmittel, und zur Erzeugung einer offenen, gelösten Stimmung beitragen.

    Und so weiter, und so fort…

    Und all' diese Anwendungsmöglichkeiten sind bekannt, obwohl die meiste Forschung in diesen Bereichen verboten ist, oder nur gegen massive Widerstände durchgesetzt wird.

    Wie wenig Leid gäbe es auf der Welt, wenn man wirksame Substanzen nicht weiter in "gut" und "böse" (oder "Scheiße") unterteilen würde, sondern in "stark wirksam" oder eben schwach, und in "eher gefährlich" und "eher ungefährlich";

    Dann könnte man anschließend ganz rational entscheiden welche Droge bzw. Substanz für welchen Fall die beste ist.

    [In den U.S.A. ist zwar der Drogenkrieg noch intensiver als hier, aber in der Sprache hat sich ein klein wenig Ehrlichkeit erhalten: "Drug" ist "Drug", egal ob "over the counter", oder "illegal", egal ob Heroin oder Aspirin (uebrigens beide von der Firma Bayer).]

  129. Mnemosyne meint: (23.10.2008 um 20:46) AntwortenReply to this comment

    eine, leider veraltete (1997)rechnung zu den Kosten der Prohibition: http://www.drogeninfo.de/files/kosten.html

    Eine aktuellere zum Thema cannabis-kosten:
    http://www.cannabislegal.de/politik/dhv-zahlen.htm

    Literatur zum Thema Prohibitionsproblematik (Kopiert aus : http://www.drogen-forum.us/viewtopic.php?f=12&t=1108&p=61861&hilit=prohibition+kosten#p61861 )

    Bartholdy, T. B.: Das Kokainverbot. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Hamburg 1992.Aus:
    Schmidt-Semisch 1994
    Scheerer, S.: Die Genese der Betäubungsmittelgesetze in der Bundesrepublik Deutschlandund in den Niederlanden. Göttingen 1982
    Schmidt-Semisch, H: Die prekäre Grenze der Legalität. Drogen Genuss Kultur. München1994
    Selling, P.: Die Karriere des Drogenproblems in den USA. Paffenweiler 1989
    Szasz, T.S.: Das Ritual der Drogen. Wien 1978
    Thamm, B. G.: Drogenfreigabe – Kapitulation oder Ausweg? Pro und Contra zur
    Liberalisierung von Rauschgiften als Maßnahme zur Kriminalitätsprophylaxe. Hilden 1989

  130. klaus-martin meint: (6.11.2008 um 21:08) AntwortenReply to this comment

    Du hast mit allem Recht. nur nicht mit dem Alkoholvergleich. Losgelöst vom Alkohol muss Heroin legalisiert und reguliert werden. Es war noch nie gut, den Vertrieb von irgendwas den Kriminellen zu überlassen.

  131. Brown Sugar meint: (26.1.2009 um 17:24) AntwortenReply to this comment

    Die gesamte Prohibition ist ein Griff in die Scheisse,
    bitte liest mal diesen Beitrag und meinen Kommentar dazu.

    http://www.spear-head.org/wordpress/2008/11/die-taliban-und-das-liebe-heroin/#comment-11

    Prohibition von Drogen wurde begonnen um eine Grund zur Ausweisung der mexikanischen Gastarbeiter in den USA zu haben, das ganze hat eine Lawine ausgelöst unter der wir heute begraben sind! Der Teufel war Edgar J. Hoover und alle die sich nicht aus dem Einfluss der USA lösen konnten und noch nicht können!!!

  132. Loona meint: (13.3.2009 um 16:53) AntwortenReply to this comment

    Auszug aus: <a href="http://zwischendrin.net/moratorium-denkpause.html&quot; rel="nofollow">http://zwischendrin.net/moratorium-denkpause.html</a>:

    Dieses Blog war mein Versuch, meine Ängste zu bewältigen. Meiner Paranoia und meiner Depression Ausdruck zu verleihen, zu ergründen ob sie rational oder irrational sind.

    Ich danke allen, die an den Diskussionen hier im Blog teilgenommen haben, und auch allen, die
    mit mir im Law Blog über Heroin diskutiert haben.

    Dieses Blog hat seinen Zweck erfüllt. Ich habe nun weniger Angst und weniger schwarze Gedanken. Ich habe mich von der Vergangenheit lösen können. Und über manches, über das ich hier geschrieben habe, habe ich inzwischen eine andere Meinung.

    [...] ich frage mich, wie viele Menschen, die mich in Richtung Libertarismus beeinflußt haben, in Wirklichkeit nur diejenige Freiheit nicht aufgeben wollten, anderen zu schaden. [Weil sie eben Drogendealer oder Kinderficker sind.] – Auch ist mir überhaupt erst bewußt geworden, daß die Einstellungen, die ich vertrete ja libertär sind, und daß das eigentlich meinem grundsätzlichen, sozialdemokratischen Staatsverständnis zuwider läuft.

    Und ich habe bemerkt, daß ich mich in einem Verschwörungsideologischen Weltbild bewegt habe. Das ist vor allem Daniel Kulla mit seinem Buch <a href="http://www.cutuphistory.org/entschwoerungstheorie/&quot; rel="nofollow">Entschwörungstheorie</a> zu verdanken, das ich an dieser Stelle gerne weiter empfehlen möchte.

    Meinem Therapeuten möchte ich dafür danken, daß er mir hilft, die wahren Gründe für meine Ängste zu entdecken.

  133. Felix meint: (29.9.2009 um 23:23) AntwortenReply to this comment

    Gut, dass die "Zwiebel" direkt gegenüber ist.

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