Die Maske, die nichts beweist
Mit “überraschenden” Freisprüchen endete in Münster der Prozess gegen zwei mutmaßliche Räuber. Von Zeugen wurden sie nicht wiedererkannt. Auch eine gefundene Gesichtsmaske überzeugte das Gericht – im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft – nicht von der Täterschaft der Männer. Die Westfälischen Nachrichten berichten:
Da bei der Beschreibung der Maske durch Zeugen Abweichungen auftraten und sie keiner wiedererkannte, blieben Zweifel, dass sie am Tatort getragen wurde. Zeugen hatten von einem Mundschlitz gesprochen, doch der war laut Gutachten bei der Untersuchung beim LKA hineingeschnitten worden.
Wieso schneidet das LKA einen Mundschlitz in eine Maske? Unabhängig von der Antwort ist es jedenfalls gut, dass die Veränderung offenbar in den Unterlagen festgehalten wurde…
Nachtrag: Weiterer Prozessbericht
(Danke an Alexander Wichmann für den Link)
Da wurde sicher gemeint, dass bei der Untersuchung im LKA festgestellt wurde, dass ein Mundschutz (von den Tätern) hineingeschnitten wurde.
@1 Nein,
"Das erneute Gutachten einer Spurenexpertin vom Landeskriminalamt war gestern in dem Prozess wohl mitentscheidend für die Wende. Bislang war das Gericht immer davon ausgegangen, dass die Maske mit Augen- und einem Mundschlitz versehen war. Das hatten die Zeugen auch so ausgesagt. Die Sachverständige betonte jetzt jedoch, dass sie erst beim LKA den Mundschlitz ausgeschnitten hatte."
http://www.die-glocke.de/gl/cgi/news/shownews.php?id=8929
bzw.
http://www.westfaelische-nachrichten.de/aktuelles/muensterland/710784_Wende_Zweimal_Freispruchim_Vorhelmer_Edeka_Prozess.html
… wusste gar nicht, dass Beweismaterial beim LKA auch zum Basteln verwendet werden darf ????? Oder wie muss man sich den Satz "(…)sie erst beim LKA den Mundschlitz ausgeschnitten hatte." verstehen????
Vermutlich hat sie den Mund ausgeschnitten, um DNA-Spuren zu sichern. Speichel ist vermutlich im Mundbereich am häufigsten anzutreffen, so dass die "Bastelei" wahrscheinlich korrekt war — dazu ist sie ordnungsgemäß dokumentiert.
Den schwarzen Peter bekommen hier diejenigen, die die Protokolle nicht richtig gelesen haben.
Was #4 schreibt, klingt plausibel. Als Kriminaltechniker würde ich in einer Maske auch so zu sehende Haare und Hautschüppchen suchen sowie Schweiß am ehesten im Stirnbereich und Speichel am ehesten im Mundbereich vermuten. Gerade eine im Mundbereich geschlossene Maske lädt doch da zum Suchen sein.
Aber ich kann doch nicht einfach ein Beweismittel verändern. DNA-Spuren kann ich auch nehmen, ohne Löcher zu schneiden. Sonst würden viele Menschen mit Löchern rumlaufen :-)
Vielleicht war es die LKA-Theatergruppe? ;-)
@6 Jürgen:
Solang das ganze ordnungsgemäß dokumentiert ist und vorher Fotos etc. von der Maske gemacht wurden, sehe ich da keine Probleme.
Und einer Maske kann man so schlecht mit einem Stäbchen im Rachen rumfummeln, ich denke #4 hat da mit seiner Erklärung schon richtig gelegen.
Speichel und Hautschuppen, die in eine Textilie eingetrocknet sind, müssen afaik in einem chemischen Verfahren wieder herausgelöst werden. Möglicherweise wird ja dabei das Trägermaterial zerstört oder verändert. Könnte mir vorstellen, dass die Farbstoffe zum Beispiel herausgewaschen werden. Am Ende hätte man dann eine weiße statt einer schwarzen Maske :-) Deshlab wird nur der Teil behandelt, wo man am wahrscheinlichsten etwas findet.
Dass hier ein Beweismittel verändert wird, lässt sich wohl nicht vermeiden. Die Sache wurde ja ordnungsgemäß dokumentiert.
dass aus einer maske zu untersuchungszwecken die evtl. mit speichel kontaminierten stellen herausgeschnitten werden, halte ich – eine korrekte dokumentation vorausgesetzt – auch für unproblematisch.
für sehr viel problematische halte ich jedoch die frage, die offenbar den zeugen gestellt wurde, nämlich ob sie diese maske wiedererkennen. bereits das wiedererkennen von menschen ist ja – wie die psychololgen hinreichend belegt haben – extrem unsicher. aber wenn man sich dann vergegenwärtigt, dass ein halbwegs korrektes beschreiben einer maske (ja, schwarz war sie und löcher für die augen hatte sie auch) unter umständen zu einer verurteilung führen kann, dann gruselt es einen doch …
Ich schäme mich zwar etwas dafür, tue es jetzt aber trotzdem – off topic gehen – denn es gibt außerordentlich gute Nachrichten:
Die Bundesregierung hatte eine Grundgesetzänderung geplant (bezgl. Art. 115a, Feststellung des Verteidigungsfalles), sie wollten künftig die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen dürfen.
Mir ist da das Blut gefroren, denn wozu brauchen die so was? Etwa, um künftig öffentliche Versammlungen nach chinesischer Methode zu beenden: Maschinengewehr drauf, und schon ist die Harmonie zwischen Staat und Bürger wieder hergestellt? Befremdend und nahezu beängstigend fand ich auch, daß die Medien praktisch überhaupt nicht darüber berichtet haben. Ich selbst hatte es vor zwei Tagen im Deutschlandradio gehört, und heute hab ich noch einen Link vom 06.10. dazu gefunden: http://www.stern.de/politik/deutschland/:Grundgesetz%E4nderung-Bundeswehreinsatz-Hintert%
Weil eine große Koalition naturgemäß keine nennenswerte Opposition im Bundestag hat, haben sie sich dort ihren Herzenswunsch gleich mal problemlos selbst genehmigt. Gestern abend nun kam die erlösende Nachricht: im Bundesrat haben sie nicht die erforderliche 2/3 Mehrheit zusammengekriegt, die Sache ist damit erst mal vom Tisch.
Und jetzt die zweite gute Nachricht:
in Bayern sollte – nicht so klammheimlich wie oben, sondern ganz offen – Art. 113 der Verfassung des Freistaates (Recht auf Versammlungsfreiheit) "verändert" bzw. de facto abgeschafft werden. Nur als Sicherheitsmaßnahme gegen Böse natürlich, wurde uns versichert, anständige Bürger sollten sich deswegen mal nicht ihr Köpfchen beschweren.
Durch das Wegbrechen der absoluten CSU-Mehrheit liegt dieses Vorhaben jetzt auch vorerst auf Eis.
Gegen diese rasante, vom Staat selbst initiierte Demontage der Demokratie gehen am Samstag die Bürger in Berlin auf die Straße, es geht dort um die Vorratsdatenspeicherung. Auch für alle, die sich da nicht dazu stellen können oder mögen, bietet folgende Site sehr gute und vor allem sachlich richtige Informationen zum Thema: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/
Tschuldigung für die Abschweifung.
Zurück zum Thema.
Der erste Link in meinem Beitrag geht nicht. Hier ein zweiter Versuch:
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Grundgesetz%E4nderung-Bundeswehreinsatz-Hintert%FCrchen/641354.html
Habt doch mal Verstaendnis fuer die armen LKA-Beamten.. die wollten sich halt auch ihre Ermittlungs-Arbeit nur etwas leichter machen..
@10,der echte n.n.
Dem Wiedererkennen der Maske dürfte kein großer Beweiswert zuzurechnen sein, eher schon dem Finden einer Maske an sich und dem Ausschluß dieser Maske als Tatwerkzeug.