Zum Thema Anwaltsschwemme – liegt es an mir oder gibt es immer mehr Anwälte, die als Abzocker tätig werden – von der missbräuchlichen Massenabmahnung bis zum Versand unberechtigter Rechnungen mit beiliegender SchuFa-Drohung?
Dr Klaus Graf meint:
(8.3.2009 um 18:10) Antworten
Leider habe ich sehr viel mehr schlechte, inkompetente und fehlberatende Anwälte kennengelernt als gute. Wer längere Zeit mit der Berufsgruppe zu tun hat, macht meines Erachtens zwangsläufig diese Erfahrung. Ob es früher besser war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Der einzige Anwalt, dem ich ein Gütesiegel ausstellen würde, ist inzwischen weit über siebzig. Und hat mich einmal durch seriöse Beratung beeindruck und dann auch dadurch, daß er abseits seines Spezialgebiets Strafrecht auch abseitige zivilrechtliche Dinge wußte, die seine Kollegen gar nicht kannten und die ich mir in der vor-Internet-Zeit mit Mühe aus juristischen Bibliotheken herausgesucht hatte.
Kurios: sein Sohn ist ein bekannter Boulevardmediengestalter, die jüngere Generation scheint dem Wert der " Seriosität" weniger verbunden zu sein.
Kritiker meint:
(8.3.2009 um 19:58) Antworten
@Bundespolizei
Was für eine Farce. Zensur sei in einer demokratischen Gesellschaft nicht hinzunehmen. Und dann sperrt man munter einfach. Ist das ein schlechter Witz? Soweit treibt es die Exekutive durch die Zensurträume der Legislative also schon. Vielleicht sollte man schon froh sein das den Autoren keine Hausdurchsuchung widerfahren ist.
Hobbyjurist meint:
(8.3.2009 um 22:09) Antworten
"Schäubles kleines Wörterbuch" gefällt mir gut, obwohl ich persönlich ja nicht unbedingt daran glaube, daß alle genannten Begriffe von Schäuble höchstpersönlich geschaffen worden sind.
Zum Artikel über die Zensur bei der Bundespolizei:
Stückchen für Stückchen wird der Rechtsstaat zu Grabe getragen. Erschreckt stelle ich bei mir fest: ich nehme solche Ferkeleien bisweilen einfach nur noch zur Kenntnis, weil ich insgeheim sowieso schon damit rechne.
james meint:
(8.3.2009 um 22:48) Antworten
Und wieder ist das nur ein "aha" – man kann ja eh nichts tun, man fühlt sich der Demokratur irgendwie nurnoch hilflos ausgeliefert.
AlterEgo meint:
(8.3.2009 um 23:05) Antworten
"Klasse Journalistin schreibt über schlechte Anwälte"
Der Artikel verbindet eine statistisch unwichtige Zahl (Zulassungszahl) mit Allgemeinplätze (schlechte Anwalt, die keine Zeit haben).
Die Zahl der Zulassung sagt nichts über die Marktaktivität desjenigen an. Es gibt auch andere Gründe für die Zulassung, Stichwort Versorgungswerk der Rechtsanwälte.
Anwälte, die keine Zeit haben für die wirtschaftlich uninteressanten Fälle, gibt es sicherlich auch. Auch ein Anwalt ist Geschäftsmann und muss sehen, dass er Mandate hat, die das Überleben seiner Kanzlei sichern.
Wirtschaftliches Denken ist eine Notwendigkeit. Niemand ist geholfen, wenn man dem Anwalt erstmal Lebensgeschichte und den letzten Reisebericht nach Thailand erzählt, sofern er nicht relevant ist. Bei den Allerweltsverfahren wie etwa Miet- oder Scheidungsverfahren ist sicherlich diese Gefahr größer als bei einem Arzthaftungsprozess, aber ist es dann verwerflich, dass der Anwalt den redseligen Klienten auf das Wesentlichste beschränken möchte?
Der gemeine Anwalt würde vielleicht in solchen Fällen eine Honorarvereinbarung aufsetzen für den Fall weiterer Beratung. Ist dies verwerflich, wenn der Mandant sich einfach mal ausquatschen will? Selbst beim Psychiater bekommt man nur Stundentermine, warum sollte es nicht beim Anwalt gleich sein?
Ich frag mich ernst, wie man einen solchen schlechten Artikel so betiteln kann? "Klasse Journalistin"? Trifft zumindest nicht für diesen Artikel zu. Oder teilen Sie etwa die Meinung, Herr Vetter?
Es gibt nicht nur schlechte Anwälte… es gibt auch ausgesprochene Schrottanwälte – und das ist wirklich noch nett formuliert.
Kein Vorurteil, sondern Erfahrungswerte!
Es gibt aber auch die wenigen netten, kompetenten… Das Kunststück ist nur, sie zu finden.
ghost meint:
(9.3.2009 um 06:17) Antworten
Die meisten Hilfesuchenden haben sicher keinen Nerv dazu, dem Anwalt ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Sie wollen nur, das man ihnen hilft, um ihr "Recht" bekommen. Deshalb halte ich die Ausführungen des Alter Ego für Humbug.
Die Wahrheit ist, die Schwemme der Anwälte führt nicht zu mehr Service. Ich sehe oft eher ein krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Kosten. Mancher muss ob der Anwaltschwemme mit den 10 – 20 neuen Klienten pro Monat sein Geld machen, um den eigene Unterhalt und die Kosten der Kanzlei zu erwirtschaften. Und da werden schon manche "merkwürdigen" Streitsummen ins Spiel gebracht.
Sogar "Schlechtleistung" lässt man sich gern voll honorieren! Und vor Jahren waren Taschenspielertricks bei Kostennoten sehr beliebt… "Ich berechne ihnen für meine Arbeit 30/10" hört sich halt für den Kunden besser und billiger an als "ich nehme das 3-fache des üblichen Honorars".
Außerdem halte ich die Preise für die Erstberatung exorbitant! Hier stimmt weder Leistung noch Preis überein.
Einen guten Ruf muss man sich erarbeiten. Das geht nicht, wenn man den Klienten nur als Melk-Kuh betrachtet!
Hobbyjurist meint:
(9.3.2009 um 10:34) Antworten
Ich denke, bei den Gebührensätzen für Anwälte ist auch das Haftungsrisiko des Anwalts zu berücksichtigen. Jedenfalls wird dies gerne als Argument für relativ hohe Gebühren angeführt, obwohl Anwälte eigentlich auch eine Berufshaftpflichtversicherung haben.
Wie auch immer – bis zu 190 Euro für eine Erstberatung, das hat auf den einen oder anderen potentiellen Mandanten sicherlich schon eine abschreckende Wirkung.
Bürger meint:
(9.3.2009 um 10:58) Antworten
Schon interessant, dass sich Polizisten einerseits gegen Zensur aussprechen, wenn es sie selbst betrifft, aber andererseits Zensur (Internetsperren) befürwortet werden, wenn es die restlichen Untertanen (aka Bürger) betrifft…
dot tilde dot meint:
(9.3.2009 um 12:26) Antworten
@12 (bürger):
ist das jetzt so ein unbestimmtes bauchgefühl, oder können sie uns hierfür nachweise oder anzeichen liefern?
Der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen erteilt der Filterung eben keine Absage, sondern meint nach einigem verbalen Gewackel "Wahrscheinlich muss man beides tun." Er meint damit sowohl Filterung als auch Strafverfolgung.
"Präventive" Netzfilterung ist meiner Meinung nach Zensur. Strafverfolgung hingegen nicht.
FritzFratz meint:
(9.3.2009 um 15:00) Antworten
Zur Bundespolizei:
Es wurde mitnichten eine Website gesperrt! Die Seite wird lediglich im Intranet der Bundespolizei nicht weiter vorgehalten.
Welche Informationen in einem Intranet zu finden sind, ist alleinige Sache des Arbeitgebers und der jeweiligen Arbeitnehmervertretung.
Eine Zensur kann ich hier nicht erkennen – lediglich die technische Inkompetenz eines Journalisten.
Ritscheratsche meint:
(9.3.2009 um 17:36) Antworten
FritzFratz: Was verstehen Sie unter "vorgehalten"? Wollen Sie erzählen die Bundespolizei kopiert sich Webseiten in ihr Intranet? Ich vermute mal stark, dass westphal-stoppa.de entweder per DNS oder per Proxy gesperrt wurde. Das ist zwar Unsinn aber alles andere wäre noch unsinniger.
Tagedieb meint:
(10.3.2009 um 10:40) Antworten
@FritzFratz
Zensur mag es nicht sein, es ist aber schon sehr fragwürdig, dass es den Mitarbeitern nicht ermöglicht wird, die aktuelle Rechtsauslegung zu einer bestimmten Fallkonstellation zu studieren. Was soll das? Geht es um die Auslegung der Gesetzgebung und Rechtsprechung nach Gutsherrenart?
Zum Thema Anwaltsschwemme – liegt es an mir oder gibt es immer mehr Anwälte, die als Abzocker tätig werden – von der missbräuchlichen Massenabmahnung bis zum Versand unberechtigter Rechnungen mit beiliegender SchuFa-Drohung?
Stadtarchiv Köln eingestürzt – Hilfsmöglichkeiten:
http://archiv.twoday.net/stories/5566219/
Leider habe ich sehr viel mehr schlechte, inkompetente und fehlberatende Anwälte kennengelernt als gute. Wer längere Zeit mit der Berufsgruppe zu tun hat, macht meines Erachtens zwangsläufig diese Erfahrung. Ob es früher besser war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Der einzige Anwalt, dem ich ein Gütesiegel ausstellen würde, ist inzwischen weit über siebzig. Und hat mich einmal durch seriöse Beratung beeindruck und dann auch dadurch, daß er abseits seines Spezialgebiets Strafrecht auch abseitige zivilrechtliche Dinge wußte, die seine Kollegen gar nicht kannten und die ich mir in der vor-Internet-Zeit mit Mühe aus juristischen Bibliotheken herausgesucht hatte.
Kurios: sein Sohn ist ein bekannter Boulevardmediengestalter, die jüngere Generation scheint dem Wert der " Seriosität" weniger verbunden zu sein.
@Bundespolizei
Was für eine Farce. Zensur sei in einer demokratischen Gesellschaft nicht hinzunehmen. Und dann sperrt man munter einfach. Ist das ein schlechter Witz? Soweit treibt es die Exekutive durch die Zensurträume der Legislative also schon. Vielleicht sollte man schon froh sein das den Autoren keine Hausdurchsuchung widerfahren ist.
"Schäubles kleines Wörterbuch" gefällt mir gut, obwohl ich persönlich ja nicht unbedingt daran glaube, daß alle genannten Begriffe von Schäuble höchstpersönlich geschaffen worden sind.
Zum Artikel über die Zensur bei der Bundespolizei:
Stückchen für Stückchen wird der Rechtsstaat zu Grabe getragen. Erschreckt stelle ich bei mir fest: ich nehme solche Ferkeleien bisweilen einfach nur noch zur Kenntnis, weil ich insgeheim sowieso schon damit rechne.
Und wieder ist das nur ein "aha" – man kann ja eh nichts tun, man fühlt sich der Demokratur irgendwie nurnoch hilflos ausgeliefert.
"Klasse Journalistin schreibt über schlechte Anwälte"
Das Thema wurde auch bei Jurabilis bereits angesprochen: http://www.jurabilis.de/index.php?/archives/2406-UEberfluessige-Advokaten.html
Der Artikel verbindet eine statistisch unwichtige Zahl (Zulassungszahl) mit Allgemeinplätze (schlechte Anwalt, die keine Zeit haben).
Die Zahl der Zulassung sagt nichts über die Marktaktivität desjenigen an. Es gibt auch andere Gründe für die Zulassung, Stichwort Versorgungswerk der Rechtsanwälte.
Anwälte, die keine Zeit haben für die wirtschaftlich uninteressanten Fälle, gibt es sicherlich auch. Auch ein Anwalt ist Geschäftsmann und muss sehen, dass er Mandate hat, die das Überleben seiner Kanzlei sichern.
Wirtschaftliches Denken ist eine Notwendigkeit. Niemand ist geholfen, wenn man dem Anwalt erstmal Lebensgeschichte und den letzten Reisebericht nach Thailand erzählt, sofern er nicht relevant ist. Bei den Allerweltsverfahren wie etwa Miet- oder Scheidungsverfahren ist sicherlich diese Gefahr größer als bei einem Arzthaftungsprozess, aber ist es dann verwerflich, dass der Anwalt den redseligen Klienten auf das Wesentlichste beschränken möchte?
Der gemeine Anwalt würde vielleicht in solchen Fällen eine Honorarvereinbarung aufsetzen für den Fall weiterer Beratung. Ist dies verwerflich, wenn der Mandant sich einfach mal ausquatschen will? Selbst beim Psychiater bekommt man nur Stundentermine, warum sollte es nicht beim Anwalt gleich sein?
Ich frag mich ernst, wie man einen solchen schlechten Artikel so betiteln kann? "Klasse Journalistin"? Trifft zumindest nicht für diesen Artikel zu. Oder teilen Sie etwa die Meinung, Herr Vetter?
@ AlterEgo
http://de.wikipedia.org/wiki/Ironie
Es gibt nicht nur schlechte Anwälte… es gibt auch ausgesprochene Schrottanwälte – und das ist wirklich noch nett formuliert.
Kein Vorurteil, sondern Erfahrungswerte!
Es gibt aber auch die wenigen netten, kompetenten… Das Kunststück ist nur, sie zu finden.
Die meisten Hilfesuchenden haben sicher keinen Nerv dazu, dem Anwalt ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Sie wollen nur, das man ihnen hilft, um ihr "Recht" bekommen. Deshalb halte ich die Ausführungen des Alter Ego für Humbug.
Die Wahrheit ist, die Schwemme der Anwälte führt nicht zu mehr Service. Ich sehe oft eher ein krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Kosten. Mancher muss ob der Anwaltschwemme mit den 10 – 20 neuen Klienten pro Monat sein Geld machen, um den eigene Unterhalt und die Kosten der Kanzlei zu erwirtschaften. Und da werden schon manche "merkwürdigen" Streitsummen ins Spiel gebracht.
Sogar "Schlechtleistung" lässt man sich gern voll honorieren! Und vor Jahren waren Taschenspielertricks bei Kostennoten sehr beliebt… "Ich berechne ihnen für meine Arbeit 30/10" hört sich halt für den Kunden besser und billiger an als "ich nehme das 3-fache des üblichen Honorars".
Außerdem halte ich die Preise für die Erstberatung exorbitant! Hier stimmt weder Leistung noch Preis überein.
Einen guten Ruf muss man sich erarbeiten. Das geht nicht, wenn man den Klienten nur als Melk-Kuh betrachtet!
Ich denke, bei den Gebührensätzen für Anwälte ist auch das Haftungsrisiko des Anwalts zu berücksichtigen. Jedenfalls wird dies gerne als Argument für relativ hohe Gebühren angeführt, obwohl Anwälte eigentlich auch eine Berufshaftpflichtversicherung haben.
Wie auch immer – bis zu 190 Euro für eine Erstberatung, das hat auf den einen oder anderen potentiellen Mandanten sicherlich schon eine abschreckende Wirkung.
Schon interessant, dass sich Polizisten einerseits gegen Zensur aussprechen, wenn es sie selbst betrifft, aber andererseits Zensur (Internetsperren) befürwortet werden, wenn es die restlichen Untertanen (aka Bürger) betrifft…
@12 (bürger):
ist das jetzt so ein unbestimmtes bauchgefühl, oder können sie uns hierfür nachweise oder anzeichen liefern?
.~.
@13
Unter anderem hier: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/909543/
Genau lesen, denn da geht es um Netzfilter.
Der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen erteilt der Filterung eben keine Absage, sondern meint nach einigem verbalen Gewackel "Wahrscheinlich muss man beides tun." Er meint damit sowohl Filterung als auch Strafverfolgung.
"Präventive" Netzfilterung ist meiner Meinung nach Zensur. Strafverfolgung hingegen nicht.
Zur Bundespolizei:
Es wurde mitnichten eine Website gesperrt! Die Seite wird lediglich im Intranet der Bundespolizei nicht weiter vorgehalten.
Welche Informationen in einem Intranet zu finden sind, ist alleinige Sache des Arbeitgebers und der jeweiligen Arbeitnehmervertretung.
Eine Zensur kann ich hier nicht erkennen – lediglich die technische Inkompetenz eines Journalisten.
FritzFratz: Was verstehen Sie unter "vorgehalten"? Wollen Sie erzählen die Bundespolizei kopiert sich Webseiten in ihr Intranet? Ich vermute mal stark, dass westphal-stoppa.de entweder per DNS oder per Proxy gesperrt wurde. Das ist zwar Unsinn aber alles andere wäre noch unsinniger.
@FritzFratz
Zensur mag es nicht sein, es ist aber schon sehr fragwürdig, dass es den Mitarbeitern nicht ermöglicht wird, die aktuelle Rechtsauslegung zu einer bestimmten Fallkonstellation zu studieren. Was soll das? Geht es um die Auslegung der Gesetzgebung und Rechtsprechung nach Gutsherrenart?