Mal reinschauen
“Sie können ja mal in die Unterlagen schauen und mir dann sagen, ob Sie am Mandat interessiert sind.”
Der Hinweis, dass es sich um sechs mit Dokumenten vollgepackte CDs handelt, wäre hilfreich gewesen. Jedenfalls hätte ich schon dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich zumindest eine Zusammenfassung benötige. Am besten so drei bis fünf Seiten.
(Oder eine Anzahlung, um mich geduldig durch die Papiere zu wühlen.)
Manche Leute kapieren es nicht. Aber viele davon gehen ja auch zum ersten Mal zum Anwalt. Aber von zehn Leuten wissen z. B. auch höchstens nur zwei, wie man einen Leserbrief schreibt (nämlich kurz bis sehr kurz und prägnant), die anderen produzieren von vornherein für die Papiertonne und merken es nicht einmal.
Bei der Autowerkstatt gibt's "mal reingucken" nie kostenlos :-)
Die Anzahlung wäre dann nur dafür, dass die Akten geprüft werden, ob ein Mandat übernommen würde? Ohne Verpflichtung letztendlich ein Mandat zu übernehmen oder irgendeine andere Leistung als das Prüfen der Akten hierfür zu erbringen?
Dann könnte man als findiger Anwalt doch auf die Idee kommen, eine Anzahlung zu berechnen, anderthalb Stündchen lang die Füße hochzulegen und dann das Mandat abzulehnen? :P
"Dann könnte man als findiger Anwalt doch auf die Idee kommen, eine Anzahlung zu berechnen, anderthalb Stündchen lang die Füße hochzulegen und dann das Mandat abzulehnen? :P"
wenn man es mit einer autowerkstatt als potentiellem mandat zu tun hat: ja!
@2: Bei der großen Kette mit den drei Buchstaben bekommt man sogar beim Ölwechsel einfach so komplett neue Bremsen mit dazu. Weil "mit den alten Bremsen dürfen wir sie von Rechtswegen gar nicht vom Hof fahren lassen"
Das kommt davon, wenn man seine Mechaniker via Provision bezahlt. Klar, dass die anfangen, abzuzocken ;o)
@topic: Mandat ablehnen. Wer 6 CDs statt einer DVD benutzt, verdient keinen Anwalt ;)
cds fliegen schön weit, wenn der wind günstig steht, hatte mal nen stapel aol-cds, hab nachts die ganze strasse mit eingedeckt
@ 3, Dieter:
>Die Anzahlung wäre dann nur dafür, dass die Akten geprüft >werden, ob ein Mandat übernommen würde? Ohne Verpflichtung >letztendlich ein Mandat zu übernehmen oder irgendeine andere >Leistung als das Prüfen der Akten hierfür zu erbringen?
Ja! Du kannst ja auch, wenn Du krank bist, zu einem Arzt gehen, und fragen: "Was hab' ich denn nu?" Er wird Dich untersuchen und eine Diagnose erstellen, und Dich fragen, ob er Dich behandeln soll. Wenn Du "Och nö" sagst, bekommst Du trotzdem eine Rechnung für die Untersuchung und die Diagnoseerstellung. Und zwar zu Recht.
Merke: Auch das Wissen Anderer kann (und wird (und soll)) etwas kosten.
Da fällt mir ein schöner Witz ein:
Ein Mann, der sehr in Eile ist, hat eine Autopanne. Er versucht verzweifelt mit einem Hammer dem Motor wieder in gang zu bringen. Da hält ein zweites Auto neben ihm, ein Mann steigt heraus und bietet seine Hilfe an; für 100 Euro. Der erste Mann sagt: "Soviel Sie wollen, helfen Sie mir nur." Der zweite Mann greift den Hammer, schlägt einmal kurz vor den Motor, und: Siehe da: Er läuft. Der Helfer will sein Geld haben, da sagt der Erste:" Wieso 100 Euro, Sie haben doch nur einmal mit meinem Hammer draufgehauen?!?" – Da sagt der zweite:"Tja; gegeben einen Klopp: 1 Euro. Gewusst wo: 99 Euro."
Grüße!
Was ist daran auszusetzen? Wenn man kein Interesse am Mandat hat, teilt man es dem Kunden mit. Der Grund ist ja egal, und wenn es nur die eigene Bequemlichkeit ist, sich durch die Unterlagen zu wühlen. Solange der potentielle Mandat keine Rechtsaukunft will, ist das doch völlig OK.
Wenn ich mit einem Auto in die Werkstatt komme, bei dem zwischen vorne und hinten und oben und unten kein Unterschied mehr zu sehen ist, kann sie auch von vornherein den Auftrag ablehen. Sie wird dann aber auch kein Geld verlangen.
Immerhin schon ein Vorteil, dass er CDs schickt. Bei uns ließ vor ein paar Jahren mal ein potentieller Mandant 45 (!) Leitzordner abliefern und meinte, ich solle schon mal reinschauen. Danach hat er sich nie wieder gemeldet, war nicht auffindbar und die Akten durfte ich ein paar Jahre einlagern und später auf meine Kosten verschrotten.
@7 (Hootch)
Ich habe ja gar nichts dagegen, dass der Anwalt für die Prüfung Geld verlangt. Ich als Selbstständiger würde auch nicht für umsonst ein, zwei Stunden arbeiten wollen. Ich wollte mich mit den Fragen am Anfang des Posts nur vergewissern, dass man als Anwalt tatsächlich so einfach die Klienten abzocken könnte. Würde man aber sicherlich nicht oft machen, bis sich das herumspricht.
Im Beispiel mit dem Arzt wäre es aber so, dass der Arzt mich erstmal untersucht, dafür Geld verlangt und ich nochmal extra Geld bezahlen müsste, damit ich die Diagnose erhalte (=Beratungsgespräch beim Anwalt) oder gar therapiert werde (=vor Gericht vertreten).
Bei mir ist das ja genauso: Ich bin Informatiker und verdiene Geld damit, dass ich Dinge weiß, die andere nicht wissen oder nicht verstehen und mich dann dafür bezahlen, Probleme in dem Bereich zu lösen.
Blöd isses aber, wenn man dann die Probleme zu schnell löst, sei es, weil man gut ist, das Problem trivial ist oder man auch nur effizient arbeitet. Dann macht das den Eindruck, es sei ja gar nicht schwer gewesen und man würde eine völlig überhöhte Rechnung stellen.
@10 … und verdiene Geld damit, dass ich Dinge weiß, die andere nicht wissen oder nicht verstehen und mich dann dafür bezahlen, Probleme in dem Bereich zu lösen.
Das soll ja in etlichen Berufen so sein, selbst bei Angestellten.
Blöd isses aber, wenn man dann die Probleme zu schnell löst, sei es, weil man gut ist, das Problem trivial ist oder man auch nur effizient arbeitet. Dann macht das den Eindruck, es sei ja gar nicht schwer gewesen …
Darin kann ich aber kein wirkliches Problem entdecken. Wer zum Nachdenken fähig ist, begreift ja den Grund von allein. Wer dazu aber nicht in der Lage oder willens ist, dem kann man doch immer gern anbieten, daß er beim nächsten Mal als absoluter Laie die Arbeit selbst tut und dabei die Zeit stoppt. Hinterher kann er sich noch ausrechnen, wieviel Zeit/Geld er dabei gespart/zugesetzt hat. Eigentlich müßte es dann nahezu jeder gefressen haben.
Nabend
Das müsste ich mal bringen.Der Herr hätte gerne ein Angebot um sein Haus mit wärmedämmung zu versehen.Nach einem Telefonat fährt meinereiner hin misst alles aus (ca. 1-1 1/2std) danach anstatt mit den angenehmen seiten des lebens vorlieb zu nehmen sitzt man am wochenende am schreibtisch um ein angebot auszurechnen.der vermeintliche kunde wollte eigentlich nur wissen was das kostet und lässt es dann für 2k teuronen weniger schwarz machen.
die ganze aktion kostet mich ca 6std meines lebens.wem kann ich eine kostennote schicken.
selbsständig machen pah im handwerk pfui in die hose geschissen.ICH werde ANWALT da kann ich wenigstens Rechnungen verschicken.
gute nacht ihr Gottgegebenesrecht..ach vergessen wir das
rechtnichtversteher, deshalb sind kostenpflichtige Kostenvoranschläge ja auch nicht ganz unüblich unter den Handwerkern.
Ansonsten kann doch jeder berechnen, was der Markt hergibt.
@ #9 | RA Lothar Müller-Güldemeister
Und wieder was neues gelernt: „Flüchtige Mandantschaft“ :)